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Full text of "Heidelberger Jahrbücher der Literatur"

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II E I D E L D E R G E R 



JAHRBÜCHER 



d e r 



Literatur 



unter der Retlaction der Professoren 



G. lUrchcnr. H. E. G. Pjülus. 
G. Kirch enr. F.H.C. SctinrARz. 
G. Rath C. S. ZAcri.4nrJi. 
Professor G. F. fVAtcu. 
G. Hofrath F. Ti edemann. 
Ho&alh Fr, A. B* Pücjielt. 



G. Hofrath F. CnEUZSit. 
Ilofrath ff^jLiT. MuNCKE. 
G. llofratli F. C, ScuLossEn. 
G. R. Ritter Ä'. C f. Leohuard, 
Hofrath C. H. Ral. 



NEUNZEHNTER JAHRGANG 

oder 

Neue Folge: 

SECHSTER JAHRGANG. 



ZfPVLFTES HEFT. DECEMBER. 



Iii TS»; 



HEIDELBERG, 

ÜruL und Verlag von August Osswald^« Universitäls - ßiicliliundlmii,'. 

1 8 2 6. 



i ii r 

die gesammteii Staats-, Kattieral- und Ge- 
werbs -Wissenschaften, für alle Zweige der 
Gesetzgebung und innern Staatsverwaltung 

m i t 

besonderer Rücksicht auf Deutschlands Land- 
wirtlischafts- y Gewerbs- und Ilandels- 

verhültnisse 

i n 

Verbiuduiig mit mcbrern Staatsmännern und Gelehrten 

lierausgegebeu 

Dr. joD. iiJaiil iöarl, 

KSniglicli Bayerischem Hofraihe , orJentlichera öffeuüiclien Lehrer 
der Staaiswisienschaflen auf der Königlich Bayerisclien UniversitHt zu 
Erlaogen 9 mehrerer gelehrten Gesellschaften Ehrenmirgliede 

, uud Korrespondenten. 

Unter ol)igem Titel erscheint vom Jahre 1327. an eine 
Zeitschriit in zwanglosen Heften , deren Treis nicht über je 
2 fl, steigen soll, und wovon im Jahrosla >f wenigstens drei 
ausgegeben werden. Diese Form ist mit darum gewJihlt, 
weil sie für liedachtsame und allenfalls wiederholte JLectüre 
angemessener ist, als die eines Ilüchtigen Zeitungsblatts , so wie 
sie.aucb eine geprüftere Auswahl der aufzunehmenden Beiträge 
statthaft macht, wenn nicht zum Tag das Blatt voll st-yn mufs. 

Das vielseitige Interesse, welches dieselbe sich 
sprechen darf, wird sich noch niiher aus dem nachstehenden 
ausführlichen Plane entwickeln. 

I. Das Archiv verbreitet sich über alle Zweige der 
Staats«, Kamerai- und Gewerbs Wissenschaften, 
der Legislation und innern Verwaltung der Staaten, über die 
allgemeinsten und gröfsten Interessen der Re- 
gierungen und Völker, und bringt dahfr die wichtigsten 
Staats - und Nationalangelegenheiten zur Sprache. 

II, Dieses Archiv umfafst sonach die polizeiliche (im 
weitesten Sinne) , peinliche, bürgerliche, «ationalükonomi- 
sche und finanzielle Gesetzgebung und Staatsverwaltung , und 
zwar in Ansehung der Theorie und Praxis; es bringt zweck- 
njäfsige und bewährte Verbesserungen in heider Hinsicht zur 
gemeinschaftlichen Keniitnifs des deutschenGesammtvateriandes. 



■ > • 



I • 



40- 1826. 

, ' U ei de 1 b e r K e r 

ialirbüoher der Literatur« 



. LiOmikm mi. 3U^mam S.gr.^,. Pff. 8 Ltd* 

- Wcnir unter dem 4evttciieli geletirtefi (iijblicttai die Zeld 
derjenigen nieht eben 'tebr grolt eeyn mag, weldie tidi fAtf 
^iMÜt Wtrk '▼urallgtich intereMireni to tmd gewift diejenl»: 
gen nodi minder sililreiGfa^ welclie daeeelbe flb^rlmnpt sit 
i^Wbtie l^iiMiment und jicb mit eeinem wichtigen Inhalte 
abdetflC all durch Autaflge in Zeiteohriften bekannt nmchen 
Unnen. Diesen gUuht Ref; durch die Mi^theilung der er» 
baftenea bauptsflcfificiif ten Retultate einen Ge&Uen su ersel« 
geuy' und gründet sugleach auf die Vieleeitiglteit det wissen« 
schatltliehen 'Auebildung seiner Landsleute das Vertrauen t dafs 
nuch Ihr sie im Allgemeinen dieser Gegenstand nicht ohne 
idlee- tnteress« seyn wird.' Es handelt sich nflmlich um dia 
Jke^tiinmang der Gestalt unserer Erdkugel, wotoit sich schon 
die Fhilosophen Griedienlands eehr allgeakein beschlftigteii« 
lim derentwillen der Chälif AI Mama m nach kaum beendig« 
tnr blutiger Begrandung des MUhaoliedänischen Reichs in Bag« 
^Ind , eine gro(se Messuns veranstaltete , und- am welche man 
Mdlich seit Vollen drei Jahrhunderten im ctilttvirten Abend« 
lande mit stets Wachsendem fiÜur bemfihe gewesen. is^„ . Un» 
möglich kann also^ Schon von dieser Seite betrachtet» die neue- 
nte undansih'einend Vottl'tlincligsteLOiung dieaSs Fcoblemt ir* 
gend eineäA Gebildeten gleichgültig seyn* 
' . 'Bs- m&t sich indeis dieser Gegenstand noch von einer 
•nderen Seite betrachten » welche sicher hei' vielen von gros* 
enm Cnteresse se^rri wird ^ nSmlich wenn man d«*n tfufsefor* 
dottdiäi gräfimn Aufwand bertUfksichtigt , welchen idemelbe 
acton vakursacbt hafr und noch alleaeit erfbrdert, Fflr Ref. 
wnnpgsteal/als stillen 3oobachter der Richtung; welchen der 

AiX, Jahrg. 7. n«ft* 40 




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626 . Sabin« 00 tiM igor« o( th» £«rth. 

... , 

sogenuint« 2«ttgeift nimnitf it|'«i Ite^i «rfreiilicbf.imlienHf* 
Iwü, wenn lrgeda#Q j|t#al^rMl G^oAei getdiielit, ipni .d^ 
V^saenaclraft auf ibre« «ritiügenen Sieo dp u nette su «rhalten^ 
ö4er wo mögliclir nodi weiter su rflcken, dmit der^ a^heinbar- 
ia "d^r .Ordnung der-Dhige * begräiidete^ Iffechae^/eiBea VorV 
und AOckicItrjeitena in iitt geistigen Cultur and[ das abweclb»; 
i|el:nde ZurQcksinken sUr Barbarei nieiiials >der mittdestena an 
bald 'nicht wieder eintreten iddge« finfirenlich/Slnd derglei« 
eben ßrofse Bemtthuhgen insbesondere in. den jetsigen Zeiten,. ' 
in wachen ' an sum wenigsten vielen Or^ der £l^r liGUr dMw 
Bleibende neben 4er steten Sorge für das VocHberaeheodei su* ' 
ffehmend erkaltet« und nur wenigen Oberhaupt, in den. Sinn 
kommty solche OenkmäUr eiiier grolsen- find'^kqren.Xhatig« 
ktit SU hinterlasseil , uni deredtwulen noch gegenwirtis nacii 
Jshrtiiuienden dauernder ZerstSrnng Grieidieuiand iinaLJ^oni 
itt.iinserin Atidettken leben, 'und deren baseyn die GeschjiBbto . 
vierewigt. So' gtuf wir. indefs noch in dteseiii Augenbli^keT uns 
sehr a^gemein.- an des Eratostfaeneä un^ .^oitd<^nM|S. . d.|lc%.> 
tige BemOhunaen, die Gestalt^der iErde; ▼ermittelst einer ^ 
kupfernen Schue und eines Stütei su bestimnieof voiit hoher » 
Aoitung ertAnisrn, eben so' sicher w^en such dio gegen wSr- 
tigen JUlessungen durch die Geschichte verewigt wei^eni^' Jär>. 
welche Kriegsschiffe* ausgerüstet wurden, -und um dereolwil< 
len geübte Geometer mit ded köstlichsten Instrqimenten TSr-^! 
sehen etsien vcillen >Qiiadranten der Erde durchreiseten« Tor*^ 
Bugsweise hiJiett' die F r a n a o s e n* und Engländer suf dio . 
BestimmMng der Gr^fse uiid Gestdt der Erde giroCie MflhO; 
und unglaublidie Kosten verwandt, obgleich aueh4indere. Vdl* 
ker^t sogar die- Chinesen ihr Scherflein hiersu beisutrsgen 
bemClbt waren. Erfreulich ist es endlich su bemerkeilt. dsl^ 
seit den leisten drei Jahrhunderten 9 in denen man sich mit. 
diesem Probleme ernstlich beschäfitigt hat 9 die Technik in der 
Verfertigung stets- vollkommener gebaater Instrumente mit 
der Genauigkeit im Beobachten und dem Scharfsinne in der 
Berechnung der erhaltenen Reaoltat« stets gleichen Schritt ge- 
halten haben. • 

Durfte B.e£ sich erlauben ^ die Wichtigkeit des im vdr» 
liegenden Werke abgebandelten Gegenstandes im Allgemeinen 
ansudeuten, so wird es um so mehr erforderlich seyn^- den 
wisseoschäftlicbenStandpunct etwas nlher su besetchnen , ,äus 
weldiem dasselbe betrachtet werden muYs, Bekanntlich brachlo 
Newton den Streit filier die eigentliche Gestalt' der Erde, - 
die man bis dähiii für eine" Kugel gehalten hatte y dadurch- in 
.Anregung, dafs er ihre Abplattung an 'den Polen aas dem von 



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Am «iufgeiUUcefl Gesetze AHÜeliung und ScIiWongkrail 
föijgHI«*. s WAf« «1 Mdgltcb geweitA, <Uf GegenÜMil laciitdl 
au «tmiiftii « «o nmltfe damit die gante Tbeorio su Grund« 
mfkkßA^. und. Frankreich liekicflt den Kuhnii in aeineoi d«^ 
kartet den gröfsten NiliiqphiUaopben aufgetCcUl su haben ^ 
welcbntt 4tr Britta N « w t p n- ihm streitig machte» MübsaM 
Mefsuogen in Fraolureicb wurden vollführt f und tiebei Gar* 
tiest.'ttS iie^lef denn die Erde war hiernach längIiflbt.poine* 
muieiiförflaig gebildet, und nicht diircb die Schwungkraft 
unter dea Aequator erhabener, Newton dachte indeU viel 
iwk kbir» erwog die Framia^en zu geneu» und bauete die FoU 
gerungen mit su viel innerer Coniequens auf dieaelben, sU 
äa/ä ein solcbe^Afsultat ihn wnnkend machen konnte, da 9t 
auf dem betretymen Wege schoa ao viel Neues und Wicbtigao 
gefunden hatte; ^npneiAobflngec theiken seine Ueberzeugung^ 
sbre Gründe waren unwiderleglich | und der Streit blien un« 
oiUcbiflieil* .Endlich im Jahre 1738 faffte das fransdftisobo 
Gouvernement den preiswürdigen EntKblufi^ der -VV inen« 
nokaft uneigennttitig ein grolses Opfer zu bringen , und durch 
nwei Snf e^itionen einen Breitengrad anter dem Aequstor und 
aint^n unter <lem Polarkreise messen zu lassen | um dem langen 
StrakiS mn Ende zu machen. Diese Operationen und aelbst 
die Tosianbatiesi Schicksale einiger, dabei betbeil igten Personen 
sind ajuiieknnntf als dafs es einer wei^ren Erörterung be«- 
dArlte. Newton siegte» seine Verdienste wurden erst nach 
feinem Tode vdJlig erkannt » aber dai|iit war seinem Kuboio. 
noeb die Unsterblichkeit gesichert. 

Indem man sich von jener Zeit an eifrigst bemübetOf dai 
orhaltene Resaltal:' darcb theoretische Untersuchungen und 
wiederholte jtfesinngen au bestätigen und erforderlichen Falls 
sa verbessern , wuchsen die Wissenschaften zusehends , abet 
biermit zugleich die Zweifel | ob die gefundene Abplattung 
der Erde in gröfster Schürfe richtig sey* Unter mebrerem an* 
deren bietet hierbei abermals Frankreich ein merkwürdigea 
Beispiel der wissenschaftlichen Thiitigkeit dar. MUten unter 
den wildesten Greueln der Revolution , im Innern zerrüttet« 
4urck battrgerlicbe und auswif tige £riege gedrängt« trieb das 
Streben:iiach demGroTsartigen und Zuweilen dem Ungeheueril 
den liesseren Tbeil der Nation, ihr Vaterland genauer zu ken- 
nen » insbesondere ein festgeordnetes und unvergängliches . 
JVLial'sj^rstem einsuföhren ^ und die früher von dort aus iieban^ 
delttf Ati%abe über die Oröfse der Abplattung noch weiter su 
• befördern, welches zusammengenommen diegrölste, bis jetzt 
nicht ftbertroffepe Gradmessung von Dünkirchen bis Formen-* 

40* 



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62S Sabine on ih« figiue o£ Üic £utlfe 

tera durch ihre gewiegtesten Geometer ausfflhren su lastek 
jdie Veranlassung gab« Vor der Vollendung dieses riesenhaf« 
- ten Unternehmens trat auch England wetteifernd auf. Eine 
ausgezeichnet sorgfältige Messung durch Mudge- von Süden 
nach Norden über den gröfsten Theil von £ngland*ausgedehnt 
tcblols sich an die französisebe an, und eine noch gröfsero 
wurde in den weiten Ebenen Ihdient durch Lambton be- 
>gonnen. Je zuverlässiger die hierdurch erhaltenen Kesultaie- 
waren, um so fester wurde zugleich die Ueberzeugung be«r 
gründet, dafs eine absolute Gewiisbeit auf diesem Wege nicht 
SU erhalten sey, umso mehr, als die eogliache Gradmessunj^-. 
Ükt sieb genommen sbgar die alte Meinung von einer Verläu* 
gerung der Erde an den Polen begünstigte. Man erkannte 
also die Noth wendigkeit 9 zu einem andern Hülfsmittel dieser 
Bestimmung seine Zuflucht au nehmen, welches zufälligen 
Einflüssen weniger unterworfen ist, nSmIich die Länge des 
einziehen Secundenpendels unter verschiedenen Breiten za 
messen, hierdurch die Zunahme der Schwere nach den Polen 
bin zu bestimmen, und hieraus die Gröfse der AhplatHing zu*. 
. finden. Allerdings hatte nian schon seit Bouguer's Zeitea> 
verschiedene solclie Messungen, .allein sie sina zu wenig zu-< 
verlässig, und es waren daher neue f mit der jetzt üblichen 
Sorgfalt angestellte» erforderlich, um auf einer sichern Grund*« 
läge fufsen zu können« Abermals machte Frankreich auchc 
hiermit den Anfang. Biot in Verbindung mit Arago^' 
Gheixy Mathieu, Bonvard u.a. fing von Formentera 
an, die Länge des Secundenpendels zu messen, und setzte* 
dieses nicht Llos bis Dünkirchen für einige Hauptpuncte fort, 
sondern dehnte den Bogen der Messung selbst bis nach der 
schottländischen Ins^I Unst aus. Bekanntlich hatte früher 
La Ca i 11 e durch seine Gradmessung und seino Pendelbeob* 
achtungen auf dem Vorgebirge der guten Ho£Fnung den merk«« * 
würdigen Satz in die mathematische Geographie eingeführte 
dafs die südliche Halbkugel anders gestaltet sey, als die nörd« 
^ liehe, worauf seitdem gar viele Conjecturen gegründet wur* 
den. Man durfte es daher als eine Verpflichtung der Fr an« 
zosen ansehen, diesen durch ihren Landsmann eingeführten 
allerdings paradoxen und keineswegs genugsam begründeten y 
Sitz genauer zu prüfen, und entweder zu bestätigen oder zu 
berichtigen, und es läfst sich nicht verkennen, dafs sie sich 
, dieser Verpflichtung allerdings zu entledigen suchten. Schon 
der unglückliche La Peyrouse hatte den Auftrag, an ver- 
schiedenen Orten der siuHichen Halbkugel die Pendellänge zu 
mefseuf doch sein iSchicksal . verhinderte es, hiervon eine 



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I 



/ 

StbiM oa iIm ignt ot ilw Sank 629 

- Au$beut9' Stt erhalten. Reich soll dagegen diejenige teyn, 
welche das Publicuni von den Bemühungen Freyclaet'a und 
Dup.errey*s begierig erwartet. 

Wßhntad der ersten, durch Biot autgeführten fransö« 
itschen ül^etfungen wurde im englischen Parlamente die Mo« * 
tion gemacht, -die Regierung zu ersuchen , dafs durch eineo 
geübtvn Geometer an den Hauptpiiiicten finglands, durch 
welche der oben erwähnte gemessene Theil des Erdmeridiant 
ging, Pendtflbeobachtungen angestellt würden , um wo mdg«' ' . 
iich die Uraacben des so unerwartet abweichenden Kesultatea 
.SU, er gründen. Der Vorschlag wurde genehmigt , Captain 
Xat.er erhielt dieses Geschäft , und führte es mit seltener Ge*' 
wandtbeit ijii;£xperimentiren aus. Ihm verdankt das Publi« 
•UfU die sogenannten unveränderlichen Pendel, welche mit be* 
Wiindernswerther Feinheit construirt ihrem Zwecke ganz vor« 
Sflglicb entsprechen. So wichtig aber die Resultat«} waren 9 
welche unmittelbar aus seinen Beobachtungen hervorgingen 9 
•O genügten sie dennoch nicht zur vollständigen Auflösung 
des schweren Problems , und selbst als sie mit den franzÖ* 
sitdieii verbunden wurden, und die genaueste Uehereinstim»* 
niusig beider unter einander hervorginge blieb über die Frage 
•elbsC do4^ POcb stets eine bedeutende Ungewifs^heit herr« 
Acbeod* £f .Jieis $ich erwarten, dafs man bei einmal begon« 
beoeiD Werke, nicht auf halbem Wege stehen bleiben würde. 
Man gab daher von den nach Kater 's Angabe verfertigten, 
nit den seinigen genau verglichenen Pendeln einigen Geoina» 
tefn £xemplare auf ihren Reisen nach Oertern mit ^ welcha 
mbe ädi^Ae^uator liegen^ und Sabine selbst führte aia be» 
jicby als er den Captain Parry auf seiner berübinten Ent> 
decknngsraiaa nach der Insel Melville begleitete. ' Doch man 
war mit allen diesen einzelnen BeitrSgen zum grofsen Ganseil 
flieht atifrisden, sondern fafste den preiewürdigen Entschluüi« 
Sür dieaefet Zweck ein eigene« Kriegsschiff ausiurüsten ^ und 
vom Ae^uiitor an bis nach London hinauf an niebamn geeig- 
neten Orten Beobachtungen anstellen »u lassen^ um aus einem 
•ao bedeutend grofsen Bpgen die Abplattung, des £rde au fin* 
den. Der geübte Captain Sabine vollbmchte diesea Ge» *. 
acbSüty &nd aber bald aas den erhaltenen Rasulfeaten^ ^Xa 
auch dieses nicht völlig, genügen würde^ und eine Fort» 
aetaung der Messungen bis au möglichst bähen* nördlichen 
Breiten- unent^ehriich sey.. Seil».. des wegetv schriftlich einge- 
fetchter Vorschlag, würdig schon, vor seihev Baiekkunik nicht . 

- blos genehmrgt, söndaiMn. er fand auch selbst ^in geeignetea 
Schliff in Bereitschaft ^, ufli^aeitig- genug imL nichsten. Sommer 



* 4 



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' ' * ' * 

4m beeUet^ii Norckn, «eiiic MMtaifgen fort$ii«elf^fett; •' ' jdi«i)|c* 
MaiNi'«lio loBtn binnen weniger «le 9W9i 3i^^' 13^ 
afldlidier bis su 80** ndrdlieber Brei|i^, aiti der hiitleetteto* ' 
2one in die kftlteite , wq ech werlicb • £arop&<Ar Imesudauern 
vermögen , und' durchscbi£Fte aomifc webt alt einen voHen 
Quadranten der Erde. Man darf bierb^i wabt mit Recbt 
eagen : wa4 ist einer grollen seefahrenden Nation nteht aUta 

i^lie Früchte dieser Expedition sind dem Fuhlicuöi in denr- 
vorliegenden Werke mitgetheilt, und Ref. l^Siin- veraicfaern, 
dafs sie ihm einen angenehmen Genufs verschafft haben«. Zu* 
gleich kann er einige J)iUige Schadenfreude in sich nicht un« 
terdrllflliisn^ dafs der tbätige Verfasser durdi die Schnelligkeit 
der Bekanntmachung den französischen -Gelehrten binsichclicli . 
der Entscheidung der Hauptfrage den ]^ang ab^ev^onnen' hat, 
Freycinet war ein volles Jahr fri&her von sifiner Reise au« 
rück, als Sabine die seinige antrat, und dennoch wartet 
(daa Publicum n>>cb stets Y<^rgehlicb auf die Ausbeute der er* 
.«teretu Dfeberhaapt ist es fraglich, ob es filr die Wissen* . 
fehlet «ehr förderlich ist» dafs die Beschreib iingen wissen* 
JSChaftlicher IVeiien gegenwärtig zu einer unermerslicbeii Lfinge • 
^^Skusgeapcmoen werden, Es geben hierdurch Pec^nnien bis sa 
Ihrer Bekanntwerdung vorüber, der Xieser mufa «ich durch 
«ioe Afenge von Sachen mfihsam durcharbeiten , welche zw^t 
^i^nia interessant sind, aber sein# Kenntnisse nicht vermehren ^ 
und die Kostbarkeit der Werke verursacht, dafa iie in groften 
mbliothtl^ aur.Sehau atehen, wahrend den fleifsigen Ge» 
lehrten 4ie Drittel lehlenf sich den Zugang su ihnen au ver* 
athaffen; und die letateren aind ea- doch eigentlich , lyeldM 
den reichen Stoff a^u verarbeiten und sur Befiederung der 
Wisaenschaf^ su verwtaden aich am besten eignen, ^ßndlieli * 
bittet Ref. diejenigen seiner I^eaer, welche den Wahil begeo, 
die S.ngUnder unternthmeii mcbta ohne mercantiles Interesse,^ 
dSt^ea harte Qrtheil surflckaunebmen ; denn obgleich mit deii 
letaUn I<|oirdpialar*^£x.peditfanen wenigstens einiger Schetsi 
einer Handelse^eculation in Verbindune «u brii^en war, sa 
iß% dieaei doch ganz vnmÖgliQh bei dieser dun&us wissen* 

a^haftUohea und augleich sehr kostbaren Reise de«. Captaia 
'Sabina« / 

Nach dieseii trösansgeachkl^ten Qemerkungen wird es ein 
l^etchtes «eyut deii» Jbuf ^nhaU des vorliegenden Werkea an* 
augebeOi^ Biet weitem jeit erdeten Theil ni« S. 4i6* nebtpen 
die Beabachtunged .der Fenf^llftogen ein , welche Sabine au 
St, Th<?a^%** J^HaranhaiA, A*<«entiQa, Siei ca-l-ieone^ 



I 



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... . • . * •* 

Ff.itliilftd, B«bla, Jamaict uDd New-Yof k auf 
rn^r «sten, und zu Drontbe im | bamoie rf e • Giftil» 
fand «nd.Spitsb«rgen auf aainar aweitni £xp«Hition an« 
aldlt«9 wovon sieb lim Autaag geben lilat. Jeder Sjchm 
keaner wird sie aber mit grofaem Vergnüg^tf ll^rbHcken^ 
und aicb über die geringen Abweicbungtoii freuen f welche die 
•üiB^lnen aebr aablreicben Beabacbtungen aowobl der Ptndol» 
acbwingungaii an aich ala aucb dia aatronomiacben sur Ba» 
atimuung der geograpbiacban Laga der gewählten Oartar und 
Sur Reguürung der gebraucbtett Ubren und Cbronometar Tom 
ariibmetUcben Mittel aua allen darbtatab. Di« Abplattui^ 
daa £rde]]ipsoids f welche aua diesen hervorgeht» betrügt 
nach der Methode der Jkleinaten Quadrate berechnet, wia sia 
achon von 9 i o t in aeinar Aatronomia bei der Beradmung aat* 

,ner erwähnten Messungen angewandt ist, Jjg^^» .""^ 

mit bedeutend gröfaer» alt bisbar nach allen varacbiedenen 
Beatimmongsmitteln angenommen wurde« Bin voraOglicbar 
Grund des Vertrauens in diese Baatimmung liegt nocbdarin» 
' daCt Sabina aeihe gebrauchten Pendel jadeamal vor aeinar 
Abreise in London prOfta und mit dem von Kater gebrauch« 

• ten Normalpendel verglich / und baidamala nach seiner ROcIu 
kabr abermaia prüfte, ohne auch nur die mindeste Verdnda* 
TU«g an denselben wabrsunehmen. Noch mehr aber. Da e» 
sur genauen Bt-recbnung der Raaultate van grofser Wichtig«, 
keit war'f dia Auadebnung deraelban durcb dia*varschiedene 
Temperatur genau kennen au lernen , ao scbeuete er den Auf* 

f^and von Mühe und Zeit nicbt»^ diejenigen Temperaturen ^ in 

* denen die einzelnen Beobachtungen angestellt waren » in^on« 
d on mit grofser Sorgialt künstlicb berauatellen» und auf diese 
Weise die Auadebnung der Meaaingstailge aus der Zahl der 
Schwingungen empirischL nu beatimmen«. Wirklicb- £snd sich 

; die Grdiae der Ausdehnung dieaea Metallaa att£ dieaem Wege 
geringer,, als si«^ biaher ange/iommen wurde. 

kia.iat leicht su ecachten , dafs Sabine au£ser diesen sei« 
»efi eigeneik Messungen, auch auf die früheren Rücksicht neb» 
mm würde. IKesea iat narar' geschehen^ allein in einem ge* 
ringeren lifmfange, als man vielleicht erwarten konnte^ Aus- 
geschlossen* aind mit Recht alle äl^ren von Bo^uguea an bia 
auf die neiieateo franzdaiscben, denn man weifs schon. iSngat 
aus La Pia ce 's. Berechnung derselben., daf^ aus ihnen aohwer* 
lieh ein mit dem gefundenen vereinbares R'^ultat bervorgehea 
wird, bnd au^Nnrdem aind sie überhaupt für ao höchst fein^ 

iMoaaungen ad wanü| genau da(a ein von ain^i^ s o-auaneltmend 



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0% Sabliie pn >lw fignra of iIm tetb^ 

übereinstiiAmtiidait R«Ui#4 dt di« durch Sabin« geliiCcrCe 
Ut, billig au0g«fcbl(MMii werden mfiMcn. Att%«(i)9nmen hat 
dieiac di£airiiur dieanglisobeiit durch Kater ^raranttalte- 
ten , und mufita ditaea auch schon aus dem Grunde, weil sia 
iich u^miitelbac an die seinigen durch den geaeinschahlichen 
Vereinigungspunct in Lon don- anscblialaen« - Bekaanlliob 
hat indefa aucn Biot aaina Messungen an jena anglischen an. 
^aicblaiaanf und die genauetta Uebarein Stimmung beider mit 
•inander nacbgewietan-» weswegen auch diese mcht fflglich 
ydn Sabine finergangen werden konnten. Hierauf entttahan 
also drei Beobachtui^traihan; die durch Sabine erhaltene an 
drdaehn OrtäHa die Kater*aoba an tiaben Orten und dia' 
;fcan;$fttit'^ha ah acht Orten, autamman acht und zwanzig, 
worin aber dia von London, Unst und Iiaith doppelt 
vorkomaien , so dafs also im Ganaan fftnf and zwanzig B«ob« 
acbtnngan blaiban« . Aua der EutaoiaaantteUang der Mattuti« 

.l^an von Sabina und Katar. folgt die Abplattung s 

i 

und aus der Summe alier drei Reihen rrrr« Wenn man nün 

liarflcktichtigt, mit walcbar Sorgfalt diese getammtan. Ver- 
auche angettalh wurden» was für feine Instrumente man da« 
hei gebrauchte^ wie groit dar Bogen ist, in weicbeni die ein* 
seinen Orta liegen , und wia uabedautand^andlicb die Abwat« 
cbungen der einseinen Mettungen von dam aut allen erhaltenen 
■littleren Resultate find , so darf man Jana Battiromung {Cot 
•ine höchst wichtige Erweiterung der matbematitchan Geo« 

fraphie halten« Die gröftte Abweichung der gemessenen 
*ai|de]]3ngeif von den nach einer aus allen folgenden Gröfsa 
dar Abplatton|^ berechneten beträgt nämlich nur ein halbet 
Hundertstel ainat angUtchen Zolles , und dia drei gröfsten 
Abweichungen tre£Fan aufserdem die Mettungan au St. Tho<» 
^atf Atcansion und Spitzbergen', an welchen drei 
]Pun<iten aber eine ttberwiegendv driliäe Anziehung durch den 
basaltischen , vulcanischen und aus Quarafelten bestehenden 
-Boden durch Sabina dentUch nacfagewiesan Ul. Kann aber 
das erhaltene Endresultat als richtig gelten , so liegt seine 
Merkwürdigkeit nicht blos darin t daft as. die Abplattung viel 

frÖlsar angiebt » %U bisher angenommen wurde, indem nach 
1«^ Place aua den pradmattungan, dan £endaUängan und 

den Ungleichheiten in 4en Eewegunge» des Mondes gjj f<?%ff 
sondern auch hauptsächlich darin , dalt hiernach dia Al^htt» 

tung dam Varhältnitta dar $chwaB(|lg|aft wc fichwtfA.untar 



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t 



SMtt 0» die ügm •( ik» Xuih* 623 

dem Atfquator völlig gleich ist. Um diete» gehörig zu wür« 
digen, mufs indels zugleich berücksichtigt werden, daTs der 
Unterschied der Pendellüngen , oder was einerlei ist , der 
Schwere ünter dem Ae(£uatur und den Polen die Abplattung 
nicht unmittelbar giebt. Die Länge des Secundenpendels un- 
ter dem Aequator nSmlich findet Sabine aus allen hin! und 
swanzig Beobacbtungeu ^ 39901620 englische Zolle und Msioe 

Verlängerung am Pole ^ 0$t0246% deren VerhaJiniff ^^^^ 

. ieU ' Beltinnlltdi aber l$t nach dem durch Cl a i r a u t ' atf^Fge- 
£anleiien Tbeorenie 5/2 mal das Verlilltnift der Scbwungkrefc 
Sur Sbhwere. anter dem Aequator, weniger der VerlSugt-run^ 
dea Secnnderipendele unter dem Pole au aeiner ganeea Linge 
unter deoi Aequator der Abplattung gleich, oder aber» wenn 
. die Zjftnge dea Secundenpendels 7Z «eine VerlSofierung un- 
ter dem Pole s dU Schwungkraft k\ die Abplattung 
f geietat wtrdf ao itt. 

2 X 

Wird hieraus f s3 k gefunden, wie das erwähnte iiesultat 
angiebt, to ist 

- Jk^l:s^;aliio|ka ^ • ' 

• • • • 

oder aber das Verhaltnifs Z giebt die Schwungkraft ganc und 

• noch ein balbea mal* Wen» nun alio annimmt f da£i der £>n» 
fiuia d^ Schwungkraft in dieaer Grdlaa enthalten seyn muiaf 

. ao käme auf die Wiiteng der Abplattung noch die Hälfte die* 

• aer GrOTse, welches eigentlich mit der längst bekannten altiP 
TbeoHe <dee aoharfs^nnigen H u y g 6 n a . ausa^ menf äUt« 

Dafc S a h ? n e bei seiner so vollstiJnd;gen und gründlichen 
Erörterung dieses Gegenstandes verschiedene der neuesten und 
genauesten Pendelbeobachtungen öberall nicht mit berücksich- 
. tigt hat , war für Ref. etwas auifallend, Vcrmuthlich hat 
derselbe aber bei einer genauen Prüfung derselben gefunden» 
dafs es ihnen entweder überhaupt an der erforderlichen Schärfe 
fehlt, oder insbesondere dal's den Beschreibungen derselben 
die erforderlichen Bettimmungen mangeln, um die nothwen- 
digen Correctionen mit Sicherheit anzubringen, und in einem 
aolchen Falle der Ungewifsheit ißt es am besten, dasjeni^Jö, was 
man einmal als suverlasäig be8it:i&t, disrch das weniger Sichere 
nicht zu verwirren. Die vorsüglichsten unter den neuesten 
Pendeimesftungen sind die durc» 44e ^paoifchen Geometer 



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I 

634 ;$«biiie on the figore of the Eudt. ■', 

Esplnosa und Bauza unter niederen Breiten angestellten 
die mit Kater 's unveränderlichem Pendel durch Hall, Fo 
6ter, Goidingham und Brisbaine zum Theil auf der 
aüdlichen Halbkugel ausgeführten, und diejenigen, welche 
wir dem Captain babin e selbst verdanken , indem er als Be- 
gleiter Parry*s auf dessen Entdeckungsreise gleichfalls ein 
Kater'sches unveränderliches Pendel mitnahm. Von der 
^^uveriässi^keit der ersteren ist Ref. nicht hinlänglich über- 
zeugt , Weil ihm die Quellen zu wenig zugängh'ch sind, dio 
beiden letzteren Keihen gehören aber gewifs nicht unter die 
schlechtest^^n , und es schien daher nicht zwecklos, der Ver- 
gleicbung wegen auch diese, eilf an der Zahl, wovon drei 
doppelt beobachtet sind , und welche einen Bogen vom 
33,758ten Grade südlicher bis zum 74,75sten Grade nördlicher 
Breite umfassen, auf gleiche Weise nach der Methode der 
kleinsten Quadrate zu berechnen. Aus diesen für sich ge- 
Aominen ergiebt sich eine Abplattung des Erdsphäroid's s 

• * Nimmt man sie mit den durcb Sabi-ne berechneten 

298,76 

Beobachtungen zusammen, und räumt ihnen einen gleichen 
Werth mit jenen ein, so ist die Abplattung nach der Summe 

von allen s » - • ßiebt man ihnen aber nur den halben 

Werth , so ist sie — Im Allgemeindn also aeiat sich 

auch hierin eine Beatätigung dei oben angegebenen Reaultä» 
tea^ und wenn man hinzunimmtr, dafs die neneatey mit grdfs- 
ter Sorgfalt autgefiDhrte Mesanng von Längengraden im rar^ 
leliron45^ 13' 12'^ von Maren nes bei Eoyan bia Padua» 
welche dnrch Brouaaeiattdt Ntcolletf i^ictetf riann 

und Carl in i voileudet ist, die Abplattung awiichen 

and giabty an ^ndet.ancb hierin jene Angabe eine uner- 
wartete Bestätigung. £s ist somit also endlich das Verhält« 
nifs der beiden Erdaxen mit einer ausnehmend nrofsen Ge- 
nauigkeit gefunden, und die Auflösung eines Problems wirk- 
lich erhalten, welches mehrere Millionen an Gelde, unnenn- 
bare Mühe und Zeit den Gelehrten, und genau genommen 
dem berühmten Mechain das Leben cel ostet hat. Die neue* 
sten Bemühungen geben aber nicht blas dieses , sondern zu- 
gleich auch die Gewifsheit, dafs erstlich die Erdkugel überall 
gleichförmig gestaltet, und dafs an einzelne Irregularitäten 
nicht zu denken ist, und zweitens, dals die südliehe Halb. 
"kugel mit der pdrdlichefi eine gWicbe ISurümmun^ bat. Die 



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^endelhtfobaclitaifMi tia^ «Smlich un^M iO frmeliitdencM 
Graden der Läng« angestellt , daft baenioa die Unrege]iDiIai|* 
keilen der •KrOminüng durcbiiua herrorgehen mOfateAf wenn 
ate wirklich vorhanden waren , und da aie bis nahe sum 34sten 
■Grade der südlichen Breite reicheni so sind sie -auch ■ rOcit« 
•icbtlicb der zweiten Frage v#ttig •Iitl!^b«i4aild.' Diestf lua* 
s^ste südliche f und ist T a r a m a 1 1 a, «^öSethst dii^ gemessen« 
l*«DdelUnge von der nach Sabine*« angeriommenen Abplat* 
tung berecbnaCeO nur um — 0,0009« also kein volles Tausend« 
^iieil eines englischen Zollea abweicht. Di« r<*gelaifiltige G«» 
8ta\t der Erde , und , was ans' vielen, hier nicht sa eröriem» 
den Gründen gleichfalls folgt^ die Vorauasetaung « dafs der, 
Erdball ursprünglich flüssig war, als er um sein« jetiige Axft 
eti rotiren anfing, endlich, dafs di« I^g« dieser Axe von jener*' 
Zeit an bis den beutigen Tag stets unverändert geblieben 
ist, können wir deinnach als wohl begründet« phyalcaliscb« 
JLiebrsätze annehmen. 

Nach dieaar Digression, wozu Ref. durch di« Wichtig* 
Jceit der Sacb« und eben beendigt« Untersuchungen verleitet 
ist, kehren wir zum Inhalte unsers klassischen Werkes zu« 
rück. Der Verf. desselben hält sich dnrchaua b«l kein«» Ne« 
jbenojoständen der Reise ^ erlebten Abentbeuern u. a. w. auf» 
Sondern theiJt bios dasjenige mit, was unmittelbar zur Sach« 
vefbdrt. Nur in einigen Fftlleo , wenn «r durch die B«hOrd«iB 
der Oerter vorzflglich unterstfltat ww^f Allgemeinen 
herall mit grofaer Willfilbrigkeit geachah , oder wenn die Lo« 
calitüten einer bequemen und sicb«r«Q Aufstellung der.Instrit» 
mente Hindernisse in den Weg legten» merkt «r di«s«a'kur« 
an. Als eine Digression ist ea ferner anzusehen, wenn «t 
iicb über die Zw«ckinil(sigkeit ausläfst, die Länge des S«» 
icundenpendels, «n «in«» schicklichen Orte der Nordamerika- 
niscben Freistaaten gemessen , als Normaleinbeit des dort erat 
ca bestimmenden IVtaafsea 8U wählen. Selbst die Gefahren, 
womit das £ts im Polaroreere die dort reisenden Seefahrer al« 
lezeit mehr oder weniger bedrohet, giebt er bloa in denjenl« 
gen FSllen an, wenn sie auf die Erreichung des vorgesetzten 
/Cweckes einen Einflufs hatten. Im Üebrigen beschränkt «1 
«ich «ufschlieCsJicb auf die Beschreibung der angestellten Ver^ 
ancb«, -wob«! «r indefs auf MIe bedingenden Umstände Rück« 
sieht nimmt, namentlich auf den nicht nnmerklichen £influ£i. 
der Befeetigung des 0««te]1ea, welches das Pendel- zu trag«« 
Irestimmt ict', die Lage und Beschaffenheit der Acbatplatten » 
«IQ« «ni«uerte Politur der Messerschneiden, des Tefsd«!« 

u w.a vttebf« 4i« Sprgfal^ b«i den S«Qb«cbtttPgtii 



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6^ J < . Sabioe on the ügiire of the Eartli. 

docamentirt, und für andere« mit Ähnlichen Yeriadien Be« 
«cbähigte fehr belehrend i«t. ' 

Aulser diesem Hauptinhalte enthält Sabine 's Werk 
noch einige Anhänge, welche zwar nicht als solche ausdrück- 
iich bezeichnet sind, aber doch so betrachtet werden dürfen. 
Dahin gehört eine Beschreibung der Ostküste von Grön- 
land vom 72. bis zum 76* Grade nördlicher, Breite nach einer 
l)eigegebenen kleinen Charte, Es würde interessant seyn, die 
hier bestimmten I'uncte mit demjenigen zu vergleichen^ was 
neuerdings der wackere Sco resby hierüber mitgetheilt.hat , 
allein dazu ist hier der Ort nicht. Auch bei diesem Ver« 
Buche, sich der Küste von Osten her zu nähern, fand Cla- 
.vering, der Commandeur des SchifiFes, dieses oberhalb dem 
74« Breitengrade wegen des beständigen Eises unmöglich, 
womit Sco re sb y 's Bericht übereinstimmt. Entschieden ist 
.es übrigens durch die sieben Wochen fortgesetzten genauesten 
Untersuchungen, dafs die vermeintliche Strömung, welche 
das Eis von jenen Küsten berabwärts treiben soll, durchaus 
nicht existirt, welches sehr gt^g^n die viel 1/esprocbene Mög- 
lichkeit einer Nordwestpassage entscheidet. Uebrigens kom- 
men manche südlichere Eismassen allerdings durch anhaltende 
Nordostwinde leicht in Bewegung, und legen bedeutende 
Strecken zurück, für die über den 75. Grad hinausliegenden 
Eisfelder sind die erforderlichen Nordwinde aber weder an« 
haltend noch stark genug. 

Ein zweiter Anbang betri£Ft hydrographische Notizen ^ 
namentlich die Meeresströme. Hier findet man eine interes- 
sante Nachweisung von Beobachtungen des Dr. Franklin 
vom Jahre 1776, übereinstimmend mit denen, welche Sa« 
bine selbst l822 gemacht hat, über die mit gröfserer oder 
geringerer Stärke in den Sommermonaten wehenden Winde 
unter dem Aequator, wodurch eine gröfsere Menge heifsen 
Wassers in den Mexicanischen Meerbusen getrieben wird, 
deren ZurückstrÖmung nach den Europäischen Küsten dann 
einen unverkennbaren Einflafs auf die herrschenden Winde 
und stärkeren Regen, mithin auf die Witterung im Allgemei- 
nen hat. Hierin liegt allerdings ein natürlicherer Grund des 
unbestimmten Charakters der VV'itterung in einzelnen Jahren, 
als in den wunderlichen Hypothesen derer, welche alle Ur- 
sachen in dem Verhalten des Folareises oder des Schnees auf 
den Wolchonß koi- Gebirgen abzuleiten sich vergebens be- 
mühen. Viele interessante Bemerkungen über die Temperatur 
jderLuft, der Mees-csoberfläche und einiger mündenden Flüsse 
fin der VVestküsice Africa's sind l^etoes Auszugs fähige und 



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SMmi OB tlw Spn «f iIm Mmtt> 



C»7 



Imi so die gmuen BettiaHiiungen in Atektanc «ifi 'ßtlrka 
IT JÜMMlitrdiiM auf der gaoMD 'Fahrt d«e 'Kriegttchiffta 
.iMeaaC ei^n Sf arra Jüaana Lif If avir-York, waTcba lala* 
' tmmu durdi «malLlaina Charta arllutatt aind« 

Saht aiataraMaiit ift aiaa kalraa» dia Temperatnt Am- 
Bfeavaa Wralfosda Uotartiiabmig. * Sah in a aatat aidiUclt 
dtajanige Temperatart walM Maarwataar aaSna grdiata tMchi« 
tigkaitlniiaD eoUi auf 42^ ^* odat diaaar aaha komMad, a|ao 
«IM iMif SV O, ' Vfm ImI diati ]|ahauptU0{; ka|rlliidat itt 
»nA^aufiwalabaTatatudka aia aieh aiüist, watft Aa£ »idbt, 
fbdafr achalM'dta Aiik||aha awaifidhafe*, indaoi'iiaeh da Lfre'tf 
'Varandian geelltlcie Sälato<da frltibar mll AuatthaMiing yaa 
Mritafiriain, ala Paitct dar grOfatan Dichtigkeit alfllritli« 
lUf. hal aeJJbfat.eiiiiiial Varaocha Olier daa Öefrieraii daa kaaat^. 
IS«fraiitSäewaaiara aiiceMlll« dahai eelegnitli€ii'a«f<dan Fii|taa'' 
der gröftlatt Diehtickeit geachlet, uier hloa alna üuad^AaNw 
tai*'£Eoeieiita «dea G^rierena wahrgenomoieDy uad iac MmL 
diaeen Beobaehtiiarge* Uad iiaah'der Belehaffanheil *der. TeoNi 
pteatut in grdliereA Tiefm der Pblariiieei<e detM^duna^ deti 
Faiiat der grOftten Dichtigkeit dea Seewaseeai liese iid oda£* 
uiunittelhar ftker eeinefli (MrierponcU', aaf keine Welae abat 
JiObar alt helm'Ftnforaeaer. indeia mögen dieae heaelieidadim. 
ZwaÜtfJ nur den Wanäch aaedrücl^eii , ohar dieaen Gigenetand 
mil'grdüiarer'Sickerlieil kelehrt au werden,' ala duaah 'ati^ 
gelegentliche Aeuftefung einea lOhrigena lMdauiandeit.JMahM» 
tei^ ge89b«hen kann* l^eaa, Taaipefaluf von 4^^ ^F; inU.ddaa 
Maar «uf aeiner Ölierflachn awieahen dam 65. und 6T. Giadd* 
N. fi. luihen , und ao #lrd fatalere dann nach Nofdan hm'kil« 
ter, nadb Snden au wlrmer^ in beiden Flllan apen^ lekfatecy 
und In den (ropischen Gegenden innAi daher eine gewiaae Tiefe 
«niaiiren , In welcher daa Waaaer dieae TemperaCiir hat« weU 
die* in jaröiaeren Ttefoii nicht weiter ahnehmen kann;* Uni 
* dieaen Fuact und aueleich daa Geaeta der Abnahme der Tenu 
peratnr in grdlaeiien xiefen kenifen au lernen, warde ito. Ca« 
raibiachen Meere in 20^,5 N. B» und 83^5 W. Ii. von.Graan« 
wi^ ein Veraiich angestellt ' Man Hefa ein Shcthermnaietaif 
▼ermittelal einea Bleigewichte von 75 Plund an einelr iS46 
Faden langen Linie herab; auf daa Herabaiiiicen kamen 85 Mi«' 
nuten, daa Heran aaiihen koatele 53 Minuten 9 und wenn nadi 
einer aehr '^wahracheinlichen SchAtaung 246 Faden auf' die 
ecbirfe Aicbluttg der Schnur gerechnet werden, ao erreichte! 
daa Themiometer eine lothrechte Tiefe Von tooo Faden, und! 
r^fite die Temperatur daaefbat 45^5 ('/,5 C), an -4er Ober- 
fi^äa öS« F. (26,3 C.) , Wonach dtaTaaperatur ftar et#a sM 



Fa4«li ntbc F. sinkt« Bei einem sehnlichen Versutbe ^ ir sth 
ieben Gaptain.iWauchope in 3^ 20' 3. B. und 7^ O. L. 
Einstellte 9 fand er in etwa l300 Faden Tiefe eine Temperatur 
Von 42^ F. , obgleich di« Oberfläche wegen des Aequatortschen 
Strömei'nur 73^ F. keigte. Die angegebene Temperatur von 
42^ F. lag also nach jenem Versuche in 1200 f nach diesem in 
^00 Faden Tiefe , obno/Sweiftl alt Folge der ungUicheii g^P« 
grapthiicheii Breite. 

Eine aebir achAtsbare Zugabe machen die magnetischen 
Beobachtungen eus, namentlich zur Erforschung der Stärke 
des Magnetismus ) wobei sich Sabine der schon von ihm auf 
(|fr Nordpolarexpedition gebrauchten Deklinatorien und der 
Itekannten Meyerscfaen Inklinatorien bediejute« die auf d ieser 
letaten Heise erhaltenen Aesultate werden mit jeiieii früheren 
ViergUcben, ujn desto bestimmtere Ge^etae su erhalten , au<. 
deren Erläuterung aleichfalU eine Charte beigefügt ist. Ob« 
gleifih diee#.genze Untersuchung nur von S. 460 bis 502 ein- 
^iiQflit, so ist doch der Inhalt ea. reii^h an Thatsachen, dafs 




enthSH nur «tvei Untersuchungen , zvieiat. Ober die Depression, 
iu Meerhornontes öber dem Golpbttrom«» isunächst nur für 
jSijelahise» von. rorsÄglichem Interesse; dann Ober die Stärke 
def'etmhhmden Sonnenwärme und der Wärmestrahlung in der 
j|«2nosabSre» in Höb^n und im Spiegel des Meerea. Gleiche 
Tketinometer wurden auf dem Glacis von Fort Charles zu 
y^^^vtr Aayal auf Jamaica in «iner Hobe von 8 F. über dem 
Me^eeepiegel und auf dem Kamme eines Berges in der Nähe 
4080 F. über der Meeresfläche dem Einflüsse der Sonpenstrah- 
i«n Mn4 der nächtlichen Strahlung gegen den heiteren Himmel 
«l^gesetzt. Dm eigentliche Beobachtungsthermometer hatte 
«Ine mit Liampenrufs geachwärste Kugel, welche unter die 
ftab'berabgtagi daa zw Messung d«r äufserh Temperatur 
^eatimmte war gegen den Einflufs der Strahlung gesichert. 
Auf il«t niedrigen Station atieg das den Sonnenstrahlen ausge- 
eetste Thermoiiieter binnen sechs Tagen der Beobaehtune nicht 
k(Uier als 36,5 Grade F. über die Temperatuf der umgebendem 
Luft , da» auf der höheren dagegen auf 69*" t und selbst wenn- 
die iS.Grede der Temperaturdifteren« der oberen und unteren 
Station abgezogen Werden', betrug dennoch die S^rke der, 
atrahlendea /Warme auf jener 9 Grade mehr als auf dieser« 
Uebereinitimmend hiermit Eel das dem freien Himmel auAgC'^ 
»el^te Tli^iilömtn io eieb^ Nikhten durch Wärmeatt^hiluog. 



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tQ iev unteren Station im Mittel um 9 Grade noter dieWflrne 
der umgebenden Luft (imMaximo nur 11^,5)* auf der oberen 
dagegen io einer Nacht um l8 Grade. Die Differenz der ^rö(a. 
ten Hitze und gröfaten Kälte durch Strahlung war also binnen 
24 Stunden beider Vegetation auf der unteren Statiön 65^f5f 
auf der oberen 77^ F., worauf der gröfaere Effect derselben 
in grdlaeren Höhen sichtbar hervorgeht. Auch mit einem 
Ditferentialtbermometer wurden an beiden Stationen Beob« 
Achtungen angestellt. Die Grade desselben bezeichneten Tau« 
aendateJ der Temperaturdifferenz zwischen den beiden festen 
^uncten des Thermometers 9 und während dasselbe durch den 
]^inl\ufa der Sonnenstrahlen an der unteren Station im Maxi«^ 
i^Q nur 91** F., im Mittel in sechs Tagen aber nur angab ^ 
zeigte dasselbe an der oberen im Maximo HO*', im Mittel aut 
vier Beobachtungen an einem Tage aber 92^9 auch bedurfte 
ea dort zwei Minuten, um die gröfste Differenz seines Stan« 
des zu erhalten, hier aber nur ip5» Es lassen sich hieran gar 
manche Betrachtungen knüpfen, deren sich lief, aber enthält , 
ipdam es genügt 9 die Thatsachen seihst mitgetheilt zu haben. 
Man ersieht aus der hier gegebenen Anzeige des VVeika, 
wie bedeutend der Inhalt desselben ist, und nimmt mit Ver« 
gnügen wabr, dafs der wackere Veriasaer aufser dem Haupt* 
xwecke seiner Reise auch nebenbei der Wiaaenscbaft so vieleiif 
Zuwaclps «4 r«r44fb«ff9n »icbu^ i^n «Uot Umstände oux immtc 



yon dem Delirium Tremens durch Dr. //• ^» GSdülU Berlin f 

bei Mßimfr» VI wt4 l82 ^. 10 8» 1 fl« 21 kr. 

Vorliegende Schrift liefert nach des Ref. Bedünken einen 
wertbv^ollen Beitrag zur Naturgeschichte und Therapie des 
seit der Erscheinung von Brühl. Cramer's und Sutton's Schrif- 
ten über die Trinksucht und das Delirium tremens von Philo« 
aophen und Aerzten so vielfach besprochenen Delirium trem. 
potatorum. Obschon das Werk nicht frei von Mängeln ist, 
so hnt dasselbe jeden Falls das unbestreitbare Verdienst, nicht 
r.ur, dafs es, ohnedies das erste über dieses Thema im deut- 
schen Vaterlande (mit Ausnahme der in Zeitschriften enthalte* 
nen Abhandlungen), auf eigene wissenschaftliche Beobachtung 
gestützt, ein naturgetreues und vollständiges Gemllde diesei: 

KraiikbaU Meiert^ wie wU sokbe« Iii« jtiUt «odi okht 

f 



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iS40 Qoden über du JDdirinm Treneni. 

* ■ * * . • 

safsen 9 sondern dafs sie auch dem bie und da herrscben^e 
Gläuben: als bestünde das Wesen derselben in einer EntzQ' 
dung des Gehirns und erfordere eine antiphlogistische Behand«' 
Jtlngy mit erfahrungsreichen Gründen, doch, wie et dem Kef« 
lledünkt, etwas zu einseitig beschränkend, entgegentritt; 
abdann aber^ dals sie die Indicationen zum Gebrauch» der 
passenden Heilmittel, je nach den verschiedenen Stadien der^ 
jSlrankhett, insbesondere aber des Mohnsaftes , als der Sacra- 
«"nchora idf Delirium tremens, auf eine rationell praktische 
Weiaa ünd viel schärfer und ausFührHcher, als bisher gesche« ' 
ll9n|. zu begründen bemüht ist. — Um den Lesern den Inhalt 
.der interessanten Schrift näher darzulegen, wird Ref. die 
«echs Kapitel, aus denen sie besteht, einzeln durchgehen,- 
lind ao weit es die Grenzen einer Anzeige gestatten, dasje*. 
idge anmerken, worfiber er ander» Meiiiuog sii aeyo akk' 
gedrungen fühlt* 

Erstes Kapitel. Begriff und Name der Krank* 
heit (S. 3 — 9.). l->«r Vert, verwirft allen and jeden An- 
theil des Gefäfiiy-stems am Delirium tremens, und erklHrt- 
dMselbe dagegen seiner Form und Sufseren Erscheinung nach 
fitr eine durch den habituellen Mifsbrauch geistiger GetrUnka 
entatindane, heftige and (iefe Affection des Oa-. 
bims und Nervens ysteiiiff deren hervorstechen« 
dtf' ZufäUa und Zaiclreii« in-Delirien und Fhan« 
taaien mancherlei und aehr veränderlich«r Art, 
in einam "'arll^onainan babitua tremulentus, in 
einam oonvuUivi sehen, anhaltenden Zittern der Glieder be« 
atehen , auf der Hdba mit lahmangiarCigen Zufällen und un. 
willkührlicb^o sitternden Bewegungen der Muskeln, dabei 
Veracbiedenen Stufen ihres Wachatbums , bestimmten Zeit** 
räanien* ibrar Eiitwicklüng und einer ihr ek^enthümlichen, 
jiicht in qualitativ oder quantitativ veränderten Ab - and Aua« 
aonderuneahy sondern m einem natürlich anbaltandan' und 
lallen .Scnlafa bastebandan immattriailan 



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N. 4t 1826. 

UeidelboTger 

Jahrböclier der Literatur. 



God^en, itou dem Delirium tremens« 

H^f. findet in dieser fiegriflfsbeitimmung, io weit tie auch 
ifu Uitbrigen lit; doch our sweiy das Delirium tremeni pota* 
t^lpÜBi' als einen morbus sui generis charakteristreiMe Merk« 
jpm'j nämlich^ die derselben als prädisponirende Urtaclie zu 

. Oruhde Hegende cbroaiicii« V^eingr^IstvergiFtiing , und diW 
Krisia:durca'den Schlaf; -«r niücbt« aber noch ak ^Tn drittes^ 
Auszeichnendes Attribut kinyut'iigen , daU mit jenam (durch 
die Natur oder JCunit bewirkten) Siblaf^ so^^ich auch und 
glelcbsam mit elntm 'Schlag« die Gen«a«ig eintrete , welchan 
•chnellen Uebergang Von dar grdft^n IlÖha der Krankheit in 
die Genesting wie sonst iii keuieu» «tnsigen , akut verla>ifen« 
den NervenübeJ wahrnehmen. Alle andern f von dem Verf. 

. angeführten Merkmale für die Eigentbümlichkeit des D, t. p. 
gehören diesem aber jaicbt wesentlich oder ausschliefslicb an, 
und namentlich finden auch bei der| zuweilen Stbr rapid ver- 
laufenden, Febris >iervosa versatllis nicht selten dieselben un« 
ablüssigen körperlichen Agitationen , derselbe tremor artuum^ 
tvelcher selbst die Pulse zu fühlen hindert, dieselben flUch« 
tigen , abspringenden und rastlosen Delirien Statt, und gUicb 
schnell wie im D. t. der Süuter erschöpfen sich auch in dieser 
Krankheit die Lebenski afte oft unaufhaltsam , wodurch Läh- 
mung und Tod herbeigef ührt wird. Selbst die dem Ausbruche 
des D. t. p. oft längei-Ä Zeit vorangehende besondere Schlaf- 
losigkeit beobachtet m»n nicht ganz selten auch als einen Vor* 
hoten des hitzigen Nervenfiebers, und wie im erstem ein 
tiefer und anhaltender Schlaf eine günstige und achnelle Ent- 
flcheidung herbeiführt, so sehen wir auch in der reinen ner. 
vosa kein besseres Hülfsmittel zur Beruhigung des aufgereg- 
ten Gehirns und Nervensystems und der Sanunlung und Bin- 
dung seiner sich zeistreuenden Kräfte, als eben auch den 
Sdilafy obwohl hier einiger. Unterschied Statt findet. Pos« 

XUC Jalirg. 7. Heft. * ^ 4i ^ 



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Gölica über das DelUiuin Trtfaif|il* 

gleichen ist auch im reinen Nervenßeber, gleichwie im D. t. 
p. , das Opium als eines der kräftigsten Mittel zur Besänfti- 

eung und Beschränkung rier einseitig sich verasehrenden Ge- . 
irn - und Nervejithätigkeit schon lange in Gebrauch nur 
reichte man «s hier in kleineren Gahen , als im D. t. p. ^ weil 
man es in letzterem mit durch die Völlerei überreichten und ab« • 
gestumpften Körpern zu thun hat, bei welchen allein gröfsere, 
dafür aber seltner gereichte Gaben dieses herrlichen Mittels 
die auPs Höchste gesteigerte und baldige Lähmung drohend« ' 
Gehirn« und Nervenaufreisung in gesetzliche Schranken zu- 
rückführen und Schlaf hervorzubringen vermögen. — Dafs , 
aber dem D. t. p, selbst auch, gegen den Verf., zuweilen ma- 
terielle Krisen oder Metascheinatismen , wie dem Nerven« 
lieber, zukommen, lehrte den Ref. die Beobachtung^ au Folg« 
welcher sich bei einem Trinker ein läst^er Husten und Wür-^ 
gen des Morgens, mit besländigem Zittern der Glieder, öfte- 
ren SinnesiÜLischungen und irrigen Vorstellungen, eine Art 
chronischen Delirium tremens, alsbald verlieren , wenn seine 
liand« und Fingergelenke anschwellen, schmerzhaft und steif 
werden, alsbald aber u^iederkehren, wenn di« Gicht aus jeoeri 
Gelenken allmUhlig sich wieder entfernt. — Dafs die reine 
pervosa gleich dem t. p. auch ihre verschiedenen Stufen des 
Wachsthums und bei^immte Zeiträume ihrer Entwickelnd 
h^he, bedarf wohl keiner Erwähnung. Widersinnig und 
für die Pmii, von den unglücklichsten Folgen hält der V^rf. 
^ie^B^nenniuig encepiiaHtis, pbrenitis potatorpm für die in 
Frage «teilende^ KranJiliek, ds^ solche ihrem Weteo iw6h jdaii 
Gegentheil der , £ntsOndüng . siry , vop einer 'Hirnf ntsOndung 
•p wenig , da von ^inet EntsOndung überhaupt die Aede teyn 
kAnnef und im gansen Verlauf» der ICrenkbeit eo wenig ela in 
deren Krisit oder Ausgängen »ich krankhafte Veränderungen' 
•«igen, .die* auf' .ein Leiden dea Gefäisfystems binnviften^ 
Ref. itt. jedoch ttberseugt, daft dem Geftissystem der ertt^ 
Antbeil an dieaer Krankheit .sul^omrae, unddaOif wenaoian 
daa.D..t. ricKtig beurtheilen will , suerateuf die koge vor* 
•»•g^ngene Einwirkung jdet tüglichen Üebenmuilsea geittl* 
ger Getränke auf jenea Syiite« Jlfldcficht genoi^men werden 
rnuit, indem nur eirtt, wenn dieThätigkeit des hrUtern Aarch 
jfne Aeize allmShlig bis auf einen gewiaaeh Grad* eracbd|^f t 
oder gelahmt worden iat, daa D. t'.aich aussubilden vennyag» 
Welches nun aber ala Gulniinatipn der nWvdaen Seite der cbro« 
nische« VVeingeianrergiftune oft um ao »chneiler den Todber^ 
beifabrt , je weniger die Kräfte dei Gebiriii und Nerven^* 
-eya^^ft. durch die iftsign . aber tpanote GefttTitbätigkeit ;Mhr 



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» i m ihn im DtUrium Tiu»mu 44j 

Ontmlttltt utid wieder belebt werden kflnn^n« Allerdings 
ieft dann ia diea««» Sinne daa D. t. p, in dem Zeitpunkte 
Her Höbe eine reine Nervenkrankbeit, die nichts mehr bildet, 
"tonderntlie Lebenflkrttfte nur su veraebran droht, aber sie ist 
et nur durch das Medium des GeUfssystems , daa binge suror 
acbon in anhaltend vermehrter Keiaung befangen, allm&hlig 
fiberrei.zt und abgespannt Werden mufstg , ehe endlich auf se« 
cundäre Waise diejenige krankhafte Stimmung im Gtbirii ond 
Nervensystem herbeigeführt werden konnte, welche der ge* 
nannten Krankheit zu Grunde, liegt. — Auch schon jed<*r ein« 
seine Rausch, welcher im Grunde ein schnell vorübergehendes 
DeVirium tremens im verjüngten Maafsstabe vorstelle, ist in 
der Regel durch zwei Stadien bezeichnet , von denen das erste 
Kfider irritable 9 exbilarirende, mit momentan behaglicher Stei* 
gerung aller körperlichen und geistigen Verrichtungen vor« 
Augs weise im Gefäfssystem haftet, das zweite sensible (nar« 
kotische, oder transitorisch lähmende) aber, durch Ermat« • 
tung. Schwanken und Zittern der Bewegungen «^aaPgehobene 
Willkübr, Stumpfsinn, Sinnes- und Gefühlstüuschungen und 

• verkehrte Ideen bezeichnet, das Gehirn und Nervensystem 

* inne hat, nach kurzer Zeit durch Vermittlung eines tiefen 
Schlafes, gleichwie im D. t- p. wieder in Nüchternheit und 
Wohlseyn übergebt., was man denn auch schon im gemeinen 
Leben durch die Worte: den Rausch ausschlafen, auszudrfik« 
]ten pflegt. — DaCs sich aber auch im Gefäfssystem selbst ^ 
gegen die an so vielen Stellen der Schrift auf eine elUtt en^ 
schiedene Weise ausgesprochene Behauptung I alt bitte daa« 
eelbe keinen .Antbüil sun D. t. p.| deutlich erbennbere brank« 
bafte Veränderungen in dleeec Kranbbeit.nadiweiten .leeieiif 
md.aoa»U eine durcb bebituellee Saufen lange bestandene dy« 
»amiicb-cbeotttcbe OeBlfii* und Blutreiaung sieb aucb mate« 
Ftiä in denGeüiraen selbst suweilfn fixiref erfubr Kef. bei 
der jsoraftltlg angestri)ten Leicbenllirauiiff. einet* ain O. t. 
verstorbeniini.sedie und dreifslgisbrigenlmnnes, bei welkem 

die innere Bant sAmmtliisber Höb^adee Heraens t die Kiep« 

5 eis derselbe»^ so .wie die innere Oberfläche der. Aorta und 
eren grj^ftim.VetBW^igungen in der Brust« und BaucbbOhle 
;dvnkmotbf die. Kranaarterieo des Hersens schmutzigroth , 
d«a Hen selbst ^b<rr welk und.scbleft &nd; und auf ähi.liche 
' yfrm$9 beobacbtete er dieses Frflbjabr In der Leicbe eines ehe« 
maligen starken Branntweintriokets, aufser anderweitigen be# 
beutenden krankhaften Terindarungen , auch eine Entzflndung 
dns BruslStQcks der AQrta , so wie bei einem Zweiten dieser 

Avt» daeetlilMUlndan io Foka ataat 6hr«ntecben KcankbeUee 

41* 



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544 ' Qöd«a über dai DeUrium Xremeat* 

processet an mehreren Stellen erweicht und durchlöchert war 9 
zugleich auf eine überraschende Weise auch eine allgemeino 
Kötbung der inneren Olierlläche der linken Herzhöhlen , der 
grofsen Gefäfsstämme am Herzen, und silmmtlicher aus der 
iVorta entspringenden Pulsaderäste in der Brust- und Bauch» 
höhle. Aulserdem aber erweist den directen Anlheil des Ge* 
fafssystems an der hf\^iituellen Völlerei unter Anderem auch 
noch die nur allzu hilufige Beohaclitung, dafs die nif^isten 
Trinker 9 wenn sie nicht am D, t. oder andern acuten Folge- 
Ubeln de» tibermäfsigen Trinkens sterben , sie gewöhnlich an 
andern Krankheiten , die von einer primären Aftection des Qe« 
fafssystems ausgehen, wie z. B. an Apoplexie, Brustwasser- 
Bucht, Hectik y Blutbrechen, so wie an Lebet Verhärtung, 
oder der Degeneration irgend eines andern edeln Eingeweide« 
Abeihaupt, ilir Leben einbüfsen, — Nach dem Verf. kommt 
das D. t. nicht bei Wein-, sondern nur bei Branntweintrin- 
Icern vor, allein Ref. hät dasselbe auch bei übermärsigem und 
habituellem Genüsse des Weins beobachtet, und Kopp ersShlt 
in seinen Beobachtungen S. 253 S' einen fibnlicheh -Fall; je« 
doch icbeint der Wein 9 aus nahe liegend«» Gründen , nicht 
«o sentdreud ^uit den Organiioittii ^insttwirlten^ ids dtt 
Branntwein* % 

Dkit aweite Kapitel bandet (S. iO — 29.> von den 
Eisenthttmliclikeiten des ]>iiliriam treniäne , uiid iet -eigent* 
IIA eine auifahrlichere Expotitlön der im Vorhergebenden in 
den Begriff dieser Kra'nkbeit aufpenomnienen Merkauie; In 
Hinsicht auf den Ausbruch des Uebels fand Ref« in den ihm 
iroraekommenen Fallen t dafs au der^ durch den iiabituellen 
Miubraucb geistiger Geh'lnke im Körper begrfindeten krank« 
haften Anlage au dem Dalif ium tr, p. , immer auch npcb eine 
lyelegenheitsürsacbe kommen mufstet wenn die Krankheit 
ausbrechen sollte, und dafs djes gewöhnlich eiüe Gemaths« 
iMwegungy' «in heftiger Aerger oder eine erlittene KrSnkung. 
warf Aber deren nacbtheilige Einwirkung sieb hinweg au 
aetaen, der Trinker nicht seelenstark g«nug au seyn schien^ 
und mit welcher er dann so lange u mgieng » bis sie sich seiner 
Seele endlich. ausscbliefslicb bemeisterte , und nun auch die 
übrigen sensoriellen Functionen mit in den Kreis der Ver- 
kehrtheit bineinaog. In Bezug auf die, dem Ausbruche 
des Del. t. p. vorangehende Schlaflosigkeit erlaubt sich Ref., 
gestfitzt auf die vorurtbeilsfreie Beobachtung einer nicht ge* 
ringen Anzahl Säufer, zn bemerken, dafs dies^ Erscheinung 
bei Trinkern üherhaupt vorhanden ist» und nicht erst als ein 
&«u eintretender Vorbote der baldigen Krankheit auftritt^ 



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OtfHm. 91h0t iat Dtliritta Tumna. . 645. 

iondem lu dUur Zelt nnr gettelgerur iontt gewdbnUdi . 
iith «inUtont» indem kein babiCaeJIer» tigKcher Tnttkm einen 
rdbigen Stblef beeiut, sondern derselbe nur eo binge betiobt 
scbbAmmert, bis die Wirkung dee suletzt geoostenen»- rei« 
sdnd^aarkotiechen Cetrinkes vortlber ist, solcber ebert-eo* 
jMild diei .\iiacb wenigen VormitlernaditatundeD gesdiebeUf 
dann nur (un ao anhaltender wacbk, und meiatena wat gegen 
Morgen f~ Wenn andere JLeute bereite auiliteben^ wieder auf 
kuc^e Zeit in Abspannung etnicblununert* Wibrend einea 
aol^hen ntfcbüicben Wacbena laaaen die Trinker dann Nie- 
mand Rabe» der in ihrer Nibe aey-n mufa. Entweder faulen 
aie umher und suchen irgendwo noch vorhandenen Wein, 
Branntwein oder Bier auf, um eich aufs Neue dadurch Aube 
oder Schlaf, oder vielmehr neue Betfiobung £U verschaffen , 
oder aie acbleich«n sich noch um Mitternacht in den Keller 
hinab, um.aicb am Weinfafs selbst su erlaben» oder sie gehen 
in einer Art coma vigil im Hause herum, sehen in einem Zun 
atande halber Verwirrung Stunden lang sum Fenster hinaua« 
glauben Brand su riechi^n ^ die Feuerglocke au hdren oder 
selbst Feuer zu sehen, durch weiche Verinathungen sie nicht 
selten ihre Angehörigen tüuschen , od(>r sie. verfallen halb wa« 
^end, halb träumend, im Zustande höchster Aufreizung! in 
«ine Art tran&ltorischer Tobsucht» gehep mit dem Messer auit 
die- Ihrigen los, und setsen » - was ihnen nahe ku.nmt, in 
Schrecken. Ohne dals nnn aber in solchen Fällen schon ein 
eigentliches Delirium tremens vorhanden wäre, so ist es doch 
unter bewandten Umstünden zum völligen Ausbruche einea 
solchen nicht mehr weit, und es würde sich dasselbe gewifs 
öfter einstellen, als es wirklich der Fall ist, wenn man sich 
nicht meistens alle Mühe gäbe, den aufgereizten Trinker zu 
Jjerubigen, und ihn, koste es was es wolle, auf irgend eine 
Weise zufrieden zu stellen. — Wenn der Verf. S. 17. sag^-« 
der Kranke im D. t. wolle nichts v^om Krankseyn wissen, er 
glaube sich gesund u. dergl., so kommt dies wieder mit der 
bäufigen Erfahrung Im Nervenfieber (^herein, wo man den 
Kranken auf diesfaliäiges Befragen oft genug antworten hört : 
ihm fehle gar nichts , er sey gesund ! Trelfend fand Kef. da* 
gegen die Bemerkung des Verf. S, 19, dafs bei keiner andern 
X^raokheit nach einem kurz vorhergegangenen tiefen und ru* 
bigen Schlafe so schnell und gleichsam mit einem Male did 
G.enesung erfolge, als im D. t. p. , und Ref. hält diesen Um« . 
stand für eines der ausgezeichneten Merkmale dieser Krank« 
Ijcit, wie ber6i(s oben schon erwähnt worden. Wenn der* 
selbe . aber behauptet , dafs den . Nervenkrankheiten diese 



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ichnttttvimd pldttticii« |l}iifttige Kri^s Oliflfliaiipt >ip;«fntMSi^ 
lichjtu seyn sclieiiie^ so taiuft A(»f; bemerken , ddi«.&r Schldf 
im Nervefifieber, ungeachtet teiner . trefflieben Wirkung, 
doch gewöbnlicb auch scbon mebf kÖrperHcbe Spufreii voll' 
einer -gtlnftigen Entecbeidung in seiner Begleitung mit sich 
fttbrt, und et dann döch gewöhnlicb noch lange ansteht, bis 
der Kranke» auch nur aulser Lebensgefahr beßndlich erklärt 
werden kann y indem nicht eine acbuelle Krisis (sie geschehe 
nun immateriell yom Gehirne aus durch Schlaf, oder materiell 
durch diaieineren oder gröberen Se- und Excretionsorgane)^ 

- iond^rn eina langsame, fut unmerkliche Lysis, bei welcher 
der Kranke oft noch längere Zeit zwischen Tod und Lehtfa 
achwankty und gute und böse Zeichen mit einander abwecb« 
aeln, et nach der häufigen Beubacbtung des KeF. ist, unter 
welcher die Genesung von acut fieberhatten Nervenkrankheit 

tan in der Kegel herbeigeführt wird, Zu den weiteren £i^ 

gentbümlichkeiten de» O, t, p. rechnet der Verf. S. 20 — 24i 
auch die bäußgen, anhaltenden, profusen Schweres« bei kaU 
tem Anfühlen der Tbeile, den ruhigen » sich immer gleich' 
bleibenden Puls, die ganz gesunde Temperatur der HauJ, den 
vollkommen freien Kopf, den hohen Grad von Unempfindlich« 
keit und Gefühnosigkcit, so wie die ganz eigentbümliche 
Physiognomie des Kranken. Ersteres Symptom kommt aber* 
nach des Ref. Erfahrung nicht in allen Fällen des I>. t. p. vor, 
und namentlich vermiisie er es gänzlich bei einem, in Folge 
der täglicl en Weinvöllerei am D. t. gestorbenen jungen Man« 
ne, so wie in Hinsicht auf die TemperaturverÜnderung der 
Verf. selbst sagt, dafs sich die von Schweifs triefenden Theile 
kalt anfühlen lassen, die Haut also nicht die gewöhnliche Tem« 
peratur haben kann. Was aber den l*uls, so wie den Mangel 
an Remission und Exacerbation der Krankheit betrifft, so bat: 
Äef. bis jetzt wenigstens noch keinen Fall von D, t. p, beob* 
-achtet, bei welchem er nicht ersteren seinen räumlichen und 
laitlichen Verhaltnissen nach verändert gefunden hätte, tind 
gegen, dia an mehreren Stellen der Schrift vom Verf. ausge- 
aprochana Regelmäfsigkeit des Pulses im D. t. ,p. behaupten 
•ullardani auch Saunders, dafs es keine Krankheit gebe, , 
itt welcher der Puls so schnell sey, als im D. t., Blake hält 

* «in D« t. nicht einmal für gefährlich, das nicht über bun- 
«art Pulse in der Minute zahle, während aber über hundert 
ScblJi^e ßrofse Gefahr anzeigten, und Lind fand in etlich und 
viarsig Fallen dea D. t. p. stets Fieberbewegung und d«n PuU 
faat immar Qbar hundert, oft aber bis hundert und Tieraig 
Schlaga 49 dar AUnuta. Eina Exacarbaticm def Krankheit 



fifg«il Abtnd und e^ne deutllcb« Reniirfon dtmlb^n gugtii 

Slorgen tt^ Neigung lun SdiUif« und sun Theil wirkli€b«iil,' 
kurs«fi Scftnii su dt«ser Z«it^ kciiiint^ nlcbt virrk^iinra'; 
deu scbelnbtr vollkofointo freien und tcfamefftlotflB Kopf (weU 
cUet Zeieben der Vf« S« in«beeoiider« tucb alt den eiditr* 
«ten Beweis aniiebt» daüi da« D. t. f nicbf in Gebirne, «oa« 
dem .im plexue ^liacut seinen S^ta liaba) ^ so wie die AbM 
stumpft beit des Gefflblt bat Ref. aber aucb auf der Höhe der 
reinen Nervosa schon Afters in demselben Grada .beoMdilet ^ 
und sind diese firscbeinuMen daber dspi D. t. p. beineswe|^ 
eigenthftmlicb , SO Irie er forner di# Fbysiognomta der Kranken 
am O. t* nidit aifsgeseicbneter ftind« als sie es in den befti* 
'geren FflJlen des ]hUrrenfieb«rs aucb ist, wo sijs sieb fireiKcb 
Iii acme morbi und bei der Neiaung, in LAbmuiig oder Brand 
Oberaugeben, bald der facies Hippocrstica nihert» und eiA 
charakteristisches Ansehen von sensibler Spannung bekommt^ 
auf welche dann bald, mit allmäblig mehr sinkendem Lebens« 
turgor, jener omiiidse Gesichifcausd ruck vollkommen eintritt« 
ne£ beobaohtete im D«t.p. insbesondere auch eine Turgescenk 
der Augen 9 ein Gtänsen und TbrSnen derselben) so wie eine 
leichte, aber trühe llöthung der conjunctiva , wie sie öfter 
auch im Typhus heohachtet wird. JVIit dem Yerf, glaubt 
auch Ref. , dafs das^D. t. p. keineswegs eine neue Krankheit g 

' aondern dieselbe wohl so alt sey , als der babiluelleBllirs brauch 
des Weingeistes seihst. Den Grund ihrer gegenwSlrtigen 
Häufigkeit aber sucht der Verf. in der physisch und psychisch 
gesteigerten Sensibilität der Menschen unserer Zeit » so 
wie in dem durch die Kriegajabre büu Tigeren und Vielen aur 
Gewohnheit gewordenen Genüsse den Branntweins^ weswQ^ 
gen der Verf. diese Krankheit auch hUuAg bei Personen sah, 
welche die FeldzQge mitgemacht hatten , was Ref. übrigene 
(wahrscheinlich sufälliger Weise) seiner Seits nicht bestätigen 
kann, da ihm bis jetzt deren nur sehr wenige im Militair^, 
mehrere aher*'im bürgerlichen Stande «ur Beohachtung und 

. Behandlung gekommen sind. Einen weiteren Grund fi^f diese 
gröfsere Häufigkeit glaubt Ref. aber auch darin zu finden« 
dafs wir, aufmerksamer auf die Krankheit geworden, dieselbe 
•in ihrer beziehungsweisen Eigenlhümlichkeit genauer kennen 

'lernten 9 und sich die Schreibungen von ihr seit wenigen 
Jahren her vervielfältigt haben. Auch ist Ref. mit dem Verf, 
überzeugt , daft schon mancher SHufer angeblich am Nerven. 
Heber gestorben ist^ dessan Krankheit eigen^ich.sin Dal« 
tr^ war. * • ... • / . 



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* 0 

* • ■ * 

648 T^^igfS^^^mm 

> 

.^.ijritte^ Äapite), • yon dem Verlaufe des Deliriu 
treWcnVülid «einen ZeitrHiiihen (S. 30 — 62.)» ^^«jf» findet 
die. vier 9 . von dem Verf. ancenominenen ZeitrSume dieser , 
^rankbeit: musterliaft besctirieben , er erlaubt sich aber nicht, , 
einen Auszug hievon zu geben , um dem Ganzen keinen Ein- 
trag zu tbun y weswegen «j; auf das Studium d^MelbeA im Zu« * 
.aammcnbange v'^erweist. 

Vier t es Kapitel. Von dem Wesen des I>«]irium tre« .< 
in^DS und seinem Organ oder Sitz (S. 63 — ' lOS ). Der Verf. 
gibt sich viele Mühe , die bereit* von Töpken mitgetheilto. ' 
i\nsicht zu beweisen, dals der Sitz des D. t, p, ni(:ht im Ge- • 
birne, sondern im Plexus coeliacus und den Nerven des orga« 
iiiscben Lebens, das Leiden des Gehirns und der Nerven des 
animalischen Lebens bei dieser Krankheit abt^r unwesentlich, 
jitir deuteropathisch und consensuell sey, weswegen er auch 
den Ausdruck; Nerrenerelhismus oder sensible Ueberspannung 
im Plexus coeliacus ])ezeichnender für das Wesentliche des 
Zufttandes hält, als unsere gewöhnliche Benennung Del irium 
tremens. Wollte man ersteres auch zugeben (woliir jedoch 
weder Gewicht noch Mehiheit der Gründe «prechen) , so würe . .. 
wenigstens für die Praxis weiter nichts gewonnen, da die 
von dem \'erf, niitgetheilte ßehandlun<^s w eise dieser Krank* • 
heit, so wissenschaftlich und ausfiihrlicl» sie auch angegeben 
ist, im Ganzen dieselbe ist, wie sie bei der Annahme eines , 
idiopathischen Gehirnleidens im D. t. 2^« von den meisten Aerz- 
ten Jielolgt wird. Die für jene Behauptung S. 71 — 76- an- 
geführten Beweise .hält Ref. wejiigstens, welcher sich bereits 
schon in einigen Bemerkungen zum ersten Kapitel itber das 
Abweictiende und Gemeinscbaftlicke des D. t. und des Ner- 
Vfnfi^bers Sufsvrte, faierfij)er aW nicht noch weiter in*s Ein* 
«eine eingehen^k^iin, nicht fdr aureicbend , und ni^n mUfste^ 
wentn man jener Behauptung beitreteD .wplite ^ den Sita d«a, 
Neryenfiebers selbst aMch um so mehr in den Plexu« tplar, 
verlegen , als das Wesen unji der Verlauf d^s letc^ren^ wta 
ISngst liekannt» mit dem der Vergiftung durch, .ein reisend« 
•charfes Narcöticuniy wie solches, im D, t« p. der Weingeist ' 
vorstein, gleich/alla die entschiedenste. A^bnlicbkeit.sei^t. . 
Uebecbaupt wetfs man von allen Narcoticis « ihre Wirkung . 
jnäg nun schnell- vorCbergehend oder anhirltender s.eyn, daU ' 
aie nicht auf den Tlej^ns^o^HacUf., londern auf das Qehirn und 
llQcIl^nmark ihren krankmachenden .£ii|i]urs austibefi.p und.ea 
wird nicht leicht Jemand geneigt se)rn, das durch de,n habi« - 
tuellen Opiuingentifs eines Morgenlanders allmfihlig faerbeigf- 
finhrce. Zittern der Muskeln » die 3tumpfheit und Verkehrtheit 



• 



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•CHea 8Ur 4a« J)cUnaia TrrOHiis. 649 

einer ^ Sinnet - und Gelstetverricbtungen, in einer krankhaf- 
ten Veränderung des Plexus coeliacus «ii suchen, so. wenig 
als ferner ein transitorisches Zittern Her Glitder und Hasen 
M einer zufälligen, und wenn Kef. so {igfn darf, «kMteti 
Ve^^tung durch Belladonna oder die narkotisch, scharfe Ci* 
Cttta anderswo ala in einer idiopathischen Affection desGebirnt 
und Afickenwarkea aelbtt gesucht werden kann» Hat niM 
aber derM «-•«^m D« t» p. so nahe atehendet ja sum Tbeil 4lm 
Yo^lftufiM tenpes. £iatrittea aelbtt bildende Krankbekttrteliti« 
aüngeii, «o'wiif'jlie ganse Disposition tu dieser Kratiktieit , in 
einet i^rbiittdi«ii Vereiftang durch den reitend «narkotitdien 
W«hi§«ttt, oder in'Mner durch dtet« Sabttint tllnilhlig be- 
wirkten Ueberreitung det irritabeln und tentlbehi SyattoM 
ta'tiicheny de^tn rerderblicht H6be und eigenthamlicbo Er« 
tchi^inungen die »erröte Feriode jener WeingeittTtrgtftung 
bildet; . und/ bat man femer jeden Aaut^ telbtt.alt ein gutar« 
ti^t p. t. >jtranaif;oriuni im ^ Kleintn sii betrachten . dat tich 
durch einen von tubtt eintretenden Schlaf wieder gflnatig ent« 
tcheidett to acbiene et dem Ref. gezwungen, den Sita und 
dat Weten det 'D« t. p. in den Plexttt coeliacut verlegen sa 
wellen* Auch aprecben Qbefhaupt die meitten pbyaitcheii 
^nd 'paydiitchen'£rt(heinangen bei haMtueften Sftufern und 
im.D. t, aeUitt^ to gnt alt in der reinen nerrota, i^>ia oteb« 
reren Funsen . jioch enttchtedener^ fflr die An nähme einet 
idippatbitchlti und nicht blot cpniientuellen Leidena d^Ge- 
bimt und det A(|ekenmarkea und Air habituelle Blutcongettio« 
g^g^n diete Theile*, und nicht mit Unrecht pflege man 
auch tchon im gewöhnlichen Leben von vielen Trinkern zvL 
tagen f daft tie ihren Verstand versoffen haben. — DaTa dem 
D. t.p. (so wenig ala der^ durch andere narcotica erregten Ge« 
birn* und Nervenreisung) keine eigentliche GefairnenttOndung 
au.Gninde liege, wie der Verf. von S. 93-^ 101. auteinander- 
aetzt, hält auch Ref. in der Kegel dafür, und die gesunkene 
Vitalitäli des Gefufssystems^, so wie die verfinderte Blutmi- 
acbung, die bei habituellen Trinkern mehr sur Verflüssigung 
und A-uflötong, als zur Gerinnung und neuen Bildung sy-ebt, 
latten activw Entzündungen nicht leicht bei ihnen aulkommen ; 
^emohngeachtet ist er aader,er Seite aus eigener sowohl alt 
fremder Erfahrung Überzeugt, dafs es Fälle gibt 9 wo active 
Congeationen gegen da« Gebim und Hückenmark am D. t. p« 
einen wichtigen Antheil haben, und eine betondere therapeu« 
tische Kücksicht, namentlich aber nicht ganz selten einen 
mafstgen Aderlals und örtliche Blutentleerungen erfordern^ 
und ^tit diet intbctondere b^i jüngeren Trinkern von pletbo« 



üigiiized 



650 66den Ober das Delirium Tremtnr. " 

s • 

V 

riscber Constitution und cliolerischem Temperamente, und ,^ 
die dem ühermüfsigen Trinken noch nicht alUu lange ergehen, 
durch dasselbe noch weniger geschwücht sind, zuweileh noth- 
wendig wird. OCenbar geht daher der Verf. 2u weit, wenn 
er das Blutentziehen im 1^. t. p, u/ibedingt verwirft, wäh- 
fei.d doch andere gleich achtu-ngswerthe Autoritäten für den 
unzweifelhaften Nutzen desselben in nicht wenigen Fällen 
sprechen, und wo entweder die Herstellung des Kranken ohne 
allen Opiumgebrauch geschah, oder letzterer mehr Schaden als 
Nutzen gestiftet bstte. InBvzug auf dai Biutlassen fiberhaupC 
erlaubt sich Ref. gegen den Verf. die Bemerkung , dafs, so 
fiothwendig es auch in neueren Zeiten gewesen sey, vor dem 
Mifsbrauche des Aderlasses und der Blutegel in vielen, be- 
sonders aber hitzigen Krankheiten dringend zu warnen (was; 
Ref. selbst auch bei einer andern Gelegenheit that) , man sich 
doch auch hier vor Uebertreibungeo hüten müsse ^ denn eben 
dieselben, welche der Warnungen vor dem zu Vielen bedür- 
fen^ gerathen leicht auch wieder auf das andere Extrem, wor« 
aus neae, nicht minder erofs« Nachtheile entspringen ; Local- 
uroständs and Individuaiitäteii , epidemische und endemische 
Verhältnisse u. s. w. müssen biet den Ar st in seinem verstSn« 
digen Thun und Lassen leiren, und was hei dem einen Sul»«.^ 
jecte erspriefslich seyn kann , kann der Subjecdvität eines An«; 
der o Schaden bringen. In keinem Falle bat wefiigstens RefJ 
Grund y vx>n den filutentsiehungen bei Kindern oder jüngeren 
lind ftheren Peirsonen Oberhaupt , diejenige» NacbtbeSU fOr 
feUt iciboii öder in d<m ^tteren Jabren au erwarten, wie toU 
^ea der Vtr£- lu tbun geneigt ist, da ibi« ia seinem Kreise 
t^on Uabcrtreibongen, wia -#ta -der YerE in der Vorrede^ S, V« 
•pbaderCy iidch nia atvi^ lu Gaticbta öd^ su Obren gekom« 
'ms ist. ' ' ■ 

Fftnftaa KapItaL Von der Vorbarsagung im Delirium 
i04^-« Daa ^esentlicbä dieeea Kapitels besteb« 

^rin, dala nacb S. 107; diesenannte Kranl^beit in dtr Re^el 

Seftbrloa'^lUid neiat iolxna boCo Bedeutung sey (waa Hieb je« 
oidi mit 5.-14,, wo dai^ Verf. dfts O. t. p. eine Krankheit «mi^ 
idbMcklidben ZetcAiMi und Zoftllen** nan^, nicht gana ver« 
eUtgaii lirst). Nach dein Veif. kommt All«! darauf an, dala 
^dio antswecateii. In H^terogenitllt tarfallenen NervenpoW 
in dam Organ und in den beiden Sphären des Nervensystema 
aiA Sur Rtabo iliagteicban , und sich wieder durch den kriti« 
adian, besäbftigeoden ScbUf In dia organische Harmonie var« 
^cbmalsen. ' M^r das Opinm «ur recbtt0i\ Zieit und In der §a« 
bdrigen ; dreitian und 'ataigendati Gaba «nauw^nden verttaSt» 
» 



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^ Jatf tn 4ir R«g«l 4ai' D«U tr. nickt filrclitM«. Nur dit 
' ifceotiAtiMiM aod prttktiacbe Anticht, dsft itiesiflb« «Ine Hirn« 
entsÜRdung sey, litat<dUM Krinkheit in den nnver«cfaiild«t«ii 
Kof' einer g«t'abmIUB und leicht tÖdiUcben Krinlibeit j^*-* 
hrtndkt^ Der war daber auch in der »eiaeivti -Z«*it immfr 

SlücUich in B^bandlun^ dieser Krankbeil 9 in FlHIen dca fihvlit 
ki|«ganges aber war seine HfiUe su apit in Anspruch fienom« 
Alto worden. Dafs aller doch in eintfeintn Fslleia die Krank« 
&eit eine böse Wendung nimmtf auch b«i passender Birband« 
hing 9' davbn*liegt der Grund in sußllligen indlvldueUen Ver« 
fiältn,issen^'naai«fntlicb aber, wCnn dielCrankbeic alte und alt« 
g«lebte SAtffer befällt, die dann'acfanell an Paralfse oder nach 
Sesiegnng dea Anialles des D. t. an der Wassyriucht durch- 
Degeneration der Leber, Milaf dea Fancreat sttrlMin, — Der 
S. III ff. dargelegten Anatcht, als sey das D. t. p. ein 8mben 
der Selbstbttlla d^ Natur f den duicb den nbermäfsigen und 
langhin firanntweingenufs geistig und körperlich im MenschCfl 
Bervorgebracbten krankbaicen Zustand wieder su verbetsern 
lind auscugleicben , sogar von jener rerderblicben Gewöhn« 
l^eit wieder gflöaUch aurdckzufDbren y kann Ref. nicht beitre« 
tetif denn bei einer Krankheit, die aich selbst tiberla^sen in 
rastlosen Agitationen so bftofig in KuMem durch Erschöpfung 
der Lebenskräfte tödtet , vermager un^eswungek|er^/^ise ein 
Solches aufrichtiges Bestreben der Natut nicht ku erkennen^ 
noch weniger selbst 9 als er zun» Beispiel beziehungsweise die 
Faroxysmen epileptischer FersÖAen fOr günstige Krisen det 
Fallsucht ansehen kann, da dieselben doch oucb nichts Anderes 
als die periodische Höhe einer verderblichen , obwohl chronic 
sehen Nerveßkrankheit anzeigen^ in welchen sich Gehirn und 
J^ervensystem der bis zu einem gewissem Grade gestiegenen 
krankhaften Tb^tigkeit gleichsam auf einmal filr einige Zeit 
entladen , und so wenig ferner auf die bekannte Erfahrung 
bin, dafs auch nach manchen andern, glücklich überstandeoen, 
Jebensgefäbrllcben Krankheiten 9 die menschen zuweilen ge« 
afinder werden^ als sie ea ISngere Zeit vor derselben warviiy 
#olchen minder Gesunden eine Krankheit dieser Ast auf die 
ungewisse Hoffiaung, nach derselben vielleicht gesünder als 
ssuvor zu werden, gewünscht werden dürfte. Wohl ist in 
der Kegel die Thatsache richtig, dafs nach einmal glücklich 
Cb erstandenem O. t. p. der Kranke körperlich und geistig wie« 
der neu iielebt und gestärkt aus demselben hervorgeht (und 
wenigste^'» von den bsTVorstechenderen Übeln Folgen des vor« 
bergegan.%an6n Mifsbrau« lies geistiger Getränks wieder befreit 
isOf <^ ^^'^ uAjk4u^baren liehensgef aiur « wtii^be das IX 



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652 '68d«a^übn da» PfliiinmTnm 

* 

t.-p. auf feiner Höhe in .<ler :IVee«l- iii|t sipb führt» i«ty trotz, 
fies Nutsens des Mohnsaftes ii| Sieser Kfankheit , eiqe ^solche 
Besserung doch wahrlich theuvr erkauft, und Ref. meint da- 
her, dafs man sich nicht , wie der.V«rf. S. il3., thut, öber 
den Eintritt eines Trinkers in die immerhin unsichere Krisis 
und die Umwandlung «lesselben durch das D. t. in einen nüch- 
ternen und mäfsigen Menschen' zu freuen habe y da er durch 
seine Erfahrungen überzeugt ist, dafs es einer solchen unge- 
wissen und gewaltsamen Ijüuterung nicht bedürfe, um von 
den zers-örenden Folgen der Völlerei befreit zu werden, son- 
dern dafs. Selbst bei schon sehr tief eingewurzeltem Liasler 
dieser Art , ein durch üiifsere Umstände herbeigeführter un- 
abünderlicher und stufenweise*- Zwang, ofler aber allein schon 
der f^ste Wille, dem Trünke zu entsagen (welcher, leider! 
nur so selten gefunden wird) , hinreichend waren , die Unheil 
3)ringenden Folgen des Saufens wieder auszugleichen, und 
nach und nach günzlich zu i)e8eitigen. Auch rührt die nach 
glücklich überstandenem D. t, in dem SUnfer vorgegangene 
physische und moralische Besserung nicht allein von der, durch 
die Krankheit selbst in ihm bewirkten, vortheilhaften Verän» 
derung her, sondern sie bat auch zum Theil darin ihren Grund, 
dafs, weil der Kranke die Lebensgefahr kennen lernte, in 
Welcher er geschwebt hatte, er sich nun auch eine Zeit lang 
fürchtet, durch das neuerflings beginnende Saiifen jenen Zu- 
stand abermals berbeizutüljren ; dal)ei geniefst derselbe nun 
zugleich auch wieder mehr Speise, als lange zuvor, eben weil 
er jetzt weniger oder gar keine geistige Getrünke mehr zu sich 
nimmt, wodurch teiiie Ver((auung. wieder hesser geworden, 
iiod, der Weingeist im Gefälf{p« und Gisblrn« und Nerveoftystem 
xii^iir ttelir 4«t allein herracfaende ist; endlich werden solche 
Leifte, die'dat D« t. p. so eben überstanden haben, durch ihre 
Angehörigen gewdbnlicb auch , bald durch sanfte f bald.durclÜ 
strienge Mittel § 'von dem abfrnialigenJIJiilifsbraucbe ihres Lieb« 
lingsgetränkes abgebalten f obwohl die Ungewohnbeit , aicK 
aelbst sub<dierrscbe.ny dije Unterordnung der Willenskraft un« 
ter du» Macht der lieidensbbaft und! der Begierde, der Hang. 
Biim Mflfsiggangi3 oder die Furcht vor^nOtslicber Bescbiftfti* 

fung^ in Verbindnng zugleich mit der momentanen Behaglich- 
eit, v^lche dvi GemCfa ^ines g<»istigen GetrUnkes im ersten, 
Zeiträume seiner Wirkung, so das relativ glüqkliche Yer«. 
gef sen mancher Widerwärtigkeiten des Lebens iiii narkotischen 
Stadium' d«« 'Raniches , solch« lieute , nur zu bald . >y teder zur. 
Fahne^des Baiedins sttrGckfl&brt| nnd daher di« dauerhAfto ]|es^ 



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Qjfd«n. übet daf Deliiiom Xrcpttfii, 653 

.ong. eines .SAuferf nur aU tipe SelUnlitit uigetehMi. wtc« 

darf. 

Sechstes Kapitel. Von der Hcilmetbodc im Delirium 
tremens (S. 126 — l82.)- l^t^f- lii^lt dieses Kapitel f(ir eines 
der gelungensten der Schrift, und er bedauert« aus Mangel 
an Kaum seinen Lesern keinen Augzag geben zu können. 
Nur für <^inige Bemerkungen sey ihm noch ein wenig Ilaiim 
vergönnt! — Mit Recht halt der Veit, den Mohnsaft für das 
wirksamste Mittel im dritten Stadium des D. t. p. , und es ist 
nicht zu bestreiten, dafs demselben hier eine vorzügliche Heil« 
kraft zukomme , wenn schon lief, dasselbe nicht für ein Spe- 
ci&cum und zuverlässiges Antidotum in dieser Krankheit Uai* 
teil möchte , wie solches der Verf. thut. In jenem Zeiträume 
rütii der Verf. das Opium ungesäumt und dreist in rasch stci» 
gender Dosis und zwar so lange fortzugehen, l>is (fer kiili- , 
sehe, natürliche Schlaf und mit ihm Genesung eintritt. In 
einem sehr hartnäckigen und heftigen Anfalle dieser Art gab 
derselbe innerhalb acht Tagen über dreihundert Gran Opium 
in Verbindung mit Phosphor , Moschus, Arnica und den kal- 
ten Begiefsungen , bis der kritische Schlaf und durch die:»eu 
Genesung eintrat. Ref. ist weit entfernt, über die wissen» 
scliaiüicb. angestellten Beobachtungen des gelehrten Verf. den 
mindesten Zweifel zu hegen , oder den Werth des Mohniaftei 
in dieser KrätfJbheit berabzusetzen, da er vielmehr glaubt, dals 
in 4er Regel kein Mittel den Wein oder Braiintw«in, weldie 
dem Triiiter', bevor er. das D. t. bekam , fontt allemal Hube 
und Schlaf gebrüht 'toten, ftkt einige Zeit beuer eraetsen 
könne; ala eben der Mohnaaft; alUin er bflit ea doch. auch an- . 
derer Setta ftkr Pflicht, daran au erinnern» dafa nicht weniger 
achttingafrertbe Autoritäten tooi - Opiitm in der genannten 
Krankheit nlt^b^ immer den Nutzen jgeaehen ballen, wie unier 
Verf. 9 ufid^aia namentlich, .um nur einige deraelben kura. 
anauf Uhren , Chapmän iii einem Falle dea D. t. p. allemal .'Con« 
rulaiofien eintreten aab , äo'.oft. er Opium gab, Blake vor dem« 
adben unter gewissen ITmatftnden Mfai^nt» Lind daatelbe nur 
mit grofaer voraicht au gehen Verttattet, weil ^a aonat leicht 
Sopor erzeuge. Nasse auf.den Gebrauch deaselben im Ot t« p« 
. den Tod schnell erfolgen sah (wozu Kef, ein glelchea Beispiel 
aua seiner Erfahrung lieferii kann)» -Gflnther einen Fall dieser"« 
Krankheit beobac|itete , wo däa Qptuot o£Fenbar Schaden 
brachte, und Horn dasselbe erat nach hinreichend herabge« 
atia(mter Energie llea Blutsystems anzuwenden für rätblich 
findet. ReEy übrigens auch kein Freund von halben Maafs* 
regeln 9 kaon- daher auch der Bemerkuiig dea ' V^rf/ nicht unbe« . 

• ja ■ • 



uiyui^CQ Ly GoOglc 



.664 684«ii IB^K to Ddiiliim Tra^ 

iin^ ]t»e(itimi|l|ii9 .^•nnertagt | i^äh ouiii yo« doip Mltltdiv^^ 
Aerst«ii «• Urnen .kOnntf y wie und in weklmi Domo man. 
^at Optiini in'^tn 2#eiUn der.Noth nnd Gafiriiff geben mfieee, 
lim «twpt dmmlt e.uvftuncbten ; denn abgeieben yo» den eben 
niitgetbeUtipn £rinn«rung«n^ lo Jieb^n dte.SngUliider in der 
B.e|^ phoediifs fi^di[fpre Ooeen .^«eiaiitul» «I« tirt,r eie ^lr 
&re^huiig de#«idnen Zwecket .hei untern Krftnken ^5lliig ba* 
l)«*fl9 und ihr an a|piK« undjgeif Uge GetrSnke mebr gevdbntec 
lind für tc^wacbere AeiM £bsr weniger empflnglfcber Oege« 
niemttt ieicbt etfcli ffdüm OibeA.Jttobnjpai^ eur £rsiel)iii;g 
fl«t Sckbfi«,!« P,.U ^edflrfon möchte, alt et beluntefn (ia^4t« 
ienten der'^all uU ,.' &e£ glaabt deber aiicb biet iio dat n«^ 
.quid nullit erinnerii su nlltten ^ indem t^diee dat k<2f tiguei 
yerbbren r^^^o^Orte In reraweifelten FSllen keinetwega 
•uttqbltea^ ^ JkufUlimd ätark fand JM, die 5. 469. (ini 
vierteilt lÄ|iinn9g drob^den Stadium' dea D«.t« p.) |n «iwet 
Formel initgetbe|l|»n Arfnei anc einer Uns« FL^inMc» su MCb«! 
Unaen ^laturi und dem |)eicbaei;igen Zutntse fon sfdbn 
Pracbmj9i^ Schwefittlberg einer Oracbme Spiv« c c* 6iic^nat# 
und einem Scrupel in Aetber aufgelöstem OLviderian;» iroTfli» 
alle^i-o(ier 2 Stunden ein £f<l((ra voll zu nehmen tey» so w,i« 
ferner den Rath det Vf rf. f gegen die bei 'Säufern so oft^YOf • 
bommendeii Verdauufig^besch werden und . besonders dereii 
lieberle^dep^ daf Eoktn^t, Cbeltdon. maj«. t|g|Ufih nn drei bif 
vier Unzen gp^branchen Jetten » indem tolchem« nach d^a 
Verf. ErfahrungeQ.p ketnetwegt g^ftigef ^erfe .oder narkoti« 
fCbe Eigenschaften SMkommeny soonem dasselbe milde 9 auf« . 
lAeend und ttSrkend auf die Lieher und das rfortedertyftem 
^irjke. — Im Uebrigen it^ancb da«i Verfahren det Verf. geget| 
die chronischen Zerrüttungen det Unterleihtain^eweide bei 
^Auf^rif die dem Arste ohnedies so häufig zur Behandlung 
bommen) und nach det Kef. Beobachtung, bäufig mit Gicht 
CQmpUcirt sind y eben so zweckmäfsig eis kräftig gewählt, nur 
möchten wir rathen, mit dem Gebrauche des Gelomd't in det 
chronischen Hepatitis der Säufer sehr behutsam zu Werke zi^ 
gehen 9 da, so zweckm&fsig dieses Mitte] auch in der scblei« 
chenden Leberentzündung aus andern Ursachen ist» es doch 
in der vom Uebermaafse geistiger Getränke entstandenen, we- 
gen der bei bejahrten und habituellen Säufern Statt findenden 

Arolsen Neigung zur Erscliöpfung der Lebenskräfte y leicht 
en Status colliquationis vermehren könnte. Dafs sich iit 

den Leichen der am P. t. p. verstorbenen Personen keine ma« 
teriellen Veränderungen im Gehirne vorfinden, wie der Verf, 

S. 179. (und auch tchoa früher ^i^ aiidirn SteU^n^dex ^«bri£t^ 

♦ * ■ 



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oaiiptet^ hat nur in so fern seine Rieht igle ei t , als man hie* 
bei die Gehirn^ und Nervensubstanz selbst im Auge bat, die 
allerdings, wie auch im Nerven/ieber selbst^ nur in den sel- 
tensten Fällen durch die 6inne erkennbuff*« krankbaite Verün- 
derungen darbietet, wovon sich lX*tf. durch genaue Unter- 
aucbungen wiederholt übereetigte. Aufserdam aber kann ea 
dem Verf. fast nicht unbekannt geblieben teynf dafs im D. t. 
p. die Merkmale Ton Entcündung des Gehirns und seiner 
iläute, von Exsudaten gerinnbarer Lymphe zwischen den 
letztern, verdunhelter und verdickter Arachuoüdea, nicht seU 
tenen Verwachsungen der dura und pia nater, vorzüglich aber 
starke seröse Ergiefsungen in die Gehirnhöhlen schon häufig 
beobachtet und aufgeieichoet worden sind« und es wlire dem 
Kef. leicht j solches nachsuweisen. — Schliefslich bemerkt 
Ref.« dafs es ihm nicht überflüssig geschienen, wenn rs dem 
Verf. gefallen hütte^ auch die Literatur des Gegenstandes zu 
berücksichtigen« welches im ganzen Werke mit nur wenigen 
Ausnatunen nirgends geschehen ist, was aber nicht nur der 
Vollständigkeit, sondern auch der Reflexionen und Verglei- 
Chungen wegen, zu welchen es Veranlassung gegeben hUtte« 
nicht unpassend gewesen« dem Leser «ine bequeme Uebersicht 
über die Quellen zur Geschichte und dem weitern Studium der 
in Frage stehenden Krankheit geliefert, und der Schrift selbst 
snebr den Charakter einer Monographie gegeben habep würde. 
Jn Rücksicht der physiologischen und jpathologiscbtn Ansich- 
ten« welche der Veri. an sahlreicbeil duil«li <l«t Werkes ins- 
besondere Jtennen xu lernen Gelegenheit gibt« bält Rv|^ 
zwar fUjBiiche derselben hie jetat noch fll^ Iiypatl|e#eii und HBr 
Satze« welche tbeoretiich und prsktifch maitcb«riei Ji^weif«*) 
und Einwürfe sultisen ; ßlWin Re£ glaubt dod» fiiidi hier des 
ätrelben de% Verf» tbren nttUen ^ DaakeUieile« f u erbellen« 
I>tffeirensen auisugleiclieii « und i^inder BelLini^te l>ilige mit 
Eifer und Scharfsinn sur ^v.tddns su bringen « so wi# er nidit 
weniger die Coneequens lobt, mil welcher der V£ aeine theo» 
retjjech«!! Afuiichten su leiilisiren beeUf bt ist. ^ .Von Ocuckr 
fehlem ist das Buch nicht frei, und gerne will Ref. auch dif . 
Worte/St.uifo ej^ Stufe « peruitineua et. perniciptus, Opiato* 
thonua und Epist^Äonua «t. OpiathotQnua Vn^ Episthotoiiaaf 
G^tharrfaua at. Gatarrhua d^^in sflblen» obwohl aie'dftera iror« 
kommen. — fithe kurae Inhaltaanseiga «u kichtar Uebarakbt 
|ler Schrifb hfttte nicht fiihlmi aoUeur . 



656 



Maae fiacUiehis Anbif 



'Badisekßß JrMß «nr FatwUmdAundp in tdkeaig^r Hinticht^ . Herauf^ 
gegeben von Franz Joseph ß/Jone, Erster Band f mit eiaer 
Charte. KmHsrah^f Ui Braiuu 102^. FJU ^md 573 S. in 

^ - • 

An das Streben, die Landesgescbichte zu erhellen, um 
die aligemeine SU fördern, das sich jetzt in manchen Staaten 
Teutschlands kund gibt, schliefst sieb a«<4\ mein Unternehmtn 
an. Die Uebeizeugung, dals aus den Archiven und anderen 
Quellen, die in den einzelnen Ländern vorbanden sind, viele 
Tbatsacben der allgemeinen teutschen Geschichte eine andere 
Begründung und eine richtigere Würdigung als die gewöhn- 
liche erhalten 9 dringt sich demjenigen von selber auf 9 der 
«ur einigermafsen die Schätze grofser Archive kennt» Durch ' 
die Auflösung des teutsrhen lleiches haben diese Sammlungen 
einen politischen Ahschluls erhalten, und die Zeit ist jetzt ' 
eingetreten , WO die meisten jener Rücksichten wegfallen, die . 
früher die Benutzung und Bekanntmachung archivalischer 
Nachrichten hinderten. Ob es daher jetzt an der Stelle sey, 
solche Forschungen und Quellen zur Territorial - Geschicbt<^ 
herauszugeben, möchte wol ziemlich zu rechtfertigen seyn, 
wenn der Unternehmer nur hinlänglich nachweist, dafs er da* 
zu in den Stand gesetzt ist. Dus kann ich mit zwei Beniet* 
kungen abmachen, einmal mit Hinweisung auf den ersten Band; 
sodann mit der Erklärung , dafs die badische Regierung mir dia- 
Staatsarchive von der früheren Zeit bis zum Jahr löl3 geöff« 
net, was ich hier mit gebührendem Danke anerkenne. 

Nach der Ankündigung soll das badische Archiv drei Haupt« 
abth'eilungen ausfblltfn : Getchichte, Statistik und vermischt« 
Nachrichten , und zw9X Un der Geschichte sowohl die de« 
Staates als der Kirdieii und Sekten, der Schulen, Literatur 
und 'Bildung y der Recht« , Gesets«- und Verfassungen aller 
Landeitheik, de« Kriegs-* und Mtlitlrwetena, des Handels , \ 
der Gewerbe und dee Ackerbaues» der eiaselnen Stftdte und * 
Ortechaften^ Ijebembeai^reibttnceii bedeutender Männer t Bei* 
träge sur Geaduchte der Sfracoe, Kumt Und - Alterthamer, ' 
Ille Statiatik von ähnlichem Uinßing^ yerBundeii mit Geogra- - 
phie 9 Geojgnoaie und Erdgeschichte deaLaipalM, 

(Dtr Bptehlujs folgt,} 



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42- ,^ 1826. 



Heidelberger 



.'» 



Jahrbücher der Literatur« 



Mone, Badis^h^s Archiv. 

• » 

In wie fern Auf di«»en viel&chen'Zvifdck in vorliigendM 
Bande 4iUldb«ioht' eenoinmen» mtiC» ich durch jeine kurs« Dar« 
legung seines lohaTts »eigen. 

><> 1* ' Ueber den #]ten FKtfslauf im OberrhetnthaK Gehdrt 
Wtir Idteeten Geographie des Landea, uod ist die Grandlage« 
n%cb welcher die rdiniscben und teutachen AnaiadeUingen im 
3wkäVscben Rbieintbat beurebeilt werden mOasen. DtaaemC«* 
Ah^eÜung gabt nur Von Wornta hia Speier» uni£i£it aber 
hetde Uflr^ ond gibt schon bedeutende Reaulute« Denn ea 
iaC jricbt v^n einseifen Stromkrflninittn^en di^ Rede, sondern 
dikVon». wie aicb der See dea Oberrheinea in Flflaae gebildet 
haxV Aitasu^ verträgt die Sadie nidbt. 

, /' JI, • Die Vatedindi sehen teutschen XHchter dea Mittel« 
akew. $;4S. ZUr Ijiterftrgeschichte. ' £s sind Epiker » Minna* 
aioger^MaiateNinger , Spruchdicbter» Reimchronistan ^ g^gen 
acht und swartsig, welche «tlverlftssig oder sehr wahradiein« 
lieh «la liandaleiita^ nachgewiefen aind. Von den I^ebenaum* 
atiliden »ancher dersl^lben- ist hier auerat urkundliche Nach« 
riebt gegeben» ^ . • / 

tu, , Bericht eines Augenaeugen fiber die Belagerung und^ 
Sinnahme der' Stadt Tbiengen im iUettgau, l499« Aua deoa 
Arehive der Sladc f reäiu'rg>' von Herrn Prflfekt Dr. H. Schrei« 
hev. Sin Beitrag aur K|<iegsgeschiehte. ^ 

IV. Fbilipp II, Biachoi au Speier. Lebenahftaehreibung 
•la EinlaHvng au -aeii^ero Werke: die Fleraheimer Chrdnik» 
wovon WOrdtweiii in den Kriegen und Ffedacbaften Fran* 
sena von* Sickingen« (Mannheim l987. 6.) «inen Theil be* 
kennt geniacbt» ohne deir Verlaaaer sii kennen. Wardtwein'a 
Hahdachrift war oft veratttmme|t und verfSlscht. In eiaeai 
folgenden Bande*'aoli Philipps Werk abgedruckt werden. 

XIX. Jahrg. 7. Hefu 42 



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653 Mone Badiscke^ Areliivt ^'^ 

V. Zur Gescbichte der Waldenser 1688 und 89. Zur 
Kirchengeschichte. Zwölf Originalhriefe, welche fiber die^ 
Geschichte dieser Sekte' in ihrer Verfolgung und Aufnahme in 
der Pfalz, im Anspachischen, in Hessen und Holland interea* 
aante und bisher unbekannte Nachrichten geben. 
. ' VI. Statistik der Mittelschuled in Baden, Wird fort- 

Sesetzt und hat zum Zweck , durch genaue faktische Darlegung 
es ZuStandes über das Stüdiren und die Schulen ein gründ- 
liches Urtheil vorzubereiten« Die Meinungen des Tages in 
den Schulblättern können mich hier nicht kümmern, da ich 
nicht von vagen Ansichten ausgehe, sondern auf bestimmte 
Thatsachen mich stütae und ihre Keaultata auf ein bestimmtea 
Land anwende. 

Vn. Beiträge zur Geschichte von Rastatt, Zur Orts- 
and Bezirksgeschichte in man ig faltiger Besiehung. Meist 
aus den Urkunden der Stadt geschöpft^ und ein Tbeil. der alten 
Ordnungen im Text beigedruckt. 

< yill. Zur Geschichte und Statistik der vatetländischen 
Bäder und Gesundbrunnen. Dafs Baden an diesen Gegen« - 
äj^finden reich isU^. braucht nicht erwiesen zu werden , bis jetzt 
aber. fehlte eine allgenleine Zusammenstellung und Uebersicht, 
die ich hier gegjsben, und neun lind vierzig Bäder und Ge«. 
8]ipdbruiinen aul^ezählt habe, ohne die Vollständigkeit au er- 
reichen» da 'mir schon mehrere Anaeigen zugekommen« da(a 
ich einige übersehen. 

iX; Uebersicht der vaterländischen Literatur der Ge« 
schichte von i820 bis i825. Es sind hier vier Und dreifsig 
Schriften tbeils mit tbeils ohne Beurtheilung aufgeführt, wel- 
che in diesem Zeitraum erschienen sind, urundzCIge zu. einer 
bibliotbeca faistorlca des Landes. Die Schriften bebandeln > 
vi_el.e..2weige der Geschichte, die des Staates (zwei), Jer Re- . 

§enten (vier), des Krieges (vier), der Kunst (sechs), .der i 
tädte (sieben), der alten Geographie (vier)« der neuerMi 
(fünf) und der Statistik (zwei). »r , > 

, X, ' Vermischte Nachrichten. . 
£s erscheinen jährlich von dem badischen Arcbiire nwai 
Bände, ieder von 24 -bis 26 Bugen , mit Charten und ander»' 
Abbildungen. 

F. Jr Mes«. 




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* 

7. WeileT Ober VenralbDg und Jüttiu 659 



Uäher Verwaltung und Justiz und über di« Gttmlinien zwischen beiden. 
Ein Beitrag zur Staatswissenschaft von Freih. v, ff^silerp GH, 
Bad, Ob9rhQfg9rielutrüth^» Matmh9isn% b*i Sthwan und Götz, 

70 S. 4d i^r. 

Der Verf. unterwirft in dieser Schrift eine Frage ^ welch« 
eben so wichtig in praktischer Hinsicht als bestrtUen io der 

W^issfenschaft ist, von neuem der Untersuchung. 

Nachdem der Verf. in der Einleitung den Gegenstand def 
Untersuchung angekündiget und auf das Interesse der Aufgabe 
hingedeutet hat, stellt er in dem ersten Abschnitte der 
Schrift die allgemeinen Grundsätze dieser Lehre auf. Der Vf. 
bestimmt) um dessen Meinung kurz Zu bezeichnen ^ die Scheidt 
linie zwischen der Verwaltung (dieses Wort in seiner weite« 
ren Bedeutung genommen) und der Justiz durch die Verschie« 
denheit der Geg en 8 t and e , welche für die eine ünd weiche 
für die audete gehören. Er geht daher ^ wiebilligi von einer 
Eintheilung der Gegenstände der Staatsgewalt überhaupt aus» 
Nach ihm ist das gesammte Hecht des Staates entweder öfFent« 
liebes oder Pritratrecht^ je nachdem es die Beziehung des Ein-> 
telnen im Staate zum Staate oder die Beziehung der Einzelnen 
im Staate zu einander bestimmt. Das erstere begreift wie« 
derum einen formellen Theil (die Landesverfassung und did 
Jliandesorganisation) und einen materiellen Theil (die Staati* 
poIizei in der allgemeinsten Bedeutung des Worts, die aus<* 
wärtige Politik und die innere Staatspolizei) unter sicti u.s. w. 
In Beziehung auf diese Eintheilung beschränkt sodann der Vf* 
das Richterarat auf dasjenige^ was in das Gebiet des Privat- 
recbts fällt^ und auch dieses weist er dem Rithteramte nur 
io 80 fern an^ als etwas hiervon unter Partheien Streitig 
ist. Endlich leitet er auS diesen Grundsätzen die Folgerungen 
ab ^ die sich aus denselben für die vorliegende Aufgabe unmit* 
telbar ergeben, z. B. dafs die Gerechtigkeitspflege an gewisse 
Formen zu binden »eyj dafs eine und dieselbe Sache in ver* 
sehiedenen Beziehungen sowohl für die Verwaltung ah für die 
Justiz gehören könne; dafs zuweilen und wie Verhältnisse 
des oH'entlichen Rechts in das Gebiet der Gerechtigkeitspflege 
eintreten. Dabei nimmt et zugleich auf die Verschiedenheit 
der Verwaltungsgeschäfte, so wie auf die Frage P.ücitsicht> 
ob die Verwaltung und die Gerechtigkeitspflege verschiedenen 
Behörden anzuvertrauen sey. Man kann cLne alle Partheilich» 
keit behaupten j dafs der Verf. die Theorie, für welche .er 
»ich erklärt, zuerst mit einer gewissen VoUsttfudigkeit aua* 
uod doicbgefabrfe bat. . 



660 T. W«ilev. über Verwaltung vtA Juttjc« 

' Oer tweite Abschnitt ist der Geschichte dieser Leut c 
h. der Darstellung der Meinungen Anderer tlLer das Verhält- 
nils zwischen Verwaltung und Justiz gewidmet. Aus dieser 
Darstellung geht hervor, dafs zwar fast alle Schriftsteller über 
diese Lehre die Verwaltung und Gerechtigkeitspflege ^ so wit» 
der Verf. selbst, nach den Gegenständen von «inbnder 
treniien.f dafs jedoch die einen die Grenzlinie mehr andeuten 
als bestimmen, die andern aber die Untersuchung fast aus» 
schliefslich nach dem positiven Rechte , nach dem Deutseben 
Staatsrechte, führen. Der Verf. 9 dessen Hauptzweck die phi<te 
losophische Bearbeitung dieser Lehre war, führt jedoch bei 
dieser Gelegenheit auch die reichsgesetzlichen Bestimmungen 
ober das Verhältnifs zwischen der Verwaltung und der Gc- 
rechtigkeitspflege an , und vergleicht diese Bestimmungen mit 
den llesultaten der von ihm in dem ersten Abschnitte aufge« 
stellten Theorie. Einen eigenthümlicben Weg schlug Gönnet 
hti der Bearlieitung dieser Auf^jabe ein; er beschränkt, dem 
allgemeinen Staatsrechte nach , die richterliche Gewalt auf 
Streitigkeiten der Bürger über Hechte in ihren Trivatver- 
hältnissen, und nimmt Klagen gegen die oberste Gewalt im^ 
Staate von der Kompetenz der Gerichte aus; er scheint also 
das Hauptmerkmal einer Justixsache von der Eigenschaft der 
streitenden Partheien zu entlehnen. (Ree. bekennt sich zu 
einer dritten Meinung, Nicht der Gegenstand, nicht die 
Betheiligten oder die Fartheien unterscheiden, nach allgemein 
nen Grundsätzen, Ilechtasachen von Regierungs» und Verwal- 
tungssachen, sondern allein die Form. Ein jeder Streit zwi- 
schen zwei Personen über ein Recht — die Eigenschaft der 
streitenden Theile und die Bescha£Fenheit des Rechts mag seyn, 
welche sie will — den Streit allein ausgenommen , aus wel* 
chem die Gesetze hervorgehen, ist an sich eine Rechtssache, 
eine Sache, welche von einem Richter zu entscheiden ist oder 
entschieden werden sollte. Allerdings kann kein Staat in der. 
VVelt diesem Begri£Fe gemäfs den Umbng und die Grenzen der 
richterlichen Gewalt bestimmen. Aber, die weitere Frage^ 
welche Rechtssachen man gleichwohl den Kegierui>gs- und 
Verwaltungsbehörden zur Entscheidung zu überlassen oder der. 
Gerichtsbarkeit der Gerichte zu entziehen habe, ist nicht eino 
Rechtsfrage, nicht eine Fraae, welche nach allgemeinen Grund- 
sätzen über das rechtliche Wesen der richterlichen Gewalt be-t 
antwortet werden könnte, sondern lediglich und allein ein« 
Frage der Staatsorganisationslehre, eine Frage, welche in^ 
einem jeden einzelnen Staate durch das urkundliche Recht ent«. 
schieden werden uuls. Nur da« ist Rechtens : In dubio pro 



■ . \ 

> 



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I 



ScLwciuei über üclisiiclics Recht. 661 

* ♦ 

< jadictli; alles andere gthüit iüt dieStaattkuiiit. Hiermitwill 
ilec. der vorliegenden Schrift, welche von einer ganz andern 
Ansicht ausgf^ht, in keiner Hinsicht ihrpn Werth absprechen, 
Atit jeden lall kann man die ^anze Unteriuchung , ao wie sie 
der Vert. geführt hat, zugleich als einen Beitrag xur Lehre 
von der Oigani&ation der btaatsvcrfassting betrachten und be« 
nutzen. Jedoch erlaubt sich llec. an den Verf. die Fragen su 

, richten: steht wohl die Eintheilung des Rechts in das öffent- 
liche und in das Privatrecht so fest, als man gewöhnlich 9 durch 
das Ansehn der Römisclirn HechtsgeUhrten verleitet, glaubt? 
odev hat der Verf. nicht seihst von denen, weicht ohne irgend 
ein Vorurtheil gegen seine Theorie die Schrift lesen, Einwen- 

- dangen zu besorgen , wenn er §. 30. die Bestrafung der Ver* 
gehungen nur gleiclisam bitivveise oder aus Billigkeite^rttiid«n 
ia das Gebiet der Gf rechtigkciispflege zieht?) 

In dem dritten un<l letzten Al)schnilte führt der Verf, 
die gesetzlichen Bestiunnungen des Radenschen Hechtes über 
das Verhältnifs zwischen der Verwaltung und der Gerechtig- 
keitspflege an. Er begleitet diese Bestimmungen mit zweck« 
mälsigen Erläuterung^-n un<l mit der Kj z.ililung einer bedeu- 
tendeu Anzahl von U^ chtsfalleii , in welchen jenes Verhältnifs 
zur Sprache kam. Die v;il erliindisch^fn Geschäftsmiinner wer- 
den (liüStm Ab&clinitt mit I)esniiderem Interesse lesen uod ihn 
in vorkouiiuenden liUieu mü INutaen zu Hafche ziehen. 



Qeffentliches Recht des Grojsherzogthüms SacUsan * J^^eirfiar* Eis9nach^ 
Won Dr, Christ, l^ilh. Schweitzer. Erster Theil, PVei-^ 
mar, bei Hojfmann. 182S. 213 S, a. 1 Thlr. 

• 

Der zweite Theil dieses Buches wird nächstens erschei- 
nen. Der Verf., ein geschätztes Mitglied der GH. SW. Re- 
gierung, wollte nur die Beendigung des vierten Landtages dei 
Grofsherzogthumes abwarten, welcher eben jetzt gehalten 
wird, da die Ergebnisse dieses Landtages mehrere Abschnitte 
des Buches berühren werden. Auch das Erscheinen des ersten 
Theiles würde von dem Verf. bis dahin ausgesetzt worden 
seyn , wenn dieser nicht an einem für Weimar festlichen Tage, 4 
bei dem Regierungs- Jubiläum des Grofsherzogs , an dasjenige 
hätte erinnern wollen , was dieser Fürst für die innigere Ver- 
bindung, zeitgemäfsere Gestaltung und festere gesetzlichere 
Ordnung des ihm anvei trauten Staates gewirkt} gethan habe. 



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669 Siliwdtiir fiter fidiiiadiil IRmIi^ 



Dat Bitth tidi an die Werk«« di« wir ia im kU« 

itrt n Jabt«« 4iif c daa Staaltrccl^t etnaeloer Ocu^acliaa Staafem 
itrbakaB bah«Q- . .DiaQrdciung ist i^wec^mQ^tig«! mUAilcjciicht 
auf die £^£e|itht(ail|chi^eit def. QegeiiaCaiideft g«wft||lk ; der Vor* 
trag ein^iai und klar. Der vqrlieMpde T!kn\ haiidelt von der 
idlmllhli^c^. BUdupg des QH. ; vaMea» ilflFenUicb^n Ae^bta dea 
$|aatea m aUgeacieiQeo; von. d^ni'KeeeQteii; yon den Unleiw 
ikanen; yp« 4eii.£^i|d%liiidens von den StaaUdienern (oder, 
wie vielleicb^ die (Jebere^btift b^tte.^utep eoHent von den' 
8caatab<?U4ir4c") » von dengi Stas^tsgebiete» Als oii|'Yerdienac 
wird miiea den^Vf. ani:ecbnen» da£i. er ai^b nkbt Qber daa 
aU^emeine.peu.tscbe Slaat^e^bt verbreitet, f^r die 9>icbtig» 
keit der in^ dam», fti^cbe «ntLi^tenen Sitae 4aa jpoaitiven Kechla 
bürgt sQbon der Name und die Stellung des Vfi. £^er* würde 
Rec'd^n. Wunscb ^u^sern, dafs es dem Vf. gefallen bfttte, aicb. 
nopl\ Qb^C einige, in da^ Staatsrecbt des. G^. gebärende oder 
diea.em IVe^b^e verwandte Gegenstände au erklären » «.£• Aber 
dal. fÜ,r daL« Iiersoglieb*S8cbaiscbe tiesammtbaus besCebendo- 
ErbfcJg^cecbt. Poch vielleiebt wird der aweite Tbeil dea 
]gu(;be^ die«,em TV'unscbe.aavorkQmniejjt, 

Per^ weleber aus elnem ajilgem.elnen Standpunkte die I^ecbto 
und die Yerwaltun^sformeq der verscbiedenen Deutschem S,taa*< 
|atlbetracbt;et, sie unter aicb oder mit den BedÜrfnicseaoder> 
Stimmen der Zeit vergleicKt, wird aucb in diesem Qucbereicb«« 
baltigen Stp£F zum J^acbdenke». finden; — wie dieVer^Biasung 
de•(S^o^s.b«l;sogtb^mi.deIl a.ItertbQm]i.cbeQ Cbai-akter der D^ut« 
fcbenljandeaverfassungen im Geissen mit Treue beufabrt, wie 
^leicbwofil Viele« im Stillen und nacfb und n'acb.ii.i|d.mit d.er den 
fi^bsia$ben JE\,egiecungen überbäupt et^entbOmliicben Scbonung 
der be'stvM'^^^Q^ f^ormeiK aeitg^mafs, abgeändei;t woirden- ist » 
wie di^ neue l9ndst||odiKb.a Veri'assung sobon mannigfaltig in 
die*<l£^ent]i(fben Verb'^Unisse .eingegriffen, bat^ wie der ^a.oao. 
Ijßu und Geist der Verfütting des Grofsberaogtbumea. von den^ 
dei^ ^Odde^laclien Staaten weseotlicb verscbieden ' ist u. s« w* 
Die BiiO^ssvecfiiaaung wä^^ vieUeicbt fflr ein grofsesi Vojlk die. 
v^ol.lkpiiM»^BS.te, w^nn. sie. den «inzelijen. Stimmen, des. Volkes 
in. dema4ban Gi:i^l^.Sicberbeiit gegen den fiufseren.F^nd ge- 
WflLbrte, {n webeltem. aie «ineaQiJef&nStammi^ die Frei b.eit iSist, 
die ihui eigentbümliicben Interessen nacb Lust- und Gefallen 
vacb. Mtkifi^ Art und, ^acb seinen örtlichen Verbfikniaaeq zi\ 



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BtSncUted*! Reiien und UnttnnehaflgeD ia Griechenland. 663 

« 

Reisen und Untersuchungen in Griechenland^ ndhst Dar» 
Stellung und Erklärung vieler neuentdeckten Denkmäler Griechl» 
sehen Styls, und einer kritischen üebersicht aller Unternehmungen 
dieser Art ^ von Pausanias bis auf unsre Zeiten, In acht Dächern, 
Sr, 7VI. dem Könige von Dänemark gewidmet von Dr. P. O. 
B roe nd s t ed f der Universität zu Kopenhagen und mehrerer Aka- 
demien JVIitgliede ; Ritter des Danebrog * Ordens , Konigl. Däni* 
Schern Geschäftsträger am Römischen Hofe. Kr st es Buch- 
Stuttgart y im Verlag bei J. G Cotta* Paris ^ gedruckt bei 
Pirmin Didot , Königlichem Buchdrucker^ Jacohsstrafse No, 24« 
1826. Folio. Inhaltsanz eige f Zueignung y Vorrede XX S. Text 
129 mit Kupfertajeln, 5ub«Griptioaipr«i« l8 fl. 36 kr« 

Hiermit beginnt ein Werk von schwerem Gewicht und 
von bleibendem Werth — ein Werk, das uns Ersatz lietuit 
für das leider nie erschienene : La Gr^ce comparee des be- 
rühmten Villoison, dessen Sammlungen in der Pariser Biblio- 
thek unser Verfasser seihst mit Achtung betrachtete, und hie 
und da benutzte. Mit Einem Worte, Herr Ritter ß r o e n d - 
sted hat schon in diesem ersten Buche die nicht geringen 
Erwartungen ühertrofFen, die man von ihm als Alterthums- 
t'orscher und als Entdecker wichtiger Ueherreste Griechischer 
Kunst fassen konnte; und wenn dieses Werk einerseits die 
Strengsten Forderungen des Gelehrten befileriigt, so ist es an» 
drerseits durch Inhalt und Darstellung im höchsten Grade ge- 
eignet, jeden gebildeten Menschen zu erfreuen und zu beleb- 
ren, aher auch ganz dazu gemacht, eine grolse Masse ober- 
flächlicher lleisebeschreibungen üher jene classischen Länder 
zu Grunde zu richten, den künftigen Schreihern ihr oftmals 
so leichtes Gescuäft nicht wenig zu erschweren, und viel 
seichtes Gerede mancher jetziger Zeitschrihsteller i'iher Grie- 
chenland und über die Griechen in Miiscredit und Yergesien» 
Il«*it zu bringen. 

Dies Urtheil wird sich schon aus einer kurzen Üebersicht 
Ses Inhalts bei jedem unserer Leser von selber bilden. Denn 
in der sicheren Voraussetzung, dieses Buch werde sith bftld 
ein grofses Europäisches Publicum erwerben, werde ich mich 
•d a r a u f bescliränken , und dabei dem gelehrten Verf asser niei- 
jien Dank und meine Achtung durch die Zugabe von philolo- 
gischen Er^terungen zu erkennen geben. Inhaltsanzeige, 
Zueignung an S, Maj. den König von DäiUMTjark , wuiin 
der Unterstützung gedacht wird, weiche die Däniscbe Regie- 
rung solchen Untersuchungen gewahrt, und zngi<?ich das An- 
denken 4e» , bei ühm teil Gar A t e n IMiebubr erntiuect wiid. 



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664 .BiMttfld'«RdMB indU|iieiiiioli(!UigcB;Uj^ 

. Vocred«: WUientcbaftlicbe Vorbereitung ^et Vec£Mser«. 
. Auftnthale Itt FtrU — Ba«r, Hau« Breflow; die Aetaehf glei- 
.ttr: KoCit Halier toa Hallerttcin (desfen scböiie Sain(iiluogen 
Aeferant vor einigen Jahreo in J^ürnberg durch die. Go^e des 
Hrii»Brodera dea. verttorbetien su ttetracbtan Galegeqbet t hatte), 
^liinckb undFreiberr O. M. roQ Städcelberg i|ut edlem rttb« 
.renden Rfiekblick dea Verf.. auf die ihm und dar Witaenf cbaft 
8U frttb EotriaienVo. Zweck diepea Werke p.XIV: »ita Jag 
in der Beacbaffenbeit der Materialien j aua .welchen diesea 
Wejrk bestehen 'wird^ dals eine mit den verschiedenen Aeisen 
und Unteroebmungen chronologisch Ibrtschreitende Erafihlung 
(man dankt sich gewöhnlich i>ei dem Worle AeiaeyVoyag«, 
ala Benennung einer SiSbrift» eine solche Form) dem Zweck« 
•dea Verfossers gar nicht entspreoben konnte. In einem Wer« 
ka, daa sngleicb archSolociscb Und historisch) geographiscb 
und didaktisch werden soUf in welchem das 18 11 und 18|0 
Entdeckte aicb durcü etwas Anderes in 1820 oder 1821 Ge^ 
iundena oder £rwogene erklart u.nd wo der Verfasser, 
und mit ihm der Leser » aicb bald im alten , bald im jetsigent 
Griecbenlande bewegen wird, mufste jene Form, die Ober« 
baupt Wiederholungan sTusgesetat ist, aufgegeben werden» 
Vielmehr gebt der Zweck des Verbssers dahin : aus seinen 
AeisetaeebOchern find Fapierejo durchaus nur . d a i j e n i g e 
aussubebeny. was ihm selbst ala neu , inerkwfirdig 
und in irgend einer Beziehung, fttr Wissen, 
acbaft» für fCunst, oder ffir Kenntnifs örtlicher 
Verbflltnisse and d^es jetzigen. Gr iech enlandea 
wichtig Torkdmmt; dieses mit der atrengaten 
historischen Wahrheit daraustellen und su er« 
lautern, auch, in so fern es seine Kräfte erlau* 
ben, durch Beibfllfe altertbamlicber Forschun* 
een.«> — Anordnung der gröfsern und kleinern bildlichen 
Darstallungen in diesem Werke Cp>g* XV.). — Angabe der 
JLflnstler , die in Aom , Paris und Lioudon fOr den Verf. gear« 
beitet und noch arbeiten (p. XV!.), Hiebei der Sata, daria 
diaGriacben am eröfseaten in der Kunst gewesen; - und 
wer die Griechische Vorwelt ^liur durch das Wort siebet, der 
betrachtet aie nur mit Einem Auge«« (f . XVL). — - Betrach« 
tungen Uber .die jetzigen Griechen (p. XVII AfX.). 
l*lan des auf acht Bücher berechneten Werkes« — Dankbare 
Erwähnung der Beihttlfa, die namentlich auch bei der Fran* 
aösischen Ausgabe dieses Werks die Herren Kaou]*-Ro- 
cbatlei Hase und Letronna dem Verfasser geleistet 
• (p. XIX. XX,). 



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BiMiUdV R«Mtt nnd UAlMCMIfllu^gpii |a GpadMiiM. 

£r f tt» Ba<ih : Ue her die Intel K«ai« i«rtst Z«a 

j^fQiDit sichy vertcbiedene Episoden abgerechnet, diesef gpins« 
erste Hoch und zum Tbeil aucb das tw«itj9'i>etckflitigt). — 
ikbreise von Athen nach Zea den l8. Oecentber 1811« (p- 3 ff-) 
~ Des £uropäi5chen Griechenland«* Natur mannigfaltig f 
'kObft, romantisch; des Asiatischen itSter und ininftar kubit 
(p. 6>) — I^ie enthusiastische Liebe der Griechen au ibren . 
ioaeln ; das herrliche Meer des Archipelagui (pag. 7 f-)« — 
Gründ« des Verlfalla d«a Woblstandea der jGriecbUcben lofala 
in alur, mittlerer und neuer Zeit (pag. 9.). Die vier aU«4 
ftädce auf Keos (p. ii fF.)« WunKb dea Verf., die Griecben 
mAchfcen^ wenn aiefrei geworden y aelher die Aeale der Kunafc 
unter ibrem vaterländischen Boden aufaucben« Aufhndusg 
der grOfseren Hälfte ^ einer kolossalen marmornen Apollonia 
Statue, der Vaticaniacben ähnlich, in Kuinen der alten 
Stadt Kartbäa (p. 19 f.). Betrachtungen dea Verf. über den 
JCampf der Roheit und der Bildung aucb unter den alten Grie« 
<^en, und wartim daaeelbe Volk Kunstwerke hervofbracbtet 
|ind sie auch zerstörte. — Der wreiblicbe Torao faat aaCflV* 
licher Gröfse, in denselben Ruinen gefanden, pag. M f • odt 
tab.IX. D1^r Verf. berichtigt nachher aelbataaine erst geäut« 
eerte Meinung, daXi ea eine Artemia aey, p. 124« dahin, da(a 
er darin eine Lieto erk^nt. Geographisch - historische £r« 
geJbnisse der Untersuchungen unserer ReM^enden über d^e Lagi» 
der vie/ alten 5tarlte auf der Insel Keo« , mit Berichtigungen 
dtr Ao^^ii^"^ und der Charten iron Tour»efort, DWnviUe und 
Andern (-p, 19. 32 —^36. vergl. p. 86. mit Grundrisien, 
Anaicbten, verschiedenen andern. AhLiMungen und mit einer 
Charte der Insel aus den Papieren der Reisenden von Tardieii 
in Paris No. Xil.) : Karthaea lag, wo jetao taea Tolaes (rai« 
n^Adf»); Julis , wo die heutige Stadt Zea (Zia).; Koreasoa (Ko* 
reiaie) nordwestlich an der Bucht, wo jetzt rS AifMtvo 
Fdeeiaa (no/i;'«^?^) südwestlich , an dem Orte, der heut zu Tagt* 
Kovvreufs heilst. (Die Verbesserung des Verf. p« 33* not, 3*. 
in der Stelle des Ptolemäus III. 15. bat scbon van Lennep zu 
Ovidii Heroid. XX. 221. pag« 300 : Ko^>]<r(r(f( ; daOi man statt 
- Sarkophag sagen soll Soros , vi^oi p^* 30. not.» bemerkt^ 
achon Schneider im Wörterb.) — Aui'tindung, nördlich voa 
der Stadt Zea, eines nocb von keinem Reisenden beschriebe« 
neu kolossalen LiOwen , aus hellgrauem Sandstein« dem Qe* 
ateine des Gehirgea, das ibn umgiebt, mit einer ergänzenden 
frefflicbenZeicbnung'vonCockerell in einem doppelten Kupfer« 
siicb vo;i Ewei Seiten, radirt von Reinh^rt (tab. XI.); be- 
schrieben und eben so scharfsinnig ala glücklidi erklärt p. 3l > 



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rom YtA Bad» MiiMi'm^rkwdrdigen Fragment 4«t Rer«did«t ' 
«IIS Fonttti (iX. pag. iö. Kodkri) aiut dem Localmytbue« ron | 
einem Löwen « der die Njrnipben aus Keos yerecheutbty wbr« 
auf aie na<^ Karystos entfldien. (Der Verf. hat Jenem ganaen 
Fragment dea Heraelidba im Verfolg mit Recht eine eigene 
Beilage gewiilmet^ die demHeferenten su einejf niheren £r* 
Örtening Anlafs geb^n wird.) — > 'Archäologie und Qetcbicbte 
der Keleir, Naturumwftlaungen und ihre Ucaajpben ^ Fbdnicier 
tfind Karer '«auf den. CyJcladen; die Besetzung der Insel Keoa, 
dui'di' Hellenen gebe weit in die graue Vorseit surfick; Sie iit. 
in deii Mythen fiiid Ereilhlungen von AppUoy Bacchus, Keos 
nnd AriatSos enthalten (pag* 37 — 4l.). Hiebei Grundsätse 
des' Verf. in Behandlung der Mythologie und Kunstgeschichte 
der Griechen. ' nDas öffentliche Leben der Hellenen scblöfs 
sicb 'aufs innigste an seine Religion an} die meisten Hervor* 
^•bringungen der Griechischen Kunst aus einer freien und schö- 
nen Zeit sind , so au sagen , rjsli^iöse Theten; Motive 
und Wirl^ungen folgten sich im Griechischen Altertbum immer 
in dieser 'Ordnung : aU vÖ^d e rs t Qi^anisation und Natur« . 
bescbaffenbeit;^ dann Mythos, Glaubet Religion; endlich 
Thät und ]>enkmaL«< VortrelEllcb« Nur möchte ich suu 
•aweiten OKede^ nach dann,^ noch beifügen: Sprucbv Ge« 
bat / und faei'm dritten erinnern» dafs Penk mal erst sym» 
boliscbf hieratisch ist» ehe es, in das Gebiet det Kunst tritt«: 
Doch der Verf.'se^ate dies voraus; denn gleich darauf erblickt 
er ja' in der lichtvollen Erörterung des, wie der Verf. sagt, 
uralten^ Mythus von Ap'ollon« Aristäof in diesem lets» 
tern: Mein Symbol der Fruchtbarkeit nnd der Cültur » der' 
Sitte und Zucht A^ar nicht immer nimmt der Mythus den 
v.om Verf. angegebenen Gang;, s. ^» der Kretiscbsf djftfs Kro« 
»OS seine eignen Kinder verschlang, kann doch wohl nicbt 
eus d«i;Nätu4»eschaSienJieit der' Ini|.el Kreta en.tspru^ngen seyn. 
Folgende tKeffliche Stelle verdient von manchen heutigen My« 
thologen undGeschichttförschern bel^erzigt; zu werden (u 43( 
,9 Denn nüi^ Diejenigen , welche dem tieferen Sinne Hei« 
lenisch^er* Pich^tuiig fremd», übei^all blojfs^ d^m^ v^^ß. Biß hi*^ 
sto.risch nennen» nficbtern. nachgeben » mögen bei. jeder 
kleinen. Vecscbiedenbeit in diesen vi^le in den uüeisj^en sy m* 
bolischen Sagen, eine^ phäntasieceichen; Vfjlka, äog^tlich 
nach Erl^Si^ung gi üheln.« , Im Verfolg* bemerkt den Vejcfaasmt 
pag. 47 : »dafs die Verehicnng^ des. Aria.taiqui« eUe4tMbea ajuf 
dieser Insel mit de^n, urijten FböbQsdienst^ mittdec Veseh.«' 
rung Apolloojf.t. aber bi^c nicht mit deny ZensdieiAsjbve'.liujulen 
vrar»*^ . Weiterhin p«,49t. bestimmt ec dieloib'irv «^Oafi. auf 



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Keos dar Zeuf dienst nicht ein allgemeiner und erhabener , 
im Vater der Götter und Menschen geweib^ter Cuhus, son* 
dem blos ein mit der Besänftigung des Sirins und mit den im 
Frühling angestellten meteorologischen Beobachtungen ver«^ 
hundener Opferdienst gewesen." ( Hier bemerke ich zovör« 
derst, dafs jene meteorologischen Beobachtungen nicht im 
Frühling , sondern in der Opora nach der Sommersonnenwend« 
gegen die Hundstage angestellt wurden — s. Aristotelis IVIe« 
teorolog. II, 5. p. 54. Sylburg. Theophrast. de causs. plant'* 
I. 14. (l3.) §. 3. 4. p. 359. Schneider, vgl. J. Fr. Pfaff Gom- 
ment. de ortib. et occasib. Siderum p. 41. und p. 44. Wtf 
die Sätze des Verf. selbst betrifft» so wollen wir gleich von 
der Bedeutung des Gebets in den Mythen eine Anwendung 
machen. Wenn die alten Athener beteten : „Regne, regnet 
Zeus, auf untre Felder« (Marc. Antonin. V- 7.), so hatten 
sie deswegen doch ein Olympium COAv/ait/ov) » Mnd verehrten 
den Olympischen Zeus , wie andere Griechen. Nun hören 
wir ja aber bestimmt, dafs auf Keos ein Heiltgthum (/e^Sv) 
des Ikmäischen (*Ik^/ow Aicj) Zeus, d. h. des Verleihers der 
Feuchtigkeit (A/uy^^ou), vorhanden war (Scholiast. ApoUon. zu 
vs. 024.)* Das inufs uns schon zu dem Schlüsse führen, daf» 
olympisches Walten und meteorisches in der Ansiebt der alten 
Naturrel^^ion nicht getrennt waren , und dafs gerade der Olym* 

fische Zeus auch regnen lasset. Aus Hygin (l'oöt. Astron. 
I. 4- pag- 429 «qq. yerheyk.) geht ferner nervor, dafs diese 
Attische Mythen mit den Keischen organisch zusammenbäp» 
gen. Und ward denn nicht Aristäos von den Arkadiern alt 
Zeas verehrt (Nam apud Arcades pro Jove colitur — An« 
staeus — Serv. ad Georg. I. l4 )» woher er nach, oder wo- 
hin er von Keos gekommen war ? Wird nicht dem Aristäut - 
das Versprechen ganz allgemein gegeben, dafs er den -Na- 
men Zeus fahren solle? (l'ind. Pyth. IX. Ii2.) Was beiftt 
aber Zstg** Altera! o; anders als Juppiter Optimus? Und ist 
d|es nicht der Ehrenname des Juppiter in der allge.meineil 
Staats* und Reichsreligion selbst der Römer? Das war ge-. 
rade der wohlthätigste Juppiter ( »jheneficentissiraus« Cic de 
N. D, II. 25, 64.) > Wn durch den Beisat25 maximus su*/ 

gleich als den erhabensten der Olympier bezeichnete, ab#r> 
auch, wcnij, man vorzüglich auf seine G LI te sah , optimus al-." 
lein nannte. ( Cicer. de Ilepubl. I, 35. HI, 14 )» wie Zeut-' 
A r i s t ä o s. Auch hatte Aristäos selbst dem Ikmäischen ZeuS, 
auf der Insel Keos einen Altar gebaut. Nun ist es aber iw 
Geiste der Mythen , dafs solche Stifter von Ileiligthümern 
i&i^ dem, GegensCaude dt^r Verehrung, die sie eingeführt, vec^- 



« * 

ifiMigt' iir«f4lro« uad mi^b $a Kboik iDiirit#'A*iittK»8-:]Mii.den 
K«]t«ra ali'Z«Qs genomman vrerdeoi» Ef.giebt ferner 'eine 
2i^ge, dafa jene pbyaiacke Netb Griecbanland Oberhaupt be» 
froffan» tiod daia. AristSoa.fOr alle Hellenen das Opfer 
dargebracht («knfeae^ei ri^ 5»riav *Jr<Y c^vevroQ» «»y '£Ui;iM»n. 
I^iodo r« I Vi'SS.)« Hiernach leufate eaein penhelieniacher 
Onfisrdienkt aejrn« und dieser gah dem allgemeinen .Olympi« 
sehen Vaters. Waa«efadlieb die Haopuacbe iat« auf dieaer In« 
si^l rtoebrteiiiMn den Zeus der Feuchtigkeit und der icttblen 
Winde wiegen. (^fAoloc nai ai^^ Scboh A^oU. 1. ].}. .Dieae 
verleihe» nicht A^lfon, sondern Zena. 1' olglich muXaten 
d«i KcSdr, Ukjt dte jenes die gröfsesten Woblthaten waren t 
hfA Ihrem Ariatics^ bai dem besten Gotte, npth wendig. im^ 
i^er an Z^uft p^mäos denken« d. b. an einen OlympiiÜBhen 
Vntec» dpr. dre Menschen durch Xflhie. und Reden erquickt; 

. und es .tat Uditfer diesen Ümstiinden kein Grund « vorhanden , 
die Nacbrifcbt des Athenagoras lieget, pro Gbriat. cap. 14: ndto 
Kelttt halten den Ariatica ffir einerlei mit Zeus und mit 
Apollon**, SU jbes weif ein vielmehr rouXs aie im allgemeinate« 
Sinne : gellen » > mdgen nun die -KeXer noch einen besonderen 
^euat^anpffl iHier gar ein Olympium gehabt haben'» oder nicht» 
6ie kannten "ja -ihren Juppiter öptimue «acU unter freiem, Him- 
mel auf dtfn Bergen verehreo«} *^ Apollo n agreu a (aY^fu()t 
iLsr Jägei:«,. $>ieaea £piibeton. \irird aua Denkmalen erwiesea 

^ (P* 45.)» rbnd zugleich p, 109'. p 127 f« eine.Inscbrift auf einemi 
blroiiseneQ Bilde- eines verwundeten und« sterbenden Hasen » 
mit des. Abbildung 91 beigebracht, wodurch jene Benennung, 
det Apc^o noch nShere BeatSligung erhält, mit schdnen .pa- 
läograpbischpn und kritischen Beiuerkungen. £s ist ohne 
Zweifel dieselbe Inschrift^ die Rtiferent jetsc bei Rose in den . 
Inscriptiones Gra^cae vetustissimae, Gantabri^. l825. GL VI. 

* lascr. JI. tab. U. fincfet, und der«n Aechtheit l'ayiie iKnight 
benWeifeln wollte, Herr Rose jedoch vert^eidigt, .Rjcbtiger 
aber bat aie Herr Bröndated geleaen. Docu hat nachher 
Herr ^oae den letsten Namen , den er erst 'HSa^^icuv las, ganz 
vf^ie unser Ver£isser, dessen Werk ihm natfirlich cJatnals nicht 
bekannt aeyn konnte, als ^B^turrfwv au^ef^fst*. JVIun v^rgl. . 
Brdndst. p; 128. und Rose p. 336- und p. 425» A ktaeon 
CAiirerC0v)f der. Freigebige, Spendende, von ^kt») 9 in der Be«. 
deutung von iw^ti^ die Gabe« p- 46. (Ueb^r diese Bedeutung 
findet sich Mehreres gesammelt in ^tephani Thesaurus ed, 
Valpy p. 1675. und in den Scholien sur Odyssee II. 355. p-96. 
Biittmann.) ^ lieber den Mythus von Aktion» der der ErkJe« 
rung npch sehr bedarf » konnte .«ich tinset Verf. hier nicht ver* 



BroiiJiUd't R«is<>n und l/i»(erstto]iiiQg«D ia GnecheoUnd; 669 

ßreiten, — V't?rel)rung der Artemis auf der In^el Keof ^ Qnd 
Vermnthung de» VeiF. , dal» hei Kartbäa ein Artamision ge- 
standen; VereiiruDg des Diony^of und Feier von Diony« 
sien aui dieser Insel; Verehrung der Nymphen und zwar 
der B?iVa/ und der Kuif-uma/ , pag. 43—51. (Der Verf. vermu» 
thet fftr das Letztere : Kopjjo-y/a«, und gibt in einer gelehrten 
kritischen Note der Conjectur det Ii. Vossius Beifall« der ia 
der zwanzigsten Heroide des Ovidius vs. 221. für Coryciii — ' 
nynophis Corisiis zu lesen vorschlug. Allein van Lennep in 
den Aniinadvv. p. 300 «fjq. hält Corisiis für unverträglich mit 
dem Metrum, und nachdem er verschiedene Vorschlüge, Car* 
tbaeisf Brisaeis, gemacht und verwoi Fen, kehrt er endiicb^ 
mit der Bemerkung , dals die Korycisclien Nymphen dem Ari« 
6täo8 aus l'iithia und aus den Gegemien um den Parnafs nach 
Keos gefolgt seyn könnten, zu flei ijevvuhnliclx ii J^esart Co* 
ryciis zurück. — Deswegen kann aher die scliarfsinnige Ver^ 
niuthung Bröndsted's üher den Text des üeraclidcs den- 
noch in ihrem Werthe bleiben. Ich werde auf letztere unter» 
zurückkommen.) — . Es folgen Erörterungen üherdie Athene-« 
Nedusia — N«5cj<r/a« 'Aj&< va; Strabo X. p. 329. Tzscb. — und 
über die A p Ii r u d i t e oder A r t e m i s - K t e s y 1 1 a (Kr^yVuAX«.» 
Nicander ap. Antonin. I^iberal. p, 9. Broendst. p, 52. p. 07-)» 
womit man die Beilage Nr. V. p. 94 tf- vergleichen raufs, wo- 
der Verf. über die reizend«} £r^ühl^ng Nikanders kritisch« B«* 
merkungen macht. 

Mit dem sechsten Capltel wendet sich der Verf. nun nä- 
her zum Gescliichtlichen der Insel. Einwanderungen: Ari- 
stäos führt Parrhasier aus Arkadien nach Keos, Der Stamm- 
beld Keos , aus Naupaktos kommend, läfst sich auf dieser In- 
sel, die nun seinen Namen trügt, nieder. Von diesen beiden 
Ansiedelungen sey wohl jene, die Arkadische, die ältere, 
weil sie ganz mythisch an vorhistorische Zeiten erinnere, 
dahingegen Naupaktos schon der früheren Griechischen Ge- 
schichte angehöre, p. 53 tf. (Dafs in der Hauptstelle des He« 
raclides Ponticus cap. 9. erst des Keos und dann des Aristäos 
gedacht wird, wird kein Vernünftiger gegen den Verf. gel^ 
tend machen wollen, weil der Grund dieser Anordnung ganz 
deutlich in der Erklärung der beiden Namen der Insel vor Au- 
gen liegt, welche lleraclides zunächst seinen Lesern gehen 
will. Mythisches ist aber auch in den Nachrichten von Keos 
enthalten, wie ich unten zeigen werde.) — Die Angabe gros- 
ser Griechischer Schriftsteller, dafs die Einwohner von Keos 
Jonier aus Athen seyen (Herodot, VIII. 46. Euripid. fon 
16dl^f liaba.mit der Uot«i'suchui)g>^über die erst «tu Be« 



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670 QrStdit^d'i Reiieii ond UjitoKtaeliuiigeii in QricehfiibnA 



Wohn er der Insel nichts gemein ^ sondern beziehe sich LIos 
auf das Jonische Gemeinwesen auf den Inseln , wie es 
tur 2eit jener Schriftsteller hestand ^ und das sie seihst natür« 
Üch aa£ die Ionische Auswanderung von Athen aus beziehen 9 
p. 55 Gan« gewils hat das Herodoteische : K&rci <^ sBvoi 
»ov*IcüV<K^v axo *A5*;y£cüV in jener Stelle nur einen politischen 
'ßinn; aber ton alter Verwandtschaft der Athenischen und 
Kt'ischen Religionen zeigen sich Spuren. Man vergleiche^ 
was oben nach Hyginus angedeutet wurde. Hiebei hebe ich 
'wieder einen fruchtbaren Hauptsatz des Verf. aus — pag. 57. 
^ ein Satz I der die Aufmerksamkeit denkender Geschicbtfor« 
icher auf die Mythologie lenken mufs : „Identität des Cultus 
gibt oft den sichersten Faden durch die Irrwege Hellenischer 
Ansiedelungen und Verwandtschaften , zumal in jenen frühe- 
vta Jahrhunderten , wo die verschiedenen Stämme dieses un« 
ruhigen Volkes sich noch so bunt unter einander bewegten.« 
Hiebei eine schätzbare Anmerkung des Verf. p. 57 f. ^ worin 
liemerkt wirdy'dafs Aristoteles und Apollodoros auch von der 
Insel Keos gehandelt hatten, und mehrere Stellen verbessert 
werden, worin die Namen Ktc«; und K«7cr, Ktugy Kcvo/, X7o<; und 
ähnliche verwechselt oder verderbt worden waren. (Hiebei 
"bemerke ich 9 dafs die Pariser Scholien des Apollonius von 
Rbodus gewöhnlich 9 w^o von der Insel Keos die Rede ist^ das 
nichtigere haben im Vergleich mit den früher gedruckten. 
Man sehe z. B. p. 166 «q- p. 170. mit Schäfers Note ; p. 172. 
vergl. mit den Editis Scholl, p. 491 sq. Gleiche Fehler sind 
im fcicero de N. D. I. 42. und im Sext. Empir. p. 552. ed. Fa- 
bric. bereits bemerkt. Aus solchen Beobachtungen hat schon 
Harduin Excurs. LXXVII. zu Vlin. H. N. II. in Tertullian*s 
Apologeticus richtig Ceon hergestellt statt des fehlerhaften 
Co 9 welches Havercamp hat stehen lassen. Das in Inschrif» 
ten häufig vorkommende / für woher dann auch XT05 für 
K»o{* bemerkt jetzt Kose Inscriptt. graecc. vetust. pag« 266* 
Dals Etymologicunv Giidianum sagt p, 147. in ATojI Hitrcaqtt yaf 

ma) 37o5 mai X7o; Stu rou Aber wenn man nur an Tsio^ von T^a>f • 
denkt» welches ganz dem Ks7o( Von Kdwi entspricht ^ So bat, 
IMII acbon ein fünftes Fossessivum dieser Art. In einer kri« 
tischen Anzeige mögen solche Kleinigkeiten schon eher Nach« 
siebt finden ) als in einem für das grofse Publikum bestimmten 
historischen Werke. Es ist ein Beweis von dem feinen Sinne 
des Verfassers » dafs er in solchen Dingen sehr sparsam ist; 
worüber er sich auch einmal mit einer artigen Wendung selbst 
•«rklftrt,> DecVerf« Ipricbt daraui;' VQa der Vermischuiig defi 



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/ 



a/ren Einwohner auf der Insel, und bemerkt r die früh ftatt 
gefundene Verschmelzung der früheren arkadisch- pelaagitcben 
und lokrisch-naupaktischen Bewohner von Keos mit den ein« 
gewanderten Joniern ergebe sich zuvörderst aus der frühen 
Theilnahme der Inselbewohner und der asiatischen Jonier an 
den Deliscben Fanegyrien , sodann aus der im Alterthum be^ 
merkten Vorherrschaft der jonisch -attischen Mundart auf den 
meisten Cycladen , welche hauptsächlich deswegen diesen Ge« 
aammtnamen erhielten , weil sie die heilige Insel Delos um- 
gehen. Hiebe! : Uebersicht der Schicksale der Delischen Am- 
phiktyonie (man vergl. jetzt Rose in den Insrriptt.^p. 3l3 S(f. 
zum marmor Sandvicense) ; des Cycladischen Vereins ; der Ge« 
achichte der Autonomie und übrigen Schicksale von Keos und 
andern Cycladen (pag. 58 — 60 ff.). — Ueber die sonderbare 
Sitte der Keier , dais bei ihnen sehr alte Leute beiderlei Ge« 
achlechts sich durch Gift selbst tödteten, pag. 62 ff« Hierzu 
eine kritische Beilage No VII. p. 97 sq., worin dem Berichte 
des Valerius Maximus, als eines Augenzeugen, mit Recht 
eine Stelle gegeben worden. (Zu den Schriftstellern und Er- 
Jklärern rauls noch Wyttenbach zu Platon's Phaedon pag. 327. 
und V*^ der Philoraathia III. p. 107. um so mehr hinzugefügt 
werden , als dieser Gelehrte zuvörderst im Theophrast. Hist. 
Plant. IX. 17. und im Dioscorid IV. 79. Ke/ou; wiederherge- 
stellt; sodann auch in Meleagers Epigramm in der Antholog, 

Palat. No. 470. Ksi'tuv für ks/vcuv gesetzt hatte eine Verbea- 

«erung, die nachher ^ unabhüngig von Wyttenbach, in der 
Praefat. ad Antholog. Palat. p. LVII, und in d^n Animadvv« 
p. 340. auch der treffliche Jacobs gemacht hat; ferner, weil 4 er 
Holländische Kritiker noch mehrere Stellen über das Ywveiev 
und über die Bereitungsart des Schierlings zu jenem Zwecke 
beigebracht — womit man K. Sprengeis Geschichte der Bota- 
nik f. p. 66. 101. 144« verbinde; endlich weil derselbe Ge- 
lehrte in der Stelle des Stobaeus Flovil.. VII. 9!. pag. 2l3. ed. 
Gaisford hergestellt hat: 'E^^a(rt'<rTt>etrof S KaTo; für o X7c;, wo 
von diesem berühmten Keischen Arzte die Anekdote erzählt 
wird, er habe wegen einer unheilbaren Fufswunde sieb durch. 
Schierling den Tod gegeben, und diesen Entschlufs mit den 
Worten angekündigt: isteinGlücky d&fs ich mich meines 
Vaterlandes erinnere** — yg ort irar^tBo; fxifxvyjtrvioixai, — 
An diese Sitte der Keier eriiinertien sich auch vielleicht die 
Stoiker, wenn sie in gewissen Fällen den freiwilligen Tod 
nicht nur zulüssig, sondern auch pflichtmäfsig nannten, we* 
nigstens bedienten sie sich deyselben Kunstau'sdrucks , den 

hier Ueradidea brauchet weno er. sagt: — iovrovs ii^ymt» 



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672 BrÖB^Hsd'j Emen nad tTntersuchuDgeo ia Griechenland. 

Gewifs ist, daf« sie sich gerti auf heroische Beispiele aus ih r 
Geschichte beriefen; und namentlich führten sie zur Bekrältti' 
guhg dieser Lehre von der i'Jkoyo;.i^aywyJI das Exempel mancher 
Spartaner an; Epictet. Dissert. I. 2. pag. 12 s<j. Schweighäus*j 
vergK VVyttenbach zum PJutarch pag. 1222. ed. Oxon, minor. 
Die Platoniker bekämpften diesen falschen Heroismus mit 
theoretischen Gründen und mit geschichtlichen Beispielen vom* 
Gegentheil, und schrieben eigene Werke gegen die i^aywyij 
worüber ich zum Tlotinus das Nöthige beibringen werde (J. 
9. p. 85.). — Die guten alten Sitten der Keier (zu den von» 
Verf. gegebenen Stellen vergleiche man noch Heindorf zu Pia- 
tonis Protagoras pag, 677.). ^Aristides, wahrscheinlich nicht 
der berühmte Athener, wie Koler ajinahm , sondern, wie 
Bröndstöd vermuthet, ein Keischer Archon aus früherei: 
Zeit j hatte für die gute Zucht der Frauen Verordnungen ge- 
macht, und noch über zweihundert Jahre vor Augustus wa- 
ren öffentliche Mädchen und Flötenspielerinnen nicht gedul- 
det ; pag. 66. — Berühmte Keier : Simonides von Julis auf 
Keos gebürtig; p. 67 f. Hierzu eine schöne Beilage No. VlUr* 
Simonidcs in Karthaea. Chorscluile am Apollonstempel p. 
— 100. — Der Dichter Bakchylides , des Simonides Bruder- 
sohn; der Sophist Prodikos; der Arzt Erasistratos; der peri- 
patetische Philosoph Ariston, ^ ' ' . . t 

Der siebente Abschnitt liefert eine Uebersicht der Ge- 
schichte von Keos und der politischen Verhältnisse 
dieser Ins«! und der Cycladen überhaupt seit dem 
sechsten Jahrhumiert vor Christi Geburt. Zuvörderst wird 
Keos in seiner Verbindung mit Eretria betrachtet, dann seit 
dem Jonischen Kriege die Cycladen unter Persischer Herr- 
schaft; die Aufhebung dieser gezwungenen Verbindung; der 
Antheil, den diese Inseln an dem Kriege gegen die Perser 
nehmen (vier Keische Schilfe in der Gritrchi sehen Flotte bei 
Artemision ; SchiflFe aus sechs bis sieben Cycladen in der Grie- 
chischen Flotte bei Salamis ; die Cycladen nach der Schlacht 
bei Salamis; Antheil dor ln«elbofyohner an dem Siege hei' 
riataea;, , , . 

ipgr Betchlujs folgt.} 



N. 43. 1826, 



Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 




Brönd^ted^s Reisen und Untcrsuchungea 

ia Griechenland. . 

, iBetehlu/t,) 

Athenische Hegemonie nach der Schlacht bei Mykale; 
Zustand der Inseln wifhrend der Athenischen Hegemonie nebst 
einem ganz kurzen Blick bis aul: die christlichen Zeiten hinab 
und mit fruchtbaren Bemerkungen auch über die politischen 
Verhältnisse der heutigen Griechen (p. ßQ ^ 76« Hiebei eine 
Anmerkung p. 71, not. 6. des gelehrten und sehr vorsichtigen 
V«?rf. : „Ungeachtet Miltiucle» bald nach der Schlacht bei Ma* 
rathon gegen Faros und vielleicht auch ^egen andere 
Inseln, welche sich dem Könif^e unterworteii hatten , aus« 
ZOH *« Jenes vielleicht rechttei ti» t Plerr Bröndsfd da- 
mit, weilHerodot keinen andern Zug des Miltiade. nach 
der Marathonisclien Schlacht als den gegen Faros kefine, and 
weil es ihm (dem Verf.) dreist vorkomme , in den Begeben- 
heiten der Ferserkriege vonflerodot abzugehen. Nur der Ge« 
währsmann des Stephanos von Byzanz in ill^o; und Cornelius 
Nepos sprächen von des Miltiades Unternehmungen auch 
gegen andere Inseln. Dabei wird Nepos als eine unzu- 
verlässige historische Quelle bezeichnet, wx> dessen Nachrich» 
ten nicht von Herodot , Thucydid, Xenophon und Flutarch 
bestätigt würden. — So weit der Verfasser. Aber jener Ge- 
währsmann des Stephanus Byzantius ist ja hier Ephorus, 
der doch viel grdiseic Autorität hat als Flutarchus ; und noch 
mehr, Nepos seihst folgt, wie schon Valckenaer zum Herodot 
p. 500 sq. mit Recht vermuthete, gerade in diesen Begeben- 
heiten eben demselben Ephorus, obgleich er sonst meistens 
dem Theopompus sich anschlofs (F. A. Wolf zur Leptinea 
p. 692. vergl. Marx zum Ephorus p. 21'2,), welcher aber kein 
geringeres Gewicht hätte. Es liifit sich auch denken, dafs' 
Herodot in diesem Theile seiner allgemeinen Geschichte, wo 
lieh die Begebenheiten der vf ichtigsten Art so zusammendräng* 

XIX« Jabig. 7. HeA. 43 . 



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M. di« anwichtfpro. wie jene Znchtigu«jen der klein^^ 
Inf«ia hinwe6a^««n.) ^ Abv^eichung ^ Nachricht de» 
H^rodot IX* «8- von' einer Urkunde bei Pausanwi V. 23 , be^ 
treffend die AüfaSWung der Griechischen TrMppen'liei Flat[|m 
,p. — miteiner Beilage, Nr. IX. p. 101 ff.; woni. die*e 
Verschiedenheit der Angaben mit ihren Gründen «'örtert und 
Eualeicb dargethan wird» daf» die Hellenit^heo l©eelvÖ|lker 
nicbt ohne Ahtheil am Siege bei FlaiSa gewesen, ^ Eine 
treffliche UnietauchnnSf «i« wahres Muster gediegener histo- 
nschef.Kritik,: wodurch beide ^un sterbliche Scbnftstel. 
ler% Herodot unrf Fauia^iaa» gececbtfertigt werden. Jene 
Ehrennamen legt der Verf. diesen awei Autoreu bei, worüber 
einice jugendliche Hypierkritiker vielleicht grofse Augen ma^ 
ihei? werden. — Hr. BrOndsted wird sich freuen , bei Hrn. 
Siebvlir »m der Stelje des Pana^iiias — To>tt. Ffr 26». — 
feine eigenen kritischen Verbes*er«n-en am^utceffep. Ohne üt« 
3iebelUuche Ausga^^« gebraucht au beben.) ^ . » . 

£i ist noch von «inigen Beila gen sa sprechen» deren 
im Vorhergehenden, nicht schon gedacht worden. Also : A. 
Fac simile der in. Karthöa's Rvin«^« gefundenen In sehn i t e n 
Tab. XVI — 3iXV. (i« «weite« Buche habe» wir vom Ver- 
fasset Erläuterungen tther di^se Inschriften zix hoffen), 
N0..I. Helena; U^eoc.JMoKja : Makronisi No.IJ. He., 
caklidea auf Po.nto« über die I««el Keos (darüber werd« 
ich im Verfolg. noch etwas aagenV Na III Klima und 
^ 'c^>dukte von Keos (pag» 79 — 04. m»t »«^hr vielen guten 
Verbesserungen in den Texleo der alten Schriftsteller). No. IV. 
Oeographi-e und Topographie (gle^falls mit kritischea 
Verbesserupgcn.der QueUe.pag.Äö.ff. — U#ber die dem beJ 
rahmten DikaiJarchos woW von einem Spätem angedichtete 
•Ava-yj?a^4 xiii'Ei^kSAci sehe man Marx in meinen Melete matt. 
Itl pag. 17j6. IjP dieser Beilage beweiset aucb.Herr Ritter 
Br Ondited,pag. 86 , dafs die Ins^l Keos sp'Uer in «wei Ab- 
theiungen, die nördliche Julis und die süiiJiche Karthaea, ge- 
theflt war. — . Ein.vorz0^1icheai>t«ck dieses trefflichen Werks, 
wbau l^ufser der obigen vom Verf. entworfenen Charte, 
n^ch eine aus dem Pariser Codex des.PtolemSus No. 440I. co- 
»irt« vom .sttdUch<en Bööf ien , der Insel Euböa, Attika und 
der Cydadengruppe Tab. XXIX 5 XXX. B. aber nach an- 
4«Tn Handschriften des Lateinischen Piob/mäus in der Parisf-t; 
Bibliothek und der Vorstellung des Mönchs Buondelmon\», 
noch awei Charten beigefügt sind. — Bescblu I s; ROck- 
reiae nach Athen p. iQ^ — 112. mit Betrachtungen übe;» die 
Tyrannei der Türken and den Egoismua der Griedien. 



IjrMtMd^J fttiiMI li«d ITaiilMWbuii^aa ia Oxieoltcalaa^ §75 

& folgt: Erklärung det Kupfer (pag. rf. Dii 
trefflichen Abbildangen von den vorzüglichsten Kanttlertt ge^ 
fertigt werden hier, nlit einer Menge von numisinatitcheni 
philologischen und atchäologischen Bemerkungen , ang«;;lelgh 
Zu der acbdnen £rk]ürung der ersten MUns« von der am- 
J)hlktyoni8cben Ceres kann jetzt die aus mehreren Stellen der 
iVlien geschflpfte'Meinung Tittniann's uber den Bund 
(der Ainph ik ty o nen p. 10 1 f. bemerkt werden; wonach 
die Herbstversammlung, da sie mit der Verehrung det t)eme* 
ter verbundert war, ursprCmglich eine Erntefeier gewesen sey; 
dahingeaen VVachsmuth in der Hellenischen Alter« 
thumskunde I. p, li8* ohne den religiösen Ursprung und 
' Geist der Amphiktyonischen Verbindung auszuschliefsen , in 
dieser zweiten Oertlichkeit der Amphiktyonischen Fane^yriS| 
.in den Pylen beiAnthela^ wo man auch die Pisse befestigt 
hatte, mehr politische Zwecke vermuthet). — Eine andere 
Münze giebt dem Verf. Anlafs zu sehr inhaltsreichen flrlitute* 
rungen aller Delphischen Localitäten, vorzüglich dt ^ 
Heiligthums (p. 116. besonders mit Hinsicht und zum Thtil 
mit Widerlegung anderer neulich vorgetragener Meinungen ; 
wobei denn aucn wieder eine grofsartigere Ansicht des alten 
Griechischen Cultu« hervortritt, als diejenige ist, die sich 
hie und da in Oeutfcbland geltend machen möchte« In der 
Stelle det Jamblichus, p. i]9. heVm Verf., mMtü t«2^^ov«$ tor« 
rigirt werden, und' in der andern p. 120. angeführten mur« et 
heilten : dxo n r^s reu 5«/ ou irüf6$ d^Tivoi* Djatei Adjectir iif 
im Galeschen Taxta aufgefallen , ataht abar in maliiao Hand«* 
tchriften. Die Saeba hatrefftnd f so bat acboü Gala bamarbff 
dafs man tchvrarltch bat andern Schriftttallern dar Arl atwaa 
finden möchte; ein billigerea Urtbeili alt daa dea aonat ai» ga^ 
rechten Hrn. Verfatters*. • War weift dann nicht f welche 
Küntteleten tich spätarhin die Friettertcbaftan im Orakaldiantf 
erlaubt haben f um der' wankenden Religion dea Heidenthuma 
eine neue Stbtae au gebem. £t kann alto doch wahr seyn, 
lOid m'w bat nicbt nöthig^ eine ganae Glatte von eelehrtelt 
S'dbriftaiellern Terdlchtig su machen). Bei der fieaehrei* 
Bang von acht KeStchen Mbnaen l^ab. IV. p. 3, erhalten Wit 
pag. 123» vom Yerf« dat Vertprecben, daft im äweiten BucI « 
•ine. eigene Abhandlung über KeStche MÜnaJEUnctei fol« 
0>n tolb (Tn einer kleinen Heidelberger Sammlulig befindtt 
atdieineftbnliebeEraniAnte^ wie etliche der hier betchr leben en 
und dargettellten : Vorderteite ein unbürtiger und vielteicbe 
wetblidber Kopf | tl(lck«eite ein Stern mit acht Streblen i «vi« 
auf deo KeMten« Spuren von ^uebttaben laaten tieb übeif 
■ ' 43*' 



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676 Brondtted*« ReUeu uad Uut«rsuchuogeo ia Grieeliealaöd. 

• • . . ^ , • _ 

kaum noch entdecken). S. 128« WerdeVi neun schöne Münsen 

' von^HHs, vortretflich erhalten aus verschiedenen Sämmlunge/i 
ieschiieben (vergl. die Tafel p, 112. und npcb p. 107.). ^^^^t 
alle haben FA mit dein Digämma aeolicum , Eine aber voll- 
stündig FAAEIXIN (worüber der Verf. im Veii'olg nähere Er- 
läuterung verspricht. In derselben Heidelberger Sammlung 
finden sich swei Eleische Silberinünzen mit FA und mit dem- 
selben Typus , wie die hei Mionnet Descript. de Medaill. an- 
tiqg, p1. LiXXIII. nr. 2. Ueber diese Münzen und den noch . 
sp&^en Gebria uch des Dlgainma darauf vergleiche man Kaveri» 
camp. Dissert, de literar. graec.'varia forma p. 275. mit nr, 73'. 
Völkel über den Tempel und die Stätue <le8 Jupiter zu Olym- 
pia p. l37 — 140; Visconti im Museo Fio-Cleuient. Vol. VI. 
p, 3. Mionnet Descript, des Medaill, Tom. I, p. 98, II«inf* 
Meyer Gescb, der Kunst II, p. 221, und über FaXstot; in defr 
Ele'ischen Inschrift Rose Inscriptt. p. 33.)- — - Seite 129 be'- 
schliefst dieses erste Buch mit Tab« XXXI V« .' und deren Be- 
schreibung: Colorirte Abbildung einer ungemein Wohl erhal- 
tener! y in einem Grabe bei Athen gefundenen Vase aus ge- 
brannter Erde. Das Bild stellt einen mit einer. Frucht spielen« 
den Knaben dar. 

£s ist nun noch Von dei* zweiten Beilage zu reden, 
worin der Verf. die Stelle des Heraklides aus Fontos 
über die Insel Keos im Urtexte mittheilt und kritisch' 
und exegetisch bebandelt (p, 77 — 79. Ich würde diese An>. 
nierkungen liier gerne abschreiben , wenn nicht die in diesen 
BlÜttern gestccfiten Gianzen das Gegentheil geböten. Daher 
heriihre ich nur Einiges , worüber ich selber zu sprechen ge* 
denke;) — Die 1 nsel Keos , fängt dieses sjcbützbare Frag.« 
nient des Heraklides an, ward Ilvdrusa "enaant.«« BrÖnd« 
sted p. 79.* ,jD«?»' Keichthuui an gutem Quell waSser verani 
lalste die ältere Benemmn;; 'jg ^rj^.^ oder vielleicht ricbliiier 
* TS^svo-ca." (Herr Bröndsted hat nämlich den Koler schea 
Text vor sich, den er kritisch behandelt. Dieses Ilicbti« 
gere bSitte nun schon KöJer finden sollen. Aber er sagt, 
auTser Hesych — II. p. l44l. All). — wisse er niemand, der 
diese Insel Hydrusa nenne. Allein riinius H. N. IV.. 12. 20. 
p. 210. Hard. nennt sie ja so, und zwar Hydrussa, Dieselbe 

. Schreibung funlet sich in der zweiten Stelle desselben Autors 
cap. 22. pag. 211, wo es von der Jnsel Tenos heilst: ^fjuain. 
propter aquarum abundantiam Aristoteles liydrussam appella- 
tam ait , aliqui Ophiussam.« Vergl. Stepli. Byzant. in Tijvo; : 
'Ev A^j^vj öi 'T^i 0 j cro-a ö/J; xuTi^^jvrs'j hl-jai — eine Benennung, 
die, wi f schon Tournefort II. ^. bein«ikt| den meisten au. 



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Jern Inseln, wo. Quellen waren, beigelegt worden. Hieraus 
verbessere ich ohne Schwierigkeit den Lindenhrochtsclien 
Schoiiasten zu Virgils Georg. I. 14. p, 175, Burm.: „Caea in- 
SLila Aegei maris est, qiiae prima dicltur Nyiiiphis habitari. 
.(Man sieh^y dieser Erklürer hat die Stelle des Ileraklides ge- 
kannt, und nun fUbrter fort, und gieht den Grund des Na. 
tt^ßtiB an : ) Ideoque et td rursus dictani postea Jceon aupautorum 
Caeam appellataio — Lies: ideoc£ue et iJrussam^ oder richtiger 
Hydrmsam dictam, postea Ceon (Ceo) , apud auctorem (näinlich 
Lei Virgil, wo also dieser Erklärer, wie viele, faUchlich Ca$a4 
las) CaeOin appel|utain, in c[iia (in q .sktn vielleicht) Aristaeus 
ex Arcadta v«nisse Fertur, [et] response patris ApolIInis. moni* ' 
tus^ Qal ttX pecorihus usu^l lactis invenit, et mellis Studium 
api um .solerti4iii (solertia) consecutus est.) — Heraklidesl 
^,.JVIan sa"t, die rfymphen bitten sie früher' bewohnt, weil 
aber ein iLiSwe diese in Schrecken gesetzt , so Seyen sie nach 
Karystos binflber g<^g^>^g^n.« (Dies ist die Stelle, aus der 
Hr. Aitter B&'dndsted io ßlflcklich das Kolossalbild des Ld» 
wen bei Zea «rklSrt p. 31 ir. Er bemerkt auch die Sage voll 
d^m froheren Zaiammenhang der Insel Keos mit Eubda^ nach 
Pii^lut II. 92. iV. 20.) ^ Heraklides: Daher wird auch ein 
Vorgebirgje .der Lidvra (Xt'wv) genannt. Keos aber, der von 
Naupaktos herfiber gekommen, baute (dielnsel) an, und nach 
ihm naanten aieaie^ — «Jvo/uto^av» wie Br. eua einer ¥ariter 
üiiudscbrift vefbesterte« £• folgt eine LOcke iin Text. 
. Ueber die Herkunft des Keoi erfiibren wir von Heraklidea und 
seinem Erklirer weiter nichts^ und Hr. BrÖndfted klagt 
pag. 40 : » Die örieckiscbe Dicbtkunat ertönt votf Ariftdoa 
Lobe, i^her voii der Einwanderung dea Keos Ist uns leider in 
daH aaCuna gekommenen Ruinen der Griechischen Literatur 
nur die einzige Stelle bei Heraklides gebliehen , und demnach 
kdfinen wir flher das Yerhftltoifs *der beiden Stammvater der 
Kefter^ d» h. Ober 4ie Ansichten der Alten in diestr Hinsicht 
3ii<;iU mehr »rtbeilen**; und hier pag. 78: » Da . Griechische 
Schriftsteller sonst von diesem Stammvater der KeZer. Schwei« 
^en« Ich sage: sie schw.ei gen doch nicht gfinslich : Etymol. 
anagn^ 1^ Heidelb. 460. Li^ps. — daraDia Fhavori* 
saua^ KiCb»$.&« v^^as; iniv* vSvoytagreu die$ rou K^ai roC 'AiroXAoivos 
yt'ai^P^Q^od^^^i v.uyi^yfU £s ist nicht unwahr scheinUcb|^dafs 
dii^e aua dam unverstammelten Heraklides genommen - 

iat I wi» deui aber auch se)r, so haben wir hierin #ine gans 
ähnlicho Genealogie^ wie |die von den Stammvätern der ße- 
wobner Insel Kliodos. Letztere sind Kinder des Helios 
und der Nymphe R ho d e. . seh* Gicaro da Nat. Deorr. 



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\\\, 21« p« 597. ünd was jcb dort sur Verbe«urung und Er* ' 

jilSrMng beigebi-acbt. Wer ferner iMi die HortieriBch^n Aus« 
^r^cke'^oS<ivovy orva«it Toi»tfVf Toj.(t)oj.«ov Ku/xa den^t, und daneben 
^ie physischen Sag«n von d«^ ürgesphicbte der'vQm Meere be* 
4<^CC|^ J^bodot lind anderer Inseln des Arcbipelagui erwSgt^ • • 
^tX Wi'^ d^mr Genealogio dieselben mythischen Erinne* - 
f langen vermutbenf n^alich an jeweilige (JeberscbweiQitiungeii 
Vpd yVaMe^reichtbttqi^ und findererfleits an die grofsen'£in**' 
^irJciingen der Sqnna — , denn in der aUen Volksreligian ist 
(al^ii d^ Hell QS oder dea Apollo n ganz eins qnd d<isselbe>* 
und die ersten Bflanzer VQn Keos s^nd in tq fern auch Helia* * 
den 9 Wfe die yon |lbodot« Hiftmit ist nun aber zugleich be* ' 
^(esen , dafs auch die zweite oder Naupaktische Ansiedelung - 
auf Keo3 den Apollonsdienst mitgebrapbc bat , und die Ver* 
^luthung unseres Verfassers — pag. 51. — wird fast «ur Ge^, * 
VV^if&heic, nUmlich dals auf dieser Insel auch der zweite ILan« 
^esberos Keos verehrt worden sey — • denn er war ja so gut 
^jn Sohn Apollqns wie der erste, Aristäos.) — Heraklides : 
5, ArisUeps aber, sagen sie, habe von den (Koressischen) Nym- 
phen die Schaf- und Rindviehzucht, von den Bris^ischen aher"{ 
d^n Honigbau gelernt. (Bei Koler sind hier im Texte ineh*- 
jpere Worte E^usgefallen. Hr. Rr. lieset theils au« J^iandscbrif« 
^en, tl^ails aus scharfsinniger Conjertur: 'A^ieraTcv 3« (porc f«^« 

Suv xa^^ jüiiv Ko^ijo>er/ w V vuju^^cuv t»)v ryay x^o^Sarcuv koi' /Soto'v licivr^- 
^^v> xa^a 3^ Bfiff-wv Tijv jix«A/T0uj7/av. Das Etynjolog. niagn, in . 
^o{<jai hat jedoch ^X/co-oy^^/av , welcbes van Lennep ad Ovid, 
ije^aidd. pag. 301. dort auch in ^hkiroM^-^iay verändert, gt^rade 
wie unser Verf. aus einer Pariser Handschrift iin Texte des 
Heraklidej^, \ind zwar weil es von ^xiki und nicht von lUXtctTu. 
\ierkpmcne. Allein man vergleiche dasselbe Etymologicum 
pag. 416. Lij^s. oben , wo ebenfalls ^kkirrovQyoi st^ht, und was 
§chä^eT 2""?. Scholiasten des Apollonius p. l30. und p. 668; 
bemerkt bat. Die ixB^no^j^yi'a ist das Geschäft der Bienen, die 
d;js des BienenpUegers , des luXirrov^y^i» Vergl, Eu« 
^ecnii Aletaphrasi« Theriacorum Nicandri vs. 8ü5. — Ein soU 
^er ^AtrrcufY:^ War aber Aristäos, denn Dioii^rns sagt IV. 

: «rr habe von de« Nymphen gelernt den Bau der Bienen-* 
ft^l^e , YfiLraoA&Tj^v r^iv (Tfxy^vwv* JVIan vergleiche den dazu von 
W^SSieHng p. 324. angeführte^ Oppianus (^yneg. IV. vs 267 sq^, 
271 ka. ^5. Schneider.) — per Geschichtschreiber fährt fort : 

aber ^yi Verdexl^n der rilaqieu und der Thiere eintrat , ^ 
Vf^U die £tes>n nicht wehelepc* — Lücke. ((J;5o^.äj a; oiV»,; 
^UT(Jv »ai iwwx Bij. TO /X*) vjtJv oder Siai «xAc/ts/v iryjff/at;, — So, 

^u^4 ^iacbfVuV4.''«W«^ ¥iö.ie^ u^dßiöndA^d ß^-lw« werden..; 



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Bii^letstinrrVOTiftuth«« mit Recht, Ji«. folgende Lrdcke «ey 
ao»€lmo d« Dhrifitt. L S7. (nicht 63.) MtonlOllMif £t«ii» 
C«ot aoc0pMiai* ortiim Gamoula« diügMiltr quoUfiiit tokt« 
MiwirPt c<Nii9«Clura«iq[U9 caperfl» mlUr Pontlcus UeraclidtM^ 
tulobrttn«/ an ptf%il««8 annut futurus stt. NAolicb 4iit Saga 
mvlAaia^ 4^raatioa iMibe der Glatib daa Sirius ceitacMtt — vgl. 
BrOa^l, f- 42. 78« £inataayaOf ariAbTta man aicli , die 
BaafeiaclM Wiaoa äbagebliebali, buh aay Ar istaos aul'G«beia 
aaMat Vater i ApaDo nacb Keos gekommen, bab« einan Altlic 
g^uif damrS^eua Ikoifios gaopfart, und dadtirch die kflhien 
,Winda (aa Aind K#rdwa«da, «flcdikbe Patsatwwda^ Ftiq. U. 
H« II.'47.) wiedar cur Ackgerufen , und der AUea verten&vndea 
Hitaa eiiB.£iMia gaaiacht (Varro Attacinut bai'fli Brobya aa 
Virgil. Georg. 1. 1i4. Cle«« Alax« Smoi. VI. pi^. 951« gMM 
n&dk HavakM^ : i^Xmwitrmv w$ti rwt ^/«v» .'Afi0ra<«»> Ai lufip 
9Mi T^f«a% Alt» vtAA^ »yd^ . ^Je^ « . ^Aeyju^ atarjyAvpflqaAMW. «tfftf 

t«H a-jToC^ äWaMMn^^^wodurcb denn Ariatiot» der £r« 

latcer, nicht aileln sur gdttlfcben £bra calangta (a« oban)» 
•»•dam auch dia Sieta der Ke'ier begrflnoet wurde^ d«i# a&t* 
•iia^tdar Beobacbtung daa Sirtua fütr jede« Jahr Frognoscica 
SH^nien. Dabar-denn aucb^ wie unser Verf. racbUg broierkt, 
anl dan Münzen von Keos da« BildMa^ataStarnt (d«f Siriua), 
tisd auch ainaa.Handea so bäufic; ancati^offeii wird. 

£a ist III verwundern , dafs Hr. Brdlndat ed di£se phy* 
aaaidi«*aatrenomi sehen Mythen urid Btldar aun nicbt auob mkt < 
dam Biida des Jialosaal«» Löwen in Verbinduiig g««, 
setzt hat^ ..daaaan' £»tstehung er doch so schar£linAig und 
g^Ocklich UHt 4dar>obioen Nacbritkt des Heraklidea suaMnafl 
MS atallan igewafst. Denn jenes nun nacbauholanf gehe icb 
von einer aMbakapptaa .Staüa . des Horatius au», III Odar. 
XXIX. l8 sg« ! •« M jßm Froayon furit, Et stelle va««nr Leonis f 
5oU di9* T9f99§m$ sheot. Mit daia lleliaka]* Aufgang des Hund« 
Sterns, wanii ,di.a Sonoa in das Zeichen dea I«d- 
wen getreten war, begannen die Hundstage (die opora* 
fieng an) — Theophrast. de causs. plant. 1. 14. i3. pag. 369. 
Schneid. Olympioxt in Aristat. Meteor. II. 6* Plin. h 1. Piatf 
de ortib. et occaaib. siderUm p. 4t< und p. 44> Mitscherlich 
niim Horas a. a. O. und jetzt Jo. Laur. Lydus da Osfcentis ed. 
Hase p. 232" — I^*** war die beilseste Zeit , wo in Italien und 
GriecbenJand die Gewüchae und die animalisch«!! Körper sehr 
zu leiden pflegten (Horat. I. 1. jain pastor uiubras cum grege 
languido Uivunique fessus qiiaerit etc.). Diese Erselieinungen 
und >^kkuagt;» scbiiiabcn di» Alten nicbt blos dem Üunils* 



•terii, lon^ern auch dem Löwen zu. Aratut Fhaenoditt;«. 
149 tgif. vergl. MiUcheilicb zum Horat a. a. O. und J. JoAiiiwr.' 
liyviuft de C^stent. p. 196 : „Der Löwe ist ein aOinBliches und 
Manenartiges Thier« Daher Caesar Germanicut in Arati 

Phaenomm. l49 sqq. »ingt : „H«nc (leonem) ubi contigeritr. 
Phoebi violaniior a-Ki 8 , Accensa in Cancro jaih, tmut^mmabitmnt 
aestass hinc lymphae tenues ; hinc 0st tristittuna tßllui,^ Ffindeifi; 
jiun blos in Libyen, wohin Ariiiäos sieb von kaoai.iM«A 
giebt , nach den Mythen Kämpfe üiit L6vren ttatr« so irärfliR 
es wunderlich, dahinter etwas weiter suchen »u wollen j al«.< 
Alltägliches im rechten Vaterland© deriLöweii. AlMn Mä' 
nun der Gegensatz von Hund und Löwe esneMldM. ia^L 
von den Nymphen und Kei scHen Gotjtheiten andwr« 
saits durcb diesen ganzen Mylhenkreis liindurcbjjiebt ; wenäf 
Diodonis sich selbst über den VVecbseJfaU w Lcnd^ii! ^ dafs Aüni • 
Stäos^ der seinen Sohn Aktaoa (dui'cb^^an 2orn.der Arteipifj^ 
Xj\ina) vom Hundessabn zerfleischen g«4ehetfi> den wütb^nd^n^ 
Hund unter den Sternen, zur' Rettung der Inselbewobn^i;^ 
beschwichtigte (Diodor. IV. B2, p. 325. Wesseling);; ,Wfln#| 
Apollon die Nymphe Kyrehe ain' Thessalischen Berge «Felioii^ 
ohneWalFen mit einem Löwen ringen siehet, mit "de? er j<iachfK • 
ber den Aristäos erzeugt (Pindar. Tyth. IX. 45. mit den Scbäm 
lien; Gallimach. U. in Apollin. 90 s €[<][.' itiit Spanbeiin) ; weiMa^; 
dieselbe Nymphe Kyrene nachher am Libyschen Berge Myr^i 
tussa einen das Land verheerenden Löwen erlegt, und dafür 
das Land zum Preis empfangt, wo nach ihrem Namen di^ 
Stadt Kyrene gebaut wird (Scholiast. Apollonii II. 500 
vergl. IV. 1561. mit Spanheim zum Callimachus a. a. O. vs. 9l.; 
sqr.) ; wenn die löwentödtende.Hünde der tapferen 
Ny»npbe Kyrene au einem ordentlichen Epitheton vverdeas 
(Nonnua Dionysiac, XXV. p. 652. vergl, Spanheim a, a. O.); 
wenn der Knabe Dionysos einen Löwen bändigt und der 
Rbea als Beute bringt (Nonnus a.a.O.); wenn AristUo» 
'(der Beste, Tapferste) und Keos (der Erleger x^w, ich tödte)- 
als Söhne des Apollon und der Nymphen, in ihrer Ab« 
kunft schon die Harmonie derSonnenwärrae und 
der Köhle und Erdfeuchtigkeit darstellend, die 
Insel Keos hegUlcken , und wenn der er^tere den feurigen 
Hund des Himmels bändigt, und den Dienst des JKühlung 
sendenden Zaus einsetzt; wenn endlich noch heut zu Tage 
die Araber die gröfseste Hitze und dürreste Jahreszeit d e n- 
brüllenden Ii ü wen nennen — alsdann wird man die 
Sprache des Mythus nicht mifsverstehen können, die uns 
sagt : Zuerst haben auf der Wassarinsel ('X%«vrava)i: 



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Mt- Lymphen gewohnt, aber «in Löwe bat »i« 
verjagt. Dann werden tlieNympliae fugace« wubl «1» 
Li ympb^ae tenu<»ay die vor dem JLOwen entfjobe- 
n,« n Nympben als in beiiser Jabreizeit ver- 
scbwundeue (^)iiellen erscbeinen; und wenn darauf die 
liiielbewobner , nachdem der Noth ai>geboUen worden^ rbrt in 
£rretter göttliche Ehre erwiesen , und den besänftigten Ii und 
und s«irien Stern auf ihren Münzen verewigten, niclit min- 
der aber ein Vorgebirge von Keos nach dem «chrecklichen L»ö» 
W€fi benannten — dann dari luan doch wohl glaubeo, daJa. 
4«r vom Verf. so glücklich gewürfligte I^öwenkoluls nicbta 
mideres sey als ein Ahweudungshild , ein i,cuj>.cv dyetr^oxatoyf 
welches, *o zusagen, eine magische Schutzwehr i<yn rollte 
geaen den beifsen , vvüthenden L«öwen am Ilimuiel. — 
Yom i'ihrigen Inhalte der S^iio de« |iei:akUdeft i%t jj^^n da^, 

Jj^tbige bemerkt worden. 
,^^{|,Jnöge der Verfasser die hier angedeuteten Ideen »Ii ein- 
Zeichen der Achtung g(^gen seinen Geist und «eine Gejebr«. 
samkeit betrachten. AJit Verlangen sehen gevvils alle Alcer- 
tbumsfreuiide der Fortsetzung eines Werkes entgegen, da» 
seinem Urheber zu grolser Ehre gereicht, ud<1 auch durcb 
seine Ausstattung, in Druck, l'apier und Kupfern , tt^iuff. 
y.eg^enftandes sieb Wj^i^di^ darstellt. 



V 

* • *l I 

Vlmt^rehi PkilopoBtneny Flamininut, Pyrrhus, T^soiim 
reco^novity perpeiua Miiotation» instriucitf disfrtatwnfB 
'ädjontwmt hmrmm pitarum jfrMmisit J^o, Chr* Feli^ Ba^ehr^, 

" niano. H^jfcCßXXVL * XIK 79 Text und Z6i S. Commentar 

• 

. .DeHQnter8«ichnere fibergiekt dem l^ulllkam dieie Bear« 
heltufng einiger Vitae des Plutarcbua^ in Sbnlicher Weise , 
wie "vW^inlg^ Jahren die VitaAlcibJadis (Heide) berg* 
bei Oroqa, f822«) berausgegehen. Die Einrichtung dieser 
Bearbeitung ist der früheren gleich; nur hat er in dieser alle 
ausfiDhrlicberen £xcurse weggelassen , und sich zunächst in 
Beinm^ Cc»i|inientar auf die Erörtern ng des Textes beschränkt y 
hier aber auch« wie er glaubt f Nichts fi.b«rgangen, was einer 
CrhiArung bedOrftig erscheinen konnte. Denn dahin war sein 
Beatrvb^ gerichtet^ einen Commentar zu liefern^ in welchem 



M 

,« 



uiyiu^Cü Ly GoOglc 



6Ö^ 



die grammatuch- kritisch »sprachliche Erklärung mit der lath« 
Jichen gleichmSfaig berQcksichtigt und Alles in gehörigem 
Gleichmaafs su einander gestellt sey; eben weil jetzt so oft^ 
Ausgaben erscheinen , in denen vorzugsweise das eine oder 
andere ii|iit Ausschliif» desUebrigen berücksichtigt wird. För 
den Text, welchem die Seitenzahlen Her Frankfurter Ausgabe 
am Rande beigedruckt sind, hat der Herausgeber eine Heidel** 
berger y eine Münchner und zwei Pariser Handschriften he^^ 
nutzty auch deren abweichende Lesarten vollständig mitge^^ 
theilt, sonst aber in Aufnahme neuer Lesarten ist er mit inög«' 
liebster ^Yorsicfat verfahren, um So mehr, als er so oft sieb 
gendthigt sah, unnöthige Correcturen einesKeiske und selbst 
eines Corai aus dem Texte zu verweisen, um der alten, hand«* 
schriftlich begründeten Lesart ihre gebührende Stelle wieder 
zu verschaffen, Ueber die Quellen, ans Welchen Plutarch ge- 
schöpft, ist eine kurze Einleitung mit Berücksichtigung und^ 
weiterer Ausführung dessen, was schon früher Heeren über 
diesen Gegenstand bemerkt hatte, vorausgeschickt. Daraus 
geht als ziemlich sicheres Resultat hervor, dal's in der Vita 
Fhilopoemenis IMutarcb hauptsächlich den Polybiusi^ 
sowohl in dem gröfseren noch vorhandenen Werke, als in 
einer besonderen Schrift über Leben und Tbaten des Philo«'' 
pÖmen, benutzt bat; in der Vita Flaminini denselbeiT 
Polybius nebst Juba; in der Vita Pyrrhi, wo Plu- 
tarch seltener seine Quellen anführt, vermuthet der Verf. , dafs 
aus Hieronymus von Cardia und Dionysius von Hiili« 
Gtrnafs das Meiste entlehnt sey. 

Für die typographische Ausführung und Correcthelt des 
Drucks hat die Verlagshandlung aufs beste gesorgt und in jeder 
Hinsicht den Wünschen des Herausgebers una den Anforde* 
ruagen des Publikums entsprochen. Zugleich ist auch die 
Einrichtung getroffen , dafs zum Gebrauch auf Schulen oder 
für Vorlesungen der Text besonders mit eigenem Titel um den 
billigen Preis von % ficht Qro^cben iRus^egeb^n wird, 

• • . " * ' ' ' . 



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C. Mrfibr Ibi^tiiUi. ^ m m » Mil M kimf m 

« ndt $ Hlmk. Kupfert, ♦ tO'i. 484if.* 

Di«te Schrift ist eine FoTtmttmg ¥on deiMlben V«#fd«« 
ttr» jtSyit^inatstelier Anordnung tfnd ß«fctir*lhung d^utKhwr 
Ijand.timl Wattfvr-^bneckent £iMe) und Bertin 1821 <S wo^ 
VlHi Wir im Jahrgang 1822. 8.1228 — 1239. dwt«r Jahrb(K:b*r . 
cIm Anaeifi« g«keben 'faaberi. D*r rtwa» «r^riterte Plan ^kfr > 
Sthrift baf dt« VWrtnderung des Titelf notb«rendig gMacbt« 
wesbalb ateeb noch «in ttbnlicber fiBr die ^st« Abtbeiluttg nacb»* 
gttcsgen Ist. 

Verf. liefert irt diesem Hefte eine Sufiera tind ana«', 
toiliisdi-pb7fi<llogiacbe Beschreibung der Thiere aus det* Oe- 
scb)eebtero Anodonta und Uniö, und einen Nachtrag von 
mebreren 'neuen ^rten. Er hat nicht nur gekannt und be- 
im^t, was in der erster«» Beaicbung von Bojanus über die, 
Atheni^und Kreislaufvrerkseuge der Anodonteu (Sandschrei, 
boiian Guvier, I8l8, 'uiid Isis l8l9 und l820), Ton Poli 
und M ayor Uber dieNerrenbildung (von letzterm in Brard * 
bist. natuT. d. coq. terr. efc f uv. des envir. de Paris* I8l5. 6») ' 
bdkanm gemacht worden vi^ar, sondern »r hat diese Beobach- 
tungen grofsentbeils wiederholt, durch vortrefflich« detaillirtö 
Abbildungen verainnlicht , Neues hinzugefügt, und auf dt« 
Anatomie und Physiologie anderer Land - und Flufawasser- 
schnacken vergleichend hingewiesen. Nur <J. R. Trevira-- 
n-üs treffliebe. Abhandlung über die Zeugungstheile und ForU'^ 
pflanzung der Mollusken (in F. Ti ede mann'» Und der bfei- 
den Treviranus Zeitschrift für Phytiolo^ie I. 1. l82l. 8.)' 
kam ihm erst während des Druckes seiner Schrift zu: Auth * 
die Arbeilen vonBaer über die Entwickelung der Muscheln 
(in Froriep Noti^n. XUI. 1 — 60 konnten ihm noch nicb^ 
bekannt seyn. 

tUe J^laterie dieses Buches dürfte etwas logischer geord- 
net seyh. In der Beschreibung denkt sich der Vf. nicht mehr 
jene Seitnals die rechte, welche ihm zur rechten liegt, wenn 
,das Thier, mit dem Kopfe gegen ihn gekehrt, vor ihm steht, ' 
•cndero er dcAkt sich in die Lage des Tbieres selbst , und ge- * 
langt dadurch zu einer viel richtigeren Bezeichnnngaweise, 
4«rcn Äedörfnifs auch wir schon geraume Zeit gefühlt, und 
deswegen auqh, gegen die Autorität D r a p a r n a u d 's , Gu- 
vier's u. A.« bereits anj];enoinmen haben, — Die Erzeugung 
und das W^cbsthum der Eier im Eierstocke und später in den 
«ogaoi^oaUA Äicwep ä ««^W^h die Q^bwrt , \y ir d ii4cb eigenen 



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.Bffikroj1u>pf sehen Ui^tersufibungen bescbrlttlM|ii:iuid ^Jubtbüdi^ 
($. 8 — 48.)- i«*iÄ>e Art de* Ueb«rgfng«« der. Bümt äö« 

4t«:^M9^ der genannten Organe in d{tf. «and ei^ nickt, gans ' 
aufser Zweifel gesetzt. — > Dt« Unton-en gebilren vom April 
hit Juirift^.di«.An9|di4»n'M,n vom September bis November. 
Die KieMa.elner AnQdontaenthieJun.abjeff .400,000 jung««' 
Muicheln. — *- Diu Fortrückung der Insertionspunkte der ^us*. 
kflip api der innerenFläche derächlMilen wird durch fortdaueipii« 
des Absterben der Muskelfasern auf der den Wirbeln i;h* , 
gekehrten 5«it/|« .4** Muskels und durcb Entstehung von neif0i|L 
auf 4«r .e,fitg«gen£esetzten eriilKrt. ,-^ai| könnte sieb denken«, 
daül j«nei AbaUrben durch gezwungene und allzu grof^eSpan^ 
niing j^lier Faafrn bei. fortschreitendem Wachstbum des Thia« ^ 
raa <yeri^nlafst| und deren Masse all mählig resorhirt würda^» 
und wir können zu Gunsten d><>er ^rklärungsweise noch aii- 
£übfen , dafs man bei fossilen ^tLusjterscbaalen, woran aller orr. 
ganische Stoff zerstört worden | ohne dafs jedoch eine Ver«. 
Steinerungsmasse sie durchdrungen hätte, oft eine immer dün- 
ner und schmäler werdende Spalte von der Insertionsüäcbe. 
des Muskels auf der inneren Seite der Schaale an durch dioe^ 
aelbe bis gegen die äufsere Seite in der Nähe des Wirbels fort, 
setzen sieht. — Abgeriebene Wirbel an den Schaalen ündon 
«ich weit m^\ir bei Bewohnern fliefsender Berg- , als stehender 
Teich -Wasser. — Ueber den Kreislauf, das Atbmen und da» 
Nervensystem findet sich nichts Neues. — S. 26 ~- 28. wird 
ein Parasit, Limnochares Anodontae beschrieben. Der Verf^ 
Termutbety dafs die sich oft vorfindenden leeren und am un- 
teren Rande zerbrochenen Muscheln von Fischaaren , gröfse- 
ren Falken- und Ilaben -Arten geöffnet worden seyeu, uoi 
sich des Thieres zu bemüchtigen. Es schoint uns aber nicht, 
dafs der Schnabel der Falken zu diesem Geschäfte eJ)en sehr 
brauchbar sey, und dafs namentlich die sonstige Ernährungs- 
weise des bei uns seltenen IlaüaÖtus mit dieser Vermuthung ^ 
im Einklänge stehe. Auch haben wir wenigstens solches nie- 
mals beobachtet , wohl aber gesehen, dafs bei niedrigem Was- 
serstande Hunderte von Flulsmuscbeln durch Ilaben im Was- 
ser aufgelesen,^ und mit dem .Schnabel am Lande danii^eö^- . 
nft wurden. 

Nachdem erinnert Wörden, dafa die Unterscheidung der 
Anodonten-Arten sehr schwierig, und man sich nur dann vor 
Irrthümern zu verwahren im Stande sey, wenn man allemal, 
die Bewohner eines See's oder Flusses in allen AUersabstufuu- ' 
gen sammle und vergleiche, wie es vom Verf. neulich immer 
gescbeb<^i)y &ü werden, nachträglich nuch iulgende deutsche 



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^ rt rTTi "In 1 1I) 1 I m I m<inhirf L. < 4M 

iMH Miitli«ihiBgeiF4iirHerr«ii roa Mafalfeld, 2ieg« 
Irri' St^M n. «. w. ▼•rdanit: i. Amodontm -ttintrhot^ Ff. 
tMta ovato* oblonge , crassiiueuk| ▼•n|rtco«a, anUriai «1«. 
vatay comprMto-füata; umbontbut tumidia ; natibutpromimu 
Iis; laiDinäa cairdinaKf aitiu ampHtiimo. TonCaafd. Scheint 
Ntlsson'a A. piacfitaalta'sa aeyn. 2. ji. poifd^rosn Fi', te- 
au a11ipt^co«ov*ta't v<»titncoia| craa^p aateriua et pöiteriua 
roWdata» ^uperne aubcöiiipreaf a ; natibna retoita; lateiinae 
cardtnalia ainU* ampliato, ' Ton Pyrmoht. ir üiäö depreum 
V* Mflhlf* teata orato • oblonga , coiopreisay tanui, anteriua 
angustata, poiteriua dtktata; nilibus depr^stit; deate cardU 
naß valTae dixtf aa nrinutOp triangulato, lateralt nullo. In lU 
lyHen. 2** U, simutta ham, (U. margaritifWa Drp. ; U. mar^ 
garltilvraa M i 1 a A ; Mya margarilifera £» i n ii.) £ff ist die ge^i 
wohiilicbata' Ferleninuacfae} dieutacfaer Bfche. Doch können 
Vir, LaiDarcib*aAuctdrit8t ungeachtet^ nicht umhin , vu rO« 
gen vdafs der Vf. daa Priorkatarechc nidie geachtet , und den 
Linneiacfaen Artnamen auf eiha Art 'Oberlragen hahe, vrelcha 
dem ;5cbw«dtscheii Zoologen noch gana unbekannt gewesen» 
3.U timiUitNiUa. (U.roatrataLaiii.; U. ptctoruin a. 5 a r t n.), 
£hi' nnia früher unter dem Tanten U. -aiiti^ata -Menke, U. 
ater'Ffe^if. zugekomihenea^rofaes Exemplar mit aehr ah^erir« 
betten Wirbeln aus dem Maine gehört hteher« •iongatuU 
V. Mfliilf« iesta ovali^oblonga, tenui , anteriua depreeta^ 
pötterioa elortgata, esctremitate aubtrUncata« margine supe« 
riore compressa , inferiore finuata; natibüs prominuKa« dew 
corttcatia; dente cardinali ccyttipreasluaculo. 'Im Khein, Main, 
in lHyrien. Der Vf. glaubt alte von ihm beachriebenen Unia* ' 
neW als Formen der Wer Hauptarten f U. margaritiferat U. ba> 
tata 9 U.'taaiida , * U. pictorum lanteben su mflsaen. 

Die Kupfer sind £iet noch aohdner,' als im eraten^Hefre, 
Bu'^elchäm'aucb adih'einige Abbildungen von Altersrerschie* 
df^faeiten - doTih\besi:brieb«ner Arten nachgetragen • werden 4 
Daa bald erscheinende dritte* Heft aoll die später aufgefaad«*^ 
nenf theils gatia treti entdeckten, deutschen Arten von 
Scbnecken enthalten , woau von allen Freunden dieaes Zwei« " 
g<>a der Mdlluskenkunde BeitrUge erwflnlcbt aeyn werden« 

Wie durch die arate Abtheilang, ao erwirbt .aif'h der Vf. 
a«eb' durcb die ilweite ein bleibendea Vardienat. Zt^ei'eebt 
' adbwierige Getcblaelildr aiadia Anaefating ihrer aiabäimia^n 4 
Arten ai^gebeH^ • 



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• "Aiieh Bluter dem besoniäetefl Titel! ^' " • 

: -Kyt^.*^'* Eiementorum libri sex jnriorfi Grases Bt JLaiinSf Comtnentarieß 
^, « -e scriptis veterum et recentiorfttft mathematuorum et PJleidereri 
^ ^ maxime ülustrati, Edidit Joa» GuiL Catnerer^ Gymnoiii 
Stuttgardiani Rector* Tom» JL compleetem libt» IV — VIL* 
Vi takiäis^ Bsroiitug tmni» Rtim^ru 1825« 



£l:g«ffeiobt dem Ref. suitt watiren VergnQgeit^ scooii 
r jj^st-den zwelt«nTb«il deüCaa«ttr'#<li«^ Euclide« als erAcbie» 
Mn atiicüixdigen su kdnnstt« dessen erstea Tbeil er in i^m 
^ Heft de» Jahrganges i825. itiit lebhaftester Freude angesiij^t- 
Iwl, «ratreckt sich dieaer Band Über das vierte, fanU# 
sind secMi^ Buch dar Elemente. Die Behandlang ist dieselbe 
gabliebeil» wie im ersten Bande. Auf der einen Seit«t 
«latt;^^, griechischen Text, in mdglicbst reiner GestaJtf auf 
ga§^»ntberlitfgenden eine genaue lateinische Uebersetzung« 
Untier den» jgriecbiachfn Texte findet sich eine Angabe der 
Ivid^Ugaten Variantei» ui^d eine Rechtfertigung der iui Texte 
yorgeT]ommeneo..AuawaU aua den vorhandenen Lesarten , oder 
eine Berichtigung derselben. Auf beiden Seiten begleitet das 
Original, ein fortlaufender Commentar, Jn letzterem aeigt 
iir. Camerer gründliche Gelehrsamkeit und einen acharfen 
mak^iajcben BUcic in der, Auawabl desjenigen , was er aus dea 
Pomtnentarien der alten nnd neuen Zeit dem Euclidea bei« 
giebtt und Scharfsinn in der Vertheidigung 4ea £uc]ides ge* 
<ge^ Vor^llrfe , welche il^ni von ilteren und neueren Schrift« 
stellern gemacht worden waren. Eine be#9n.d«re Wichtigkeit 
erhLllt^djiaer Band durch die Mittheilungen, welche dem Hrn* 
Vmü. aua dem gedruckte^ und Mngedruckten ^«chlafs des be« 
l-ahinten , im Jahr gestorbenen, .Trofeaeora f fleiderer ia 
Tübingen zu machen geaiattet war* 

,^ , Besonders reich ausgestattet findet sich daa/aecbate Bocb^ 
' «reiches freilich auch das wichtigste für die ganze Geometria 
ist. Und es geht aus dem Reichthum der an dasselbe ange« 
]i||Qpften S/itztt hervor, wie die. £uclideis4;hett £lemente die * 
' v^abren Elemente der Geometrie sind , und an. sie aich alles an« 
Ufst, was die. neuere Zeit üb^r die Geometrie Neuea 
hervorgebracht hat. Erfreulich würde es in dieser Beziehung 
aueh gewesen seyn, wenn der Hr. Yerf. die Aufgabe , welche 
den Flächeninhalt dea Di aiecka aua mm drei Seiten beatimmen 



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Mofßamm d^m Mß ^k m 'Mit 



Jehtt f an ejifen Satt dei tecbiUn Bucbaa angeknflpft bfltt«^ 
welches leicht etwa in der Art 9 wie es in Diester wegg Labl^ 
Imcbe der Trigpnometrie geschehen ist, geschehen kann. 

Angehängt siud zwei £xcur&e üher das fünfte und sechst« 
Buch 9 worin die Euclideische Lehre von den Verhflltnisseii 
und. Proportionen » besonders aua Ffleiderers Schriften und 
hfachUrsy gründlich dargelegt I und gfg«n Y^rwOrfe aiegraicb 
yertheidigt wird. * 

Ref. wünscht» daia ea dem Herrn Herausgeber gefallen 
oidge» die Fortaetzang bald au liefern, und stattet zugleich 
der Verlagshandlung 9 welche aich durch die Förderung diesea 
Ufiternehoiens um die Verbreitung ficht^geometrischer Wis« 
aenachaft «in bleibendda Verdienst ernrorhen haty hietmic öi» 
icoftltch dfn gtfJ^ahi;eodea Dank ab, • . 



iadole atqu0 ing0nio Me garansium libellm$» Pro 
jummis in Philosophia honoribus in jfcademia Fridericiana Ha» 
: ' lensi et Vitehergensi consociata rite ac legitime ohtinendis compo» 
, ' suit Hermannus Reinganum^ IHoeno* Francqfu rtatuiMm lU« 
' . rolini^ MDGCCXXy. Typu G, üaimäri. 4S S. 

• ' ■ • * ' 

Das alte Me g aris. Ein Beitrag zur AUerthumskunde Griechen^ 
. . lands^ von Dr, Hermänn*Reingmnttm» J¥lit zwei Karten, 
ßirlüit bei G. Reimer. 1825. XX u. 148 S. 8. 1 Tb. 4 Gr^ 

Monograpbieen über einzelne Theile der alten Geschichte 
und Erdkunde sind immer mit Dank anaünehmen, wenn si« 
aua den Quellen, selbst 9 und nicht aua- abgeietteten^ oft trü« 
ben, Bächen geschöpft sind. . Die,lMlu«at« Zeit iat «ban nicht 
^ana. onfr achtbar an gründlichen F^ricbiingaa dieaer Art, Und 
wenn aich jpi früheren Schriften df^iaar.Arty. bet oft grofae« 
^Mflalarfleifse und ^st erachöpfenidtr Beletenhiit und Oaivbr» 

ÄitC:(witt e. B. bei verscbiedtnan Mo^nographiavn dea pH« 
tfo4B.li, JVfeuräius)t büufig blolaa ^uMimtfanatallaag d«-a 
faJ9^ rohaif Materiala , .ohne Auavrably Kriti% und Geidmiafk^ 
ror^tvd, tiid dieaelban deavregen lo^me» a|ic mit crolaer Vor« 
siebt gebraivht .werden konnten » und vor dacD Gebraucha faac 



a€i9i> li^eite» AiWdiiitng daa Aufgespeicherten iiMhig war^ ao l^ac 
fqjsauerWZeiitaii in der Aefial dia Varplltebtung erittonc 
tiiid imarkaiinc^. den $t0l£ aichtan» au. vararbaiitaa nod au 
tfinaoi laicht av fvberblSckaitdan gaftlligen Ganaeiv «uaammen 
«a ateilen.. Fr^lidi h^l Sy^stemaucbt'uiid mitgebradit« vor« 



üiyiiized by 



I 



gefafit« Meinung zuweilen da« Gewonnene wieder verdorben, 
oder in ein lialsches Licht gescellt ; und Mancher , der an eine 
specieJle Forschung gieng, mit dem Willen unä dem Voriatie, 
gerade ein befftimmtes , ihm schon vorschwebendes, Reisultat 
finden SU wollen hat Alles , was nicht hierher taugte, ent» 
weder ignorirt oder verdreht, und so eine neue Erfpr«chung 
dessen nöthig gemacht, waft man ab^ethaa hoEU| od«r was 
er für abgethan ausgab. •!•.••. i-.v 

Hr. Dr. K. hat sich an einen so giit wie noch gar'nicht 
speciell bearbeiteten Gegenstand gemacht , mit grolsem Fleifte 
aus den bekannten alten Quellen und neueren Reisebeschrei«*.^ 
bern und andern Werken geschöpft, und uns ein Gemälde je- 
nes Ländchens und Völkchens geliefert, wie es noch nirgend* 
zusamuiengestellt ist *), Auch kann man nicht sagen, dafs 
er durch die Beschäftigung mit den Megarern eine zu grofse 
Vorliebe gegen' sie gewünnen , wie sich oft Biographen in 
ihre Helden zu verlieDen pflegen, JraGegentheil : er schildert 
sie aus den Berichten ihrer eben nicht wohl wollenden Nach^ 
Jjarn schwarz g<^"u^i und so, dafs, wenn sie wirklich so 
waren, fast unbegreiflich ist, wie sie doch eine geraume 
. 2eitihre, freilich sehr prekäre , Selbstständigkeit erhalten 9 
ja manchmal beinahe eine Holle auf dem politischen , oder 
vielmehr kriegerischen , Schauplatze Griechenlands spielen 
kannten. • * V * ' - \ ^ xi sX 

' Die erste Schrift, pro gradu^ hebt aus dem ganzen Ge* 
millde eine Seite {de indole et ingenio JVlegarensium') heraus,- und 
schildert uns Megara aU eine Dorische, jedoch bis auf Kodrus 
Zeit von Xoni^rn hewi»hnte, Stadt ^ die durch ihre Lage oft 
in die scitilifnfiiattfn GolKsionen gerieth , welche auf den Oha« 
raiccer der £1« wobner- Mbr ungünstig zurückwirkten , da die^ : 
selben «bn«di«t niieht su den v:on der Natur sehr begünstigten 
und^hfl^abten gehörtem Die Gr iecbi sehen Schriftsteller schrei^ 
Inm ihnen SkraraMinn (r^ aveXsu^fi(.ov), Unbestand, UnheboV* . 
fenheit, ja TOlp^lbaftigkeit, Niederträchtigkeit , Scbündltcb* 
keit, Kticblosigkeit, Grausamkeit /LOgenbaftigkeit;, Tr^u« 
losigkeit, SelfaStaucht, llobheit, Geixfllsigkeit, Vy'eichlicbr 



keit^ Unsu^ au. 



*) Freilieh keimte eir neeb nieht beaStteot was W^'eker !a 

Bsnsn Ausgabe des Tbeognis (Fraakf*- bei'Bf&uKeff ft»)' 
ibet die'lfflgajtarnaiftrlioh baigabriebt bat* i 

\D^r'V9»tkluJt folgt.') 



/ 



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N. 44. . 1826» 

Hei d.« 1 b e r g e r 

Jahrbücher der Literatur. 



Rfeing.lab.iii ^hit Mfegartu 

Diese Schattenseite ihres Charakters wir^ diircbittl mtl 
Stellen Griechischer Schriftsteller belegt, wo iiw CJntOftftn^ 
den nicht blos ihnen nachgesagt, sondern auch auf ifbattaCDCII • 
liachgewiesen werden. Zugleich wird eine Reibe TO» S^flcb* 
Wörtern angeführt, die über sie in dem übrigen Gritcb«n|«lld 
berumgiengen , und die ihnen keinesweges aur febre geireicbtlii 
Um auch eine Lichtseite herauszubringen, bebflUptet delr Vfi 
zuvörderst, dafs bei aller Ünläugbarkeit der ängegebelwil 
scbiecbten Seiten , doch sehr Vieles bei. weitem floeirtriabeii 
sey. bann führt er aU Thatsachen an« daCi sU guta.S^leuW 
gewesen , auch sonst im Kriege nicbt o«cer die Schlechten ge^ 
hört, dafs sie arbeitsam und betriebteol Waren^ Witsift und 
gewandt in der Gyitinastik^ und da/^ lie euch einige UnitA 
ler, Bildhauer und Musiker j utid Fhitötopben fiebabt, Maua 
ches Schlimme mochte auch Wohl auf die &e^hun{( dea bäiw 
figen Wechsels der Verfatiung koaUdlttl» weim nicht di^iil^ 
selbst wieder suro Theil eine Folge ihre« acblidlnieii pbarakteVa 
ist* — Der Lateinische Vortrag ist. Wie er aifcb leider sO 
häufig bei HabilitationSsfcbriften Endet, tiichjt LatHnis&b« 
vielmehr sehr manae Ihaft in veiraclaedener Hindcbt. Wir hiiU 
halten uns / dafür Belfge an geben ^ und glauben, dafs tei dW 
yt'. entweder jetzt schoo » öder doch bald-^ einsehen wird. 

Die Deutsch* Schrift bertlbtt natörlicb deh Oegenständ« 
den die Lateinische auSschliersHcb bebfkndelt^ auchi hat fes 
jedoch vorzüglich niit Topographie des Lände« uiid der Stadt 
und mit deren Gescbichie äü thütt. De^ Ständputikt* voti 
a^m der Vert (nacbS. Villi) ausgeht ^ isi der> ddf* ohnb Er^ 
kennthifs de« Bodens und der Natur* auf deih und in der eiiia 
Nation leiti ihr Gbaraktei^ und ihre Geschichte hiebt Ve^stana 
den werden ktfnne, cfafs aBet jene Eirkehninifs da« best» und 
einzig richtige tiicbt aMf beide w^rft* Wir geben dem Ve«. 
XlXi Jahrg. 7* Hefti . 44 



r 



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^90 ReingiDum über Megara. 

bierin vollkommen Recht; und wer sollte auch nach dem, 

was z, B. von Ritter geleistet worden , hieran noch zweifeln 

können? Am Schlüsse der Vörrede wünscht der Verf. Auf- 

imintcrüng zu ähnlichen Versuchen im GeJuete der classiscben 

Alterthumskunde, und wir unseres Theils wollen ihu» diese 

Aufmunterung nicht versagen, wenn wir auch wünschen 

müssen, dals er sich zum guten Vortrage seiner Forschungen 

und der Resultate derselben auch noch des deutschen Aus« 

drucks weit mehr, als er bisher zeigt, Meister machen möge, 

dafs e»- sich richtigere Schreibung der fremden Natnen «igen 

mache, und sich vieler ausländischer Wörter enthalte, ttlr 

die wir gute deutsche haben. Wir machen ihn in Rücksicht 

der gerügten Mängel nur auf S. Vif. XII. Xllf. 3. 4. 5. 14. 17. 

20. 06. 40. 4l» 57. 59. 63. 73. u. dergl. aufmerksam. — Die 

Schilderung des Bodens dieses kleinen Ländchens wird mit 
o 

Zuziehung der gut gerathenen (freilich an manchen Stellen 
blos auf Vermutbungen beruhenden) Xarten sehr anschaulich. 
S. 57. wird die bekannte Anekdote erzählt, dafs Lysander 
einem vorlauten Megarer in der Volksversammlung die Ant- 
wort gab: Ol Xoyot lyou, uJ ^fc've> -xoXaiu; Sfccvra/. Das erklärt der 
Verf.: sind nicht polirt genug. Aber die ganze Um* 
gebung, in der Plutarch diese Aeulserung im Leben Lysan- 
ders stellt und erzählt , giebt deutlich zu erkennen, dafs er 
ihm sagen will: was du da sprichst, würde Gewicht' haben, 
wenn deine Stadt ein Staat von Bedeutung wäre : jetzt ist's 
Aufschneiderei oder Anmafsung, — Nicht ganz zweckmäfsig 
finden wir es , dafs S. 48 fF. mitten in die Topographie hin- 
ein, die noch gar nicht vollendet ist, die Charakterisirung der 
Megarer, und ihre Geschichte kommt. Denn soll der Charak- 
ter des Volkes und seine Geschichte aus dem Charakter des 
trandes, und die Erkenntnifs jenes, aus der Erkenntnifs die- 
ses hervorgehen; so würde doch die ganze Topographie besser 
jenen Schilderungen vorausgegangen seyn. Nach dieser Ab- 
schweifung, wird die Landestopogrephie vollendet, und es 
beginnt mit*S. 113. die zweite Abtheilung der Schrift, die 
sich mit der Stadt selbst beschäftigt. Ziierst werden die ver- 
schiedenen Sagen über die Urge-chichte der Stadt recht gut 
auseinandergesetzt, dann folgt die Topographie der Stadt von 
S. 119 — l42. Von S. 149 158. werden die Schicksale 
der Stadt erzählt. Den Rest nimmt die Beschreibung und 
Geschichte des Hafens und die Erklärung der Karten ein. — 
Wir glauben uns nicht berechtigt, zu der BeurtheiUmg dieser 
Schrift im Einzelnen noch mehr Raum id Anspruch zu neh- 
men» und scbliefsen mit der Bemerkung, dafs sie AufmerJv^ 



I 



Welekcr, die AeichjUscbe Trilogie TtomtthtntJ 691 

somieit verdient, dafs sie leistet, wos sie verspricht^ und 
däfs das Streben des Vf., wenn er sich erst noch eine bessere 
Form und Darstellqng wird zu eigen gemacht haben | tioch 
mehrere gute Früchlö auf diesem leid« erwarten lüist. 

% 

* 

IXit'Atschy tische Trilogie Promttheus und die Kabiremoeihe zu T.em* 
nosj nebst PP'inken über die Trilogie des jiesehylus üherhaupt. 
Von F. G« TV el che Professor und Oberbibliothekar zu Bonn, 
Nebst einer KupfertafeL Darputadt^ Druck und Verlag von C. 
IV. Leske. 6 fl* 15 kr^ 

Der Titel gibt den reichen Inhalt dieses wichtigen Wer- 
kes, von welcliem wir den Freunden dieser Blätter eine An« 
zeige schuldig zu seyn glauben, ziemlich vollständig an, Wi# 
die Trilogie, die es zun.'icbst zum Gegenstand hat, bildet e* 
selbst eine Trilogie von Abhandlungen, weiche, obgleich Ter« 
scbiedenartigen Inhalts , docli in dem Aeschylischen Frometheui 
eine natürliche gemeinschahliche Einheit haben. 

Die Idee, die der Verl. in der ersten Abhandlung: „Öi^ 
Ae$chvlische Trilogie rrometheus«« durchführt, ist die in 
Heuern Zeiten zwar bereits von mehreren Gelehrten ausge« 
sprocbene, aber noch von Keinem ausführlichi^r nac^gewieten^ 
und entwickelte liehauptung , dafs die drei Frometheui de« 
Aesclylus, nämlich der Feuerräubende oder| wie der Verf. 
ihn nennt, der Feucrlanger, der Gefesselte und der Erlöste | 
zu Welchen der als Satyrspiel dem Thineus ^ den Perserii iltld 
dem Glaukos beigegebene Prometheus Ilufitarj; oder dcir Feuir^ 
blinder keine innere Beziehung hat, ein\B durch eine eeinttil* 
schaftli'clie Idee eng verbundene Trilogie hildenV we1rlbi> iMcll 
dem Vf. am schicklichsten mit dem gemeinKhaftlicheil Narfl«!! 
Prometbee bezeichnet werden dürfte. 

Zu diesem Ende sucht nun der Verf. mit Httlfe der Firäg« 
tnente und auf dem Wege einer freiem Gombinatiön iio td 
viel möglich lebendiges' und der / Anschaulichkeit , dei alldiM 
öbrig gebliebenen Mittelstücks analoges Bild def belddti ver«* 
lören gegangenen Dramen des Dichters herzustellen, Aol 
schwierigsten war diese Aufgabe bei dem AnfatigftstCickto ) 
Von U'elchem uns eigentlich nur ein einziget* Ver« ufkondlidl 
erhalten ist. Einen festen Haltpunkt gibt jedoch <deiil VtHL 
sojjleirh Cicero'« (Tusc. Disp. Tl. 9.) unverwerflifche4 Äfug* 
dals die erste Tragödie den Lemniscben Raub ehtbUlt^ 
wodurch uns neben den Andeutungen ^ die det gefeiaattll Pro^ 

. . 44 * 



metbeus -aber Entwendung def Feuer» v. 7^1091 darlnetet, 
auch di^ Sce^ie decMlbea vergegf.nwBrtigt wif'd, ' :* >^ 

. ,Die Aniiige des ganzen Vrama's glaubt der .VeriF« auf fnU 
gende Weise eonstruicen fiu osQssVp? Die Seena des Feuer- 
rauba mufs den ersten Tbeil ausgemacbt haben. WaKracbein- j 
lieb eröffnete, wie auch sonst bai Aascbylus, der Cbffr» 
dessen Personen, die Okeaniden f der Verf. aua dem Gefesstl« 
t«n Frofli»>. ßna af» Mger^f das ]>rama und* dient» £ur£x^ 
Position« In der MttteUcen«« wo in. der R^al bei Aaschylut 
dteilandtutig stille steht , eine deuai suweilen ihr sal bar dicht 
iinm^ttelblir .angehdrendej Peraoyn auftritt , i^nd , indem die 
Tbat von Ihrer. Folge getrennt ist, die Erwartung d^a Aot« 
gangs hingehalten wird, tritt Hephästos selbst als die neue 
i^ersöh auT^' iind llfst alph 'mit 'd<>ni AAkOmmting aus t dem \ 
Olymp in ein GesprAdh ein^ dessen Ha up (gegenständ, die Ty* 
tMinet dea Zeus , die IVJteiischan / die KOnste» welche HepbS» 
atoa unter deil GAttarn flbte, und Frometbeua bei den Men« 
achan einfallen wollte, 99yn mochten« Die. neue Person des 
dritteo'Alcta ^ welche der Verf. ebenfalls aua dem iaeL From. 
V. 555 s^. entnimmt^ ist Hesiotie* Wahrscheinlich .vernsb* 
meii.die Zuichauar.bKsim Ausgang den in der genannten. Stelle 
erwähnten HymenitM auf der Bfibne aelbst. UepbBstos, ssi^ 
nisr Natnr nach mit Prometheus befreundet, vereinte. sieh 
samt aeinell Kabiren mit den Meernymphen «u dem Feste der 
Vermibiung des Fromefbeus mi^ der Uesipnr^ an welchem det 
Mythus seine physilNUsche Seite beiftuskehrend ii| PrpmetbfUi 
lUftd Hestone symbolisch Feuer .und Wasser sich umafflian 
la£it. $9 eradieint Proilietbeus^ indem- Hesidne gleichsam 
aein I^ohn geworden, hier tipch in dli^m Clan«, des Heldaa- 
mttthsf des Triumphs, . des Verdienates und dea GlQcl^s., — 
S. 7 — iB^ 

»I Zwiaehen de« Ausgang des eraten und dem Anfang des 
Gefesselten Prometheus liegt . ain achaudervoller .Abgrund. 
Doch wird ^ wie der^ Verf. Ibamerkt, erst iii solchem ^sam« 
man hang, Bich aokhem Vorapid die erste Seena des Gefe^sel- i 
ten von der seltsamen Abgebrochenheit frei , . und von de;» 
peinlichen fiindrjUck, deii bei Erdffnung der .Bf&hne ein »ocb | 

eo erhabener Straf^od, oder was dem fthi^cb ist, machen | 
jBufs. Wir 'flbergeben , wai der Verf. Uber den Gharaktjsrder 
in- dieser Tragddie auftretenden Hauptpersonen .ausführt, da 
wir darauf nacbher wiedW surQckkommen mQasen< CJebar di« 
Scene^/in welcher die. wahnsinnig umhergetraebene lo indsr« 
selben entiefienen Wildniül erscheint, folgjt der Vf. der s^bon 
ron JtikohM in der Einleite su der Uabeci. dea G«f..P.r<wii« 



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AttvMiw; Bd^ m. H. 3. anftitttfntai rfdiribpft Aotlcht: — 
SlS4*' s>gt der Verf.;. ,»ldr Herwiefti^ welcher vaik bocli* 
Jber SU V^agen ankooiimt fi35}.t 4ie«ea Vor* 

nehmen Sit» er«t am Eiid.e aetner erelen Scene 
rerläret (8'/it)%. erschien ein- eeacbmeidllger Ünterbtndler 
sn^eprQfccr oder aophi^titfch. in Schutti genoamener Macht- 
beieble.« Wir kdnnen hijsrjiiicbt begrreifin^ wie die beaeich^ 
ncfeen Worte w diesen ZusaoMaenhan^ au stehen koarnen. 
Dte beiden anget'QhrtenStell'eii r. l3& und. 299* betreffen nicht 
den HarOtfs (welcher ia fTherdiee erst t|i der leisten Scen¥ er« 
abbeiM^ und sw*t auch hier nach seiner g<twdhiiHclien Weise 
nickt auf eifieoi Wagen ^ sondern wh r^o^'i i als.Lloi^' ^ 94$0 % 
ao'ndecn die Okeanidbn. Nur eon diesen kenn Eehen , was 
der VeiJL eu( den Heraea Ohe rtrt^t; Anch Ita den Beiichti» 
gungen S.B96,^ fitoden wir Qber dieae SteHcf bei weldhvr 
aich argjtnd ein Irrthnm, ein^escblicban bebco muiß a. »wbls 
bemerkt: 

Sißhairlsbintg entwickelt dlnr VerE d)in Gbng des EndstOtls« 
dea «tlOaten Frumetheos aus der in .nslttleren iinthakeneii 
Grondlßge. Diese liegt nlmticb-ite den {^belnuiifsvpllen Ors» 
fkelsjench^ welcher d«ni F.rometheos von seiher Jffititte/ The« 
mie anvertraut, worden. war» dafc 2eoSt. woCprn. Prometheus 
nicht eilest wird, dwoi Schlthsal* nicht entgehen kann, die ai/ 
beicatben^ deren- Sohn, mtchtiger. s^yn. wird eis. der Yater'« 



20:« dafs Z#tts»inne war difs 7roBietlM»us tm bedürfen, 
mef schwer au bestiameu». wenn m^n ni^t annehiae^ Tbemts 
Smbef. als us. mi^ ihr wegen des Troischen RrUigest imtb« 
Schlagte'« ihip er'dfihet». welcfaee.Gahetlfnira. seiner Aettung, 
ihr Sohn besitae. Der Yerf* scheint uns hi^r.eü wenig beach* 
^et mu haben , dslil Zeus sclipn im GeCssselten I^ometheua. da- 
Ton weifs« Hermes tritt fa Vi 947; »it den WMem auf: 

»^arouft Wie natflrticb i«t-4ie Annehme, defs Zeui, obgleich* 
schon, IVngft mit dem angeiiieinen%liiiMilt des Orakelt« bekannt^' 
tiocb (ohne eita^ neue E^ffAftung. derTlfemrl) dimn erst d^n 
J!>estim'mten.S|hnr desselben zsjk emtedien henierie^ wurdif >. al^ 
clie bevior^tehende VenDabiung^r Thefeis. Sin. die gedrobet« 
Gefabrisjii.behersig^n veranlei^te;^ Qies ist esv wae^Zeus atir 
Yersjlhnting^ mit l^pmettieüe.gfsneigt machte ;r. abei^auch Pro- 
mecbeui kommt deai Ehtgegenkommendenmitgegen-^ Gel«. Fr. 

iSSv ,»iroi»tSiisendfodbem Xjeid und F)»io«gebeugt tief«* v.'Sti* 
Den Chor' btldetef^ die dam Ptometheus verwendten Titanen » 
welche,* 8 Wölf aii der Zehl^ atatt dar sonec -gewdhnlicben 




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YVeIpl(er | die Aescb^liscUe Trilugie Promelheus, 



ylerzebn Personen des Chors, in gewisser Hinsicht den zwölf 
(j.öttern des liei rschenden Systems geg^enüberstebeii. In die 
Mitte des Stucks gehört wohl die Episode, in welcher den 
Bruchstücken zufolge rrometlieiis dem Herakles (wie frübei 
^er lo) seine dem JVfenschengeschleclit erzeigten AVohlthaten 
erzählt, und ihm. prophetiscTx und rathend die weitere Bahn 
anweist, die er zu verfolgen hat. Eine weitere Bedingung, 
unter welcher Prometheus frei werden sollte, bestand darin, 
dafs der Göt|:er einer statt des Prometheus in den dunkeln Tar» 
^aru^ wanderte. Dies verkündigte schon im Gef. I^rometli. 
V, ^026, Herme8|. und vollkommen erklart wird das Angedro- 
j^etd durch die von Apollodor und Atbenuus aufbewahrte 5age. 
Jierakl es nämlich erschiefst erstlich den Adler, löst dann den 
Prometheus , welcher eine Fessel von Oelzweig^n (statt 
jjiranzes) s^cb anlegt, und stellt drittens dem Zeus den Chi- 
ron, welcher unsterblicher Natur war, und für Prometheus 
gern sterben wollte. Statt des Kranzes aus OeUweigen, wel- 
chen Apollodor nennt, wird bei Athenaus e n Kranz aus Ly- 
gqsztyeigen genannt. Prometheus mufste, wie wir aus Athe- 
^läus erfahren, um die Entwendung durch eine gelinde Sciate 
fibzubl\fsen , das. Haupt niit einem unschüdlicheo Bande, mit 
JjygQSzweigen , umbinden und bekränzen. Gleiche Bedeu- 
tung mit dem sinnbildlichen Lygoskranz hat der eiserne King 
4^8 Prometheus ^ welchen er mit einem Stücke des Felsens, 
an welchen er angeschmiedet gewesen war, als Zeichen der 
Strafe trägt, indem Zeus geschworen hatte, den Prometheus 
liiemals frei zu geben. Den Schlufs der Handlung machte, 
wie der Verf. vermuthet, die Ankündigung eines Göttermabls, 
ähnlich, wie im ersten Drama die Hochzeit. Da die Wer- 
bung des Zeus um, die Thetis die Auflosung herbeigeführt 
}^3it^ so mufs auch von dieser Seite sich die Geschichte vollen- 
deu. ps steht die Hochzeit der Thetis und des Peleus bevor, 
\velche alle Götter feierten, und durch welche in der Aussicht 
^uf den Achilles das Orakel sich eigentlich recht bewährt. An 
diesecQ^ Fest wird auch Prometheus als Gast erscheinen, nmi 
jun\ erstenmal v^ieder unter den Göttern, und als Versühntci 
4pit Zeu^ vereinigt. Dafs dieser Ausgang des Stücks ai^ch 
li^och eine neue Hauptperson für dvO dritten Akt herbeigeführt 
bat^ bält der Vf. für wahrscheinlich, doch \^a^t er niqht, die- 
^(^^^^^ «u btistirnmen, S. 19 — 56. ' ' . 

\yir haben die wohlgelungene Entwickelung des Vtrf. 
^twas a.usf^ibrlicher und so viel möglich mit den eigenen Woll- 
ten desselben darlegen zu müssen geglaubt, da in ihr die 
tt%w^lt^83LO.Wnte iür ^ie Bed^eutung des. ^unzeij^ eiuh^U^n sÄ^d^ 



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woiauf der Verf. S. 67» übergeht ^ und worauf alt die Haupt* 
jdee des Werke auch wir vorsflelicb untere Aufmerktamkeit 
richten mfitten. Wir heben auch hier vorertt die Hauptsatae 
aut der Ideenrethe det Verf. heraut : Feuer itt aunftcbtc Sinn- 
bild dmr Kdntte und der Erfindungen 9 indem dieter Himmelt* 
kraft verdankt wird» wat der mentcb tcbaffet und bildet. 
Mdg di»T VertUnd det Meiitchen aut dem irditchen Feuer tichx 
entwickeln 9 oder dat iiHttche Feuer nun aU Sinnbild detjeni* 
gen Geittetlicbtet verttanden werden» welcheatich an irdi» 
achen Stoffen flberall nicht entaündet» aondern aut Gott und 
der innertten Tiefe det Geittea, ttammt » in beiden Fullen itl 
Trömetbaut die' der gf-istigen Freiheit darcbD«nkj»n und For- 
achen ticb bewuftt weri&nde Mentchheit. Prometheitt itt 

tleicbtam der Urverttand im Gegentata der Natar und der 
iotbwendigkeity das geiatige Princip mit allem Wohlthltigen 
und allem Streitendem, wat daraut fflr die Mentchheit er« 
wScfatt, ein Bild ibret.Thunt.und Erleidant, Dlp eineSaila 
itt im ertten, der Gegentata im »weiten Prometbaut. enthaU 
ten» die AuflOtung^ und Vermittlung, alt. die Grundanticht 
fiberMentcbenbettimmungf woau der grolte Dichterphilotopb 
a'icb bekennt, im dritten. Hierauf berOcktichti^t der Verf. 
den Zutammenbang det. Aatchyliscben Mythat niit der Hetio« 
ditchen DartteUun^» und erkennt den. Kchten Kern der alten. 
Sage nicht towohl in der Theogonie,. welpbe der alten Erafthr 
lung auf mehrfache Weise getcnadet bat^ alt. vielmehr, tn.dea 
Werken und Tagen , wornach dat Ganae ticb dam ipnern Ge* 
balt der Sage nach to, dartteUt Der Geitt tetat tiah in Wi« 
derttreit mit Gott,, und. vertinkt in. ein mdhevollet Qateyn». 
er verbindet eich mit der Sinnlichkeit » und. mit ihr. tritt, alTa 
mentchliche Bildung , zucleLch alle Verffthrung der S&nda eiA* 
Diet letatere drtickt. der Mythut von der mit rrometheut.ver* 
bundenen Fändbra aut. In. dem Aetcbylitchen« Prometheu t, 
auf welchen der Verf.. S. 83* atirflckkommt 9 tehen. wie. dat 
Verbältnift det. Verstandet, aü der übrigen. Natur det. lliSan^ 
ac^en tief und klar aufgefafsv. Nicht blot.die reisendaa. und. 
verweichlichenden Kflnste hat Prometheus ei ngefabit« tondarn. 
jenet himmlitche Feuer „ das , w.enn ea nur. gleiche alf ein. Aaub 
and ohne Demfitbigung vor dem Unfndliche^.dayon. getragen. 

wird 9 Zerstdrun^ und Qual drob^ndr auf itin«'a4irllckpi|ii^^i^ 
mofs* — . Wahrend der G#lst anringt gegen die-NaUiCf, ticb. 
aber sie em|i9r arbeitet« diirch das. Selbslbewurstseyn über 
sie tiiuiuphirK^ abnpx.er kaiini^9xdara,sein..<:igenes.^ecbt nichfc 
unbegrenzt se)^^ ddrs.auch seijMun.grof^^ea^ifnd^ bei] igen. Stre* 
ben eine Scbrai^ie geaogen sey ; und tnd^mL.die> Natur ^ nach 



I 



696 i/Vpiek^ , die AescHjfiidie Trilogie Prömetbeus. 

der Zulassung der ewigen Mischt, sich ^ürch bittere Leiden 
an s.tfinein Erkühnen rächt, bleibt ihm zunächst nichts übrig, 
ab der Kraft, die er herausgefodert hat, kiUiii und lest zu 
widerstehen. — Der Gefesselte Prometheus lehrt uns das Er- 
kühnen des Geistes nicht als eine absolute Verkehrtheit, wohl 
aber als verbunden mit schwerer Entsagung kennen. — Dafs 
vor der höheren Nothwendlgheit , welche zugleich die gött- 
liche Gerechtigkeit, die wahre Adrastea im Sinn des Aesch)^- 

5US^(935.) ist^ Prometheus mit Schuld behaftet sey, geht im 
Endstück durch die doppelte Art seiner Versöhnung mit voll- 
Ständiger Klarheit hervor. — So wird denn zugleich auch die 
Hoheit menschlicher I^fatur gefeiert, und der kühnen Erhebung 
des Geistes und dei' Freiheit, nachdem ihnen ihre ewigen 
$cbraoken vorgezeichnet sind, auch ihr Lohn zuerkannt. — . 
pein Streben ist nicht verloren, und die Schuld des Ueber- 
Oiaalses in demselben ist versöhnt| e^ ist geheiligt durch die 
iestimmte Grenze. S. 67 — 89. ' ^- ' , 

Wir müssen gestehen, dafs wir aus der Darstellung des 
Verf., so sehr wir auch mit ihm über die tiefe Bedeutung die- 
ses Mytlius einverstanden sind, und so sehr in der Ausfüh- 
rung desselben mehrere Hauptmerkmale hervortreten, dennoch 
^in^n vollkommen deutlichbn uqd durchgebildeten Begriff des 
xrpmetbeus herausfinden können. Einige Merkmale, die zur 
Vollertdui^e des Ganzen gehören, scheinen uns noch zu unbe- 
ftimmt und schwankend gelassen zu seyn. Wir glauhen die 
Begtiflfe, auJ^ deren genauere Bestimmung es hiebei ankommt, 
Bi^i1;en in folgenden Fragen unterscheiden zu können ; 
1. Was.ist der ursprüngliche und eigentliche Begriff des Tro- 
|[De.tbeüsf 2, Worin bestund sein Vergehen :^ 3. V^ie ist 
49^ Begriff Oes Zeus dem Prometheus gegenüber aufzufassen ? 
4. Wie löse^ ^ich endlich de^ iu Prometheus niedercelecte 

iJtK ursprüngliche und eigentliche Begriff des Prometheus 

Iängt s.ebi; genau' mit dem. Begriffe des Feuers zusammen , 
essep Uebejrl>ringui7g ^n die Menschen, die wesentlichste 
Thal; d^i Pi^oi^e^heus ist. Auch wenn wir den Promethei^s 
sogleich fOr das nehinen wollen, wofür ihn sein Name erklärt, 
filrilen Verstand d.es Menschfn , so bekommt doch auch dieser 
Sroriff seineil bestimmte Inhalt erst dadurch ^ dafs aus dem 
Ifeuer,^ dem, Qeschenke. des Prometheus, die verschiedenen 
Ki\niste. i^nd, ^rfiinduii^en des Lebens hervorgehen. Unbe- 
stira.ijpt aber mufs der Begriff" des Prometheus noth wendig 
klfibeii, wenn nian ujit dem Verf. S. 68. die Frage, ob unter 
4eiD f eu9C». d.af die Mens^chea d§m Qe&ci;ieai^e des^ Projnetkeu« 




s 



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verdanken, das irditübe Feu«r , od^lr vielmehr ein lymboli« 
fches , d. b, da^jenige'su verttehen ist , von welchem diit in* 
nere Liicbt det Geistee trammt', awar berührt, aber akbt wei« 
ter in dieaelbe eingebt; wenn man jenes Feuer «war im All* 
gemeinen eine Jliinmeiikraft nennt,' S. 67« aber soHann doch 
wiedtNT mit dem gewöhnlichen Feuer identificirt. Der Betriff 
det Frometbeua ist hoher oder niedriger su nebnlen und 
.Oberhaupt der ganze Mythtis desselben gestaltet sich anders , 
je nachdem wir das eine oder das andere füt' das wahrschein- 
lichere halten. Finden wir auch darüber in dem wörtüclien 
lohaU'i des Mythus selbst, oder in Zeugnissen alter Schriit- 
ateller keine ausdrückliche und positive Erklitrun^« so ist den« 
aocb deawegeii die Beantwortung der Frage nicht schlechthin 
abzuweisen I vielmehr ist ja eben dies die Natur der Symbole 
undMythen, dai's wir ihre liildliche Bedeutung ao oft aus dem 
Zusammenhange des Ganzen hestinirnenmüssen. Diet acheinc 
itns bei dein bedeutungsvollen Mythus von Fromethena au gut 
als bei irgend einem andern Mythus statt zu Anden. l3as 
Feuer, das Trotuf^tlieus den Sterblichen bringt , ilt nicht blos 
das 'gemeine irdische Feuer, sondern, so tirenig auch die Be- 
ziehung des Mythus auf das wirkliche Feuer ausznschlidsen 
ist, zugleich aueh der göttliche Geist, der als e|n Funken des 
himmlischen Urfeuer^, als ein Ausflufs' aus dem allgemeinen 
Wcltgeist dem Menschen jnwobnt. Die Gründe fOr diese Be- 
bauptQiig aind^ %, Vor allem die der ältesten Naturansichc 
so ganz eigenthflmliche Identi/icirung dea Geistigen mit dem 
Physischen , mit dem Elemente der Natur, Wie der Saame 
dea Intellectuellen in dem Schopfse des Wasseri li^g^» i*^ 
das geistige Principauch in dem Feuer enthalteVi. Daher ist 
namentlich die Athene sowohl die Licht- und Feuergöttin, als 
auch die GOttio der innersten Kraft und. Thätigkeit^ Daher 
ist Hepbaatoa nicht blas der Gott des materiellen Feuert. 
Daher ist es, woran der Verf. S. ^7. selbst erinnert , in der 
Persischen Religion Ard , der Ized des Feuert, der den Sterb- 
lichen hoth.en Geist und. VVisaen Schaft gihtf Ardi beb escbt, der 
ala £raeuger aller y^etßn ihnen das Feuer verleiht. 2* Nur 
UQter dieser Voraussetzung, wenn das Feuer des PrometheuSi 
zugleich der gÖtUicbe Feuergeist seihst ist, wird vollkommen 
klar^ warua^Yro^iD.etbeMi der personificir|e Verstand ist (nicht 
bloa au Feuer und vermittelst desselben entwickelt sich der 
Verstand, sondern da,s Feuer ist das innere frincip seiner 
Entwicklung, das Frincip des Denkens, Erkennenü, geistigen 
Bildens ,' vvie ea flufserlich als materielles Element die Quelle 
aller £rfinduDgen mid Ktluate iat),^ att wie ttberhaupt hiedarch • 



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$^fk Wdeker, die AMcbyliidie Tzüogie PrenMUieiu. 

0Bit<d«t.g«Bse MyUia« mehr Einheit nnd Zusammenhang er» 
hält I wie wir nachhe» sehen werden. 3. Der dem Frome« 
tbeua als Feaer|ott geweihete Fackellaiif kann nach unserer. 
Ueberseugung nichu «nders bedauteni als. den bald angefach- 
ten bald ausgelöschten liebens^eist (vergh Greuser Symbolik 
Th* III. S. 646.)» wobei demnach das Feuer dieselbe symbo« 
lische Bedeutung hat« die in der Sage vom Feuerraub des Pro- 
metheus anaunenmen ist. — So. wfire demnach Prometheus 
aelbst das Feuer» das er ranbt. Was das Feuer symbolisch 
ausdrückt» stellt sich als mythische P^rsouification in ihm 
aelbst dar« Wie der vam Oly mpos auf die Insel Lemnos herab« 
geworfene 9 dem Pro/nethena so nahe verwandte (Prom. V. 14« 
38.) HephAstoa die Wahrheit veranschaulicht « dafs das Jm 
Sjchoofse der £rdt werkthätige Feuer von dem allgemeinen 
Naturfeaer herstammt » das im Aether und in der fiurg' des 
Zeus seinen Sits>hat» so bezeichnet der damStura des Hepbä« 
atos analoge Feuerraub, des Prom.atheus das den Menschen be«. 
aeelende geistige Princip als einen, deraelben göttlichen Natur« 
kraft entnommenen. Xheir. Der Begri£F abec,^ von welchemi 
aodann die Idee des Prometheua weitec au entwickeln ist, ist 
una eben in dem VerhSltnifs des. von der Einheit eetrennten 
Theiles » welches der Feuerraab bezeichnet » gegeben , wo« 
durc|i sog^leich der Menschengeist mit dem Begriffe seiner 
aelbstitchen Individualitfit geketst ist. Dies fbhrt uns.auf die 
«weite der obigen Fragen.. 

' Zk Nach Aeschylus ist daa Vergehen dea Prometheus der 
Fenerraub in Verbind unc mit allem» was er für den Menschen 
' sur Folge hat« Vergleiäen wir die Hesiodeische Darstellung, 
ao finden wir in dieser awar dasselbe Vergehen , aber in einem 
andern Zusammenhang. Nach der Theogonie entwendete Pro* 
ni«theua das Feuer » nachdem es Zeus den Menschen aur Strafe 
für einen früheren Betrug des Prometheus bei dem Opfer in 
Mekone entzogen hat,* Nach den Hauslebren birgt Zeus Nah« 
rnng ^nd Feuer^ um den Menschen mühsame Leiden au be* 
reiten f weil ihn getflnscht der Betrug des sthlauen Prome« 
theus. Worin der Betrug bestand» wird hier nicht näher 
angegeben. Der Verf. sagt hierüber S,. 73.; »Die Folge der 
Sfinde im Paradies (dai& nSoJicb der Meni.ch sein Brod im 
Schweifse des Angesichts essen mu(s 9. ^es^ Werke und Tage 
V. 42.) bat ursprünglich aller Walu*scheinlii;hkeit nach auch 
bei den Griechen mit dem eigentlichen Vergehen des. Prome« 
theus, oder dem einen und groiisen Bjstruge , wodurch, der 
Geist das Göttlicbe an sich reifsen trachtet, und Weichau 
die Griechen durch den Fet^erraub. ausdrückea. zciaamniken« 



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V 



Wfllokcr , die AuokyUtA9 Trilogi« Prometheui. 699 

gehängt. Hier aber ist dieser« in vertclimolzener Dichtung, 
ti'St alä ein zweites V ergehen des rrometheiis angegeben , in- 
dem Zeu» nach dem ersten Betru" oder Sündentall das l'cuer 
entzieht. Der erste Betrug ist u nhestinunt gelassen, und 
darin er weiset sich die ehrliche Treue der altem, wenn auch 
nicht geiiÖrig verständigten Sage: denn es gibt keine zu dem 
allgemeinen inhalt und dem Ganzen dieser Diclit utig passend-;; 
Idee, worauf ein eister Beitrug sich liezit-lien könnte, anlser 
der, welche der Naine des l'roinetheus enthUlt , menschlirber 
Verstand dem göttlichen gegenüber.« — „Die Theogonie 
gebadet der alten ErzühKnig, indem sie, um eine örtliche 
Sage anzubringen, den von jener versch\viegen<*ii ersten Be- 
trug ergänzt." i). 77. VVir können hierin dem Verf. nicht J)ei» 
stimtnen , und das Mifs verhilltnifs , welches zwischen der 
Theogonie und den Hauslehren Hesiods in Hinsicht des J\Iy- 
tbus von rrometheus statt finden soll, nicht anerkennen. Ks 
ist doch gewifs an sich schon sehr natürlich, in den beiden 
Dichtungen Hesiods, welche, so sehr auch an ihnen gerade 
die neuere Kritik in mytliologischer Hinsicht ihre Kunst ver- 
sucht hat, doch in jedem Falle in selir naher Verwandtschait 
au einander stehen, in einem Mythus, welcher im Ganzen 
.von beiden auf eine übereinstimmende Weise erzaldt wird, 
was die eine unbestimmt l.'ifsi , aus der andern zu ergänzen 
und zu erklären. Wir können daher nicht glauben, dafs un- 
ter dem ersten Betrun des Prometheus, welcher in den Haus- 
lehren nur darum blos im Allgenieinejn angedeutet ist, weil 
der Zweck des Dichters, den Ursprung der Alühseligkeitcn 
des jetzigen Menschenlebens zu erklären , ihn sogleich aut den 
damit zunächst und unmittelbar zusammenhängenden zweiten 
Betrug ^des l'rometheus führt, etwas anders verstanden wer- 
den kann , als der Opferbetrug , welchen die Theogonie aus*, 
führlich beschreibt. Diese von den Auslegern gewöhnlicli 
angeno.ipmene Meinung bleibt uns ferner auch darum die wahr- 
scheinlichste , weil eben diese That des Trometheus, der Be- 
trug bei dem Opfer in Mekone, keineswegs, wie der Verf. 
S. 78. Anm. behauptet, von so. ganz specitller Natnr ist, und 
nicht blos deswegen in die Darstellung, welche die Theogo- 
nie von dem Mythus des Prometheus gibt, aufgenommen seyn 
kann, um. durch Anbringung einer örtlichen Sage den von der 
alten Erzählung verschwiegenen ersten Betrug zu ergänzen. 
Vielmehr scheint uns der Mytlius vom Opferbetrug in dem 
alten Stammsit/.e Mekone oder SIcyon nur in einer andern 
l'^orox dasselbe auszudrücken , was allein aucti der Sinn des 
M^tU^s^ ypn^ Fc;ueu^uh ^e^n kaan,^ Das O^^^tK beruht aui. 



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700 Wdoker, die AesehjUadM Tcilo^e FromeUieu«« 

•I * ' 
dra.Gefabl der Abhängigkeit des Menschen von Gott, der 

Anerkennung einer höheren Macht, welcher der Mensch £hr* 
erbietung und Gehtfrssm acbuldig ist. Wie nun der Feiier* 
laub des Prometheus nach der eigenen Ansiebt des Verf., wie 
er sie. S. 73« ausdrückt 9 den einen und grofsen Betrug be- 
zeichnet» wodurch der Geist das Göttliche an sich zu reifsen 
trachtet, oder die noenschliche Natur mit dein Begriffe der In- 
dividualität, der Selbstheity der Trennung von dem Einön 
Göttlichen darstellt 9 so ist auch in dem Opter, bei welchem 
Prometheus die Ansprüche der Götter nicht anerkennen, und 
die Menschen s6 viel möglich in freier Unabhängigkeit den 
Göttern entgegen stellen will, dieselbe Hauptidee ausgedrückt. 
Hat sich einmal die menschliche Natur in ihrer Eigentbümlicb* 
keit und Individualität ergrilFen, so ist unmittelbar mit der 
Freiheit, die ihr Wesen constituirt, auch die Selbstsucht und 
der Eigenwille gesetzt, der von einer höheren Macht nichts 
wissen will* So ist demnach der erste und zweite Betrag der 
Bedeutung nach Einer Und derselbe. In dieser Hinsicht sind 
Ytir nicht berechtigt, der alten £raählung die eine oder aii* 
dere Form des Mythus abzusprechen. Beide geben uns den* 
selben Begriff des Prometheus , und die Behauptung des VerF; 
& 7d : ,,l^ie Schuld des Opferbetrugs als Grund der Anschmie. 
dung des Prometheus angenommen^ und aller innere Ziisam« 
menuang ist aufgehoben«^ mOssen wir fttr ungegründet halten. 
Wohl aber wird uns bei unserer Voraussetzung manches be- 
greiflicher, was sich sonst nicht genügend erklären lälst. Nur 
wenn beide Thaten des Prometheus an sich gleichgeltend sind, 
konnte Aescbvlus, der auch nach des Vetk, wiederholter Be. 
merkung aus der alten ^^ge durchaus das einfach Bedeutungs» 
volle heraushebt I die ganae Schuld des Prometheus nur von 
der Entwendung des'Feaers herleiten,' und den Oj^ferbetrug 
völlig mit Stillschweigen übergehen« Eben so erklärt sich 
. hieraus auch am besten die Zweideutigkeit, die in Hinsicht 
des Feaerraubs in der Hesiodeischen Darstellung nu bemerken 
ist» Es ist in der That nicht zu bestimmen, ob Zeus das 
Feuer ,1 das die Menschen schon hatten, ihnen wieder entzog , 
oder ob er es ihnen blos vorenthielt« Bei der. einen wie bei 
der andern Voraussetzung ergibt sieb ein gewisser Wider- 
spruch» und die Ausdrücke der Hauslehren v. 50« und der 
Theogonie v. 563. sind wie absichtlich schwebend und un- 
Jbestimmt. Diese Unbestimmtheit und Zweideutigkeit Ilet:t 
in der Natur der Sache, sobald wir uns überzeugen, dals ditr 
alte U^0i^li^£9'un£i (,ob vielleicht ecst in der Uesiadeischen 



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WdakWf di« A«idijliitiM Tril^« Pnmdi«!^ 70i 

DurtMllung oder dcboa'fraWr^ Iff'ff M^ir auf tiph J>itrubenj| 
swei £r£aDUingeii.veil>unden bat» walcb« in .l^ainain innatvii 
und W€MntHcb«n| iondarti nur in /einam tuOiaran und sufilUi- 
gen ZuaammaDhang mk ainandar atvben. Baida drfickan dSa« 
selbe )dea aus*, und darMjrtbua an aidi varliart nicbri , wtnil 
wir auch ,b|oa dia aina. von baidan Sagau fa^tbaltam Aua dar 
Verbindung beider Erslbluogenf wobei wUlkOhrllcb dar 
Ppferbatrue dam' Fauarraub voran^estaJle wur^t» tp wie dar« 
aiiaf dafi.das gebracbta Fauar a<£]ecbtbm nur dai aua irdi« 
acbam Stoff anisündat'a §9fn aoUte, entstund aodann a«br na» 
tflrlicb die Jnconae^uanz, daCi der Mjrtbus^ der aaineoi ur* 
sprflngUcben Sinn nacb ,auf den ersten Anfang des MenKben« 
geseblecbtt gebt, atcb nun aut eine Periode beaiebt, in wa)i 
cber dia.Meni(^ben bereite' obna das gelebt beben , ohne welcbaf 
sie docb gar nicbc tayn k5n|ian. Alt eine fiig^ntbamlicbkeic 
des Mytbus tiberbaupt' mü$99n wir aber huth bier diea an« 
aeben 9 daft er, abatracte vfibersinnlicbe Ideen , die aa bad^a« 
tuogiVoU und vielseitig find, ala dafa er sie unmittelbar ond 
mit Einern Au sdriiek« efiaböpfend dai lenen kdnnte, in eintr 
Mehrheit und Folge von Handlungen auaeinandedegt , bat 
welcher daa seidicoe Verbiltnifs aur Uoa niytbiacben Ftfrat 
geba»rt, indem dadurch nun die Wiederauf&saung derielben 
H^nptidee nach einer andern Seite ausgedrückt' werden solL 
Treffend ist in dieser Hinsicht die Bemerkung des Verf. seibat 
S. 79. AniQ. t07. fibar die von blp/ser Textkritik verschiedene ' 
mythologische Kritik. Diese Analyse der Hesiodeischen Dar« 
atellang i^i)>t uns augl^icb auch die natOrlicbste £rkl8ruitg fibar 
die Varachiedenbeit dea Charakters , mit welchem Prometheua 
bei Aesohylua und bei Hesiod erscheint* Bei Hesiod mufate 
durch die Verlundang der beideii an aicb gleichgeltenden Er« 
fSbJungenf indem ap Betrug an Betrug aicb anreihete, List 
und Veracblagenheit der Bauptzug dea Prometheus werden , 
wlhrend er )iei Aeschylus durchaus mit'dem edleren Charakter 
der Gewan jtUeit unä Erfindungskraft , der Kbhnheit und dea 
Mutbe^ auftritt. Wir. können daher auch bierin dein VarC» 
nicbt gans beistimmen ^ n^enn er S. 11. bemerkt: Das TrDg« 
liebe und .Listige » Welches in der alteren Sage von der Ent« 
Wendung an^e^eben iit| und Oberhaupt den'alterthQmlichen 
Charakter der Veracblagenheit, welcher in der Theogonia 
(511.). noch ala der unterschei<lende des Prometheus vorkömmt, 
(iahe Aes(:hylus fallen lassen. Er bat vielihehr dem Prome« 
theua aeine .•rsprOnglicbe CharakterwOrde aurOckgegeben , und 
wenn Proinathaua bei Heaiid und bei Andern nur ala ein listi« 



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702 Welokeri die Aeseh^fUsohe Trilogie Promnthens« 



ger Betriiger erscheint, go ist es ihm hierin nur so ergangen^ 
wie auch Hermes unrl Odysseys es geschehen lassen mufsten, 
dats ihrem ursprünnlichen Charakter geistiger Energie alhriüh. 
lig die Rolle der VerscbmiUlbeic und Vecschldgeobeit unter* 

geschohen wurde. 

In der Hesiodeischen Darstellung folgt auf die Erzählung 
vom Feuerraub der Mythus von der Pandora. Der Verf. sage 
hierüber S, 74 I „Durch die l'andora an sich ist der Abfall aus 
dem Göttlichen durch irdische Zeugung, durch das Weib aus- 
gedrückt; es ist die älteste Erklärung des Widerspruchs 
menschlicher Natur, in welclie die Entstehung der Bildung 
und Kunst zugleich mit den Ueheln nur als Bestandtheil nnit 
aufgenommen ist. Sofern diese mit einander durch die Pan- 
dora kommen, ist die Folge mit der That des Prometbeus im 
Zusammenhang; sofern aber Pandora das Weib ist, greift 
eine andere Dichtung ein und vollendet sich dann die Erzäb- 
lung erst durch einen andern in den Eöen aufbewahrten Zug, 
dafs nämlich Prometheus sieb mit ihr verbindet, und den 
'Deukalion als Stammvater eines ersten Menschengeschlechts 
erzeugt.« Nach S. 75. ist dem Verf. in dem Schlufs der He- 
siodeischen Schilderung rier Ausdruck Weib von der Pandora 
so bedeutend, dafs alles darauf ankommt, dafs durch ein VVeib 
die Uebel gebracht werden. Auch hier möchte der Verf. die 
mythische Form von der Idee nicht gehörig unterschieden ha- 
ben. Der Becriff der Pandora ist durch ihren Namen aus^e« 
drückt: sie ist, wie sie der VerF. S. 75. selbst nimmt, der 
Inhegrift" alles Heißenden und \ erlührerischen , ein trügeri- 
sches Geschenk der sämmtlichen Götter genannt, weil die 
Götter in dem ganzen Prometheus - Mythus in ein feindliches 
Verhältnils zu den ATenschen gesetzt werden. Dafs aber die 
sinnlichen Reize und Verlührunnen in die Person der Pandora 
iiiedergelegt sind, ist nur mythische Personificution , Pandora 
ist nun die mythische Trägtrin der darzustellenden Idee. Der 
Mythus wählte allerdings eine weiMiche Person , weil der 
sinnliche Heiz und die Passivität, woraus jede Verführung 
hervorgeht, am besten durch die Natur des Weihes dargestellt 
wird: in so fern hat das mythische Bild auch wiedtr seine in- 
nere VVahrheit , in dem \V eihe stellt sich wirklich die schwa- 
che, des sinnlichen lleizes em])f'inglichste Seite der mensch- 
lichen Natur dar, Ist aber Pandora ihrem eigentlichen Bc"riff 
nach nur als mythische Personiilcation ein Weib, so kann in 
ihr unmöglich der Abfall aus dem Göttlichen d r c h irdi- 
sche Zeugungi odtr was der Vcrrf. gleich darauf aU gleich^ 



Welcker | die AesolijUiche Trilogie PromeUteai. 703 

t^rfputend dafür sagt , die Verbindung des Geistes mit der 
Sinnlichkeit aiisgedrückc seyn. Und wie sollte denn dies (Iber- ' 
fcaupt zu den übrigen Hauptideen des Mythus von Prometheiii 

passen? Der BegiifF eines Abfalh aus dem Göttlichen, wo- 
bei immer ein vorangebender, idealer, reingeistiger Zustand 
«dacht werden muTs, ist auf Frornetheus gar nicht anwend« 
ar, wie Sogleich daraus erhellt, dafs Prometheus offenbar 
nicht Für den Geist im Gegensatz g^g^n die Sinnlichkeit ge- 
nommen werden kann. Prometheus ist zwar allerdings der. 
Geist des Menschen, aber nicht mit dem Begriff einer idealen 
Präexistenz, sondern nur mit dem Merkmal der freien Selbst- 
bestimmung und Selbstständigkeit zusammen gedacht. Pro« 
metheus ist von seiner That , mit welcher sogleich die in der 
Freiheit liegende UrsHnde gesetzt ist, gar nicht zu trennen. 
Der Mythus von der Pandora verhalt sich zu Prometheus nur 
so, wie sich die beiden Begriffe Uebel und Sünde zu einander 
verhalten. Hat sich einmal der Mensch als ein eigenes selbst« 
ständiges Wesen der Gottheit gegenüber (worin eben der An- 
fang aller Sünde lieat) constituirt, so ist mit seinem Daseya 
zugleich auch das Uebel gesetzt. Das üebel aber ist als der 
Inbegriff aller sinnlichen Reize geschildert, weil eben das 9 
was dem Menschen als das sinnlich angenehmste erscheint, für 
ihn die Quelle der gröfsten Uebel ist. Der Mythus von der 
Pandora vollendet nur den durch den Mythus von PrometheuÄ 
gesetzten Begriff der menschlichen Natur. Die menschlicha 
Natur constituirt sich dadurch, dafs in dem IMenschen das Be- 
wiifstseyn der Freiheit und Selbstbestimmung erwacht, aber 
diese» Bewufstseyn der Freiheit wird, wenn sich der Menscii 
Gott entgegensetzt, zur Sünde, und in Beziehung auf den 
Menschen selbst §eht es alsbald über in daS Bewufstseyn der 
vielfachen Beschränkungen, die von der endlichen Natur nicht 
zu trennen sind. Der Mensch, der in Prometheus stolz und 
kühn im Bewufstseyn seiner Freiheit und Geisteskraft auftritt, 
mufs sich in Epimetheus und der Pandora hinwiederum als ein 
sinnliches, schwaches, leicht zu bethörendes, kurzsichtiges 
und darum auch unglückliches Geschöpf erkennen. Die Frei- 
heit und Selbstständigkeit des Menseben, die an sich betrach- 
tet noch ein reines Bewufstseyn ist, wird auf der einen Seite 
durch das Schicksal des Prometheus, auf der andern durch die 
Pandora in die Gegensiitze hineingestellt, die ihr Begriff noth- 
wendig rnit sich bringt. Dies nur scheint uns der ächte Sina 
des jVIythus von der Pandora zu seyn. Pandora ist nicht ala 
wirkliche« VY«ib au nebmei)« Dafa AcUoa die Alten untec ihr 



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1 



704 . * WelckcKf die Aeiel^Uaehe TciloglB pjrometheiis» 

^ ' ! 

das Weib versUndept dafs nach dtp £0<t| Prometheus siclir 
mit/ibr yerbindet , und den. QeukaHun erzeugt (eine offenbar 
•pätere, der Aeschylischen ganz Widerstreltende Saj^e , da ja^ 
nach Acrschylu« di« Okeanida Heitone die Gattin dcia Prooie« 
theus ist), ist nur so zu nahmen 9 wie auch ui|ter dein Feuef^" 
'das PronietheHa br||chte, gewöhnlich nur das irdische Feuer' 
verstanden wurde. Keine Erscheinung, ist gewöhnlicher und' 
der Natur der Sache nach auch ohne ausdrücklichst Zeugnisse 
hSuBger ansunehmen, als dafs die ideelle Bedeutung , die das 
' symbolij{cb •^myrthische Bild hatie, mit dem äufseren Bilde 
aelbst verwechselt wurde y und dies ist zumal in solchen Fällen 
geschehen p wo das Bild auch wieder eine eigene selbststän» 
dige Bedeutung haben konnte^ wie Pandora als Weib^ und 
das Feuer des Prometheus als wirkliches Feuer. Die wirk« 
liehe Menschheit beginnt nach der griechischen Sage* auch myW- 
ihiseh erst. mit Deukalion, die Menschen, Welchen Prome« 
theua das treuer bringt » haben nicht einmal mythisches Da* 
8<.yn , so unbestimmt und schwebend ist noch ihr BegriiFn, 
PromethtV* selbst « £pimetheus und Pandora sind selbst dem. 
Mythiis nach nur mythische Gestalten, in welchen die Be« 
griffe, die den abstracten Charakter der Menschennatur aus« 
machen, prototypisch vorangestellt sind, und gleichsam als 
die Elemente, aus welchen die wirkliche Menschheit erst wer^ 
den kann. )n der gegebenen Erörterung liefen von seihst 
die GrQnde« yitxum wir auch die Vergleichung des Mythue 
von Prometheus und der Pandora mit der Hebräischen Erzäh« 
lung von den Söhnen der Götter, die mit defi Erdentöchtern 
Kindel' saugen, und als'ErEnder der Künste und Wissen« 
schahefi dargestellt werden , piicht die Wichtigkeit beilegefi 
können, die ihr der Verf. sti- geben scheint. Ks findet nur 
eine entiFerntere und all^'emeinere Aebnlichkeit -stiiitt • bei 
welcher wir nur gar lu leicht die wesentliche Differena über* 
sehen. 



(Der B€$ehtu/s foigü'} 



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t 

N. 45. 1826. 

neidelberger 

laliirbiiclier der Literalw« 




■ 

, i,Welicker> 4i« Aescbylische Trilogio Prmnetlwaa. 

. « fromethftti nun bat dai^Met eartolyt^ 4. Ii, mIm 
_ !(f|Aft |lt ^ Tbat » rermOge weicht r 4«r Mlniaeh im BemUst* 
ifyn ;44ll«r Freiheit und Individualität ficb Oott gegenfibat^ 
at<^. Wie fern darin die Schuld daa Proaiftkaua liaet « tat' 
im Ql^l^ «i^JÜftrt worden. Der Mjrthiia aelbat .meclvirt äi9 ' 
FjMf^r ür^ruv.Zauf daa Maoachan< daa Faoar verfllraigam 
IHabt.WaitWf aondet^n es ist Im Allgamtiaai^ ttntir 
der Tyrannei dea 2aaa begriflFen. Diea i'fibtf una auf dati ' 
C^mktet des Zeus Im t^efesseltan Ffotttathaif^f aadFeina Fra» 
gti't'WfldMr der Verf. eine eigene Untersuchung 90^ fit« 

f^fwid^et hat»' X)ie Schwiar^kcit wird In ihrem ganxen Um^ 
ange erkannt« dia der UmatMid darhietet, däfl der höchste 
G[|^; als widerwärtiger Despot seaeichnet ist» dafa dar Dieb« ' 
ter sich du^cb iKe in der Handlung dem Zeua «ocewieseii^ 
S|al)e in einen so o£Fenbar auffallaadan WidaraprilWi mit der 
berrsch^qMdan'f.aligidsen Vorstellung aetzen konnte. Der Verf. ' 
tbeilt Qber diese wichtigste Frage > auf welche der Aea^yli« 
ache PrometheMa führt , dia Aaaicbt eines Frauiidas mt!:, und 
laJTst darauf erst» da ihn die gegebene Lösung nicht befrif« 
digt, seina eigene folgen. Diese ist kura folgende: Zana 
o4er Gott erscheint im Ganaan bei Aepchylnif wla dia ben^ 
jl^iande Religion es erfordert f mit einer aehr würdigen und 
•matan Vorstellung. Um so nacl^eiliger mufste es wirken» 
Wi^n sich in dieselbe auf irgend aina Art etwas Verkehrtes 
eingeschlichen hatte. Diea war durch die Theogonie der 
Z>icbter bewirkt worden. Dann das erste Gebot bei den 
Griechen hifla; «ystaf riju^ ^s kann daher nichts anstdfstgerea 
etldaabt werden , als' was aus der Poesie allmählig in die Glau«* 
SiilMlohre oder heilige Geschichte eingedrungen war , dafs Zeua 
•einen Vater Kronos verdrängt und eingekerkert habe. ' Aam 
9€hjl9ß ßHwi Hilf gWidior >Stiiia niit SytiM§ic}Wf XanopbpsM, 

iaX.Jahiii 7» Heit 45 



• • 

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H«raklit In Beurtheilung der Volksreligion, und war sicher . 
d«rnun herrschenden, allznseht in Menschendichtung aufge- 
lösten Mythologie abgeneigt. Gegen grobe Irrtbü.ner der^, 
VolkaT^iä^QPA*^ "Wirken ^ sah er auch als dramatischer Dichtet 
als sd'nen Beruf an. Seine religiöse Ansicht und gesainmt*' 
Geutetbildung hieng mit den Weihen von Eleusis zusammen, 
wie in jfmtöphanes Fröschen v. 886. deutlich ausgesprochen 
ist. Wir dürfen vermutheii , dafs er im Gefesselten Prorae- 
tbeUB, in dem die Hesiodeische Tbtogonie in ihren Haupt- 
»ttrtten behandelt, wurde, die Gelegenheit ergrifF, um gegen 
«ie und den Zeus, der aus ihr hervorgehe, sich nachdrücklich 
»u erklären, durch freie Entwicklung des ZusamMienhangs 
od«r der P^ortLildang einiger darin gegebenen ümst:ande zu. 
zeigen, d^fs die in ibr enthaltenen Göttergeschichten mir als 
Dichtungen zu nehmen und von dem wirklich Göttlichen t^charf 
abausondern seyen. — Der Verf. ist demnach der Meinung, 
Aescbylus habe den Zeus der Hesiodeischen Theogonie Ab-j 
sichllich in^ Grelle gemalt, um auf diesem Wege, durch Auf-» 
deckung der inneren Nichtigkeit seines BegriflFs, auf eine wür- ' 
digeie Vorstellung, wie »ie die Eleusinien darboten, hinzu-' 
leiten. Bei dieser Voraussetzung erwartet man mit Recht, 
dafs die Ironie, in welcher , wie bei jeder indirecten Darstel- 
lung dieser Art, der eigentliche Geist des Stücks Hegen möfs- 
te, sich sowohl durch den Ton des Ganzen, als auch durch 
einzelne Aeufserungen zu erkennen gibt. Davon aber könncrn * 
w^ir in der That nuch nieht das Geringste wahrnehmen^ nir- 
gends bat der Ausdruck die Farbe der Ironie, tind was beson- ' 
ders auffallen mufs, eben solche Vorstellungen, an welchen 
nach der Ansicht des Verf. die Ironie besonders zum Vorschein 
komipen mülste, werden vom Dichter so wenig hervorge ho- 
ben, dafs wir nicht wohl annehmen könneiv, er habe sie bei 
seiner Darstellung vorzüglich vor Augen gehabt. Selbst die 
Entthronung des Kronos durch Zeus, worin allerdings die 
Altea (vergl, Tlat. de Rep. II. pag. 95- 96. ed. Bekk.) die an*' ' 
Btölslgste Verletzung des Gebotes »yov«; T//aav fanden, wird im* ' 
Prometheus des Aescbylus eigentlich nur in Einer Stelle v» 
220. erwähnt, und auch in dieser gar nicht aus diesem 
Sichtspunkt betrachtet. Eben so wenig können wir in andern * 
von dem Verf. bezeichneten Stellen des Dichters die vetinü-*- 
thete Ironie erkennen. Der Verf. sagt S. 104i »Hinsich^A • 
des Zeus im Verbältnifs zum Kronos nnd Üranos i^eigt er ticb 
im bestimmten VVidersprucb mit dem, Volk, welches , nacbt 
dem Chor im Agamemnon (168.} zu urtb^len, für ^ (roiiim 
hielt, dafi ni«n| ohne nach . d«a Herrschern » di« nichrtetk«- 



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imi» wmßngen, dm Ziu$f,wmt er auch »ayii indgt| 
fwdbfe. SicfaM* •chrielr.er di«i nicht ahn« Ironiv.« £in«n 
WideMpmch gegen die Volktansicbt kdnncn wir »in divicr. 
9uä9 unmöglich finden. In d«n Warton» dU d«r V^tS, meint 
168 f wird Zeua eis der Herrscher im iMIchiten Sinne ge* 
•diiid«rt » weil er^ der Herricber in dritur Ordnung» eeinn 
Hemchaft dadurch behauptet, dafi «r nach alhiachem Geiets 
hertaclUf «ind die Menacben Weitheit lehrt. Oer Anruf: 

bat ao w^nig einen ZusaC< von Ironie » dafi vielmehr eben 
diean Formel der gawöhnliche Aufdruck der ReligieaiUU beim 
Gebot war. Vergt. Heindorf ad PlaU Fbaedr. pag. 337« Und 
wie acdUe Überhaupt in dem ganaen ZuaammenMng ainea ao 
mrnaaan ChorgeaaDi^s , der die. Heiligkeit des aittlichen Ge« 
aelsea» daa ^«o^gteynyf '.alt die von Zeu9 geselate Weltordaung 
etiiachftVfrt und dat am(^^of9tv dat Zeut dem wamui^/(m ti^fv ß^Mtn 
der bmdan andern Herrtcber «ntgegenteur» eine Ironie g^ganT 
Zoiia angenommen werden k^ftaiien ? 'Eben hier itt ja der« 
aelbir Zeut« der aaf (Jranoa und Kronot folgte^ alt der Herr« 
achter mit- absoluter Macht geachildert. Alt Sohn dar BJiaaf 
oder Sohn der £rdet iat awar allerdi-nga Zena ein End« 
Udler t.CyewmrdMMier, daia aber Aetchylut in dan Schutsflehen* 
«tinl 005.) mit Anatort daa Wort autaprichtf Zeot sey 70$ 
Htmii -iat'^ioe Behauptung | die d«r klare ZtiAammenhang jeuer 
Stell«' aogleich widerlegt. Es ut die Sce'ne, in welcher der 
Aegyjitiaciie Herold' nach Barbarentitte tult Veraditune der 
Lfandetgöttet» die die Danaiden anrufen« iu Argoa auttritt« 
VergL V. 853. 893» und 892* tS\>99t ^oßz\i}xat dcir/^va; to-j^ kM» ou 
yOf f»' f^^rfievf #«1* tfi^curav r^oip^' 'Daraufist zu beziehen , wenn 
die Daoaideii aowobl die Erda alt Zeua den Sohn der Erda 
901* un4.892. anrufen^ und et it^ demhacU auch hier ein«. 
Stdltf^ in Welcher to wenig eine geringschätzende Meinung 
von Zeu4 liegen kannj dafs viehuehr im Gegensatz gegen 
hlofseliokalgoCtheiten seihe absolute, überall anzuerkennende 
JSÄacbt dadurch geehrt wird, dafs es von ihr heilst, sie reiche 
so weit alt die Erde, deren Sobn Zeut nach dem Mythus igt. 
Ueherhaupt scheint uns eine tolcbe In einzelnen kaum he- 
*merk'baren Stellen, und Aeufserungert ^versteckte « gelegentlich 
eingemischte Ironie dem geraden Sinne des Dichters, dessen 
Darstellung mehr alt die eijips andern directer Art ist, dat 
idnfache unmittelbar gegebene Zifl nnvert Tickt ins Auge (alst, 
und dadurch bauptsüchlich ihre grofse Wirkung tax erreichen 
aucbty völlig zu widerstreiten t und überdies noch auf" andern 
VorauAtetaungen au beruben,« dies wir eb«n so wenig wahr« 

45 * 



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Bobeinlich findüi ÜtoM« • Ali «in- «»habelNir DntoiV wl^^tr 
Yerf«, den DicbIMr' Btt/nemiAA wagt, S. io4> IsMiiiCe. er 'iidA* 
nur dann die Volkamythologie haralbdrlingen, und 4«i.Uiiaii<^ 
reichende d«r gedidiMeii G6jtter ««igen, wämi «r entweder 
ah Skeptiktr «der durch eine po«aive, mit W»r«in.Bewiifet« * 
aeyn ausgebildete Idee aieh enMchleden «bergen Velks^Attbein 
erfaö^n batleV lu aber äne tolche Trennung vom V'olba>^ 
gfauben ifl^^ einer Zeit , tn «reicher wir eine tolcbe Erechei-t 
nung« nur mrsc'bei einselnen budentenden Fhilosopheni wahr»; 
niä^n'kai^enf und bei' einem Dichter wahrachainliofa ^ daa^ 

» \ aeii^^eietiige Indivtdaalität aonat iin so reiner Ausdroeck dea 
. mätaruden fiewulataeyns setner Zeit ist? Wie hatte •* aeint . 
lieben mireihar so groüien Reihe yon Darstellungen aualBlleir* 

■'■^ können^, bei welchen seine innere Ueberseugung in eiannk 
steten Gonflict mit dem religidien Gläubig des Volks, mmpa 
mulstey mit welchem sie so genaa cusammenhiengen t Der 
Tarf. .beruft sich av^ar in di<^er Hinatcbt auf den Alntheil,: 

i Welchen die Eleusinischen Mysterien auf diff r^igiöse Ansidblfc 
und die gesammt^ Geisteibildung des Aeschylas- gehabt haben * 
mOgen. Wolken wir aber auch diake Voraussetsiiii^ «üf-di«; 
. . Airistopbanische Stelle bauen (in waUdier ebenfaHa dm- Ztn^ 
aänimenhang und dar Gegensats der Demeter gegen di^-Mge». 
nen neuen Gdtter des Euripides genauer erwogen au wetdeiü 
verdient)» so mfiiste doch sairor die Ueberseugung feststehen^« 

- dafs der Begriff von der Gottheit^ welchan^ie Mysterienbhra^ 
aiifstelltey von dem des Volksglaubens* weisentUch varschiedea 
war« Und doch wird, wie wir übecseugt sind» Jede Untere, 
auchüng' der Mysterienlbhre auf kein anderes Resultat fdhraa 
kSnnen» als darauf f dals ihr fiegri£F von der Gottheit nucb 
nur der mythische War, und der ethischen Merk mal e,,.#u£ 
nt^elche ea hier hauptsicblich ankommt , in den Grade .um so., 
fliehr ermangelte, je gewisser diese alte Tneologie auf der. 
Grundlage der Natursymbolik ruhte^ die überhaupt dsiil 
höchste Princip der alten Relinion ist, so dafs aus dem VW - 
d^m Verl; angenommenen VerhAltniXs des Aescbylus su den/ 
Eleusinien eher die entgegengesetste Folgerang abgeloil«r 
i^erden könnte; .. 

Ueberlsigen wir alles dies, so können iTfir nicht glauben^ 
dafs der von dem Verf. gewählte Weg sur richtigen Auflösung 
führe, Ist aber die Annahme einer Ironie, auf welche die 
Ansicht des Verf nothwendig zurückkommt, unstatthaft, t«^ v 
kann der Widerspruch mit der herrschenden Vorstellung von 
Zeus, weichen niemand verkennen kann, nur dadurch gebo»- 
ben werden« da£i wir der Darstellung des Dkhteis awac aller 



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* 

WiMMT, ak li tfliflin i n XMbilb VHmü m ^ 709 

diag9 mMk aMb tdatr eigentii lUmMigung ihre Wabrbdt 
mumwmmf tim tmr r«latMr« 0ms i*« di« Anficht de« FreiMi« 
mldu iMT Ttrfc & 92»^ aiiUbtUt, Wii nOtfen das 
Gmamm als eine TtUneMcbie entebsn, und das tyrannische 
WsuM 4es Zeus nut alt eioeii Zustand, welcher verach windet 
■Mt der Besieglons der nenen Wekordanng im dritten Stack. 
Aeadiylua kann die WeltrsgMrong dea Zena nicht als eine 
foradjRMtnde Tyrannei haben watellen wollent Zena aalbit 
■MiCa mit eifern höheren Bevmlstseyn aua .dem JKampls hef 
vorgegangen seyn. Diese Anaicha, weJbhe des Untecaeidinete 
'Mitot «Mcl^ achon anf eine^ wie et mit Interesse bemerkt ^ 
Im AllMneiaen flbereinaiimmande Weise» in seiner Schrift: 
Symbonk und Mjrlfholegie, oder die Natucreligion des Alt^ 
ifawB^ » Stuttgart 1624* 25. II. Tb. S. 396 !• aws|^lurt bat» 
kalt er i|vcb jetat pach wiedtrboltifm Nachdenken ffir die eip« 
nig richtige « und die Gründe, mit wekhen der Verd die Aj^ 
eicht seines Freendes bestreitet» k<liiilfn bei der Prttfung nuf 
' als eine neue Bestätigung deraaUNm easrbeinfn. Die Haup^ 
nittwendong deaVerf, kommt, umänderes unbedeutemltt (wie 
<a»*B. dais Aeschylua ia seinem Zeus nicht aowobl eine.aua» 
•ndhweifaide Gewaltsamkeit » sondern den Terftchtlicben nn^ 
«attlidi kbilnsn Charakter einea kalten Tyiannen dargeateOt 
Inba) SA übergeben» aof Iblgendes ausOek Sv 96: Die ganaa 
>ttmlte nai.tobe fir&ndnng einea Dynastien wechseis. tintec d^a 
Cdttem» «ad des Qdtmkiiegs ist nicht gemachti^ nm. Ideen 
Aber Weltbildiing und Wekaltea ausaudaflcke», sondern um 

• P w a a n a n und Yoystellangftn. vaaaebiedtsner Aet ait eioem. Gap« 
-iM afif iwseinbaren, und anftlllig entstendenf theologische 

• WidMfirtchoaafiinbeben. Dorcb dies fabelhaft wiUkührücha 
'lIRlyknfipfitn .erscbniiit der Einaelne nieba in felsebem Lichte* * 

''iiianoa und Zenastnd iitder KeK^ion seihst suletat mic Eäner 
Mweäan.- ' jCronos ieanar die Zeit. Aus derselben Schmiede 
Ssadie Titanomachie. Die aksa Gdtter im Kampf mit den 
'Mvan oder eige'ntlicben •wuidsn asit dan. untecwomnen Gqeg* 
MMi- der Odtiev überhaupt ^ den allen- £rdr-ieieOf, wekhe in 
eilen Natnrreligiooen varKoraroen y verwecbselt.'Ut s» w. Es 
'ist in den- neuesten mylhologi&cben Scbrü'ten seht gewöhnlich 

Jeworden, die Grieebische. Mythologie llbeybaupt , und djie . 
lieaiodeiftck* Theogonte insbesondere» alt des auf^ig^teund 
^mülkfihrlicbate Aggregat der vecacbiedeiiartigate» Mythen ai|* 
«useben» und jede Aosichi dersslbe»^ f^T wabrsrh^iulicb^r «t» 
-•kalten, ala diejenige, welübe, wenn auch gleich J>^i einffe 
•aaleliefi- Zusanuneast^Uung so vielec und so*inhaltsr«icher My* 
tim»^ jwi» wir iio'ia^iiec Theogonie vor uns. UaJien»^ das. £iii* 



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f e)n? gröfstenth^ll« nur in dürftiger Gflstalt eriicbeiaBiiJnaiiite, 
dennoch einen durch das Ganze fortgehenden .iim#r«n or^aoi«\ 
«chen ^uaammer»; ang erblicken zu müssen g)»ul)t. So if^^al* 
lerdiugs zu urtheilen, so lange man in dJer GrieqliUcben Mff^ 
thologie mehr nur die ütiiaere Form , die biatoritdl« Sage, din 
zufällige Dichtung, als die Idee, die «ich i« ibf atiadrOokt» 
ins Auge fassen zu müssen glaubt, I«l aber der JWytUu» . «Mb 
D^rsteflunff der Ideen, die mit; der geistigen Natrt».i|e».JMiw»» 
«fAien unmittelbar gegeben sind, so mu(a*«kb in ibniAticb fipÄ 
nach inneren Gesetzen «ich enCwIcMi^de geittige, liefen 4m 
Menschen offenbaren, und d*r ^oCie Oeeen««»* i« deilwn 
Sphäre flieh alles geistigt? Leben dea MeoicB«« beuwefi. mMf« , 
der Gegensatz zwischen dem Nat4irlehen uimI- dw Mliaciivn , 
mufs auch die Grundlage «'»yn, auf w«l<^er «lleiii dee I^Lytliu« , 
wie er sich im Leben der Völker gestaltet , ala ein or^amadifS 
Gan^e cQn$trcjirt werden Icftnn«- • ' « : 

£a bandeh aich nSmUcb ](eilietwe^S| wie» d^ Verf. mx 
meinen acbeint, nur um die AHsicbt, die maii gerade* von Ant 
Heaiod^iacben Tbeogonie batt .aondera um Begriffe, die rop. 
dem Weeeii dea- My^liut flhe»luiQ|>t ntcbt <ti üeoiien jiod* 
Pie Natvir de« My^thtte* l)rfii|[t et nofclivreiidig mit aidhf dais 
lille pöttUelfeJl 'VeraaineAi welche er «u&telUf .endliobe, ge- 

"tTQn&neA einer «eUHclien Entwtcltluns uorerworftne Wee^jn 
eind« Die« iat die Natarteite» • die aTle mytbtaclwii Qöttfr 
liibeiir« ' So {<tra ei« aber geietige iRdividuen, peccAalicbe W#- 

* fen aind, dereil Vorbild die ideale I^enapbennatuc itt, . liegt 
in ihnen angle^b-'dieTendenat, aicb su der jd4e dea AbadnUn 
nufsubildeh«' '•Dieae i»nn jeddch denn erst «uoi Jitf^ren Be. 

Vwufaf seyn Iroaliiifen » wenn aieh der Menacb Dlherbeitpt. jsuni 
Bewufataeyn deireihiaolken'Geaetse- erhoben ha^fO^f weldifia 
ellein der Begri£F elnea i<»kdligenreii ^ von demtSeyo der N%t»r 
veracbtedenen- h^chaten Weaena beruhen, kann, ß» ia( mchfs 

' einleucbt^der » alt dafa'die gro(^e Mannigfaltigkeit der gA^t. 
lieben Weaen-;* ^ebe die Mythologie oder Aeligloji dea i^- 

'tertbuniä aufteilt auf4einem andern Wc^ge witer dnei%h^- 
•limmten Geatehrapunli^t gebira^t werden J^ann^ ala dnrcl^iiSo 

' AnwendQng d^raea Qegenaataea. Die ä^tUicben W#aen ai^d 
In dem Grade veraehledeoer Art» in welcheei in ihnen entwy- ' 
der der Na turbegriBF oder der ethiache B^rifiF bevirorferittk . 40 
mehr der biofae Naturbegi4ff .den Cbaraf ter einer gftttUchen 
Person auamacht (wfraagen bter abaichtlich l^eraont '^denn.ao- 
bald wir vom rersdnlichen abatrabiren«' ünUeo'aolfho 'WafMa 
immer wieder mit dem Begriff der Einen absaluten^Naiar nur 
aammen) /' desto meliv «ra^eiliit aieauch mit elleo^HAerjmdan 




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4«r Endlkhltit 5 aU ein eeitlidben Veränderungen untervror« 
fßn*£S Wesen, DerMythua atellt die« durch leidende und Uer- 
jbeiide, von andern luachtigeren geatürzt« und entthronte, 
vom Himmel auf die Erde versetzte, in irdiivche Dienatharkeit 
da hingegebene Wesen auf veischitdene Weiae dar. Dagegen 
ist ea nur der ethische Begriff, durch welchen Zeus uls ober- 
ster Weltregent, von vi^eJchem der ßtgritf einer über das N«i- 
turleben weit erhabenen Person gar nicht getrennt vi^erderi 
kann 9 aich über alle anderen oiytbtachen Weaen so aebr erho- 
ben bat, dfiif4 fein« Idee, über die Bescbrünktheit des mytbi* 
achen Bildef kflbn binausstrebend , alUuilhlig mit der Idee des 
Einen bOcbatan. Gottes gleichbedeutend wurde, und allen an» 
dern Wesen nur in so lern noch eine wahre BedeuCiing ein« 
fätimte, iolera ^ie alt. blofse Eigenschaften mit der Idee ««ip 
Her FeVÄon aUh irtveifiig«o lielsen. Dafs die etblacbe:Xd«« so 
^eiM und ßwtit m\sht naob <Iet Mysterienlebr« (dtnn difa« g«bt 
4«r etbttcbe- Gott •igifstUcb nichts, an) , aondtrn thtt in. dir 
al]gein«ia'bfrracb«nd«a'Vor»t«Ui4nß die wahrbvft cooitttutivt 
^at, biHlarf b«in«& B^WifciM M0»i£ir0rd4g aber iity wii'dlM 
4ies« Um fm <a«^a«ate gegen dtn IiIoDmü NalorbigcilE 4« 
Vrano«. nndKronoft iran «nseam Pidltar i« di«i §dtM oIm» ta^ 
.S«flllitttiiStallf Mines-Agam^miion btnror£ebob«o müL. Mm 
fat^tUi^ b«CKUc|Mii Cborg«Mng,' imd vrtbeU«, ob dtr ^DM 
lahdt ätutih^n, au«..oiiuim ««4«'% (iMifiblfgiuibt i»ftlc«fiblfl 
ffer^en Juiniu ... 

Di« biw. angedouttfto' JUm^ tdieint im Gr|sii4o ten 
Sr«t£. vof tiMcibfrebcn werni «v fi««b -dtfoi. oBoii. oiu^bobMM« 
IMbeH Obtc di« UtaiddeiMbe TbMgonU m lortf&brt 9t • 
^Die «inzig« iaXbat uod Wm»iv b«grt^id«t«' Xbroi»v«rapda* 
rung ist dii^cb. deoi Hang^ w«llcbM uatM <Utt Gri ffait c b»« 
$rfiaiin9ii.£iiat dtfcdigängig wAbnuBebni#ii.i*tf. dM|.5«bii.Hifla4 
tieft und. .4^ $t4^n. ror d«iii Vatet aiisuboteii,^ b«wir4t wor* 
4«tn, iodaok 44». KsaidlMii. Gottes, und d«t ilbsa. xiun Gott an 
u^x »weit« Zettl ^ iow Cultut iisd ao£ort Miok in dat 
l40br» eb«r'4a».«ri^tea«tboben«iivde;. ein. Umstand , welcher 

e'tArig entwißl^lt dan-scbvierigsten.Tbctlen der Giiac fa i icb»». 
HgiouMsagen ««l|ll..A^üfcblui» dient». Zur Erjd«i:uiig dieses 
Hergaiii^s und. ditiM- Umstandes scheint di^$i^«*voii.ai9B<£^t« 
tbffumug des Sroiuftf. unter Eanfl^^cbtting einer aus^dessto ci^e» 
mar Be^aiff als. Zeit bergeleiteten All#^u»^ erfiinden moWXL 
Stt.f ef . Wae^daK Verf» mit einem g^.uobealimmtea Aue«; 
druck einen. unler den Grtecbiscb^n Stämme»« fast durcbean^ 
Wabrzune^ianden>.ile»g.<^''lil(» ,gib|;. fpfcwedet kei^e befrie- 
^an^ie Idaf .i)4ar<.ai, kann, , ifiittAP .«s» aut deof^beii 



' l^B^ pKüosophiiCh bestiminten Begri£F gebracht werden so}!» 
***jr auf dai surflckkommen , was so eben gegen die Ansicht • 
^et Verf. bemerkt und erörtert worden ist. Bei der vagen 
Vorstellang eine^ Hannes kdnnen wir doch nicht stehen blei- 
hen^ und die Frage nicht abweisen , worin denn dieser so 
allgemeine Hanjr «elbat auch wieder «einen natürlichen Grund 
habe. 

' Um nun von dem Bisherigen die Anwendung auf die vor* 
Hegende Aufgabe zu machen , so ist vor allem wohl zu beacb* 
ten^ dafs uns der kühne Dichter in seinem Prometheus gan4 
dieScene einer erst werdenden Weltordnung vor Augen stellt: 
Jener dem Prometheus feindlich entgegenlitehende Zeus ist 
nun als IIa« Erzeugnifs einer Periode zu begreifen, in welcher 
in dem religiösen BewuTstseyn des Menschen die Idee einei 
von der Natur mächtig sich losreifsenden , über derselben 
«lebenden, wahrhaft p rsönlichen Gottes zuerst erwacht, dio 
Idee eines Gottes, der nicht blos die g.ihrenden Elemente der 
Natur beschwichtigt und zur kosmisdien Ordnung bringt^ 
sondern auch die ethischen Gesetze aufstellt und haqdhabty 
die die höchste Norm des Menschenlebens seyn sollen. Daher 
die immer wiederkehrende Vorstellung , dafs Zeus als neuer 
Gott herr«che, wie a. B. v. 85. 95. 150. Daher die Unter. 
Ordnung de« Zeu« unter die Gewalt der Moiren, das hdher^ 
Gesetz der Nothwendigkeit, weil er selbst noch der in seine«. 
£ntwickelung begriffene Gott ist. Als Tyrann aber ist ZeuA 
dem Prometheus gegenüber dargestellt, weil Prometheus der 
reine Mepscb , und Zeu« der Gott an und für sich nur noch als 
getrennt au« einander liegende, streitende Elemente zu nehi 
rtien sind, woraus erst ein im religiösen Bewufstseyn sich 
ausgleichendes harmonisches Ganze werden soll. Wenn Ȋm- 
.lich im Menschen zuerst das Bewufstseyn seiner eigenen freien 
«"elbstständigen Natur entsteht , so verbindet sich damit ba\d 
auch (neben dem Gefühle der Schwäche, Beschränktheit und 
Kurisichtigkeit, die der Mythus von Prometheus durch den 
Mythu« von Epimetheus und der Pandora ausdrückt) das Ge- 
fühl einer gewissen Abhängigkeit von einer höheren Macht^ 
die er über «ich anerkennen mufs , es erwacht in ihm das Be, 
wufstseyn gewisser Gesetze, durch weiche das Regellose,. 
-Zufällige, Freie «eine« Leben« gebunden werden mufs. Aber 
«fio&e Gesetze erscheinen ihm zuerst in der Idee der Gottheit^ 
in welcher sich ihm sein eigene« religiöses Bewufstseyn obi 
jectivirt, a|« etwa» rein äufseres, als etwa^ zufälliges, iprerad- • 
artiges , das «fr «nit seiner eigenen Natur noch nicht in Ein* 
kUn^ bringet! kann. Pia noch unbegrifien« AMtonmiMe Miasr 



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Jmk Mnßtjt ^Ut äl^iM Itot t indm er Ae objtcttr« Tt^iblüi«» 
^fcifc <M ti lWi U g far ytfputtft idügelnd (/rfH^i^rr^s wir4 fluck 
fkiamfMMlB iHnigeiiial V. 62. 944. nicbt obn« Grund |^nnnbt) 
*i^'i^fr•IAil litlit, siir' Autonomi« «inet ^randea Onox/^c 
/ejMi( 'Z«i^ ci9tnp€ K^anwM l50.)f «bi^icb di« Anfirkannung 
W,Mlimn Mictt d«i Ztu« nicht vOlIig surlld^gawiettn wer« 
feil ItanDu Ntic der Grood, auf dem aie beruht» ift nodi 
tfieannt, wie der Dichter auch daducdi au renteht« 
ifejQL'toch die Ursache, warum Zfoa den Menacben daa 
Nificht BÜ Theil werden laaaea wollte, nar TOn aeiner 
l Wgeleitet wird. £a i«t nicht au überärben« dafil 
tiaitfBrung dea Oichtera Zeua ap aehr nur Tfranyi| 
Men aoll » dafa aOea andere (wie wir gegen den Verf* 
Mwerken aii mfl^n glauben) , wM etwa aun Nachtheil 
Ma getagt werdeil konnte, um jener Hauptirorat^ung 
'fiiViM|jr «o thun , wIe'abaichtlScb entfernt wird 
^IPhr Wideratreit idao dea' ainnlichea bnd Ternfln^igea 
IIb Menacben, wekhea dann entatebt, wenn die ethi^ 
Hlä^if die aicb io aeinem BawuCilaeyn anaaprechea, 
iro^ ati poailire Von aulaeh aiif|pdruiigene Gebote eradieii« 
^jMf^' lt^tf ffiel menadiäche Freiheit Ueeenaatz ^egen diai 
iblj^lutr .pilnglgkeir Von Gott iaf daa groue Thema« daa ia 

wird, und eben dadurch iulaer't aich( 
läHie' GeiaC dee grofaen Dichtere, dafa er dio 
411^ dei* ala'ntge Menacheageiat in den alten be« 
fi^^ijan Mytfaäa nädergelegt bat, ai^f eine eolchd: 
iept.v^ r^natfüirt«;, ^l'a er die in ihfien enthalteneai 
^^^^fgab^n der Speculation betteltet, die för jede» 
nmn^M^acben ein immer neuea.Intercsie haben mflecen. 
^ Ibe ^^iloaoj^blache Richtung seines Geistea^ aprt^t sich 
{k^äf]ifi^iän Triki|^ie aua, die durch den Agamemaoo, dtO 
ijBöMItäiw urid d^e finmeniden gebildet wird , nnd in wel« 
dKir'ee*ail$ ebenfalfa utn eine der wichtigsten philosophischen 
Aüfgab^aily Ui^ die Antidomie der Gnade und Gerechtigkeit 

f^TT^Ä^attrt iirir Qbbr die Darstellung des Zeus im gefSm- 
Miid Prometbeua «üff ein befriedigendea Rean]|at gekoimnett' 
aittid., kann aiicbMW Charakter dea Prometbeua aelbat naali* 






" Gewissennalkeo {st dteie' Tyrannei dai Z^m nnr greller and in. 

" - - liShereni Grade- d^isse1be| , was der alttestavientliehe Jehora als Ur» 
* ^,^eber des positiven Gesetzet end als stifoger Rächer dar Ittaialhat 
' 'iidir okiMklbaif Ifegtlir jl^ iäeiiheit ^Bg^Uwr ist. 



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allen seinen Umrissen gehörig aufgefaJst werden. Froi94t(^ui| 
und Zeil« stehen einander gegentiher, w,ie Freiheit und Ty- 
fannei. Die gewöhnliche Ansiebt versteht unter dieser Ty* 
rannei die NaCurnothw.endigkeit. Nach Jakobs Alt. Mu«. 
III. Bd. S. 340. ist dtfr unendlich erhabene Kampf der mora- 
lischen Freiheit gßg,en ^ie physische Uebermacht der Gegen« 
ftand dieaes Trauerspiels, n^ch A. VY. Schlägel in den Voiles, 
^Iber üiamat. Kunst Bd. I. S. 164. .der freien Willenskraft 
g^gen die unerbittJiche Naturkrait, nach Blümner die Idee 
des Schicksals S. 15. des moralisch Guten gegen das Böse und 
die rohe Natur. Auch der Verf. hat keine andere Ansich^J^ier* 
über, wie auch schon daraus erhellt, dafs in dem Abschnitt 
über die früheren Erklärungen des ^eschylischen rrometheui 
i>. 112 — 115» kein wesentlicher BegrijBF hervorgehoben wird^ 
in welchem die Ansicht des Verf. von den früheren sich unter» 
scheidet. Vielmehr nennt er in Ue][)isreinstlmmung mit den« 
selben S. 63^. den Prometheus gleichidu» den Urverstaind im 
Gegensatz der Natur und Nothwendigkeit , und S. B4f 
tagt ei: in derselbqi Beziejiung : ; Während. d«c ,Geisi J^irinct 
gegen die Natar — r abvft er kaum , dafs sein eigenes Ke^h^ 
nicht unbegrenzt sey, — indem di^ Natur sich durch biltero^ 
Leideii rächty bleibt nicht« Okbrig» .als, Kraft zu wide^« 
stehen. Die Idee des Drama wäre also nach dieser Ansich^^, 
lader Freiheit lisgt zwar die höchste Kr«ft«/ab«r dia Aeufse^ 
VUng derselben, mtiü beschränkt werden « wenn der Mens«l| 
nichts die Natur gegen sich herausfordern soll. Aber auch vqpa, 
dieser Seite s|el]eo sich uns sogleich neue Schwierigkeiten darf 
Denn aulserdem, dafSf sobald die Idee des Zaus nicht blo^ 
relativ in Beziehung auf die Periode der beginnenden Well»^ 
Ordnung genommen wird , der Vorwurf einer groben Versiiiv^ . 
^>6""g g^gcn Volksraligion unabwaadbar axif den Dicht^^ 
liurückfälk« und der Zusamiii«nbang saioar Darstellung, dia^' 
Dun eine rein poetische wird, mit dani 7on ibqi doch sonii^ 
ao wohl beachteten alten Mythus so gut als ganz anfgebobaa^ 
Vrird, verliert die Ausführung des Dichters auch dadurch ihre: 

trofse Bedeutsamkait, dafs sie durchaus keine Merkmale enfc* 
Alt» den Kampf gagan Zeus ala a|uia|i Kamifgegan die NaUjf^ 
anzuseheil« Dan^ was ist es denn ,, Was daas. Af enschtn 
j^fatur gegenüber eine weise Mäfsigung im Gebrauche seiner 
freien Willenskraft auferlegt? Ist es oer Wille des Zeaa,'v)r 
des Herrn der Natur l Ai^r dieser ist |a nicht als der weiaa 
Oldner der Naturgesetze geschildert, so»dfkrn nur als , Xy* 
rann ? Ist es die Natur selbst? Aber dann wäre es nicl^t su 
begreifen t wie 4ar DicUtej die. Gajsgatthek^ ^ 'ihf§,d^ ^Mf 




, . Digitized by Google 



I 



JiM<l!|B ja •iMsn 44»F#iHsi-t*.d«s fr v4Mbt» dwch. Verf«lnerti»§ 
Mo4 ,yeppigk«it eint 99^1^«^ Ve|d«rb#ii» itt« uribcaut^ 
gelasMo uiK&.wU i4»tj4^t)icb surfickge m«i«n ba^ iVUn v«r^ 
4^li^c^«ji wa^ d«r V«rl> «elbti; 3. 83.* bi«fab^ «agt* Avcl^ i«r 
d«tr acbv.fr t. «ich 4«ut\ic|it^ VtffftttfUung davop 

SU «|M;iu|ii^ waf i^pti «iMtUcb nacb di.tatr Anaicbt 4m Üd- 
fgTfvtfj»!»»- worauf dU 4rbat d«# Prornttlbtiu« geht, und 4t0 
^€bi:f4ib«9'. di* ikt geaetst wiril« g«vr«atfn »Hyn «oll» ryin *r 
«acbwer«!;» dp wir duck nafb dem gaosen Cbarakur d«« Di^bf 
.>«ra,fin« «ben ao.fii^fiicb« und Uicbt btfgr«iQicb«-ab gipffar* i 
itjg« Ide« vo^auaaatf <tn Ditlafen.. . Mit £iacif|p Wortf; aobald 
•iWir de» Kauipi de« Fro«iftb«iis gegen 2ftt« 4* ^«'^ l(a*"if ' 
gegen 4i.e JNatur nc^hrnfn, wird aoglaipb t\iM dunkal und .ui}^ 
ictracläcUcb^ dmutllcb dagegen und «uaamoKMibliugvnd» aobaM 
* }lifir ihn nicht auf die iSatur^ sondara ^er ganzea OarajttUuiy 
.dea Dt€bcera «afolge auf den etiiiacbeo Willen dei'Ze^a^.lireW 
„cbefi Prom^tbeuf alcb ni.cbt im^erirarfeii, will f besiiibaiy«. 
iat nicht der. f4le Kampf dea freien Qeiates' £eg«n die Na^r^ 
(Vielaiebr j|e/94^ uiDgi\kebrti der Kampf der- Matur gegen den 
.Geia(. .;P«Mp. fr<vi^i:b9Ha> atdllt ala d%t X'Mv^n die 

ineoacbricbeNatar afWfb) an und fOr aicbt abi in ibce^ Zuf 
j^Hfijattt^i^ang mit dft Übrigen Natur (die diird| di« Titanep 
f^lU^iiitt wird) dar. Von d^eaem (}eakbt•p^n)cf•a|la lil£Silt 
au^^b allein daijen ige begreifen, waf dfr Öibbter nai;b dem 
^al^ Mythbf den 'Prom^bai^ ron atineii Vfrdienaun um di# 
•j^Ondung dtr Hermfbaft dea Zeua a#gen Jafat, da nacb dar 
:.9fl5i4^9cben Anaiebt die XSfatur die U^tgS 9a#i< Ist » W«dchar 
njUk evkt daa geistige Leben dfr Gdtter und jVl6nafbaA«ntwi4r 
. *^f]t und aujr of]b«€«tt«digkeit gflangt. ,> >1 . . ; ^ v;^:- 
^-^^ :*,4, AUef diea beatatigt Mcb in M{n#m innerfii 'Ziumhi^ 
:meilbang biii)ängliidi..aa.cb durch die Attfl^fun^» die von dem 
/grolaeii in Fromftbeui- gel(;gten Scbidiaela • Knoten gegebefi 
^wird,'.. ^rometheu«, welchen d<:r Dichter auch acbon.in dei|i 
%ina AQclk erlfalteneo StQeke dika Bewnfiltaf yn . dfjutKch aiia^ 
sprecban lär$t, dtfa er geiiiblt habe; v. '2$0, unterwirft eidi 
.dem Zeus, aber. auch !Zeua koitfint dem Frooiftfaeua entgegen» 
tSa iat jedoch eloa.aolcbo Vereinigunj^ » bei. wekber jeder d<tm 
' 'Andern sich ifur.ao nfthert, dafs ersieh aelbst nichts . vergibt« 
.Zeus versöhnt sieh 4Mt--Prometheua; ual aiab> in fian ^ecrf 
acbafc au liebaupten , lind Prometbntt« ftgt • ai^ in aeinafa 
Willen niir ^o, daia die Bedfutung seiner iSiat nicht verloMli 
g^iAt. Daß Fauer bleibt« und dec i\fei«8fih.,acbreilet.it^rt.^llf 



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4er «iMMcblich •bmlkbeir Nttiir mit Edtdiehan, ttt Wi^ 
jAM 'i^r M0M;b mdi iwit iela eigenes #ibrte W«!«! «fi- 

kmntf in der Einheit ii«r Bewitjkit]rntt ^» ^ 

M«h ungernäfsigtea GefllU der Freiheit afftndlge M^neehy 4mc^ 
dto Tod mdiim^y wM eidi nun feiner Abhängigkeit vm* 
'der Gottheit hewuJbt v «ne dejin Titaniichen aiif der einM^ 
lind dem Tyraanltehen ftuf der andern Seite geht n<ia wie mm 
gegeneteitig sich beschrtnhenden £)emeilten die wahrhafter«» 
ligidie Gelflhl dH Menadicn hervor.- . Oiee Itlet ekb rotenn 
W den Symbolen nacSiweieen» dnreb weldie die CTniefwetfung 
4ei Pfornetbeue v-ont^ Zeue beseiehndt iat« ' Oer elem« 
Rihg^ weltben der befreite Frömetbetie trSgt, tit'ein Syaibdl 
Aür religideen AbhBogigkeit des Bftenecben von Gott. . De)r 
Ted yerg^leiaht damit 4en eieernen Hing , 4len naeh ThciMin 
wtmu c 3t« die Katten trugen afe Symbol der Shlnirerei ^ «lidL 
idea Mftbdea, dieaelbo durch Erlegung etnea Freundea all. 
fttidM« Btno'entsprechendere yergteichm^ bietet eine a]tf*. 
^a Statto deiaelben SchrMt dea RAmiiaben Geechichtidiret. 
lleia dat , cap. 39 » in w^ldier ar von 'dem heiligen Hain dbr 
Auevlicban aemnontn aagt: Eat et alia lucp rererentin, miü» 
ttiai'Vii^äiio ligatoa Innreditur, ut minor et poteitaleornnaii» 
leia nrae aa ferena« Hiar besaieluiet d9e aymboKaehe Feaadl 
gerada^denaelbenA^riff der teile iAaen Abhftngigkait d«i Metf» 
nahen ton Gott» welche dae l^rt rellalo Ivon itgare) aiMk 
iatymoloeitdi aue^lüdEt» Keine ! andere firhllrung dea Bmm- 
thaiia*B«nM palet snr obigen. Erhliran^ dee Mytbue baikart 
Ä eben dieaeu • Glelpba. Bedeutung mit dam Ring bat 
Lygotfcrana; Von WIehtigkelt ist äer« dieaea Symbol ni^ 
IdoS mit dam Tat£' ala eine freiwillige gelinde Strafe sn nelfe. 
man, jondam beaondara muMf au basieben» daf* au^'^jp 
^Mbt bekrinnt am Altäre atanden , und eo dar Gottheit miai * 
Wviht wturdan. Oer Opferkmaa lat ebenfblla ein Symbol 9m . 
^Iigi54eft Abhingigkeity nnd fitlr FroaMthana deawegen rtm* 
Mherer Sedentung , weit der iMytbue eeina .'TeraOndlgung 
gegen 2Seua nicht Moi irom Fetierraub , sondifm ancb rom 
«^^betrug berlaitet. 1^io dae betiflgliaba Opfer die Ntch»» 
oa<irkennune der religiöaen Abhängigkeit aoadrfLckt» ao gibt 
Kmi der mit dem Upfailuana nmwunMia Frometheua e&i 
2aiiBaile'yott der Anerkaoming deraelben» und wir eefaen auch 
in «Beaamap natiltliaheii JSeeailiidMobang einen Beweis dafiAr, 
4als die Sage ron dem Opüwbetrng 'des Aromedmie dem ahett 
Mythna gawiOi nicht so fremdaMg Ist/ wie der Yerf« mtdA€. 
*Aber att(£ die gaoae Artend Weise,' • wie. scho» im Geftaaab* 



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tm Fi«ai«A%iM di# Aiiflflfung des grofien Schicktfllskootan» 
aagekandi^t wird, ftebt b«i unterer Ansicht des Mythus mit 
der Hauptidee deitelben weit mehr in einem inneren organi« 
sehen Zusammenhang , als der Verf. nach der seinigen anneb* 
men kann» Die hierher gebdrigeii Momente sind: 1« Die 
d^xn Zeus drohende Gefahr 9 durch einen mächttgeren 5ohn, 
gleich üranos und Kronosy von dem Throne der Herrschaft 
gestürst SU werden, wofern nicht Prometheus sich unter» 
wirft, und in Folge seiner Unterwerfung geneigt wird^ das 
Unheil drohende Oeheimoifs su olFenbaren. 2* Der Heros* 
Achilleus, welcher aus der schicksaisvoUed Ehe entspringt. 

Der unsterbliche Chiron, der statt des Prometheus unt^' 
die Erd« geht. Alle diese Momente, die nach der Ansicht 
des Verf. i<n Grunde nur zur poetischisn Ausscbmtickung die* 
nen, erhalten nach der obigen Erklärung einen für das Gsnse 
so bedeutenden Sinn, daft wir in ihnen unmöglich bloi eine 
zufällige Verbindung von Sagen annehmen können. Stellt der 
Mytbua von Prometheus Oberhaupt die Autgleichung des 
sinnlichen und religiösen Bewufstseyns dar, so mOssen wir 
in den angegebenen Momenten die eben so wahre alt einfach«- 
' philosophische Idee erkennen, dafs jene Vereinigung des 
menschlich« sionlichen und göttlichen in der Einheit des Be- 
wufstseyns dann erst wahrhaft zu Stande kommen kann, wenn 
der Menich das Göttliche , das er ur:>prünglich nur als eine 
fi^mdartige tyrannische Macht sich gegenüber stellt«, der 
Einheit des Bewafstteyns so einverleibt, dafs es einen we* 
sentlichen Bestandtheil seiner eigenen Natur eben so aus* 
macht, wie in der Perton des Heros di» menschliche Natur 
mit der göttlichen vereinigt ist. Der wahre Begriff der Gott* 
beit geht in dem Menschen dann erst auf, wenn in ihm der 
Begrilf der die Natur und die Menschenwelt nach ethischen 
Gesetzen regierenden Gottheit erwacht , der ethische Begriif 
der Gottheit aber hängt- mit dem Begriif des Heroischen , ver« 
möge dessen der Mensch das Göttliche eben so in sich als 
aufser sich setzt, aufs engste zusammen. Denn erst, wenn 
das Heroische als die Vermittlung des rein menschlichen und . 
ohjectiv göttlichen gesetzt ist, ist der Begriff von Naturgöt- 
tern entfernt, von welchen nach dem Naturgesetz des Ent- * 
atehens lind Vergehens jeder folgende Gott als der stfirkere 
Sohn seinen Vater stürzt. Die Idee de» Absoluten ist mit 
der Gottheit verbunden , was der Mythus von Prometbeut» 
dadurch ausdrückt, dafs, nachdem die schicksalsvolle Ehe dts 
Gottes mit der Göttin die Verbindung eines Menschen mit 
eio«r Göttin geworden ist, Zetu kein« weitere Geiahr droht. 



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-f ' . .. ' - 

rbti dem Throne d«f Herrschaft gestikxt zu wierdön. So b«u: 
ginnt mit Aebiileus , der auch in anderer Hinsicht durch die^ 
Bedeutung seines Nanrvens und als dei Sohn des Peleus und der 
ThetiA) der Erde und des Wassers, der ideale Urmensch ist, 
eine neue ^Vehordnung , die eigentliche Menschen Welt folgt 
als neue Schöpfung auf den Titanischen Kampf der Natur« 
elemehte. In demselben Sinn wie Achilleus greift auch der 
Heros Herakles als Befreier des Prometheus in die Katastrophe 
dieser bedeutungsvollen mythischen Geschichte ein. Den 
Gbiroh, dessen Antheil an diir' Auflösung der Fromethee, wie- 
der Verf. S. 263. Vermuthet, nicht erst der Promethee ange. 
hört, töndern dem Lemnischen Heili^thum , nehmen wir gans 
im Of?gensat3 gegen Achilleus. Wir sind mit dem Verf. 
(S. 265.) überzeugt , „dafs in einer so speculativen , tief ge- 
oachten Fabel, Wre diese Prometheische i%t, auch Chiron 
einen bestimmten und für das Ganze sehr wichtigen Sinn ge- 
habt baben mufs", und finden auch die Erklärung ganz ge- 
nügend (S. 267.), -daftf Chiron das Sinnbild halbthierischer, 
rohsin'nlicher Natilr ist. Wenn aber sodann der Verf. das 
Verhältnifs des Chiron zu Prometheus so bestimmt, Prome- 
tftfeus sey das göttliche Vorbild der Geweiheten , Chiron gehe 
als Sinnbild der Uneingeweiheten , des nicht vollkoaimenen. 
und ächten Theils der Menschen^ in das Reich der Schatten,» 
als ein Gegenstück der Danaiden, so möchten wir dabür liebeif 
Folgen des «agen : Chiron gehört, wie Prometheus, zu deiu 
Selben Classe von Wesen , in welchen die göttliche Natur« 
kraft (weswegen beide unsterblich sind) noch titanisch - ge- 
setzlos wirkt. Es sind wilde ungemäfsigte Producte., aus 
welchen erst das wahrhaft kosmische und menschliche hervar- 
gehen mufs. Was niin in dem Titanen Prometheu« der Ver- 
edlung und Erhebung zum wahren Menschencharakter fällig 
ist, kommt in dem Heros Achilleus zar Erscheinung, dem 
seiner Abhängigkeit von Gott sich J)ewufsten , aber das Gött- 
liche in sich seJl)st darstellenden Menschen, mit welchem der 
Kampf des Prometheus und Zeus sein Ende erreicht. Was 
aber die Titanen «Natur rein Titanisches, des ethisch -gött- 
lichen Unempfängliches in sich hat, ist als Ausscheidung vom 
besseren Theile in dem freivvilli*^ sterbenden Chiron darge» 
stellt. Er hat sich stlhst übeilebt, und mufs absterben, 
nachdem das Vollkommneie seiner Entwick^lung bereits ent* 
gegengereift ist. So lösen sich also die Elemente, die Pro- 
metheus in sich trügt , das Edlere und Ünedlere, das Halb- 
raenschlicbe und Menschlich -Göttliche in Achilleus und Chi. 
von aujt^ ^Dal's Chiron sonst » wa ef nicht gerade in diese^a 



Welckef) die AeiclijrUsi'iitf 'iiilo|(i« Prgiueiiieui« 7 19 

jrtttA*A'^nbang (!ef Begriffe vorkommt, einen mehr dem Pro« 
. ihetheLis Übnliclren Charakter hiit , Inlst sich, wie wir gegen 
den Ver£. S. 265. noch bemerken zu müssen glauben, aus der 
auch' hier* nicht lii v6rg«u«hden VerwandUcbai't mit Frome« 
tbetii erkläreti. " * • 

" Der Veif. glaubt zur Rechtfertigung teiner Ansicht tol« 
eben gegenüber, welchen die Anerkennung einer Idee, »u» 
ihsd einer eigentlich philosophischen , in dem alten Mythus 
«i^e z\i grofse Anforderung an die M/enschen. Vernunft su 
- #eyn scheint, die Bemerkung hinzufügen Sil müssen S. 68: 
JVSTenn Sj^mholik eines solchen Inhalts wW im Fromethetit 
her dem Attischen Tragiker befremden kann, auch deo , wel« 
eher den eben to tiefsin/iigen als klaren Geist die««« Herot 
iBngst angestaunt hätte, so lie^t in der älteren Griachi« 
sehen Religion nicht wenig 'v«rbo>|jln , wodurch dies« Elb . 
' «chfinung erklärlicher wird** u. a. w. Wir ,kAupen nißkt^vmm 
lllnV; ä^eae Worte des Verf. auch für unsere Ansicht gi;{ten4 
sa mii'rftöQ'f und bierin überhaupt demselben vollkomm^-n bei« 
sustimmen. Ist der Mythus nur das vage Spiel der £inbii- 
du'i^gskrafc mit bedeutungslosen Bildern, danO l9hiit,et tsch 
in der That nicb(f. ^^^'f, Scbfirisinn Xjelttbrjamkeii mm tim, 
Sfolches Gewirre zu verschwenden; steht aber die Voraas* 
«etjnfng fest, da fs der Mytbu« eine l^ßß in sich schliefst» danO^ 
erili sich auch ,Vwofern ytfjLt nur dfun natürlichen Zusammen«; 
BanVder alten Sage folgen, die WUiui erkannte Idee fessellos, 
aus ihrel* UmhüJiung jierausbewegen. Man glaube doch nicht^ 
dalU das, wdft uns allerdings in der Sprache der. AbstraCtM^: 
tind Reflexion oft seltsam genug klingt , dem Uareo und • 
türlich gebunden Sioi^t. des älteren Geschlechtes so finrne liuf«. 
VVairttm soll-, was man in der Kunst längst anerkennen mufr. ; 
te'i ni<;hf: auch dem Mythus zu.^Sfiatten komoien? Wie io. 
jeni^ d«fr göttlich schatfende Genius ^ dem. gemeinen Bfwulal*. . 
ee.yn unerreichbar, oft viele Jahrhunderte der Verstandet^ 
"Rttüfixion voraus^ilti die sich von den,Griinden dcs,Ver£abreoe> 
Kecbeiisobafit geben will, so denken wir uns auf eipa a^alogfi 
Weise auch in dem Mythus, als. dem Itrzeugnifa einer der 
Natoir näher stehenden Menschheit) eine Philosophie ohjecti* . 
Virt , fferen seibat achod dem classischen Alterthum, pft vielfach; - 
verhüllten. Sinn, zu ^econalniiren , die Aufgabe der nachfoJgaB« 
den Reflexton ist.« . . , ••. v » 

Wir bedauern , da wir den engen Bjsum dieser filiUl^r 
auch ao schon vielleicht au iMhr ili Anspruch genommen hal - 
ben, auf die beeiden andern gröfseren Abhandlungen: (Jeher 
die JUemnische Kabiren« Weihe und den Zutamnienhaiyg der 



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AMdiyrisclM Tryogi« llberluiupt, S^ ßg? SH^»»!^. 
g|i4ur Mukticbt fiehmo an kttooen« üutert ii«i|tinnfjbi|^ 

w«Ich^ der T«r&t ^f'^J^^'^^'V^^y^^ 
jtinielnen gezeigt bat , die'Tnlbgie iKl'aAgemeuMQ CMr|ukt«i^ 
der AMcbylttclMii CompotitioR durcb eioe^febr ediarmnnig 
«hircbgefabiile £iducfioii nacbweitt » gewftbrt ein fitlr die BfN 
urthmluiig 4er AeecKiylitcben Kunetwörke und des £nt#idB»i| 

äyngsgan^ea der draiiu|tlecben Poeiile der Grlfi^en'llBerbaupt 
idcbft$ wicbtiget Reiiultat.' .Mdge dem bald vergönptteyn^ 
die Verscbiedenen im Laufe der gegen wlrtigenOuteraucbungen 
MgeltUidigtenScbnfttti eioemeokbeii WcTke folgen s« Ji^^^i^l 

. ' Fl» 1 B e » r,- . . 

f • .• i. ••».*»'' ' - ■ 

' Der Vf. dieser Scbrift berfibrt suTÖrderat jcHeftecfatAg^^M^il 
#e!cbe der GaJti|{kettiIe« bekannten Rdmbilde^ A«ceiaea «nt^! 
^egeugeaec^ frerdeif kd^nen« und gebt dänu surUnteraudiang. 
Snd DatiteHuttg dciä #nbren Inbalu und Sinnea de» in dietvö-^ 
tbetiebe Succeaaionse&be einicblagenden Stelle dienee Raeeaaei'f 
ffber. * Die vollitflndi|e Zergliederung und ErlSiiteruiig di'eter' 
Stelle' giebt der Schrift einen beio'ndmn WeHb« Der Vf* g^ 
langt eu folgenden Resultaten : f. Vermöge der UtereA I(|Uii* ' 

Setetse bestand indem HerzogU GeaafntbauaeSaebaen die 6^** , 
u a ) er bfo Ige. f.- Bei den Rö m bi Ider Gonferensen war et zWat ' 
die Absiebt der unterbandelnden Tbetle, daCs die Linealfolge 
fir aHe kflnittge Succeasionsfölle in dem Gdtbaiacbeii 6e«auit- 
lüRse* aneenomiDen und- als Hausstatut ^stgesetac werden 
eollte* % Daeaea Statut ist jedocb wirklieb nicbt erricbtet, 
worden, eondern der Admbilder Receia läftt vielmebr Alles. 
Beim Alten, tndens er in aeinem dispoaiCiTen Tbeile nur 
dinige Special vertrSgef mit einer Protestation gegen eine jede. 
Ausdebnung dieser Vertrage, entbftlt, diebestitigten VertrSge 
aber (wenn sie aucb der LinealsüccessiOn das Wort aprecben 
sollten) sSmtlicb von der Speciallinie S. Gotba mit einer der 
drei Obrigen Linien ^escblossen und folglich mit dem erfol|^teii 

• AuMlefbeii jenes Ltnio crloichen aiod« • 

« • 



-* 

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N. 46. 1836. 

» • • • 

t-.ri ».r.f : £1 # ir d i ii. e Ir g e r. ' 

I^lbxbüchev der Literatur. 




• *Bow§oi9 jimtÖHio Cümd$M Madrid iMiO y Tm* h 
it ' mkXJpy* Av. «SS. r«im lA Fag. 46i. Tarn. iU PnXML 



t«i fba vsd£icli«n hutoriacb«!! Bemfttittngeit in unitr«; 
WiAt InI mm» a^cb ^ie Getebiclite d«r Miurtn fn ^«ii«n »lebt 
■ntih^MäH f»iMMn^ wtlebM ndi io «dtbigcr war» wati wiif 
< i a a a lb < ni »aiia UnJeenntirif« dar aablraiaben Arabitciiea ^ucü« 
aebrtfMaUar tbaila unvolUboaMnan und mangaftbaft, tbails nacb 
dan iriadm Baricbfean ebrlattiftbar GhroftiKMbräihar antatollt 
laaan« - C a rtwima , Ottar o» A. tastaa ditrcli Ibra Warb« daa 
Sciidiuni*iMi| dia Qascbicbte dar laauran aus das Arabiiebatt 
Sobrtftitaflam au geben« Dar EoglftnJtar Mtirpby mid 4ae 
' Spaniar Maadau gingtfn nocb walear : na hanutstaa dia aalil» 
rtMa» Ai«biacfa«^ Slaituf cripta« «ralcba Gaairi in dar Biblio« 
tMK dm BiBQHal atifilto» .Ungaaebjfcat aia mit «raraar Ga» 
l«bTMMe& ibr^Warkä anabtiilatiSaii #u«b«ait| lo febh ibnaft 
dflab'dat Inatoriaaba.Tae^» dta ^bdrige ^aba^cbt dai Gau» 
•an', aina geaaue Kaafttnifa dar Gaachicbf dar mit dan Ära* 
Ibaro iaBarfibrinig kommandan VölAari tmd #aa dia Haiipl» 
aaoha iaf^ .aa iBitIC4biiaii.<tte)aniga Kritik » aralcba.aotbwandig 
iaj^^ ^ Bilcbari worin gafdilcbtUabaDaiatallungen dbna fflaa 
«oo Ordnung g^g^*" aittd*!- behUtaan und aWcokmlffig au^ 
siaban au kArnian, . AUa.di#ia< Fabtar aalnar Vörgüngec var^ 
•fwfcn €o>ada au TarmaidaH; ob'.aa ihm gala«gaa ist« daron 
wardan wir nntan spracban. 

Bia ITSarrada- apridbt dbardia baba H^tldaaba Bildung 
a|ar Mattren in Spanien in Varalaicb mit dan .fibrigan Buropa « 
vSA-^i^t^f dafs aina vq^lndiaa Gascbidfta dfeSar Nation 
laiaht mcfa- ^ristiicban GUrbnikaeEreibarn« wcnron der £rau 
Jfladbof S^odfeigo von 't^lado durch seine Gesobicbte dar Ara^» 
lMie-}«Mirvdbr .arata Stelia einVliilimt) gegeben werden kdnna; 
audK«tlili£> MB^-ainaaitigen Acsfbtaaben Baricbten, wie Gat* 

Tax. Jahrg. 6. Heft. . ' 46 




i. » *' Don J« A* Cond« Hutotia de loi Arabct« ' * • 

- ■ t i : • 

denae tbat, oder nach, den von Catiri gegeb«|ieQ biftoriscben 
Fragtnenteii AMbisfib^r iScbrlftstellar » Urotnadh Murphy und 
Maadefi ihr« Werke, auiarbeiteten ; da Bnxcbstflcke die Ge» 
•ofaicbte off me^r verwirrtei^ als efbellten, und man^urcb de|p- 
Scbein gar zu leicbt in die Iffe geführt ':vferdeii^^ni4i 
sondern 9 um eine vollständige Geschichte der Mauren. bu Ue- 
£erp,9 mOsse man 'ihre ganiMp biatoriscben Werkcj die noch 
vOtfamiden-irind 9 studiren und mit einander vergleichen. £rA 
solches mühsames Studium^ das den Terfasser gewifs Jahre 
lang beschAftigte, setate* iirn in :den Stand, Nen^s und Veauk 
liessertcs- SAfc geben« und gereicbt demBuche.su gro£s«r Em« 
pfebluii^ ; daÜs er aber die benutzten Schriftsteller nur im 
'Allgemetnan in der Vorrede, höchst selten im Buche, bei den 
einzelnen Stellen erwShnt, wo neue Bebaoptungeii und von 
der bisher bekannten Geschichte abweichende- Erzählungen 
gegeben sind» möchte ihm bei dem grolsen Lesepubltcnm nicht 
schaden , bei dem« GescbiebCjoindigeill aber viel, da man nicht 
Lehii^t ist» sich.auf Gonde.*s Auctorität » ganz eu verlassen. 
Dieser Umstand setzt den 'historischen Werth. des Buebt sehr 
herab ; nicht minder der Grundsatz, der fast durch das ganze 
Buch, jedoch nicht mit aller GoQSequenz , am wenigsten im 
letzten Tbeil, ausgefilhxt ist» so au erzählen, dafs man glau*. 
ben solltef| einen Araber "VOr eich .zu haben. Dieses gehört 
ifcii derselben Tborheit, wie die- vieler unsrer jetzigen Maler» 
die, wenn- sie. vielleicht auch Anlagen zu etwas Höherem i<i 
der Kunst hittten, sich als Ideal die altde^scb^ Schule vor* ' 
setzen» mit ihren Vorzügen und Fehlern » und die letzteren 
fest mehr'nadizuaiimvii swcbeni uls die. ersteren# Um aieb in 
«lem fremden Gewände ganz einheimisch zu bewegen 9 muüste 
Conde die Aft der Araber, sich' aassudrdcken, so vi«! aU 
möglich annehmen y moTste. Uobekanntschaft mit der . Ge* 
schichte cbristlifiber Völker faeucbetn« mulste lange Erzählun- 
gen durch BoVta wiederholen lassen, muÜste die Prose aogar 
mit Versen'i» Arabischem Metrum üntermifchen, .undmuiste 
-eine Menge Arabtsdier Benennangen von Würden und. Aeoa«. 
tern und Sachen beibab^ten,« die gewifs den meisten* Leaem 
unverständlich sind, ' 

, Das ganz^ Werh zeiißlRt in vier Theile, wovon der erste 
.Band die J>i«iden ersten Tfaetle umfülst, nämlich erstens diie 
•Geschichte der Eroberung Spaniens durch die Araber und der 
Statthrilter , die von den CoHfen. dahin geschickt Warden ; and 
dann die Errichtung der Ommajadiindynastia auf der Fyrenäi^ 
»eben Halbinsel bis su ihrer Auflösung. Die beiden folgen- 
den liäiide» welche -die Geschichte der AJmoiaviden^ und AI» 

» 




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DoQ J. A. CMd« HiHoiU d« Jof Arato. 793 

ihadenbmtcbaft, und die def Königreichs Grtnad« bU au 
mniim Sti}tz9 enthalUn;' baoen nadi d«!' vom HerauagsbAr 
cematslitan Anzeige nicht; d^e leUte Feil« dea Vatiaaiera b«> 
liljy^n , da ihn Jeider ein* frOber Tod aehtta Valrrlande 
«Ifrfft^ Wfdchea an aokihen gelehrten MSanern nldit allsa 
reich is(. 

Um die obeti ausgesprochenen Urtbeile Ober die Fehler 

* dea Buches SU hegrpnden , und sügl«icb seine Verdienst« dar« 
susteUeh; 'ist nothwendi*g| etw^s genauer in daa Werk 

. ^Augeben* * 

)der erste 'Tbeili welcher die Ceschichte der Maoren bis 
sur 0ribidung der Onimajaclanhirrscbaft in Spanien umlüst^ 
jst wte dte eanse Werk In'vi'eje, «len^ficb kurse Capitel ab* 

^^etheflt, m»durch die Geschiclite aüfierordentlicb aertplittert 
lind die^ebersjcht Ober das'G'anKe erschwert wird , wenn sie 
ii%ht fast ßans verloren gebt« Anstatt der vlersig Gapitel, 

~ worin 'dieser Theil aufgelöst ist wSren einige Abschnitte 
hinreichend gewesen , und hätten den Leser gleich mehr in 

*d[ie' Sadhe selbst eingefohrt. Als Einleitung wflre die Ge* 
^äKicbte der' l&roberung Nordafrtka's gegeben worden (von 

"Cap. 1 6.) ; ersten Abscb jiitt bildeten die Eroberungen 
TarlkV; Musa's und Abdelaai&*a (von Cap. 8 19.); aen 
^yv^iten die Züge der M%|irtschen Statthalter über die Pyre» 

' i)ien ufirf gegen'uie Christen irt den nördlichen Gebirgen Spa- 
mens ; itip dritten die innere Geschichte dea Landes, und die 
Kriej^e der 'AraliArben Häuptlinge unter einander« 

Aei *iä Er^jrtitung der Eroberung Nordai)riha*s durch dio 
J^raber gf/)t Cönde manChes Neue und Interessante« was 
we9er CSrdonne (Hist, de 1'Afrtque et de l'Espagne sooa ]• 
ao'm/natiön deS; Ai:abes), noch Otter (in der Histoire de TAca^ 
demle des Ihscri^ttiöns T. XXI.) aus No vairi mittheilen kono» 
ten; ddcii Ü&tte er nicht gans die Griechen, Tfaeophanes in 

* dWr Chronögraphle , den Anastasius und den Nicephorus Ober« 
Sehensellen. Auch das Kitab Aldjuman in den Noticeset Extralta 

If, gibt ftlier mehreres nSberen AuTsChturi« > Brl dem 
Üeb'ergang Tarifs nach ^Spanien verwirft Co n d e mit Recht, 
die Geschichte ijer Cava, deren Wahrheit schon Gibbon be* 
zweifelt , als ejne'iyrauViscde' Dichtung : p. 25. not. Los nom* 
Ijres de Ja CaW, de su dontella AJifa, y toda la seri^ de este 
cuento descubre'mie fae ficcion morisca^ fundada en las habliU 
]q« Y canci Ohes vulgares qüe corrian entre Moros y Cristianos. 
(Die Namen Cava and ihrer Qieherin Alifa« und der' gan.ae 
Verlauf dieser Erzllbhing zeigen , dafs 'sie eine Arabische 
tKcfatung ist, die sich auf il^nter Mauren und Christen um- 



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laufende Volksmäbrchen und Lieder gründet.) Die ältesten 
christlichen' Denkmale ti\r diese Zeit, die Chroniken von Isi- 
dorus Tacensis, von Don Alfonsus Magnus und von Albayda, 
erwähnen der Cava nicht; was Feireras in der Spanischen Ge- 
schichte versuclit hat, um die Wahrheit d«r Geschichte zu ver* 
•thffidigen, lälst sich leicht widerlegen. 

Die Schlacht an der Guadalete oder hei Xeros de la Fron- 
tera beschreibt der Verf. sehr ausführlich, allein ganz falsch 
ist die Angabe , dals Tarik mit eigener Hand den VVestgothen- 
,kdnig Rodrigo niedergestofsen babe : cap. X. pag. 32. (Tarili) 
Conveiendo ol Key Ruderic por sus iiuignias y raballo le aco- 
meu6 y le paso de una lanzada, y el triste Ruderic cayo mu- 
erto. Selbst die Arabischen Berichte bei Cardonne und Mur- 
phy (History of the Mahometan empire in Spain pag. 62.) 
stimmen damit nicht überein, sondern sagen, dafs Kodrigo's 
Todesart unbekannt wäiej wabischeiiilich sey er im Flufs er- 
trunken. Damit im Einklang sagt das Cbronicon AlFonsi 
Magni : de Rudericu vero rege nuili cognita manet causa in- 
teritus ejus. So auch Lucas Tudensis im Cbronicon Mundi 
und der Erzbischof Rodrigo von l'oledo de rebus Hisp. L. II. 
c. 20 9 obwohl der letztere c. 22. sich widerspricht und sagt : 
Rodericus a Juliano, ut creditur, interfäctus est. 

Dafs Musa oder Tarik schon über die Pyrenäen g'^gangen 
sey und Eroberungen in Südfrankreich gemacht habt, ist 
höchst unwahrscheinlich. Diesen wenig glaubwürdigen Be- 
richt Novairi's hätte Conde nicht so leicht aufnehmen sollen. 
Murphy geht noch weiter : er läfst den Eroberer Spaniens bis 
an die Rhune vordringen. Der erste Arabische Feldlierr aber, 
welcher Mohamedaner über die Pyrenäen führte, war der krie- 
gerische und grausame Statthalter Aihaur (Alahor). 

Den grolsen Zug Abderrahmans nach Frankreich und die 
blutige Schlacht bei Tours erzählt Conde Cap. 25. zum 
Theii ausführlicher als Andere, in mancher Hinsicht aber auch 
unvollständig, besonders da er der Eroberungen der Städte 
an der Rhone nicht erwähnt; auf die Berichte der Fränkischen 
Annalenschreiber und des Paul Warnefrid ^in der Longobar- 
dischen Geschichte L. VI. c. 46. p. 921. ed. Grot.) ist vi^enig 
oder keine Rücksicht genommen ; daher wird auch nicht ein- 
mal die Anzahl der Gebliebenen angegeben : Paul Warnefrid 
spricht von 375,000 Todttn auf Saracenischer Seite; wahr- 
scheinlich ist diese Angabe übertrieben. Mit Unrecht setzt 
Conde die Schlacht in das Jahr 733 , auch Mariana in der 
Spanischen Geschichte irrt, wenn er auf des Isidorus Tacensis 
Ajuctoritäc bauend 9 das Jahr 734 angibt« Schon die Uiatoire 

* 



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Don X CtfBde BltfiotM a« l«t Ariboi« 725 

■ 

dtLanguedoc T. I. Not/LXXXIV. pag. 694. bat dargttban, 
ibli 732 alt das richtige Jabr ftiteunehmen itt. 

Tiel lieaier aIi di« Zoge nach Frankreich und die Kri«g« 
mit den'Chrtaten in den Nordgebirgen Spaniern , tat der innere 
unruhige Zuatand dea Lalhdcft ieit Abderrahmans Tode darge- 
atellt; wie ea dem strengen und krSftigen Statthalter Okba 
(Aucupa nevfntman ihn sonat) gelang, die durch die feindlichen 
j'artheien erregten Unruhen su dämpfen, und Spaniens innere 
Verwaltung und Einrichtntig mehr zu ordnen und festKuste]« 
)en, wie doch nach seinem Tode (741 •) »ich die Häuptlinge 
wieder feindlich gegen einander über stehen, und wie mitdem 
Sturz der Ommajaden im Orient auf der Pyrenfiiachen Halb* 
insel Yuasuf el Fehri sich unabhängig macht. 

Der zweite Theil (von pag. 14/ — 635.), welcher die 
Blüthe der Maurischen Herrschaft, die Dynastie der Ommaja- 
den uiiildfst, ist leider ebenfalls in eine Menge Capitel , hun- 
dert und siebenzelin an der Zahl, zerstückelt. In keinen 
Theil der Maurischen Geschichte ist so viele Einheit und Ue- 
Jjersicht über das Ganze zu br ingen , als in diesen, und doch 
bat Conde gerade hier am meisten dagegen gefehlt. Die Ge- 
schichte soll nicht eine Masse von Einzelhelten aufstellen, 
sondern aus diesen heraus die Entwicklung des Staatslehens 
durchführen. Bei der Ommajadenherrschaft in Spanien kann 
diese gut nachgewiesen werden, und sie wird gewifs mehr 
in die Sache einführen, als eine Mi uge fragmentarischer Ah- 
achiiitte. Nach seiner Ansicht würcie lief, die Geschichte be- 
sagter Dynastie nach ihrem Steigen und Fallen so eintheilen: 

£rater Abschnitt : Gründaus und Befeatigung der Ommajaden« 

berrschaft in Spanien darcb Abderrabman I, 
Zweiter Abschnitt; Unruhige, aber kräftige Regiarung^en der 

Califen Hescham I, Hftkem I und Ahderrahman I. 
Dritter Abschnitt: Gefahren deaCalifats unter mehr gelehrten 

ala kriegerischen Regenten bis auf Abdallah'a Tod. 
Vierter Abschnitt: Abderrahman's lU. und Hakem'e If. Zeit 

* oder Culmination der- Ommajadenherrschaft* 
FAn£ter Abicbnitt : Innerer Verfall und Glans gegen aiiCien 

unter dem Hadschik Alntansor. 
5ecb#ter Abschnitt : Bürgerkriege und Auflöaung der Moha« 

medaniacben Herrschaft in Spanien in menrere kleine 
. Aeiche. 

Die Geschichte Abderrahman's I. ist in den vier und zwan- 
zig ersten Capiteln onthalten. Die Abentheuer desselben auf 
seinen Wanderungen, um den Verfolgungen der Al»I)assiden 



726 Don Jm A* Coode Historir de \o$ Arabet, 

• . ■ • . ■ ^ ' ! . ; 

«u entgehen« stn4 Aasfiahrllch und sclidn ereSbltf nicht min- 
der ^ut undf^nziebend sind a«iiiefiie<Kfiitig zur Gründung.eines 
Celitot» in Spanien« «eine Kriege mit Yuestif, die iinglück- 
li^ben Verf uche de« ^^bassiden A.ln*At lur, Spanien wieder zu 
eroliernf und ile verscbiedenen .AuUtSnde'im Land« darge» 
Üt^llt-i .fo .daf« bieif. jPonde's Verdieiiste i^m di^9. Maüriscbe 
Geacbicbte sehr, zu erbebep . find* . . ^ll^in diese finden jiur 
•tatts wo innere. ,Ä"g^i^g^pb«iteii bejtriEFe; denn sobaI4 
•uiy^Srtige Kriege g^gt^>> die Christen ^rz^blc werden , ist er 
elu>l>linder f mit der eui opüiscbpn V|ql|ce.rges£hicbte jener Zeit 
uob^|^a^1nter Mobamedane^, , D^sn .wichtigen Krieg mit Karl 
deui Grofsen, wobei Abderr^mau fast , den ganzen X>Bnder» 
stricL VQn den Pyrenäen bis z,u dfim,BhfQ einbüXste 9, ^fertigt 
er luit kiir^n Worteq ab; Capitulo !k^. pag. 20>* „()boa Crkm 
'stianos de Afranc) tomaron animo« y.con grendes huesces en» 
traron en tierras de J^spana talando, y ^stiag3ndQ..].os campos^ 
incendiando Jos p^jeblo^ y cautiyando Jas gentes: lleg^ron com 
aus iilgar^s basta Z^rQgoza^ pei p los WuKes de Wesca^ de 
Lerida y de las otras iVonteras fuerion contra ellos, y Iqs iFen> 
ciergn- y oMigaroh a pdsar los i^^ontes^ y t'uvieron quh dejar 
U.presa y despoj os per la Tuelta., (X)ie Christen, vom ,Fran* 
kenreich, . wieder ermuthigt , Helen ^lit zahlreichen Truppen 
in Spanien ei|i, verbreitetcin JÄaub., Mord, Brand und Ver«. 
be^rung über Felder und O^rter*« und führten* viefe Gefangene 
davon. Ihre Kelterei kam auf ihren ^treifzilgjsn |)is nach Za* 
ragoza. Allein, die Statthalter von Hu^ka, Herda und endern 
Grenzorten zogen g^^gen aie,' schlugen und nothigten aie, 
wieder Ober die-Berge zu gehen tind die gemachte Seilte Su* 
rtlck zci lassen.). Dieser falsche Bericht von Karls ers>i»n £r- 
oberuneen in Spanien rtiOchte denrVeifas^er noch tu v«?r«*Hleff 
seyn, da er im Text die' Rolle 'efif^'Arat»ischen Autors spieltj^ 
allein in der Note Zu 'dieser Stelle, 'wo er sich als Spahlicber 
Gelehrter des neunzehnten Jahrhunderts zu zeigen' hat , be- 
liebt er einen Irrthum, weither ihnrl w'etfiger zu vergeBen ist. 
Hier sagt er nSmlicb': Esta fiie lä ilin<oSa batalla de Abtices« 
valles, . Bekanntlich war der Zug Karls (im J, 778.) «bet- diö 
FyrenSen Oberaus glflcklich , er diting' bis an den El>^o'i' und 
die Mohamedanischen ätidte^ wöbih ^r dre von Abäe^rahmau 
vertriebenen Statthalter wieder zoHldtgefafart hatte-, erkann- 
ten ihn al.s Oberherrn an. Nach Barcello na aber ward eiii frän» 
kiscjber Statthalter geatzt. .Von diete«i'^llen, was, wenn 
auch nidit aua den Ai-abem, doch au« den fränkischen Annalen 
bekannt ist, sagt Cond« kein Wcr^. Was aber die Nieder- 
lage des frankischen^He^res in den Engpässen von UoncesvalJes 



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J^. Ai Cosa« HiitoiU de loi Arabei. 



727 



iMtrtffti ao ^wareii die Mauren ganz umebuldig daran. Di« 
ftefen , ' wedeT von den Franken noch von den Moliamedanern 
uiiterjocbten Gebirgabewohner, die Baaken, dui^ die reiche 
Beute an«^eloekt, lauerten in den engen Passen'^und Sclilucli- 
ten dem üepätke auf; es fiel in ihre HAnde, obwohl dasselbe 
von den tapfersten Franken begleitet wurde, da aie durdi ihre 
leichte Bewaffnung und ihre gewandten Bewegungen den 
achwergferüsteten Franken in den engen lind oft onwegtaroen 
GeLirgspUsstrn von Konceavalles weit überlfgen waren. Hier 
fiel auch der viel besungene Roland. Für diese Gewaltthat 
der Basken, die Kail in ihren Bergklüf ten . nicht besiraiWn 
konnte, hülste der Herzog Lupua von Gascogne, denderFran* 
keiikdnig aufhängen liefs 

H escham I, Ahd'erahman's Sohn und Nachfolger, hatte 
gefährliche Kriege mit ieinen BrAdern zn (ühren. Diese er- 
zählt C o n d e Gap 25. und 26. tthr ausführlich ; auch die Ke« 
Lellion des Mohamedanischen Statthaltera in Catalonien^ WO 
Abderabman nach Karls Abzug bedeutende Eroberangen ge« 
macht hatte, werden umatflndlich berichtet, aber ea wir^ 
«icht erwähnt, in Welchem VerhSltnifa der aufrÜhrerisdM 
Stätthalter z\x Eiidwig von Aquitanien^ Karls des GrofiMi 
Sohn 9 stand, ' der ^inen verheerenden Zug über die Pyrenien 
itntertiahm , nnd mit niiebreren Statthaltern Verbindungen »A» 
knüpfte (vergl. Astronomus in vita Ludovici Fü). Doch war 
dieser Zug Ludv^igs' nuf als ein Streifsug anzusehen', da bald 
darauf von den Mohamedanern Barcellona wieder eingenonH 
in'ea Wurde^ und '«in grofses Heer unter Abdel Melek über die 
yyrenäen setsi)(» (79^0 1 Narbonne eroberte. Und erst den 
Blckzug antrat'/ als 'die Nachricht Von den Siegen Alphons 
des Keuschen, Königs von Asturien , ankam. Liavon wird 
zwar Gap.' 27* vnd 28. gesprochen, a'ber sehr unklar und ohne 
aHe Itücksicht aiif die christlichen Berictti'. 

'Bei Hakems I, Regierung (Cap. 30 — 38.) sind die Krie* 
ge» die dieser Gdl!f mit seinen aufrührerischen Oheimen au 
führen hatte ^ mit allen NebenumstSnd^n erzählt; ein wich* 
ti^r Umstand ist aber flbergangen; Abdallah, der eine vdn* 
den iieiden ObeiVnei^, die sich eiopOrVen, reiste nSidlteli nach 
Aa^b^n zu Karl dem Grofsen (796.)» und bat , ihm Holfe^ sU 
leisten, seinen ^^elEen Hakem vobn Throne zu stüraen. Karl, 
der Befestigring eeioer Macht in Spanien sucht«!', s.ag^c ihm' 
die Hülfe 2u, und schickte (797iu) seinen Sohn Ludwig mit 
einem Heere über die Pyrenäen, Abdallah wurde durch dielse 
gflnati^e Diversion in den Stand gesetzt i sich der Stadt Va« 
lencia su hemScbtigen; Um den abtrflnnigenMohämedanischen 



I 



729 Von J. A# Gonde HUtotia de W| Astim 

Statthalter Zade von Barcellona zu züchtigen, zog lilid^ig 
abermals (799) tibef die Pyrenäen , zerstörtei die Stadt LeridA 
und Ii eis das abgefallene Barcellona zwei Jahre lang belagern ^ 
bis er es im J. 801 eroberte; als .Statthalter setzte er den trän* 
kischen Grafen Bera ein. Ludwig drang bis an den Ausflufs 
des Ebro vor, wo er (804 oder 8O8) Tortosa eroberte. Je- 
doch hier fand das Glück der fränkischen Waffen seine Gränze, 
Hakem erschien mit einem furchtbaren Heere am Ebro, nahm 
Saragossa^ und bedrohete die ganze Spanische Mark (dlO). 
Aber die neuen Niederlagen, die seine Heere durch Alphons 
den Keuschen erlitten ♦ bewogen ihn mit Ludwig eine Waffen- 
ruhe %u schliefsen. Gegen das Jahr 821 knüpfte er mit dem 
Statthalter ßera Einverständnisse an ; als diese von Kaiser 
Ludwig entdeckt wurden, sollten die Feindseligkeiten wieder 
beginnen ) die Hakenis Tod nicht zum Auabruch kommen Hefa« 
Alle diese verschiedenen Beziehungen des Maurischen und 
Fränkischen Reiches zu einander^ die man in den fränkischen 
Annalen zerstreut angegeben findet, übergeht Conde, oder 
spricht nur undeutlich oder verworren davon. Auch die Ver- ^ 
•cbwörungy wodurch nach Ihn Kaiduo (bei Murphy p. 88.) 
der dem Vergnügen zu sehr ergebene und dem Volke durch 
neue Zollgesetze verhalste Calif vom Throne gestürzt, aber 
durch eine uiiichtige Parthei bald wieder darauf erhoben ward, 
erzählt der Vei f. nach seinen Berichten anders % ohne dafs er 
für seia^ abweichende |^i2ähiq,ng seine Gewährsmänner aa- 
gibt. Was in Ilake^ns Geschichte ferner eine weitere Aus- 
führung bedurft hätte, i$t die Einrichtung eines regejmäfsigen 
Militärwesens und einer stari^en Flotte im nuiteiländi$chen 
Meere, welche bald über Sardinien | Cpr^ikai Si^iUea U|i4 
Itldien Furcht und Schrecken verbreitete, 

Abderrabaxans H. laiige Hegieiung vom J. 822 — 852 ist 
«war von Cap. 38 — 47. sehr ausgeführt dargestellt, jedoch 
nicht erschöpfend. Nach den verschiedenen Schriftstellern 
wird über ihn, wie über die ganze Spanische Geschichte die- 
ser Zeit, also auch über Alpboo^ den Keuschen so viel Dun« 
lies uod Verworrenes berichtet, dafs e« schwer seyn mpchte^ 
Licht und Ordnung in diese widerspruchsvolle Geschichte zu 
bringen. Abderraooians Regierung ist mit Empörungen und 
Kriegen angefüllt. Zuerst rebejjir^e gegen ihn sein Grofs^ 
gheim Abdallah, der geschlagene llebeU zog seine Anhänger 
mit ins Unglück, die säuimtlich auswanderten, in zahlreichen 
Schaaren nach Aegypten kamen, Alexandria eroberten, und ' 
nachdem sie sich auch die Insel Greta unterworfen, die furcht- 
barsten Seeräuber .wurden. Conde set«t dieser Eroberung 



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iafi«*s-BOcb unter Hakem, unter des sen llegicrung nacli 
leendjgung des Aufstandet in Cordo va auch l»e de Utende 
Mwmndtrupgtn , besonder» nach Fea , stattfanden. Oh- 
Ota Abdembman auch einen Aiitstand in Merida und Tüle- 
welcb« letztere Stadt drei Jahre lang belagert wurde, zu 
vpUrdrOcken batte, so zeigte er doch «u gleicher Zeit gegen 
Wa.Flilnkiicbe und Spaniiche Heeresmucht , welche seine 
Jensen bedrobete , viele Energie. Wenn er auch nicht im- 
, SUNT glücklieb war (die Araher erxiJhlen fast nur von «einen 
5teg<^n» die Christen nur von seinen Niciderlagen) , so düng 
^ 4och eo weit in die feindlich en Länder vor, dals er einmal 
ljt0tt«/dat a^dereuial Pampeluna eroberte. Den harin.ickig- 
aten Jl^mpf batte er mit den NormÜnnern (von den Atahern 
BSagtOgen genannt) zw bestehen, d ie besonders die Gegend 
unXiatabon und Sevilla schrecklich he iniü'jchten, bis es end« 
Itcb dem Cajifen nach vieler Anstrengung gelang, sie auf ihre 
$|^i0e curack zu schlagen. Die Verbindung,.,, der Griechi- 
•Cben Kataer mit Cordova gegen die Ahbassiden in I^agdad 
•gibt .Con de genauer an als Murphy, auch d en Versuch , mit 
5?4Qer Sfatu-ifchen Flotte bei Marseille ein Heer ans Land zu 
Jessen, um die Franken in Gothien (d. i C atalonien und Sep« 
timaDten) Im Kücken anzuoreii'en , welche Sache," wie ihr' 
^iXalingeily auch die Annales Bertiniani erwähnen. Allein 
die Verbindung mit Italien wurde ganz mit Stillschweigen 
.übergangen. Nämlich, wie uns das Chronicon Siculum hei 
^uratori T. I. Pars 2. pag. 245- berichtet, wurde Messana 
den Spanischen Mohao»e»Ianern erobert , und nach Erchem« 
^beItus (in continuat. Paul Diacoii. cap. XVJI. bei Muratori 
T. 11. pag. 24j.y rief SigenuU (SiconulFus), der Herzog von 
Capua, welcher gegen den Herzog Kadelgis von Benevent und 
l)en mit ihm verbundenen EJrisiden aus Afrika Krieg führte, 
die Ommajaden aus Spanien au Hülfe. Abderrahman schickte 
eine FJotte, und erlangte mehrere Vortheile über Radelgis, 

Die Sehr durcli innere und äufsere Bewegungen getrübten 
Regierungen Mahomeds (vom J. 8i»2 — 886), Almondhir's 
(8Ö6 - 8Ö8), Abdallah's (888 — 912) sind von Cap. 47 — 
67. dargeitellt. Die vielen Unruhen im Inneren mögen ihren 
Grund in den drückenden Steuern und in der Neigung der 
Statthalter, sich unabhängig zu machen, gehabt haben. Durch 
die Fortschritte der christlichen Könige von Leon und Na- 
varra, und der Grafen in Rjicellona wurden die Mauren im- 
mar mehr in ihrer Herrschaft bedroht, und der Sturz dersel- 
ben wäre gewifs viel früher eri'olgt, hätte nicht eine lange, 
Jiläftige und glückliche liegier.ung dfm Reiche neue Festigkeit 



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■ 



730 Don J« A; Conde Histotia de los Arabes. 

trcEehen^ und wären nicht Spaniens christliche Fürsten unte^ 
Sich veriallen gewesen. 

Die glänzendste Periode in der Maurischen Geschichte 
Spaniens ist die Zeit Abderrahmans Iir, sowohl in Hinsicht 
der militärischen Gewalt und des inneren Reiclilhiuns , als der 
hohen Bildung und der BliUhe der Künste und VVissenschaftett. 
In den zwanzig Capitejn (von 67 — 870t worin Conde von 
der fünfzigjährigen Regierung dieses Califen handelt , ist sehr 
wenig Ordnung und noch weniger historischer Tact ; fastf 
chronikartig sind neben deii wichtigsten Begel)enheiten die 
Sterbejahre und Tage einzelner Mohainedaner , Dürre, Theu- 
rung, Anekdoten, Naturerscheinungen u. s, vv. autgezählt,' 
so dafs die eigentlichen Facta der Gt^schiclite unter dem Hau- 
fen aufserwesentlicber Dinge verschüttet sind , oder denselben 
weichen mufsten» und daher mit Stillschweigen übergangen 
wurden. Was noch die beste und genaueste Darstellung in 
diesem Abschnitte seyn dürfte, ist die Entwickelnnn und Er- 
zählung der Kriege Abderrahmans in Afrika, welclier Cap. 74»' 
25. und 76. eine Geschichte der Edrisiden ^ Aglahiten und der 
dijese beiden überwältigenden Schiiten oder l atimiten voraus- 
geschickt ist. Auch die Verschwörung des Prinzen Abdallah 
gegen seinen Tater (Cap. 83 ) gehört zu den besseren Capiteln. 
Allein bei den so. wichtigen Kriegen mit den christlichen Kö- 
nigen^ konnte die ganze Erzählung nur höchst dürftig und par- 
tbeiisch ausfallen » da die Spanischen Chronikschreiber nicht 
SU ilathe gezogen wurden, la selbst nicht einmal alle Arahi- 
ache Berichte. Auch die zahlreichen Verbindunaen Abderrab-. 
mans mit fast allen damals lebenden Königen und Fürsten sind 
ipangelhaft angegeben oder manche ganz übergangen. Der 
ersten 'Gesandtschaft des Griechischen Kaisers' Leo, wovon 
Alurphy spricht, erwähnt er nicht; eben so schweigt er von 
,Äer, welche Otto der Grofse (955) schickte, bei Welcher der 
Gesandte Johann von Görz so grofse Schwieiigkeiten, hatte, 
bis eir vorgelassen wurde. Darüber steht das Nähere bei 
Labbe Nova Bibliotheca MSS, librr. T. I. pag. 74l aqq. und 
Calmets Histöire de I.onaine. 

Die Kriege welche der gelehrte Calif Hakem , ein grofser 
Freund der VVissenschaftep , der Künste und der Poieaie, in 
Afrika und Gallicien iiiit ziemlichem Glücke führte , sind in 
den Capiteln 88 — 94- mitgeitheilt^ In den beiden letsttn 
Capiteln ist auch viel Interessantes über die damalige Mauri- 
sche Cultur und Gelehrsaniktit , wie auch über Uakems Be- 
ll^übun^en, dieselbe noch hoher zu steigern , angegeben. Un». 
ter seinem 'unmündigen Sohne Hescham höbt sich der rrste 



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Don J« A. Cond« Hiilona de lo$ Anbtkf 7d 1 

* 

f m 

Minister, Ilarlsclub (d. i. Ve«ier), ao fcbr, dati er »ich Jie^ 
iVI.icht des Caliirii sellist aneignet, Coiide'zwar lielianptetf ^ 
dals . der Hadiciiib Alinanidrjminer Untertliau flesclijuis ' gt« 
hlieben, uinl nirj^eiuls davon die lledf» sey^ dalt er f ich des 
Caiifitt« ^einächligt balie; allein hier' koaimi es niidt aul' dio ' 
Worte» sondern auf die Sache an, £s ist nacb alh'ii Arabi- 
schen Berickt4?n o£Fenhar9 dafs lleacbani in aeineni Vallaste zml 
Az£Ühra gefangi^n gebaljCeu und ganx von den llf^ierunglgtf» 
schatten entfernt wurde; dafs dtr Hiidfrchih Almanior &irfi 
eine bisher in Spanien unek-b/h t grufse MililSrtmicbt aclitii,^ 
und tibt>r dttrSf gans nacb Otitdünkrii verCOgen konnte; daf$' 
alleA^ertheihingen der Aemter von il)in 'ausginßi»n; daff.er aitb 
durch die Anlegung der neuen Stadt AzseHlra eine dem Odiina- 
jadenpallaste Az^.ühra Übnlicbe Hofstadc erbaute, die zugleich 
ai|Cb dnrcij dje (ial>ei angelt^'gten BefeHtioiingswerkef Magazine 
und^^^eugfiauser für ibn ein Boflwerlc seyn-söllteir, jeden Vei"- 
•udb, ihn zu stürzen, unniö^IIch zu macbe'n* Wenn ter aucili' 
dem roacbtlosen Ilescbam noch das Zeichen der SouveiUnitSC , 
idie Erwähnung seines Namens In der Ctiotha ode^ ini Ott'efit» 
Hebert (je})'et , und auf Münzen,' liefit , so war döcb derselbe 
im etgehtlicbeii Sinne abgesetzt. Uebrigens .btftie Cunde 
inebr ausführen sollen , wie scKon vor Almaosor die Ominaja» 
^eiiberrscbaft in ibren Grundfesten morscb und angtfressöh 
wurd^'f tb'eils durcli die beständigen inneren Unruhe und das 
XVacbsen der ^bristenstaaten', fbells durcb.den ütiefbandneb« 
iqenden'lLuxus^ und selbst durch die BildMug^ ^a^si'e Ueber- 
bUdiing wiir^e.' Die Kraft der Moslems vrar gel&bmt; fAU^ 
fiidse .ile^ei$tei;ung 9 . wodurcb ihr« Eroberungen von meinem 
Wettmeer ,£u, andern sieb erstreckten 9 bfirte aut; dehn schon 
])aiül iban sicK nicbl mebr stren<^ an die Gesetze 'des Korän,. 
und j^riegeriscber Sifin und Tajji'erkeit wurde ^üiige'Ächtet der' . 
strengen^ V'erbote'Ilakeois mebr durch Weintrinken als durch 
den Wuniith'den Islain auszubreiteii, an|^efacb't« 

I7aa ein 'sotcb'es sinkende ReicB zu halten, war ein Mi« 
IctS'rgenie wis 'AlmausOir' notii wendig. 0ur'cb ,sein Ansehen 
bei deni Heere', ifein'er ein Abi^ott war,' wurde er die Stütze 
und der tjflanz seines Volkes ; 'er bracbte'die christlicben iStaa* 
ten- Sp'aiiiens all' den Hand des (Jnt^iganns ; da er aber nacb 
aeiuem 'Tode' mclit durch eViien grofsen Man n ersetzt wurde, 
ao muf&tenptb wendig das ganze. GebS'ude , das der Stützen 
eotbehriey in den grausen Bürgerkrieg 'zerfallen , und die ein« 
selhan dfaa'ten >sitie Beute mScUtigje'r christlichec oder fremder 
moba'madanisch'isr I^lürs'ien wericfen* "Wie kraßlg Almansor die 
Zdgel der 'IVeglei ung führte, läfst sfch' da^aits ersehen 9 dals, 

« 



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73i3. SoD J. A, Conde Histprla de |os Arabei«^ 

obwabl er hcitilndig im Norden und Osten mit Cbriiten^ im 
5adeD| in Afrika , mit Mobamedanern , in Kriege verwickelt 
Waty. doeb im Inneren des Landes, was unter den frübereh 
Regterungen unerbdrt war , keine Empörungen , keine Auti-* 
sttfinde atjisbr'aGbeii. — Auffallend ist es , dals o n d 0 clen to 
wi<;btigeh Zug Almansor's nach Gallicien, wo. er SantyagQ 
zerstdrte, so kurz und zwar als zwei Züge erwfibnt Cap. 99* 
pag. 523. sagt er; AI ano siguiente (988) visit<$ la frontera^de 
Valicia y ocup(5 Medina Colimiia y lleg(S a Santyac, destruy<5 
aus muros, y tomd grandes despojos y mucbos cautiroa'y voU> 
vi(5 vencedor a Cordoba per Talavera y Toledo. (Im folgen* 
den Jabf e kam er an die Grenze Galliciens» besetzte Coim* 
bria , drang nacb Santyago , zerstörte dessen iVlauern, und 
^kebrte sie^reicb über Talavera und Toledo nacb Cordova zu- 
rück.) last eben so kurz erzählt er denselben Zug nach 
Sanl'yago Cap. 100. p. 530. noch einmal, da doch die cbrist- 
lieben Berichte, wie die Arabischen bei Murphy (pag. 113.), 
nur von einem sprechen. An der angegebenen Stelle heifst 
es: (Almansur) having fitted out a fleet witb provisions and 
arms to meet bim at Oporto , he directed bis marcb by Coria 
to tbat city, and arrived at St. Jago. -7- Finding tbe place 
deserted by all its inhabitants , except one old Monk , who 
was sitting on the tomb of St. Ja^nes, the Moslems collected 
tbeboöty, and destroyed the walls, hüii9es et churcb; but 
the tomh, which was of rare workmanship , as well as the old 
monk, was spared and protected by Almansor. Dann wird 
der fernere Verlauf der Expedition angegeben ^ wovon C o n d e 
nichts erwähnt " ' 

Nach Almansor's Tode waltete sein Sohn Ahdelmelik 
ganz nach dem Sinne und der Weise des Vaters fort; ihm 
folgte nacb einer siebenjährigen Regierung sein Bruder Abder- 
rabman. Als dieser den schwachen IJescharn zwang, ihn zu 
seinem Erben und Nachfolger zu erklären , so erregte er den 
Unwillen aller , bewirkte durch diesen Schritt seinen Tod, und 
schleuderte den Staat in den Sturm der blutigsten Bürget-- 
kriege , welche das Ommajadische Califat in mehrere Herr- 
schatten zerstückelten. Diese inneren Kriege und das Schick- 
sal d^r letzten Ommajaden und ihrer Gegenregenten, heson* 
ders der Aliden, sind von Cap, J05 — 117- erzählt. Bei dem 
Kampfe Mahadi's und Solimans hätte der IIiiHti der Christen 
auf beiden Seiten mit mehr Genauigkeit gedacht werden sol- 
len. Das Schicksal des unglücklichen Jlescham , der unter AI» 
niansor und seinen Söhnen ein Gefangener war, unter Mahadi 
erst. abgesetzt^ dann scheinbar beerdigt , aber wieder aus der 



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Don j; A* ^oHde Sitorh d« hi AtiAm» 95 ) 

Dciokelheit hervorgezogen' if Ad Auf deii TKrim jeM'tttt Wri, 
Ins er endlich in die luode des grauiameh Solfuian * fiel ^ -1m- 
scbreibl'Gonde mtt'Weler Oenauigkeic und to Pehef ek iin in u 
inune mit den bisherigen Nochriebtvn. 'A}f<fitt fa der Angehie 
der CFngewilsheit seiner ferneren Sehtehlele Weicht er de?#n 
a1>: Cap, 108. pag. j982« Xios Eslabos (d. i« die Ijeibweehe) y 
ocros boifrados servidores del K«y Hixdm Snpliesron por 41 m 
Snleiman ; lo q[ue biso de 41 ie ignora, pues nunca dias pareitö 
rivo ni maerto f «ri'dejo'tuoeiion, sino de cilamidades y 4if« 
cordia clril. Dagegen eibt der £rabisfhef Röder ith iii der 
Arabischen Geschichte Cap. XL. iii'f. Bestimmteres: Gim 
autem Issem extra Gc^rdübam deducentes ^ ' libere ebire pefod« 
eerunt et ille f'ugiehb in Afrieam transfretavitf and merphy 
^ag. i*l7. gibt dieseih Wifler sprechendes : • Hetohain was privn* 
* tely slain; 

Diesem ersten Bande sind sechs Kupfertifeln hiie Arabl* 
sehen Inschriften belgeftlgt , wovon nofcn tum CJeberflusse sm 
Bode des ganzen Werltes Uebersetaiingea beigefhgt werden, 
da sie schon in diesem Bande im Texte 4it v erfisser fll>er« 
•tragen hat, ' • 

Der aweite Band oder d#itle''Theil eMhik in laeht irod 
fünfzig Cdpiteln erstens das Schicicsal der Tereohiedenen Herr« 
Schäften, die. aua dem aufgelösteA Ommtfjltfenreiche hervor« 
gegangen sind, von Gap. 1 9; 'dann die £roberungen dy 
aus Afrika kommenden Al^oraviden, Von Gi|p, 9 ^ %6l di« 
Kriege der Almohaden , von Gäp. 27, —^'57; und das letsteGa« 
pitel sthliefst den Band' mit der Geschichte, der Meriniden , 
welche in Marokko herrschten, and' mifhtmals nach 6|panien 
tlbersetsten. Am Ende ist noch' eine thronologisehe Ueber« 
eicht der Maurischen Herrscher in den verschiedenen Staaten 
Spani'ena von der Hegira 408 — > 621 angehängt. , 

In difsem Theile hat Gonde' vielleicht die gröfsten Ver- 
dienste um die MaUrische Geschichte* Es ist gerade di« Zeit^ 
welche durch die vielen Kriege sowohl der Mohamedaner an- 
ter einander, als auch gegen die Ghristen, darch die Menga 
der Staaten ^ durch den hfinfigen Wechsel der Kegenten , dio 
gröTsten Schwierigkeiten macht , und dfiher bisher am mristeit 
tm Dunkel jag. Die bisherigen BIkrbeitungen dieser Ge« 
schichte leisteten nur höchst Unvollkommenes, wenn man sie 
mit Gonde's BeniQbungen vergleicht. 

JuseiF ben Tacbfin» der Eroberer Nordafrika's und Grfin« 
der Marokko's, wai^ der erste Almoravide, der nach Spanien 
flbersetzte«. Nach Go-nde'* Erzabhing wurde erfaßt von 
allen Emiren in Spanien , die der immer wachsenden .GastiU<. 

' - * 



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, }jJ«i9j4,^iVi^^ipe|»|r. W^d^Mtapd leisten kotinten , beson- 

.Uiifcj^^ .jDieapc, »eilte nUmlich aufser einem erhöheten Tribut 
jr^Qcb in^l^)ei:f I^^Hf^Oetpss ßn Alpboi^s VI. abtreten, der schon 
,,T9^tdo £,^notuafk^J^^j^i,^ P^s ^c^ick^al^der cbristiiche;i Ge« 
.^6andtscbaft, woraps m^^n ^e il9)i.t^ii. dar Zeip bei .der grofsen 
, JUt^Jr)icbkeit ersehen kann , wird vecsflbi^den erzählt. j C o n - 
«dji.^ibt pag. 114. die Geschichte iiiil;«fl^(|^.jF(^den , der von AI- 
•jjM>P« .4«^: ^Afftn^f^l^^i^ vF«rd^ das Geld in Em- 

if&vjg H» n^bwn» anders ab Murphy/pag. 1^7^ ^»pö<^*^ 

r%Mi^^'' be^j^ .dagi^ ^'ÄJ^fsrein, dafs d^^r Gesa ndt^e. vna Jude 
«Im^f^i^.PCbt vrard^n. '^Der En^li^iifl^r j^a^t na^h fernen At^bu 

,scbeii Manuscrjpten: Qfjj^aig tbe p^v^y^into b4S^p:H?sence, tbn 
-AJli^d b^at hifx^i|i]l.hi^. ey«s ieil^llf^/oply three:o/ tbe atten- 

dants ((Vis vorher auf fOnfhundert angegeben) escaping to ih- 
•4^(lKaf^ <4Upn40 ;^|<;9'}{rn>;und von dem '^ji^den.beifst es: he made 

Ilse qf har^b lapgung^^j, t^C f«ince instantly Ji,nocked out bis 
^brains aiul caused ^i^,r.^tM>^^H9^^^^<'• /^^P".^® ^*S*)S®".. 

^^i^tf^ f^9^W^rdi^Ji.^'%ß-^^J y af{tiella nochemisma entrariin 

algvinos esciavos en las tiendas del embajador y del Jurlio y 
}«Mit9i;99 i e'flife.i^niiichos. piipal^^yv,m9^raron a ionC^iistia- 
'.i>o$ tjue venian.-Opn el enjbajaflor. Du^cb , den Sieg in der 
,Ä>hlacht bei Za^Bica ,(1086), welche,. Q^Ph ^61. sehr scbOn .U^d 
^wahrhaft oi ir ijiali^h,|b/t^f|cbriieb.eiv iJit^g; Yfar des Almoraviden 

^. Jusef Herr^chjift )ii)jSpanieii,g'e^rüj^4«^^- AlpUopso's Ueber- 

. j^ackt gebrochen;). . Be.i d«ii Kl oi)( t ange/» ""d Kriegen der. AU 
lit0r«Miden in Sp/i5ifi^^v>wird aijch oftiaajs des Cid,, luit^r d^soi 

..Nanien Ruderic Cainj^iftpr- (Canibea/lQr) Eryviihnung gethah, 
3>esondeits bei .<Uwi Jirie^^iifi «-Valentia C^p. ^2. p, — 

. .Pa^urcln.gewiniijt die Geschichte Cj^ds nicht wer^ig an Wabr« 
beit, da mehrere Spa^i£c)]|e .(^e5chich,ts^hreiber sie ^ür . ein 

.-^^rk der Einbildung halten, irnd \]in des^inregen pejlien 'die 
HAdern R'omaabeiden des jVIittelalters stellen« 

. .. f Obwohl von den Ahnobadcn, die sjclv unter der jQi^ie« 

;riin;g Ibfi. Aly |)MSei''s i n AFrika erheben^i* v-on ihren ;Sieg]^n ^od 
Krohertif^^en, Afrika und Spanien, dann auch VOU. ihren 
]^fi^4^.rl^gen und ihre^n- Sturst sehr aiksfi^hrlicb Cvoii png. 1^22 
"T* 434«) gebändelt ,^if4.t 9kO ist doch hie und da nmniber CJm- 

.a^aiodV d<»r dem G^aji^n^eifieand^r'eCjji^skalt'gebein würde» über« 
gangen. Sehr zu ver\v/a<ii^d^rn ist es , dals Conde ix) der Ge- 
»cbichte von Jacub Abnansor, der durch den Sieg bei Alarkos 
die AlmQi)ddenherr»chaft auf's Ilücbste steigerte (1195)9 nicbt 
erwühnt, «daijs mit ihm der im dritten Kreuzzuge so bejcan|(t<f 
;&uUaii . $lda<Ua aji^ MüßduifB gj^en die Fr^ankea aa waoben 



■ 



.tun dieselhfpi in i^rt m , tigtaan Lande anzucrelfen« 
. Da. aber der Sultan versSumt hatte, Jacub 4«o Xitvl Amur 
Mumenin (Herrscher der Gläubigen) ftu gttben , so wies dc^ 
AW^b^de jeda.y«K|)iocluqg mi% 4w iiiorgtfiilaadiadiMio HkP" 
^S^tßf BurQck. 

Der dritte Band oder vierte und letzte Tbeil aatlii&U in 
äf^i und vierzig Capiteln die Gescbi^bta dm Mauren von dem 
, St£irze der Almohaden bis xur Ecobaning Gr«|iada's o*ler düjr 

. Vertreibung der Mohemedaner aus der Halbinsel | also haupt- 
SÜ^icb die Geatlncbte der Nagaridwi ^ die in Granada hecracU* 
ten. In den ersten Capiteln (von i 9.) ist dargestellt, vl^io 
xn«kr«r« in dif grdJjta Verwirrung gattXIrsten IVIubaoifdani- 
ilfhen. ,$^t«ö.df^^iM4greichen Königen von Arragonien und 

.. fCas^ilJfji unterliegen» wieder letzter«, F.ecdinand Iii» in das 
Hcirs.i(pxi Andfi4ffi^q.jdringt, Cor4ava und Sevilla erobere^ 
i(nd syi^är seihst unterstützt vom Aban Alabmar, dam Stiftair 
der(l!f9garidenhet-r%cbaft in Granada und 'kin Krbaoar dar A)w 
btfinra» Murcia aber verbleibt nocb dan Anb.'Ingern des Ts* 
lamSy vtreii dia* c^f UUl^bea Könige zu sebr mit Eilersucht'iMid 
, ^eiadscbaft gegen einander erffllU tind, ais daX'a ainar da» aa^ 
darni^ofi £eiiit|& wdiy^es Landes gegönnt hätte. 

Wie alle untergebende Reicbe, 90 bietet dij Geschiobl« 
drs Kuulgreicba .Graiiada viel Trauriges und SchAndlicbes dar« 
Von Norden aus mischen sich die Cbristen , von Süden aus 
dia lierfscber i9;j\^.ardlckOf die Meriniden, in die iVIauritpbeik 
'Angelegenheiten, nnd treten ihnen i)ald feindiicb antgegan^ 

' ^ndd fucban fie den Stiirs des wankenden l\eicbet nocb zu ver» 
^igern. Innere Empör^ungen und Vartcbwörungen , gewalt«» 
same^T^onbesteigangen und dadurch erzeugte blutige Bürgerr 
•kfi^g», durch Freipda entschieden , tückisch« «ultanischerArg^ 
.wohir der Hegei^tea gegen die Verwandtan und beitäodiger 
Oräuel von Familienmorden scbw<ich)Bn Und untergraben alle 
Fe&tigkeit der Herrschaft 9 und erleichteren täglich mehr den 
.C|b|^ttan die £roberuogen , die noch viel schneiler hätten ge* 
saacbt werden können, wenn nicht auch bei diesen Aeluilichea ' 
wie bei ihren Feinden statt gefunden h§ttV. Dia sdiwücbereii 
ua^ vertrit^benen Maurisch'^n Kotjige suchen gewöhnlich bei 
dcpn.cbristiichan Hülle, und ei liulten diese durch grofsa I«jUi- 
derabtretungen. An Nichterlüllung des Versprechens und an 
Treulosiglct ir jeder Ait felilt es aut keiner Seite; aber auch 
nicht an <^jrofsrouih und tdlcT Kitteilithkeit, wodurch jene • 
Zeit die Wiil«^rsprilche Robheit und Zartheit» Gefülsl [i\r das 
Schöne oder Edle und Brutalität dei Geistet und daa Handtina 
wunderbar qii^ einander verbindet. 



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7^ DoA J. A* Conde Historia 4« lot Arab«r* . 

Die so seht vervtrickelte letste Zeit der Maurischen Hel4^ 
•ebaft in Granada y wb atn Adgent dr«ima] den Thron verlievE 
und wieder besteigt, wo Verwandte jgegen Verwandte sich die 
Krono streitig macheil- und das unglOcklicbe Land In Vttr^ 
th^iune^ tbeilen , und so seine Einheit und Kraft iinnier mehi^ 
schwären , indem Ferdinand der Katholische das ganze christ- 
liebe Spanien vereint, diese Zeit, wo im ungleichen Kampfe 
der Islam in der FyrenSisehen Halbinsel 9 nach einem fast acht* 
hundertjährigen Aufenthalte, unterliegt, ist klar und ausfuhr« 
lieh ersählt ^ und sWar viel weniger in der BÜläniar eine» Ar»^ 
l^ers als eines Spanischen Gescbichtscbreibers. 

Obwohl Co n de eigentlich dem Cultur-« und Literatur^ 
Sttstatide der Mauren in Spanien ic«tne;l)eiohderen Abschnitte 
gewidmet hat, wie Murphy, so kofnmen hie und da dbdl 
•ehr schätzbare Bemerkungen über innerv^ £inrichtuiigeitf 
setze. Gelehrte, Schulen, Militärweaen, Zfinfte u. s. w. vor. 
Wichtig für die ersten >Nachrichten vom Gebrauche des Ful* 
▼erf im Kriege sind die an mehreren Stellen eingestreuten No- 
tizen, wodurch ifian beweisen kantt', da£itn Spanien der Ge* 
brauch dieses aerstdi^enden Elements lange vor Berchtold 
Schwärs bekannt wisr. Vor .der Schlacht bei Crecy (1346) 
fand manf wie Hume (History of England chapt. XY;) be* 
4iauptet , nirgends in einem Kriege den Gebrauch des groben 
GesChütses erwähnt. Allein bier lüfst sich noch viel bestfuni* 
ter» al« nach Casiri Bibl. arab* Hlsp. EscuriaK I. pag. $ aqq[. 
Cardonne gethan hat, darthun, dafs schon um das Jahr 1300 
sein Gebrauch bei Belagerungen Ton Festungen sowohl bei 
Mauren «Is Christen in Spanten ganz gewöhnlich war. Bei 
der Belagerung von Gibraltar durch Ferdinand IV, .von Casti- 
lien im Jahr l308 wird als etwas gans gewöhnliches ersflhlt : 

Cap. XIV. p. 69« El i^ey de Castilla f la (la fortaleasa de 

Gebaltaric) cercd y comi)ati6 con ingeniös y maquinas dd tru^ 
nos. In bestimmteren AuSidrÜcken ist über diese Oonnerauii> 
«feinen bei der Belagerung Baea's durch Ismail gespr^dien': 
Gip. XVIII. p. 111: (Tsmaii combatid la ciudad de diay nödle 
con maquinas 4 ingeniös que lanzaban globos de fuego €Ö%I 
•grandes truenos, todo aeniijahtes A los rayoi de las tempesta- 
des, y baciangran esfrago en los muros y torres de la ciudad. 
Feuerwerke (fuegos artihciales) werden Cap. XXI, p; iSZ* hti 
der IHumination Granada's im j. 1340 erw&hnt, 

(Der B9schlujf f0lghy 



I.» 



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4 



47. 1826. 



- Htidelberge r^. 

^^^^^^ 

Literatur: 




Don J. A. Oonde Eittotw de la dominacioa de los ; 

Arabes en £suaaa4 

iBesehim/jA 

• » ♦ r ' , * • 

^'• jS*' ^^Änig von FcÄ Aly Abul Haisan mit Jur,ef, Kö* 
^ Voo.Qnuiada, Tarifa belagert , wird von den Doniierma* 
Mbiveoi. dt« «it^rne Kugeln vermittelst dei Pulvert schleu- 
derten. getprochen pag. 133. principiaron d combatirla con 
i^g^iio^ truenoa, (^ue lan^aban balat de bierro 
gnnil#i \pon iiafta cauaando gran deÄtruccipn en aus bien toc^ 

'T^?*i?*o"'!; ^'^^ ^'^^^ ^'"^^^r vertteben itt. 

seigt ASuUe p. 137. Levantaro« loa Cristianos grande« ind- 

^I"*\7 P*" combatir la ciudad (AUezira), 

r |o« Mu«liiBej las deatruian con piedras qu« tiraban deidj 
•tff murat, y con ardientea balaa de bierro (f4e lanzab^n con 
9^tm quo Jas derriyaba y hacia gran. «jlano en loa del 

Ffagt man nnn am Schimae des Werkes , was bat C o n rl e 
welcben Wertb bat das Buch, so möchte Ref. 
mämxUumc und verdienstvoller halten, als alle vorhergehen- 
dia dietan Theii der Geschichte bebandelten; allein er 
■"^MfHftl^«^ bemerkun, dafs man es nur alseine Uebersetjsung 
nrtcbifdanar Arabischer Geachicbtschreiber betrachten kann , 
^*^^?"*^,® ^'f^ Kflcksicht auf die christlichen Berichte 
" » ' »• j entgegengesi 

:bicbtscbreibei 

- — . inseitig, bcgb«,. „„„».uc Arrmuraer, 

»feUtt aich als Uebersetzer ▼erscbiedener Schriftsteller im 
Styl nicbt gleich, selbst nicht im Schreiben eigener Namen, 
«na ordnet den Stoff, der ihm als eine rudis indigestarjue mo* 
Im vodag, nicbt planmfirsig und mit historischem Tact. Des- 
•eo ungeachtet sind seine Bemühungen sehr au schät«en , da 
aiin manche bisher in Arabisöben Manuscripten liegenden 
Nachrichten Eugänglichv . W.«#.W^t^ 

XIX.Jaiirii »efleil« ^ . 47 



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TSÖ Bohobanm übet das Fortschreiten des KraDkh«iupT06e^el* 

tiger Bearbeiter der Spanischen Ge^cbicliU im Mittelalter 
Conde's Weirk nicht unbeachtet lassen darf. * 

Bis jetzt sind schon zwei Uebei setzungen von dem Werker 
erschienen y die eiile in deutscher und die andere in frailzü«- 
Bischer Sprächet «rstere von Rutschinann, Carlsruhe 1824 ~" 
25. in drei Bänden, und letztere von Maries in Farts i82Ö.' 
iq eben so vielen Bänden. In beiden Uebersetzungen möchte 
sehr zu tadeln seyn^ dafs die Arabischen Namen so geschrie- 
ben sind, wie sie im Spanischen Originale stehen« EineAen-» 
defüng damit vorzunehmen, hätte freilich oft Kenntnifs des 
Arabischen bedurft; ao wird Hixem, Koraix u. s.w. geschrie- 
ben , anstatt Hischemi Koraisch» selbst in Spanischen Namen 
Sanxo statt Sancho. Da die Spanier die Consonanten nicht 
verdoppeln , aufser weniget*, die dann meist eine eigene Aus* 
spraclie bekommen, so nuifsle n de , seiner Sprache ge- 
roäis, oft einfache Buchstaben setzen'^ wo im Arabischen dop- 
pelte stehen; aber wedef im Oeiitsfchen noch in\ Fränzdsischeh 
darf dies statt finden, daher nicht Abderahrhan,' Ahasar', 
Omeien , Abdala u. s. vT* f ftOfHiern Abderrahttiän , ' Aanänr i 
OmmeieD» AbdaHah. ' ' . ^ ' • ' ; . :^ 



t • 



V$her das Portsehreit$H des KrankheUspröcesses f^tnshesondere der f^nt^ 
' Stundung ; ein Beitras; i-ut aUgerheinen JCt-ankheittlehre, 0ön K4 
' fiohnbaumf der Medicin und Chifatgie Döctor ^ Heriogi, S\ 
Hildhurghaut, Oher • Medicinalrath und Leiharzt u. s. lü» HUd* 
* burghausen, 1^26. in dst KeuelfUtgsehisn Hofhuchhandlung* 

.gr.$; yituui m S. - ; ■ ' l Tblr;.i2 Gr. 

Es ist in der Natur der Sache g^grötidet y dnfs der Kratik* 
heitsprocefs in fortdauernder "Veränderung begriffen ist iii 
keinem AugeribKcke stillsteht, niemals auf einem gewisseii 
Funkte verharrt, und dafj die mehresten Krankhettsfori^'erf 
SU Ursachen und zu Folgen von andern werden. Ehen das- 
aelbe ist auch ganz allgemein anerkannt', und wird soWoLI in 
der allgemeinen als auch in der spedeUfen Pathologie beri^cfc- 
•ichtigt« In der erdteteh beschäftigen sich voi^Rghrdi dre R«* 
pitel, welche von dem Verhiufe^ von defn TypJi,'Vöti d^ü 
Stadien, von dönr Ausgängen'/ deoi Metasch^chTtttämu^' ühH 
der Metastase u. s. w. handeln / mit^ diefem' 6eg<;n9t^h<ie; 
UebeHies findet' iitärf in def specielTeft rathofbgie sowahl , a1$ 
^cb und zwar besonder« Jtt^^de^ rtioriogtapM#eN«n'4iÄrlltt^lUtniJ 

irfMlire» ännvMett««' «il^iifgWiii ^W''^«!^ f»himä§t^ 



Hohobaum über das ForUehreiUn des CraokhetUf roeeiief« 719 

^ Zustände anzegÄben , #elche «ntvireder die in Rede ste« 

hend«; Kränkneit bedingen^ o«ler Folgen i üebergiinge Und 
Ausg9nge ders^^Iben »inri; und (ibendafte]b«t Werden nutdrllcH 
äubh der Verlant, der Typus, di« 6t.;ilien, und jegliche Ver- 
änderung, vve'che flieh «uzutragen ^Hegt, mdglichafc genau ta 
Hiuiichc aaF jede einzelne Krankheit er,r!(rCert. 

Nur selten bber hat man dies Vei-hältnifs der einr.ejneÜ 
kränkbeiteh su einander sur Aufgabe besonderer ^ äusfcibr- 
lichei: und allseitigeir Untersirchungen gemacht« ätich uns ist 
keine eigeiie Schritt bekannt, in welcher diesei* Gegenstand 
Umsichtig uHd äuiführlich abgebandelt, ja nur als Häuptthema 
iiufseitefft ;*ordeii wilre. Es ist daher schon im Voraus mit 
vielem Danke und grofitem Lobe isnzuerkehnen ; dafi wir iri 
der oben ^etiärinten Schrift einen solchen Versuch erhalten. 
Deilh daS y wds der Verf. Fortschreiten des Kränkheitsproc^sset 
hennt^ ist eben nichts anderes , als die Veränderung, welche 
derselbe thtiU in dtc ^eit, tbeili im Räume i tbeil« lö modo 
ferlcidet; . , • I 

' Die Schwierigkeiten des Gegenstaiirtei bestehen ^ wieder 
VerF. sagt, «in dem unendlichen Rfichthum und einer solchen 
Fülle Von ErscKeinungen und Thatsachen , die mit dem Gegen- 
stände in nSherfei* oder entfernterer Beeiehung stehen, daß 
das ganze grofiie FiSld der Pathologie und Pathogcnie. mit 
hineingezogen Werden müfste, um ihn einigermafsen isui- Voll- 
iiridung zu bringen« 5 und wir setzen hinauf däfs nicht hloi 
jerie allgemeineren Doctrinen , sondern auch die specielle 
Krainkheitslehre sich in diesem Verhältnifs ku unserem Gegen« 
itande befinden: Es leuchtet einj däfs die Beiraclitung dei: 
hlebresteti etrizelnen Krankheiteii von dieser Seite Ans nicht 
nur überbauet statt finden kann, sondern auch nicht selten 
e/genthümliche Resnltate geben wird. Unter diesen Verhält- 
nissen kann män es nicht mifsbilli^en j dafs der fir. Ver£; die 
"Entzündung vorzüglich tum Beispiel gewählt hat, um das' ini 
Einzelnen nachzuweisen,, was er von dem Fortschreiten de« 
XrankheitsprocesSes im Allgemeinen sagt. Aufserdem aber 
wird auch sonst eine grofse Menge von andern Krankheiten 
tum Beleg erwÄhht. — Eine andere und zwar eine »ehr grofse 
Schvi^ierigkeit besteht aber auch in der Unterscheidung dtrje* 
liiffelfi' Fälle , in vj'clchen die Krankheitsverändefung von zu- 
ftRigen während des Verlaufes der Krankheit statt findenden 
* 'Eiimlssen v^ranlafs^ w'orden ist, und derjenigen Veränderung^ 
jflc^in^er ur«prf\ngfrchen Beschaffenheit der Krank^ieit seihst 
liegt. Ini strengsteh Sinne können die ersteren wohl nicht 
^^nHKit ein Fo(tHbr«iten des ICr«nkheics^rocesses genannt 

47* ^ 



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9 



- . ' 

wtrdMif sondsrii wird durcb tolclie neueiKI-anliheitturüdicii 
vUliiMhr immer auf .das N«u« eine krankbeit gesetzt 9 welche 
aidi mit der eraten vefBindet .und diese natürlich diftndern 
mufi. Und doch kdnnen eben dieae EinflOsäe wiederum hiebt 
gans mit ' StiUtcbweiaen übergangen , und ihre , Wirkungen 
«m so weniger von diesem Gegenstände ausgetcblossen werr 
den^ je seltener es eine- Krankheit und eine daxanf .folgende 
Yeränderang derselben eeben kann, auf wMcbe nicht fort« 
dauernd äußere Umstände .ihren EinPuls gettnrsert hätten, -r- 
Es wäre vielleicfart nOtalich » auf jeden Fall aber, recht interes« 
aant gewesen wenn der Verl; diesem doppelten Ursprunjge 
der arankheitsveränderung eine gröfsere Aufmerksamkeit ge« 
achenkty' lind eb«m diesen Gegenstand besonders berührt hätte» 
Er beschränkt sich aber blos darauf, gelegentlich einige hus- 
aere Ui^ständo su erwähnen | welche Krankheits Veränderungen 
begflnstigen, . » - 

« Ob nun gleich, wie der Verf. selbst gesteht, die Lehre 
von dem Fortschreiten des Krankheitsprocesses dnrcb die. vor« 
liegende Scbcifk nicht gänzlich erschöpft ist, so gewährt die« 
•eloe doch in der Tbat einen hdcbst .^hrreichen,' wichtigen 
und intf^ressanten Beitrag au derselben , disr unsere Aufmerk« 
aamkeit um so mehr in Anspruch nimmt'» und dessen Mitthei* 
|ung unseren Dank ,nm so me.hr vetdient, als aaf der eioeä 
Seite die Darstellung selbst buchst liditvoll und klar , einfach 
und wohlgeordnet ist» und auf der «nderen Seite der Geist, 
der in der < Schrift .herrscht , als der beste, anerkannt werden • 
muls , in und mit welche, die Medioin irgend' bearbeitet wer* . 
den kann« Thatsachen machen die Grundlage derselben aus« 
und es stehet dem' Ver£ e^ne reiche und. lange Erfahrung au 
Gebote f welche ihm die .Thatsachen lieiEerte 4 aber es werden • 
die Thatsachen auf die geistvollste Art susammeneestellt und 
allgemehie Gesetae.aua (denselben abstrabirt nnd nicht in die.' 
. adben hineingetragen, wie .es wobl sdnst beliebt ist« -Aucb 
liegt es in der. Natur der .Sache, dafs gelegentlich manche 
BHcke auf die Krankheiten selbst geworfen werden miMsen» 
welche in ihrem Foitschreiten bi^trachtet werden; denn man 
kaiin von den. Veränderungen derselben nicht handeln, oh^e 
aie a^lbst vorerst in ihrpm Eigeiiwesen' erkannt sa .habcli« 
Auch die in dieser Hinsicht von deni Yerf. vorgetragenen £ish« 
ren seichnen sich dur«^ »Klarheit und Bestimmtheit aus , ond 
wenn auch nicht alle ol|tte Widerspruch angenomm^ werieä; 
sollten^ so verdienen si^ doch. in jeder Hinsicht die grdfsto' 
AsMfBierksamkeit, . 

* * • • • - . : * 



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BolniknnB Sbtr dal WnMatim to KiwUnliiHtMiin. t4l 

^ ^ sMailt aber die Schrift in drei Theile. ZtterH wird 
das Fortschreiten dea Krankbeitiproceaaea in der Zeit von 
S. 7 » 62. betrachtet, und unter dieiem Titel vortflgUch die 
Lehre von der Dauer, dem Verlanfe, dem Typus und der Fe« 
riodicität abgehandelt. Nachdem der Hr. V«rr. die bekannten 
Erfahrungen über diesen Gegenstand mitgetheilt hat, so wer* 
d^en folgende Schlosse der Prüfung unterworfen: 1^ dafs näm* 
lieb typische J^rscheinungen vorxOglich bei Krankheiten der- 
jenigen Organe und Systeme bemerklich sind» welche dergleii« 
eben typUcbe' £rscbeinungen auch im gesunden Zustande 
zeigen 9 wie das Nerven, und GeftfsBystem,* das Gehirn, ,iiihI 
Verdau ungssystem ; 2) dafs dagegen bei niederen Systemen 
lind Organen, wo*auch im gesunden Zustande kein regeU 
aaSfsiger Typus su erkennen ist , die typischen Erscheinungen 
auch in Krankheiten verschwinden , wenigttena umperklich 
werden; 3) dafs l)ei höheren Systemen, wo die typischen Er« 
•cheinungen' Im gesunden Zustande an eine gewisse regel« 
mäfsige Ordnung gebunden sind, auch die typischen Erschei- 
nungen im Itrankeir Zustande mehr Ordnung und Aegel sei« 
^en , alt dt« der untergeordneten Systeme. In dieser Hinsicht 
vriVd das OelKasyatem obenan gestellt, dann folgt das Gebtrn* 
la rfi^y toyniyatem , hernach daf Verdauungisystem , die Aa« 
ßlSinftt^Wi vtiA Reproduotion ; in Häuten , Drüsen , Knochen 
II. a. w*' yeridl^inden die typischen Eracfaetnuugen im getun« 
den nnd JklSi^Eaften Ztiatand'e ünaern Blicken gäoslicb, 4) Jm 
tfchneHer typischen Erscheinungen im gesunden Zoatand«- 
•ich folgen, desto rascher folgen sich- auch die IXmlflufe in' 
Xrankheltrn ; 5) je heftiger aber die Krankheit, desto weni« 

t^r ist die typische Ordnung wabrannebmen , 6) und endlich 
fingen Verachiedenbeiten in der Dauer und dem Ty|)ua der' 
Krankheit oft von andern aoljttligen UmstAnden, a, B. der 
Jafareaäint^ ailby 'ode|r aiicb von aoKhvn.^ die uns gSnalicb un» . 
^Mtannt aind« — So wie diese SStae aua der Erfahrung uninit« 
telbar andehnt aind, so mllaaen sie auch den Stempel der 
"Wahrheit an aicb tragen. Freilich iat dabei der letate Grund 
slaa Typisdian und Periodischen nicbt berührt, der aber 'ftuoh 
der .Krankbeitaiebre nicht angehört, sondern vielmehr in der. 
Physiologie uiid allgemeinen Naturlebr^ abgehandelt werden 
snufa ; der Patho|og hat , glaube ich , seiner Aii^abe Genüge 
g^leistat, wenn* «r seine Erfalirangen ttnd Erklärungen den 
pbjrsiologisclien unter " odeir beiordnat. 

Von S. 52 <— 299* beschäftiget sich der Verf. mit dem 
FortsdireitenjlerKrankheitaproceasea im]):attme, und so wia^ 
dieser Tbeil d«n grülsten Umfang bat» so konwen hier au^V 



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au WHShtot«n %£t»^tünd^^ %iit §|^^cbe > und wexäen auf 
5n/mWerhafte Wvise abgehandelt. Wir bedauern es , bief; 
äem Verfc nict^ iScl\rU? tür 3cbiUt folgen , und einen ausfübr- 
liche^ AuiRUE lUi^ra Jiii können, «gndern b^gnOged uo» dii- 
iDit ', die ^allgemeinen lief illUtet we^be d«? Verf. selbst 
* $» 294 ff- auf^icjer 'fi©^rwk!o% g««o^ unse^n Lesern 

iniUMibeiien, Velcb'^ wir eten dadjarcb ?iuch nm sichersten 

nötticen werden /'4ie ^* ^^**f 

^^rankbeiMpraWÄ m.ebi^ o4^^ weniger da» Bestreben 
«icb>pn^ei»8«nkU«ei9i^'^^^ aus nach verschiedenen^ 

. Äictitungen auszirbrei^en, ünd'w'r «»»^ berechtiget , aus den 
' 41(0 ^»okMt iffgißi^aä^p Erscheinungen darauf zm «cblies^ 
ien,'V,enn \irir' dieses" FprUückep selbst nicht wabmebtnen. 
2) Manche ^urankb^UPfOcesse geben zu den angrenzenden- 
' §^ll«n ä^fsf^ obne'wäV Charakteif. 
atlisugejbf n« \3) l^anche baUen sieb nur innerhalb der Qränzen 
^es^<^^aniVcben Gewebes, von welch em sie ursprünglich aus- 
iengen.' .4) Andere behaupten zwar auch diese Gränze, ver- 
4a»n 'iktj^ •JfU^ ibie^r \Yeg von dem Punkte ihrer Ei^- 
itebung zu eineip^än^d^^ ^9ifier oder entfernter liegenden, je- 
äoc]ti ntit ihm gleiche Organisation und gleiche Structur thei- 
lejriden Punkte." 5) Jjjpcb andere verbreiten sich über Organe,^ 
ni^ 4f*»* V^nkie, .^b zwar ähnliche, aber 

nicbt ganz gleiche Organisation und Structur theilen , z« B. 
von der Schreinabau^ au der sVrÖse^ ^) Verbr^i* 

- U^Aicti der ^rankheilsprocefs atif ein Organ, welches mit; dem. 
ursprünglich ^denden gleiche Structur und Organisation 
theilt, so bleiben sieb die Krankheitserscheinungen an beider^ 
Theilen gleicli. Sie nehmen im entg«gengesel;zten Falle einei^^ 
aolcben Charakter an, der dem Gewebe und der Funktion ^e^' 
P^'ganes^ auf welches der Krankheitsprocefs übertragen wird^ 

tjemUfsist. 7) Eben so überträgt sich der Krankheitsprocefs 
uch von Systemen zn Systemen, welche nichlj nur, vermöge 
ihrer Organisation, sondern auch vermöge ihijer Function zu- 
fammen gehören, ß). Ab**"* V®" Systemen zu Systemen, 

welclae zWar unter sich zusammenhiingen , und vermöge ihrer 
J'unctipn zusammen gehören, aber in ihrer Organisation ver« 
schieden sind , findet ein Fortscbreiten des Krank'jeitsprocessea 
statt. 9)' ^ie Flüssigkeiten verhalten sieb hinsicbtlich die^eif^ 
fortleitüng, \yie die festen Theile. Sie k.ann von den Fl<is- 
sigkeiten auf einzt-liie Ojgane U4)d Systeiiie , aber auch umge- 
kehrt von diesen auf jene geschehen. 10> Endlich st,ehen auclii. 
andere Organe, zwischen denen keine läumliche Verbindung 
statt findet y welche abar ^u^^ch U^re.Fai^flioi^ tij^äu^ei näUef« 



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I 

/ 

o4fr eutlifxnter verwandt, od«r durch Gefafi. und Narvta« 
VtffWeigung zuaammenhUngen, !n patbolpgucb - •ympatbi« ' 
fcher Verbindung. ji) Je nachdem im gesunden ^usUndf 
diese Verbindungen n^ber oder entfernter sind, find fit «• 
auch im Jcranken. Hierauf gründet sieb die Lehre TO» 4«ll 
krankhaften Syippatbieen. 12) Aufser den Bedingungen det 
Fortsphfeitena des Krankbeitspro<:esses, welch« in der Sym» 
pathie und Verwandtschaft der Organe und Systeme lieg«», 
haben darauf auch aui*ere ^linflttsse, die heaondere IndividiNI« 
JiUt den Kranken , besondere Reizbarkeit einse)n«c Systeme 
upd Organe, besondere individuelle Verhältnisse, in welchen 
diese unter sieb stehen u. s. w., i3) vorzüglich «her bat der 
CMrakter der Krankheit darauf den bedeutendsten Einflufs« 
14) Obwohl in den Fiebern das FQrtschr«it«o des Krankheilt-, 
proceäses sieb nach der besonderen Gattung und Art d«« Fl«« 
bers richtet^ So kano man doch im Allgemein«^ «noahmea« 
dafs in denselben der Krankbeitsprocefs von d«o Biederen Sy« 
Sternen beginne und zu den höheren fort schr«ite« i$) D«f 
EnUdndungsprpceis, aU solcher, beginnt dagegen in AUg«« 
meinen an irgend einer Stelle «Ul«« b«tcinder«n Organ«! , ua4 
breite^ sieb aUmäblig w^t«r Ober andere Qrj^'uod ^lytUnie 
9US. 16) Fortschreiten des f^ntaündungsyroeeMe« ist ver« 
schieden t ie nach Verschiedenheit dieses jPrQC«Met «elbst, auch 
abgesehen von der verschiedenen OrganUatiqn und Verrieb« 
tung der Tbeile, wekhjc er befüllt. — «iiftcUt« schwer 
halten, gegen diese Sütse Einwendungen |(u mach«»» eben «Q 
schwierig mufs es aber fre^ich auch seyn, fiv IQ manchen 
konkreten FlUen nacUzuwaitvn , wa* jedoch nur davQi|.l^bbftu* 
gigzu seyn scheint, dafs ups der «igei\tbUa4ictie ' Wf g » dei| 
viele Krankheiten durch ,d«n Qrgani^Dnua tiehi9#9, iio4 ebe« 1 
so auch insbesoiidere dff ?m4^t^ tw Äm beglwifD^ «Im« 
(ich unbekannt ist. 

Vqn Seite 299 360. beUadu«! «Uff Veri eadtich da% 
F^rtsebreiteo des Kran^heitaprQCesAe« io modo., und tUeill 
folgende IlesuUate dieaer UnteSAUchuog mlt^ 1) Pas Fort-« 
fcbr^iteri des KraokbeitsprqcpiMa im ^um« nnd in der ZeU 
schliefst auch das FftrM^Ureiten de«iM|b«n inmoida eiiv ^ %«i 
jedeot J^ranktheitsprocesse erfoJgt|Btin iedem Momente .Um.« 
wandiunEen, i^rcUb« V«r4fidavn«igta deaaelbeQ ia moida %u« 
Fojge baben^ «ik^ dd^ wo wir sie nicht mit unsem Slonc^H 
^^»T«MrfciJlg«a wm9^n^ ^) Oaa ForUchreiteii de« Krankhelta'« 
pronefacf 4|it «fehr verachieden, ttQ.d' die^ Vi^raduQdenHeU 
b«U)gg^-^ai^.mancherl;ei ^beils ^uiseren, theiU inneren Bedin* 



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744 HohiibMimdber das FotUchrciUn deiKraiJ^ 

Organe grofsen Einflufs. 6) Zum Theil ist aber diese Ver-** , 

schiedenbeit des Fortschreitens des KrankheitsprOCesses ab- ' 
liUngig von der Verscbiedenai ligkeit dieses Frocesses selbst. 

Insbesondere lif'gt den Entzündungen eine specifiscbe Ver- ' 
scbiedenheit ihres Wesens zum Grunde. 7) Mit jeder beson«- 
deren Krankheitsf'orm scheint eine besondere Neigung zu he»' 
sonderen Entartungen verbunden zu seyn, und oft scheint der 
Typus der kranken Bildung schon im normalen Bildungspro«* 
cefs vorgezeichnet au seyn. 8) Der Entwickelung eines jeden 
Krankheitsprocesses ^eht mehr oder weniger das Bestreben * 
parallel, krankhafte 6toire sowohl « als krankhafte Thiitigkei- • 
ten von einem edlen Organe zu entfernen und nach äulscren, 
weniger edlen zu leiten. Es bezeichnet dieses Bestreben im 
Allgemeinen den Weg zur Genesung. 9) Ihm entgegengesetzt- 
. wirkt ein anderes Bestreben, den Krankheitsprocefs von äut* T 
seren und wichtigen Theilen auf innere edle Organe zu ver« "* 
pßanzen : der Weg zur Vernichtung. Es liegt wohl in der ' 
Natur der Sache und in dem gegenwärtigen Stande der Wis- • 
aenschaft der Grund davon , dal's dieser Theil der Schrift nicht 
in dem Umfange, mit der Sicherbf^it und mit der Ausheute, « 
wie der zweite von demVerf. bearbeitet werden konnte. Denn' 
dieses Fortschreiten des Krankheitsprocesses in modo müfste ' 
ohne Zweifel vorzüglich von der thierischen Chemie Licht ' 
erhalten , welche bei weitem nicht in der Vollendung, wia 
die dem Fortschreiten des Krankheitsprocesses im Räume zum ' 
Grunde liegende Anatomie, ausgebildet ist. Doch bat vor« • 
züglich in Beziehung auf die Entzündung der verschiede^nen." 
Gewebe und Organe, und der eigenthümlichen Ausgänge der« " 
selben, der Verf. seinen Gegenstand sehr gut durchgeführt. — 
Der achte und neunte Satz scheinen uns mehr in das Gebiet 
des Fortschreitens des Krankheitsprocesses im Räume iu ge- ' 
hören ; offenhar erscheint hier die Veränderung der Krankheit , 
jfon dem Fortschreiten derselben auf andere Organe abbSngig« 

Bei Würdigung dieser SHtze fällt es besondert auf, dai'a ' 
der Verf. dasjenige Fortschreiten der Krankheit, welche» blos 
in der Zunahme derselben besteht, fast gänslich mit Stille' 
schweigen übergangen und in dem ersten Theile der Schrift > 
Tiur vorübergehend erwähnt hat. Es ist zwar einleuchtend ^ * 
dals dasselbe für sich allein nicht vorkommen kann^ •ondern 
dafs bei der Zunahme der Krankheit gewöhnlich auch irgend 
eine Veränderung derselben in der Zeit^ im Räume una in 
modo vorhanden ist, ja wir geben sogar zn, dafs die 2unab« 
nie und das Wachsthum dertelben oft eine Folge jener Verftn* * 
Herongen «ey« Immerhin abtf. wird, dadutdi AiiiFgaii», 



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I 



I 



# 

dlMes Wachftham fflr ticbto betnichten, um fo weniger aua»* 
geechl^ten, ala auch daa quantitative Verhlltnift flberall 
aeine Ansprüche auf Würdigung geltend macht, und in ebeil«' 
demaelben wohl nicht aalten auch der Grund der qualitativea 
Aefidetungen , sowohl in iiodo, im Räume, als auch in der 
Zeit zu suchen seyn möchte. Ueberdies tritt ja auch fast je« 
der eipenthümirche Krankheitsprocefs gleich ursprünolicb itt 
ireracbiedenen Graden von Heftigkeit auf, und es werclen eben 
durch diese Terfchledenen Grade von Heftigkeit surn Theil dit' 
Yetflnderungen bestimmt « welche später statt finden. 



J#A#»s MrUiimu Arngmn S^inpüikf Wt^*i$or 4»rpiy€ihim 
sAim a$Wamd$ e» Uipug, «ier die iWimkrU^iu ^ilJlftm 
(DMi^Jmi 4i»St. M. a, %U Leipzig, M üeil—l III. 

, gr,K i99S. • > 3 Tlilr. • üg. 

• • . • • . • . . 

• * -IK» ämSw Einfidrtiiiig dSatü Bmk^ laf fblgeade: ^twnm 
BtAm EiBieitetide'Betfacbtttii^»tt,'ttnd swav !• ScbSI* 
devong titiaerar Zeit vom Stindputifcce ^et psycblicben Aratet^ 
II. Prognotticoiis III. iidelialeaBedflrlbii& der Zek} IV. Ht«- 
dcftiiaae der Befriedigiing dieaea BedQrCniaaea; Y. Nlfbaie» 
Hitttel tur Beaei tigu ng dirseir Hhideftiiaee, Sodiion fiolgen vier 
Bieber. nit iBeieo U^berafbriften t 

. £ratM Boch, die Wahrheit ala miniicbUcba Vort«9lbui|| 

(«ubjective Wabffbeit). 
ZweiteaBueh, die Wabrbeitalf Gegenataod oMiifdUidiiff 

Vorstellung (objective Wahrheit). • 
I>rlttea Buch, Verhältnifa dea Menaclben tur Wabfiieit. 
Tiertea Buch, VerhSltnifs der Wahrheit kam Menadiett. 

Jedea dieser vier BQcher hält wieder acht Kapitri im 

sich. ^ \ ' . ' 

£s ist dem Ref. sauer geworden, sich durch die einletlailditt 
Betrachtungen durch zu lesen, nicht, weil er dem Verf. Utt* 
recht gibt, sondern weil er durch awei und vieraig SaitMl 
hindurch immer dasNSmliche su hören bekam , nämlich Bkgitt 
ffber die Verderbnifs des jetaigen Menschengeschlecbta.' * AttCk 
«iefat man nicht ein, warum gerade der Standpunkt des psy^i« 
sehen Arztes erfordert wird, um gewahr su werden« daftdii* 
erwähnte Verderbnifs in der Sinnlichkeit und der Selbataucht» 
der die Menschen sich nach allen Bicbtungen hingehen » ,b«*- 
atebe, — um Qberzeugt zu seyn, dafs diesem Uebei OOir 
durch die Herrachaft der christlichen Religion « die eine B«* 



J^Wi^Wiiy^^^^^g'''' Li«b9 ist, alig^olfeii werden Jcöiii|«|' 
*r und upi d«;ti Beruf in «ich zu iAibi««» der. w^(d) senden Ver- , 
«IfKl^ifs nach KrAfCeü,^: ptifl w4r« ai|dl oiif toi öcbol^^tft : 
^4gff>^ ^aniitie, zu steuern. 

. .. Xtlie K]age über die Verderbnifs der Men«cb«i|4ist tibrt* 
X Mm$ ^ alt beiaab« «U die Menschheit. 5cbon von der frü- 
Uf?sten Periode unserer Geschiebte* heilst es: das Dichten und 
Tracbtfia 4tNI. olenscblichen Hemn« ist böte v^n Jugend auf, 
uod ^S||ias$Cii{it|(j die Mensche« wollen eicrib von dem Geiste 
Gottes nidqjt^i^r legten lassen u. s. w.. Diese. YerderbnU», 
Ist nichts, was unser dentscbee Vaterland allein ausaeichnet, 
ea theilt dieaelbe mit gana Europa, d. h. aberallf wo Men« 
sehen in Staaten beisammen leben, ist rohe oder verfeinerte 
^fiMilicbkeit , iatMbstsueht, Egoismus^ fiej^tefde nadi Woht^ 
aHaad, die Hauptirieb£eder ihrer Handlungen» Anstvengnugea 
und Arheken» ■ Sil 4en Ülyigon VVelttbeilen wird es wohl 
üiiclit besser seyn ; und wenn gewisse Vorwürfe^ die dertVf« 
unserer Zeit macht, auch nnaere Vorfahren im sechszehnten ^ 
> jtkiJMehnten uad Achtzehnten Jahrbundef te nicht treffe« «. so he- 
wciflet diesea nur » da(s es damala an d e r n^ -niebt aber t daCif , 
, esii^Mäer #ar:. Vl^ir Jüie ea^en» tthiken^ wohntn «md • 
fi^upai,^ um «r^^iM «u Itiftan«^ f und wir *ac besten und streng , 

§km itpläint um 'uns und die Unarijgen-stt nShren and «u klei^ j 
efi» Aus diesem« Qrfcd iat schw^ au itontmen, wia:-dcyp . 
VerC iyS» aelbat gesteht. Nur wenige fruges ^onsufn^re . 
|iig(iiniai^n eine. Ausnahme ron dieser Hegel. . Daja tllM^dia* 
' iem irdischen Treiben die Meisten daa Etne^ yerceisen, 
^ wna Noth «thut, ist leider wahr , jetal wie l(u. «lieii 
" JQer Verf. sucht diesem UebelstandÜDc aeiiinZeifr und in $ti«. 
^em Umkreise (der Umlgi^ia: e|n«f^ detiftcb^n ^hibsQpb|s|pt»ei( 
- §Cl^iftate])ers ist aber immes nut ein* ithr l^einer) durch .g^* 

feniinirtige« Buch ab^fuiielfen« JDieaa^ Ab«icbtiafr sehr loblich. 
:r aagt : L>as höchste Bedarfnir;!t der ]l|en«chen ist die KeH- 
ginn, d.i. das ßedOrfnilV der A^cklLrhr vom Welt- Abfal:]«*' 
nußott. Das Hindemifs.der Befriedigung dieMi^.JBed(kf|i^ae% ^ 
|at die S<»lbstigkeit nach allen ihrenijliibtunge^ , Ab%tu(uQgen. 
* vn4-^liarai(terutisx>he^ Zügen. I)as. n^f ln|te I4<t|e) aur ^eaev« , 
tigung dieaet £(i|idefniMi^« l«t — d|e- Vo.rfttbrung 4er ^V«^br<T . 
. . beitf depn alWt denan'daf j^abre X^iban-noch. Ireind ilt.» be^ 
W«tae9 dadurch, da(s die Wab|;tiei|- .fii^hl arM^^oeiK 
. denn die Wahrheit, erk.fonen, 9jß ^eben« V«^^-'. 
lieb und ab^n ap. uJin»<^gUch ist estit die «Wabrb<^.'<»« V<hi . 
best 9bn« iht anaabapsim. Wsis «bff Ut Wabtbeit? - 
Beii^«p^tnn§ d^u$f Erjage ^at 4m ^MifiH.fkcb^gfVlidncti;. 



9 



, . ^m dk W^llrbeit «rkennm, tagt der Vnf. 
l^ufl man nicht zu den FbUotopben in die Scbulff ^b«|ll0>Wlil 
VV^a|»cb«it ist in kfintm philosuphttchen Sty^itf 9^ fio* 
^en; mm? nu^ ilberli|iu{|t in keinte ScbuU §«b«a^ pj« in tfitf 
If^lfi^ up« lesen lebrt^ was in den Blättern unter« JblKu Ii t* 
f'eyiif niedergeschrieben itt| daak^ii'ftt jndifiScbiilflf irelclM 
dicjlM Buch eröffnet»^ .p«nn zu enthüllen » und darziuttlltB^ 
wa« uoMr i^^u£|lMy]ii enthalt 9 ist ebep ttOMM . 

Verf. . Das BtfvruAtf^'yu. Jibitr iti das Wiiien uni das Seyo^, 
in dem Seyn aber, ia G«geiH(ats von Schtfia^ b«iM^t- iH^A 
die Wahrheit. Deaw.d^ wir von keimü S#yt e^a#niaten 
aiavOQ dem, I9r«lcbea Mn^er Bewu£itseyii.uiit yorhjlh» so sind 
Mfir geftfitbU^t, dieses für daa wahre Seyn , für (lie^WAJurUUt, 
selbst zu liaitea, WiJl man dieser Entwicklung detien^, WM' 
4as Bevf u£st^«y:o MtbA^, di:e Ehra antbiio« sie eiiie philo-, 
sophische zu nennen (wir mfi^i^ al^o doch wub{ ftu daf , 
H^Uoaopbie so di« Scbul^ gffhen , wenn wie* W^tbeit «nken» 
nen wollen, — und so vaifUlIt Jeider auch unseV geijt- und ^ 
. ^etfiiltbfcicb« y«r£. , wie so viele andere Philosophen, in dia 
Aan^a^iuilf'f^ ;tm alleinigen philosophischen Besitz der VVabr* 
beit aiiyn |ifs>.llen) , ap ba| de.r yiirl..(S. 49.) picbia dag^^en, 
nSlf $.1^ etM •{^•eulfttir« sis neimen, mul's er von sirh abWb« 
nen, da, nach'tai item^Wuiiderliclien Begri^e VQO der 6pacu« 
lation, diese entweder alles ^iq Bewufstseyn Ge^eheot y«(ii 
ficb stölaty oder das Gegeben« dfircb ein Nicht- Gegebenes 91s 
cf||Jiiiaen bemüht ist. l^urz, wir erhalten hier eiof £bil^cti«i^ 
phie Ober die Wabfbatt,^ di«* wie schon Cartta^t, wiewoU 
ApfaniUve Weise ^ vmucht hat^ das Bewufstseyn zur Baaia» 
nimmt* Uod dagegen ist schlechterdings nichts eiosu wanden,^ 
di^ ai^i^ wab\r bfeibt, dafs alle Philosophie vooetwaaG«?* 
geben ei^ am^ehen mufs , dfia. aia-ficbtsg aufzufassen , deatea 
|^04|iehungen nachzuweisen t UQ.d ^u;Vfrsteheo bfmüht ist«. 

\%k dtto acht Kapltt^ln des ersten Biucfaes wird d^r Le« 
ser über die suLjective Wahrheit belehrt, die der Verf. ein»- 
.I^Q^in die sinnliche Wahrheit der Vorstellung, |^ die Ter- 
s^ndifs Wahrheit der Grundgesetze unsers Denkens, und 401 
die Yernunft^abcbeit de^ j^a£(lbls des GduUchen , Heiligen « 
flfld Seli^eo.', Der Charakler aller drei t^txif^^ 4er Wahrheit ist« 
^ijjj^fsaba^e Näthig^ng9 ut^d'' Ane;keQnung. dieMf J^(dthi» 
um fpn S^i^ten, Menschen , ifelche Anerlfan^ttag der - 
Qiaii beil. nennt. Ueber diesen Auadruck 9 den er mit Meb«. 
reren, und 9^e^lUc^ init Jaij^aJbi» gemein bat, will Referent* 
nicht rechten , da e^waa Wei^ea an der Sache iatj^ di^%e^ päm« . 

Heb; d^^ ^it %?b^|fptuiig dea^ wukJ^he^{ Daaayiij aiwr «in» 

4 K> • 



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7411 Sil« ait wiiMifif. V. 

W <iM'ntir vermilieltt iinsmr Tortte]luii|«R 

'y ertlraMn befaÜv iild^^ unser eigenbr' 

Geist üni nidit täusbb^'«F«r<i«^ und dafs unsdrn Yorstellud^^ 

f en Gegen^ft^i^spreöhjeD« ' Man thät jedoch , xiacb des^ 
L«f. Ueberzeugung , UfirfdiC , den Bej^riff des Glaubens •o'' 
weit auf sud«bA0n> ^letitt' wenn., dafs. sw,«rnia] zwei vier ist; 
— dafa zwei recht« 1>fiiiM.aifcb' decket j -- dafs ich lebe und! 
empfinde , « dali «{nMir^cbalF^er Gott cfin Unding ist ü . s, v^, f 
kein W i 8 s s d ir mehr, iöndern ein Glauben seyh soll , aö gibl/ 
CS gar keine WiaaaoaAi^^ ab gibt es gat keine Beweise ttna 
Ded uctionen, so lÜgt ^jn Spracbgebraucb alleir Volker, sO' 
mufs das Wort Wisl^ wük anei| Wdrterhücbern auigestricbeli 
Warden. Aber fireütcllp W #ar dein Verf. darum zci tbdn,; 
•o frfib ab mdglicb in lein'Bucb den Glauben einaufftfaren»' 
der einen bedeutenden Tbeil de« Inbalti deaselben ausmacht. ; ' 
Kef. nimmt» wie der Terf^t. vier Arten der Genriliheit 

lind der Evidensen^^lniUcbs - ^ * 

i) sinnltckeGe^ifateltt eui 'Bmpfinavng; 

lofiische GeWiDlbeil, berubeivd «ef der Nothwcndigkeit 
der Denkgesetie mid fteir UAterordnung der Begriffe;^ 

3) -ouftlteitflMiacbe Gewifsbeity Verübend auf der laöth wen- 

digen AlkiCbaanng dea fUttdis und der Zleit» und' den ^ 
•ua diesen £e«ogeden l^kitcben Folgerungen ; | 

4) ttoraiiscfat 'GewtfibeitV G e wissen acblechtbin; ' 
Alles» Wae diese vi^r Arten de> Et&lens .ttnmittelbair uns sa- 
gen» oder .was sieb durch richtige Folgerung auf are sui^ck«' 
Sibren (d. b.f^ew^fteii) ISiat; nennt ftef. ein Wissen; was 
BiA nicbt» ilnd eo lange es csicb*nicbt darauf aurOckitlbren/ 
Üfst» gehört in dU Gebier der ' MeHiung» die wahr seyo 
Itilnti^. aeten Wabrbeil ebef iriloeH nicht ausgemittelt ist. Glau- 
ben biagegea ist; nach des ReF. AnsioKt und nach dem Sprach- 
gebrati(£e^^'^iB FUewibrbftken auf das Zeugnifa eines Andern 
Efii , bistorii^ber Glaube. Er erfordert sicblecbtbin PrOfub^. 
Aucb der reltcidse und diristlicbe Glaube ist im GirUnde ein 
bisto^ischer Glaidie» ' nimllcb ein Fflrwabrbalten dessen und 
darum, was und weil Gott es 4eii. Menseben mitgetbeiH fast 
ikißA aeine Oir^ne» in der Zeit. / Ihm gebt die Ueberaeu-' 
gung vorair» dels dier ' AUmicbtige sieb niittbeiTen könne, 
und dall» ilräs der Wabrlu^ge von sidiund seineai VetUtt^ > 
liissa aur'WeUf offenbart» notbwendig wahr seyn mdetfe. 
l>iefa Ueberaeugung selbst ist aller eiaentliob kein Glaiiba#' 
sdn^rn eia Wissea« denn aie' ist £n£esultät dea 'gaiiiea. 
MenicfaeRW^eaa« ider ganafen/Einricbtutig unsers Gdataf 



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4 



.lie gebt hfrror aui )j]lei| irrten dtr G*wif»heitf dar iiiraltobt« 
und y«r«taiidefgeWiIiibffit eben lo wobl« aU der Vtrnunfu 
gewiuiieity dmOvwUMn. Diese lieber setiflung ut c«» di« 
in gevrOhoJidier Rede auch ein Glaube, ein VtrniMlft • oder 
.fftirtUiftigpr Glaube genannt wird» ob sie gleich «btn to feit 
^Mk» ebfn to auf dem Gefc^bl der unabweitbaren NOtbigung 
bitil^tf. wia^nur ioimer das VVitien um dia auf Simieiia»- 
jmouRg akh atataende^ eropiriacben Dinge. Zwar iat dar 
.V^ hier dMrcbaua anderer Meinung , ja er tagt »ugar S« 240: 
.Mr.^abe Bekümmert aicb um gar keine Qbjeotiyillt« 
.^iaicbwohl kann NIamand das Wort Glauben auasDreohan bd« 
,T^f oboo aogleicb au fragen : air was ? oder wem ? d« b. obo« 
^nHh4*.m Ob}ect ilaa Glaubens zu fragen. Die ganaa ErArta«« 
«limg Aber daii Glauben t wie sie von 5. 238 — 246. gegebcia 
iity^bi^t Äef» plcnt befriedigt. Uebrigens findet der lleser tu 
.iiaatai aratan Ptidie viel TreBFlicbest wohin c. das gebdrt, 
-iVlia^ 75 ff. tiBer.dao «Aberglauben gesagt ist. Warum über 
^darVarf. die atnnlicbe Wahrheit; der Vorsttfllung die dea Volks, 
.naddie Verscandeswahrheit der Begriffe die d«r Schule, d. i. 
, (firGalehftetf nennt» ist nicht einzusehen y ist eine willkühr- 
lidia Aliattaction. Das Volk denkf auch, und wenn es denkt. 
.Itlldii^ as' denkt, kann es nicht anders als den Geaetten dea 
^Ilapltaiia gemäls denken ; wie umgekehrt auch der Gelehrte 
aii dia Wahrheit der sinnlxc^eA Vorstellung und Beobachtung 
gewiaaen ist. * • 

^Iff dfn acht Kapiteln des zweiten Bucbea wird mm* 
^meb/ gezeigt, dafs die Wahrheit nicht in der Vorstellung al« 
leini als: solcher 9 sondern in den Gegenständen lie£e, dia 
gegeben «sind. Unsere Vorstellungen nfimlich weraan be« 
itsmoity nicht durch uns, die Vorstellenden , sondern durch 
etwas Anderes , welches wir anstierkennen haben , wenn wir 
es auch nicht weiter nach bestimmten Merkmalen anzugeben 
^Wülsten. „Benennen müssen' wir doch aber das Element in 
unaerh Vorstellungen, welches uns zwar angehört, wiefern 
wir es besitzen 9 aber uns auch nicht angehört , wiefern ea 
nicht das Product unserer Tbätigkeit ist, sondern auf fremd* 
^Tbatigkeit zurückgeführt werden mufs. Und hier biaUt aach 
.eine Sehr einfache Benennung dar wenn wir das« waa.iiicM^ 
aus uns selbst hervorgeht, sondern was wir von Aalieii bar 
erhalten y was uns folglich gegeben ist, das Gegeb-ena 
nennen. Es erscheint also die gegenständliche Wahrheit über« 
haiipt als ein Gegebenes. Und nun ruft der Verf. wahr« 
halt komisch aus: „Mit diesem einzigen Worte (dea Gege^ 
henen) ö^net sich u ie mit einend ZaabecsQhlag^ eine neue A»^ 



» 



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*9hk-: ' -««iKairA lltyMN^t.' ' • 

ficht m em bif her noch unerkanlitei (vö\i 'WÄ cjfenfc «fcpfct'^ 
kafrrit?) Gebiet unteres BewufsMeyns, lnT&«G«Wet ÄBilfilW- 
häft Gcfgenständlichen , deÄ nitht ft l b« $übjeci:i>ett. WUti 
aU ' aChmete man freier, sobald raarf dlSAt» 0eBM %lMtti 
Was kann Ulis willkommener seyn, als die ElhiiAl» m 
%\i allen wahrhaft gegenständlichen Vors^elliingeii m 
Grund und Halt oder der Stoff gegeb^h'iitt« -r^ ' AfcA' #1^^ 
hat denn jemals daran geeWcifelt, dafs es ^eg^riltfiMl^l' 
liehe leibhafte Gegenstände gebe, die unsefn giriiÄiiit«lr Yfei^ 
Stellungen als ein von ihnen unabbätigiges 5«^ild«ir ' «haut 
Grunde liegen ? Zwar gibt der Verf. zu veritelieft ^ <It seyerf 
es die Philosophen, oder die Philosophie, 6d«r däi HiiMili* 
phiren überhaupt, welches an der ReSütftC 4#t* DiiJ^« ölW%H 
der Wesienheit des höchsten Wesens sWeifle; ÄlWiii dWUt 
*öine ganÄ willkührlichc Behauptung, welche dtfrcll "dSik «W* 
schichte der Philosophie von Pythagoras bis auf Hie )k^fi^( 
Zeit hiolärtglich v<^iderlegt wird. ps werdert ntimjyh 
'gröfsen Zahl von Philosophen kaum dr^'i öder vlef Höi^ifett 
iiamh^ft gemacht werden, deren Philosoph irefl so Weft IWA 
"verirrte , daf» sie das Gegenständliche unselrer VörStellurt^rt'^ 
als von diesen erst gewirkt und hervorgebfacht , -ÄnilÄKÄW, 
Die übrigen Alle suchten die Wahrheit da, wo sie ÄlUin'WfcIl 
zu finden* ist, — in der durchgängigen Harmonie dWi 5Äb« 
jectiven ui^d Qbjectiven, oder des innerlich und ftuAwflÜEll 
Gegebenen, " , . 

In dem siebenten Kapitel dieses zweiten Burches V^fSMCht 
der Verf. eine Deduction der Offenbarung ift der Zeit, die in* 
teressant ist, und deren wesentliche Gedankertreihe i^it Awtotf 
luiisern Leserfi mittheilen wollen: Eine Natur,' eine f»*" 
schichte ohne Gott ist ein Unding. Wir suchen eirte SesÜeV 
die das Ganze belebt, einen Geist, der das Ganze durclldrin^f. 
Dieses Suchen ist nolhwendig; das Nolhvvendige aber lÄ 
Charakter der Wahrheit. Woher aber Bestätigung' erbaltiw 
für diese Wahrheit? Es mClssen sich die Merkmale des' Hef- 
Ilgen in rilumlich - zeitlicher Offenliatung nachweisen UsB^A; 
Eine solche Offenbarung niufs das Medium seyn, durch Wt?» 
ches der blos suhjective Glaube an' Gott einen Gegenstand et« 
1i3tt; eine solche Offenbarung mlU'ste sich zu unserer subfeCti- 
ven Vernunft gerade so verhalten, wie sich die Natur auf«rt 
uns zu unserni sinnlichen Einpfi ndungs - lind Vorstellunft^- 
vermSgen verhäH. Die Yeri^.ünft ist .uicV) Sinn ; ein Sihrt äoer 
ohne Ge"'instand ist nichts. Die Vernunft liat auch VoTStrf- 
l ingcn (Ideen) , allein sie müssen durch einen ihnen entspfc^ 
th^nden Gegenstand angeregt üeyn»- Whf gelängen w Je 



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^ i#r'0utVlf4b#fr^, ^«fi 'unterer Va^^^ rhri^ iaf^ 

'46r OeeeiiMiWl nkllll.ftblf ? Eintig und »lUin dadurcb» M% 
•die«« VwtMlungen VOrt OoCt «Ii heiligem , iltinlcbtig^m > «II« 
<w«isM VVeAwn, a]» dei^ W^rhschöpfer und £rlMlC«r» uns v&ti 
•ihm 8#lbft .ab«rinacbt werden y daft er aelhit aua der Sphil^o 
' ietfiea ^eyna>unrd Wirkena in unaeT« ranmlich-aeitlicheSphtre, 
i. fn onaer«'Gea€bM>bt« eingreift, und lich kund that, *dM 
heifat offenbart. £ine rflbmlich . «eitlitbe Unmittelbare Offvil. 
l>arung Gottes ist also notbwendig; ist sie aber nothtire^dig , 
ao mul's ait» auch vorbanden aeyn; ist sie aber vorbanden, ao 
^ofs ai« uns freiwillig entgegen komiMen. Und diek'ist äucb 
der Fall. Das Heilige ist in die Zeit eingetr«tten ; es gibt ne- 
igen der Frofangescbicbte auch eine beilige G«8cbi<5hl%, dtto 
-anläiiglich. auf Tradition beruhend, und in DBmmcr'<eg g#- 
bOllt« zuletzt mit d«>r Gehurt des Welrheilandef in helles Soft«' 
nenlicbt öbergeht. Die heilige Geschichte ist aber nhch nicht 
geschlossen, wir lehen in ihrer Alitte, ihre OiFenbarungeri 
umgeben uns, wie das Element des Lichts unser Atige, «vhr 
dfirien nur sehen wollen. Die GeschichtshOcher der heiligen 
Offenbarungen liegen vor uns, sie sind das Wort Gottes. VYaa 
-wir von Gott und seinen RathschlSgen wissen k6t)hert, erfabw 
ren wir nur durch sie. Sie belehren, beleben 9 heseügen di«<^ 
die ihren Geist in sich aufnehmen; di^-s-r Geist ist der Geitt 
des Glaubens und der Liebe. Die L>h?b« ist das Höchste , als 
Yolche hat Gott sich offenbart. Von ihr erleuchtet erblicken 
\tir'in der Weltgeschichte die Gescbicbfe des Ahfallsi' und in 
der heiligen Geschichte die der Erlösung. Beide gebdreii isu^ 
aammen, denn auch die erste wird in den Krtriis der g^ttlich^li 
Offenbarung gezogen. „Und so (S. 1Ö2.) ist erwiesen^ 
was zu erweisen war, diUs nämlich die göttliche Otfehbarurrg 
■ das Medium der übersinnlichen Wahrheit ist", d. tK-mitun^ 
• dem Wor^*:n : dafs wir nur durch Gottes unmittelbare Beleh- 
rung von ihm wissen, und ohne das, was Gott selbst von 
sieb gesagt bat^ das menschliche Geschlecht nichts, yo;; ihm 
wissen würde. 

In dem folg<ndeh ächten' Kopit^'l, mi^ der Ueberschi iFt : 
2^weifel und Lösung, lalst rlor Verl", einen Gegner Kiiuvüibv 
machen g**gen seine Offenbarungslehre, die er dann zn beant- 
worten sich bemüht. Der erste Einwurf ist: ob Gott in Per- 
son zu den Menschen rede, und wie sich dieses denken lasse? 
Oarauf wird geantwortet» dafs in «1er menschlichen Natur kein 
Widerspruch gegen die Vorst#»Jlung liege, dafs der Vater der 
IVlenscben sich seinen Kindern auf der Erde in menschlicher, 
Anl^Cung hei«cl^end«ry Gesull oÜ^nbare ^ und dals der 

■ ♦ N. 



r 



L.iy,.,^cd by Google 



liliihnid^ 4«f J(tiM€hMi'«rtiiff«r Gtfir wahfü BSitisch g«» 
»^lptfii aif;;«-p» Dar s weite Einwurf wendet ein, dafs 4«« 
GIbmJ)« an mtn Qq tt airf natUf Kchem Wege» nämlich 4firab, 
r«igefi€^.ideeneiilwick]ung, eiittttben kdnne, wi« sich ja aucfe 
.lyUif^iebaft und JKuipsC^ wenn auch nidbl in jt4M.il(bi|-> 
.ichebj 4ochi0 einigen TprsAglich begabten, vpntelbit inner« 
.Heb en^vrieklev DtAi:auf wird erwidert t dnfii ilie Kanat keid 
.t^|«tirtlttdi|^ip jreiiM.CIaiejn habe, aondern das religUM« 
^UeiiMii^.icban wrilwtMtsf; iU£if wie AlleaimiHenacbenf 
Aii^ fIHBf religiöfe Anlage nur duicb ittfaer« Anregung ^ 
und enti^ckelt werden kitaiiä» mitbin nur durch MB« 
gdt|lidi*geachtpblUche0^nb«runc, ~ .Der'V«r£ UlSit «einen 
Gegner, noci| .•inign^andere£inwllic& vorbringen» Ai0 wiraber« 
.an wie deren, .veranchte Beseitigung , übergehen f um itQdi 
.einigen R^um.filr dae Folgende iu eewinneo» 
^« _V Atta dem. dritten Buche, Wer«diri^ben t yerhlltpUf 
de« Haftaehf a |i«f Wahrheit , da« phna^ Abrede Tie) Onfchf 
dachte«. lifid. Tremiche« enthih , «riO Bi«£ nur dae »Re«ülti| 
«m Sdllua«« 4t««elbe9 her«u«heben. .pi« Wahrheit^ heiHK H 
A'Mif .yft^ nicbt^^emacht, «ie wird gegeben^ «ie hann dlf«) 
jMichUo« «flajAofiCiB wefden» £in reifer. Sinn ergreiß» em». 
T»f^ngt «!•• In den Wia««nMji«ft«n i«t «&« ntcht.Bu IifeM«e# 
rlV«i man un« «u« dem Gebiete der«i||ben dafttr aufgibt^ iat 
jbiufig nur :.eiii armedigaa Stück« und Flickwerk «na mangel« 
hafier Beobachtung» wen Locken die. Einbildungskraft au«* 
'gefallt bat» und auf welchen Grund nun irgend ^ Lleblii|ga« 
juitere««« 'mit Hülfe , der Comhimitionagabe «eine. Hypotheaen 
Iput. Ala Beispiel kOnnen dienen die Theurten in Medicia 
,und Fbyaihf die Philosophie, upid überhaupt Wala andere: 
.Wia«enach«fkeii,, di« sum groÜMa Thfil nur auf Traditioii 

Wuhan»,-. ... " 

■ 

• ...» < 

«• - *. . . 

(Der Bischlujs folgt.'} 



' • • • 

• 



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/ 

« 

N. 48» 1820. 

t 

♦ • 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 




Heinroth über die WahrkeiU 

Det erste Schritt iti das Reich der Wahrheit ist eiile *u&* 
richtige SelbsterkenittDifs. Ist diese wirklich eingetreten, sO 
etsehetnen uns gerade unsete bochfabrendsten VVissen|cbafcell 
als eitel und ihre Bestrebungen als dünkelhaft. Der tweittf 
Schritt Sur Erkenntnifs der Wahrheit ist das GeatHndnifs uil« 
serer Unwissenheit.* Wir müssen nicht s«Ibst etwas wissen 
wollen, sondern uns von dem Geiste Oottes führen lassen « 
der uns in alle erkennbare Wahrheit leitet, utid dieser Geist 
sagt uns, dafa die Welt eine Offenbarung Gottes ist^ und dafa 
wir Oott zum Freunde haben, wenn wir seinen Willen thun^ 
and dafs ihn suoi Freunde tu haben, unser ewiges Heil ist| 
und dafs Gott unser Heil will, indam er will, dai's wir seine 

Kinder heifsen u. s. w. Aber uhd nun verfällt det Vf» 

wieder in seine auf die Vibllachste Weise ausgedrückten KU« 
gen , dafl die Menschen von diesem Geiste §ith nicht wollen 
leiten lassen, und damit endet dies.es Buch. ' 

Das' vicirte und letste B ucb' erörtert , wie Einglingi ' 
schon erwfthnt wurde ^ das Verbältnifs der Wehthelt tii dt»in 
Menschen«' Auch es entbfllt«* Wie die Vorbergebendeti^ acht 
KepiteL Das erste Kapitel führt die UeberScbHftI Offenbä« 
tung, als Grund \retbaitnifs der Wahrheit kum Menschen. Di(f 
g^gtrnständliche Wabrbeit ist ein Gegebenes. VYir Mi^tiscbeit 
sind die EmpfiBnger dieses Gegebenen^ folglich verbdit di« 
Wafcrbeit steh au uns als Gebendea und ist für uns ein Gege« 
benes, AU^s dem Bewurstseyn Gegebene ist ab^r Otfenbsi« 
rung (S. 3Ö9.) , folglich ist das nächste VerhÄIthifs det Wahr- 
heit tn uns Offenbarung, Übersinnliche Offenbarungi. Offen« 
barung aber kann inicht gedacht werden ohne trin pffenbareH« 
des; ein. >fV;irkendes,. und ThStig^s; das, was'die^ei Wir« 
kenJe wirkt, ist Lebensantegung,' folglich' iAiufs ei acilbst 
Leben besitsen , müfs intelligent seyn ^ deVinJaÜcti'wi k leben 

Jahrg. 8. Heft« 43 ' 



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754 ü«iiuailA aber du Wa^Uei<* 

geistig. Mithin ist, nach dem Verf.^ der vollständige Begriff 
derOttenharnngdiüser : „dele sie iiC das gegeiMDeXiet»en , wel* 
chea vom gebenden Leben «eugt«*« 

Djia aweite Kapitel — nähere Bestinrainng dieses Ver- 
hSltmaaet — lehnj die nScbate Ofltenbarung der Wahrheit 
forden Menschen ist dieNatur, oder: die Wahrheit offenbart 
sich In der Natur und durch die Natur. Die Natur aber ist 
fkichModte, ewig trfige Materie , sondern Kraft und Getets, 
Jene als Quell des Wirkens, dieses als Quell des Bestehens. 
Jedoch ist 4lie Nat]Ur nicht die Wahrheit, die aller Offenba- 
rhng zum GrundlB liegt. Wir werden vielmehr auf ein hö- 
heres Wahres surttckge wiesen; die Wahrheit hat sich nftm* 
lieh auch noch auf andere Weise, aufserhalb der Grenaeil der 
Natur und . des ßawu.fstseyQS, geoifenliart, und^ dies ist die 
dttiich- geschichtliche OiFenbarung, in welcher sich Gott, 
er Geist y dem Menschen durch einen QiEenharunfisakt > 
schenkt, welcher eine in der Zeit erscheihende gattliche Tbat 
sryn mufs; (Gott.mufs sich den IVIenschen offenbaren, »ts 
ih u fa in der Geschichte eiii Mensch erscheinen , . der Menscb 
und Gott sogleich Isi«« Ein solches Wunder der Geschichte 
linden wir in Jesu , und so ist die Aufgabe einer höheren Of- 
fenbarung» als. die in ffer Natur ist, auf das vollständigste 
gelöst. . ; . 

- Allein der Anerkennung diesei^ Wahrheit stellen sich uId* 
dernisse entgegen , und diese Hindernisse sfthlt der Verf. ia^ 
dritten Kapitel auf» Sie iiiq.d^die Seljistsacht und die 
scbränktheit'des Menschen, der nach der Verschiedenheit sei- 
ner Sinnesweisf&ild gh'ii'ligflltig die Offenbarung' durch Chri- 
stum aufglimmt, B^ta hitzig entgegenkSrnpfend , baM yot» 
ncbiu • Ucbelnd , büM witzig - spottend, bald bitter •höhnsad 
sie von sich weiset. DieseitJflindernissan aShlt der y£ nocb 
bei eine halbe Anerkennung, die eine sogenannto Ver- 
nunft, wie sie sich in einer selbstgeschatfenen rhilosophie uad 
einer ihr entquffllenden Theologie ausspreche , ala Mittelweg 
zwischen einer unbedingten Anerkennung höherer gdtflicher 
OfiFenbarung , und zwischen dem blofsen mehschlicben Mei* 
iieii , au^icTunden habe. Der Grund auch dieses Uebels — * 
'der halben Anerkennung nämlich — Ü^gt gleichfalla in der 
Selhstigkeit der Menschen| die ihre Anuiafsungen nicht auf- 
geben wollen. Auch dieses Hindernifs mufs fallen » sobal^l 
Hie Bedingungen zur Anerkennung der hdchsten Offenbarung 
ffin aufgeidiüt und helieizigt werden. 

' Die Bedingungen nun nennt uns das vierte Kdpite! in die» 
j«( J^ihtftifolge : Weit - und Selbst verläugnung , Sehnsucht 



1 



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• 

«ach .Wabriiait , Aufrichtigkaitf imi GJaube. s» Wer aich littA 
nicht aclieut , diese Bediogungen einzugeben^ wer es viragt^ 
vnterdieaen Bedingungen ein Schiller der hucbsten Weiaheit, 
c6a -wa^er f bilotopb im ächten reinen Sinne des Worte Mu 
werden, der wird ein Geweihter der höchsten Oifenberungi 
der hekennt mit Hera und Mund die Wahrheit des Evange^ 
Jiums. Und fttr alao Bereitete sind die folgenden Worte ge* 
achriehen, die aoa einem Herzen kommen, welchta von sei* 
Mm ersten Ervirachen an nach Wahrheit dflncete» itevetgebeni 
in der Welt und in den Lebren der Weltweisbeit suchte , imd 
von dem.Oeiit» von Oben» nach Uuaendfkltiger Abttfinnig« 
keir» ioMier wieder von neu(;m gesogen Wurde ^ hia ea dem 
aOlaen An« und. Eindränge göttlicher Offenbarung durch Jena 
Xiiabef dia nar der Glaube erfaUt, tiicbt Iftnger wideratand^ 
und ea sich gana von dieser Nahrung des ewigen Lebens ^ von 
dieaer allea lieaiegenden Wahrheit durchdringen liefe. Wir 
reden rtkt dem , %raa wir Vemoitimen haken , nicht von dem 
Unarigen, iondern Von dem Odttlichen. Wem daa Hera 
sKcht verachloaaen iat von Selbstigkeiti'daa Ohr nicht betftubt 
vofls Gerftnache der Welt», der neige, au una aein Hart and 
•ein Ohr.» 

Mit dieaenl merkwürdigen Selbatbakenntnisie Asa Verf. 
wllt Aef. auch aeine RelaJIion ach! ief aen, weil die vi^ letatan 
Xapitef des ganaelt BticbeS weder einen Austug vertragen ^ 
90€h eitf Gegenstand der Beurtheilung se^rn können» denn aie 
•iitha1tett''tine beredte Anaeinanderaetaung der biblis4ihen Oe« 
achlchte iHid der efaristUcben Leblre» mit Versuchen.^ die G#* 
heimniaae derselben « ala i die Menschwerdung« die Erldsun j 
aureh den .Tod Jesu » die Dreieinigkeit , die Unste^blicbkelt | 
den Slloden&U n. a. hegrelftith^ oder richtiger , ihre Denk« 
iMirkeit und Widerspruoialosigkeit dem -Verstände 'derer 'ein* ' 
leuchtend au machen, denen diese Dogmen etwa anatdfsig 
«sind; wobei ea denn an tiolemisCben Ausfallen gegen jdie Hart- 
nitkigen tind Widerspenstigen nicht fehlt« So a. B. heiljt ea 
S. 406 8 >sDer Satan treibt die ihm anhetm Gefallenen durch 
wilde Leidenschaften au noch wilderem Wahlii und'stttrat liie 
in Veraweiflung und 'Selbstmord*; oder er scheucht aie tu»*- 
ihreii Sintien » aerrtkttet ihren Verstand » entkllhdet ihre Vbä^ 
taale^ ftngsüget und peiniget ihr Gemflth mit Sorge ^ Furcht 
tand Angst ^ entbindet ihren Willen Von allen Scbrankett dea 
Ceaetaes au blinder ZerstÖrungasu'cht| und'nitnitot nun VOM 
•ethen Opl^rn ^ nachdem er ihnen die BimmeUdamme der Freir 
belt ausgelöscht j und sje festgebunden hat mit seinen unaar-. 
reifabaren Stricken » Beaitfl iiuf dem l^brnne dea, Wi^bnaiiina^ 



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657 U«iar(»ili uiier 4I4« v^'alirhiMt« 

der Verrdcktheit, der Mela^holie und ätr Tollheit. Und, 
liamit er ja nicht die Schuld seines schauderhaften Werkes tra«, 
ge, so sucht er sich Freunde unter denen, die nipht an ihn 
glauben in der eiteln Sicherheit ihres Herzens, und dij vom 
Dünkel eines falschen Wissens aufgebläht sind, dafs sie für 
ihn zeugen y als lOr einen Unschuldigen ^ dafs sie der Natur, 
aufbürden, was das Werk der Schuld ist, und dafs sie in deit 
Qualen des Satans nur Leiden des Leibes er})licken, durch 
die Kraft der A^othekerhüchsen zu hekSinpfen und au 
siegen.« 

Ref. überlSfst es den Lesern, zu errathen, was und wer 
gemeint ist, und erlaubt sich Mos zu bemerken, dals diese 
in alier Schürfe ausgt'S2)rochene Ansicht des Vf. geraden VV^egs 
auf die Nothwendigkeit fuhrt, den Exoteismut durch Geist* 
liehe in den Jrrenhiiusern einzuführen. 

Iliemit glaubt. der unterzeichnete Referent dem ihm ge« 
gebenen Auftrage, fiber dieses merkwürdige Buch zu berich- 
ten, Genüge geleistet, uncl die Leser der Jahrbücher in den 
Stand gesetzt zu haben, seihst zu beurtheiJen , was sie darin 
suchen müssen und finden werden. Keiner, von welcher 
Sinnes» und Denkungsarl er übrigens seyn mag, wird es 
ohne vielfache Anregung aus der Hand legen; Jeder, wenn 
er auch nicht in alle Ansichten des Hrn. Dr. Heinroth ein- 
gehen kann, wird wenigstens Stoff zum weiteren Nachdenken 
in reichlichem JVIanfse darin finden; und was die Tendenz und 
den Zweck des Buches betrifft, so ist dieser unbedingt zu 
lobend denn es will seine Leser christlicher, und durch das 
Christenthum seliger machen. Auch verschreie aian.es nicht 
als mystisch und sch wärmerisch ; es ist, wenn auch weit« 
lüuftig und sich wiederholend, doch seinem gröfsten Tbeile 
nach klar und besonnen , und enthält nur so viel mystische« 
Element, als sich in den heiligen Urkunden des Christen« 
thums» deren Sprache der Verf. redet, überhaupt vorfindet^ 
und als mit der ileligiooy dU Cbrittu« gelehrt bat 9 unser* 
trenn] icb. verbunden ist* 



DfltiiMbt LkmiMi ja FtuikiMu 767 

DeaUelie Literatur in Frankreich. 

* 

2} Dibliothequs Alltmm nde. Journal lUu'rmimr$, Straft* 
httfg und ParU, 8« 5 Numaurn, 1825 2C. 

3) Jl««ft4tr«A«# $ur Im matioumthtt^ P^sptrU dtt p§uptit «/!•- 

maiut$ H t§s imfttutiom%- fni sermUni §n harmotd$ 49§9 Umr$ 
motmri #f' hur cmrmuhr^ par L* Jahm^ Tn^duit VtXUmtmA% . 

4) JTars« 0€i9h%9ht9 und Charmkfriitik d§9 ttk9n0n 

LitsPmimr dßr Dsutitk^'nf 9am Bkr»i»fri9d Stithtr» 
Pmris mU StrmfAwrg9 M Immh. ±919. 8. Xtt «. 4S2 S. 

6) Oti$t0rstimm0 dst Kmrfurtt§n Maasimllian d^s Er» 
st»n van Baysrmf herau/bMhworen durch äia Schrift : » LVr 
Kurfürst Maximilian dar Ertu an dan- König Ludwig von Batarm 
&«f Miiifr Thronte suigwig** (^Frankf. u. L#lpe«) QadruAt MI 
Sirmftbu^g M Sckukn i82^ IS & 8% f - 

Indem wir tOTerediMcienartige Schriften und G«genitSfii« 
unter jenet obtg^n Uebericbrifc rereinigen , ut der Gesicht«« 
•punkt TOn eelbat ecbon geeeben» unter dem aie nne einer ge* 
meulfenien' Betrachtung en beim fallen eolliin, £s ist uns zu« 
nächst ntmlich darum nu tbün , aufuierksam zu machen auf die 
last vrttnderame Regung in Frankreich, das sonst — * ntii um 
das Seine aicb kttihmernd (wie Tkcitas von den Griechen 
klagt)« nar sich kennend, nur sich preisend und hocbhaltendV. 
' mit JSInem Male In sich geht oder viehnebr aus *sich. beraum 
geht» und jiinaueblickt und einsiaht» daCi hinter den Bergen 
(Jura,. Was^u, Ardennen u, a, w.) auclknjoch Leute wohnen« 
Fflr Englische Literatur war sehon litnger der Kanal g^edffoet, 
Auch ateben beide Ydlkee itrVielem nahe. Deutschland abev 
wer und. bKeb .in seinen höchsten und tiefsten Lebensbesiii« 
bongen eine terra incognita-, obsebon ea bis l8t5 aller Welt 
Schlachtfeld war, und es.laiige genug iron denFransosen beim* 
geaucht vrorden tat. Aber die 'JSmt ht eine än ttch wunder« 
aam gebärende, still umgestaUende; Seltsame, iueg«;i:abUe 
Sehnsucht geht auch den, w3lscbeo MenKben auf in de«* - 
Bruat. Der ungeheure Kumpf verstockter £imgt antenrestaura- 
cioa und fceiac edler Fortent Wickelung hat auch dort die lange 



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> 



7J^H peutscbe {«iterativ |a frankieich« 

Täuschung aufgedeckt, die Binde von den Augen genommen. 
Man strebt nach dem Einen, was bleibt, und nach Vielem^ 
was ilinen Nolh tbut, Münner wie Villara und wenige An- 
dere litehen nicht mehr vereinsamt da. Roiisseau's tief«r 
Schmerz über sein Vulk wird verstanden. I\et*erent kennt 
eine gute Anzahl wahrhaft edler Französischer Jünglinge , die 
ein unbezwinglicher Drang zu Deutschlands hohen Schulen 
treibt, die eine wahre niegi^ahnete Wonne in der Deutschen 
Sprache und durch sie in Deutschen Werken schmecken , und 

eignen tie£ei| 4u|:9^dc|uef94«9. $ee{eiiefii«( \yi«4«( .4^4^ tieioi« 
«ei^meq. . 

Und auch diese Erscheinungen stehen nicht vereinzelt 
da im grofsen Frankreich { Einmal — sagt Claudius — ift 
jswar schon einmal, und der vereinzelte Villara war schon ein 
Zeichen der Zeit, ein llahn^ der Morgen« achreit. Aber 
wenn mitten in Frankreich, in seinem Herzblatt, — in Pari* 
eine Zeitschrift SQ gedeiht , sq sich begründet und im« 
iner featec wurzelt, wie der Globe *), welcher den Fran« . 
zQ£|en auf alle Ar^ und Weise, oft schneidend, ihre wiasen«. 
ac^aftliche Leichtigkeit und Seichtigkeit^ ihre Kunstschäu« 
inigkeit^ ihre Selbstlobsr Unge^chämi^keit, ihre Weltunkunde 
VQrb^It)!, i\nd das Gediegene, Tk^f»^ vabfhaft PicbterUeb« 
(lng1anda ,t Deutschlands i|. sun| Spiege] aufatelU; wenn . 
ii\ qt^dten SC^dfrankreichs MrU>.<*ns€haft liehe Vereint entate» 
heu« w<^]cha auf grOndlichem uii4 bewu^stem ce|iAjgen Wege 
sich ernstlich bestreben, die geUtige AHe^liperrscbaft und 
^l^s^demUche Eintönigkeit yoq Paris zu brechen^ in die A^tk- 
de^ {u£^ndea zu yeratromen,! un,4 QaueigeottiO^iUcbl^eiten tu. 
sinniger jErfrischung des Ganzen zu hAbren^ hq ist das eia 
jyoftcT, wabcbait erfreuUcfaer SevreU VW FofUjR^A«^ dfr - 
' ganzen Zeit. 

Ypr Allem aber mufs uns Deutschen «u« Talk]ichtiii.^tolstt 

«der Selbstgefühl u^d Se]bstbew»fatseyn|i Wi« Wahr» 
h«ft ti«f«ren Welt- und UeistesbeaUhung^'^ -5- gH»» beson- 
ders e^reijlich seyn , dafs gerad.a unser « JUiteratnr SQ liefen 
Eindruck; in Frankreich zu machen 'beginnt^ Manche- Vtran- ' 
plackte Yeraucha von Damen- aberseta^upge^Qöt he'« (seiner 
G;.'dichte) yf, baben freilich vorausgehen müssen ui»d ba»*. 
ben eben PUhl gut thun können. Aber, im 4"ft*J»^blicke ist • 

|Mngtr in f avia ^ 4aA Q^tm^hen |Hin4ti«h. mlichtigt 
|i« neUfeven AtU^^ltm 9bw OaQMPh^ lUttt ^ aueh 4et Ia4^^' 

peqdanl vqa (*jan^ 



« 



DmHmIi« LfiMtttt in ¥tmAtMu 79ßß 

bncllftigt, gpnitn GMm %m mwlltclMii.- Und w«r 
Uno — tdw^l Mch »praebliclMo und geittigta politl» 
•cli«ii GrfindM — vor s«b«ii Jihran (löl6) geglaubt , tin 
Fmntoae wOr4« Jalia*« 'D«uticb«i Volktlbuoi tfiiiM 
Volk« flbert«€s€ii , juni^ in P • r i t b«i d r • i • n Bafbbliidlerii 
mlttiilta JEdnntn! Oim« Eiidi« dcüts iaii«rtt«r Grundsug 
auf dm icbwriWn G«g«iiinKt Oaultcbtr und WllidMr Natur 
bmbt» Hndde«MrnD«uttcb«tfito 0u«drigimtbflmliclMt, nnd 
ülbst rieten Deuttdien (wie feine ivfuBdells«) tcbwerea und 
uebehagUcbet ittS — Und der Mann hat aeine Aufgabe mit 
tiifflieber Umaicht in der Deutachen Literatur , wovon die 
Anaierkungen aeegen , gelöst. £r bat getban, waa man von 
iboj j«tat acbon fordern Konnte. Und der Mann aagt beacbei» 
den in einem Briefe, der Keferenten zu Augen gekomnien iat : 
»Jevottdrois bien (£ue nia traduction ne fut pas publice car 
de{,tiit i'ai un peu vu TAUemagne, le» Allemandi, Ja belle vie 
devot univeraitfff , il y a beaucoup de passagea que je com* 
prenda mteux et c[ue j'auroii pu mieux expliquer a mea com« 
patriotes.«* — Merkwürdig ist ferner das Ürtlieil eines an- 
dern Lyoner Arztes Stanislaa Gilibert über dieses Buch 
und Lortet's Uebersetznng in seinem bald daraui erscblenenen 
Lettre sur l'Allemagne a roccasion des recherches aur ]a natio* 
nalite, Lyon, a Timprimerie de Cotjue. l826. 8. Hören wir 
sein Urtbeil über das Buch und die Uebersetzung 1 l) ^Le 
sort derAllemagne n*e'tant pas cbange, l'ouvrage de Jabn (ecrit 
il y a plus de quinze ans) n'a rien perdu de son opportiinit^; 
il resle ce qu'il e'tait, uiie machine de guerrß elevee jpour la de» 
fen«e du pays contre la tyrannie de Telranger et cuntre cette 
iolle pre'tentioa de conquetes et de doinlnation universelle,» 
qui a pu etre 1oiig*tem8 un mal necessaire et le seul moyen de 
communicatlüii entre leapeuples ignorans et lesbarbarea, maia 
qui certaiiieiuent ce'dera enfia Teuipice a d'auCres moyens de 
civilisation , qui ne coilteront ni sang ni larraea, rhllosopb« 
autant qae patriote, l'auteur comlföt francbeinent , daus Sin- 
teret de soa pays. comme dans celui de Tliumanite', cette vieille 
folle qui y degulsee sous les noms. de Sai^te - Alliance, de 
congres, (\e coimopolitisme, aspire encore aujourdbui,. «ans 
egard ponr la diveräite natuielle des peuples, a 1»:8 üoumettre 
tons egalement au meine regime, comme l'rocuste pLacait toute» 
»es victinies dans son lit de ter.« 2) «J'ai lu cet ouvrage 
comme j'auxais ccoute une conversation d'un sage ou ii*uti ami, 
&ans trop prendre garde a la coriection du language. C* est ict ' 
UM ihre de bomie foi , a dit M, Lortet de l'ouvrage allemaiul; oii 
pauc le.dira auiai de 1a tradiiction ^ et ce ju^emcat dcviait^ 



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•ufKre etc. — Aber weiter l Als im ^ori^an. Jahre der Kon.* 
preulsische IVegterungsrath Graft, Verfasser dea<gritndiidUa|A 
Werks Clher die Althochdeutschen Ti üpositionen , auf einer 
}^«iair durcb die bandschriftreichen Bihliothttken besonders 
peuMcbUnda (zum B«huF eioesf Ahbochdeptscben. Wörter- 
)>i4ches) auch nach F^ria kam, und dort mit Oeutscbetn Fieifa 
und gitsflei^pb (ait venia Verbii} in den Bibliotbeken arbei- 
tete, und beaonders «ine auf swölftausend Wörter steigende. 
Altbp^hdeutsche GloaaeDaamiiiJung auffand, nahmen dia Fran* 
SCfaafi den lebendigsten wärnisten Antheil, und rttbmten diese 
ganz fern liegenden Foracbungen dffa Oaut^ch^n Gelebr« 
die theilnehmendata und ehrenvolUta Weisa in dem 
. Vf'Mibarbaft« das Jour nal dea Savans ^tQ%&)» .^in* 
Q)eicb(?a geschah Qber dia Altdeutscban -Bestrebungen .der 
.Jleiaendeii Gjraff, Mafsmaqn u. s. w« in der mlter unten 
QSber %ii beaprechenden Bibiiotb^qu« aUemande (Heft. 2« ' 
$. .i35 — iSd*)/ mit gesunden und richtigen Kückhlicken Auf 
diaae lUcbtang . Deutseber Sprach wissen scbaft seit Scheda » 
Scbilter , Wacbtert Grätet u, a. w, - -r- Raynouard y Roque- 
fort '«IvA w». i|ind dea D^utacüen schon i)easer mächtig bei 
illiren Al^ri^iiadsiacben Unterauebungen als^ E)u Cbeane und 
l^lenage^ • Itiebei aey dankbar er\^ifbnt» wie mit wäbrbaft . 
Icindlif^ar Freude (man sehe, aeine Schilderung im Literari« 
acbf^ Anseig^r 1799. St« 97.) der Franzose. Qley t799.lcboa 
die fibr die Altntec(erdeutscbe JVIundiirt höchst wichtige A)u 
aäcbfiacba S van g e] ien«|Iar monie in Qamberg .auffand ^ 
edumnu und aeinen Fund ankündigte, wonach aie gen Müo*. 
eben Jtam und ^ rastet bia beute , weil Oberbibliotbekar 
Spherer aie berausgeben , will , u'hd nicht D.ojpen. Jener 
veratebt . gut : Arabisch , dieser Paut(icb. uii4 ist ^aaUier 
Weatfola. . 

Seit Anfang ^ieaea Jabrea eracbeint su Paria rine D«ut« 
acbeZeitu ng« £in kundiger Franzose fiberaetzt jetzt meb'» . 
rare Schriften £4Ut her a (,> pour faire cannoitre ceC bomme 

^ea ouvrages"). Ein Anderer' arbeitet ( Ucirtl -hört! ) au 
einer yeberaetzung der Ntb e ] u n g e n. Dies v^eils Referent 
aicber» . Schwerlich g<^Ung5 dieser Versuch. Aber d«a 
BtiStrehen ist mer(twQrdig l JDie Ltevraultscbe Buchhandlung 
fn Strasburg liefert \n Kurzem eine gi'te Uebersetaung von 
lferder'4 ideep zur GeschicHte der IMiilosophie der Mensche 
beit| und in derselben Buchhandlung wird jetzt eine gelungene 
{Jebersetsung von Schlosse r.*s „ Univeraalhistorischer Ue» 
bersicbt der Geschichte der alten Welt und iluer Cultur* 

4u(:qU dui) F(Ui^i4t)P.t ,(^"»1 h e r y- zu Colmar (Qonsideratians gt^ 



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DwMMte UuMtw im KmImM. 



jierales sur l'histoire univcrfelle de l'untiquite et «a civilita« 
tion") gedruckt, einem Werke , das viel zu einer grUndlUht« 
ren bistori»chen Ansicht in Frankreich beitragen wird. 

Gern verweilten wir Jünger bei diesen allgemeinen Ein- 
blicken in dieses innere Hegen Frankreichs; dut h fesseln uns 
iür dies Mal besonders nocü di« 6 c r«i|»b urger Werke über 
L)dUtäche X^iteratur. 

j .Zuvor aber scblielien wir jene allgemeinen Betracbtun«. 
gen mit einem merkwürdigen Sejbstgest.'indnisse ein^s biedt« 
ren Franzosen unserer Tage, das KftVrent in Äiinn hir-r sie« 
benden Gestalt verbürgt. Wabrlicli, tuer ist m'-br denn Rons», 
seau , aui dessen viel tragenden 5cbull«rn die Kinder der Ztit 
ireilicb mitsteben. 

„Je compte faire un se'jour plus long en Allemagne cett« 
anne'e, car j'aime l)eaLicoup ce pays et ses babitants. Je pui« 
dire que j'y ui maintenant plus d'amis i|u*en France. Je sens 
que cef voyages ont »ole le coeur a la -patrie et ce n'est point une 
atfaire de caprice. J'ai pendant Jong temps parcouru ia France, 
je me suis trouve en rapport avec tontes les classes ; j'ai vu 
les bommes dan* les orages et dans le calme, /• puls dire que 
je connoli itAtion ; mais je ne me fais pas illiision comme t^mC 
d'autres, et pour parier francbement je dirai que le tableau 
de sa „ nationaJite<* ne seroit pas beau, pourvu (jne l'on ne se 
conduisit pas comme cesp«intre9| qixi ignl le portrait d'une 
i'finme Jaide et vieille.« • ' 

Indem wir uns nunmehr zu den Deutschen Druckwerken 
Strai'sburgs wenden, wollen wir zuvörderst einer guten 
Zahl Deutscher Buchhändler die Strafsbnrger (und neueren 
Pariser) Deutschen Drucke zur gebührlichen Nacbeiferung 
in Correctheit und Schönheit des Druckes , wie des Papiers em- 
pfohlen haben. Brockbaus, Viewec, Max etc. sind damit nicht 



«meint. Aber viele Andere, vorzüglich Reimer, diea ufLösch- 
^lapier drucken, was Zeune in seiner Ausgabe des Wart- 
Burgkrieges niit den-geschmoUenen Eismassen desNor^ 

' dens ^ebr naiv su entschuldigen schelmisch ^V) genug war. 
Vor Allem zeichnet sich in Strafsburg die schon genannte L*^ " 
vriiuit'scbe Buchhandlung mit ihren. Drnckwerken aus. Si« 
haben auch nächst den Frankfurtern einen scbonen eignen 
I>e)ttichen L et t er n sch n i 1 1 , der auc)i in Pariser Werken 
an^ttwendet wird und dem Deutseben Auge «ehr wohl ihut 



•} Levraolts liaben Buchladeo, Druckern^ Sftwei , Schrift- 
giefsereii SoUflftschoeiderei , Steindruckeirei in Einem Haot« figo» 
beisemmeo 9 «nd bctehifHgep läglMli ati «cktsig .Mf Dsehcn. 



I 



L;iyiii^Cü Ly GoOglc 



• ■ / ■ 

*Di« StniTtburgtr DfücHcm« mdBiiddbiiMlifr kAw 4h$ ' 
löMicbe Sitte det ididAen Drucke« und •cbneevTeillieii Faplere- 
von Farif gelernt. Und das ist Idbjidi^ in Solchem Frank« 
reich njacbgeei^Kt stt haben, Ldblicbert «rfireiiHcher und 
irdftHcher Mr das Deutsche Gemfith und den Dauftehen 
ben ist, dafs der Elsafs Deut «eh er eeblieben» ab nui« 

§1aubt , ungeachtet wfilscber Behörden und trots MiaeionSimi « 
ie in Strafsbnrg ein ungescblachtea Aieaen • Grueifii^ t da« 
noch nicht einnial hesahlt ist, vordem aus gans ahderem-Ch^i^ - 
' atensinn gehauten Mflnster aufgepflanzt haben su Ihrem Auw 
gedenken. £s ist beseichnend, dafs vieje Strafsbtirger und 
andere Elsasser von dem rechten Abeinufer herüber Frauen 
heilnfflhren. Und das thut viel zur Erhaltung Deutscher Art, 
wie Deutschen Blutes. Ein Andres ist die Nicbtvereinigung 
.der Elsasser Lutherischen mit den Französischen Aefor« 
mirten, wogegen sich der Deutsche Evangelische dort mit 
Bewufstseyn selbst aus politischen Gründen sträubt, denn ' 
flugs wäre seine Deutsche Eigentbümlicbkeit UberflCIgelt, 
volklich wie kirchlich ; wie aus demselben Grunde in StraTs- 
burg das Deu tscbeMuseum keineMili tai r s in sich duldet, 
die überhaupt in Frankreich kein solches Prae haben und hegen 
können, als in Deutschen Ländern. 

Aber zurück zu unsern Stralsburger Werken über 
Deutsche Literatur u. s.w.! 

Es war ein glücklieber, gesunder Gedanke einer Gesell« 
•chaft Deutscher (EUässiscker) Gelehrter (une societe' de gens 
de lettres), gerade in Stralsburg eine Biblioth^qu« 
allem an de (Journal de Litterature) au begründen. Kein 
Ort ist dazu geeigneter, als diese Burg an der Strafse 
von Alters her, wo schon König Etzel «einen Uebergang 
hielt. Strafsburg ist Deutsch in seinen äufseren und inne« 
ren Cg^^'^ig^") Lebensbeziehungen ; von der andern Seite — 
den Institutionen nach — mit Liebe und mit Aecht (wo 
ist das Eine Deutschland, daran Elsafs sich hätte lehnen kdn« 
nen?^ neigt es sich Frankreichs regem und reichem Leben 
^zu. Aber das De u t sch a wird eifrig in den Schulen gelehrt 
und deutsch gelehrt. Noch jimgat (Anfang i826) eiscbien. 
in Strafsburg eine neue Deutsche Sprachlehre von l:*far- 
rer Bökel daselbst. Es giebt im Elsaf« noch eine Deutsche 
Literatur. Strafsburg bat eine Deutsche Zeitschrift, der 
Hausfreund, eine Deutsche Zeitung, und wer kennt 
nicht, wenigstens aus Gölhe's Kunst und Alterthum Bd. IL 
Heft 2, Arnoldi*s treffliches Lustspiel in Strafsburger 
Mundart; Der ?f in|^«tu»onta(|[ ($€ra£iburgi Xreuttel und 



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WlMt« l8l6.)9 dat noch Aber den Frankfurt«? Bflrgar« 
kapikain su atellea ist. Di« Gebildeten und Gelehrten m 
Suafaburg «ind nach ihrer gansen Studienart su DeuttcbUntt 
gerichtet. Sie haben meiit Deut»che Hochschulen beaucht^ 
•(•IlMl mit Deutschen Gelehrten in dauerndem Verkehr u. a. w* 

— Viid von der andern Seite haben sie meist l'nris länger 
büMCbt, dort ihr Französisch gründlich ausgebildet, und 
ktniien gründlich das Bedürfnifs der Fransdsischen gebildeten 
VVelt. f.ben so stehet der Strarshurgische Buchhandel gleich« 
mlfsig mit Paris und Deutschland in Verkehr. Auf StraXs- 
barger iVIuseen liegen die meisten Deutschen Zeitungen und 
besten Deutseben Zeitschritcen. Wir könnten dasßilU weiliic 
lOftfOhren. £s genügt eu unserm Zvi^ecke. 

Alle jene vortheilhaften und noth wendigen Bedingungen- 
zur gedeihlichen Erreichung des Zweckes einer solchen ßi« 
hiiotb^que allemande sieht und weil's Referent in Strafiburg 
und in den Theilnebmet ii derselben , die er meist persönlicii' 
kennt , glücklich vereinigt. Hören wir — was das beste Zeug» 
lufs fUr das richtige Beginnen der Unternehmung u. s. w. ist 

— die Stimme eines Franzosen selber, der also sich ausge- 
sprochen hat: ^Je connois la biblioth^que allemande, duut 
j'ai Te^u les cinq Nos qui ont paru. — Ce Journal est tres utile, 
en France et Strasbourg est la seale vüle ok V oa pomoit biea le 

/' ' mm 

Fünf Hefte des ersten Bandes und der erste des zweiten 
Bandes liegen augenblicklich vor uns (der fünfte fehlt leider 
aus Versehen beim Verschicken). Wir geben hier einen kur- 
zen Inhalt derselben, wobei wir aus Kenntnifs der örtlichen 
VerhUltnisse bemerken, dals die gröfsere Umfassendheit und 
Gründlichkeit im Steigen ist. Die drei Hefte besprechen so- 
wobi die Literatur der Deutschen Taschenbücher (Mi- 
nerva — Aurora — Dramatischer Almanach — Alpenrosen — 
Rheinischer Almanach — Almanach für 1Ö26 — Urania Or- 
phea — Huldigung der Frauen — Penelope — Cornelia — 
Frauentascbenbuch),^ welche Erscheinungen den Franzosen am 
sehfamsten vorkommen müssen; als auch historische 
Werke (nameotlich Geachichte unserer Zeit von M. L», A. • 
Menzel), p o 1 i t i sc h © Wissenschafieu (weitlüuttig durch 
Heft 2 und 3« Feuerbach's Betrachtungen über die Üeifent» ' , 
liebkeit und Mündlichkeit der Gerechtigkeitspflege), Philo- 
• ophi» und Moral ( Encyclopädie der philosophischen 
Wissenschaften von Ch. E. Schulze, durch Heft 1 , 2 und 3)*. 
£inen ziemlich bedeutenden Theil der drei Hefte nehmen iür 
jetst noch ein did.bibiiograpbiAcb^n B-uli^lint und ' 



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764 DmimAm Littiatiir in ftmluriidk 

4m V«rnilfcbte (Variet^f), was taine Nolbwabdigkeit in 
aick tragt, da den Franaoten so Vieles und lelbat bei una yms 
fing^ und fttba biatoriiche 'Notiaen der Dautacben Literatur 
^nd Scbrimteller noch gänzlich neu und nOtbig sind. Dat 
Btilletin bibliographique aeigt bn mit kürzerem oder längerem 
Ritaanoament.: Kudoli'von Habsburg, epische« Gedicbt 
von Fyrker Sagen und romantiicbe ErzabJungen vonL« 
Rollatab Drei £raählungen von Talvi — Ufa Foaala 
und Beredaamkeit der Deutschen von FrauzHorn mmm *Dia 
Spracbgesellsthaften des siebenzebnten Jahrhunderts ron Otto 
Scbula Leukothea von Iken Religion der Ver- 

nunft von Bouterweck — Irrthümer und Wahrheiten aus 
den ersten Jahren nach dem letzten Kriege gegen Napoleon 
und die Franzosen von Wilh. Schulae — Üeber den Geist 
der Staatsverfassungen von Fr. AnciUon ^ Die Geschichte 
der Hohenstaufen von Fr. v. Raum er — > Laskaris 
oder die Griechen im fünfzehnten Jahrhundert von Vil le- 
rn a in, deutsch von Stöber — Geschichte des Aufstandes 
der Hellenischen Nation von £. Mü n ch — Reise nach China 
von Schmidt — Geschichte der Musik von Lewald ~ 
Theologische Quartalschrift von Gräta — Ueberlieferungen 
zur Geschichte, Literatur und Kunst der Vor- und Mitwelt 
von Ebert (ausfahrlich) — Handbuch der Deutschen Sprache 
von Kunisch (Heft«, S. 117 — . 123.) — Gottfrieds von 
Strafsburg Werke durch von der Hagen — Vermischte 
Schriften vonE. Houwald — Auszüge aus den besten 
Schriftstellern Deutschlands, Paris hei Didot. l825. 
8« und Deutsches Lesebuch für Frankreichs Schu- 
len von Ermelar, Paris bei Baudry. 1Ö26. 12. — 'Eduard 
deutsch durch S tö b e r ^ Neue Verhandlungen der schwei- 
serischen gemeinnützigen Gesellschaft — Gothaischer genea- 
logischer Hofkalender — Genealogisch • historischer Almanacli 
von Hassel — Corpus inscriptionum graecarum von Böckb 
Neue allgemeine geographische und statistische Epheme« 
riden — Kleine BOrherschau von Jean Paul (Heft 3. -J>. 188 

— ld3.) — B a k i ' s Divan durch Jos. v. H a m ra e r — Bei- 
träge zur Kenntnils des Inneren vonRufsland von Erdmann 

— Vermuthungen über die wahre Gegend, wo 
Hermann den Varus schlug, von Müller (nebst der 
Literatur der Werke von Cluber, Petersen, Hammerstein, 
Hohenhausen, Tappe, Klostermeytr u. s. w. S. 197 — 200.) 

Aristotelis Politica von Göttling — Ueher die Kame- 
ralwissenschaft von Raa — » De Schola, quae Alexandriac 
Üoruit von Guar icke — Tanoemann^s Grundrils der 



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DtalMlMi Lltifaiiir in Fnviltfflali. 

l GtiAiiJit« dw^hUoioptii« durcli W^ndt ^ Btaehrübuiic 
! rdMidwr ttiid deutscher Altertbllaitr in AbMlMMM durah 
i EmÜ9 — Zeitschriften: Columbuit AtUntit u, i» w«; 
Literaturseitung rar DtfuttcbUnda VoUMcbuUebrirr Dmt 
Ertmit in DeuUcbland ^on Fante (auc#tQ«r fiob«: S. 80f 

Aeichhaltigf r und mannigfaltiger Stoff genug tcbon ! Ea 
wSfe.t<4ir au wOnecban, dala Deuttcba, denen ibrae Valkaa 
£hrf Jteb iat und am Herien liegt, lebendigen Aatbeil nibmai^ 
an dem Gedeihen dieaer Zeitaebrift durdi Lieferung von biata» 
rtw^en Uaberblicken aber^ganaa Zweige, Abacbnitta und 
Theile Deutactier Literatur, von ttbaraetatan AuasOgen, rom 
]u«t^acb*literariacben Notiaan u. a. w 

Jjetstere atellen aU dritten Hauptabacbnitt die Variatda 
und M^langea auaamman. So apricht Heft i. von Jean 
Paula Tod un«? acbildert dabei aeine Hauptwerite (5. 67 
68.), 'Heft 2* giebt dazu Jean Paula Bildnil's in Steindruck; 
ferner ein kurzes, aber It^bendiges Bild von den Deutseben 
Universitäten (S. 134 — l35.), schildert das erivachte Stu- 
dium der alten Deutschen Sprache und Literatur, und dia 
Mftnvier, welche sieb dafür bemüht haben und bemühen (S. l55 
iSB.)« endlich auch die All'>emeine Literatnrzeitung von 
Halle, die Göttinger Anzeigen, die Schottische Uebersetzung 
dea vierten Tbeiis von Fouqueville's Geschiebte der Wieder- 
geburt . Giiecbenlands , die provenzaliscbe Grammatik von 
Adrian; Preis der Berliner Akademie über den Instinct der 
Thie re u. s, w. HeFt 3. endlich bandelt (S. 2l4 2160 
der Hahnemannischen Heilart u. s. w« 

Heft 4. bespricht I, 1) die epischen Gedichte 
Deutschlands (Loblied auf den heiligen Anno — Vel« 
decks £neis — Parcival und Taturel von Wolfram von 
Escheribach — Tristan und Isolde von Gottfried von 
^iralsburg — Der Ritter von S t a u f f e n b e r g — Das Hel- 
denbuch — Der N i b el u n g e n L i e d , wo nun Lachmann's 
Ausgabe zu nenn*»n ist — Ileineke Fuchs — Klopstork'a 
Messias) von E(hrenfried) S(töber). 2) E. Houvvald'a 
Werke. 3) Otfrieds Fragmente von Jlofmann. 4) Wel« 
ker's Prometheus. II, 1) Brasilien von Sehäffer. III. Jour- 
JKile und Zeitschriften (von Stieglitz, Welker, Horner, Böt- 
tin«r u. 8. w.), IV» Verschiedenes: ürtheile über Ke- 
ravvy's Werk Du Culte en ge'neral, über Voltaire'a Uenriade^ 
VVjndiscbmanna mystische Medicin u. s. w. 

. H ei^^t 5. fehlt uns durch Versehen der Bucbbandlung. 

! llaSt 6. enthält L Ueher Vo^s nebst seinem Bildoiis in 

» 

. ' ' e . • • 



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74^ Pi MH i h« liiMMT lA StMikMi0la. 

^ninldK Ih i> UtberUiDk flbtr Stöberet kune Oi- 
adiidit* «kr tibiliMa'IjItmtur der Dtutachan; 8) Britaii« 
a i c u • von Racint , d«tttich diircb- C e a « ; 3) Ers&bluiygen 
md N»vdi«ii von Griosel} 4) dio Volfc«li«dor der Ser- 
ien dorobTof vi ; 5) SbeketpeftCdwreb Bend«; 6} Histori« 
«die Beleticbtungen jOber die AntprScbe Bmtilient auf Monte. 
Video« Ml der AdantU ; 7) Ober Alaeedonlent 8) Wal t er i 
' llorptu jiat Ii GeroNiiiiei antiqui ; 9) £bere'a Ueberlieferun« 
gm mir GetcbMdite* III. Alannigfaltigeas Ueber die Gdt. 
tinger nnd^KurUnder GeeeHtcbaft der Wittenfcbaften u. w. 
Mit den eecbiceo Hefte ecbliefat tfcr erate Band^ deor ein Re« 
.gialea angehängt lat. 

Band II. seiet die Anaabi der Aedaeteure und Mitarbeiter 
aebo erweitert. Wabrend Band I. niir die beiden Adrocäten . 
Bavtbdlomy und Silbermann auffobrie, werden bier na- 
■Hrntlicb^ auf Titel genannt: Bartli<}eniy Advoeat» 
Br.uebt Ptofeafor an der Akademie au Straiaburg , Dr. Jung« 
iiiobtraberger Advocat» Lortet ronlafonf Arat, Dr. 
Mafimaon von Berlin, Matter Profetaor au Straftborgi 
Maodheux Advcyait» Silbermann Advocat, Dn £• StO* 
lier Advocaty Strobel Pro&aaoraaStraiaburg, Wtim' Pro« 
loaaor su Sirafiburg u. •« w. 

Daa erate Heft entbilt I, Mittbeilunfen über Hnrdjtr'a* 
lieben und We^e« IL I) üeber der Deutschen Literatur 
Vevleeungen von Dr. Cbr. Moller au. Genf ^ebalteOf Ober 
dieadion «laLiteaariseben Converaationa^Blatte No. SO. 6, April 
iS26» S. 31^ ^ 310. Beriebt eretattet wörden 'itt ; 2) Launen 
•meiner Mute von P a na e. III., i } Geachtcbte der Revolution 
in Spanien und B»rtu£al von Scbeveler; 8) Allgemeine fai» 
atoritcbe Taicbenblbltotbek ; 3) Deuttcbea Volkathum .von 
Jahn durch Lortet; 4) Giiibert Briefe Ober Deuucblanrf, 
veraolaftt durch Lortet*a Ue^ereetsung. IV. Gemisch, 
tes: Die Gottinger SocietSt; die Deutseben Universitäten; 
Schulen des'wecbsslseitigen CJnterriebta in Dineroark u. s. w. 

Wir sehen, wie die Bibliotbique allemande immer uoi- 
lafsender Schritt au halten strebt mit den neuesten und be. 
dentendsten Erscheinungen unsrer Literatur ^ und können ihr 
nor fröhliches Gedeihen in Frankreich» so wie eifrige HülU 
in Deutscblaikd wOnscbrn. 

Der Druck'des Gnternehmens ist sehr sauber. Band If. 
bat sogar darin noch augenommen, besondere dadurch, d^U 
'er etwas kleinere nettere Lettern gewählt bat. In's Einselne 
des Inhaltes einzugehen , verOietet bier iUum und Zeit, und 
war aucb lucht der Zweck. 



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* 



Nibtr notb di«r an'« Hers rMt ont St^^tr'a Kars« 
6e««bi€bfc« und Cbartlderittilt 4«r tcböncn Li« . 
teratur der 0«utieb«ii; niobfe'iiiif WmI d»» Bttcb H«« 
livl'ii gewidmet ist, sondern weil ei ftkr FrankvAicb be* 
•Umnit ttt, wir DeuUcht «Ito^weU #1» Atcbl hftlm M fra» 
gen , wie w«cd«a wir dargttulltf WM tagt mao^ TOn mnMr« 
vorder mAanern uod AnaiSnnern «us, ftumal in der ach One« 
lijtenraturi und — obtcbon der Titel »Kurse Q«i<fhicbUf> 
TerkOndety so docb auch eiae (»b^rakte r ist i k, und 
ein ist das Bucb 41S Seiten gr. 8« aurk. Dß ilfiK aiA Mho» 
Manches sagen, ao wie — - auch Maacbet vei^aen. 

Aber fassen wir aucb dieses Unternehmea wieder iiairsl 
in seiner Allgenieinbeiti oacb seiner Abfidik aaf» Otase iat 
eine g'edojpp<3te.' £|naial fegt die Varrede: MÖae S«ch aat 
weniger &r den Gelebrten» als iQr den Geb ildelaa- Ober* 
baupt» bescmders aber fOr Janglinge ]beatiiaait<«'(S. Xh% 
Sodann ifk d|e „nftbere Anregung au diesem^Ultrlfiafbea 
Unurnebaien das in Fraakreicb isssier aiebf aiak 
▼erbreitende Jnteresse fflr die Scbriflen def 
heeseren ' Oeatscben Dichter nnd Fr^aatker« 
XS.X1I.). Abo Cor Fraakreicb ist weseatUcb das Werk 
iberecbnet. Darum wollen wir einerseits billigere Aafocder u ng 
inacbenf weites der erste derartige Yersocb. ist t iind-dia 
Fransosen schon eine Weile daraus reebt Vieles leraen kda* 
nen , aumal da bei den Charakteristiken der einaelaea Schrift» 
steller aucb binlftngUch.ibre LebeasscUickaale fieacbildert siadt 
aad soaiit bat decl^idaw einem grölserem besseren Werke 
wenigstens eiaen verdienstHchen Grundstein gelegt; Toa der 
andern Seite aber mjllssen Werke, die bei dem jungen friseh* 
erwachenden Strebea Frankreichs au seiner Befriedigung her« 
vortreten» ,auch gründlich und wärdig ^leicb iie Deutsche 
Welt ibnir erscbliefien und darstellen« Strenger daher mufii 
ei^e Benftbeihing solches Werkes von Deutschem Grund und 
fiodeti aus geschehen , als von Sirslsburg au« (Bibliotb. allem. 

N. 6. S. 360 — 365 ). , 

Herr Ebreiifried Stöber ist der Deutschen literlrisdien 
Wdt bereits vortbeilhaft und ehrenvoll bekannt durch sein* 
Gedichte^ die mehrere Auflagen erlebt bähen;' ieraer durch 
aeine gut gedeutschten und von der I>evraultachen Buchhand» ^ 
Jung scbdn gedruckten Uebersetsungen der fransöaischen 
>^erke Eduard (yonder V«rfaaaerin derBurika), Iiaskaris 
oder über den 'Zustand der Griechen , M ji n a r d u, s« w» £r 
ist der Deutschen Sprache r4*cht schOn mächtig (bis auf e%niga ^ 
niituuter durcbguckende fiUassereiea) s »^t tich^wotil daa ^ 



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766 PmimIi« Lttcffttttr in Fnalurcldi. 

9 * 

Ridribtiilli^^livruf ervlrörbbir^ dem Lande ^ dem er politiich 
zugebdrty die OeUtodie X^itis'ratQr in einte Voll* und Hund« 
gemfllde votf ofahreni • . ' . 

Indem Wir nun des Birdli. niher tmd^mebr in'e pinseln ^ 
gehend lieMlietiten wdllenY eprecfaen wir 'suvof hpSch Irc^ima* 
«big dieMlQige] deetetben aue; wobei wir weaentli^cb fest» * 
luüten; /dalt^ ee . Hit Frirarkrelch* Ifesofidare beitimmt' ist ; 
wesbalb bler vor Allem getadelt werden mufs, dafi am Scbluisa 
des Auehea kein den FVanaoeen doch ao weaentUcb nothwendi- 

fer to^'^ieb Ton 'ibrer Natnr ao beatiinmt verlangter lieber^ 
lick oder Atig^meinblidb, Itein suaammenfasaendea Gröfsbild , 
keinBrennpunJtt der Anachauung aulgeatellt wird, keine präg. 
matiaehe Entwidkelung dee Dentacben Cbaraktera und ' der 
JDeuta<lben*£Ateratur^* wenn aucb nur kura^und bfindig, Daa 
|janae< tat r<^R au nackteli Facbwerk\ wenn acbon ein^elfia 
Fächer recht «eh5n und warm ausgefalltf aind, was z. B. be^dn.. 
dera bei Herder -att' loben jft* Aber die Stimmiing wogt un- 
gewifeii -Bald nQchtern) bald acbwelgend^ und schwelgend 
bat ea-^iebt ruhige Haltung tind Ghfichheic genug. Besonders 
auob innere Beaieh^ngen dea Ganaen uhd auch det einzelnen 
I/ebena« und Literaturerscbelnungen bei den einzelnen Schrift* 
atellem bitten mehr nlichg« wiesen' und mitget heilt, die Wirk« 
aamk«Il^.d4fr Schriftsteller in lebendigen Umrissen dargethan / 
werden aollen, In welchen Kreisen sie sich bewegen u. s. w,i 
wobei er sich z. B. 

einigerinarsen die Einleitungen zu VVach» 
Jer*a 'Vorlesungen ^Sher Deutsche Nalionalliteratur (Frankf. 
awei'BSnde) hatte zum Bilde, wenn auch nicht a um Muster/ 
nehmen kdnnen» ' Sodann gentigen die einzeln afigeführten , 
oft nur^angedeuteten Stellen aus Gedichten für die Franzöl 
aiscbe Welt nicht: und es hatten darum recht bestimmt und 
bia an einer gewissen Reichlicbkeit mit Auswahl des Besserea 
die Halfsquellen und die Literatur, die Ausgaben mit den 
Druckortrn an jedem Orte angegeben werden u)üssen. Aber 
bier bat das Buch grade einen empfindlichen Mangel. Man 
kann wohl sagen, der Verf. ist zehen Jahre in der neuen • 
Deutschen Literatur zurück. Die Langsamkeit des süddeut- 
achen und «herrheinischenBucbhandels kann daran nicht Schuld 
«eyn. Strafsburg stehet mit Heidelherg, FranJtfurt, Leipaie 
in Ubendiaem Verkehr. - ' « © 



(flsr Betchlujs /oigtO 



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N- 49. •• ■ . . 1826 

• * • • . * ' 1 

Heidelberger 

Jahrbücher dqr Literatur. 



Deutsche Literatur in Pjcaukreich« 

»,*'.• 

■ IBBichluft.) 

üm nut «tnige wehige BeUpiele ansnfiliiran ^ ao fehlt tit 
ift Literätut bei Anfflhi'ung dea Boneriua, Beneke'a gutd 
Atiagabe. So bei Oji^it^ und aeinen Zeiigendsaen die li^aon- 
der» auch für dai Aualand paaaend^ Sammlung Von Wtlbalm 
Maller, bei Hans Sadia (S, 52.) Basching a Auagabe« . 
die' fOr-Oiiutachland acbön ehet ungenO^end iat. Bei £(a^ - 
jn'a n n ' keitnt er nur den Frob'^hand „Der Magu^ auaf<iordeii«t 
nicht RotV* ^3nze und grofae Aiisgabe. 

Innern' Lücken und Sufsere Unver&filtnilaikikOligkeiteit 
Wei'den wir beim i^eiteren Vetfolg dea Inbaltea nSheff nach« 
weiaehi * 

0as Gante beginnt mit eii^et Einleitung, di^ «,A11ge* 
meineGrändaitae'o aufstellt,* die Tbeorie dea Scbd* 
nen Qlierhatipt und di« acböne Li teralui*. i nabe^ 
aonderV betreffend, tiach AI. Sbhreiber^a, Bout'er» 
wek'a ttod Braun^a Lebrbflchern der Aeatbetik, Warum 
ificfa'taudi Jii^iln F au Ts f. — £r Wirten und verlangen wiif 
Bffliger Wei»e auf acht Seiten keinem wie Wir Deutache g«<* 
wohnt iifid, ergrOndende Abhandlung. t>aä Buch eilt | aei« 
itM Zwecke gemUfs, übei-habpt und' fö auch im folgenden 
AbiAnitt (Kurse Gea^biehte und Cbarakteriatik de( acDöneil' 
Xtfiteratut der Dtutatfaed von diBh ftlteaiea 2!eiUn hia iii die 
•irato AÜfb dea sWdtfieen J«farhunderta oder bia ifii den iMiiinea 
Aingeffi) rdioh dem acbttehdte^ litld lienhaetiritto 3fiihi:bui|dbr6 * 
su> "WO 9ik aladand auth Weitlituftigtfr eingeht« 

"Dthet iit auch tu feMeiben, dal^ «ler «ritd gehaiintd 
Zeitraum irori den lllteateo Zeiten bis ad den Minn^üngern, 
ao viel Verscbiedänartigea «uaamidfcnfaJjt. 'Ahnt Wdh|;di(taaeit 
wir fordern, daia wenigsten! dtoe ^erichiadenartigehErSchfi« 
wtungen gruppenroÜCiig geiondtfrC worden ,^8i*en und ^ VoiP . 
Alleoi ge n a n n t. Aber idbon Äiigh* dtfil Ödllimitftt^lii äi4 üt* 




L.iy,.,^cd by Google 



770 Danuth« Lhtralur im FnokMicb* . 

• * ■ 

theilen f flU hier tentittt wurden (Bontfrwek Gttchtchte , 
der Poesie und Iferedtamkeiti Jdr.den!« XjnKikon, Ctfn- 
ver sationi-CieWilto a,' Rafftroann*« Pantbebn u« a. ht«)« 
läfst sich au€ nur Le.:f il(altscl|<9a i^vid Zarrit'senaa •«cbliaOii»^. 
Warum nicht Hebe? H a g e n s G r u'n d r i fa.' der altdeuMd^Q 
Poesie in die .Hftnda genomiaen und wenigstem daraua,yon 
den innerlich verschiedenen Sagenkreisen« Daratetkin^s* 
weisen u* s. w. gesprochen ? Aber ao steht aoi der frOhesten 
Zeit nichts da , als (S. 14.) Otfr ieds Evangelien. Harmonie. 
Warum nicht Notker, „ Tatian « ? Etwa.weil Os^ed El- 
sasser War oder doch im Elsafs lebte? Warum nicht lieber* 
die viel freiere, darum schönere, poetische- Altsäcbaiache 
E va n gel i e n - Harm otii e , wenn doch Einaelnea nur ge» 
nannt werden sollte ? Aber wenn der Ver£ » um fioe. Stille ' 
von Otfried anzuführen, nur auf das Morgenblatt (ro* 
1811) verweist, so müTste man fast argwöhnen, er kenne 
nicht einmal Schilt er 's Thesaurus, welcher doch selber su 
Strafsburg erschienen ist, und ähnliche Sammlungen; Voi| 
Otfried springt er flugs zum Loblied auf den hei* 
iigen Anno über, ohne das Hildebrandslied u. s. w. auch 
nur SU erwähnen. Dafs er dasselbe als ein künstlich -ver^ 
scblungenes, bewunderungswürdig -einiges Ganze preist, ist j 
nicht zu verargen. Er spricht hier Herder'n nach; wäh- 
rend neuere Untersuchungen gefunden haben, dafs sein gröfs- 
ter Tbeil aus einem grölseren Gedichte entnommen ist. Wenn 
nun schon diese Gedicbtsquelle mittelhochdeutsch geschrie- 
ben ist, so ist doph wahrhaftig höchlich zu verwundern, dafs 
Herr Eiicenfried Stöber vom Annoliede behauptet:, ,aDie 
Sprache ist zwar noch fränkisch, aber dem schwä- 
bischen Dialekte so nahe verwandt, dafs sie zu* 
weilen ganz in ihn übergeht", während doch nach 
Oertlichkeit (Cöln und Kloster Sigeberg) die Sprache völlig 
in*s N i ed er r he i n i s ch e wenigstens überschlägt. Aber 
auch correcteren Abdruck des Anfangs (S. 15 und 16.) hätten 
wir erwartet , besonders da S. 17. in der Uehertragung die 
Fehler nicht parallel übersetzt sind. So beifst es im alten. 
•Textabdruck »wi si liebin winiscefte schieden«^ in der 
Neudeutschung richtig »wie sich liebe Freundschaften 
achieden««^ Fehler sind beliden (statt heli4e); brechen ist 
nicht brechen, sondern brächen, brachen. — Warum im al- 
ten Text bald sih, bald sich, bald ir, bald ihr, welches 
'falsch ist; S, 17. steht di inri Got v o m crist virgabit : es steht 
aber virgab und jeden Falls van; gaben steht falsch stat 
geben C^i gaben ihre Übt mit wunj^eo). »l^u halch sigi« Go 



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Draiseh« LiittiiCttr In FnmkniHi* 97 i 



ilMti m^t^ rst übertetst »TH erftHrfil« licb Goce desto ladir; 
llfiu oder jig-Uy tifa^it heifien tich detivn, darUbor. 
Dl«! Sur Probe« Wir mfluen eilen. Abschnitt 2 oder s'w 0 1 • 
te rZeitraum (9. 18.) schildert „Das scb wäbiaeb'vZoit« 
alt 0|>;- die Zeit der romantischen Aitterpoeste in Deutschlaad| 
ö&tt dio Zeit der MinnesingsrS vom swdiftea Jahrhuadert 
htm in dio 's wette Hälfte dfs viersehnten« 

Hier'tritt uns S. 20« cum ersten Mal eina inner« und flncll 
'eino Sfj^Kflllchtigkeit entgegen f die die oft gar sü lose« tockrO 
tlnjgebundenhHt des Boches recht an den Tag legt. Der Vf« 
hiln sich bei solchen Uebersprdngen oder Saho-mortale'a leicht 
und naiv mit einem winsigen ^' N u n « . So fai^r«' » Die Deut« 
scben fistten nun ihre Minnesinger« S.68. «Als ein lldcbst 
genlaltr Firosaiker nurs non GaiJer von Kaisersb'trg genaiinl 
werden« S« 201« »Nach einer Heibe philosophisch «poetl« 
scher KOpfe.mOgen nun einige geistreiche Theölqgen forg^* 
S, 204* »Hier eitrige Htstoriograpben«*. Oder w^nii 
es 8« 55; helfst: «Auch Romansen und Balladen «r'urdan 
dbseta ZeitrAume gadichtet* « 

ftücbtic ist auch hier die oft sofllHg hineingreifende C!^ 
tatlon. Ueber dar Deutsche Ritterwesen weifs der Verf. nur 
{hört ! )* auf — Jerrer*s Ges<^hte der Deutschen su ,ver^ 
welsein^ Gieht es sonst gar niclils darCiber?)? 

Der Verf. sagt zwar seibt-r : ,»VVir mflsM uns duf diO 
Angabe der vorzüglichsten unter diesen Dichtern beschrftn« 
ken*, aber warum verwies er nicht 2. B. auf Lach oisnn'i 
Auswahl, wo obenein schöner reiner Text gegeben Ist und 
recht scljöne Stellen gewählt sind ; oder auf Hu n isch's Hand« 
buch, das hei allen Mängeln und UnyerhältnifsinSfsigkeiten 
doch StolF genug an die Hand gegeben hätte. Der Veii*. hätte 
ferner auch hier nothvvendig wie beim Annoliede die Probe« 
stellen (über deren leichte Wahl wir nicht mal rechten wollenj 
gänzlich verneudeutschen sollen ; das ist für Franzosen und 
Selbst die meisten Deutschen noch duichaiis nothwendig« 
Bezeichnen aber thut Verf. hier nur Heinrich von Vei- 
deck, Walther von der Vogelweide, Gottfried 
von Strafsburg, Pfeffel, Ulrich von Lichtenstein 
und dem Namen nach nur noch wenige andere. S. 27. tritt 
dann schnell die epische Dichtung ein wo nur Wol- 
fram von Eschenbacb genannt wird, und dann geht's 



4^ Seite 26^ Z«ile 2. steht Terdrnekt: des heiligen Grab'.« staN 



Grali« 



49 



ohne AbfaU und Abzeichen gane kurz und «ehr ungenü* 
gend und schlechter oder ga^ keiner Literaturangabe aui das 
Nibelungenlied über. 

Ein Strich erlaubt zum Winsbeke und zur Wins- 
bektu ohne innere Verbindung tUierzuspringen (S. 32. )f 
woran er — was «loch noch zu einer zu «cheidt-rKlen Periode 
oder doch Gattung grliörte — S, 34' *ien Frygedank^« 
schliefst, ohne seine Nachfolger Renner, Koker u. s. w, 
£u nennen, welche falsche Anordnuno (imcli Worte vvie „ Un- 
erbittlich durch den engen Raum diesci Minleitung beschränkt«^ 

I (S. 34.) nicht beschönigt wird. Wozu „einige Zeilen mit« 

iheilen«, die doch k«-in lebendiges volles Bild gewähren? 
Lieber eine gereihte lückenlose, wenn auch gedrängte ^ 
Darstellung , die keinen Stein ausliUst in dem groisen Ring<f, 
S, Z5* heilst es: Denkmäler schöner J*ro8a aus diesem 
Zeitabschnitte finden sich nur wenige.« Und doch liegen in 

• Strafsburg seiher (wie in München, Heidelhero^ Hand« 
•cbriiten von den schönen Predigten des Bruder Berchtold, 
die Kli n g herausgegeben und Jakob Gr im m jüngst in den 
Wiener Jahrbüchern der Literatur so treiflicli besprochen hat. 
Ist die frühe Prosa der sogenannten Re pga u ischen Chronik' 
nicht aller Ehren werth ?• Hat nicht Perz jüngst in den Göt« 
tinger Anzeigen (i826. St. Z6. S. 352.) eine (Bremer) Den t* • 
• Cue Chronik von 1260 besprochen? u, b, Wm 

. S« 36 ^ 36« bespricht er Kon rad von WOrsburg^ 
we1c\ier „den Kraaz der Deutschen Minnesinger scbliefse«« 
X>aran scblieXst er wieder^ als f^y et auch ein MinheJie<i , aet- 
sien trojani • eben Krieg , der doch besser susatnaienge- 
aiallt worden wäre mit andern Bearbeitungen fremder Stoffe. 
Er gebt su den Meis ter.sä ngarn über bis zu Martin 
Op;itz, als dem dritten Zeiträume (3. 39*)« Von hier at%, 
tritt der Verf. mßhx iß f^ine Sphäre ein; je nSber nnsern 
gen, deato besser ist er su Hause. Aber bei <ien Meister». 
aÜAgarn bStte er recht scbdn einen längeren Halt machen 
können 9 und vorblickend auf das w«ite und völlig neue Fel4^ 
'das sich vor ibtt auftbat, rückblicken sollen auf den Geist der 
Volkspoeaiey deren Schlusstein Hans Sacba iat,- dieser 
liewunderungawürdige Festbalter derselben in der unaufhalt* 
samen Neuzeit. Hier hätte daa Deutsche Handwerka- 
leben lebendiger geschildert werden sollen in seiner Herc. 
. liebkeit und Heiterkeit; wie daa Leben der gebildeten Jugend 
auf den H oben Sch u 1 en ganz dasselbe^ ja nur der'gerattete 
Aiialäüfer dea allgemeinen Deutschen Jugendlebens gewoiteit 
ity» mit atintn 2rti VITanderjabcto und (atbriucbaa it. tl w« 

i . ' 



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BeatNb« LiMrttttr Im WinkniUb» 773 

Hann wie dU Drucktrtfi und dl« R#forinatioo timtn 
micMgen UiDtcfawung der'gadsen Gtdank#iiireU lierbeifdinrte; 
lki«r wäre ferner die vemiditeode» li|)iiiendef rdUic umwlU 
sende Gewalt dea dreiiftig]klirijj«ii Kriegea darauttelTen gewe- 
sen' u. a. w. Dodi wir müaten aber, dte''aiehr oder minder 
langen und goten Schtlderiingen dea Tauler » ITeit Wa- 
ll er, Heinrich von Alkoiar^ S. Brandtf Murner^ 
FiacbarC, Moacberoach (Sittewah)» Getier von Kai« 
o'er'abergy Melchior Iffinsing, Marbua Treiaaaur« 
wein hineilen ^ um untrer Zeit nfiher su komoMo und — aum 
Schluia; Leider meaaen wir auch Ober Lutiier forteilen ^ do 
der Verf. ihn, den Wend«*punkt der Zeiten, auf S. 73 — 77. 
Jcnapp abgefertigt hat* Gut itt die Mtttheilung von Lutber'a 
Briefen an 'aeiu SAbnlein llSnaehen. Eben io unveranl» 
wörtlich kurs iat Hutten (in atirölf Zeilen) abgetban worden. 
Wa^enaeil'a I«ehen Hutten« hStte wohl angefahrt werden kOn» 
nen , so wie das Weaentlichtte «einer Werke, 

Der vierte Zettraum fS. 79.) .umBilat die Zeit bia 
•nf Haller und Hagedorn; Ver^ nennt ihn den Opitsi* 
sehen Zeitraum. Da wir knra aeyn mOaaent ao empfeh- 
len wir den Leaern um dea Vergleichet willen die «benrnftfat» 
, gedrungene Schilderung dietet tind der folgenden Zeit» 
riume von 9cbloaaer in aeiner Getcbichte dea achtaebntea 
Jahrhunderts (Heidelberg 1823- Tb. L S. l30— ' l37. 321 — 
229. Tb. n, S: 349 — 3540 ' — Sldber hätte auch hier reich- 
liche Hülfsquellen angeben tollen von Wilhelm Mfiller, Frans 
Horn, Fischon's Handbach der Deutschen Frötiiy Kuntach'a 
Haiidbu{«h u. 8. w. S« 87. fehlt die Auigahe der ^Spee-acheo 
Trutznachtigal, Berlin iöl7. 12. Warom itt S, 96 £1 nicht 
des Fottlehens des Deutschen V olksl iedet gedacht worden ? 
Warum fehlt 8. Il3. das merkwürdige UrthetI Friedriche dea 
Gtofsen f ür die Deutsche Literiitur gegen dat Ende aeinea 
Lebens, das W ol f beleuchtet hat ? 

Von Klopstock an (S. 130.) werden Letting, Wie- 
land, Win ekel mann ausführlich behandelt. Warumaber 
S. 179. Stoiber g'a so kur» gegen Hdlty (179 — igl.)? 
Herder ist, wie schon gesagt, am besten behandelt (S. 18I 

i. I9l.)j Hamann dagegen ül)er die Malsen kurz abgefertigt. 

Auch He in se hätte nielir verdient (S. 219 — 220-) als Grä« 
ter (S. 232.). Aber schon im fünften Zeitraum , noch mehr 
im sechsten, von 1770 — 1790 fF., und siebenten , 1795 "—' 
1825, weiden auf die bunteste Weise die verschiedensten 
Galtujigen der Darsteller und Darstellungen gemischt wie Kar'* 
ten. Besonders im neuesten Zeitraum sieht man dem Verf* 



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774 > J}0ßUtibM IM^mnt U Mtvaksd^ 

d}e Elle^ di« Hast an ; er bleibt des angewachsenen, antcbweU- 

lendeti Stotfes nicht iiiuchtig, sein Such vi;ie die liitef&tur 
Stiller schwillt ihm zu sehr an, er will zu Ende darum 
vyint er durch einander. Das ist nothwendige Folge davon , 
d^i's kein klarer, fester UeherMick gewonnen worden ist, 
der g^börig sonderte das Verschiedene und vereinigte das 
Gleichartige. Wie schon früher , hätte auch im Eingang die- 
ses siebenten und letzten Zeitraums (5. 365.) eine . leitend«' 
Betrachtung angestellt werden müssen, wie besonders seit 
l8l3 eine ganz andere Welt auch in der Deutschen Literatur 
eingetreten sey; sodann hätten Männer wie L. Tiek nicht . 
50 unverantwortlich kurz behandelt werden sollen, S. 370 — • 
373 , wiilu eud F o u q u e gleich darauf S. 372 — 376 einnimmt 
und Werner S. 377 — 3Ö0; Körner dagegen nur S 383 •* 
383» gerade eine Seite, L. U bland nur eine halbe Seite; 
endlich welche INliscliung : Hebel (S. 399.) bunt unter MüU- 
ner(3970 > Grijlpaizer (398.), Houvvald, Mücbler , Clauren ; 
(407.)i Jobanna Schopenhauer, Heluiina von Chezy , Karoline 
F.oiK|iie (sind das Classiker ? solb a diese Deutschland vor 
Frankreich vertreten ? Warum nicht lieber alle drei Bände von 
Schir^del's Verzeicbnifs der Deutschen schreibenden Wei» 
ber hier eingerückt ? ?) Pestalozzi bat acht Zeilen erhal- 
ten (410.), Louise Brach mann 24 Zeilen. Dafs wir so 
nach Zeilen abwägen, daran ist innere Ungleicbartigkeit der 
Artikel schuld. -T~ Warum fehlen, da Friedlich Strau/s ge- 
nannt ist (gleich darauf wieder van der Velde! Vulpiusj , 
Freilich — es ist a 1 p h a b e t i sc h e s Verzcichnils 1 1), Ja- 
kobs, de VYßtte» Tholuk Uf a. die ciurcbaua. biebac 
gehören? 

Zu loben aber ist die mit sichtbarer Liebe gefertigte und 
ausführliche Darstellung Schi Her 's und Göthe's, welcbo 
freilich für die Franzosen das Höchste und NMcbate bleiben«. 
Sie umfaTst S, 234 — 354. Zu loben ist ferner die rejne Ge« 
/»innung, die S. 2l3. über Kotzebue's Literarisches Wo« 
chenblatt in die Worte ausbricht; in dem er die heiligsten 
und gerechtesten Wünsche der Völker auf die frechste Weise 
verhöhnte«. In der Anmerkung hatte zum ^ Bahr dt mit d«r 
eisernen Stirn«* ^cblagei'f £b jrappf Qjr ta m^ht Ter£ea#ai| 
werden sollen. 

Gern hätten wir aber ganz besondert hierbei ßcbiller und 
Gathe flinzelnns noch berührt und b^aprucb^n.; abar ibeiU 
erlaubt es der Raum nicbt^ thc^ils war dieaaucb von vorn her* 
ain nicht die Absiebt dieser Darstalluog und Zuaammenstellung 
io veracbiedenartiger Stoffe, da aa una nur «unl^bat darm? 



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f75 



iftltMif hufmerksaiii su 'Alicen an ainigtn beatloinitiii Bai« 
spielen und Mittbetltyigen aut di« Regungen dar erwacbandea 
Tbeiloahme FranJireicbs für gegenwärtige und verganceae 
•Detttachi^Lfiteratur. Nur die eine in der Ueberscbrih dieaer 
Daratellang aufgeführte Schrift No. 9- ( ,> Geittarttimoie des 
Kurfamen Maximilian des Ersten von Baiern«) wollen wir 
knrn nocb berühren. Strafsburg bat ulie in reli^iQsejr Hin« 
liebt tot einigen Jabreuy 'ebe sie verboten ward, eine wackero 
Zeiuebrift aber 'Kircbengescb ich te und Cbriatontbun geliefert 
(»TidtotbenH«*)» mfuerdings balienFransSaiiclieMiMtonlr». 
die Strafsen durcbaogen und vor den Kantein gedonnert Uber 
die 5ande der (nicbtrönielnden) Welt* Aebnlicb ateben swd 
Deutaebe Krscbeinungen Stralaburgs aicb gegenüber; nim« 
lieb Gdrres Schrift an den König ]vudwig von Baiem (ein 
nebst der neuesten Schrift »Rom wie es ist« merkwOrdi« 

See Aktenstück von GörM religiöser Fortverwicklung H und 
ie eben genannte Geisterstimme als Gegenschrift. Niber 
aber einzugehen enthalten wir uns um-so mehrt Faulte 
in seinem Sopbronison '(Band VIII. Heft f. S. 9t» und 
S« 110. l826.) beide Schriften bereits besprodlBU hat I worauf 
biermit Verwiesen wird« 

' Wenn wir nun durch manche Mittheilungen dieser Zu* 
aaminenstellung Deutschen Gemütbern eine stille erhebend« 
Freude veriirsiicbt haben, so wünschen wirf data dieaelbo 
zugleich zum Stols erwachse-» oder besser daraus ein Eifsr 
hervorgehe, da(s auch das neu beginnende Jahriebend und 
•Vlette^ahrhuadert der Dentachea Literatur nicht surOckitehen 
möge an grofsen Krscheinungen und Theten vor dem Ausland^» 
reiner und reifer als das bei aller Menge ünd Maase det 
Geschriebenen und der Schreibenden döch an grollen Geistern 
uDd an bleibenden Werken der . schönen Literatur buch |el«« 
gen« ehen verflosacn« Jabrsehend, 



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I 



7.7« SdM^.H494M^;a!^ MVtlriw 

feutsehw 'Proimiker und lUehtsr au» alldu Mrhtmdflrt9m^ 

ßesartm^eh und herau*gpgchen .9on Heinrich jiugutt £r« 
\ßrd$ Dr« M9dh*$ Bihlio^hßkar und Jttckivar. %u Erftßrt» .-. 
. PfktPf Cwnuu Dm Aem$ch9 .Sprmth^ und Diehtkuna -äU^rtr ^ 

TMli. Prosu (Erfurt Xll und 6it S.) und 

...Th0U.2^, Po9f i» , (Erfurt iB%6. Ji. X^l mvi 27t S.), — 
..TktUf mueU mnur. d$m TIfli Proh9hl4ttfr . 
,$prafh* und .Dichtkunst äl-tfirer Z^itm 

JH. i. iThlr. III. a. 16 Gr. 

Die ]e(«t6ren selieir Jftbre nach den- auch die valerlSodi« 
"sehen Fortfcbungm wieder helebeilden Bewegungs jähren .von 
lÖl3 — 15 bähen uns mehrere neu« Hand bQ eher der DeuU 
sch/?Ti Foeii«; und Prosa zugefithrt (von FiecHon» Erhard , Ku» 
irisch , Stdlier »• f. w.), woran aicb raitonnirende Gataloge^ 
wie z. B. Wuchler'a Vorlesungen Aber die Deutsche N4tianal<** 
Itteratur (FrankF. zwei Tbeile), Winter's Lriterargescbichte 
der Sprach«, Dicht- und AedekuniC der Deutschen u. s. w« 
reihen, welche sich alle ergänzend zu einander verhalten, 
. weil kei-nes allein weder den verschiedenartigsten Lehret -Be« 
dOrfoissen , noch den Anforderungen der Wissenschaft genflgt; 
aber alle sind doch ein erfreuliches Zeichen von dem festge« 
wurzelten Anpi kenntnifr. dieser geschichtlichen Behandlung 
des mutterspraclilichen Studiums^ auch auf Schulen , worüber 
schon vor mehreren Jahren Göttling (von Neuwied aus) 
ein belehrendes Frogramiu ausgehen liefs : „lieber den Unter« 
rieht in der teutschen Sprache auf Gymnasien«, und neuer-, 
dirgs Schmeller, dessen Bairische Grammatik und Idioti» 
lK)n rObniHchst bekannt sind , in einem Anhang zu der, in öf« 
fentlicben Blättern genugsam besprochenen gröfseren SchuU 
Schrift von Thiersch so gründlich als geistreich sich hat 
vernehmen lassen, während diese seichte leider ihren Anmann 
findet in dem Programm von W endel: „Lieber den Werth 
und «die Bedeutung des Nibelungen -Liedes" u, «• w. Coburff 
1021. Ö. 4a S. ' ^- ' 

£s ist diesmal nicht die Absicht des Recensenten weder 
alle, noch auch oben genauer angezeigtes Handbuch von Er- 
bard in allen seinen Tbeilen durchzugehen , bis auf die 
neueste Zeit. Wie gesagt, können „Ausstellungen im Ein« 
zelnen, bei dem grofsen und mannigfaltigen Vorrathe des Ge- 
genstandes, so wie bei der Verschiedenheit der Ansichten 
und des Geschmackes, bei Werken dieser Art" nicht fehlen 
.(Th. iL 3. U.)i Lehrer, welche sich freuen müssen bei ihrer 



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BescbrSnktheit an Zeit und Mitteln, daf§ ihnen docti ^ M' 
cu£rigem Streben auch für diesen Zweig der Sprachkunde u •. 
w. — in lolchen Handbüchern eine Auswahl, ein Etwjs xu- 
gänglich wirdy werden doch immer die einzrlnen Handbücher 
von Kuniscb , Erbard, Vischon u. f. w. n e )) o n einander 
^ebiaucben, und verlangen, da dat Bedürfniis so sehr ver- 
schieden ist und des Stoifea, besondert in den uns nilfieren 
Jahrhunderten, so viel ist, dafs bei dem oft durch den ll^rrn 
Verleger «elber beschränkten Kaum (Erhard Th. II. S. V.) 
die Auswahl «ehe verschied« n und inoier su karg auf- 
ialien muls. 

Es ist Recensenten dieimal nur um einen bestimmten 
Abschnitt dieser Art Bücher und zunächst des Ehrhard*-» 
sehen Handbuches zu thun, nflmlicb die Proben aus den 
ültesten Zeiten Deutscher Sprache. Und hier hat er frei« 
lieh eine grofse und gegrdndete Autstelking zu machen, die 
er um au nöthiger bäh, als durch die ti ugrÜndJiche bei Er- 
bard, Stöber u. s w. wiederkehrende Behandlung jener ülte- 
sten Spracbproben nur eine hei dt-m Scheine, der für die 
meisten Benutzer solcher „ ProbebUttitr" in solchen jVIitthei- 
lungen ruht, desto schädl.icber« Ungenauigkeit und Scbwftcb» 
^icb einlril'st, die durchaus verbannt werden mufs, 

. Hier hat besonders Erhard's Buch in beiden Theilcn 
etiMO «inp&ndÜcbvn Mangel. £a trügt ziemlich grell den Be- 
weis an der Stirn , dafs der Vf* in jenen älteren Zeitabschnit- 
t«n, wir wollen nicht tagen — leicbtiinnig gearbeitet, aber 

«r^ der Bibliothekar und Archivar — auch nicht die nahe 
litgaodeaten und bekanntesten Bearbeitungen neuer grtlndlicber 
Sprachforscher daa Paches kennt und nennt, uns dt« Texte nur 
aus den älteran, anerkannt hei der Höhe der Kritik durchaus 
nicht mehr genOganden Abdrücken liefert, und obenein dabei 
Fehler der Erklärung begebt, die s. B. bei Schilt er, den ac 
aUeio fast kennt ttnanennt, nicht mehr au fiiuien sind. 

Das ist nicht mehr erlaubt bei dani gegen würti|bH Stand 
dar Deutschen Sprachforschung , aa einar Zeit , wo G r i ni m * s 
Grammatik, dieses wahrhafte Rieceßwark des Flaifses, der 
GrünrfiUcl^keit und des Scharfsinas, in seinem zweiten eben 
ar&<:hienenen Theile einea gewissen Abscblufs erlangt bat und 
und ü«berblick gewährt , ohschon ein dritter Tbeil noch fol- 
• gaa-wird so da£s ohne diea wahre Handbuch dar Sprache 
atata in ÜAndan and im . Kopf au haben , Keiner an jaoi Ac« 

Thett 1. LauaebB» «ad Foimanlebte , Theil 2. WordehnT (Ab« 
lesiaaf ^ ZniMBnaaaiaUutfg a^ •» w.) » Theil 3« Satsiehre.. 



uiyiii^uu Ly Google 



hfi^'.l'ikui: uMX9i Z4it9..iivio1U«cb«itnti'i*g^ifli*' 
zeitige Ausgabe «U» Nibelungen ^Liirde« (Berlin | b«i Rmib^« 
«den lebendigen B«weie liefert» mu, wekber- Gfflndlicb« 
k«ir»/.2uvereicbt und Scbftrib aue und neben jenem Grund* . 
w«frb^ jGrimaiU die Defitecbe Kritik sieb gesteigert bat; m 
«ii|iff;^eity. vr« Mboo<>*Xiacbai«An*e „Auewabl" (Beriin$ 
bjUiBiCiuirer)« und «euertltnge seine Specimina lingaae^franei« 
c««^ (BirrJün« bei Eeimer« 102a. 8.) pder Hagen'e Denkmakv 
(Berlin / bei Oehmigbe« 1825. 8.) und Do ce n* i Oenkm&bfr 
(MOpcben 182^.) •«in« fetlbecen Mifcellaneen den be* 

Siimoitenr IUealsstab bingeat«llt beben — da darf und mufe au 
seine BenuUer und Samreier des Errungenen, und au f*ege^Ce» 
förderten streng- die Anforderung gemecbt werden, dafr sie 
dieses Bessere benuSsen« ja aum All«rniind4Miten kennen | 
sieb darum mabeng und nicbt au frdberen <^eUen immer wie* 
der sieb wenden , die awsr dankbar stets gewördigt bleibe« 
Werden 9 aber»durcbaus nicht mehr bei der vorgerQcktenMOn« - 
dtgkait der granunaliscben. Kritik zur Benutzung und aum 
Immerwiederabdrcick dienen dürfen, und weshalb Ladimsnn , 
Craff und Andere Jahre lang den schon abgedruckten Quellen 
mllbaam uacbaieben , um sie in der ursprünglichsten Gestalt 
^Mge eines Zionswächters einzuteilen, 
aber können solchen Forschern die Abdrücke eines 
Scbtlter» Fe» u. s, w* hei Ermangelung eines Besseren g^^nü- ' 
gen, in SO fern sie die Erkenntnils und die Kraft sich ge» 
- W(Uinen baben, herzustellen, zu ersetzen , zu erschliefsen 
u» «, w. Aber nicht so unit der Menge derer , die doch auch 
nacb der Süfsen Frucht unsers Alterthumes sich sehnen» aber 
nicbl ibr Leben daran setzen können sur eignen Pilgerfahrt, • . 
und denen man um eo weniger^ als ihre Krkenntnifs keine 
eigene, selbststSndige ist und seyn kann, sondern mehr auf 
Treti und Gla üben beruht, wurmstichige Früchte reichen 
4arf, Man kann und darf und mufs daher fortan durchaus for- 
dern von Solchen , welche Handbücher auch der älteren 
Deutschen Sprache in ausgewählten Stücken zusammen- 
stellen, dafs sie auch dem Vorsatze und Vorhaben gewachsen 
sind, denn durch sie soll ja der Gewinn jener mühsamen 
Wicsenschafc sich in die Erkenntnifs, in das Blut des Volks- 
lebens verbreiten. Jene müssen daher nicht sehen Jahre 
binter der Literatur znrückstehen ; denn so und nicht an« 
ders ist es doch wohl, zum Mildesten, zu bezeichnen, wenn 
ein Bibliothekar und Archivar nicht einmal die o£Fea vorlie- 
enden Arbeiten eines Grimm y Lachmsnn, Docen u. s. w. 

enutzt, sondern immer vvieder die alten fehlerhaften Ab* 

* • ^ - 



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. ^hatimuaimA4mumkAtü$^ch^ 779 

drOckt ImI 8dii|ur, Eckart, Pti, Willenböcher SU Markta 
briflgt. — Ist da« viel bester, als wenn der oben tchon ne. 
nannte Ractor Wandel ein« Deutsche G r a m m a t i k 
köcbfttana.drei hU vier Bogen — Koburg — dmcken lafst, 
Wiadar Titel faljch aussagt, ^nacU den neueste»i For*cbun- 
gan «inea Grimm, RadloF« u. s. w. — Nameu schon , die 
wie dieFaoat aufs Aug« zu einander passen; ^ pder wenn 
S.climittliennej''s Arbeiten indisch -germaniirfit, uBtarmi« 

; Jiiria iScl^eingelabrtheit an sich tragen ? 

Doch ß«nug der allgemeinen Ausstelhing. Es folge hier 
der'B«Wir-l8 von ihrer sich selbst Jedem auidraogenden Noth- 
Wendigkeit , indem wir den ö 1 1 e r e n Zeitabschnitt sowohl 
des prosaischen als poetischen Thciis det £ibAi-d>(iUtfU liiind* 
bucbes etwas genauer dtncLgehen. 

Werten wir gleich eimn allgemeinen Blick auf die In- 
haltsanzeige beider Theile, so erfahren wir in dem pro- 
saischen, dafs der Verf. die Uehertragung des I s i d"o r i s ch e n 
• Iractats de nativitale (Christi nur aus dem S C h i 1 1 e r i sc h e n 
Thesaurus anti(£uitt. teiitonn. Th. I, benutzt hat, während 
doch unter den dreien Ahdrücken von Palt he n, Greifswalde 
1706. hinter seinem Titian , von S c h i 1 1 c r a. a. O. und llofs- 
gaard in der Dänischen ßihliothek, Kopenhagen I73ü. 8. 
i>t. 2. S. 326 — 4o9, die alle drei nach der Pariser Hand- 
schrift Selber vorgenommen sind, die IV o f s g a ar d i s c h e 
Abschrift die genaueste ist. Wie also schon Michaeler 
III. 84 — Schilterischen Abdruck mit allen al- 

I ten und selbst neuen Fehlern wiederholte, so ist auch £ r h a rd 
. nicht weiter gegangen! Dafs er daher auch das sechste 
i oder siebente Jahrhundert als die Zeit der Abfassung wie- 
; der ansetzt, ist in der (ün-)Ordnung; während doch genauer 
i der Scblufs des siebenten oder Anfang des achten hätte gesagt ' 

werden ojüssen.' — Da^s der darauffolgende Kero (Ueber* 
1- Setzung der Begel des b. Benedictus) auch aus dem Schilter 
entnommen worden ist, darüber kann mit dem Verfasser nicht 
gerechtet werden, da ein weiterer Abdruck weder aus der 
I einzigen St, Galler Handschrift, noch selbst aus Schilter nicht 
■ erfolgt ist, und spätere Abschriften von Lachmann, Gra^ nur 
in sehr wenigen Händen sind. Warum aber nichtjaucb hier 
j genauere Zeitangabe, wenigstens statt „aus dem achten Jftbr- 

I hundert«*, ^ »uf dem Anfang 4ea achten JiM^rbunderU » 

11m 720? 

j gehen weiter! A»f Kero folgt S. 12. die Exhortatio 

«<lplehem Christian, Hier ailein giebt einmal der Verf. genau • 

i ao.t»m di^r eratan Hälita da« acbun Jabrbiindeftt», wäb- 



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76^ Srliard'Haii4lwoli der teirt«|li«& Spraob«. 

rend Grimm 9 Theil I, seiner Grammatik, AuÄ, !• ^O.XiHr, 
3> «ich nur erlaubt zu sagen, „otwil's aus dem achten* Jabr- 
hundert", und umgekehrt bei dem HildebrandUede statt dar 
Krhardischen Allgemeinheit „aus dem achten Jahrhundert« be« 
«tiiumrer bat „aus dem Schlosse des achten Jahrhundierta*« 
Bekanntlich sind zwei Handschriften von diesem merkwöt« 
digen Denkmai vorhanden, zu Casel (vormals Fulda) uWd 
München (Freisingen). Aus der Casseler liefs es Gottio* 
ger Histor. eccles. ö. 1220, fehlerhaft drucken , und Stada 
öpec. S. 26 — 2^ und Eckart Cateches. theotisca S. 74 
77. u »d Willenbücher Praktische Anleitung zur Kennt- 
nifs der Hauptveränd«rnngen der teutschen Sprache S. 89 S. 
wied-r abdrucken^ Aus Letztwem giebt es abermals uns Herr 
Erhard, während doch so leicht gewesen viräre, LeiGrimm'i 
Gefälligkeit, von dt-r Kunisch au seinem Handbuch so man- 
che Bt-'ihülfe an Rath und That erlangte, und bei der Nahe 
von Erfurt und Cassel, von der Casseler Handschrift 
eine neue gana getreue Abschrift zu «rhalten , und während 
«ogar von der Münchener Handschrift ein ganz neuer 
Abd ruck in Docen'^ Miscellan» Tb. I, S. b — • 8, vor- 
haudenist!! — . 

Es folgt S.14. das „Bruchstück einer Rittergeschich- 
te", in welcher Benennung, des Ffi 1 d e b r a n d 1 i e d e s schon 
zu erkennen ist, dafar Eckart's Francia orientalis Theil I. 
zum Abdrucke bat herhalten müssen. Hier vor Allem ist mit 
dem Verf. Zn rechten. Denn einmal gehört, wie auch S. I4. 
Anmerk. 1. als Meinung von Grimm, der hier zufällig ge- 
nannt wird, während nach seiner Ausgabe der Abdruck hatte 
geschehen »ollen, gesagt wird, dieses Lied durchaus in den 
2)0 etischen Theil, da in jenen Zeiten , Gott sev D.ink , der 
K e i in allein noch nicht die Poesie machte^ sondein noch An« 
deres da^u kam, was wahrlich dem Hildebrandliede nicht 
fehlt, und obenein dasselbe noch recht eigentlich die ältere 
poetische Form (die Alliteration) an und in sich trägt. £a 
wäre eben so unpassend^ gewesen, die sächsische Evange- 
lienharmonie (Handschriften in München und London) in 
den prosaischen Theil zu versetzen, sie, die in ihrer alten al- 
Jiterirendert Form sich so schön und voll poetisch bewegt. 
Von ihr ist freilich so wenig im ersten, aU im sweiten TheÜa 
Erhard's etwas zu finden, da doch für ein aofcbes Hand- 
buch hinlängliche Bruchstücke bei Hickes Tbesaur. septentr.. 
Temler, Gley, Reinwald (von beiden letzteren im lit«« 
rarischen Anzeiger 1799. St. 97. S. 953. und St. iV5.), Do- 
c«ii JVIitceJhn. Tbtil II. S. 7 — 27. und fidbtt Radiof in 



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Minen Sprachen der Germanen» Flrank^ Idi7* S. fi und 81. 
niiah Ny«rup Symbol, ad litteratur« touon. «ntiquior, Havn^ 
1787. 4- S. 142. zugfliig^l ich waren« ^ Zum Andern» um auf 
daa Hüdebrand] ied su^Ock zu komnienf iat ta doch wirklich 
imTerantwortUcb f während Qi€ht mir forn Grimm, den er 
doch S. l4« Anm. erwIhnC^ eine beaondere gründliche Aua« 
^ibft Cauel i8l8. 4f vorbanden iaCp aondern «ogiir Orimm 
inrtgehende ErlSuteranfien dazu in aeinen Altdeutschen 
Waidern, Theil I. S. 123 ufid 324* Aber die Auadrflcke 
fßtmrungOf «imiettirtf mth9oUa$af JUMitOf ek9mrimg9^ btmti 
htßsti t fHdßa, iKM« u« a. w.p ja Tbeil IL 3. 97 — ll5. eineu 
eana erneuten Abdruck und Commenkar liefert t welcher lets* 
tere in der Grammatik Theil f. und II« an den gehörigen dteU 
len aich atill fortaetat. a. B. Theil II. S. 350. Zeile 3 : ehthur- 
titft S. 363» ftuar-un^o t oder Tb. I. Aufl. 2* S. i68« Aher 
lÜe tadelhaften tt in luttiüt siiten^ hätum^ hittmitf nutotti* i^num 
u. a. w. » die dem hochdeutachen aa paralleliairt aind;* da£| 
Herr.br. Erhard abermala nur &ckart'a Francia orlentalia 
aufschlägt, ja — waanocbachlimmer» ahenthenerliche» grandi» 
ungrammatiache Erklärungen der WOrter aich erlaabt« waa 
nachher belebt wtjrden aoll. Wir eilen weiter. Ober daa^Ge? 
'bet dea O'thlonus (Fes theaaur. anecd. I.), die Beichte der 
^lemanniaahen Kirche» auchaua Schilter, wo, wie iri £k« 
kart'a Ca^echesia theotiaca» die Texte dieaer Bcichtformeln 
und GJau^ensbekenntnjaae hOchst unaicfaer abgedruckt «lod» 
wihrend der Codex Guelfenb. Opuac* theolog« JCXVII. foT. 
149. b. bis 154. h. vonErfurt oder Magdeburg nicht so 
fern War ^ Theil II. S 274. Hefa der Verf. doct aichBoU 
lenhagen von einer auswärtigen Bibliothek kommen ^ und 
bekanntlich Wolfenbüttel wahrhaft freisinnig sefne.Godd. durch 
ganzi Deutschland ausleiht, wie Heidelberg; und wSbrend. 
£)ocen in seinen MiscelJen Tb. I. so man^e andere Formel 
der Art in treuerer Lesart mittbtjilt; — Uber Notker S. 24» 
und Willeram S. 28, dessen S c hilteri iche r. hier wieder 
gegebene Abdruck nach der Breslauer Hanffaclirift • die ibm 
aam Grunde liegt, von ein- n Freassen , der aein Handbuch 
einem Preussischen Minister widmet, durch .UotteMtOtsung 
des Ministeriums , oder durch Mittbeilung Hof manii'a». der 
in Breslau den Willeram wieder nach aSmmtltchen Hand« 
«cbriften — Hagen bat neuerdings eine neue mit AcCi^ntea 
in LeipTjig erstanden — abdrucken läfst, leicht hatte berich- 
tigt werden können; — endlich über das Pred igt«Brttcll« 
stöck (wieder aus Eckart s Francia orientaPis), dem achon 
allein wieder Doccn'a Miscellen maivchei achöne Nebenilück, 



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«.B.^r.'HlS-^ 152t bllttt^ Atelbnldnnep/Unweg, ufiiT tA^einT. 
dtth uiitlimiÄ 8vi^eltenVP<^9tUcW^ Th«iU, der in die^ 
Benf Ja^ irrt ichivnbti', duii Werk MVolUndet«" ( Vof r. L . 

Wir reclit^^ äucbf bei diesem l*bei}<| den der Verf. Iiiit 
„ glabend'eiti Wutiecb^ « dem König^licb Fretistiicben wirkKtheA 
Gebeiin^fi Sbrnminivtlhr Herrn von Kl'iiWiz widmet» cKi^b 
Welcb^'Ai(feEbtdbtung hob^r Aufmerksamkeit und ^<M<;k«lcb« 
tigung 'diärBfäcbes Jedei^tiiii s6^tli#br»iir genaticfin Fcfifong «üf« 
geford^t^lrdy — i niebl ^ditimal- darWef , dalt'er au»' detA 
reichen Stoffe der älteren Poesie »6 i^anig giebfe imd sokha 
Lflek^n lafst, da, 'wie scbon gesagt, der %«rleger üm b«^ 
•hgte (S.V.), der S. 274. samt Setzer und Cöttfttat fireiUdi 
zum Tbeil protestirt; obscbon Verf. jene liOcken billig bitte 
sollen ausfüllen einmal mit allgemein änreibendatt btatoria^M 
Nachweisungen des Fehlenden ^ Uehergangenen «itd der Lite^ 
ratur, sodann mit hinlänglichen die Sprache berQckstcbttga»t 
den Andeutungen der Uebergänge der Mundarten *) u, s. W, J 
aber WTohl fällt wieder gerechtem Tadel anheim , was den Ab« 
druck des Gegelienen selber betriflPt, um so mebr^ da die 
Widmung des Buches an den Herrn Minister bestimmt aus- 
spricht, jjdafs das Werkchen zunächst (sogar) für ge- 
lehrte Schulen bestimmt ist«, wo doch wohl nur 
g r n nd 1 i ch e Kenntnlfs , wie an Lateinern und Griechen , so 
auch in diesem neuen Felde der Bereicherung, entwickelt wer- 
den soll. • ' 

* ' Auch hier sind wieder die mitgetheilten Bruchstöcke au» 
Otfried S. 1, das Siegeslied auf Ludwig S. 8, Stel- 
len aiis dem Lohgedicht auf Anno S. 12, aus dem Helden- 
gedicht auf Karl den Grofsen S. 17, — nurausSchil- 
t er's Thesaurus entnommen , während doch O tf r i ed 's Text 
in S ch i 1 1 e r* 8 Abdrucke überaus verdorben ist, ohschon er 
nach Flacius erstem Abdruck, Basel i57l. 8, nochmals die 
Pfälzer und die Wiener Handschrift verglich. Zum we- 
nigsten hätte Erhard die nochmalige auch hier genauere 



*) B. des Obercleu fachen in's Niederdeutsche, wenigstens in der 
fast liessischon Niederschreibung des Hildebrandliedes (s. Grimm's 
Grammsiik Th. T. Auf?, 1. 5^. LIV. 7. und die Ausgafbe des Lie- 
des) , oder in den railfelhoclideufschen Gedichten derKaiser- 
chronik (Cod. Pal. 361.)» König R o l h er * s (Cod. Par. 390.}» 
äcs Pfaff Konrads Karl (Cod, Pal. 112), Lamprecfats A I e z - 
» ird er (Cod. Argenror. C. V. 16. b.), worüber Grimilk Th» 1- 



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£rUi:d ÜMiibiMb der Icaiitlitii %M«k»» 



VMr^i«littn^ der V(ä\zet Handicbrift durch Rofsgaurd, 
1699 zu Rom 9 Wie tie hinter £ ckart's Lee«« taU et riptMf« 
& 286 309. itehet« su Ratbe ziehen lolien , oder befser 
aus Knittel's neuem Abdruck der Wolfenbüttler , Kin«. ' 
d«rl iflg 's Bruchstücken , in H a g en 's Museum fOr altd, LU 
teral. und Kunst Tb. II. S. i £F«t Mon^'s-Htid^lbe rger 
BruchaUlck«n t aut Cod. Pal. 52, 4- in M o n a Da #nienda«dii 
vatMNye grantmaticae gernanicae , Heidelb. I8t6. 4. 'S. 30 — 
32 , endlich aus Hoi^fmann'a Bonnar Britcbatflcken sein be* 
•dMidantaXh^il entnebmenaollan, woraua obenein aina-Frob« 
von d*n fOr die Grammatik -ao wiobtig gewordettan A£0«fi*i 
tan In den l^auf gekooimen wSra. — £ban ao atabt aa mtHn- 
dam Ci'udwigslieda« Auch dieaaa wieder nnd Immar {ii|r < 
wiidar -nach S c h i 1 1 e r » während doch D öc t n ^ioen baaan«i 
deren grapdiich kritischen Abdruck l8t3 davon besorgt haf ^ 
lund Lacbmenn es mit abermaligen Besserungen und Hev* 
etdlungen (von ihm. nnd Graff) in aeine Specimina liogufe 
Francicaey Berlin« bei Reimer. 1625/ 8f wiMer aufi^eoommen 
bat, . Von beiden iat die Otfi^discbe-Strophenabtheilang beiw 
gestellt ;i|iror den« — Ferner; daa Annolied« Hier bfltto. 
freilich Gplddiia 9 n*s- nettere Ausgäbet L^^ip^igt bei Brock« 
baba. 1^6. 8« nichts Besaeres gereicht« als der frOber« 
Opits«^SdilUerische Abdruck« Aber so sehr durch die St8be» 
riacbe Angabe ( Kar ae Geschichte und Charakteristik der schd^ 
nen Liieratur der Detttscben« Strasburg i826. S« ig.)': ^Dio 
Sprache (dea Annoliedes} ist swat noch Irftnkiscb , aber deni 
scb(«rftb;jÄchen Oialecte ao nahe verwandt, dafe . 
aie^iawei.len gans in iba -flber gebt*» dal R^ebt» 
if4ili^^i ist » ' so wenig ist etwas gewonnen durch Erbard'r 
AngvbiS. 12, daOi es »der Spräche- nach am Nrederrheilk' 
entstandenrsey«*. Et hätte entwedes hier eine genauere Be» 
tnerkung hergehört" Aber die niederrbeinisohe Mundlirt-^ 
rwie z.B. t|i der Vorrede au 'Gn>nn^*e Grammatik Xhei] Iii . 
Auf], 2. S. XII XIII, a, a« w. , und gewarnt Werden sollen 
vor der grammatischen Unbrauchharkeit de* Annoltedes« 
theils nach der Handschrift« die obenein verloren gegangen , 
und Opitzens Abdruck« theils deshalb, weil e.in^ bedeutender 
Tbeil des Gedichtes sich in der mittelhochdeutschen« 
freilich auch, wie vorher bemerkt worden f in*a Htederdeut« 
sehe hinüber spielenden, Ketser Chronik wiederfindet« 
woraus jenes wahrscheinlich entnommen hat; -« oder es 
hätte deshalb lieber ganz weggelassen werden sollen « und 
dafür aus der eben genannten, „einer historischen Kaiser« 
cbronik entweder der parallele oder ein anderer der vielen in 




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ihr enthaltenen schönen Abschnitte gewählt werden «ollen. 
Die Berührung heider Gedichte unter einander; wiesen schon 
JVIone in VVilken's Verjseichnif» der Heidelberger Hand* 
ichriFten ( Geschichte der Heidelb. ßiichersammlungen , l8l7» 
S. 443.)» Gricnin in der Grammatik Th, I, Aufl. %. S. LXIX 
— LXX. U.I.W» nach; und Grimm (Altdeutsche VVütdff 
Th. III. S. 278 — 283.) und Fischer (Typographische Sel- 
tenheiten Liener. 4- 122 — i40' galten aus guten Haiidl 
fql^riften passende Bruchstücke, 

Bei'm Heldengedicht auf Karl den Grofsen hätte 
wohl gewufst werdeil können , dals das Strafshurgpr Bruch- 
*tiick in Schilter's Thesaurus vollständig und in gleich-* 
mälsigerer, zum Abdruck viel passenderer Heidelberger 
Handschrift (Cod. Palat. li2. 4. Ha gen 's Grundrif» 
S, 164 u. 539.) vorhanden ist (welche Wilhelm Grirairi 
jetzt zur Herausgabe bearbeitet), und dafs S t r i c k e r ' » , bei 
S c h i 1 1 e r folgendes , Gedicht nicht nurj,,ganz gleichen In* 
baltes" (S. l8. Aninerk«)) sondern sogar ^ was der flüchttglf^ 
Vergleich ergieht, blofse spätere Erneuung und ümreiiming 
jenes älteren Gedichtes ist, wie Hagen a. a. O, S. 165. schon 
1012 angab; wobei hier beiläufig bemerkt wird, dafs die 
von Are t in bruchstücklich herausgegebene „A eheste Sage 
über die Geburt und Jugend KßtU des Grofsen** (Münch. iSoit 
8.)» in sweien Handschriften vorbanden ^ aus Stricktfr'i* 
Erneuerung zur Froaa umgcataltet worden ist. 

Die Brucbfttttck« aus dem Nibelu ngenliede (S. 25 
41.) sind doch wenigstens aus der neuesten Ausgabe'üa gen 
genoinniens nicht aus der ypn i8lO. Lrachmann'a ;iib'^ 
«rat e|rspbi«nene AusgaLa &,on n t e hi^r Mch nicht betfüf^' 
werden,. «Ban so wenig wie sein | vra in.« nock Hoffmlinn^a' 
Willjeraot, die no^n erscheineiy sollen«^ Aber zum Vef-^ 
htter des Liedes wird hier He i ifi r ich y on VeldaJc V^f^*" 
geschlagen (5. 25 r^,^.^ Anmerkung), auck a«7 ea .^atia dMI * 
Zeitalter d^r. JV(l in n ea i li g^r <^ « wekbf«^ wanigsfcen» aint 
•cliitfe« iiopaM^ivla JkseicDynuiigiaC 

t r • * 




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H e i d e l b 



«.» • • • I 



Jahrbücher der Literatur* 




.J^r)iard .Handbuch der teuUchen Sprache. 



' V' khfjiikhtA irön alleri andisreit , inneireii uiid S u fi er « ti ; 
CriMM (#i9r:Sag6 und Sprath«) ; Berechtigt weder die S. 26; 
AiMketlc engef^firt« Stelle voti GottiVied von Straflbuts iit 



Trletan^ diewörtMch nö heifst : 

...Von Veldeken Hein rieb 
er inpfete daz erste rii . • . 
m siuscber Eunßtn, 
. da von sit este ersprungen; 

' von den die hlMOtnen kwamen M«.a. w , 

^Och die g»ni ahfkUehe ifi«Rt#ddW«t9ii 'Ill>lie«fMMi Ai>xah3 

^er (.God. jHbit<tc. Catal; 2 6 l. föR 29r d;)^ sU einer FdP 
geruog für die Verfasserschaft Heinrichs von Veldek* RtiddlPI 
otj6\h macht jene in Gottfried'« Tristan kiarer!, er spricht be* 
stitpmt von der Kunst de« t'eitien Aeiiiiei, im Gegeasatji 
der In den historischen Gedichj^eti lr<^|iof viel freieren, mehr, 
assonirenden Keimweise , obsc^ipn bekanntlich. Veldek's Rei«- 
me^ wenigstens in den vorhandenen Handschriften, .mannig«, 
fach aus dem niederdeutschen Geäetse in.^ii obejrdeiitsch< ; 
oder uingekebrt, schwanken. RudolPs SteNe , heilst lö! 

^ Niemah nu ao gdotes nicht • ? ^' ' ' 
< 0erpreche]l kfliiy 'Silt man do sprach ; ' ' 
: Do man Vn« künsr Vörbelsen sacb i • 

' • Uf dem künsteirrtchon ^tam; ' - 

•■^9^ deoi Gedi-chte urhah namj' • 
Von Veldich der wise man; \ ', , ' 
' *V • I>er rechter riiife al Ter er s t e b-eg arf J 

Set kunsteriöhe heinrich, ^ ^ \r» . iA. 

^ahrg. $. Heft; > 50 



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' ~ Dtfit 1in§ t{ii0^ bbhe, WiHbelt^ . ; 
* «A- Zoo finvuang« bat'Mleit: 
. * Drfl kansterichen )>luomM n$ 

^\ Hallt 4ich dar uf maiiig« wia * ^ • < 

' , i Vil iVebbiich «erleitet' ^ / • ^ ' 1 ' i * ir. . 
— • Vnd bluoiiien «erspreitet.' 

Diese drei Blumenreise Seyen Hartmann der Ow^rif 
Von Eschenbach Herr Wolfram und Gottfried 
von Strafsburg« —* 

Doch brechet! wir hier abf Weil Wir nocb einige grellt 
iytachliche Verseben im £tn«fliien nachzuweisen haben; wo« 
bei freilicb tbeils des Raume»^ tbtfils der nicht lobtMiidfa 
Dilfib.e Mtegen nicht Alles berührt werden kann. Aber aneN 
kannt w^rde doch^f . dals Wenigstens beim tgalois 1M)|« 
und beim B,a.|ieri|i« S«lt5. Beneke'$ Ausgabe beficdbit 
^prdj^ ist^. so^. wie TbMl I. der S a c h s e n • e g0 1 S« ^$5« 
•0 jar nacb . ein«r ^ Erfurter Raiidacbrift^ . wofttr fretliiah . 
auch bessere vorbanden waren, Uebrigens berrJcht.äucb 
beiläufig — ^ biebet ein UnverhSltnifs swiscberi Thcil 1< 
und 2^ denn WSbrend in Th. 1« ndtb betm Sachsens pte* 
>el und dem Braunscbweiger Stadtreibt U/ w. fdbetieln bei 



gel und oem oraunscbweig« 

späteren Haiidacbriften) die volle <f viel Raüm'^wegioeb^ 
mend* DebersetHurig \^ntef dein Text fortlftuft^ '«riiiangelt im 
«weiten Theile glelcb'Wn vorn heir^n ' Otfried ^nd «lies 
Folgende f man kann trotz den spSr^eb^i^ •«ntargeMmiUn- 
WotterkläruAgeii-aagMi» £Mt aH'fr^nd jeder DeutüAft und 
NaebbttlK* ' * ' • • ' - • -V- VT . 

Als Proben greifen wir folgende beiden Stücke heraus. 
Zuerst die Exhortatio ad plebem Christianam S. 12 — i3. 
Da soll caAucfHÄo (zweimal) „behilflich« heifsen statt me- 
moriter, obschon S. 13. «in s e i n e m G e d ä ch t n i fs« übet« 
setzt i^t für «in sinera cahucti^^ ^ wofür aber wieder ,j<?ahuoti" 
verdruckt ist. Dd steht „intfangum eigut« statt „intfanga« 
eigut«: MjanM wird «wenn«* übersetzt ; dera calauba^auuwö 
fouui uuorte sint wird Übersetzt «des Glaubens gewisse 
Wenige Worte sind«, statt dafs yflt/«Üjo Adverbium ist (uti- 
que); jo ouh simplum zissigihanne ist übersetzt ^ja auch E i n- 
fältigen zu bekennen« (o sancta simplicitasi ) ; wannn wird 
DoCen nicht aufgeschlagen , wo durch usimplutn za pigtfhan« 
übersetzt ist das alte ^^semper profitendum« und der gan^.e Satz 
abweicht« //t Auuao soll heilsten nd wie« ; ther« galaopa, 
thera er gaheilit scal sin giebt Erbardi «dem er geheiligt 

•oUa^yn'** *tfkit qua {^g^miikMf^K^^ti unddockilbaracut 

» 



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i)(gWkh dAf^ntf rlcbtlg }• er canttiii ml darcb «ja f«tatt 
ahfUtff'J daVoti (statt qu^» per quaai) «f gaii«t«n aoll««; 
aA^tJ^ töil hMi9A ^ Wötf <l«a« , wanim hiche richtig 
jlJidrifcJcr'Mio^e fftrif /arAllff iMnIeht »VerbtiA^r«^ aonHem 
Fdrbalfa^ Förspracb, par^io (Barge, Apöliiary^ wie Cörl. 
Moaac bat ; uaämtm M> «ivtt toll bci(Mit mWmI illiMlr Oeiets« ! ! 
I^itt dilaiKijililee; Wie fbr d«a hUch$ f uia ddilfii ioi Manchner 
UmeiiAtHA T9jik,tn lH9n ist; /inM*i Ufc oiobt di* biiutige 
«Yeriietiiäeil** bldfip loaderA iaieUigere''^ irmieliaii — Ver« 
ttunft. Der SebluTi Vtlr AlUm biete mit d«m MOncbner Text 
Verglichet Wdfdeh iliaat«n; 

Als zweite Trohe nehmen wir dal gleich darauf folgende 
Hildeb ra nd] i ed S. l4. heraus. Abgesehen davdn , dafs 
fcr da4 Lied nicht in Alliterätionsr.eilcn ahtheilte, weil er ei 
tiicht als G e d i ch t ansieht « Sondern es ieinscheidekünstleriscb.. 
nur eine Geschichte nennt, so sehen wir nicht einmal dett 
Schilterischen Text richtig abgedruckt^ viel weniger deii 
ächten der Handschrift, wie er bei Grimm su ündeji ist; 
Nur die EingangSEeilen : 

ii.fiffbArd: Ik gihirta that iegg^it , eMe tih urbettuii «ehöii- 
I { mu<ltittUiltibraht eriti HarAubraiit ulitet beriutttuem. Suiiil 

fatairungö Uo/aro i'ihtun : garutuni« Ir0 guf/^hamun eit. 
Scb liier: Ik gihorta ddt «eggen Jat [dhat] aib ur bettuii 
aenon niMi»t|i».|iiUibräbt eMti:b«4ablrant untar berimituetti 
lunu fatarugnb Ito /aro rihtun giirutut^ ^e irö gmlhäintiiij 
5,^ Die Handt^ebrift ih Cassel liest g«>iAu: |lcgiboi;td dai . 

Chat] «eg|eh4sit [dbat] aib urhettun-adadn diuatiii. bUti^ 
abi «tüTW^i^^n^ ^^^'^^ heriuntueoi^ ÜOjifil fiit^riiiigd; 
. fro Jtfrö kihiuti gäruiiia irö gi^dliaaiii^; 

Wie iebr es bei iolcbeii umci# däii £]ii«di«tiiid Schrifü 
denkroälern auf die getifkielt« 0««aüigMt atfledaliüe {d Ist nici|t; . 
th, sondern dh), dävoii hi jed« Saita itt d«i GÜiümatik 2euga 
und B^leg; wie Sehr beim DrUtk iölcfaa^ .Watka 4tif Treue 
tu Sehen ist — dafs ilifcbt bariva^M Statt Ji^iüli^tueiii vor- 
komme — davon sind die öhbti Sifaön genatjataii »' . n<>t Fraii/u 
deii iii Abdrück 2 ugekommari^h M'£inigen.0attfeitfi(l^r dar alt? 
hachdeutschen Literatur ih gäfMUatti AbdrMck aaä HäridicbriJ^ 
teil der Kdnl^l. Bibliothek sii MqinCb«n«i Moh'dkeii 1825, vöii\ 
I)o c e n , Beweis , der sonst so' aa^fkifänt cena'a Üi; ttfid iu« 
^etl^Tssigeri Abdruck S.4. verspricht; uixd dSdi^ aa^fibd«^ lii^ 
bitr dennoch Fehler, wie artiriife-(irüarde) , fräi^itm (thiältf^t^ 
triTuhtin? as Itebt daneben trü'trtit)y mhitär (emisigar), 44Ä 
iUbrf lieb? ödef für Ith?); fiaffa (sieffs)^ .rnnM^ iduH^tii 



IftJbno ^ttkino » wie S. 6* Inginos Uicinn^urchunde kommt noch 
•pftt vor, s.Bi Cod. Fal, 361*)» ntn^j (ivines), dafs sieb nicht 
einmal herauMtellt» was dar fiandachrift anbctiniallt.. Doic^ 
aiurCk;k zum Handbucb. 

Wie: klingt nun die Uebersetzung Jener Worte? Hier 
1 st 6 i e : ^ Ich- bArte das sagen , daXt sivh v e r h i e f s « jn e i n e i * 
Muthea (statt herausbiefsen, berausbeischteo « Lerausfor- 
derten «eines Mutbes** ist gar £d«cb) U. und ei n en 
m.t e r z u g ( Diltar t einen ? herititituem^ Leerzug , Heer- 
thtimi?!! statt », unter ihnen iweii^h«* s, Altd^ Wtfider It; 
iOO« 2,y Vatersbruderssdbne (s. oben die Citate wegen sixnu 
&Sartingo}f bereiteten sie ihre Pferde (weil/aro gelesen ia^ 
wa$ obenein nie Pferd ht^ifst, und dieses VV ort — p'beetif» 
jpf^rt kommt im Altbocbdeutscben gar nicht einmal vor; 
es mufs saro heifsen^ d. i. Gewänder) u. s. w. Gleich darauf 
wird das klare ubat^ring»^ Heberringe , überseta&t als bar-rtnga« 
3,T|ragtinge<^ 9 ja gar ana belidos ubarringa ; aii des Gurtes 
Tragringe^' Fast wire des Guten genug. Aber weiter: Do 
st^to dero hUiu ritun wird gegeben ^^Da sie au der Versa mm* 
Iting ritten ^^a^^ cbud rat mrn al irmin deot steht •chuncf' Ist 
niin alir, min deot (sie)-» und wird übersetzt; Kund ist mein 
Alter, mein Volk; ja schön vorher Cbind in Chunintf icbe, 
Kdnigssobn im Hunnehreicbe , statt cbunincricbe , da ja nach- 
her Attitfd.triihtin, was ft-eilicb wieder ,,s ein Herr'* 4bersetat 
^ird cn)f und; du bist dir a/f<;r fliin umoier* spaher » wofür 
denn lustig steht: du bist J^r aher htm amndtf spah'er«- u<td 
diu soU heifsen ; Da Bift des Alters ihm ungleipb ti« S. w. — 
So geht es fort in im di erwehrenden Fehk>r>i gsge6 Händscbrift 
und Sinn, So sVeht hinter einander' Iftüisere Ii uti sta^t u««fe 
Hiitif aUe An|i frote imt alte enti frote;- forn ber PjUar ^ih» 
ueik 'floh^her^ statt forn'hiir ostar gibueit, £öh ber^: uQfi das' 
aoll heilsen : Bevor er nach Osten gieng, wei.t fluli er 
(OtahafS«Neid« Osachres nid); gleich Weiter bi na mltiT|^* 
tVithe, statt hina miti Tbeotribhd, natOrlieh ahars«Ut: bei* 
naher mit Theoderich V. lutttlu sitten aoll beilsen : . h e r fi h ui^ « 
Wohnsiuaf ikf^ie'S. l8. /vetl/e laut^. heft^, statt dafs luttil^t 
I^Ut süsamoiengebört, und luttil klein« fern.» aart» ' adtMCIn 
•{li»r heilst. Statt des schwierigen arheslaosaAwfve/ ,* ostai^.hisia 
dStf sid'Detribhe darba gistontum, £»tererea mines u. w. 
aMfisterfrei: Hfr« Ostar bina der sid Detrihhe , dar hagi 
stuo'ntum u. s. w. , und das soll wieder heij&en: £r gi eng 
iiach Osten, bin nach der Seite Dietrichs, da im Streite^ •tufi» 
«dbn meine Vatershrüde^ Kaum traut inan seinen Aufi^ivlf 
Nnr' noch einige Conjcctiireif. 'Der Text hdfstt chud Vrsi«*i{^ 

0 ' ' 



L.'iy,.,^ud by CjOOgl 



« 



l^tlurd Haodbttoh df r l«iil«elMo S^tUtim, 789 

cbonn^tn mannum ni vvaniu ib, tu Ub hahbe ^ was £ckart rieb« 
tif bat, ju üb. Erhard aber tagt, das gebe keinen Sinn ^ und 
er »wage es daher die. Stelle *u verbessern« S. I5. Und ww 
ist es nun verballhornt : leow (es gebdrt leop xum vorigen 
Satze!) chud was.her chonnem aiannum^ ni waniu ib, ih 
babbe, und das soll heifsen : i n L i e b e kund (!) war er küh- 
nen Mannen, nicht meine ich seines Gleichen zu haben I ! 5 
Ferner beifst es S. 16. bei den Worten, dio £ckart richtig 
nach der Handschrift giebt : Dat | sagetun mt | saeolidante 
Westar ubar | wentiisaeo, dat man | u^ic furnam: ,y£ckart 
schreibt wie; aber seine Erklärung scheint tuir nicht passend'*. 
Wie denn? VVie nun? ,sDas sagten mir scbitibrüchige 
(als sey lidante von leiden!) Westländer (er theilt We- 
star, ubir Wentilseo!) auf dem Wendemeere^ dal's man 
weit vernahm**. Kurz zuvor wird mit ^era** übersetzt: 
init Verlangen, was doch uiri heifsen müfste, von kir, mittel« 
hochdeutscti^iri g^r, cupidoy 6upidicaf| vQluotM animi ; gd« 
'Ut jaculum. 

Aber abergtnugS Et wirdl Keinem mehr celtisten. Wahr. 
Hcby wenn es, wie einst im Kampf« bei Nereaboim «»Hie 
'Wel£, Hie Gibling'* *) ersoboll^ eo in einem grammatischen 
oAer kritischen TrelTen hielse „Hie £ckart Hie Erhard *« 
— die Wahl würde nicht schwer seyn, ob auf die Seit« der 
Francia orientalis sich su schlagen oder dieser Thuringia pue« 
ijlis. Golden ist dagegen Kunisch*s Handbuch in die- 
'seni alteren Abschnitte , ohschon Dr. Erhard dasselbe seinem 
Tadel unter»iebt (Tbeill. Vorrede S. i — II,) , sammt dem 
Handbuch von Pisobon, daa dt« alten Stellen treu und 
ptinktHch wiedergittbt, ohne gerade in Vorreden zu behaup- 
ten , dafs „bei den Scbriftatellern vor Luthers Zeit Alles 
bu chstäblicb wiedergegeben sey<* (Erbard I. S. IH.). 
WabrscheioUcb sind oben mitgetheilte Verböserungen an sol- 
chen Stellen eingetreten» WO „o£Fenbare Fehler (a, a. O.) in* 
'Handschrift; und Sinn vorbanden viraren. 

Der .8 weile Theil» wie geiagt, giebt nicht so gFel^e 
fitöfaen und Verstöl'se, wdl weise die Verneudeutschungen 
>#eggelaiiien sind. Aber auch hier dieselbe Ungenauigkeit im 
alten Texte! So heilst es gleich S. 2. imOtfried, Zeile 2; 

Pell «tau ]obt Z«iJle!^;'jQ ttattiob. Fernere wanltt tuetter 



S* KiUugshofaus Chronik bei SohiJter S. 24- und Andreas Rat!«« 
boaeosis la^sflines. fiattiiebea Cbienil^: Deuti^U Cad« PaU Kq« 96» 
» feUfl6>'b^^.l7. ai • 

• - » • ■ 



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79<[^ lEriisfd Handbuch dct |«iitf«llf u Spifi|eti«f( 



^ilehaUen, da itet* w für uu »etat ist? Aber giuuagj wwjl 
giuwagi umgediuckt, ^^eile 10. «teht 5w »clbes a^rufliaij^ 
,#tatt Sin selbes d. — Warum Ut fern« Zeile 20, imu •tatt 
jimo gesetzt, da nicht einmal die Lesarten MU^en bei SchUt«)r 
.90 haben , welche doch Erhard meist »ur AbwecbscIdng au|- 
iiimmt? Weiter — Zeile 21. «tehC To »O. ilatt io^O.; 
. Warum Ze^le 25. wer ther s^att werther, ZiBÜe.Ö. VOli iflititt 
^zum statt en ? Zeile 4. v. unten Thor nn^ie? liriupt^aiaio V 
jStatt fA^r irnser fViunt guato. Dies und mehr auf Einer Seit«! 
.^n4 blos Verstofse gegen den Schilterischen Vordrg.cki . 

• Aber eh^n so im A n n o 1 i.e d e , wo Vrankio : d^nkfo 
-stehen sollte , steht Vrankin : dankin. Was soll gleich-dftr^f 
,Van sante Mauricina herige statt Van senti Mauriciin berig^f? 
:Was roinu iür minn? «ent Anne statt sent Annin (S. l3.)? 

Warum S. 14. in fremido lante , vvas freilich Schilter h^t. Statt 
•In vre.midiwip lante, Da gleich darauf z'i diutischiwo lante ric,h- 

tig folgt? Warum Galliff upti Gerraaniff statt Galli/» unti 

^(jcrroania, wie umgekehrt weiter oben geiU ; deila statt geile: 

• d^i)(e) des Schilterischen und G^ldmannischen Textes? Warum 
,S. 15. uns statt unz? Warum Daz in disim« meri gartin | fe 
'eeyriiuut wordin statt — • merigarten — ivurJe'i Doch genug! 

• Viele Druckfehler, die hinten nicht angegeben, sind ste- 
chen geblieben, z B. S. 14. loide statt leide, S^ 15. sJari statt 

SCari, S. 16. duich helma statt durch helme den sige wart st. 
iftam (was Alle^ Schilter nicht hati). — Manches,^ wie das, 
•.Letzter? ist wohl eigene Conjectur, li^entia p. u. s, w. 

Bei Thaten des Ijebens genügt in magnis voluisse sat est; 
aber in der Pücherwelt (und ihrer Schattenseite — der Buch« 
macberei) ist es mit dem W i 1 1q n allein ni^ht gethan; abeu« 
^in wo es nicht einmal heiist: tantae molis erat — sOD* 
.dem wo es nur der geringen Mühe galt, als Bibliotbekar 
und Archivar der Zeit in den Registern der t.iteratur (wie in 
Göttinger Realcatalogen) nacbz uschlagen : VVas ist über ^i^M 
älteste n dunkelsten Dinge, das iN[ e u e s t e , Klarste , Sicher- 
ste ers<;hienen? Ab^r den Schneckenhandlangern, di^ «eben 
Jahre und mehr ^urftckble^bea, «ollte ^o «Hf uig^. ; ; 
^abula \ rr . ' " 

Die^e H^f^ijisio.n galt die Sa c h e^ un4 hofft Scb^rfleia 
beizutragen, dafs das nächst^ »»Handbuch altdeutsche^ 
§fVftffe«^ ^\sl^S. fe^t^s^eleii^e ^eh^^ ' . " ^ ' " .* 

Da wir e^'nial im Zuge sind, sp knüpft Kecensent hier 
eint verwnndte passende Betrachtu|yg an. Sif betrifft die 



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I 



f^raclilicbe BebandUiu^ der flltoren Deutschen Erd« 
|k u n d e und jLigenaamen. Die Ivtstereo Jahre haben tin» 
•tirter Mann'ert's neuen AuOagan auch in dieiom Facb^ 
mebrere 9ch|)«ll auf einander folgende Werke |>e}iraobtf fO W%% 
«icb mannigfaltige Vervine für das vaterlinditche auch erd« 
IcuodUcbe Alterthum in Scbl^iien« TbOringtü^ Sachsen, VVaff* 
ifal^.u« 8. W. gebildet haben, welche aammeln und daa Qaaaai» 
jnaka «ucb diSefitlich in Jahreiborichteh, ilrchi^en u. t. w. b«« 
•prectien, ' Yön diesen i^^icbKcb eröffneten Archiven, Z«it« 
fcbriftm in Halle, Hannover « Waatfalen, COln, Baiern u, 
a. yr, ein ände^ IVKa], Hier aeyen tiur einige nmfaaaande Werk« 
iliier dai '^|t e G e rma n I tf n genannt, die in unmittelburair 
'Vesiebung zu einander atehen, durch ihre Uebereinstinmvii« 
£en, Abvireicbungfn und acbn^lle Fol^e ; liSmlicb ^ruf«'« 
fiudprgia f daran sich Bäsch i ng 's Heidnische Altertbflmer 
^Scbleaiena anreihen) und sein A r cbiv ; ferner VYilheim'« 
Oermanien und seine Bewohner nach den Quellen dar« 
;gea|eIU (VVein^ar ia83. 8. XVl^nda7230 und Hei cbard't 
üermauien unter den Rämern , graphisch bearbeitet (Nttrq« 
berg 1^24. 8. XXXII und 274- ^O* Besonder! beide letztere 
'dM Qsit»'* der alten Di?irrschen Erdkunde umfassenden Werk« 
Ireten hier in unsere Betrachtung ein. Aber nicht die geogra« 
'pbiscbeq Yerbaltnisse , üebereinstimmungen'und AbYTeiebua« 
gen beider sind'eaf die uns hier fesseln, aondern die sprach« 
ficbeli peutungen. Wäiirend Wilhelm ruhig und besonnen 
die geographische Hichtung und 3icbluilg veriol^t. Und lehen 
in Naqienlihnlicbkeiten flUeaier und neoeater Zeit, d\9 faUuK 
die spätesten Urkundenaam^n ndch verwaüchen hat, iich ver- 
iieVt oder umirrt, ist dieses in dem Eeichardiscbeil Werkf 
eine Haiiptseite und Hauptlust. Hier wird wahrer Kühil« 
' 'tieir, Kcpkbeit, Zuyeraicht und Hast t^Kh i^mi aetbt^ dam 
nn3bnlich«ien Anklänge gehascht, und — was nun uniarc 
Imlage is| die !624 doch wahrlich hinlSnglich schon ror^ 
'gescbritte<ie und surBestonnenhc^it und Gründlichkeit mahnende 
'piltoriich- grammatikaliscUe Woribehandlung hier in der Erd-^ 
J^unde gr|lniitfnloa ye^nachmssigt und wahrhaft gehudelt« Jede 
3eTte gewatirt d«" wildesten, zttgellc^eA^elA Wortzw«ng 'Un4 
Wörtyerrtfnkung. Auch nicbi eine Spur von Ahnung •iw 
CetenUchkeit in diesen |ilte5iten Namen- u^d -Wortbildungen^ 
"die aQ bestimmt Deqtschea.lUldungsgeaet^ Verrath^n und an*« 
'sprechen, ' Nahe Ue^en ZuSiamitien^etzungen wie Asci-ftiir^iof« 
' (wir AskaukaU«» AskaHngian), burgion : TuM-^pliurtli^ 

«wie Ti>ri «urgio.ti\ Liup-j'/i«rt/o« (uud Bik-urdion?); As^c«!-^ 



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4PII^I|, I^crr*4-QrgU ii. •. w. ,—7 Afc|eT goldeu jiqjd 
^ea von 5ic<)m6r( (SiegünLauef— ^ 5iegkä4Ti|}ferf liei Awenl^9 
iind neuerclings M^n^ u« ^. w.) ui^d andej"« «Itt^ er gewohnte 
,fi€i£^n die walirhaf'c luftigen und liittigen b^i Reicha^J^ deren- 
,i|ar jeder S^eite finden sind, und deren ..äl|erj|ii .^ailie9 
jQ r i rn in ^chon 1022 iiQ ersteq Theile lieifivt^ 0r^aif^ttk 
zweifelnd odeir d<|utind besprochen hatte, i^raa aber jenen Qepf 
.grapbep noch ^lae. terra incognita ist« Fangen wir mit 
öft gedeutete^ C/wujci an. Bekanntlich soll das ^i^'^^baut 
^s^rzker heifsen. Heicharä ist hier, nicht aua sprachiicben^ 
nur Örtlichen Gi;üfideh bi-aonnener als ande^^artSy er tagt^: 
^,\yie^ y(enn df r Name (jherusci nicht der Deutsche «spiid^rii- 
yon 4«nRdn(i«rn diesem Vplke erst initgetheilte vifliret*^< ^»9^ % 
xibcir blas^ weil ihm AnklSnge neuester Ortsnamen ^uf derj^an^ 
fharte ausblviben. Caspar Sagittarius (Antiriuit, Hegn iXl^iUi* 

r e 

yo,n _ 
einmal der V o c a 1 gSnzIich verschieden ist ; ferner mOfaM 
liariV als i^djectiyum bilden Wsifc cvder niederdeutscb oder 
zur Rdmerzifit fiberbai^pt noch hartukf von hart, die Haa\d« 
Chirusk Würde althochdeutsch /taruxA oder härUk (pilpsua etwa) 
iLlIngen« Oas e in cheruso ist lang (X>;p9Co'/.oi Strabo VII. 1. 
^tpltm. II. 11. Xai^oxxTAoi) \ nur Claudian IV. consuL Honor. 
451 hat cherusci und Dio Gass. x«^>cwcr>io/. Bekanntlich ist Chi* 
rmci die einzige Bildung aujp — usk neben ^isk in Arav-isci» 
Nar-i$ci , Attal*is9us (Aurel, c. 33.) und Tatirisci « Sco.rdtaci ^ 
oder — aiJfc in CiiÄn»ascuÄ (Ta^it. Annal, XI. 18. 19. Aä 
■C^berusci reibt aicb, dur^h die gleich falschen Deutungen von' 
Harz , Hqrcynia sylva oder Herctqius aaltus, bei Casar,, Stra* 
bp, IVtela, T^citu^, flinius, Yeliejus Fat«rcuIuS| Claudian ^ 
piodorus Siculiis» LivinS| Florus« \pie Form^ vvelchet Pto* 
leinäu« (II. 11. 9 * O^Ktvfo; d('Uf/o() , Aristoteles scboq (Mirand. 
Auscultat. cl 'E^^Kuv/oi ifufA«« wnd Meteorol. I. l3. 5'f>; 'Afxuv/a) . 
Appllopius (Argonaut. IV, 640. rkorAo/o KaS^"E^»«uviou), und 

Dipdorus (mbliöt^*. R^tor. 5, r» *Z^Mvta o^yf) geben, weiset 
d^t^^ich auf «tq k, alsp h$rk^^ iga — a^n— Sjx — . i)ie nor-?t 
dUch^ Sprs^clie zeig^ ^iq hMrkfi,^ durare^ harka an^ h0i:kjaf aapf* 

yergWcha ferner b^i Grimm die sinpi^en Ausstel- 
lungen, fla^ndh^bupgen pder Behandlungen dei^ Namen Qepi^ 
Jae^ Gvanpn^ft^ Th. I. Aufl. 2. S. 36, und 45, gaUau S. 91, 
j(Uso. 93, Tf^Bnuj 9.4 und i63 ^ ^«W/iia, ChoMci y9.. — bei Rei. 
^Ua.td 5. 4Ö. oplhweiidig i^r CuÄ^av«^ M^jiß». rtW** «ch über» 



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I 



vtraj^t bln«^ 001^5.99^ Mar/i, Manigni 123, 124[t 
j6^0fiuH'iiS und t5Z ^ Batavi , Bueinobantes 153* r-* VOO 
'ißVtn^ wi<( BlidionU^ und Bant»' wi« fira^int^ TaaM^' 
lijftntt obi»rd.*bans9 icnso: Otfviad III. i8. 26. «li-fonso^ 
«juranauf« wie elileiidi besonder» Chmtei S. 172, und 
taittaeb (Thafll. S. lod. Anmerk. und S. io€9. Xb^l II. 
S, 378. f), oder Wdrtar wie /ranua I. iZÜ- Anm. 2, |/<Mfi 
V5« Anm«3; andlicb gotbttcb« und altbocbdeuticb«£ig^älMiiitfi 
1. S. 36. 4ß. 76. 79. 8t 83. 84 92. 402. 103. oder Tb. !}; 
ypn tS/447. fn In alpbabetUchen ZutammaDacUun^ftverzeUbr 
fiiMen). Ebe aua atreng graoimatiacbent apraebbittoriacbaa 
Gf^^eii aplcbe aaa^ und umtcbwaifanda £rbISrungen t, wie 
•|a«pi|r '7- ftwib — voa ScbweiFen od«r vom Scbwcil: (Grion^ 
l«^S,'S7. Anmerk.!.), odef m^nir« — - rin"; brin, — . roll 
* ' ionao — Miia» daße^ 

cbt'aufge^abtn wardci 

Igen Grundanacbauung 

«qben Lehens , tiocb 119 der Erdkunde Altdeutacbland.« W§^> 
beit ofid Sicbea beit. zu • erwarten. Aucb Wolfgang Mensel 
üi eeintfi DeuUcbeii Geachicbte, Zflrtcb iS^5. 8. **)t. gebt 
vnbiatoriacb und ru regelletcbt mjt denUrbltfngeq der Mutter« 
apracbe'utn, an deiien docb die'Mytterien ilteater Katurail« 
ec|bA|iung und die Hieroglypbeatoea uraprfloglicben Volke* 
(ebena bäften , und die leiae und ätreng gedeutet seyn wollen» 
Man apblage z. auf Tbeil I. 8. 4. ip; 15* |6. U. %7. 43. 51- 
$0* 9S* u. a. w. ^ ^ .-r 

Eben «0 gebt eucb der quellengrabdliche und beaonnene 
ip.B.artb in aeiner »Urgescbicbte DeutacUande**» Baireutti' 
imdHof. % Tbeile. 18241. gr. 8» «Qwobl In Deutung DeuU 
icber Eigennamen , s. ß. Tb. IL S. 383 — 371 , ala aucb De|iU ' 
acber Völker» und Qrtjnamen (in Mner l^rdk^nnde Tbetl It,' 
^•t'-jSSö.) yiel aü leicbt , d^b. ungesettUcbj ungraminatiadi 
«u Vfärke^ obicbon <?r «. .R. Tb, if. 17; Aum^rk. % aaet: 
^CfTünde au£|ucben beifat etymörogisiren"* Der Beiden 
Redten Neii^foracber Qeneckeii In aeinemTeuto tftofi 
yieiieck (Erlangen) g^r nicbt «h friir|lb«enH Aber aelbift 

^ V^a« die S)i^|9\\f DeöloDg weleiabi — vrn»i~ all telelavi 
'tr<m lice<f fifaS«» C^Mo^ ^Bblge8ogene?) ubrlgeeipa^ 

5. Oim^Aoi. 1824. St. r— 4. s. 28. ^om; . / * 

f(K> Uflld; aneir leiii ^tyiieiitveti^ ^n 4* deuia liieifn mdl] eltpjpi 
Ade1ungisch«ii Gelefse« ||gtild^ I9t<0*i«ert«(a*s. am etgiüve^ite« 



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* Fei;(diniin4 Wächter in Jen«, obschon er in feiner ^Tbtiriii- 
"giichen and Obei sächsischen Geschichte« — Tb. I, Leipzig 
1826. 8. — an mehreren Stellen Belesenheit und Bewufstseyn 
i in der älteren Deutschen Literatur und Grammatik beweist, 
pbschoa er z. B. S. 64. über die erfundenen Gottheiten Stu^Fo^ 
j ftketo, Biel, Asterotb, Lara, Jecha, LoU, Sater, Krodo, 
Pttstench richtig urtheilt, tischt docji S. 7. uns wieder Suevi 
j vom Haar schweife, Chatti Vön Cat i Krieg , Qherusci als Har* 
«er auf, und wagt S. 5 Thurmgiy Thoringi von Thor, Berg, 
oder aucli von* einem berühmten Anführer Thoro (woher 
f Thornberg, Dornberg u.s. w.) hera^uleiten , wozu er S, 6 und 
I 7. die Grammatik zu Hülfe nimmt. S, l7, mufs Diesburg 
; (Oispargum bei Gregor. Turon.) sogar Geisterburc bede^- 
^4fen; S. 7. sind HermunU-uri gleich den Hermionea, gleich den 
Germani, gleich den ^, Th-otscben Dietschen", Au ch 

Luden in seiner Deutschen Geschichte Bd. I und II. S. 11625 
. 26. ist SU unbekannt mit der wahren Grammatik, daher 
oft zu zach, oft zu jach und leicht. Th. I. S. |9 und 20. und 
593, 17. 18. 19. ist er zu schnell fertig mit VVehrmanne« 
(Germani), wie 3. i77. Murkomanni freiligb leichter sich giebt, 
als IMarkmanner , Landeswehrmänneri Eben so S. 25. mit 
. Tuiskof welches für niederdeutsche Aussprache erklärt wird — = 
düdsh , und S. 597, 22. fu adjectiv, wie mennisc, aber von 
teut, tiud, Erde, also terra editus, tiu-ü-sko man. Das ist 
doch nicht so gar behutsam und entspricht doch nicht gans 
der in den Anmerkungen ausgesprochenen Regel : Das Ely- 
. inologisiren ist gefährlich und führt gewöhnlich ?u Nicht«. 

Die wahrhaft auflösende, zergliedernde Art Grimm** führt 
( fpilich auch oft su einem J>(icbt9, nSmIich Nichts wissen aber 
'^Ui)eid,et doc)): undeutsche Träumereien ab. £lben 
ujn^efttiaii^t I wi^ Qbiges, ist S. 2Ö. über die Namen Twi- 
•Jtißci^ Jmbrpncs^ Tfutohodi JUm&ri (S. 31, unten) gesprochen, 
. ;^cht S. 4641., (^^ Q^i^arii oder, Chattuariif ' ^5lf. über Jn- 
ig^ativon^ Ista0pon^ Herniinohf schwankend über ^riovist 6i2, 7; 
btfSter über Suevi und Saxones 4^1^ aber schwach, was die 
.sprachliche n Gründe £etri£Ft, 641 ^ 5> Ehen so.überHpf 
, r— VOM H a u p 1 1 — 718, 11; Knecht f 5f/av; Liti^ Lasifz, JUtfi 
;7l9t I6ff Leutt Leudi^ JLfodi u. s. v^. 735» 2-^; Uber kun (71^) 
kennen« bekannt, Kunig« kiadins , thiudan^ u. s. vv. — - 
. Selbst Franz Passovv^ in seiner so g^nau auf L^sarte«^ ge« 
^stützten Ausgab^ von Taciti Germania ^ Breslau l8l7«.&^ ff!i 
M<4bt sich Deutungen wie Sutrini aus PVarini u, S. VV^ 

So lange nicht streng auf grammatisch^ , ipvachhislQriscbe 
Gründe und die Lesarten gf*nauer.gut«r Handscbrift^iM -gesichKet 



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wird, 10 lai^ge Wird auch Dicke nur auf Titeln htttorifcdtr 
^«^|;^eographUcberZ^itM^^^ (von Fahl; und von tloff- 
*mann bei Cotta), aondern '«ucb in allen GtacbicbttbOchern 
;|fMta<i oder Herda prangen , während docb V^§$9W auf der pa« 
j alen jUU^ttn Handschrift die Lesart AVr/mm oach^ewieaeji 
bat, wa« vielinehi^ auf den nordi^cbeo frfilich mÄnnÜchen, 
. U^tt ^lördr Gßn. Niardiir, Dat, Nfrdt ^ fidk dfuten lüfit, 
^l^rar ein ahhochdeutsches Ntrdu^ Nertu entsprechen wttrd« 

ind wibr,«nd die Form hsrtha fttr £rde nicht belegt- werden 
[Mknh^ S09di^figbtbtacb^(altest) nur «InAda »Itbocbdeula^jb srdm 
"statt tradof was sogar einnaal bei Kero vorkomoytt ^ref^a. ^ 
{judan achtet Th. Ii, unter den V>rb«tacruiig«i^ mim Bd. I, 
«Q if 748'-- 749» zwar auf die Leiact ife i)k«M, meint abat, 
es kdniite dies auch der Noosinativus unA-iaab könnte ei etb 
^ ^Teutacbea Wort Näiti^um, yiajileiidi, iejn, und fftr dies* 
Wairte wl^re die Ueberaetzung Terra in.\ter recht wohl geetg« 
»et (!^. Aber ^'aetst er bin«« — mit 4er H«f ibf. Wire ea 
" P**. Etwaa. Wachtet dagegen aa§t am ob«n 

^ «n^enbriea Orte S. 98: »die urapr«iigUcb» Lea^rt Ut 
.Hertbua«, 4tDd decltnirt una das Wort naeb. der gotbiscbao 
vierten starken Declination (w«ihlicU>Tor » Hertb», Hertbaga, 
^ l^ertbai, Hetftb, während da« vorhanden« airiAii,- terra, dcNcb 
* nach der ersten atarkeu Fem. Üecl. gebt: airthat , .airtbdaf 
.«irthai, airtba« — Uocb \n dietem 9»ispiele mtttUertbm 
düot äioch noeb ieit Kbeitaniia, der irettb«» bin«i<i emeodirttf, 
.9iTt«^^$hiiuii|g sur £nl|cfauldi£ung; viel acUimmer itf , weno . 
iRipaobUg vn« Peutacben .Gott r;|ftr aafidrüngt, yoP 
demiu« «Cti»a«*iNpb0rt wpfdNn i^^ Dkik wdil^N^ T^r^ der 
'Vfvbigott, da« ucb erbalten ha/t jn. dlMn mmep de«*dr(ll«a 
Wocbentages, tyida^r^ die« nartiaf #fbr4«' im 41ll|Q^d«it- 
«cben oötbwendig mit a asfaiuKeii mflaaett Qt^ «• «• w.)» (^n^ 
4^pa imcb d«« Q&rdeutacb« noeb dteFoem iSieliig, ZIatie, 
l^tt l]ü(n)itag| plenstafl (PingstagiO üufbewabrt bat, Wia 
4^ka EngUicbe di% «MerdeutacbeForni itealA^, flcbfiicb AMif 
' i^^ X9k 4er Fori» itp Cgotblticb Jttm«.'tma?). ' 

; ^üa|Spblu««e poch ein Beianiel,' wif dje sprecWlobo 
f^rfcepnttoila eipe« aUen Wortea oder Hamen« «ach fi&r dto drt« 
Ifcb o 9der v q1 klicb e^estimipupg wobl dienKidTtfUdMilllC« 
^);cV i«t. Pr. Wi)be|ip «ibit in «einem Germ«i>ieii S.f36* 
die Astinger al« eineP »Hauptatamm der VaiidalenVSiuf , 
Äegist^r & ß<iri||« ,j|Vqfk«i iffia S, ^36, gw nh 



-«) <Mct; Ans« 18^5. jll. l 



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43. 

von 



WMMiMOm Volk«. K^ichard Iwt .w« gH ^'^^^}' 
WS^^ wifä lÄTWilUelm nur au« Bio Cassiu« nach- 
fiT;i7ei»t lind gar bei Tacitui German, cap. 

von vorn htrein deuMcher anklingendan Form -ingi Ast-rn^«) 
fn 4« A#r brf teariigni um^uit^^^^ .^«i G.walt angetban 
'lÄririi/ obfcbon' auch bei Jor nande» ricbUg ^m«^' »t^ht. 
^her eine Öauptiitofla. dU vollei^icbt gegeben hätte, ist voa 

W Schrift ^De' Magimatibujl«.<d. Fufa, Pari» ♦) l8l2. 
pag iia. iiefet iite''be.trmmt an^ daA ea^kein besonderer 
Yqiktitrm» aey- ^btHein kommen aie bei Gothen, Vw- 
daleb und MarkomamMfiT sugleicb vor. , Er »a^t : tvv tch «v- 

Ediei deaTblke». Betracbton wir den Namen nun mit gothi- 
ac£Sm A^^fte r ß»«bt un» .seine sprachlicb» Form selber den 
iMatWCammim^; 4^Unnn da in Dracontii Carmin. ed. 
Ar?valus,Römae 179i* 4. P- ^71. die Form AsJing noch na- 
lier-ati da« gotbiacba imd anklingt, wie wabrachemhch d^s alt- 
'l^cfadeutAGb« M,..Art, ß?«cblecht, AdeJ, nobihtas, geklun- 

haben wird , so dafa aidingi (a^^dig-oss wie «kiiliggs in den 
Ouittungen gebildet W^«« gleichfalls gothiscbeii Na- 

mn nm*ifigl bei Alöiiman. Marc. 3!,.6f Oth-ingi und Thur-ingi 
hei jornandea^ U.-a. w.) die Artinger ^ ahhochd. nrtingä, die 
Rinrät'J&büiiigi, Adalingi aind^ aua d^nen die Könige ge- 
•WSblt Wurden. Grimm vergleicht dem gothischen s m axd 
inrti däa 9 im gipi*cbi«c^ben iaBko; , edel. S. ». Qramatik Th. .1. 
AuS. 9. S. t070. und S. 126. Th. If. .5. 349. \. 

Mögen auch die«e Bemerkungen, die wertiger Neues brin. 
Mn^ ab abaichtlich «chon aum Ei^gebnif« Gewordenes, dä$ 
Ubar imma» nooh nicht beachtet wird, durch die Zusammen- 
etellui^g «einer eindringlichen Wahrheiten den ünaeblsainen 
.UlulLeichtarbeitendan, Wieden Gründlichen, aber Einsf^iti- 
gen, denen janer Eortsobritt der biatoriscben Sprach - und 
Nachforschung noch nicht kund geworde« au »eyn scheint, 
firingend a^mp^ihla« aoUtea ^ iiich«,gaiija uonfits g^xfnmfx 



• *• ♦) tiioht Luga, Balav, • 



■ • r , 



1^ • 



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B^nodiM'i« priftloof iitmoi|4kaeracr 40^ 

^rtatio -phytica dt repentinU varUtiombut in prttiiotu atmorphas" 
rao ohservatis. ^uam amplissimi Philosophorutn otdliäs auctoris 
täte pro loco in eodem aihtinendo timulque pro jurihur M5tgitt»rii 
' XJpsiensis optimis cot. publice def endet H, W^ Br findet. Lip>i 
. «wf MDCCCXXri' , «6 4. ' " ' 16 Qr. 

' - • - •» »rt ♦ • ,f ,; 

• t 

DMtf Gelegenheitsscbrift verdient uro «o mirbr ein« An- 
zeige, je leichter solche gewöhnlich unheachfet bleiben. Der 
Varf. derselben, welcher wegen der Klarheit seiner Darttel« 
lung d«r gelehrten Welt vortheilhaft bekannt ist, giebt in 
einer kursen Einleitung den Standpunkt selbst an, aus wH«» 
cb^ra Gegenstand betrachtet werden mufs, weswegen Ref, 
nur dasjenige im Auszuge kura inittbcilt, was er sonst sup« 
pliren würde. So viele Mühe man sich n3mlicb, des allge« 
meinen Interesses wegen ^ bereits gegeben bat, die Ufsacheii 
der atmosphSrischen V^eränderungen mehr zu ergrflnden, to 
Eaben doch alle vielfachen einzelnen Bemühungen noch 2u 
keinem brauchbaren Resultate geführt. Höchst schützbaf 
«ind in dieser Hinsicht wohl vorzugsweise nur die gemein- 
acbuiftlichen Bemühungen der ehemaJigeh Mannheimer Gesell« 
Schaft, deren Werth auch neuerdings von den Engländern 
anerkannt ist, mit dem Zusätze des allgemein gehegten Wcin- 
scbes f dafs gegenwärtig hei so viel weiter vorgerückten pby- , 
sicaliscben Kenntnissen und den so aulserordentlich verbes« 
aerten Werkzeugen nebst den Beohachtungsmethoden eint 
ähnliches Unternehmen wieder zu Stande kommen möchte. 
Auf die Grundlage jener Beobachtungen stützte unser Verf; 
seine bekannten Beitrüge zur Witterungskunde di^s iihr^ 
1.783) und zeigte darin sehr augenfällig , was fÖr bdd^utende 
Resultate aus der Zusammenstellung weit von einander ent- 
fernt liegender Beobachtungen zu ^rh^lten sind. Ein solcher 
gelungener Versuch mufste die Idee erwecken, einrtdl ein« 
einzelne merkwürdige meteorologische Ersdheinirng üt)er ein© 
ausgebreitete LSnderstrecke au verfolgen , und hierzu bot siclV 
der ungewöhnlich tiefe Barometerstand vom '25» Decemher 
l82l als sehr geeignet dar. Der Verf. ei*sucbte deswegen 
seine zahlreichen Freunde und Bekannten um Mitthe^lungf 
ihrer Beobachtungen, deren er eine grofse Zahl erhielt, und 
hieraus sind die in dem ersten Theile der vorliegenden Schrift 
enthaltenen Betrachtungen über den u n g e\v ö h n H Cb Ver- 
minderten Luftdruck hervorgegangen. Ihnen entgegen . 
•teben die Erscheinungen eines ungewöhnlich vergrei- 
se r t e n Luftdruckes , welche künftig gWicbfalls einuiai unUr« 
ilicfat werden «oMem , - . ..|mi*.. , . 

• • • • 



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ohi^ik^^ i^""^^ ^^^^'^ erfreulich«« BeWifi« von 'i'-r 

Bef^twiUißteU «abkeiclier Physiker in allen Länderii 



der 
zur 



aps der Schwei* fanf^ nuif Italien eilf , au» I»lafid ^ 
Jtowegen und DanemarTc; wlMi ^ Preuaaeti and^Poleft 

aus.AuWvid yier.. J4^»amrtJti-aiso h 
12^ ^atijfiitifreni wMe W«|^|i <ier ünhestimmtheit det 
^I^yU^dga^mittlctert Baröme^T»tandea qnbrauclihar wareft^] 
J^^ein9 interessante Bemerkung 'wird aulserdeni' Hoch afige^' 
Mat f. daJ^!.i|m jene Zfit in Buenos Ayres eine Menge 3cbi>e« 
fi3i^ ^eji^^ Ersch^Ji^^ng dort im, toben Sommer uoter 6l6 
gan» ttnjpviröhnlichen gehört. Dagegen «^ar , der W^l»««5,^?^^ 

5«i ypa|.»i « 1' 

;.Ui%" di^ Rewl^le aus den roiigetheilten Beobachtuh^Ä 

4l^^c^|Jiicb därsusteUe^^^ bat der Verf. #ebr zweckmäUig 
viet^b»'^^ ^od^rl'; ^orin die Bar<]imeterstände befolb^^ 
ada^^^i^^^'^i entwarfen^ ilbd in diese tieben die veirscbii^; 
4^e^ bxte die De^iesslöiien def fJ^^ecksilbe^bö unter cTeri; 
mtt^u^ir^ta^d ftir den; 24« Deiiembeif^'ftiühr Abends, deri 
.^/P^^eiÄe^ a Übr Vund tö Uhr Morgetii urid Ö übr Abeiid* 

S^cVii'liwni: ;<^iia 4tw ÖÄsrl-bUekfi . dieser Charten evi^ 
^ni ketf^^,. Ursafcl^e del plattUchep S^^^ der 

IßgßoiA^^v im Ätbc^iscb^n.pceiin ihren Sits h^£te «jhiie diCi 
«f .'l^i , begreiAiclhiAll &^r^ ist«. ^ genauer 

^jjugebfff vj^tp 4i« , ^rfsdieipiendt yflrrtinderung det-iLuft- 
^deo mochte. Dort i^^r.niqili^b afifartgs die 

i^«? S^^ ""^ Eetrü| 

ltt B<9ef^:j(fkLitfief^ hier^an ab^ regelmäßiig in djg 



^T»-n^.-T-'** jQN|^ft^^ti|st«fgelmjfsig«r d«|r iVicbtung nadi 
Sl^»^ unA fli^^ aiju erst aoi Qflli^^en in Mdlfett^ 

und P^1;ersburg^ dioirt mit ^^ecbs « hier mit yi«t>e Linien merK«' 
Iwiiiiertij^e^ wpbisi tiig^^^^ «»«W*^ 
hixen,Mknliuiji «dgie^-; dtör^e und Gewitter ^yaren verscbl^f 

*^<Ö**!>l*«wSr^fiirf.y#filOg>^ Sfchrit- 
||t0i.¥o^.V^f||te|^|i«;|i;X>stcn:{(iKl(;.,au<;h bat der VerEc-^a^ 
J^ikß^ü Iß^fifStitp^t^ aü^efunden^ teHom iM>2S|« tt^jl 

it^l>e9tf^ti axA Aihilfti^ Pc^aii berrsc^^em^ Hefe^l^ 
%j|en und^ttUfne wurdsiitlWilligiltib-ip Italief f^iuLdein ^^^^ 
li^bW^Frf^k||ddfb#s«|iac3|^ au erkläteüt nicht scW#^ 

i^|i,^afii^geA\ass«nvajMdlivit^^ inneren Zusammenbai^g; 4tf 



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diir in jtn^A Gegtnd«|.m vitOiiicbt .iiftcli ^UßuA 

flillaiMr AU «rOfen« J»toi»t«K<4«r fttiftig« «Im «ftviim 

Bta^oMtfi« am 9b iwnI l..Fjknuir l8Sd. Oii Jbunrfilr verglich» 
«wo BvoBacbtuqgcn «aiMl •Itlkm «uftfin^ttid« •fciMi vi«!« j|» 
Fraokmchy. #tn« auf Holläiid^ acliti«bn aus OüuttcbJaikl« 
filaf «ita der ScbtTtfis« mwwi ans inKw; ab^o ttfviala aus Nor* 
Wawi und ÜXneinark'i datgleicbea .aoa Prauaaaii iiml. Fo^Ua^ 
i^if aikb aui Ku(t)and. £• war daber dia Zabt dar^obiHdi» 
. fangaa'ivär Veit geringer, alt Üiejenige /woriuFdi« Vorig« 
TJntMucbung ge^ründst iit^ abtr aia Uegeh In binlänglicbar 
Entferuttiig' von aifiaodaV,' um daa'tbiiiom'en genüi'end danach 
au baurtbailan. Im Allgameioan folgt aua diaaenovobaeiito«* 
gen oiwÄiili^ eMudi abeeJ^taiaa-Mira da(a,attcb ron dU- 
»em Phtnomaira'4t« Uriadioii' Im Atlaa^tcben O^Hin lagen . 
mVfein dieaetmd warao ftir<r!MltMipttnitto det gar^aten hvi^ 
^rifl^kea^^oiMtdeni« • wo^oii 4m tmifdlMara^ellii fyrigfä§tvUit 

anlaTite, der andere, etwas MIdliabafe» ainr aalebe*'<»mi A^ilW 
tanieni Kästen an aber Frank#aicb und Dllutavbl««dt* :Sfld«lii^ 
dieser obngefSlbr von Toulobae aua Ha aadi Kraiau. bin fbrc-; 
sebritr. Hiermit susstmmenbtfagawl üitid daflMft-diaMhMjt'dW- 
a« i.und 2. Februar in Lissabon 4iikl ift'llirMmlll^«ini^ W 
den 4. Februar in Constantinopel bertWl«WW - ' - v;»l»>W 
l^'f-i^ Aufser der genaueren UnCaraucbung. dar arwäbnlao Pbl« 
nomene werden noch einige andere äbnHcha fcura'berllbrt, <)ifi 
auf die nämlichen Resultate Iftbren* AufotfillanlHRef/dillltf ^ 
die Bemerkung, dafs nach einer bri%fikbl»n iMKnbdilon| Har* 
^ing*s die Stürme über deof mittolHlodtAäialillfi^r lAdMam 
'tlrestiicben Frankre ich ein Sinlen dea Batdltfeteys Iii GUtthmeo 
»u veranlassen pflegen, nicht aber die- liWr. Ar^Ostaaai .Mim 
wird übrigens g#rn dem Vf. betstiaiman, waoA er ai»Mliuaolr>, 
aagt, er hoflFe den Beobachtern einen Weg gezeUt so Wletl# 
aut welchem wir alhnählig au einer ge«ana•alli«[oll^lliifil*d«^ 
meteorologischen Erscheinungen gelangen kd^rt««- ..'I>|iralr 
solche Zusammenstellungen wird 4«abaaoa(dafa<4Ba*Effiiaiüg- 
keit der Ansichten aufgehoben , yralebe aua atrbalAOndan Baobi' 
acbtungen einzelner .an denn »amli<sba«(Oria a^aicbt oötalobM 
-Äef. bat geraume Zsit an drei vwitcbifdancd Ofttii# HaiMsoTcfff 

. ' ' . ' ' 



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;4t£ Wilt^MMlMrg be&hadiht^ 'iamd dÜ0i\ gefunden i 
•ipriAiME^ftbtofg lai^^ Vieitaf Smi^ 4ie >atäiilGb«it An» 

vetdidneil , wofttber aber bier tiidit ^ddRaMAeft«!" g^r^det ir«^- 
dmitttf^ UeberbaupD bringt ticb gewifijedett der Wunsch 
«■fy-an^ «•( bäld^toidglich ttyi? «i(^e ^ auf dittem ftbiiltchen , aU 
^iÜ vMs Vaf& b«fr#teif an Wege mahl^ JUiebl Ufid gr^ft^da-^^ 
wtfbb^in diedtwMtii und acbtiranltanilaftGaiatBa dir meMO^ 
ai^iiGhan firftiiaiaungen Stt brlli|pir. ' ^ ' 

-kT: . . •• • ' ilf ».i* « Jt 



^her den tinfiujs der trage : Pater est j quem juStae nupttas dsmott^ 
Strantj auf die Legitimität der Kinder f nach den Principün JÜ 
Französischen und Badenschen Civilrechts, Von Dr, 
Baurittely Privatdocenten der Rechte an der OniOf Freihurgii^ 
Freiburg 1826* 60 5. Ö. ' ' 

Der, Verf., unter ebemtliger 
edSutert in dieser Schrift hauptsächlich die Artikel 312. 3l3* 
^^jl^und 316.. des Fransdaiscben bürgerlichen Gesetzbuches 
t^,.^^tett hierbei die vericbladeoan ^eitfra^pn^ wel- 
ken diese Artikel Veranlassung gag^efi haben.. li^bfraH 
«in^ dia^Utfri^n Rechte, die Schnften^ 4er An^kger Mnd der; 
Gerif^l^UjgflikMMfib mit Sorgfalt btautft.w<yde^il• - Mit bason- 
4a^a«i Jpteresse wird man dje Beantwortung de^r F/»g^ S.47E. 
Ufv'n, ob eiq.i|U#»4i 4«|), W». ailftea j^Lonate r^ch. AuflilfAM* 
^ £^e gehore^n wo^ßdan fcbo^ifQ? üa^^ÄM.wtgf na]|. 
nnaheliab SU baJtrafibliMKfl^ i; . 



• « 



fi^j^r Frage: Ergreift das gesetzliche Pfandrecht der Ehefrtmeß^ 
^. (nacA d[#m Badpnschen Landrechte) auch die Gemeinsehaftsliegei^ , 
^^j'^.,'*c/id/c<fn oder nicht?, .^jKon dem OHf ßf^» Übtrv^lßß. Ch, C Fr, 

tJäthw di#>ilil4raTlt9l:^iatdir^fa#}f|;flufgesi^^ sind 
das if|rta»lliidiaoli«9 Aacbtaalahiptan und Gaiebtftamlflfiiar gei 
^fieska* ManMiw. Dar v£ batjadbtfi dla4ia)aba«da^ AmwiMft 
mb^ triftig« . §f Man rartlMiiKgtV di^la ftätf woM dtff 8mit * 
beendigt angeaibhfi watda» baf0|i; tHaiFrüfciB«tCMMliS»dim' 
A<f rehffteii atiiiitaa«4llM«ttdalast abiiaAtim I|litiiafi4tfaifl«ing 
£Hit>ft£i. abarcin. (0sa Ülaitscba iLa^cffMi« waidbi In diatf 



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N. 51. 



1826 



r • 



Heideibe rger 



Jahrbücher der Literatur. 



Eid O r Taschenbuch aaf Jas Jahr 182ß, P^ierter Jahrgang, (Zurrt 
Besten der durch die Stnrnißuth vom 3. nnd 4, Felruar 1825. un» 
glücklich gewordenen Beicohner der [f^estküste von Schleswig'» 
Holstein,) lierausgeg. von H. G ar dthau^en^ in Commissioti 
hei Cnohloch in Leipzig und Busch in Altona. 344 S, in 12* 
(^Mii eiiur %MrtUhea Subsürtiftu§nlUt9 von S» III bis LH,) 

* • • 

Auch abgesehen von dem wobltbÜtigen Zweck der Her« 
attsg^be, bat £ I cl o r a nicbt^zu befürchten , da Ts auf sie ein 
spitziges Sinngedicht vo|i JürgMea (5. 193*} aog««|reiid«l 
wecd«; . £c^ heilet t 

i,An «inen R«iiiilen 

Ünbe detitend nannt' ich Tills Gedicht« 

Aber Till, empört 

Durch den Ausspruch, scbwörtl 
Unbedeutend sey es nicht I , • 

Till bat recht — ' * • . ^ 

• Sein Gedicht ist . . . schlecht!!« 

toagegen soll hoifentUcb auch den Kec» nicht doA Epigjramttl 

i,Det tbdt«* Kritikus« 

Grabt doch auf seinen Leichenstein, 
Ihr Freunde! keine Grabschiift ein, 
' Noch in dfer Gruft wird er sich rühren j 
- Und selbst' die Grabschrift kritisiren.« 

Wir wagen es deswegen kaum , schon bei dem Titel kritisirend 
«tt fragen: ob nicht etwa Eu d o ra al# gute Geber i n durch 
einen blofsen Drackfehler in etwas mit Eides (Gestalt 
und, Schein) verwandtes verwandelt seyn mischte? Da 
wir von Eidos icein Eidor'^.oder Eidorös, abzuleiten 
wissen, so wären wir geneigter, mittelst einer freundlicheteil 
Gonjfl^vtrt critiea» in der Sammlting eine G^ita Gab «rim 

XIX. Jahrg* 8« Heß*. . 



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^2 Eidorai von Gardtkauien» 

•ine Eudora, zu erkennen. Dagegen streitet es freilich, 
dafs die Dedication (an ihro Kön. Hoheit die rnnzessin Wil- 
helmine vw Dänemack, «it|e«ucb S.27. von Friederike Brun 
vereVrte „Kost ümce- uiiaerer «eitj efurfii |öran» der Eidora 
(-Lou) dargebracht' haben will, ao daiawir, um deo «tel 

•chulgemÄl» au erklären, nicht einmal an Eidos und Hör«, 
Tielleich« rtur «it fiidos und Horao , denken dürften. Wozu 
9^er aticb die FRdenterei » dar auf Gelabribeit nicht berechne- 
ten teutach-däniachen Musengabe einen schulgerechten Titel 
sumutliep »u wollen! Ißesser, wir geniefsen das Gegebene 
io, wie 'ea ohne unsere kritisirende Conjectur gemeint zu 
aevn scheint, alt ein „aebenswerthes Erscheinen" (nach «Äof 
^od J^acu), und lassen uns durch das ungewöhnliche dieaer 
Wortgestaltung gar rii'chi hindern, sugleicb aii das ZÄitge- 
mafae dieser Eracbeinuhg (nach «So« und i^;.«) zu den- 
ken, .vornehmlich aber das wohlgestaltete im Inhalt ala 
gutea Geschenk (cuaw^ey) einer, wohl wol le nden Gebe- 
rin 19 gutem, gemütblichen Aniieipken'su behalten« 

, , ^st doch gewifs allen teutacfaredenden schon dieses erfreu^ 
lieh', dafs, während der alten teutachen Jiraftsprache die di- 
plomatische und beinahe dieganse vornehme Welt durch daa 
fcanaösischeSpracbgemisch untreu geworden ist und aufs neue 
immer mehr abtrünnig wird,- die achdnen und die wissen- 
achaftlichen' Geister Dänemarks an das teutsche Sprachgebiet 
' aich immer noch gerne anschliefsen, und vom Farticularismas 
weg li^eber nach dem • üniversalisinus der vielumfassenden 
teutsfiben.SpracbkUnst ihre Richtung nehmen« Sobade, daXs 
für Schweden die einst durch den Reformatioiisretter , Guetav 
Adolph, und durch Carls XII. Heldensinn SO wohl verdiente 
einflufsreiche Th'eil nähme an dem teutschen Festland nicht auf 
SbnHche Weise eine bleibende Ursi|che gewotden ist, alles, 
was'allgemeiner verbreitet su werden verdient, sich nicht in 
die einengenden Lanilesdialekte einacbliefsen , vielmehr daa 
' der Allgemeingflltigkeit würdige auch lieber durch die aUae- 
meinere Sprache kundmachen au lassen* Wie sehr mülste 
aich der geistige Völkerreichthum vermehren » wenn die Ver- 
acbiedenbeit der Dialekte eben so weit von den mit der teut* 
achen Sprache verwandten Nationen allm&lig entfernt werden 
kdnnte, ala der Thurm au Babel, das bndige Sprachverwir* 
riingssymbol^ yOn uns allen fern genug ist« iJnd bitten denn 
nicht die teutschver wandten V^^Tker alle, wie sie awiachen 
dem Franadsiren üüd dem SHaViachen g^' ift der Mitte liegen. 



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SidoMf von GardtluiaM% 

überhaupt all« mögliche Ursachen , aich dejto enger und na. 
fnenlJich durch den ietten Kern der Sprache, welche die Gleich- 
heit der Denkart zur Folge hat, an einander anzuschliefaeai 
um gegen Einströmungen von Westen und Osten desto kam- 
fester und felhf tständiger iich ^estaltta aad lialtoii su 
können ? 

Eingedenk; eines eben so wahren als Iiieisenden Hexame* 
ters, welchen sogar der erste Gemeindevorsteher der cbriat* 
liehen Mutterkirche zu Jerusalem, der heilige Jakobus, in 
seinem lehrreichen , praktischen S«ndschrtfib'eil alt A^hUynibo* 
lisch gebraucht hat, dafs 

jede Gabe des Guten und des VolUkommeoen 6cbenkiittg 

von oben, das ist, aus dem Höheren der Geistigkeit kommt, 
linden wir in unse rer Eidora? oder Eudora ? theils vollstfln» 
digere, theils kleinere Gestaltungen und Geschenke dieaer 
Art. Von jener Gattung sind' — S. 3Ö — 60. eine Reibeo* 
folge von neun Romanzen: ^die Köniftin Ing.eburg**^ ' 
unterzeichnet mit der Ziifer L. A, welche durchaus etwat 
von dem vorzüglichem gewährt — 5.61 — 115. Die Sphinx 
in Callot-Hofinann'scher Manier, nach dem Dänischen des B. 
S. Ingermann, von Ii. Ga^dt hausen. £in sonderbarer Versuch , 
VVabrbeit und Irrthum zu raiseben und doch scheiden su woU 
len. — S. iS6 — 192. Heise von Cour unter Lausanne nacb 
der bdcbsten Spitze des Juragebirgs , die^Ddle genannt, von 
Fr*,Brua, geh. Münter. Auen, welche von den £pis oden 
aus Reisen durch das südliche Deutschland, die we.^tliche 
Schweis, Genf und Italien (Zürich 1806. bei OrelU u. Füfsli) 
angesogen sind« eine .willkommene Fortsetzung. Ueherall 
ein« .gefahl volle Beschauüng der Gegenstände, welche nicht . 
nhnen läfstf dafs Hie Beobachterin in diesem Hinblicken auf 
das Aeufsere das Vergessen der Scbmersen sucht f Welche die 
Folgen ihres erhdhWn Gefdblvermögens sind» So erschafft 
und bekämpft der empfindsame Geist seine eigene Leiden, — 
A S, 255. Koswitha's Gedicht über die Gründung des Klosters 
- zu Gondersheim. Uebertragung aus dem Lateinischen , in 
Ilesamvter, deren manche, wenn nun einmal diese Uehertra« 
l^ung eine solche Form erhalten aoUtei eine sorgfältigere Bil* 
cCoog wünschen lassen. 

Von den kleineren Gaben nennen wir nur einige, die uns 
vornehmlich ansprachen « wie aus den neugriechischen Lie* 
flern,S. 207« die schöne S an ge ri n , von Schmidt ThiseU 
^flecfc S. 18 — 22. das Grab derMutterf von Wi)h. 
JUrgesen Mehrere t9n der schon «isgesetcbneten Ziffer 



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Eiäon» YOD Gardth^nsen. 

I*,A., wieS. 226. die Edelsteine, S, 23. der Thau\ 
v3r«ügUclr I*«: S. Il6 — 121. das F«»t der Penat«B^ 

^ Die trauUjchen » • 
weniger mächtigen, . 
die nicht zerstören 9 ^- 
die nur erhalten , . ^ 
galt es, zu feiern. 

Seht, nicht sich selber 
«^ig genQgend , ' . . 

Wtohiien sie droben, . ' . • ■. 
TOm Dank nicht erreicht. 

Sie suchen des Hausat 
bftwhränkende Räume, s 
treu sich daä Sterbliphen 9 ' 
tiHlfreicb erweisend, 
thronen an> Heer da , 
aaegnen di« Speisen^. ^ 

tLben dem lallenden 
ftuglin^ Gedaihn s* w* ' 
So sind sia das llabUchen Dankopfarliadaa gar aehr Warth. 
Von manchen andarn der Hainen Dichtargaban möchte dar 
Sinnspruch von J. Nicolai 'S. 147. gelten : 

Wer die Mensqhen (genau) studirt, stöfst fast allen thal-- 
ien ifaf Ecken, wie bei der Keilschrift. 

Wir gabaii aum Schlufs i»och atlicha dieser denkwürdig«» Gry'» 
fCailMationen attisdien Salsaai: ^ 

S. 145. «Set. Helena steht in der WasscrwÜsta desOcaans, 

/ wie flie grofse ägyptische Königspyramida in dar Sand- 
WÜste. Sinnend weilt der Erdenwandarar und gedankt 

bei ihnen — grofser entschwundener Zeiten.« 

S. 146. Wenn die heilige Allianz (auch einst, wie * 
alles Irdische) todt seyn wird, mögen Krenzzüge genug 
geschehen, aber schwerlich Wallfahrten wie »ach dem 
Grabe der Heiligen»«« 

D^b atich noch ^ et waa Weniger ernstes t 

S. 147. „Die falschen Locken (seidene, wla haarana!) 
scheinen, wo der Schönheit Herbst sich nahet , wie Ooh* 
nen ausgehangen, um Krammets vögel oder junge Gimpal 
zu fangen. 

' Möchten •oli&t Winke der Ironie mfiohtig ganng seyn^ die 



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'MMb«n Mode^Locken tu wi^AmtAeu und b«deatuiigtToIl« 
fiiriMn offen und frei bu machen« An «ich eind die Stirnen 
'am 'wenigeten des VetiCeltungtkunst unjterwotlbn» Sollen eie 
«twa eben deswegen von eolcben Maikirungen am der endich« 
tigen Musterzeit der goUiodii^on Madamo Maiatonott 
tioibflllt werden ) 

20. Inl» iW^ Dr.. * P • n I a «. 



Die 'Pari^ar Biu^hoehinii^ imrgnflU aaa ü^iLadwi^ 
fVa9hl0w. If ipzigiM» 417 Meea mit J$m BBÜmg^Uf Mi 
S. •& ii2 jbMfa, i fl. 12 krj 

• 

Ettt Pransoea und' Herr Wachler afaid ans einer Ibnlicfien 
Yeranlaeaung in diesen Tagen auf den Gedanken gekommdn , 
den Gegt^naland dea oben genannten Bucha einsehi und beaon« 
dera su behandeln, wenigstena hat Hr. Wachler aua dUaem 
Grund« dieaaa SMIck a^a den Schriften der pbilomatbUcben 
Geaellachaft beaon dera abdrucken und herausgeben lassen. Die 
Sache dea Franzosen , wie aeine Behandlung des Gegenstands 
iat indeaaaa- von der Sache und der Behandlung des Herrn 
Wachle» Yeraohieden, wie die Lage von Deutschland und 
Frankeeich es ist, • In dem letatera X>ande aieht man sich in 
Sachen dea Glaubena und der freien Aeuaaerung desselben 
di\rch politische Rücksichten auf Stellen im Staat und auf 
Fortkommen in demselben, beschrfinkt, in Deutschland ffltch« 
tet Herr Wachler nur, es möchten vielleicht Beschränkungen 
eintreten können. Der Fransose ist daher heftig und heviregt^ 
Herr Wachler ruhig, forschend und blos. berichtend. Auf 
die Besorgnisse komuien wir zurück;, wir bemerken zuerst, 
dafs ohne alle Rücksicht auf Zweck oder Veranlassung es dem 
deutschen Tublicum gewifs angenehm seyn wild > dafs einer 
der Veteranen unserer historischen Schriftsteller diesen Gegen« 
fitand einzeln hat behandeln wollen, Herr Wachler gehört 
bekanntlich unter die Wenigen, die das ganze weite Gebiet 
der humanistischen und historischen Wissenschaften (Iber* 
sehen, und die Literatur vollständig kennen. Ein einselner 
Gegens-tand von solchen Männern behandelt wird uns immer 
das Ganze von einer gevyissen Seite z.eigen, und wir werden 
«tet» die Beziehung des lllinzelnen zum Ganzen und urngekehrt 
atis solchen Darstellungen und durch dieselben kennen lernen , 
was für diejenigen, welchen zum Lesen nicht viel Zeit ül)r5g 
bleibt« ^ewiis sehr etwüpaciu iaU Herr WacUer bat nicht 



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JPaiUir Blmhoehi^K von W«M«r« 

' .' * * .; 

hlos 41« Geicblchtf d«t Älafhoolwjtlt selbst , Sönnern alle vor4 
hergehende BecebenllÄlten von 1559 bis 1572 kürz dargestellt, 
imd «war ^it grofser Klarheit iinfl Rube, ohne alle Declama« 
lion,' oflEen* yartheilichkeU oder Widerwillen gegen einzelne 
Personen« Selbiit in Davila nnd de,Thou wird .iian diese Ge- 
schichte nicht mit so ungestörtem Genufs, rtnd ohne von der 
Haupuache auf Nebendinge geUitet zu werdfin , le^enidnnen, 
in diew Sfcisse. Die Geschichte der Religionsunruben 
In Frankreich iat unstreitig Iiacrelellea bestes Werk, er bat 
aber doch den Franabsen und Schönredner nicht verläugnen 
iLÖnnen; Freilich braucht es Kurfsi, um eine solche lUihe 
von Cabalen, Tficken^ Mordarischlagen, Treulosigkeiten , er- 
traßlich au machen. Davila ist unertrSgliith, weiLer Alles 
weifs. Alles, erklärt, und Qherall die ttöst^n schlimmer, die . 
HScikesflchtigen nocH' verschlagener macht, ^Is sie in*dpr Thae 
*ihd. Her» wacbler erzählt ruhig, erforscht treu, et hataur 
den Quellen geschöpft, hnd nicht blos Davila, de Thou und 
i^acreteUe befragt, er bleibt aber immersein^s Zwecks einge- • 
Oenk, dem größeren lubKcum einen grOndUcisfn , jedoch 
K icht lesbaren Beriebt sm geben. Es würde gana öberBassig 
ft-yn, dem Verf. Im £in&elnen.su folgen; ;man wird schon"" 
von selbst fiberaeugt ieyn , dafs ein. Männ, . wie Herr Wach» 
l^r, seine Quellen «u benut.zen veratebt, und seines Stofiir 
Meister ist ; wir Wollen lieber dan Lecern uosere Meinung 
iU)er die Veranlassung der Scbrift mittheilen. IHerr Wacbler 
artgt nämlich in seinem kurzen Vorworte ? Da es den Anschein 
hat, dafs Einige jetzt schorf nicht mehr im Verborgenen daran 
arbeiten, veraltete gemeinverderblicb«|. kirchliche tsnd gesell« 
ftchaftliche Vorurtbeile, Irrthömer und Mifsbra^cbe wieder. 
LI flehen au lassen , »m das Fortacbrdten zur reineren tind 
höheren Bildung desGeiates ündGemathes »ti hemmen ^ wdcbe 
Bestrebungen der Selbstsucht kefnem gkicbgültig sind, dessen 
Herz fi1r die Menschheit- schlaget ; so kaim fQr zeitgemafs er* 
nchtet werden, von den vielen warnenden gesehichtncben Sr« 
t'thrungen über Wurzeln und* FrOchte religiös •sittlichen 
Wahns und fanatischer Rohheit eine auf ^aS Neue su vera;ii«* 
schaulichen , und die daraus abgeleitete Nutzanwendttng dor 
SHlbstthütigkeit unbefangener Leaer zur Betrachtiing aobasm 
geben. üeVer diesen Satz wollen wir einige Bem^rkungon 
t'inzufügen, weil es eine viel besprochene, dem QistortKer 
ftt^hr wichtige Angelegenheit betrifft. Die ThatSacbe seibat 
wollen wir, um nicht in unangenehme Erörterungen eihgebrns 
?u dürfen, und nicht Dinge wieder zur Sprache au bringen ^ 
(ÜH schon genug hesprocben sind, als uiiau&g;emacht, als un* ' 



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* 



Parlier Blnthooksait ?oii W^ohler, 607 

gewif» apnehfnen , und nur fragen, was, im Fall dio Sacbo 
ihre iUchtigkcit liälte, zu iürcliten oder nicht zu lürcliten 
atyn diXiite i Dai's über Deutachland , d^f nördliclie Frank- 
reich und ähnliche Länder sich Spanische Blindheit verbreiten 
^onne 9 scheint uns unmuglich hei der verbreiteten allgemeinen 
Bildung und den vieierleh Büchern, welche in ganz andere 
Grundsätzen leicht und angenehm gejchiiehen siud, und sich 
in Aller Händen befinden. Dals die Jeätiiten und mit ihnen 
eine Bckebrungswuth und thörichtes Ahiallt-n von reinerer 
Lehre zum Aherglatihen herrschend wertlm küiine, scheint um 
aus vielen Griindt u höchst uowahrschc inlich , weil diejesuiten^ 
welchen Einfliils sie auch in Frankreich liahen mögen , weder 
ihre alten Besitzungen , noch ihre alte Stellung wieder erlan« 
gen können, MoKlgeschichten , Bluthotiir.eilen , Ketzcrver« 
J>rennungen haben wir unter einem Geschlecht voll ialscher 
GeRUilsamkeit , das weder das Böse noch das Gute kräftig 
wollen kann, nicht zu f<irchten ; vor Mönchthum schützt uns 
unser Militär wt sen , der Zustand der Finanzen und besonders 
der Weltsinn eines i'Ur fade Gesellinkeit durch oberilüchlicbe 
Bildung eingenommenen Geschlechts^ Den Fli^flufs des Ko« 
nilcheB Hofes werden dieStaatsmännflr, «elbst wenn sie auch 
Bon$t eine geistliche Macht nicht ungern sSben , nicht leicht 
wied^ir. zu einer furchtbaren Höbe kommen lassen ; und hlot 
rein g^fistJicben EifLflufs., f^ir dieienigen,. welche daran glau« ' 
herif und vorausgesetzt, dafs Niemand anders darunter leide^ 
wGkrden wir, sobald einmal eine VoIksMtligion besteht, de. 
jren Glaube stets innerhalb bei^immter Grenzen bleiben mufs, 
wenn er auch aus Rom käme-^ nimmer verwerfen, wenn er 
auf Glauben beruht und sich nur auf Dinge der anderen Welt, 
die blos ini i^lauben Existenz haben, heMeht* Die Gefahr 
acheint una von einer andere. Seite her und auf eine andere Art 
SU droben. Wir setzen den Fall^ den wir in Deutschland 
ffir möglich halten« es gäbe Schwache Menschen, die 
ihren und ihfer Genoaaen GlauJ3en*far allein heseeligend hiel- 
ten, diese würden von den Regierungen unterstützt, Siefen* 
den, da^ä viele aus allerlei Gründen ihre Farthei nähmen und ' 
«fen freier Penkenden und Redenden als eine Art von Pestkran« 
J(en betrachteten ;..was wQrde erfolgen ?. Sie würden ihrllanpt 
ejnpor hellen,, sie- werden eine Scheidewand nwischen Gläulii-' 
gen und Unclilubigen ziehen , sie würden donnern und ihren 
Sannflach oder ihre weinende Klage des Erbarmens über jeden 
ergehen laaaen» der nicht sprScbe wie sie. Wie sollten sie 
daa nicht? \yie bequem ist nicht ieine yViderlegung durch 
Ohrfeigen oder Sett|aerl Die Folge davon wflrdeaeyn, dafa 



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du8 Puiter Bluthoekzei^ von Wachltf« 

jeder Verständige, der den Volksglauben ebrt und aebtet, 
sich aber nicht dazu bekennt, Wc-il er nicht durch kleinliche 
Gebräuche, Formeln und Lehrbestimmungen, sondern auf 
. anderem Wege zu Gptt kommen will, gana Von der Gemeinde 
ausgeschlossen würde, dafs zwischen ihm und denen , die dem 
Volksglauben anhängen , bittere F^bde und Feindschaft ent- 
stände. Dies würde dann unfehlbar früher oder später den 
blindesten Aberglauben oder deri wildes tan Unglauben über 
(Ha künftigen Geschlechter bringen, w^l swisoien Glauben 
an Alles und blindlings glauben und zwischen dem. Nichts 
glauben kein Mittel weg o^en wäre, Dafs dies immer der l*all 
ist^ wo der eine Theil der Zeit vo^äuaeilen , der andere weit 
hinter ihr surückbleiben will , lehrt den<^ 4er es etvi%a nicht 
sffhon weifSf/die Geschichte der Englischen und Franzjäsischen 
^evolutian deutlich. ■ Dia Masse der Menschen kann nur für 
Extreme gewonnen werden, die Zahl der Veratänd igen irn der 
Mitte ist stets klein, und sie sind immer in ecciesia presse. 
Wäre nun wirklich ein thdrichter Plan uiVd eine tolle HalF« 
' nung von gewissen Leuten gefafst, als könne bei verändertem 
Leben, Sittanf^ Denkart, Zustand das Alte wieder* aurQck« 
kehren, was würde erfolgen? Die Einen würden, wie vor 
Alters, klatschen, atiü und freundlich verläumden^ die Achsel 
^nckaDf leise und unmerklich auf ^hsichten deuten , wo keine 
.w&ren, den Freand vom Freunde, ja die Familien selbst uni 
des Himmelreichs willen trennen ; die Andern würden, wenn 
aie dflentUch nicht dürften , heimlich gegen die Verfolger steh 
wehren, schimpfen, spotten« Anhang, ^Qawicht, £infiuA in 
der Nation gewinnen, die in\mer dpv ecdesia pra^* ilugawan« 
det ist. Dies wü^de den Meid reisen, und ja armsaaligarf und 
schleichender dia Verfolger wlH>en, desto» ^ittelrer wüide ihre 
Verfolgung seyn » wei^sieütei^all und nirgendss.ich fanden, und 
weil die Zahl dar Schwachen Legion ist, Verainigteii sich nun- 
lÄit diesen Schleichern andere- krftftigera Manschen, unwisaän. 
schäftl|cht aber tdchtig und l>rauchSar, danei^ das Oesede lind 
Denken nl|d die da^nreh au arhugend« Wichtigkeit fatal -wäre» 
die dadurch in ihrer altert Weise »nd, ihrem Schlendrian ge^ 
stört würden, und schlössen sic^l'an diese alla die ^n , die:in 
ihsar Weichlichkeit t|nd V^'^hnung nicht geneckt, In'ihran 
aüfsen TrSumen nicht Unsanft geschtt.tte>tvse3rn wallten, end« 
UelraHa4|ia,«ifrelcha|i wieMerpur im ^utus das Adstopbanes, 
sich heralich wenig um die Menschheit aber gar viel lim aich 
salbst beküiAmarnt was wflrda geschehen? Die Einen wor- 
den freies I]|anken fitlr (Jnalauben, unabhängigen und stoisen 
Sinn, Aeiabarheit and fiefcigkeit fftr Empairüng und Unruhe» 



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Pwitor Blolbodiüti f an WaaUir. 999' 

. fttiftuii^ erklären, die Polisei fflr ibre Albernfaaitt» M« 
rofenf dadurch einen aDgemeinen Unwillen erregen^ und 
die von allem Fartheiwesen Abgeneigten nÖthigett'f di« 
Fartbei der Kraft der der Erbärmlichkeit ▼orsiisiebtfn « und 
lieber rflliaüich und rom Volke beklagt untersugehen , ttH 
zwischen armen Sündern und Schurken elend und ruhmloi y.xk 
leben. Dies wäre freilich ein £xtrem. £f lafst sich nicht 
wohl denken, wird man erwiedern , dafs auch die Gutfn'f^r* 
thei machte; allein die Geschiebte lehrt das Gfgenthei), ulid 
. geschieht dies im Stillen, iföUen sirb die Geasfltber mit Aerger 
und Verdrufs, d^nn desto ecbUmmer. Feuer flber'der Erde 
irertilgt nur einzelne Stfldte und Dörfer« dae Feuer aber^ das 
Jahrhunderte bindarcb« ohne dafii man et ebnet , unter- der 
£rde brennt^ vernichtet, wenn es endlich aufbricht, 6*"** 
Liandscbaften', und begribt Taufende Ton Menfcben auf ein* 
mal in den Abgrund, JVfan denke an Calabrien und LU fabon. 
Man glai^be nicht» daiii» um aelchef AergerniOi im Volk su 
erregen , Leute ^ die wir mit Dante die fctaj^urati ehe mai noo 
für vivi nennen y die bei ihm die Vorbdile bevAlkernV au un* 
bedeutend f^yn wflrden.. Nein^ gerade diefe am erften erre* 
gen den Unwillen der Bee f eren und def kräftigeren "Tbeita 
vom Volke y f ie ertcheinen nie ohne einen Trupp von'Schflx- 
Sern , von deren Fofsen aie den Staub lecken, und von Glien* 
ten y mit deren Leibern iie f ich decken , und reiaen au einem 
deato grd/aeren Unwillen, je weniger ihnen beiaukommen 
tat, jeleiter aie alle Handlungen uij^d Reden Ihrer Ge^ne^. Im 
Xreife der Weiber und wefbiacher 'Minrier mit christlicher 
Milde und Sanftmuth aum Bö^en , die ihrer Freunde aum Gu* 
ten SU deuten verftehen, Diet fcheint nnf bis jetat dbrigenf 
fn Deutfchlanä, wo man^ ao viel wir wiasen, Niemanden 
aein^ Meinungen wegen abaetat, weniger gefShrlicb , alf ha 
Frankrfeicfay wo dies allerdings geachjeht, und vielleicht sogar 
geachehen muff.' Sollten wir aber nicht- alle- mir Rrn, Wach- 
ler beten: di^ meliora nobis, errorem hoatibita illuml Wenn 
wir.auch nicht mit ihm glaubten , daft dm Gebet dringend 
nöthig sey? Nimmer mOsse maii unter una fragen, waf 
meint oder was glaubt er, welcher 'Sinn lafst steh in a'eine * 
Worte legen , nie müsse man angesehene Mllnner ftlr Te^felf« 
Jcinder erklären, und den, det* mit ihnen umgebti/fOr einen 
Verdächtigen, nie müsse man Quarantaine -liäliavr für die 
durcli Lehre Verpesteten anlegen! Es werde (überall nur ge- 
fragt, was thut er, welcher Sinn liegt geradezu in seiVien - 
Worten ? Wird di»?s je anders , dann fischen elende Schächer, 
5churken und Selbstsüchtige im Trüben ; der Gule geht unter. 



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Ql0 B.MMr| ytfiAdi iiiid4i«Lut!i«aiif. 

Denen, w^elcbe sieb um die Menschheit wenig bekümmern, 
iet Glaube und Ueberzeugung aus Gründen auf gleiche Weise . 
lächerlich t •»« wechseln mit der Mode die Kleidung und dio 
Lehr«, sind in einem Jahre fromm und im andern freidenkend, 
wie es der Ton der Gesellschaft fordert, in welcher sie leben; 
ibami«^ der Mao« von Grundsätzen einer von den Narren, 
die in allen fingen yeriifinftig sind, bis auf die eine fixe 
Idee, diese ßxe Idee ist ihnen der Glaube. Wenn diese 
Lauf und mit ihnen ciie Erbärmlichen aller Art emporkom- 
men , dann ' gehtn «lle offene, aufrichtige, treue Menseben 
unfehlbar unter« ^ Wir wollen dieses peinliche Thema nicht 
weiter forUetzen , weil wir ein Feld beackern » 4** uns nu« 
Doman sur Frucht gieht. 

Non frondi verdi , ma di color fosco » . 

Non raml schiettif ma nodosi e' nvolti , 
, Non pamt vi son^ ma'stecchi con tosco* 
Wir hoffen indessen 9 dafs Herr Wachler es gern sehen wird,' 
dala wir dem FubUcumt das er aum Naehdfnken Ober den Ge» 

fenstand auffordert, ' aus gebührender Achtung und aleer 
renndsehafe &kr ihn vorangegangen aind» {etat mOgen- die An- 
dern aüdi das Ihrige ihon, 

^e&li»##er« 

f^Mmth mnd die husitünierf nach den Quellen hearh0it0t pßn 
Jh. V.J.B» Beeker« jilumm; bn UammMruh, iste. 
199 ^« . / l.fl. S kr« 

Wir verbinden mit der Anzeige der vorhergehenden klei* 
nen Schrift die obengenannte, die ebenfells von einem alten 
Bekannten herdlhrt, so dafs man, wenn audi etwas zu kriti« 
' siren darin w8re, doch diese Kritik von ans nicht erwarten 
mfifste. Die Bescheidenheit des Verfasseis ist eben sp lobens • 
als liebenswflrdig, denn er iit kein junger Mann oder Anffln», 
ger , wie es na(ä der Vorrede scheinen kdnnte, sondern seit / 
vielen Jahren ein sehr tOchtijer Lehrer« £r hatte ia Dahl« 
manne Forschungen auf dem Gebiet der Geschichte Vorarbei* 
ten SU einer Geschichte des s weiten Puni sehen Kriegs bekannt 
gemacht ; welche auch einseln verkauft werden , und will ge^r 
«^enwärti^ in fthnlichen Hehemr^ wie das oben angefahrte, din 
ganse Keihe Rumischer Kriege in Spanien behandeln« , Zu« 
nichst die im diesseitiaen Spanien und den Fall von ihfumans:« 
dann den Sei torianischen Krieg und die Unterjochung dea 



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,Bmk$f9 V^KMlJi und di« Lititaalfff«. 



l4«ul«M durch Augnstui. Et äufi«rt In dieser Rflckstcbt de» 
gans vortrefflichen» Grundiatz : er, als Lehrer der Geschichte, 
halt« es far viel pasaendert für die firgrflndung oder Beat bei« 
tung einea einaelnen m<^rkwfirdigen Abschnilts seine Mufse 
ansuwenden» ala fOr die Zusammenitellung «-iutfS Geschicbu* 
conipendiiiniSy womit die historischen Stadieo 4U beginnen 
seit einiger Zeit beinahe Sitte geworden sey« skaU dadi 
CS ratfasainer wSrey- mit dergleichen ehi yjeljlUirigea crnstea 
hiatoriscbfs Studium zu beschlielsen und au krOnen^ Die 
ersten zwei und funlaig Seiten des Buchs sind so gescbtiehen^ 
flals sid mit den andern Heften Verbunden eine angenehm«, 
lielebrende und grOndlicbe Lectfire geben; den Rest des Bucha 
iültcn ausfQhriicbere Bemerkungen, £rliuterungen und Unter- 
suchungen fiber einzelne Funkte. Wie gesund, aas Urtbeil. 
lind die Kritik des Verfassers ist , wird man aus 'dem sehen ^ 
was er Aber Bossi's Geschichte Ton Spanien und die deutsch« 
U«|b«rsetsungswutb sagt. Wer Bössi kfinnt, wer weifs. wie 
er die Geschichte seines eignen Landes .su der Zeit , die er 
durchlebt hatte» behandelt,, wer den Punkt kennt, auf dem 
die Italiiner Oberhaupt stehen, i^jrenn von Forschungen fiber 
alte Zeit die Rede ist, der wird von einem Italiflner unserer 
Zeit keine Forschungen erwarten, wie sie ein Humbold an* 
stellen würde, und sam Tbeil in seiner bekannten Arbeit an- 
gestellt hat; ohne diese mufs aber alles Zusamn^entragen blos« 
ses Compiliren bleiben. Einen einzigen Funkt möchten wir 
dem.Ver£ tur Betrachtung vorlegen« Wir glauben, es könnte 
wohl in solchen einaelnen Almandlungen der wortliche Ab- 
druck aehr langer Stellen aus Strahn, Li vius, Diodor u. a. w. 
unterlassen werden. Unter dem Text in Bfichern, die daa 
GMitfe umfiisaen, consequent und mit Einsicht durchgeführt, 
scheint es uns sehr passend ^ um die ganse Rjiihe ^er den Be« 
gebenheiten gleichseitigen Schriftstellar für den ersten Anlauf • 
aus einseinen Aeuf&erqngen au aeichnen , und sie gewisser« 
mafsen redend einauföhren, in .Anmerkungen und weiteren 
Ausfahrungen scheint es uni unnötbig. Der Leser solcher 
Anmerkungen wird gewila auch die Schriftsteller besitaen, 
und durch Aufschlagen eifrer einaelnen Stelle nicht ermödet 
werden-, Wiedas in einer allgemeinen, Geschichte der Fall seyn. 
würde, wo^ er immer «sin Buch nach dem andern Kur Hand 
nehmen mfifste, was gewöhnlich nur derjenige ihvt, der 
fiber d^nitilhen Gegenstand ein Buch schreiben will, und ein^ 
solcher ist bekanntlich nicht gerade derjenige, den man am" 
ersten wahrhaft belehren kann« Uebrigens wird gewils das 




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yatiicum mit uns wAnfcb^n, ^^ft dar Herr Becker dieHeraii«» 
gab« dies«r H«fte jForttcUe» welcbo gans besonder« JL^htete 
f^lir vOlkoiiiiiieD eeyii mfluen. 

- 

' rkiht hfißtHriUt von fV^ W* Mek^rl^f Profistqr' mm Lycemm 
. 9h: BmiSKtt^ UMIk9wg, wad Sp^/et^ M Jug^ Oftwaid* 
1825, 6 fl. 24 kr, 

Da die Geietse Wieset lilerSriecbeii lostttiitt ime einre 
Itritik dieser anlflndiscben Scbrifi; versagen » eo genüge eine 
Anzeige von derselben. Der Verfasser fiiebt in dieser Schrift» 
wie autib in seinen abrigen , Bunäcbst rar den ScbülnnterricBt 
bestinnliten, Werken dem gelehrten ^ubliciiin keine neüe Ent- 
deckungen oder neae Ideen ^ sondern aus Allem ergießt sich, 
dafs sc^in Bestreben dabin gebe, das Wichtigste von dem schon 
Bekannten berausaubeben t auf eine leicht nfsliebe Art auaam« 
men au atellen , und. so auch diese Wissenscbaft den Liehr« 
gegenständen der höheren Volksschulen anaureiben» Nach 
einer kuraen Einleitung,'- worin er von der Eiotheilnng d^r 
Naturkunde, iron den Himmelskörpern , von der Bescbaffen* 
beit unserer Erde im Allgemeinen , von dem Unterschiede dec 
organischen und unorganischen Körper spricbt» beginnt er 
mit dem ersten' Tbeile seiner Neturgeschtcbte ^ mit der Mine« 
salogie. Die MineraltWi bringt er, Inach der alten, suerst 
von Avicanna befolgten EintbeiUing , unter folgende vier Claa» 
eens 1) Steine und erdige Fomilien, 2) Salze, 3) sogenannte 
brennlicbe Mineralien, 4) Metalle. Die Terminologie (Glos« 
aologle) ist die der Werner*schen Schule und, wie im ganzen 
Werke, deutsch. Diese obigen vier Qassen sind wieder nach 
der alten Schule, und besonders mit einigen Abänderungen 
von Blumenbacb, in Geschlechter, Arten, Ab* und Unter« 
arten gebracht, die Arten nach Werner'scher Benennung auf- 
cezählt und beschrieben. Ohngeführ die zwei letzten Drit« 
thoile des ersten Bandes enthalten die Botanik. Diese beginnt 
mit dem theoretischen Theile, worin von den Theilen | der 
Pflanze, etwas von ihrem anatomischen Baue und von der 
Pflanzenterminologie gehandelt wird; dann folgt das Linne*- 
sche ßexualsy&tem. Sehr wäre zu wünschen gewesen , dafs 
der Verf. hier tfie neueren natürlichen Systeme eines Jussieu, 
Decandoile u. a. m. erwähnt hätte« Ks iol^t dann der prakti« 



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•chftThell. Dieser entbSU die Beschreibungen der in Dentfch* 
land wild wachsenden und der wichtigsten auslandischen Pflan* 
sen, die nach dem Lipne'schen Systeme in Classen , Ordnun- 
gen u. w. gebracht sind. Man findet fast allo in Deutsch- 
land wild, wachsenden Fhanero^amen hier beschrieben « in der 
Kry.ptogamie aber hat der Verf. fast alle Gattungen bescbrie« 
ben, und von jeder dann einige Species ausgehoben. Der 
dritte Theil, welcher die Zoologie ei^ihälty yviid näcbtUat 
dje Presse verlasaen. 

Diese Naturgeschichte begleiten noch secbszehn Tafeln 
in Steindruck y mit sehr wohl gelungenen und fleifsig ausge- 
itkhrten Abbild ungen theils einzelner Pflanzentheile zum bes«> 
seren Verständnisse der Terminologie , theils von Kryptoga- 
men , um ihren Totalhabitus besser kennen zu leraea^ a«( 
ilieckwUrdi^teii Tiiiere und ihrer einselaen Xheile, 



limt^tniiche G rammatik von C, O. Zumpt. Fünfte Aus gahe. 
Bmiin s hei Ferdinand DümmUr^ 1826« . jy and 643 ^. nebst 
8 ^eüe» Anhang. i, Thir. 4 Gr., 

Die' Geschichte dieser Grammatik ist ganz die der grie« 
chischen von Buttmann. Aus selbstständiger Forschung lier« 
vorgegangen, anfangs auf sehr beschränktem Räume, wachst 
sie mit jeder Auflage an Volumen; und schon ist auch^ wie 
seit mehreren Jahren von der Buttmannschen, ein Auszug auft 
der für Anfänger als zu voluminös erachteten Zumptscheie 
Grammatik vor zwei Jahren in demselben- Verlag erschienen, 
durch dessen Herausgabe der Verf, in der Erweiterung und 
Vervollständigung des gröfseren Werkes weniger Leschr.'Jnkt 
iat. War die dritte Ausgabe (l823) schon fast tloppelt so 
stark (656 S.) als die zweite; enthielt die vierte (1824) 
schon 588 Seiten , so erscheint diese fünfte nach einem so 
kurzen Zwischenräume abermals bedeutend bereichert, und, 
wir dürfen es sagen , nicht nur durch die Bereicherung, son- 
dern auch im Innern durch n>an he klarere Darstellung und 
verschiedene Umstellungen einzeiner l'artiiieen, gewöhnlich 
mit Erweiterungen verbunden, bedeutend vervollkommnet, 
Referent hat schon einmal fim Jahr 1824) über diese Gramma- 
tik in diesen Jahrbüchern Bericht erstattet, und sie mit der 
Ramshornschen verglichen; findet es aber zweckmäfsig, hier 

theUa für den V.erf.i theile £ür die sehlreichen itreunde «eines 

. • . •*•-•. 

, » 



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314 Zompt kteittiiebe Grämiaatik. 

■ö •mgeseicbn^ten und werlhvollen Werkes, neue Bemer-' 
Illingen über dasselbe niederzulegen. Dafs der Verf. die Vor- 
reden d^r früheren Ausgaben weggelassen, und der neuen 
Ausgabe nur wenige Zeilen als Vorwort mitgegeben hat, 
können wir nicht ganz billigen. Man entbehrt nun, wenn 
man nicht, wie Ref. , die frühei'en Ausgaben vor sich hat , 
•gWchMin die Geschichte des Buches, die Angabe der Grund- 
aätze, von denen der Verf. ausgieng , des Bedürfnisses, aus 
dem das Wesjc enUprang; man kann dies oder jenes, was 
man in andern Grammatiken findet, und hier nicht, alseinen 
Mangel betrachten, da es doch der Verf. absichtlich und aus 
' Gründen ausschloß»; man kann endlich manchem Angenomme- 
ne« aein Recht in einer Grammatik streitig raachen, und es 
entweder in das Lexikon oder in dpecielle Werke über Theile 
der Grammatik verwiesen Wissen wollen: auf dies und Aehn- 
iicbes würden die früheren Vorreden, oder ein A.uiaag aus 
denaelbet^f Antwort ertbeileh, 

firbeblicbe Verlnderungen dee Gänsen und Wesentliclien 
baben ' iitdit ' Stall gefiinden. £iaef bedeutende Verbeaaerung 
der £inrtclitung müssen wir indessen hier gleich erwähnen; 
nflmlich, d^fs die oft (wie in Ramshörns Grammatik v unver- 
taltnifsmäfsig langen Paragraphen jetzt Capitel genannt sind , 
durch das ganze Werk bindycb pun aber kürsere ^andpara* 
grapben, 857 an dir Zabl,"foft]aufen, die, wen n, sie ^, wie in 
der Brdderscban Gramknatik, für Hie folgenden üiusgaben bei* 
behalten i^erden, dem grofsen Uebelslande etwas äbbelfen , 
werden, den jetst der Besiu^- vars^lü^ii^n^r Ausüben dei; 
Zumptschen Granlknatlk' in den.Hflnden der $cbüler beim Gitt^ 
ren veranlafst. ' • • 

Wie-sebr ^er Verf. bemüht ist, sein Werk der Idee, die 
ibm'VOrscbweb^ti etwas naher zu bringen, hat Kef» unter an^ 
dern auch daraus erkannt, dafs eine grofse Me.nge von kleine- 
ren Bemerkungen , die er sich zur vierten Ausgabe gemacht 
. ba^te, dttrcb. die fünfte überflüssig geworden ist, weii Hr. 
entweder selbst auf ähnliche Verbesserullgen gefallen , oder 
von Andern ihm eine Mittheilung gemacbt wurde, die Ref., 
durch die geb^uftesten Geschäfte gebindert , zu machen bisher 
abgebalteti wurde. Doch ist ihm noch eine Nachlese geblie* 
ben, der er eine freundliche Aufnahme von .-Seiten des Verf. 
vrilnscbt, da die Darlegung derselben nicht auf der Neigung 
SU tadeln, oder der Anmafsung des-Besserwislenwollens, aon« 
dern aus dem Wunsche hervorgeht, eti^raa cur VecvoUJ^flaa- 



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Ziimpt IfttfuuMh« tfMBOiilik •i5 

nang eines Buchet beisutragen, dae aSch afich barattt im Aat* 
lande Achtung erworben hat. Oa£s.lIr, 2» theiia aeinaLactflre 
der Klassiker ervreilert^ tbeils die Begatten Cdaimentara luid 
die Schriften über graMmatiacha GegosaMlada fleifsig atudirt^ 
aleht otan überall ; jeoaa unter andern an dam £iiiflufaa, den 
fdine neue Bearbeitung dfa Curtius, der aoeben toq ihm vial« 
fach verbeaaert erschien, gehabt hat; dietea, dala er togiif 
-blaina nauat« Schriften anführt^ wie z. B« JNic* Bygom Karup 
De natura et «aa Imperetivi apud JLatinoa, Hatniae i8Sd* 
S2S. 8; eine vorsOgltche Abhandlung» die dem latetniachen 
Imperativ das Fräsens und Futurum wieder viodicirt, und der 
Hr» Z, S. 469 bis 461. mit Recht gefolgt ist, wodurch daa 
ganatf nenn und aiebzigata Kapitel (ebemala §*) eine Ümarbai« 
tung ariiltan bat. S. 411. $. 510. wird aogar ein Bncb aicirtf 
darunaerea Wissens bis jetzt (Jul. 1826) noch nicht arachie« 
oan ist, ob ea gleich achon im Jun. i823 lila bis auf wenige 
Bogen fertig angekfindigt wurde« £r liDhrMiSmlich ani Hein- 
rich zu Cic. de Rep p. 48 s^q. , auf weichet Buch dia aicb £üt 
den Cicero interfaairende gelehrte Welt nun achon ao lange 
und mit gerechter Sebnancht wartet, da dia Auagaba dea bloa« 
aen Textea, ^19 aeit Iflnger. ala drei Jahren in unaern Hfliidaik 
laty etwaa dam Aehnlichea erwerten Iftfat, waa Hr. H. an 
einem früheren Funde dea A. Majus leiatete. Wahrachainlicb 
M ein Exemplar von Bonn nach Berlin gebommen , wShrend 
noch keine den Weg nach dem afidlichenDäutachland^gefiuidaa « 
stt haben a'cheint» 

Ref. hat bei Vergleichung der fünften mit der vierten Aus^ 
gäbe über hundert kleinere Zusätze von Bedeutung und Über 
fünfzig grolsere bemerkt, die er jedoch nicht aiifzühlen, son- 
dern nur empfehlen will, um Ranm für die Mittheilung von 
Bemerkungen ku gewinnen, ohne das Maafs einer Anzeige iür 
den beschränkten Umfang dieser Blätter zu überschreiten. 

.8« $. l4l. pamcScfaüler wird die, Construction von 
nterque deutlicher, wenn man ihm sagtf es heifst Kiner ^ao 
gut) wie der Andere; denn daraua wird ihm auch klar , 
dafa der Piuralia dieaea Wortea nur atehen aoll, wenn man 
danken und aagen kann; die Einen (to gnt> wie d|a 
Andern* 

S. S24. schreibt der Verf Dimiimtiimf iind ao ofb. TieU 
leicht thAtn er (nach SchOta im JLez. Cic. diminuere) doch 
' beaaerf mit Ramahorn , O. Schula und Andern; Arminutiva xu 
achreiben. S. 247. könnte unter dan Formaa vooiorUaiicb daj. 



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freilich noth zweifelhafte, fortan bei Cic, de Rep. III. 35. er* 
wähnt werden, — S. 260. §. 275. sollte auch der Unterschied 
von alioqui und cetecoG[ui angegeben seyn. Si 293. §. 337. 
3tebt immer nooh> que — que sey nur bei Dichtern üblich) 
mit der Ausnahme bei dem Pronomen relativum : aber es steht 
ja bei Sallust Catil. 9» seque remque publicam, wo Corte 

(S. 61.) noch mehr Beispiele giebt. S. 3l5. §. 367. gegen 

das Ende, würden wir sagen : die Stellen bei Livius weiden 
am klarsten, wenn der Schüler die Worte suo quisque tem- 
pore -und aüus in aliam partem castrorum in Gedanken awi- 
»eben awei Commata oder in parenthesi setzt. — 5.318. jj". 370» 
2u der Apposition urbs Atbenae, pisces si^num bat Ref. fol* 
gcnde Warnung nöthig gefunden: die Apposition urbs Atbenae 
gebt eigentlich nur im Nominativ an, und scheinbar auch im 
Genitiv, urbi» Athenarum, wo aber Athenarum eigentÜcli 
schon der Ohjectsgenitiv von urbis ist, der auch bei urbi, 
Ürbenif Urbe steht. In zwei von einander getrennten Sätzen 
hMM die Apposition auch in den andern casibus vorkommen; 

K. B. vivebat Mhenisj urhe tunc celeberrima. S» 320. §. 373. 

läXsfc Äicb bemerken, a) dafs das im Plural gesetzte Verbum bei 
beneficium et gratia diese Begri£Fe gleichsam peisonificire ; 

b) dafs. in dem Ausdruck tempus necessitasque postulat die 
beiden Substantive im Grunde ein hia huolv seyen, und 

c) daf« Jjei vita»^ mors, paupertas Cicero den Plural gesetzt 
haben würde, auth wenn divitiae nicht dabei stCinde. — 
S. S21. §. ä73. bei der Ciceronischen Stelle: dixit hoc apud 
vps Zosippus et Ismen ias , homines nobilissimi , läfst sicfi der 
Sii^gular von awei Subjecten so erklären , dafs Cicero anfangs 
nur den Zosl'ppus im Sinne gehabt ; als er aber den Ismenias 
beisusetaen für gut gefunden, beide durch das gemeinschaft- 
liche hominea nobilissimi verbunden habe. S. 325 f. $.381« 
Die Lehre» vi^ie das deutsche man im Lateinischen auszu* 
drücken sey, finden wir in der fünften Auagabe vollstäodi- 
ger« wir theilen if|deaaeii doch mitf waa*wir una t^t vierten 
aufgemerkt hatten^. 



(Dar Bifi4.€htu/s Jolgui 



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fi e d e 1 b e r £ e r 

4 

Jahrbücher der Literatur. 




Zumpt lateinische Grammalik» 



. • I ' ' 

a) Scbliefst man üeh ••Ihat mit «in» dann ••tttinaii di« 
•rstePerson im Flurali« x. quae optamua , cradiinus; J>) 9MM$t 
man Aeb au«,.ao tetzt man die dritte Ferton im Plurali«: Ho* 
Hierum caeeum fuiaie fa|ao {»erbüient ; c) acblieXit man sich 

^ zwar nicht aus, Heutet aber an, dala ein Anderer oder jeder 

_ Andere in dem Fali aeyn kOnne, so aetct man die aireite Per* 
fon de« Singular«: credvrea de coelo delapsum; d) lit man 
«o Tiel aja irgendjemand, ao sagt man ali(jui» oder quif» 

•^tam; s. B. at, dicar quiapia«, tu non interfuiati; •) nach si , 

/ wenn der Jemand ganz unbestimmt bleibt, folgt quis; s. B« 
qupd ai quis me non ^idisse eiustimat, fallitur; t) will man 
gar keine Person andeuten, somlerfi nur sa^en, dafa etwas 
¥en dan Leuten gescbehe^ so setzt: man dai Passivum: Aesopus 
servns fiiisse tradltur; Oberhaupt ist daa Passivum die eigen« 

. tbümlicbe Ausdrucksvveise des deutschen man, welches man, 
auch ohne dafs die obigen Ursachen Statt finden , bei dem De- 
ponens verlassen fiiufs. Zu dem passiven Ausdrudie des man 
gehören auch alle Verba impersonalia passlva; g) endlich An« 
det sigh sogar inquit». ohne Subjectsbezeichnung, in der Be« 

..deutung sagt, man; wo aber der Zusammenhang entweder 
aliquis oder adversarius- oder etwas derglefchen errathen lassen 
mafs« S. 337. §. 394» J^^^r Grund, warum mau «agt cMio« 
rem facere undmeliörem > ed iere f elu r als certiorom re^ddere' 
und meliorem facere, scheint der 9 ' weil derJLateiner irn erstrn 
Falle denktv einen jgewisser machten (als er. ist) ; im zw J- 
ten denkt er acc^i eum pejorem f j nn rdddp eum meliorem. 
S. 367. $.437. extr. stflpdebessef JCtqs seyr die gewöhnliche- 

^Abbreviatur von jurisconsultus, als^ dieses beifse abgekßrsst 
ictus. S. 338. §. 296. AJilative von der Dauer der Zeit 
slebenWh Justin. 33, 2, 6. — S, 370. §. 441. heifst eS: 
»doch sageft wir auch: ihn jammerte des Volks«*. Aber 



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5}S Zampt.. l«t«liiiidM 

wir «Ägeii eigeiitlidmichtAO, «biMUfn et i»t ein Latinismus, 
iferaleicben der deutfchfo Sprache aus der Vulgata im Mittel, 
alter und auch durch Luther» Biheltiberset«ung manche ein- 
ßeimpft oder aufeedrungen worden «ind. — S. 371. §. 444. 
«/i«;Ji »ion taciö; ich halte ea nicht to. yiel werth*', sollte 
»«druckt seyn: ich halte et nicht $o (mit einem Zeichen oder 
uoer^jiesticiilatioo} vUl Werth. $..46Ä- J>4* Ge- 

nauere möchte jilwr diese Sache vielleicht Folgendes seyn : die 
Adjectiva, die ein Voll- oder Leerseyn voa etwas bezeich- 
nen, haben eigentlich einen Ablativ; wo ein ©eniüV sich fin- 
det, ist die Gan»truction grieCfaiKh, wie bei xA/o«t wpW 
auch plenus kommt. — S. 376. §. 4dl* Der GrMnd, warum 
der blofsc Abbtiv der. Person be» den Part.icipien d«r y«rbb. 
erzeugt werden (natus, editus, genitus, ortuSf itatus) 
sieht, ist der, weil dieser Personalablativ ein Ablativus absif- 
lutus wird: s. B. Neoptolemus Acbille nstMt sttrht für Noopf. 
AcUille patre natus« und pjitre für generante. — : S. 378. §• 4$3. 
Die schwierige Stelle des fJoratiits steht nicht £pod, IV , son- 
dern V. Will man übrigens die St^le mit Hrn. Z. interpretl. 
ren, sa möQbte wohl die Lesaet sU Sndiirtt seyn, und swar 
tfiitweder nach Hrn« Zi hemana vtre.f oder auchf was durch 
die Elision leicht sich, verwischen konnte» hunuuuan b» vUemf 
humanam ad vUem. — S. 38K §i 458. e^tr. ist in der Stelle 
des Roratius lactrtOf flicht latvrti schreiben^ Das letztere 
ist Drucktebler. — $. 337^$. 395.. Auch die Antwort aaf die 
Fraoeii wie grofst wie hoch? steht im Accüss^tiv. — 
S. 3Ö4. §. 466. Öer Grund , warum sich. Horatius erlaubt f 
rey nare mit dem Genttiv iu verbinden» ist der« weil regnare 
ein Verbum IntniEiiisitiVum i|t, iind soviel ist als regem euti 
woraus erhellt» dafs diir Genitiv gerade der Casus ist, der bei 
regnare stehen kann, ^ S« 395*' $- 485, Der Grund ^ warum 
htn nänusf flus^ amplUte die Vergleichungspartikel ^aom oft 
ausgelassen wird , liegt darin » dafs jene drei Wörter gleichsam 
parenthetisch, also aulserhalb der. Construction , au denken 
sind: %, B. in der Stelle bei Terentius ist sa denken quingen- 
ios (plus etiam) colaphos ihfregit .mihi. • • S. 397. *$- 491* 
6'ollle in quid /aeuff hoe'himuae nicht ^je Kombis ahlat. i^soi 
4t yn , fttr cem hh homo hh sit öder ia6s iUf wie bei CijC. de 
Leag. iir. 16. 37# hoc populo — S. 397. §. 492. In d#r 
Stelle des Terentius (Phorm. II. 2. 10.) ist vielleicht ni^hc d«r 
Nominativ statt des Vocativs, soiidei;n- die. Worte o vir lortls 
litque amicus können ein gleichsam monologisch oder gegen 
* die Zuschauer gesprochener Ausruf seyn , wie m* B« O 'mit dem 
Nominativ beiCic. Philipp. XIV; 42. ofortunatamora fCaht* ^ 



. 4 



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2attipt Jateiai««li« QraniBMtlk« 



S. 443. §. 554« t^ie Form der doppelten Fragef3tze j*t nicht 
nur vierfach, sondern filnttacb, und ei fehlt der hier 
gegebenen Aufxählung gerade die vollst3ndig«te , eigentlichste 
und zuerst zu nennende, ohgieicli nicht so Tiüulige Auidriic.i»- 
weise, nümltch utrum . . , , ne — an : z. B. Cic. de N. ü. 11. 
S4. 87. ütrum ea fortuitan« sint, an eo statu etc. Hier wird 
TiSnilich durch utrnm (das griechische 7r/T«;-rv) *lie noppelfruge 
angekündigt, wie in der von Hrn. Z. unter No. 1. angeHihr- 
ten Form , dann folgt die DoppellVage seihst in der l orm 
No, 3, und das Ganze ist so zu erklären: utrum sit (wel« 
ches von beiden statt finde) , ea fortuita/i© sint ( o b das zu- 
fällig «ey3 an (ofler) u. s, w. Hr. Z. berührt zwar diese Con* 
•truction auch (S. 605. §. 352. noch im etymologischen Theil, 
der überhaupt in den /»nmerkungen IVIanches aus der Syntaxi* 
anticipirt); aber sie gehörte vorzüglich hierher. — <S. 449. 

570. In der vStflle des Cic. pro iVosc. Am, 3ö. i«t der Con- 
junctiv nach ji gar nichts auffallendes, son<lern ganz drr all- 
gemeinen ilegel gemals , dals der Conjunctiv in den Neben- 
sätzen der oratio ohli(|aa' stehen müsse; denn das si qui (in 
den besten Ausgaben steht si quis") stf\\t eigentlich für euin, 
qui, und die Construction ist: < xi srimaluni t majores eum ad^ 
misisse sumnunii dedecus, qui r^-n tnandatam malitiosius ges' 
aisset, — S, 451. §.574» 93 DicSelb*- IJedentung und Construction 
hat licet, obgleich 9 eigenllicl» ein Verhum, aber zur Con- 
junction geworden". Das Genauere hif^iüber möchte styn : 
Licet steht eigentlich in ConceHsiysatzen , die ohnedies im 
Conjunctiv stehen, gleichs. ni pleonastisch , oder parenthe- 
tisch; wie wir etwa, wenn wir gesagt haben : Er komme! 
noch hinzusetzen können : ich habe nichts dagegen. Der 
Conjunctiv aber wird durch licet ^ar nicht veianlafst, sondern 
durch die Concession. Diese Bemerkung findet auch ihre An- 
wendung hei (juarnvis {quam vii f quantum vis~), — S. 452, 
§. 577. Steht: „Ueher quum ist die hekannte alte Kegel" 
u. 8. w. An diese Aeuiserung müssen wir eine allgemeine ße- 
tnerkung über das Werk des Veif. und über die Form dessel- 
ben knilpfen. Der Ausdruck die hekannte alte Regel 
lautet eigentlich so , als wenn der \'f. niciit so wohl urs])iiing- 
lieb eine Grammatik hülte schreiben wollen, sondern nur An- 
merkungen, Bemerkungen, llaisofineinent über eine andere, 
schon vorliandene. Diese Ansicht von (b r Entstellung sein» s 
Werkes dringt sich an un/.i hlig/n Steii^^n auf. Das Wei k 
liest sich fiU <len Vorgeschrittenen au solchen Stellen wie ein 
geistreicher und gründlicher I")i5fcnrs, oder ein interessantes 
HaMOOhemenC über di^ heiühvttin Gegenstünde; aber für den 

62* 



* 



620 ^«ippt lattiniMlM Omna^tik« 

Schüler mufs der Lehrer oft erst aus den Bemerkungen und 
Zwiichenhetnerkiingen das Resultat gleichsam als Kegel in 
einen Satz Lringen, der dann wie ein Kanon, testgehalten 
werden kann. Dieses Darstellen der Resultate in bestimmt 
ausgesprochenen Sätzen , wie es sich z. B. in O. Schulz's aus- 
fübilicher lateinischer Grammatik (Halle l825.) findet, ver- 
missen wir nicht selten, und in diesem Stücke kann Hrn. 
Zumpt's vortreflFliche Grammatik in künftigen Auflagen noch 
sebrgeviiunen. Dann werden auch Ausdrücke wie Ii e ka n n te v; 
alte Regel wegfallen, denn die Grammatik ist das Sprach- 
gesetzhucb, und stellt die Gesetze als solche hin, führt sie | 
aber nicht als alte Bekannte , als anderswoher^ oder aus andern 1 
Grammatiken bekannte Regeln auf. — S. 475« §. 611. steht 
noch immer der Druckfehler PhaSto/t für Vbaöthon. — S.476. 
§. 6l3. Die Annahme, dafs bei dem fragenden Accus, cum In- 
luiit. gerade cretiil.ile est zu suppliren sey^ ist blos willkühr- 
lich, und man kann mit gieicliern Rechte vorausgesetzt den- 
ken : an qiiis existimat ? Vosne pntatis ? u. dergl. Ergänzt 
man aber tune vis? oder vosne vullis? oder an ijuisquatn ex- 
spectat? so läl'st sich sowohl der Accus, c. fnfin., als die noch 
Seltenem elliptischen Aust sätze mit ut erklären. — S. 4Ö9. 
§.630. Der Ausdruck ohne Erwartung der Hülfe ist 
nicht richtig deutsch. — • S. /{93. §. 643. Die Stelle baud cui- ^ 
f[uam dubio opprimi posse steht nicht Liv, 33, 17. — S. 501. | 
§. 633. Sollte nicht beider Stelle: Vologesi vetus et penitus 1 
infixum erat arma Romana vitatuli^ eher propositum , als nei^o- 
tiuui, zu snppliren seyn ? — S. 479. §, 618. Infinitive wie j 
canlare peritus oder Proteus pecus egit altos visere montesy | 
sind Grücismen. — S. 5l2. §. 6Ö0. Wenn jHr. Z. aus I/iv. ' 
23, 43. die Worte aushebt : Nolani in medio sitif AO kann er 
allerdings sagen, sie stehen für Nola in medio sita» Allein es I 
heilst bei I.«;vias : ipsos prope in medio sitos Nolanos scire ^ und j 
SU betrachtet wäre wohl JNoIam gar nicht gut angebracht ge- ' 
Wesen, — S. 525. §. 700- erwarteten wir etwas über die Con- 
struction ut (|uis({ue ita; diese wird noch nachzutragen seyn J 
aus Cic ad Qu. i'r. I. 1, — S. 539. zum Schlüsse des §. 738, 
rin«1en sich eine Menge Stellen in der Schrift von C. L, Roth: 
C. Cornelii Tdciti Synonyma et per fignram tv Std 6voiv dicta. 
Norib. 1826. 6. — S. 4lS. §.418. Hierher konnte auch ge- 
zogen werden das poteras dixisse hei Horatius A. P. 328. und 
angeführt werden das bekannte Programm von Gernhard. — . 
S. 620 ist D. D, und D. D. D. nicht blo» auf di« angegebene 
Art zu erklären, sondern auch durch Dat , Donat, oder Dat, 
Dicai; und Dat, Donat, D.edicat oder Dat, Dicat, UedicaU 



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« 



^wui p6cti«eh« CbittldmUii«, 8Jl 

Gaiit neu Ijinsugekomoitii find in der fanfcen Auflage dtr 
dritte Anhang: Rö niaehas Geld, Gewicht und Maat, 
und der V i er t ti : Noum a. eomptndia ieriftwr^ 

Druck und Tapier sind wie hei den frOhertn Aullagan. 
Die vorkommenden griecbiscben Wörter sind mit swar nettan , 
aber sehr mifslunfenen und ungattallen Lettern gedruckt, 
VKir scheiden auch diesmal von. dem Verf mit der Achtung, 
die dem rastlosen und gelungenen Besttehen »ach fortfchret» 
tender Vervollkommnung gehObrt, und wQnscben dieses der 
deutschen l'hilologie £br« nadlendo Werk noch oft in ar» 
nouertar Gestak auftcetaa wa aahan» 

dUjsilMitUr$m KlmtsBH J§r OjrnnuuUn und Lyt€9n muA tlU-vtttm 
• XJmts0h der /eteuilfe&sn Laiidiekalf s aat dsu' nicen DisAfer« mu» 
^MOg6n mnä kemrMtt ponM Chriitiün $thwr%^ Vwofu» 
sar am Gymmuimm in Oim» Ewst-9r Kmrimt* Olm^ 1615. 
tai Kerlone dsr SMMsehsn BmHäumälmg^ XVl tmd 190 
in 8« 40 kr« 

Der zweite Theil bat den Titel: 

Lateinische poe tische Chrestomathie inhwei Kursen^ fUr 
die mittleren Klassen gelehrter Schulen «tnd mm Priiwigebrauak& 
aus kläiütchen Dichtern des goldenem jilters au5g§99gtn Hßnd.henr» 
heitet von M, Christ tu SchiaarSf Professar not Gymnneinm 
in Ulmm Zweit er> oder höherer Kursus^ nehtt einer .4in» 
leitung %u der Lehre von den Figuren und Tropen^ ülmf I836« 
Im Veriagä der SteUiiCschen BuMnndieng». XII nnd 801 ^..8. 
Cufovon die Lehre von den Fignren und. Tropen 68 feften-ecn- 
mnunijy . . 8^ fl<> 

- Wann ein Schulmann | dtr dia Lttaratnr aeTnea Fachaa 
ktfnnty und dieselbe der FrQ^ng unterworfen bat, in irgend 
einem UnterrichtsavTeige diese nicht genOgend findet, und 
i fdr daa individtialle Bed(trlnira aeinjsr &bule oder aeinea^Va» 
terlnndifes, ungeachtet mehrere Schriften su ähnltcheio Zwecke 
schon vorhanden sind,.; eine neu^ auaauarbeitan sich ent* 
icbliefst, aO^ bedarf er einiger Recht£»iitigun^ nicht nua bei 
deaei: , l'Qr die er sunSchät schr;^ihty^ sondern auch' ei dem 
•^röfaeren ttihlieum, iem sei ni, Schrift durch d%n Bucfahaudel 
darceboteh Wird. Diese Hecht^rtigung gieibt nun der Verf. 
in der Vorrede aum eraten Cu^auli'irollkomnien hinreichend und 



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Soilwais poetucUe ChrMtomatiiie. 



ge nügend 9 indem er dartbut, dafs mebrere ähnliche Chresto« 
uialhieen nach eirem ganz andern Plane, als d-m , welchen er 
durch Erfahrung belehrt für nötbig gehalten , manche aher nach 
gar keinem, wenigstens keinem klar gedachten , IMane gesam- 
melt und bearbeitet worden seyen^ und dafs endhch diejenige 
Chrestomathie (die Anthologie von Zimmermann), welche in 
. ihrem- Plane mit der seinigen am meisten Aehnlicbkeit hätv 
doch in wesentlichen Funkten von derselben abwich, indem 
sie theils nicht für die ersten Anfänger der poetischen Leetüre 
beryeehnet ist, theils allerlei Versarten vermischt, theils zu 
wenig Stufenfolge vom Leichteren zum Schwereren beobacb« 
t^t, £a befindet sich ab«r der Verfas&er wirklich in keiner ' 
Seil sttäuschung, wenn er glaubt, durch diesis Arbeit einem 
vielfach gefühlten Bedürfnisse abgeholfen zu haben ^ und das 
Qucb dürfte wohl nicht nur in seinem Vaterlande*, sondern 
auch auswärts manches Lehrers Wünschen- «ntgegeirkoaimen , 
und mancher Lehranstalt sehr willkommen seyn , so wie 
«ich besonders der zweite Cursus auch für Schüler der oberen * 
Klassen zum Selbststudium sehr eignen möchte. 

Im ersten Cursus beschränkt sieb der Verf.. blos av^ 
heroische und elegische Versmaafs, und zwar mit vollem 
Jiecht; und dafs hier die leichten und fliefsenden Verse des 
Oyid vorzüglich zahlreich aufgenommen sind, ist nur zu hil- 
Kigen. Wegen des Inhalts entschuldigt üicb der Verf., dafs 
er die Anordnung und Eintheilung nach dem gleichartigen 
Stoffe der wichtigeren Rücksicht auf die Stufenfolge und die 
^Mannigfaltigkeit der GegenstSifde aufgeo|ifert habe« £r be« 
civirf dafür hei uns keiner Entschuldigung : denn es wfirde^ ' 
da sich beides nicht gut vereinigen liefs (eine Vereinigung« 
die ohnedies in einer poetischen Cbrestomätbie für Ahranger 
nicht etnnral nothwendig« kaum wOnscbenswerth sctiei'nt)^ 
Tadel verdient haben » wenn er die z«ireite AOcksicht der er«> 
sten ai^%eopfert hätte. .Die untergejegten Anmerkungisn sind 
unterstfitsend bei der Vorbereitung, ohne sie allsusebr zu er» 
leichtern 9 oder ^ar fiberflüssig zu machen. Ausser g^ogra» 
phischen« historischen 9 mythologischen und archäologi sieben 
Notizen 9 geben sie aiich lAeht bei verwickelten Constrüct-to« 
neO|' bei dunkelm Sinn der Worte oder ungewdbniicbem Ge« 
brauche derselben 9 suweilen such C*^a< durfte der Verf.* mit 
Hecbt von seinem Buche sa|^en)' wichtige grammatische und 
Spracbbtfmerkungeni ' die steh in den • gewöhnlichen Scbol* 
bücbern Aicbt finden. Damit aber der Zweck des Verf. , dafs 
nämlich die Schüler seine Anmerkungen biei der Vorbereitung 
lesen und einstudican sollen-, üud nicht erst während devUn» 



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Sdiwm poviüchfl ChiM^onaüii«. 823 

terri.cbU in der Schule hinunterblicken , bat er ein Mittel am. 
gesonnen, das zwar der Eleganz des Druckes einigen Al)l<rucb 
ihut, aber ganz geeignet ist, jenen Uebelstanfl zu verhüten. 
Kl hat näiulich hei den gröfseren Stücken am Ende des ersten 
<>ursus, und durch den ganzen zweiten, die Annierkung'jn 
dem Texte nachfolgen, und nicht seitenweise untersetzen las- 
«en, „um das immerwährende, die Aufmerksamkeit störend« 
Hinuntersehen unvorbereiteter Schüler nach etwaiger Aus- 
kunft in den Noten zu verhüten (das Umwenden dc-r Billtler 
wird ihnen vor den Augen des Lehrers nicht möglich sevi^l 
und sie dadurch zu uuiLigen, sich beider i'rÜparation genau 

^mit denselhen bekannt 7.u machen. 

Die sechs ersten Seiten des ersten Curses enthalten ein- 
zelne Hexameter und Pentameter; dann folgen einz<;lne Di- 
stichen ausMartial, mit passenden Ueberscbriften bis S. 14, 
Ddrauf Distichen gemischten Inhalts ans den Elegikern bis 
S. 40. Nun, bis S. 57. kurze und leicht zu verstehende poe» • 
tische Darstellungen gemischten Inhalts; bis S. 70. kurze epi- 
grammatische Gedichte aus iVIartial und Ausonius; bis S. 146» 
vermischte Gedichte, allmahlig vom kürzeren und leichterea 
zum gedehnteren [dürfte wohl a u s g e f ü h r t e r e n , a u s f ü h r . 
lieberen beifsen, denn gedehnt ist ein Fehler] und schwe- 
reren Vortrag aufsteigend ; bis S. 167. einige Fabeln (aui Ho- 
ratius). Die letzten vierzig Seitea enthalten etwas längere 
Erzählungen aus Ovid und Virgil, 

Die Auswabl der Stöcke so wie ihre Aufeinanderfolge 
billigen wir im Ganzen sehr. Nur einige Stücke aus Martial 
würden wir zum Theil wegen schwerer Verständlichkeit für 
das vorausgesetzte Alter > zum Theil wegen des Inhalts weg- 
gelassen haben. Nicht als ob der Verf. irgend etwas Unaitt- 
liebes oder Zweideutiges aufgenommen hätte, sondern wegen 
der Wehklug^heit eines moraliscb verdorbenen Zeitalters-, die 

,aus einigen 6tellen bervorblickt, und mit der wir die zarte 
Jugend nicht bekannt machen möchten. Doch bat ja der 
Lehrer bei d^m reicbUdi' gegebenen Stoße auch Freiheit der 
Auswahl. 

Um dem Verf* zu b^weliep^ daJb wir sein^Bucb genauer 
Betrachtet haben ^ tbeilen wir ibin sum Behuf einer könftigen 
Au^sg® einige Bemerkungen mit. 

5. 22. Der Ausdruek Hendiadys^ welcher nicht gans 
richtig ist (s. Vossius Institut. Orat. V,.4. 4. pw 3l3v)y. sollte, 
entweder mit de.in richtigen tyjia Suc7v vertauscht werden , oder 
et sollte beifsen: aegenannte,l|^ndiadya. S. ll. könnte 
bei HXivmis duri^h dai eingeKhloMmic VVprt bettlftgerig bei 



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Schwan poetiieho Chiestomathie« 



dtm Schüler ein Trrthüm pder *in Mrfsverstand veranläfst wer- 
den« ^ S. 2$. steht Schwane statt 5ch w ü ne. S, 29» ScUi" 
c0t wird , was den Sinn betrifft, eW9r hiebt i^Uch durch 'scir0 
Üftft «rHltfrt; eigentlich aber ist es wobl aus dem veralteten 
IcDperativ sci^ und dem gleichsaiii parenthetisch beigefügten 
licet gebildet, wie auch ' ilicet und videücet» obgleich der 
•Spracbgebranch, wie öfters, die Etymologie vernachlSssigt, 
und vergessen ^hat^ *und diese' Wörter auch suin .Plural is setst. 
S. 3dt steht wendet fQr Wi n de t. S. 4t, werden die Wort« 
mittm ntMi^ue erklärt: utra(^iie terrae parte, terris orientatibus 
et occtdehtalibus : es möcnceu aber eher di« harh alter Vor* 
Stellung gedachten beidenf unkt«; des Aufjgangs und Untergangs 
dev Sonne 9 als die metae auF der Kennbahn betrachtet} su 
verstehen sejn. S. 44. oben n. 3. ist die fiemerkung* an sich 
richtig» dafs die Conjiinctiones cohcessivae^ licet, etii u. s, 
w. 9 wie dio conditionaleSy oft wegbleiben; aber bi^rbsf ^-eu 
dem Verse: cpncutiat tenerum [rainuml , quaelibet -aura , ca« 
det) gehört sie eigentlich nieht, ds^ die Constnu^tion ist: Ca-' 
det raihut, ^040 libtt (i; e. ^tiantüla llhet)'äura teneriini concu« 
tiat ramum. 8.^52. unten n. l. „vetustas öfters kflaf't i g e 
Reiten, Nacbicommenschafty Nachkommen'' Wir 
^iiCen wohl, auf welchen Stellen und Autoritäten diese An« 
nähme oder Angabe beruht, '£s liegt. aber in dem Ausdrucke 
vetustas selbat gleichsam eine innere unnröglicbkeit dieser Be- 
deutung; womit wir. n.*cbt läugnen wollen^ dafs maii hier, 
oder aucfa/Virg. Aen» X* 792. (si qua iidem tanto estoperi ]a- 
toxH vetustas) so Qbersetsen könne; aber die letztere Stelle 
beifftt eigentlich; wenn in der Folge der Zeiten (das 
liegt in latiyra, nicht in vetusta«} dev .(7n|Standf dafs es 
in. dar'Ze itferne, rSckwärts^ ll<>g( (vetustas^, der 
3ache Glauben verschaffen wird. So auch hei Cic. 
proMilon. 0. Z5* und hier; ^der Umstand» dafs es dann rOck« 
vyMi f in der vergangenen Zeit, liegt (vjetustas), machte dafs 
nachld^m Toje alTes (was (cb gvteis^et bebe) bedeutender und 
gröfser erseheint.«' — i S. 57«^not.r3^ ist qui snm Behuf des 
Üebersetxena und l^ec«teh.ens nicht unrichtig durch s{ ^uis er«> 
klärt Ii grammatisch aber Ist es 'doch eher für is qui i^u neh:*ien«' 
— S. 68« Das nurainis mille trecentis ist ^obne Zweifel nuch 
Eiienschinid) als nach unterm Gelde 43 Reichsthaler 3Ö Kreu« 
Zwif nn4 der Sestertiiia als drei l^reaser betragend angegeben» 
All^n erstlich iat das Hechiien nach Thalern und' Kreuaarn 
nicht m^^hr Qblicbf und aweitens ist ein Sestertitis nach ge-^ 
neuerer Berechnung bei')Vurm ^(de Ponderum« Numoioraiiiy 
M^nsnr^rum etc, ratiuii^t Stuttg. jQKX) 447/^0 Kreuaer» und 



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A\9 hier vorkommende Summe 117 i\. 6 kr, S. 70. «ot. 6« 
Grottfend zieht die Schreibung loih'ciias Vor, ^ 8. ?'/• lin»5. 
iKolIte wohl des pflegte — ontgegenitihalten heiUeji: 
hielt entgegen. — ' S.8f. unten v.hei der Stadt Olym- 
pia«« Olympia war eigentiicb keine Stadt, fondern ein IMaCm 
am UFer des ÄlpbeioS| in dessen AI i he d«r 'IWipel und ffaiii 
des Olympischen Jupiters war. — Das. nol»d» itt der Aus. 
druck: T-^ ist öfters lang nicht ganz richtig* 3. 97* 
und ö3. wird eins und dasselBa erklärt (vom Priaihus). — 

> Viele sehr gute Bemerkungen zur VVeckung der Aufmerksam« 
keit und des Nachdenkens der Schüler sind durcti dai ganr.e 
B ich aerstreut. Wir machen nur anf'S. 93« 93« 105- 106. 108- 
109« aiifmerksani« 

£s hleüjt ons nun noch ron dem zweiten Cursus zu 
reden übrig, der mit Recht auf dem Titeli>lacte auch aum Fri- 
vatgebrancbe ampfohlen wird , und den wir zu demselben 
Zwecke niebr als fast alle Bücher Ähnlicher Art empfehlen 
können. Voran geht auf 65 Seiten eiiya Anleitung au der Liebre 
von den Figuren und Tropitn; ein Gegenstand, auf 
den eJbemals'au viel Gewicht gelegt wurde, jetzt zu wenig 
Kllcksicbt genommen wird. Wir halten ditten/Abscbnitt für 
.aehr aweckoiäfsig ausgearbeitet , tbeils wegen sehr einfacher 
und nnverkünsteltec Lntwickeljing der Begriffe, tbeila weil 
weder zu riel poch au wenig gegeben ifC luher könnte man 

. i^uweilen an deii gewählten Beispielen etwas aussetaen; nicht 
aowobl, weil prosaische und poetische Beispiele unter einan« 
der gemischt sind ^ weswegen sich der Verf. gültig entschuU 
dtgt oder vielmehr rechtfertigt, sondern weil a. B. bei der 
Apbfiresis das Verhum simplex tenrntr» per Aphaereiin 
atehen äoil för eontemhere ^ .da doch jeqei nur das selten ge* 
wordene eigentliche Varhum , dieses dessen composstam tet; 
«lafs audihanit' eburnutt vollständige alte Formen» per Syn. 
copen stehen aollen fOr ebturneus, audiebam; dafs das alte, 
vollständige mage per Apoeopen fOr magis stehe; dafs man per 
£penthcisein tiavtta für nauta gesagt habe ; da dieses doch of- 
fenbar eineSyncope von jenem, ist ^ dafs dice paragogUch stehe 
fClr dlCf während dieses per Apocopen für jenes steht; dals 
Jambus und Jason per Diaeresin dreisylbig .stehe, da doch 
diese W littet an. sich dreisyl big sind; endlich dafs plostrum 
atatt plaustrum per Antithe^in stehe,, da doch jenes blos die 
al Ca Auasprache des Worte« andeutat» Uoch der Verf. beugt 
dieaenVorwIMrfan oller £inwendu4igen S. 10« selbst ein ige r- 
iiiafsen vori auch si^d mehrere Beispiele jener * Rüge nicht 

auagesetst und -a#lbst di« Von tinf in. Alispruch genommeaan 



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3^6. Sehwau poetiiobjB Cbmtomathie. 

I 

machen wenigstens die Sache selbst deutlich, von welcher die 
Rede ist. Wenn der Verl. S. 5. sagt, dafs eine Meng*i vo« 
Egürlichen Ausdrücken ursprünglich nicht Erzjeugnifs dtri Kunst 
»ey, sondern tbeils der Armuth der Sprache an Be» 
Zeichnungen für übersinnliche Begriffe, theils der vorUerr- , 
sehenden Thäügkcit der Phantasie und Empfindung in» Kindea- 
* alter der Nationen ihren Ursprung verdanke, dais sie dage- . . 
gen, als mit steigender Cultur auch die Sprache vervollkoinin- 
net wurde, absichtlich gebildet und gesucht worden Seyen; so 
könnte man ihm einwenden, dafs in der Poesie neben der . 
Absi^htlichkeit (die eben nicht die besten Figuren und , 
TrO{»«n giebt) im Grunde noch eben die Ursachen vorwalten , 
die ursprünglich stattfanden. — S. 1 1. steht wohl durch einerv 
DiHiekfehler , fisat «ey ein Archaismus für fit; so wie S. 8- 
Syoicesis für Synisws* — S. l3. möchten wir doch kaum sa- , 
i^tn-f iolebam conaumeire sey eine figürliche Iledensart für 
•aepe consumebam, und 40 Ht mollior für mollescit ; da wäre 
fit mclior auch ftgüclich, und nur darum alkemein gebräuch- 
lich, weil es keineig«iitUcbes.Inchoativrum dafür giebt. Recto 
&Skt pobo möchten wir eher eine Ellipse für recte ais oder . 
a^is nannsaiif fla «ine Antimerie. — S. i4. konnte bei der An- 
tiptositf wegen ihre» Gebrauches im Lateinischen, neben 
Buttmann, i^mahorn citict werden §. 206. A. 5. p. 693. — . 
5.16. rechnen wir.facit are allerdings und nothwendig zur 
Anastroph»^ aber 1 prae nicht, denn das ist der rechte, ei- 
gentliche und natürliche Ausdruck, ursprünglicher und natür- . 
lieber ala praei. — 5.24* möchten doch die Ausdrücke senex 
rugoaus, canus, turgida vela und rotae fervidae schi* uiieigent« 
lieh zu den onomatop(»atiacben gereicbnet werden. ^ — ^* 25. . 
wäre die Schreibung maereo und fen^ina der gewöhnlichen vor- . 
J^ithen. S.32. unten sollte Entgegensetzung und £nt- . 
gegeng.es atcte nicht aoateben, dafs der Schüler j^nes für 
avr/ivrevund dieses SHtawi^ms nehmen. könnte. — sollte 
hn g^^Cfitagov das lateinische acu|ji£ituuni als ein Wort stehen; 
s. Voss. Inst/Orat* W. p. 407. -r Was aol] wohl in dtir Stelle. 
Aen..lX« 427« m« (adsum , qui feci) in nie convertite fer« , 
rum — das sc, vor adsum? — .S* 48* gan« unten ist in der 
Stelle Virg. Ecl. IV» 60: adspiceconve*um, nutantem pondere . 
mundntt^ diese Ijeaar^ .b^t «iner nfuen Auflag^ wphl iiait der \ 
besseren : Adspice conves^ nutantem pondere mundumn viel- 
leicht auch die Erklärung j(|R|tt. eintr Erachütterung de« Erd* 
balls) mit einer andern aa.^artauscben. — S, 62* liefse sich 
wohlMaecenas lateii^iacber» alt durch fautpr äcientiarum er- . 
kisren. — . Wenn & 59. gWigf wird, l^nei aeyaijnfl Meto 



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für irif< i 't (coiiteiikain pro cootuieiile) , so iat im GrumUioferi 
iiucli wilder eine xV^etonymi« , und nicht da* Gautiotn« der 
iVIanen; eherorcüs, wie nachher PJiitO «ticlait Vi ird. — Dock 
dies alles sind Mn))edeuteiid« l'ltcken, iiüb^Q d«n tast durchsuft 
6tibr trelienden Erklärungen un«i Bt-ispiel«» dieser Ahbtfn diu Dg, 
Wir gr'htrn nun zu vveite| er Angabt» d«« ii.hjlls 4«% Vorli«g«iw 
den zweiun Cursus üli«r. S. (i6 IJÖ- st«bi*tt •a«i«ri«fseil« 
Ülegirn aus Ovids Klageg«»aug«ll und deu Riirlcfn eX Poi>to; 
i)is S. 15 anseilfsene Khgien »us Tilnijiuij. Iii« 5, l.ÖG. aus* 
trlesene Elegien aus PropeHius; his S. 3ll« auierltfSt^ne Suiba 
uus Ovid« und Vir^^ils »pischen Cedicbun; TOn da his zmtv 
^cblui»sf (5. 361») «Inige Oden an» Hqratiuü. Um itielML 
weiriäui'tig su aeyn, enthalten wir unf eln«s Autsugea aaa 
der Vorif^de, worin dfr Verf. mne Aaawabl mit,Gr«ad«B» 
walctie wir nur billigad jLdnnen, ratbtfertigt ; unter andaro^ 
warum er gar nicbti von CatuUaa aufganonaiaao » warum er 
von Ovid nicbtgarada dia allariuteressantesten, aondarn dir« 
ienigen Elegien vorzuc«w«iie aufgehoben habe, welche den 
6cbQler mit. dessen Schickaalen am besten bekannt machen« 
warulD atitTibulIus und Propertins einige Liebeselegien ((\hri-. 
gena oboe aU^ •Schlüpfrigkeit und Zweid«utigki;it) eingerückt 
WCHrde», warum in der epischen Poesie Lacretiua iiist gana^ 
und auiier Ovidiua und Virgilius alle Uebrigen ant^cschlussen 
Wttrdeilf und warum dem Verf. Bei jedam Stacke eine vorläu« 
üge g^üue Inhaltsangabe nöthig geacbienen habe« Der Inhalt 
dieses zweiten Theiles acheint una im Gantaa recht zweck* 
mäfsig gewählt; die Annfer künden <g%n8 darauf berechnet , 
daa Nachdenken und den Fleifs au wecken , und die Anfmerk« 
aamkeit auf Sprache und Sachen rege zu erhalten. Beim eige« 
iien Gebrauche dea Buches wird der Var£ aelhst Einiget eiit» 
decken», .was entweder noch hinaogesetzc oder genauer ba* 
atiaimt wMden könnte odet sollte. Wir begnügen uns , suni 
Beweise unserer AufmerJcsamk^it nur noch küralith einige An« 
merkungen zu den Horaaitchen' Stücken mit unsern Bemerkun« 
geii au begleiten. S. 316. v. 24* Wenn der Verl. sagt, die 
Erklärung des VVortea iei»c»o (tn.dem Verae Modo in tenaci 
gramine) durch'detinentf delectans tey passend | aber uner» 
wiöa^n, so geb#» wir ihm Recht; aber d ie Bedeu tung aqh wel- 
le n d, ela s t i ach» di« allerdings noch besser pafst«- möchte 
wobl elien so schwer' au ^r weben ^eynr Kbend. v» 37. li£it • 
sieb beatimmt ilicht «rweisen> - dats iq den Veraeo i^uis non 
ipalarum« quaa ämör curaa habet Haec inter «bliWaettur? das 
Wort «mort ao absohit' g«sreNt> - Habsucht besetchnen 
könne; und et wird durch die Nacbw«itung von £p. 1. 1« 84 t 



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6a8 Sflhwan poetiieli« Chreitmithie. 

wo et Baultttt andeutet^ picht gewisser, deim^ort gebt 
Bedeutung aus der ganzen Ümfiebung henror, weil 4ei: 
Genitiv feidnantis heri und allee Uebri^e die Sache klar ge- 

. nug madlte« .Wir halten ee, anstatt mit Dö/ing , mit Mu- 
acherlick. S. 3t7* v.45. liiwum bei pecue «igenllich zu ver- 
•tehen, Ut das Natürlichste. Wae Anderes ist es hei der 
unbeleton öder - halbh<»lebten Pflanzenwelt in Virgils Quid 
fiiciat Ia9«ai segetes ? Bei Horas also lustig; natürlich aus 
kOrferlicbem Wohlbehagen. S. 3l8. v. 60. vel hoedus (bes- 
»er wohl ba«dus; s. Nohen. I«. Antibarh. p.60sq.) ereptu« 
lupo. Der Verf, nimmt Gesnerii ErJüfirung.an , die auch Mit- 
acherlicb billigt , und Döring ▼oranttellt. (quod cju8modi hae- 
dus, jamlupi dentihus laesus, mact.iri omnino debet). Wir 
finden die Mreite DOritigscbe Erklärung natörlicher und näher 
liegend: qood eli.i| quae bona fort u na (wir «etaen binsu : v6l 
vostra virtute et fortttudine) aohis senrsita ^ reddita' aunt, 
Studioitu« t«t majore com voluptate) in uaum et fructum con- 
▼ertimua« S. 321« Meura (unda)';wörde doch besser durch.: 
Maaritanlen b e rfl b r e n d , als b e t ? e f f e n d , erkUrt. Das . 
T. 'd. Ni<Ät.Cojra beiftt derBr<udi^r des TibumUa und CatiJ- 
lus, aondem Coras; f. Virgil, Aeu. XT. 604. — S. 322. 
dOrfteeabieidenVartbehtifii anstatt viell eich t aumSchimpf 
ao genannt 9 w'obl Wiien ricbtiger , . . S. SS6. 9* Fe« 
«tidioiam desere copilktn erklirt der Verf. mit d^ «fteUten Er« 
klärern. durch (fattidinm creaittem) ob ipsam rerum isbuudan« 
tiam uaumque perpetuum. Wir möchten es lieber nach denk 
•rWeialicheren Gebrauche dttrcb iuperbire facientem erklären: 
Der Ueber^aCi macht , daDi man an ifii^ einfacheren ^ aber ed* 
leren y Freuden den Geschmack TerHert. » S. S29. v. 17. Der * 
Cepheui ist nicht ein^-Storn itnter dem Sebwfn^e des klei- « 
»en Bären 9 sondern ein grofses aus eilf (nach Einigste aus sie'* 
]>en«ebn} Sternen bestabendes Stern birld, Gestirn. - Ebd. 
T. 2. wfirdea wir bei der El'klärung von borridi die Anspie* 
lung auf das'bälsKohe Aussehen desSyiranus wegstreicbpn. — 
S. 430. V. 7. Da Horas Od. ^ iS^ 06. die 8ere:r von den Ip« 
dem nnterscheidet» ao würden wir lieber sagen^'Serea 
stehe Oberhaupt ßlr das entfernteste Östliche V^k^ von dem 
die Römer Nötis bättem S. 344* v. 6« lIlacrymabiKs pafst in 
der Bedeut'u ng u nli e w e I n t nur au Hör. Od« IV. 9«. 86. Ebd. 

' V. 9; worden wir scilicet jiebe» durch bedenk* es nur, ^Is 
durch ] a «rkliren. S: 345. v. j2t. placens möchte besser durch 
toata, earä,,diücta, als durcfar antabilis erklärt werden. Ebd. 
v. 24« «rklfirt linseres Eracb'tejis Mitseherlieb 4ee bceveqii do« 
minum passrnder durch cujus dominium brave est f als d«r 



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Verf.« obgleich aiicbt uanAkigf tttt DMng l^«vf« rftat, — 
5. 355. n 29. VitU^icbe wamltrfl fleh Mancher» hi«v 
▼oo dem b^Jumutflii Stroit $ ob ouui JUit Ooctaran «dtra« 
praaoiiA frirntthni oA»r T# lM«n «dllf | .dar nmnrlidi dia ILöfSm 
und die Federn der Srkiker la in lkwegung geeeut bat« 
khine'Nertts cenoalaiefi «forden* itt. Wir 'Manen ea bei einem 
Sobulbuche nicht mifiibilUgen. 8. 95$. %%• Aenlto iit doch 
vlelleicht niehtillr lyrico.llbeahaapt SU nehnieaf aondem too 
der ttjoliech «lyr lachen ' Foefie 4 da jdif Aflnier nur dieae« abec 
nicht die aanae griechia«he Lyriic (s.B, die StrophiMlM Feeain 
der Tragiker» Koaiiker und dea FindarM«) .aadiblldett lernten» 
S. 360. V. 7. heilet ea von der Li bitina : «»eine altitaiicchn 
Görtin, welche £inige fttr die Froaerpioa» Andere i'Or din 
Teriua halten» war die Göttin d^a Todea««* Daa klingt wm 
dreierlei Meinungen , von denen die dHtte diW beiden erate« 
ren , faUcben » berichtigen achdlnt. Aliein ea aind dien 
flicht dreierlei Sitae« die einander aufheben oder äuatcbliea^ 
aen » aondern diese ältitalitche IMeagÖttin liibitina iat eben 
Venus - Proierpina » ' wie Creuaer in aeiner Symbolik und My« 
thologie iV. &.83. ff. 98. 117. 161. dargethan hat« Anchltor 
Jünglinge veratAndU^h lie&e #ich diese nothwendige Combi« 
nation vortragen« 

Doch wir achKeraen unsere Anaeige mit der auf Udber« 
Beugung gegründeten ErkUrung , jdafs uns nicht leicjbt eine 
Chiestomathie neeh eiiiem so wohl berechneten Flaue angelegt 
und ausgeFahrt vorgekommen ist» als diese» und dafa wir 
siamcntUch keine lateinische poetische .Chrestomathie kennen» 
die wir für die ahgegebenettiZwecknltfciich^arer filnden» od^f 
dieser vorgehen mdchten. ' ' ' 



JohanH Cmrl Pf^eyMndi Aelfee darsk Ea^a^ Atkn «nd 
Jjrika von dnn IStC 5if 1881 üüh vonihmsMit (?) 
schrhhßn. h Bd. auf KoH:9m^dßS Vwf. 1828. 88e.^. IL Bd. 
jimbarg ffm. 108' ^« . ■ SIL^uad ißtMHr Bd. eitf Kupßrn^ jMarg 
1825. 218 inkl.S» \ . U fl. 

Z'uf Wsrnung bemerke ich kura& . In dieaen drei 98nd- 

chen ist nicht eine einsige Notts, «tis welcher man als aus 
einer eigenen Lebenierfehrung des Vetfassers, eine eigeiithflm* 
liehe Kenntnifs ziehen könn.te» Wäa KenntnU^e betrifft, ist 
ans andern Büchern. Oft aber hilft sich der Verf. durch ein« 
lächerliche 1 rateritionsformel, wie S. 76: »Eine Skiaae von 



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■ » , » ■ ■ 

ZiWorno [Wb dioÄ d«r'Verf/dit AetfcWfirdi^ Tag* 
ftber besehtn SU ^bim^ teriicfeert^} ^i« öiifchtÄ 
y^ohl zvL kleirfltclit w^il« u.» w.* ' Auch 'di* I&tpfer' 
nicht «igen« Zeichnung , «ondeift CöpiertWIäfalet^bilakmÄn 

Schriftefa. ... • ' y .'.'' '^ 

Das erste Btnddie«' eraSl^U ▼dii dertfli*SMihen Gwa^^bte^ 
aber nar «utanmiengetragenef uiid traa tut Eeiae fi^« umi 
gar nicht gehörig. §6 hSlft ifch de# Verf. theil» durth Ein- 
acbiehen alter Historien, theil* durofr Erfindung f«on ZüftU 

led, welche ihitt begegnet ^iijyn aolletl t -öb»«^«*» 4*"" 
charakteristisches^' ihm und dtfn nächsten' Umstftnden eigenem 
lu entdecken ist.- Ueberall, -wa der Verft aich äelbst als r.ei-* 
send und^eh^d eiilmtsahtf^ ist erao klag, Mos ZulUiigket« 
t'en anBUgebeir , dte an aich möglich iind nicht a«* näherer 
Localkenntnila.su pritr^ii airid, weil aie wichta von ei^en^ 
thümlicher Beöbaaheung entbaHen, ' ^ie' im «wetten l%eil. die 
ganze angeblicbi^ .WMdercrna ini J'ordaii^thale ; - woyoo 
eigene Beobachtungenau er£ti&en« intereaaailit genug gewtfiieh 
wSre. £ben so hfitet er sich ^di^da , Wö er mehr von aicb 
selbst spricht, ite. dritten TbeiL^ irohf aolchen e^^^ ßrlahr 
rungen eu.rftden, dfeetwaa'iieöea prftfungswertbes u«d durcb^ 
andere. Frfifungsmittel au bewShrendes geben «köntitwi. ' Ot% 
(man «ehe III. Tb. S. 61. bei Cdttldiii) vetfseteter st^jbalaAua. 
scbreiher in einen lacharHchen'^EntbusiasinnSy' wie ery ei» 

gemeiner Werkmeister, volr ErHinenangen.aua^der' Ura«it 
esKronos ii. 8. Wj, entaflckt .Worden sey. . »Alle ala«« 
„ s i sc b e Begebenheiten' dieser m ytb e vo 1 ] e n 'Insel ranacb* 
^ten vor meinem G^ist^ vorfiher^o «Dagegen ist: er acbläu 
genug y von dem bisYörischen Jetat nichts an«iij|dben* ' S. 44* 
,a Sani't auf den Rücken des In stiller Majestät dahin gleitei»- 
den Nils mich wi^'gend, yersetate fniah der Anblick dieaes 
aeegnenden f ' fruchtbringenden* Wassers, in d i e *M y t h e, d e r 
Vor aehaariftck. . ÖieAegyprier huldigten dedi NU als ekM. 
Gottheit' des Landes. Die. Griechen machten ihn <9Mm Sohn 
dea Ponloa und der Thelossa**' uVe. w. • Tom Jetsigen des 
Müs kieifi Wort! Aber mVOo der-IVlyibe der Voraet^* folgen 
tiocb einige trejffliche Tiraden. Weyend^ will a wischen* dem 
17. nnd des Septembers den Nil befahren haben. Gerade • 
tim diese Zeit härterer tdte NiHlberscbweafmun^ a^4d.ii*auf« 
faTtendsce. auf -allen Üfern be^hadKen mOiaen.« » hr Idfst S^4Z* 
„gerade, in diesen Zettraum tdas Steigen, und SiuiiLe^n .diea«»a 
merkwilrdig4*n Gewissera faHeifJ»«' Steigen und Sttlken, 
äugle ich in ao* wenigen Tagen? Ourch die yereiiiigung 
wollte aieh die (sFnwisaeoheit fadAmr; und värrltb.ai^ aaibat. 



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Denoocb 4«r Verfi für to wicbtig gelten, daft su 
liom'<l«r httilig« Täter« in einem Lebnituble ticsend , ihn 
\linaw alt. £iBe Stund« ausgefragt habe (S. l >2.). »Hin ^e« 
M«cben4 von »Wei Rollen mit Gold, jede funf«i^ Ducaten ent-. 
„haltend y tlberbracbte uns am folgenden Tage im Namen des 
^Pabsloa dar nkmlicho^ Secretär , welcher uns in den Audiene- 
«sa»] gefÖhrt hatte.« Dies heilst doch: in seinen Sack Iflgen 
mmm- nicht so, dais die römische Oucaten hineinkamen, aoer 
wohl die der gläubigen Subscribenten ; die ich deswegen auf* 
merksam eu machen für Kecensentenpflichc halte. Der Mann 
will als Bauverständiger gereist seyn , und seihst hei den 
Kirchen zu Rom, yon denen er aus irgend einem Vademecum 
allerlei bekanntes hinschreibt, weifs er keine Sylhe aus eige« 
yier Betrachtung zu sagen, S. 120. aber von IMarmorgruppeii , 
die als Meis^ter 8 t Ucke von Thidias und Praxiteles 
Koostantin ans A«?gypten habe bringen lassen. 

Selten läfst sich Hr. VV. nur so weit ein. Weil er 
Nichts giebt I kann ihm gew ubnlich auch keine Spur der (Ja* 
richtigkeit dargethan werden. Zu, Neapel ist S. 157. 9>sein 
Erstes, der Natur diu Erstlinge seiner Gefühle zu weihen«. 
Er betritt S. 1 63. sogar mit beiligem Schauer die Plöhle 
der cumaniscben Siliyile, spricht aber nichts von der ilühle^ 
aondern nur von den sibylJinischen Büchern. S. 166> beifst 
.es: »Dafs ich Herkulanum und Pompeji nicht vorühergieng, 
Bedarf wohl ki iner Betheuerung.*« Und somit geht das l' ort- 
. schwatzen weiter. Der \ tri:, kann mit Aristophanes Vögeln 
sagen: Wir haben Nichts gesehen! Desto lustiger zwitschern 
wir in die freie Luft hinein. 

JEinst waren Damberger und Taurinius weniger 
vorsichtig. Sie erzählten so wundersam ^ dals ich ihnen (in 
der damals Jenaischen ALZ.) die Lügen nachweisen konnte 
und, soviel ich weils , die Sächsische Regierung Untersuchung 
und Strafe verhängte. Schlauer geworden , wird hier so er- 
zählt^ da fs nur die Leere an allen eigenen Bemerkungen und das 
Ausschreiben nachgewiesen werden kann. Dagegen ist dieser 
Taurinius persönlich ucnhergewandert , hat Suhscrihenien ge- 
sammelt upd will nun den Getäuschten sogar ein drittes^ nie ht 
unterzeichnetes Bändthen aufnöthigen, worin sein Reisero- 
man, eben so inhaltslos, aus Palästina und Aegypten nach 
Italien und Tyrol zurückschlendert. S. 82. erzählt er selbst 
von einem» „Luftkünstler, auf dessen Gesicht sich Unwissen« 
^heit unf'l Frechheit aussprachen . , dessen mit Riesenge- 
j^duld erwartete Luftfahrt in Rauch aufgifng, der aber in*s 
a^FäustcUen lachend aicfapcL^oa, schlich* Dma er hatte schon 



IpTor.ielp Sttigea dit« Balls das Eintrittsgeld beseitigt.« — ^ 
Jctniin: Munduii vult dedpil So w»hr aber dies ist, dafs 
d{t Welt nirter so mancherlei Gestalten, sich gar zu gerne tau- 
•Cihenlsrit» so will und darf ich dochJlicbt hinzusetzen : Ergo 
dfCipUturS Wem ist nicht das Bessere und das Besser werden 
;an «ch .selbst schon so lieb und werth» dafs er das Verbreiten 
und YerbreiteiilaiMn des Schlechteren und Unwahren piche 
:.voUui.k8nn| aoi^ 4i« erhabener« Pflicht einsieht ^icbt 
dagegeä 'Wäre.?* ' * 

. . -23.. Aug. .1626. . . Dr. P • u l m t*. 



Blbshlätter -polyttehnUshBH InHaltu Btrßuigsgühtn wm' 

Traugou Lebrtcht Haste. L»ijMug und Drtdt» i822 xSW. 

Oer Jahrgang zu 4 Tblr« 12 Gr« 

Diese Zeitschrift, welche in wöchentlichen Nümmern efb 
6cheint, verdient den obigen Titel nicht ganz, da sie mehr 
cominerciellen Inhalts ist. Atis'dem rein technisrchen Fache 
enthält sie wenig Originalaufsätse, und^mebr Cariosa| die aus* 
andern Zeitungen entnommen sind. Desto rdicbbaltiger ist 
sie aber an mercantilischen Nachrichten, und ale wird beson« 
ders jenen Kaufleuten , die: im Flul'sgebiete der £lbe wähnen^ 
eine sehr erwünschte LectCtTe seyn« Sie enthält BÖrsennälAp- 
richten und Handelsbericbto aus verschiedeiien'HandelistädiVki, 
£in- und Ausfuhrlüten, ScbiiF^nachrichten, Cöurssettel,-* An» 
zeigen von Auctidnen n. s. w. FOr solche Nachrichten, die 
nur einen vörttbergehencten Werth haben, ist eine eigene Bei« 
läge, kleine Bdrsenliste«« genannt , hestrmmt. Nebstdem 

fiebt ate unter der Aubrjk „Kunst und Wissenschaft^ Wel 
nteressantes über Geographie n'nd Statistik, und unter «inelr 
anderen ^ Nützliches AlierJei« anziehende und selbst unterhal- 
tende Lesefrüchte aas anderen Zivftungt'n. Dieses ;susainiuen- 
'genommen läfst wünschen, dafs die polytechni^hert Elbt^blät« 
'ter noch recht lange fortbestehen mögen. Sie w<ßrdtin auch 
für jene Personen, welche das £lbe- Commerciun« nicht zu- 
nächst angeht , durch ihren übrigen Inhalt belehrend und io* 
teressaat seyn. 



\ 



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N. 63: ■ , 1826. 



.»1 »«"r -ij 



• »■«.• • 



• Heidelberger • ' * - 

Jäürbücher der Literatur. 



Dr» .MM:rtim 'Lt^th^n Briefe^ Seadiehrtihsn rnnJi- Mb» 
Jtejtk^n^ voHständ ig , aus dsn ^Hrsdäedtnßn Atugmkn S9k» 
^ nsr fPnrkß und Briefe , oirf andern ßUchern und noth unhtnutMtm 
' 'Uandgehriften gesmunyfUf krititch und hiuorhth hearbtkei vom 
Wiielm Marti» Lefmr^cht de fp'ttie, Prof. d» Thsol um 
' heutig > /. TA« Luthert.Brieft bU .za'sginem jiufenAak auf 
i^Warthurg^ nehit Luihtrs Bildnijs. ߧrUn ^ M JM^ 
. vier, 181«« 605 ^«'-ui 8. % Tblr. ftO Gr* 

• Im mer'mehr, so oft wir cliaraktei IstJsche Geistes «Er« 
Zeugnisse eines tüchtigen ManiK s erneuei t seihen | macht sich 
Her Gedanke gnlttMicJ : Das wahre I ) e n k in a 1 c i n e s D e n 
kers ist da s"^ von ihm CtMlacht»-! Dieses zti verewi- 
gen , dies^'S ausged'-hnt fortwirken zu machen, ist für die ihn 
verehrende die eigentlichste Aufgabe der Achtung und der den- 
kenden Dankharkeit. SrJhst Bildnisse von solclien Vor- 
i'jiünnern wünschen wir ja nieist nur deswegen, weil wir das 
Charakteristische, den Ausdruck des Geistes, auch in dem, 
was der Geist v^ornehnilich ausxulnlden scheint , in dem Ge- 
richte und der HaltuuL^, ork^nnen zu lernen n ünsihen. 

' Möchte doth vorerst diese Ausgahe kleinerer und desto 
kräftigerer Schriftdenkniale des Grolsen Kefortnators schnell 
hinter einander vollendet erscheinen. Er ist der Jleformator , . 
Welcher , wie Ree. dieses Ha npt verdienst in «einer Rede auf dar 
Reformationsjuhilaum hervorzii hehen gesucht hat, nicht lilos' 
für die Theologie, sondern auch für jjhilosophische Befreiung 
von der Scholastik, einen Umschwung Ije wirkte. Ebender- ^ 
selbe wurde ferner Ffir den Arrfang eines vernünftigen freien 
Staati- und Kirchenrechts, ftir die Autonomie der teutschen 
kleineien Staaten (wo, wenn sie alle nur xugleich als Bund 
das gemeinsame Zusammenwirken für den VVohhtand de» 
Ganseh beschleunigen, das Einzelne desto leichter überblickt, 
desto unalihänaiser nach Localmitttfln und Localhedürhiisseri 



geordnet werden kann) auf lange Zeitfolgen hinaus von einer 
Wichtigkeit, die sieb auf iceii>eii andern welthisfo ischenMann 

XIX* Jaiirg- Heft- 6^ ' 




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834 Luthers B4ef«> I« .Tb« bis zur Wartbunr. 

• • . , • ♦ - 

■ • * 

eben so coDcentrivt zeigen Itküu £men solchen in allen seinen 
Zügen » in allen Ausstrablungen s«ines Gtttstes, aüx Auh naua 
zu betrachten; welcher Gei^^sgVnui's! welch«* Ffllle von Bi;- 
lehtung^nl welche Meng^ und Kraft neuer Anregungen ! Hier 
wurde £poche gemacht 9 hier dem an Hfluden uiid Ffifscn mit 
den patristischen Binden der UnuiQndigke et um wondenen La- 
zarus der geistigfreien Christuslehre wunderthSttg zugerufen: 
Machet ihn los und laaset ihn' selbst wandeln ! 

Mdahte doch ebendeswegen der umfassendere Plan des Hrn. 
Dr. de Wette, allea von Luther so viel kndgliich «u sammelD, 
eben SO kritisch zu- berichtigen , zeitgemäis und sich .selbst 
erlfiuternd zu ordnen und mit so kurzen auserlesenen Inbsltc- 
anzeigen , Ueberblicken und Winken, wie hier geschehen ut, 
verständlich und anwendbar- zu machen, zu gleicher Zeit kräf- 
tig erneuert -Uiid durch' eine allgemeine SuoMnluug fflr L« ctthers 
-Geisteaden'kmal, unter Garantie der bekanntlich so soli- 
den und nichts bloa hundwerksrnSr^ig unternehmenden Buch* 
hatidlung, rasch vorbereitet und ausführbar gezeigt werden* 
Donk afleii, welche Luther» Geist immer wieder aufs neue 
fiber einzeln^ Funkte des „Kampfs zwischen Liehe und Finstef- 
nifs*^ mit mächtigen Schritten (nicht aber am zerfaserten Gin« 
g^lhand achwacbmtttbiger Andächtelei) hervortreten machen* 
^ber all diesea Einzelne beweist out um so mebr, wiewfin- 
achenswerth «iae möglichst verbreitete Erscheinung des Gun« 
sen wäre, wenn dadurch, nach Löschers allzu bald unter- 
brochenedft BeispieJ , Jahr für Jahr das Werden der giuIVeii 
Geist esunternehmung in ihrer ganzen Öenesis »- auch duccli 
vielea von den seltenen, gleicbzaitigen Mitwirkungen ^adatt 
beleuchtet ,. vor uns uAd der Nachwelt dastehen könnte. 

Auch hei dem diesmaligen Wiederlesen hat sich Ree. 
manche psychologisch «pragmatisdbe Einsichten 'in das geistig« 
und zeitliche Entstehen der gi olsen „ Umi'orniung und Wieder- 

festaltung der chriatlich -religiösen Geistigkeit und Leben«- 
raft'< gewoniieu oder erneuert. 

Luther deutet (S. 577.) in einem Schreiben an seinen 
Landearegeaten , ChurfOrst Friedrich selbst (1521. um Ju' 
dica) , vorz äglich darauf , dafa eine Zeit g e k o m m e ii f , 
wo die Schrift und alte Lehre wieder her vordr i ngcu 
und ^man nunmehr in aller Welt anheb» zu fra- 
geuy nicht was^ sondern warum dies oder daa ge- 
sagt warde« Was die römische JCirche ohne Grujidsage 
und bandle, würde duixb sein Widerrufen nicht Grund hf 
kommen* Gern wolle er einen Widerruf ihun, wo in ^'m^ 
StiXÖi sein Irjrthum gezeigt werde. Denn alle Stück strak^ 



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I 



bcarb«itet ron Dr. d« WetMt 



widerrufene mag nit geschehen , di«ir«il di^Kircb fchul» 
d i g ist, Ursach ihrer Lehr z u gehetif al« Sanct IVtcr 
^ (l £^ptst. 3, ji^.) geheut, und verboten iiK manclii'ai* 
tig, (lale man nichti annehmen. aoll, et avy denn 
proh i er c; ala Set Paulua i Thuaa. 5» 2i. aagt,<« 

Diesem allen Arten und Aharten dea AuctorltStglaubent 
ao unleidliche Beweis - und Grund -fordern , dieaes Fragen: 
warum? wodurch (las für viele ao achwerverstSndiiche VVort 
vom Denken und Selbstdenken recht f'ai'alicb . lind wie ea enfe» 
ateben soll , genetisch deiinirt ist, iührCe nun den Foracbef 
Lauptsächlicli auf'daü dem üri^hristenihum gleichseitige Zeu^« 
nila dea achriftlichen Evanneiiuuia, im Gfgenaata gegen d|e' 
ULIS dein pl;ariaüiiich«n iiahhinismus (s. L*£mpereur Clavia 
Tabnudica. Lwgd. B. 16^40 in christliche Kirche berCber* 
gekounnene Anltflnglichkeit an mündliche , änfaerat verSnder« 
liehe Traditionen. In diesem Gegenaate war immer dat ent« 
acbeidcndste die negative Frage; Wo atebt davon etwaag 
daia in der Christuskirche wieder ein« jüdi^chartige, phari* 
afiiacb-^rit^sterliche Mittlaracbah eintreten dürfe awiacheo 
Gott und den Christen, welche vielmehr alle aelbat Prieater 
aeyen (l Petr. 2, 5.^ • wo« dafs in einer teitlicb gewflblten 
Kfihe von römischen Biscbdfen diese amtlich ehen daa aeyil 
aollten und konnten, waa Petrua peraönlilch wart u* 
dgl. in. 

Sollte demnach die Schrift (dieae fast gleichseitig gescbrie« 
bene Tradition) Zeuge aeyOf waa urchriatlicb war und waa 
nicht» .ao mufite LiUther, wie er oft genug tbaty darauf drin« 
gen, dafa ndie Schrift aeyn mOaae un-gebunden und 
über alle Dinge frei (S* 697.)»-ao dafa ea in keine* Men« 
' acben Gewalt a.tehe» aich deaarlben heiligen Gotteawofta au 
Jbegebei} öder demielben menacbl^pbe Ausleger vorsuaetzcn, 
wie grofs , gelehrt und heilig aie immer aa^n mOgen.^ An K* 
Carl V. acbreibt lautbar (S. 591.):^ hoc unum nonpotui ohti« 
nere cbristianiaaimum aane votum , ut .verbuni Pei btifti Übe« 
r.um:«t Ul iget um per^naiieret. iJnd weiterhin: ygfhtan Dßi • • 
cum ait super omnia, d^het »in omnibus« libjgrrimum et illigatum 
haberig^ ut Paulua docet. £t In Aamono wrliitrio nunqaam jwsUum 
g$t 9 Htf^ im^nntMre In p4rie^itm suhjifißfs , quantaSAet magmtu^ 
dine ^ 'nuUtUudm§ docuina^ tan€tUaiaqu4 prMfHfiUme homlno* • • • 
j^ec siU ipsi quisqaam ie«e aubmitterepoteat, dicenteSalomone: 
Siultu* 9M9 qid eomfidU le ßOrde^tuo« 

Nicht immer apricht Luther bestimmt genug aus, wie er 
aich dieaea Ungebun40n««y^ der Schrift und . ihrer 
Auflegung, »ftmlicb dea m abliebst lachkundigen und ge« 

fi3 * 



836 Luther« Briefe. I« Tli. bis s'ov Warü>urg. 

wUienhaften Forschers ^eSheit von irgend einem sunt .voraus 
vorgeschriebenen Aestt] tat 9 dennoch ohne Frechheit und * 
' Willicührlichkei t in der. A uslegung denken konnte. 
Nothwendiger Weise aber wurde Luther, indem die Schrifcaus* 
legupg nicht an rörgefafste Entscheidungen der Kirchenlehrer , 
Conciften und Päbste gebunden seyn sollte, zu demGrund- 
atfts hingetrieben: Jedes Zeitalter hat die Scbriftauslegungs« . 
mittel alle, die es au erreichen Vermag , ,sur Vergewisserung 
des Sbhriftnnns so gut ansu wenden , als es sodann ihm mög- 
lich ist, ohne data irgend ein arideres Zeitalter für alle folgende 
deh^Schriftsinn unverbesserlich entschieden und darttber etwas 
einer Kirche unabänderlich aufgeildthigtes abgeschlossen ha* 
ben darf. 

Hierauf vornehmlich beruht Luthers Frotestiren g(?gen 
das Utiber maafs von ikuct ort täte n, jdie zwar su achten 
und nach' ihren Gründen sii erwSgen^^nie aber als stehende 
Vorschriften su behandeln sind. ' 

Daher liuthers Gegeiysatz in dem Schreiben an die 
'Retchsffirsten nach. der Wegreise von den grofsen Tagen 
des öffentlichen, gefahrvollen Beken^itnisses zu Worms (S, 597) : 
^In seitlichen Uingen, die Gottes Wort und ewige Güter 
iiit l)atreffeQly sind . wir schuldig unter «inander su vertrauen | 
angesehen, dafs derselben Dinge Begeben , Fahr und Verlust^ 
die wir doch suletst müssen fahren lassen , suderSeelig- 
keit' unschSdlich sind. Aber in Gottes Wort uiid 
ewigen Dingen kann Gott nit leiden^ dafs man sich 
frei n.eg'eb und.erw.8g (erleg? reponat) auf eiti oder 
viel Men sieben — - sondern allein auf ihn selbst • . 
Denn also vertrauen einem Menschen , in Dingen ewige See* 
ligkeit betreffend, das ist nit. anders, d^nn ans den Greaturen 
einen Abgott machen und sie in die rechte eigene Ehre Got* 
tes SU setsen«** * • 

In diesem Sinn sagt auch sein Sehreiben von 1520. an 
Fabst Leo X (S. 5i3.) ^ »»Dafs ich aber sollt widerrufen meine 
Lehre, da Wird nicbta aus . . Dazu mag ich nicht 
leiden Hegel oder Maafs (d. i« vorgeschriebene Aueto« 
ritSt für die aus der Schrift su erhallende Resultate) die 
Schrift aussulegen, dieweil das Wort Gottes^ 
das alle Freiheit lehret^ ntt soll oder mufs ,ge* 
fangen sejrn,« • 

. Unter Freiheit aber, verstand Luther allerdings nie 
Frechheit^ nie Willkührlichkei sondern den rück- 
sicbtlbseQ, gewissenhaften, eben dadurch moraliachfreien Ge— 
brauch alier anwendbaren mdglichbesten Mittel und Kräft der 



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bcarbeiltl von Dr. d« Weilt» 

9 



8S7 



Person und d^t Zeitalters. Dieser Sinn wird noch deutlicher 
flurcb den lateinischen Ausdruck ehenderselben Stelle (denn 
Luther schrieb jene Zuschrift an Pahst lieo absichtlich in bei« 
den Sprachen). Sein lateinischer Text (5. 694-) *agt : Porro 
ffoiinoäiam ut canam, beatissinie Pater , nonßst^ quod ullus prߧ$u* 
matf nisi aialit| adhuc majori tarhine cauaatn involvere. Dein« 
de l»g9$ inttrprHattäi v^rbi Däi non potior , Guui oporteat verfem 
P$i esse nois ulligatum , quod Ubertatem dQcet omniun 
aliorum. 

Bia dabin nSmltcb war nun, jiachdem die Kirchenväter, 
bischttflicbe ConciU«n und Pabat« durch ihre Bibelauslegung 
ao vtelea acbriftwidrige «ur ohrittlicben £rblehre und zur V or. 
acbrii'c, w'aa in der Bi hei ala Cbriatualehre gefunden werden 
mfkfate nnd nicht anders gefunden werden dUrfe, gemocht hat- 
ten , LfUtbers gesunder Verirand getrieben, daft er einsah und 
forderte: dogmatische Gesetze, waa aua der Bibel als ßibel« 
ainn und Lehre hervor erklärt werden maftte, dürfe es keine 
geben. Frei, daa ist, ohne cum vorana gebotenes Resultat, 
inQsse der Bibelsinn gefunden weiden, wie er jetzt und je- 
desmal durch Anwendung der in dem jedesmaligen Zeitalter 
anwendbaren. Krttfte und Kenntnisse und logisch erweislicher 
jnterpretationsre^fln zu finden »ey. Mit einem Wort: Durch 
den Mifsbrauch der kirchlich gebotenen Auilegungsart und 
Lehren war Luther au der aligemein verständlichen und ver* 
atSodigen Einsicht getrieben , dafs, ebenso wie in allen an- 
dern Fächern von Geschäften und Kenntnisseu, auch in der 
Keligion (der Erkenntnifs vom Verhältnifs der Menschen zur 
Oottheit) kein Zeitalter dem andern eine Gesetzvorscbrift, 
was als wahr gefunden oder vorausgesetzt werden müsse, ge. 
hen dürfe. vielmehr habe jedes Zeitalter nach dem Muafs 
seiner Mittel,' allerdiiigs also auch unter Benutzung der Vor- 
zeit, aber ohne dadurch gefesselt oder gebunden zu seyn, das 
. "Wahre überhaupt und so auch den wahren eigentlicheji Bibel« 
«inn und dessen Beziehung auf die Christuslehre zu suchen 
und -—versteht sich, gewissenhaft und mit Anstrengung aller 
Kräfte — zu ßnden« 

Das wirklich wahre hleilit zu jeder Zeit wahr. Wer aher^ 
wie Kirchenväter, Bischöfe, Concilien 'und Päbite, sich aelbat 
|>ereden kann, ein Geaetz ne!)en au I^Onnen und zu dürfen, 
^pircs den Nachkommen wabr bleiben müsse, heweiat eben da- 
durch, dafs er die Natur der Wahrheit nicht kannte, die aicb 
immer aufa neue selbst beweist ufid legitimirt. Gerade wer 
dat Wahre geietslich voricbreiben sadcönnen meint und an« 



83d • Luthers Briefe. .1. Tlu bis sur Waviburg. 



rathetf leigt» wie weit er vom richtigen Ausleger und von * 
einer Gesetzgebung für das Wahre entfernt ist. 

Nicht Gesetze, was für Resultate gefunden werden mfll« 
•enf wohl aber die sieb selbst jedesmal Und immer aufs neue 
erweisende Verität des regeln der Auslegungskunst und der 

' Wahrbeitforscilung überhaupt lernte Luther , Melancbtbon 
nnd wer ihresgleichen seyn strebtet anerkennen. Da- 

.durch wurde Liuther frei von dem — immer wieder tbeili 
durch Unkenntnifs in der Forschungskunst und den Foracbtingt« 
mitteln, theils durch Herrschsucht eine Rückk'ebr versuchen» 
den, von den Priestern aller Zeiten und Völker verbreiteten — 
Vorurtheil : alt ob allein in Sachen ^ler Religion das Wahre 
ändert^ ala in allen .andern Gegenständen.- der menschlichen 
Üeberae'ugung su sucl^en und su finden w^re* Ist daa Wahre 
durcb ein altes oder neues Gesets für immer ausgemacht , so 
wftre nichts ^Vk thun übrig, als vorerst der Beweis , dafs jenes 
Geseta ein für allemal entscheiden durfte 9 und dann eine am« 
merwäbrende, bucbstflblich gisnaue Wiederholung des getfeta- 

k liehen Credo. Und somit , wSren die protestantischen* Kirch- 

femeinden aller iitt^ wenn eleic& nicht nach dem gesammten 
lehrinhalt, docb -nach dem Hauptpunkt» dem Grundsats und 
dessen kircblicheir Anwendbarkeit , unvermerkt antiprotestan« 
tisch und rflickscfar«itend patristiscb - katholisch« 

- Gewöhnlich macht man sich die Einwendung : Wo bliebe 
dann die Kirche? Ohne heatimmta (also am £nde; obne vor* 
geschriebene) Glaubenslehren hält» so meinen viele » kein Re« 
ligiorsverein als Kirche zusammen I Grundsätze und Gesin« ' 
Illingen sind zur Ktrcheneinheit nicht hinreichend ! 

Wäre dies; so mflTste. der Protestantismus in «einem 
obersten Grundsats selbst das kirchlicbe Verein tseyn unmög* 
lieb machen. Aber eben so mOfsten alle die ersten Yereini« 

fungen der Christengemeinden 9 all, das Entstehen der Ur« 
irrneuf^nnmdglich gewesen seym Denn ijiit einem auch nur 
«u einer ket^iietiscben Glaubensvbrschrift geordneten Glau* 
beneinbalt sehen ;wtr Paulus nicht su den Oalatern , su den 
Korinthiern u. s. w. gekommen. Der Fundämentalsat« 
war 1 Kor, 3, il,- „Jesus ist der Messias«* vergl. JesuSymboi 
Job. 17 f 3. Darauf konnte von manchen fin mehr oder weni* 
ger baltbarer Einbuu oder Glaubensinhalt folger ungsweiae 
versucht werden; s. Vs. 13 15. Aue)) in späterer Zeit 
setKt der Rdmerbrief su Rom selbst nichts dergleichen vorge» 
seichnetes voraus« Der Grundsats» dafs Jesus der ächte Lehr- 
regent von Gott sey, welcher die Gesinnung, nach a^ineni 
Vorbild in dem Verhältnifs sur Gottbeatr, als Geist^ als heilig. 



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iMtrWtet ?oo Dr» de WctU. 8S9 



alt Vater f denHf was dieser Gott wollen icann, gemSft und 
gotteewDrdig 7a\ It^hen, Ober alles hervorleucbtvnd seigte^ 
dies war der Maafsstah der lieber ugangs treu« 
(der y.avcüv ry,; t/o-t««? 2 Kor. lOf 13 — J6. Gal. 6, 16, die re- 
giila fidei), Hie Analogie Köm. 12» 6* oder Verbflltnifsmllsig« 
keit und Gleichformigkeic, nach welcher man willensver« 
derb]icbe Lehrrfieiiiungen i Tim. 6« ^ — 6* ahtchiedf an» 
dere aber, als Versuche, sieb über feinere Aufgaben mtk flberw * 
zeugen, ei;iander nncl.i^ab, so lange dabei einer dem andern 
Begeisterung fflr das HtriÜge sutrauen konnte 1 Kor. J4f 39« 
Und sorist es zu allen Zeiten möglich und gerade das beste. 

In Wahrheit aber wird eine einender nSher gekommene 
Ansabl von Kirchengemeinden (sey ei eine Landes - oder Na« 
tionalkircbe oder eine noch ausgedehntere) gerade durch den 
C evangelisch -protestantischen Grundsata Luthers: ^Man hebt 
an in aller VVelt fragen, nicht was, sondern warum * 
etwas behauptet werde l** am meisten angetrieben stt einem ' 
lebensthärigen kirchlichen Vereintseyn. Jeder etnaelne be* 
greift leicht, da£i ntir in einem Verein dieKrflfte, so mancher« 
Jei Warum mit den jecst möglichsten Mitteln sich klarer nnd 
wahrer su machen , susammenkommen. Sind denn nicht auch 
in andern Zuständen und ThBtigkeiten der Menschheit eben 
dies^ g^g^*^ das Uebergewicht der HerkÖmmllchkeit und des 
Schludrians protestirende GrtindsStse und Gesinnungen , die 
Einsichten und AusObungen des Aichtigeren durch vereinte 
Kriftel Anstalten und Mittheilungen erkennbar und anwend«* 
bar zti machen «"die Basis des Vereintseyns ? In allen Staatsver« 
einen y wie veränderlich sind nach Umstflnden^ und vornehm« 
lieh nach dem Erreichen neuer Kenntnisse oder anderer Mittel, 
dem Hebten Verstände gemSfs, alle ttegiernngs ver or dnun- 
g e n ! Selbst die G e 8 e t SS e , »ind sie nicht iiothwendig , nach 
hetrSehtlicben menschlichen Getatesverflnderungen ^ auch an 
verändern ? Zum Glftck bedarf Jnstinians Codex doch noch 
immer, weil er das Palpabler« hetrifFt, weit weniger Aende« 
Tung, als die Gonciliendogmen Aber das 'Deberainnlichey 
w'^hhe eben dieser in Gesetr.geberei verliebte bysanziscbe 
Machthaber auch so' wie EigentbumsgegenstSnde in eine ete« 
hende Gesetzfprm awingen «u können sieb bereden Itefs; Er« 
der ü'ber die patristische Tiefkenhtnisse : Ob Chnstue durch 
8W«i VVillen oder durch Einen ' Einerlei gotea wolle? und ob 
nicbt aogat def Leib Christi ewig nnvetweslicb gewesen aeyn 
mfilate? mit Gesetzeskraft zu entscheiden, fOr etwas der 
Kirche und dem 'Kelch heilbringendes achtete, vielmehr «.aber 
bewirkte, dafs.die Monotheleten litber Unterthanen [der mo- 



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^40 X«uthers Brief«« I. TU« h'n zur Wanbur^, 

bammedisciten MonotheitUfi wurden , um nicht» als ßaviXmot^ 
Nachsprechet der Ii72an2isch«n Hohheolo^ie werden su 
mfissen. 

Damit aber in deti Staaten immer manches verVesterlich 
werde^ muis es nicht deswegen veränderlich ieyn? Und 
anflssen nicht die denkbare Verbesserungen frei vorgeschlagen, 
aber auch erst nach allen Seiten erwogen und nach Gründen, 
Gegen gründen I Mitteln dndModißcationen voiistäiuiig durch- 
gesprochen werdeil können, während noch zu gleicher Zeit 
das zuvor gutgefundene f'actisch fortbesteht? Nur auf diese 
Weise kann über alles zur Veränderung reifende die Denkh'ei« 
heit und die Gedankenmittheilung ungehemmt in eben so nütz* 
liebe als pflichtgetreue Ausübung kommen, und zu dein Ziel, 
dae fflfigUchbeste von den unpartheiischen stillen Prüfern vor- 
gesehen SU sehen, durchführen. OiFenbar^iet dies bei den 
larsern, viel leichter durch die Erfahrung zu erprobenden 
Staats* und Kegierungsgegenständen das einzige Mittel , das 
Bestehen dea ganzen Veifeins dennoch mit der Ver besserlich« 
keit aller «einer Vei*fQgungen im Einzelnen vereinbar zu ma- 
chen. Nicht irgend die Unabänderlichkeit eines Gesetsbuchs 
. oder Liandr«(cbts y nicht einmal einer Verfassungsurkunde, son« 
dem der Oberste Grundsats der Staatsvereine, die Einsicht 
der Nothwendigkeit äufserer Ordnung und Legalität für die 
innerlidi vervollkommnende MoralitSt, und dann die Ffiicht- 
jeesinnung, für diesen Grundeal» ttherseugungstreu su* hlei« 
'ben, dieses beides ^st da«, was in Staaten alles snsammen- 
bält, während jedes Jetst ein eintgermafsen verändertes Wer- 
den dea Staatssuatandea vorbereitet (omne praesens gravi« 
dum futuri). 

. Und nur in der Kirche aollte nicht verstärrdig seyn» was 
sum Verbessern in allem Andern überall (aelbst endlich gegen 
die Janitscharen) als das verständige'sicb geltend und unent« 
|>ehr]ich macht'? Ein Verein für Aeligiosität t walcber meist 
nur eine pünktlich eingelernte Ausübung gottesdienstjicber Ge- 
bräuche und überhaupt 4as erlernbare HerkÜramlicbe nOtbig 
SU haben voraussetzt, kann befriedigt seyn, wenn etwa al(> 
bergebrachte Stiftungen die für solches Lern^ und Einüben 
nöthige AAstalten erhalten. Es soll und soll ja« so viel ordg- 
lich, das nämlicb« Jileiben. Undesist^ wie die Absoluta Apo- 
stolischen «Freunde der Inquisitionswiederberstellung ganz 
richttg^ahnen « ein gewissermafsen gefährliches opus aoperero* 
gationisy im Unterricbt'fflr folgende Generalionen neue. Kennt» 
nisse -mit dem Alten erst in V ergleich ung treten, zu lassen. 
Wie-spreebend ist nicht jant aine« Omarl würdige Seotens: 



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Wacbtüet ton Dr. de Wette, Ö4l 

dafs alles t\brige entweder mit dem Koran übereinilimme oder 
ihm entgegen wäre , dafs also der ganr.e AlexaiidrinificheBüciier- 
schätz als zum wenigsten überilüsÄig, odtr gar als verderblich 
immer brennen möge. Weswegen denn auch die mohamme- 
dischen Chakiiiis Lind Ulema's, wenn sie mehr als Kcjran und 
Sonna einlernen, eben so wie die Rabbinen, wenn sie nicht 
blos an Thoiah und Talmud sich gewöhnen, ein geiUhrlichet 
Zuviel wagen, welches ihnen der Verein r.ii d.mkt-n und det« 
wegen zusammen zu halten keine conseqtiente Ursache hat. 

Wie sehr ist dagegen jede Anzahl von l'rotpstariti'n , 
vvelche die jedesmalige Fortschritte der Zeit in Kenntnissen ^ 
in der Wahrheilforschung und in der Lehrart nach Grundsatz 
und Gesinnung theils zu Berichtigungen altpr Auctoritüt, 
theils um aut die zeitgemlifseste Weise sich überzeugen und 
erbauen zu lassen, all unentbehrlich achten , sum kirchlichen 

,Vereint8eyn und Zusammenwirken angetrieben. Kiichlich 
vereint wollen sie gerne aeyn, nicht nur damit in torti Ock' n- 
den Anstalten die mancherlei Lehrer für wisscMischaltlicheu 
und für Volksunterricht über alles religiöse, studirend (nicht 
l>lo8 einlernend), gebildet, sondern damit durch vereinte 
Mittel und Bestrebungen auch alle Gemeindeglieder zum Theil- 
nehmen - können an dem Geistig - herzlichen der kirchlich - ge- 
nieinscbaftlichen Belehrung und Andacht von Kindheit auf 
vorbereitet, und durch alle Lebensalter hindurch hingeleitet 
und aufgemuntert werden können. Sogar abgesehen von dem 
eigentlich religiösen, den Willen bessernden Inhalt ihrer 
kirchlichen Gemeinschaft, wirkt schon das darin geübte Vor- 
herrschen des praktischen Verstandeagebrauchs , die Ange- 
wöhnung, durch „Warum** Ueherzeugung für Vervollkomui- 
nung in» Leben und Wirken zu erbalteo« in vielen durch pru- 
teatantifcha^ Grundsätze und Geilnnungen suaammenstimmen- 
den ao geistbildend zum allgemeinen Verständigwerden , dafs 
ein umfassenderes Nachdenken unmöglich noch die Meinung 

' annahmen kann , ein solcher Kirchenverein würde sich, w^enn 
er nicht auch durch «in gewisses Binden der Verständigkeit 
an Dogmen ausammengedrängt würde, nicht in jener edel- 
willigen Gemeinschaft erhalten. Ist doch diese zu Erreichung 
dea Grundsatzes , au jeder Zeit in das mdglichbeste von Kennt- 
Ulis und Befolgung der Christuslehre eingeweiht und geleitet 
SU werden » von jedem als unentbehrliches Mittel zu erken- 
nen. Auch wird alsdann jt'der Einzelne in der Theilnahme an 
möglichbester fiberzeugender Belehrung und Erbauung eben 
durcb die Gemeinschaftlichkeit Vieler dßsto froher und kräf- 
tiger ermuntert« • Kura^ Grundaät«« imd Uetinuungen 



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0|2 IiUtlien Bciefe. !• Tli, bis xur Wanbucg. 



die Felsen, auf denen ungebunden jedes christliche Kircben- 
wesen fester ruht, als auf irgend einzelnen Lehrausbildungen 
o'ler L/eiicgehäuden , am wenigsten auf solchen, die sich nicht 
durch innere Macht der Wahrheit in der üeherzeugung der 
Nachdenkenden zu erhalten vermochten. Nicht von irgend , 
t'iiu>r gebundenen Auslegung spricht und gilt Luthers Kraft« 
Wort: Verbum Dei man et in aeterni;m. 

Entstund nicht vielmehr ein Punkt, in welchem die red- 
lich forschende Folgezeit am meisten von L#uther abweichen 
mufste, und welciier endlich erst nach dreihundert Jahren 
durch die Union d*:r reformirten und lutherischen Kirchen aus- 
geglichen worden ist, ehen dnber, dafs Luther das, was seine 
Auslegung war , für Gottes wort seihst nehmen und daran 
binden zu müssen meinte ? Mit inniger Hochachfing seiner 
Gewissenhaftigkeit erkennt, wer ihn psychologisch zu fassen 
vermag, wie schwer es für Luther, nach seijier eigenen Er- 
klUriing, war, das nicht auf eine oifenbare Entdeckung Jesu 
gegründete, sondern blos durcii auslegende Schlüsse zum 
Kircbendogma erhobene Wunder der Wesens Verwandlung 
(Transsubstantiation) als nichtgeofFenbart, als eine uienschlich 
bindende Schriftauslegungy aus seinem gottandächtigen Gemü th 
SU entfernen. Dagegen war in ihm dennoch die Angewöh- 
nung übermächtig, etwas geheimnifsvolles und wunderl)area 
in jenem Ist und in numchem ähnlichen vorauszusetzen. Be- 
hutsamer zwar und consequenter , als mehrere Kirchenväter 
tind Scholastiker, blieb er dabei stehen, jenes wunderbare 
Seyn, gerade weil es ein VVunder, also unerklärbar, seyn 
müsse, nicht erklären , das heifst, das Wie nicht bestimmen 
zu wollen. Eben deswegen nannte er die äla unentbehrliche 
Auslegung gedacht^ leibliche V^ergegehwärtigung eine „sacra« 
inentliche«-*, weil er sie, als ein. beiliges Gebeimnifs'« nicht 
zu erklären wis^e oder, wage, und weil sie, einzig in ihrer 
Art, einzig in diesem Sacrament wirklich werde* Dennoch war 
es, wie man nun nach und nach' «ingesehen hat, zu bedauern, 
dafs Luther hierin nicht genug an die üi-'gel dachte: wo ein 
Weiser Lehrer nicht andeutet, daXs seine Worte einen verbor- 
genen Sinn enthalten» da sind sie höchst wahrscheinlich in 
einer aUgemeill verständlichen Bedeutung zu nehmen 1 Noch, 
mehr aber war es drei Jahrhunderte hindurch zu bedauern,* 
dafs in diesem Fall Luther, s^^ines höchsteiiV wahmn Grund- 
satzes von «ungebnndener'< Scbriftaualcgung . nicht eingedenk 
genug, mit so viel Heftigkeit seine zum Mysteriösen sich hin- 
neigende A u s 1 e g u n g auch i'ür.den philologisch vorartbeils« 
freier gebildeten Zwingli ma einem hindenden-'OiEeah&fangt« 



Fifigil ynm Laftdraek»« 



jodet Gottwwoit oiaeben sn mt$99n mtiiir«, Warcn tf 4och 
Hie S«lb«tilenk«ndereny welche das, waa alt Ji^u Wert Olufr» 
liefert« tHud v<yn Jeiut niciit alt Gegenatand eintr «;«:>heiineii 
Deutung he^eicbnat iat, oiit Grund von j^l^ni Atislr«^iiiigs« 
versuch 9 betondara von Verwandlung dea Nichtgatfftnbarten 
in ein Offenbarungsgebeioinifty su unteracbeiden gleiche Ge* 
wiaa«nhaftigkf it ttbten» 

Dank aber dam einmal richtig erkannten Gf n ndiiats f dafa 
die Scbriftauilegiing ungebunden, daa tat, nicht von vorge« 
acbriebenen Resultaten y aondern von der jedeamaligen mdg« 
Ifchltesten Kenntnifs j^des Zeitalters abhäng^'n mOsse! £ben 
dieser Grundssts Luthers hat doch den protestantischen Kirchen 
die freie Kraft gesichert 9 verfehlte Anwendungen redlidi au 
berichtigen.' Nur weil endlich die Schriftaiialcgimg wieder 
von dem Gebundena.eyn an vorherbestimmte Aesnltate frei 
wurde, konnten die GrOnde und GegengrUnde der möglichen 
Auslegungen so weit otfen dargelegt werden , daft endlich auch 
die Mehrsahl der nacbd^*nkenden Kircbengenoasen klar sehen 
und die erwQnsthte Union auafohrbar werden konnte. 

Hat denn aber nun das, was als oberster protestantischer 
oder forscbangsfreier Grundsata unsre Kirchenunion mOglich 
nhachte, hat dieaea Freistellen der dogmatischen Auslfgung 
etwa die Kirche gef^hrdot? Hat ea die Kirobeneinheit und -die 
N*rigung fOr kirchliche 'GemeinschsftHchkeit geschwächt? 
Auf Luthers erster Forderung : die Schriftausl^-gung dsrf nicht 
gehundan^aeyn ! sehen wir vielmehr-, steht dt« unirte Kirche 
desto kraft iger und fester. Und j^r vollständiger Lruthers 
Werke studirt werden, desto voller wird diese th^e genial« 
Wirkung seyn. 

* Dr. P M u t m t*' 



Venuch emer WidwUgung d^r Uikr9 ' wm Druck» der Luß* J5ui« 
•physUaiischB Jhkamdlmng mit htuorUchtr Emlektuig von Julius 
Pidg'fl, X,el|M% 1826« 54^.8. 8 Gr« 

• 

Ref, studirte |*ger?de eine tiefgelehrte Abhandlung von 
einem verstorbenen englischen Physiker, ala ibm^daa vorlie« 
gende literSrische Froduct gebracht wurde ; die Neugier trieb 
ihn, dasselbe tu lesen und erhielt hierbei wirklieb Jus zur 
32sten Seite aus, um einmal mit eigenen Ai»gen au aebei», 
i^ie man die leichtesten , bekanntesten itnd offenbarstet» phy« 
«icalisch'en Wahrheiten auf 'den^Kopf-su atellen vermöge. Bei 



* 



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844 Flagf^l yom L«ftdni«ke» 

I 

1 

dem Ueherblick«n .des Aettet 'erwachte der EnUcblufs^ einige 
Worte darüb ftt niederzuscbreiben 9 weniger eine Kritik he- 
»weckend, als vielinebr ein warnendes Wort »u eeieer Zeit. . , 

Vor allen Dingen ist Kef. weit entiernt, * dem jungen 
Verf. zu. zürnen, vielmebr will er allerdings, seinem S. 54. 
geSufserten Wunsche geraafs , mit ihm Nachsicht beben, ja er 
^tebt ihm selbst das Zeugnifs der Bescheidenheit» und glaubt^ 
dsfs er aus Ueberzetigung geschrieben bat. Aber an eben 
dieser Stelle sagt der auch, dala tausend ebcwardige 

Männer das Gesetz dea Luftdruckea annebuvsn; war es ihm 
denn nicht mdglicb, nur einen von dieaen um die Gründe 
aeiner Meinung zu fragen ? oder konnte er kein ausführliche» 
physicalis^hea VV er k erhalten , worin diese Lehre vollständig 
mit den ganz unzubeaweifelnden Gründen ihrer Richtigkeit 
ausführlicher vorgetragen ist, als jn blofsen Gompendien, 
welche eine weitere mündliclie Erläuterung voraussetzen? — 
Ferner hätte der Verf. doch hillig üherlegen sollen, dafs. mit 
der Umstofsung dieser Lehre und der Begründung seiner neuen 
von der Wechselwirkung der Anziehungen und Abstolaungen 
so viele andere suaammenbängen ^ die er zuvor nothwendig 
vetflich^ Studiren mhfstl», ehe er es dreist wagen durfte» die- 
aea einzelne Gesetz umzustofsen. Statt dessen giebt er, wie , 
gewöhnlich^ sogleich ein allgemeines Schema» welchea eigent» 1 
heb die ganze Maturlehre retormirt; wie konnte er aber gku« 
be.Q, dais.von den vielen ehrwürdigen Männern, welche De- 
<^ennifl|n des anhaltendsten Fleifses und Nachdenkens auf diese 
VVisaenscbaft verwandt haben, keiner auf einen so leichten 
Weg gerathen seyn sollte. Darin besteht aber eben das Ver» 
derbiicbe der jetzigen Modeschriftstellerei dieser Art, dafs ein I 
jeder glaubt, sein Gedanke aey durchaus neu, tind npch nie- 
manden in den Sinn gekominen, und dann steckt ein soicbea - 
Beispiel mächtig an, wenn über einen Einfall dfeser Art so- 
gar ein Buch geachrieben wird, ohne ilafs der Verf. aich die 
Mühe giebt, erst dasjenige kennen zu lernen, was über die-% ' | 
selbe Sache schon geschrieben ist. So ist denn auch unserem 1 
Verf. ein ähnlicbea Buch in die Hände gekommen, nämlich | 
Köttger's Eleraentarphysik und Physiologie, worin viel | 
über Physik phaniasirt wird^ wovon aber Kef. nicht einmal 
80 viel anhaltend lesen konnte, als in der vorliegenden Schrift. 
Eine andere Autorität eines berühmten Schriftstellers, welcher 
die Lehre vom liufcdrucke gleichfalla neuerdings verworfea . | 
bat, mula dem Verf. nicht bekannt geworden aeyn, sonst 
hätte fr aie gewifs angeführt. Kefer« bittet daher, alle junge 
Männer, welche einen tolchen seltenen, die ganze Wiaaen«' 



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TIOgorTom tuMtmie9. 845 

Schaft oder Haupttheile derselhen reforaiirenden Fund getban 
zu liaben glauben, vorher die vorlundenen grUnHlichen VVcik» 
eifrig zu studiren , ehe sie die eitle ^chrihttelierehre su er« 

ringen wagen. 

iLine Widerlegung der aufgestellten Sätze würde nur Wie- 
derholang der bekjuntesten Suchen erfordern, womit keinem 
Leser gedient seyn kann. Dais näuilich die I^utc den Charak- 
ter der Flüssigkeit habe, wird doch kein Beobachter bezwei- 
feln : von ihrer Schwere kann man sieb aber durch das Wü^en 
derselben in einer blofsen Kugel (iherzeugen. Ist sie soaiit 
eine schwere Flttssio fieit , so uiuls sio auch eben so "ut als alle 
anderen schweren IlüSsi-ikeiten diücken. Den Lutidruck be- 
zweitein, beifst daher eigentlich , der Luft eine Eigenschalt 
beilegen und sie ihr zugleich auch wieder absprechen, wel- 
ches doch «chweilich einem vernünftigen J\Ieri»dien einfallen 
kann, wenn er anders die Sache kennt, worüber er redet. 
Um aber zu zeigen, wie Sehr KeF. Hecht bat, wenn er be- 
hauptet, der V'eii. habe die Acten lange nicht gejing studirt, 
lim sich für dj?n Spruch berechtigt zu halten, juag Folgendes 
dienen. Verztihlich ist es allerdings, wenn der Verf. die 
vielen gelehrten Untersuchungen nicht kennt, welche über die 
Kxistenz einer llepulsi vk raft und über das Zureichende der 
Ne wtoi)6clien Anziehung bereits angestellt sind ; allein wenn 
er IVTayer's Hypothese von den Wünneattnosphären der Lutt- 
partikelchen so geradezu von der Jland weiset, ohne die spä- 
teren Tiieorieen z. B. Dalton's und insbesondere des grofsea 
de la l'lace nebst seiner zahlreichen Anhänger iiber diesen 
nämlichen Gegenstand zu kennen, so darf man doch wohl mit 
Hecht sagen, dafs er zum Reformator der bestehenden phy* 
«icalischen Gesetze vor der Hand noch zu unreif sey. Noch 
beweisender für dieses ürtheil aber ist folgende Stelle S. 3 j : 
„Man folgert aus Dalton's Versuch^^n ganz sicher, dafs die 
Verdunstung reine Wirkun g der Wärme sey. Allein dem ist 
nicht so, denn wie konnte sonst ein Tropfen Wasser bei 
O" C. verdünsten ? (oder soll hierauch von negativer VVärme 
die Redeseyn?) — Die Ausdünstung ist vielmehr ganz sicher 
reine Folge der specifischen Retractioo." Fiel denn dem Vf. ^ 
als er dieses schrieb, nicht das O der Fahreuheitscben Skala 
ein? oder konnte er nicht zuvor das erste beste Cotupendium 
der Physik nachschlagen, um hierin zu fiaden, dafs der Null- 
punkt der Tbermometerskalen kein ahsolutffr seyn könne^ 
so wenig das Gefrieren des (reinen) Wassers kein abiohit be-t 
stimmendes ist, indem so viele Flüssigkeiten unter und über 
der hierzu erforderlif bvn Teaipexatur feft werden? 



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846 ' Webe» 41« Skeletlt d«r . BiwrtiSiS^thten« 

' Röftfr. miir« -also nöcbaialä iWlöen innigen Wonach aut» 
sprechen y dais junge Gelehrte^ wdcbe in sieb den Bi;ruf i'iüb« 
lun» aU.8cbriiiUt4fller aufs i| trete n^ aiob'docb ja aavor b«mflr 
ben (mit den' Scbluls Worten des Verf. au redten), von drn 
ebrWtlicii^en.MSnn^rn aiAar WUaenscbaft «rat zu lernen , be* 
vor fie.djttte za belehren veraucben. Ujebrigen^ ist die 
Scbreibait des VerF. klaa und flieraeqd^ und sobald ibin nnr. 
erst' die erEorderlidi«^ Sadikenntnis^e nicbt mebr abgeben « 
wird * er auch als Scbrifuteller. obue Zweifel sein Glflck 
macben.. » • . . • 

< ' . u n 9 k 



Die ^k^Une dtr BaitwsMugthhM und ^ansvögelf Jur. Naturforschrf 
jt^ru» und -Stt den V^otl9§ungen maf (fJnwerfitäUn und Thieran" 
neUthtde»: sHtworfin von I, W^iber^ Doctar d* JMLtfl'umf. 
: Prottctop'M döf Oniv, w-Bonn it^'S. le» Bonn, M C« Wehttr, 
«824. ^r/oL .2ZS. 47. . fl. 

Der Titel dieses W'«rks ist tb»il« nicht ganz passend und 
genügt tbetls scheint uns auch dessen Bestimiuui«g nicbt 
ricbtig gewählt zu« seyn. Letzteres namentlich, . wenn der 
Ur. Verf. seine Arbeit im Allgemeinen fttr Na t ti rforscber» 
Aevtte und zu 'de'n Vorlesungen auf ÜniversitS* 
t«<i a nd T'bi e r ar an ei seh uFen berechnet bat«' Der Nii- 
turfcnrscber 9 welcher vergleichende Osteologie stadirt'bac 
und haben mufiiy wird doch wohl auch mit der Osteologie 
der Haustbiere bekannt seyn , der Tbiere, die er jA noch aus- 
aerden so leicht -haben kann« Eben so verh'Slt es sich mit 
dem Arzte, wenn ersieh mit vergleichender Anatomie (Oilep- 
logi ) beschäftigte. Will der VerE das vorliegende W«rk f&r 
Vorlesungen bestimmen, so mufs'sich Aef. theils auf das schon 
Gesagte berufen , .theils noch bemerken, dafi der Lehrer bei 
«einen pemonstrationen doch gewifs besser thut , wenn tt 
dbzi» die ndtbigen«natflrlicbeir Früparate beputzt , als wenn er 
zu Abbildungen seine Zufiucbt iiXmmt. Ohne die geringste 
MCltie kann sich doch aber jeder» leicht und schnell die nötbi« 
gen OS teologi sehen Pr&'parate von deu Havistbieren verscbaffeD« 
Füf- ange'hende Naturforscher und Aerzte, so wie zum 
S'elbsts tefdi uni für diese, zu Repetitionen nach 
den V.orlesu ngen 9 bat eigentlich wohl der Verf. seia 
Werk bestimmen wollen. Dies hätte er aber bemerken kda* 
nen und sollen. Für solche ist dasselbe j^echt^ut, biaucbbsf 
und sehr zu empfehlen. 



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W«b«c dU «^tUMt« der Ut»ui»gßhiw^ 047 

Wir iMmerktiMi «afiingf nocb, daff der Titel aada nicht 
geos p^Mend und genügend le^. Oae ßciagte itft ia eo lero 
richtig 9 da d«r Verf. die Skelette der UAutsIng t biere 
und HauiTÖgeFy daa beiiit docli wohly aller iCmaaftu^» 
tbiere und HauaTÖgel, au berackaipbttgttn verapckht« Debm 
gehörten nun unter anderen auch daa Canael (vrabracbeiolich 
daa äl t eate aller Ha uaaäugtbiere), daaJUana, Kenntbier u.a. w. 
Von diiitaen iit nkbta gesagt, obgleich eraterea aelbat in rer* 
achiedenen aüdHcb gelegenen , letaterea in d«n ndrdÜobat gele« 
genen eurofSif oben Ge«^ enden achon ak Hauathier benulKt 
wird. Unter den Vögeln aind bei una auch wohl noch a. 
daa Verlbubuy der Ptau und die Faaanen au den HauaTÖgeln au 
sSulen. Und Wie viele andere Hauatbiere finden wir nicht 
noch bei den verachieden«rn Völkern der Erde l Faaaender und 

« heatimmender wMre ea-alao gewesen , wenn der Verf. geaetat 
hätte; die Skelette der wichtigeren inlftndiacben 
Hauaaäu gtb iere u. a. w. 

In der Vorrede aagt der Verf., dafa er durch die Heraua« 
gäbe dieiea oateolugiscbenKupferwerkea beabaichtige : l) eine 
grAndllcbere Wardi^un^ und Keiintnifa dea Knocbentyttema 
der Hauasäugtbiere und Hausvögel ; and 2) aollrn die oalep« 
logiacften- Darstellungen der interessanten Reihenfolge wegen 
ala sichere Grundlage bei einea ausgedehntem oateoTogischen 
Studium dienen. Kaum glauben wir, was No. l. anbelangt^ 
dals wir durch -vorliegen dea Werk mehr und grOndlicher 
belehrt werden , als aus früheren Schriften ähnlichen Inhalts» 
Was überhaupt das GrQndliche betrifft, ao ;jclieint wirklich 
der Verf. aelbst nicht immer daran gedacht zu haben « indem 
wir n. B. vergebens nach einer Darstellung des Unterkiefera 

' der Vögel und -der ihn suaammensetaanden Knochen beim Fö« 
tus gesucht haben. Waa No. 8. betrifft, so bezweifSsln wir 
in der That, dafs durch die vorgelegten Daratellungen eine 
interesaante Reihenfolge ipesweckt werden könnte; 
indem nur aua einigen Ordnungen einige wenige Arten in 
oateologitcher Hinsicht betrachtet werden konnten, einige 
Wiederkäuer, ein Paar Kaubthiere und ein Paar Pacbydermen, 
aua der Klasse der Säugtbiere; aus der der Vögel aber nur 
ein Paar bübnerartlge ' und ein Paar Wasaervögel. Zu einem 
ausgedehntem osteolosischen Studiam aind diese Thtem 
wobl keine aicherere Grundlage, als jedea andere Thier aua 
«iner andern Ordnung, und wir müssen ala eine solche Grund* 
läge mit Weit mehr t/rsache daa Skelett dea Menacben be* 
trachten I der ja ohnedies, wie der Hr. Verf. aelbat, mic 
Oken, sugt, Maolt und Meüer der Schöpfung iit, eo wie 



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04? Webtr di» Skcl«it« d«r Hanitäuglliier«. / ^ 

«ein Leib Maafs und Measer der XbieiJeiber, — Beiläufig be« 
merken wir biernochf in Bezng auFeine Stelle der Vorrede^ 
dafe es nicht allein eine geiaCreiche Idee istf die Thieiformeo 
von den niedrigsten zu den vollkommensten und edelsten zu 
yerfolgeoy und ihr alloiähliges Vervollkooininen sü betrach* 
'ten, sondern dait dieselbe doch wirklich in der Natur be« 
firündet erscheint 9 und, SO navollkommen-uod mangelhaft die 
lieaultate derselben auch noch seyn mdgen^ gewiXs diegröfste 
Beachtung verdient. 

£s folgt nach der Vorrede die Erklärung d^r Kupfertafeln 
lind sowohl die teutschen wie die lateinischen Namen der 
einzelnen Knochen und Knochentheile. £s wäre zu wün« 
sehen geweseh, mit etwas mehr Ordnung bei den Abbiidun* 
gen und Beschreibungen, der leichtern üebersicht wegen , zu 
verfahren. Iiu Allgemeinen sonst sehr g<>iiau und grün dl ich; hin 
und wieder mit verschiedenen Bemerkungen und ßericbtigun« 
gen. Zu letzteren gehört z.B., dai's der Vf. selbst drei Knochen 
in Ochsenher7.en gefunden hat, 5« % Taf. 3« I^ig* 11 und 12. 
Dafs sich sehr hfiufig, wohl in der Rege], zwei Herzknochen 
bei den Ochsen finden, ist richtig; Hei:; hat aber auch «inig« 
Male nur einen Knochen in Ochsenherzen gebunden. In 
aecbszehn bis zwanzig von ihm untersuchten Schweineh^rzen 
(die Thiere zwischen anderthalb bis drei Jahren) hat dei selbe 
keinen Knochen gefunden. Auch Hie Zungenbeine der näher/ 
beschriebenen Thierskelette hat der Verf. dargestellt, so wie 
(Taf. d* Fig. 12.) den Kuthenknochen des Hundes. Hierbei 
bemerkt Ref. , dafs l»:tzterer Knochen ursprünglich wohl aus 
swei seitlichen Stücken besteht, wie er, naofa einem solchen« 
in seiner Sammlung befindlichen, Os penis aus der Ruthe einea 
jungen Hundes, glauben möchte« -r- In einem Anhange ist 
eine Tabelle der vorzüglichsten abweichenden Benehnungen 
(nebst den von v. Erdelyi, Giirlt und Schwab ge wähU- 
ten) in seiner Osteoiogie des- Menschen und dec Hausthiero 
beigefügt. 



(Dsr B^stklujs folgt,} 



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N. 54 1836. 

. Heidelbergei* 

Jahrbücher der Literatur. 



W eher, dieSkelMte der Haus^ugtbiäre and U«uv6gcl« 

• » 

Die Abbildungen « aMf «iebeaxebn Tafeln entbalteo ^ sind 
•ebr tcbdn und ^neu | ein« «rabf« Zierde dieaee Vl^erka. ' Wit 
finden' darauf die Skelette tos Hund, Katae^ Kub, Zielen* 
J>ock, Pferd 9 Esel, Scbweip» Taube ^ Gant; einaelne Scbl« 
del der achon angegebenen Tbiere; Scbldel dea welicbea 
Hubns; vetacbiedene Scbad«| von jungen Tbieten und von 
Fdtua« S.B. vom Scbaf 9 JCalb^ welteben Hubn, Hnbn» von 
der £nte u« a. W. ^ tieoKfrkentwertb att «in Zwickelbein bei 
eineni F&rdefobleii (Taf« 13. Fig. 4 ). Wir bitten ge«vantcbt| 
dala der Fottiatcbidel «incia Silugtbiera und ainea vo^ela ter^ 
legt dargettellt wSre. «— Aulterdeni aind die Abbildungen 
•ivselner Kiiocben und Küdcben^artbiefla ^ der fextremitä« 
ten» Wirbel, det Beckena a» w.f vectcbaedeae Anaicbteil 
Ton 8cb8defai und einaelnen Knocben^ Längeh« uiid Quer« 
durcbacbilltteii von diebrereo Scbtdeln u« a. w. gegefien. debr 
SU loben« ^ Etwa^ bat de^ Ver£ noch anzugeben vergetten ^ 
was iiwar nicht ttxtn eigentlicbeA Skelette der Tbiere gehOrt^ 
jedoch bier-wöbl ebeif to gut hätte abgebildet werden können^ 
nie dea Zungenbifin , daa oa penia und der fiteraknocben : dite 
ift nttmlich jene eigentbflmliche^ blasenartige, kn<ichetAe Er« 
woiterung det untern t«arynx der m&nnllcben Enten. 

£inige wenige, unaligenehme Druckfehler aind uni noch 
aufgefallen; to S. il. Ös capilaluia atatt Ot capitatuiii; 8. 15^ 
Padella at. Fatella; Sullut caroHcut tt, Suicua caroticut; S. 17« 
Spaecola tt.ScapuIa ; S« 31. TubaEuttiacüanatt. T.Euttachiana^ 
Hef. tcblieftt diete Anzeige mit der Bemerkung« dalt det' 
Jt^tT 'Verf. # detten mehrfache Bemfihungen um ditt Anatooffe 
deO Sfenschen wie der Tbiere gefwift tebr dankent- und lo« 
benav^e^r^b sind, ja nicht glauben mdge» alt hätte irgend eine 
andere Abticbt bei dtt Beurtbeilimg seiner Ai^betr atnK' bei 
dem hi^ oad da vorllOniaieaden Tadel den Kef. gel«fitei^ denn 



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Ö60 Bursex. Instit. med« und SJeioii Interpx; din» 



Mritseoscbaftliche Ansiclit und aufrichtige» Interesse ffir den 
Cegenstand, Wahrheit, Auiricbti^keit uod Freioiütbigkeit 
sind 'notbwendige Bedingungen eine« RecenseAten. Persön- 

. lichkeiten konnten und werden uns nicht und niemals hei der 
Beurtheilung irgend eines Werks leiten. Aber auch die Re« 
censentenl irren sich oft in ihren Urtheilen« lat dies hier bei 

• uns der Fal] gewesen, so bitten wir den , Uns persdolich un* 
bekannten y Hrn. Verf. im Voraus um Verzeihung* 

A "gellenden Naturforschern, Mf^n sehen - und Thier- 
Hrsten empfehlen wir nochmals dieses Werl^^ als sctbr braucb* 
bor und lehrreich y angelegentlichst» Lt. . 



Instit utionum ]t^itdicinae ■prattieae^ quat mtMtörijhu Mmt praeiegebat 
Jo. Bapt, Burserius deKaalifM f Folmattiprimumf de Febribus, 
Praemittitur Commentarwluai['d0' InßamnuUkm, Recudi euraoii 
Just. Ftid. Car* Hecker^ Med» üirwsque^ DiMpr et Professor 
e, in Ottivere,4itterar. Berolin. et». LApsiae^ tmnt* Frid, FUi» 
schert, MDCCCXXFI. XFt und 5«6 S. 8. 

Desselben IVerkes : Volumen secundum , de Morhis exanthematUis Je» 
irüüus, Recud, cur, etc. Ibid, eod, VI und 501 S. 8. 

' ' ' Preis aller 4 Bind» 6 Tblr. 16 Gr« J^stp« 9 Thlf. 

JJr» Lud, Gottfr, Kleiniif Consü. med^ ae PHys. Erbacens,^ Inthr» 
, ' pres clmicus, sive de morboram indole, exitu in sanuatem^ meta^ 
schematismo f tuccessionihus etc. Comitatur opusculum praefaU 
. ,perillustr, L. B. Alberti de Malier^ M» Brüan, reg, elect» 
' *' Brunsv* Consit, aal» «tc, Edith novo,, hipsiacj sumttb. Frid, 
'■^ peischeru 1826« Taschenformat,' XVI u, iQZ ^ l8 Gr* 

Ref. hält es für ein erfreuliches Zeichen, dafs wir, trotz 
der so oft besprochenen Ungunst unserer Zeit für literarische 
Unternehmungen und für die Lage des Buchhandels überhaupt, 
doch nun fast innerhalb eines einzigen , und zwar namentlich 
des letzt vergangenen Lustri, in den Besitz mehrerer sehr 
schätzbarer Auflagen medicinischer Klassiker älterer und neae* 
rer Zeit gelangt sind. Auf die 18^0 in Paris durch Chaussier 
'Und Adelon besorgte (neunte) Ausgabe des unsterblichen Mor« 
gagniy de sedibus et caufit morboruiD^ folgte schon im nfich- 
«ten Jahre in Deutschland die durch den verdienstvollen Kübn 
in Leipzig besorgte griechisch -lateinitch« Ausgabe des Hip« 
pocrates und Galen » von welcher wir bitf gegenwärtie bereite 
dreiaehn Bända besitzen ; kurs darauf erschien, von Gfaoulant 

Ja 
'* • 



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. Bnim* Inttit. m«d« and Kklaii InlarpT* cUa* 85i 



edirt, der Frodromuf tiner ntuen Autgabe de» CeUut , wel* 
^bein, wit wir bolTeo, nun dtt Werk ttlbtt bald folgen wird, 
pieteoi reibt ticb ann die unter Heq|er*t Leitung besorgte 
Autgabe der Inttituttöaen det Borttriut vom Jabr i826 und 
Kleiii't Interpret clinicut rOboilicbtt an; und welin uns der 
Leipziger Ottrrmeitt • Katalog dietet Jabret nicbt trCIgt« to 
babrn wir von der unermfldeten TbXttgl^eit det Prof, Uba 
bald 'aucb eine neue Ausgabe von Sydennam't Werben su er^ 
warten. — Zum JLobe vorliegender Xnttitutionen etwat su 
tagen, wire bOcbtt flberflflttig, da ibr Vfertb langst allge» 
mein anerbannt itt und et bleiben wird » to lange «ine fleit« 
tige, getreue und rationelle Natur beobacbtnog mebr gilt, alt 
die gegen Wabrbeit und Natur to oft ticb veriflndigende to« 

Benannte OriginalitSt und Genialität, welcbe dae Gewdbn* • 
obere vertcbmftbendy nui^ «llaa leicbt nur £inteitigkeit und 
aof Abwege Iflbrt, wenn nicbt bald genua: ein betterer Oeniut' 
d^n Verirr nngen der f hantatie und dem Bange zu telbttgefiBU 
ligen eigenen Schöpfungen Grenseu tetst. — » Die Ausgabe itt 
ftu£tertt tcbOn und correct gedruckt. Oer Vorrede det Verf. 
folgt teine kurte liebentbetcbreibung von -dem Herautgeber 
(S. XI — . XVI,), nebtt einem Veraeichoitte dvt von Burte» 
riut benus<^en ebenen und cum Tbei! noeb bti|terlatteoen nie« 
dicinitcben Scbrifiten, to wie den Uebertetaungen teinetln« 
otitutionen in die deuttcbe Spracbe durcb G» G Hinderer 
1785f tU'die englitcbe durcb W. Gullen -Brown- (JobnBrown'a 
Sobne) 1800 — 18OI 9 und in't rtaHünitcb» durcb V. A. Brera ' 
i820. Aut der tebr letentwertbenBiograpbie det berrlichen 
jArstet beben wir autf dafs derselbe 1786 zu Trtdent im Kre« 
nonetitoben geboren, in früberen Jabrt.n mit Widerwirttg* 
keilen mancber Art kämpfend und sum Tbeil von fremder 
Untctretfltcupg lebendf suerst to teiner Vaterstadt 9 todann 
aber (unter Morgagni) su Padua und Bologna sieb, den medi. 
cipiicben Studien widmete , hierauf schon in aejnem zwei und 
zwanzigsten Jabre alt praktischer Arstin Fa<$nsa sich nieder* • 
iiefsy woselbst er über swanaig Jabre teine, Kuntt mit grölt« 
tem Ruhme ausübte, und von WO aut er todann 1770« in 
seinem fünf und vier^gsten Jabre^ von der Kaiserin Marid 
Tbereaia alt (lebrer der Arsneiwissenscbaft n^ch Pavia h^för« 
dert wurde, in welcher Eigenschaft Tissot^ F. Frank tmd 
lldoscati seine Nachfolger wurden« Nach einem tiebenjähri« 
gen Aufenthalte in Pavia wurde er auf Veranlassung der Kai* 
aerin Maria Theresia Leiharat dea Erzherzogs Ferdinand und 
aeiner Braut Maria Beatrix von Este in Maibuidf woselbst er 
die traten swei fiSnde teiner Institutionen erscheinen licf»^ 

54* 



d52 ' Btttfcr. loiüt. m«d. und KJeinü ItitiKrpr. efin« 

' ■ ■ » 

So sehr Ihm nun aber auch die yollitSndIge Auearbeitang und 
Herautgabe diesea Werkea am HenB«n )a&, ao verhinderte ihn 
doch eine nnbeilbare Nieren- und Harnblasen Vereiterung , in 
welche er verfiel» analieiem ihm ao angelegenen Geacbftftey 
und er unterlag jenem achmerahaften Uebel l785 in aein'em 
•echzigsten Jahre, obwohl ihn aeina vorige Gemfitharuhe und 
Oeitteatbltigkeit bia aum leUten Augenblicke aeinea Lebana 
nicht V rlaasen hatte. 

Der erste, aus vier Theilen bestellende Band der oiedici» 
nischen Institutionen enthält (S. 1 — 62.) einen kleinen Coai- 
mentar über die Entzündung, worauf (S. 62 — ll6.) von 
dem Fieber überhaupt, der Eintheilung und den Verschieden- 
heiten der Fieber gehandelt w ird. Der erste Theil insbeson* 
dere handelt (S. 117 — 226.) von den intermittirenden Fie« 
bern ; der zweite (S, 227 — 337.} von den Febribus cuntinuis 
continentibus y wohin Burserius die Febris ephemera, F. e. 
maligna, den Synochus simplex sive Synocha, den Synochus 
putris veterum, die F. lenta nervosa, maligna passim dicta 
und die F. bectica zählt. Im dritten TheiU (S. Ö33 — 506.) 
werden die Febres continuae remittentes , namentlich die F. 
quotidianae continuae, F. quod. continua veterum , F. catar- 
rbalis, F. lactea puerperarura, F. gascrica acuta, Tertiana 
acuta et causug, so wie die Febrea remittentes, qruae modo 
quotidianum modo tertianum typum servant , beschrieben. 
Der vierte Theil (S, 6ü7 — 520.5 handelt von den F. conti« 
nuis compositis sive proportionatis, wohin Bi^rserius die Se« 
mitertiana sive Hemitritaeuf und die Febris proportionata ex 
Synocho et intermittente rechnet. Als Anhang zu den remit« 
tirenden Fiebern spricht der Verf. noch von denjenigen remit« 
tirenden Fiebern, welche bald den Quotidian-, bald den Ter- 
tiana Typus inne halten^ ao wie von der F« coUi^uativa pri- 
maria sive essentialia. 

Der zweite Band handelt nach der demselben vorgedruck« 
ten Oratio J. B. Buraerii: de retardata Medicinae practicae 
ferfectione, habita in c. r. Ticinensi Arcbigymnasio 1 Cal. 
Jun. Ann. MDCCLXX (S. VII — XXII) in eilf Kapiteln (S. 1 
* 499«) de morbis exantbematicis febri^bua generatim ; als« 
dann iasbesondere de £rysipe]ate, de Igne sacro seu zostere^ 
de Purpura scarlatina, de Exantbemate urticato» de Essera 
Vogelii, d« Femphigo recentiorum sive morbophl^caenoidae , 
de Morbiliis , de Variolis, de Peticulis sive morbo petechial! , 
de morbo sive exanthemate miliari. Angefügt ist diesem Bande 
l^ocb (5. 499 601.) eine Aümoiiitio da Peate. ^ Mit Ver« 



PSaagogik. 



853 



langen teben wir der Eraoheinnng daf dritten und vitftiB 
BaDdet dies«a hdebtt fchitsbaren Werken tntgegen! 

Oietelh« Verlagfhandlling, in ^«Icher die «ban «ngattig« 
ten Inatitutiooan deaBur#eriua berauakaat it , rmnalaJttta au^ 
gl«ficb BDcb eine neue Auagabe von No. 2f und swar mit d^r*, 
aelben lobenfwertben Correetbeit und typogripbiicban £la* 
gans, JDia erste Edition dea aucb durch aeioe Schrift : de 
allre » aquie et locia Erbacensibua und aeinen 8|jlecttta medlen» 
ntnum ifiogat rflbmUcb bekannten Verfaaaera eracbien bereite 
schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in der G« 
Fieischerschen Bucbbandlung zu Frankfurt und Leipzig. — 
Die Schrift ist in Seht Hlppocratiscbeoi Geiste ahgefaftt, und 
aokntz auch die in alphabetischer Ordnung ahgehandehen ein- 
zelnen Arti)(«rl aindy ao wird sie doch gewifs jeder denkende 
Arzt mit Vergnügen lesen, unfl mit der Natur und eigenen 
Erfahrung in viell ic!iem Einklänge finden Besonders hübendem 
Kef. unteraodern die Artikel: Fehris acuta in gener Hydrops, 
Infantum etPuerorum morbif Inflammatio interna 9 Ventricttliy 
Oeaopbogi et Inteatiuorum aegritudinee wohl gc£iillen. 



tUher gelehrte Schuh ttf mit hesond^rBr JEUicksicht auf Bayern ^ von 
Friedrich Thiersch, Stutigart »md Tübingen , tit der J, O. 
Cotta'' sehen Buehhnndlung» 1826. 8. Erste Ahtheilung. (Jeher 
4it^ Bestimmung der geleJirten Schulen und den Lehrstand. Zweite 
jibth. Ueüer den rbligiÖSfn und elastischen Unterricht. Dritt» 
jihth, Ueber Anordnung und Methode des eUtuisch'en Unterrichts, 
yierte Abth, Vi m deutschen und mathematischen Unterrioht* ,y(m 
4a» VerhältidtseH und der Zucht der Schule. 492 S. 

Vier Abtbeilungen 4 fl. 12 kr. 

Seit geraumer Zeit ist wohl kein wichtigeres Werk im 
ganzen Geriete der Pil lagonik erschienen. Denn so vieles in 
einzelnen Zweimen praktisch und literärisch zur Verl)«;(>8erung 
irn Erziehungs- und Unterrichtswesen geschehen, und so er- 
wünscht manche Schriften den Lehrern und Erziehern gekom- 
men sind, so entwickelt docli das vorliegende Werk eines Ge- 
lehrten von classischer Bildung grad«^ was nach den bisherigen 
Fortschritren im Einzelnen jenes Faches ngnmebr in einem 
geordneten Ganzen zu thun sey, und lehrt das mit Geist und 
Erfahrung für das Leben. Ree. erinnerte sich dabei an «in 
würdiges Seitenstück, das vor achtzehn Jahren erschien « sn 
den Streit des rhilanthropinismus und Humanis« 



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654 PSuagogik. 

♦ . • _ 

mua von d«ni| tbeiif«lTi um die fiaierscbai BiMangpantUltm 
fo Ttrdieiittii ehrwfirdigea Dr« Niethamiiior. Hr* Th, 
rflhmt auch den £iaflufa dieaea wichtigen Werliea, nod da 
Ree* daaaalba daoiala in den Heidelh. Jahrb, mitr aeiner Otfen» 
hait angeseilt bat^ freut er äich nun eben ao auch daa vorlie«» 
gande mnaeigen^su können» 

Die Baaedow'-Bahrdtiache Zeit untergrub wie die Theo- 
logie, äo die Philologie, flherbaupt die Bildung dea Lehr« 
atandea« Wllirend die Theologie noch immer durch die un* 

frflndliche Denkart viel su leiden bat t iat die Fbilologie und 
Sdagogik achön ' su der a urecht weiaendeh £rkenntnifa ge« 
kommen« und daher auch achon atigenacheiiilich im Verb^aaern 
▼orgeschritteo ; yornehmlich die Unterricbtalehre, Der £le« 
meritarunterricht'iat in Oeu Achland ao vollitSndig bearbeitet, 
dala er, man darf wohl aasen , aeine Vollendung erreicht hat 
ao weit ala er aie noch ohne Vollendung der fibrigen Zweige . 
in der Eraiehung erreichen kann; ea* versteht aich» dafä Sm 
AufClbung immer fiinderniaae au überwinden ^ Einsichten au . 
erhalten f Fertigkeiten au gewinnen hat» Die Metbodik filc 
den Anwendungs unterriebt latnoeh nicht bia au diesem Zialö 
gelangtf und ao. erwarten auch die 6elahrteo4fchulen noch eino 
aua dem rechten Gnund nnd in allen Tfaeilen durcbgefiabrta 
Methodenlehre. • DafiRr tritt nun Hr. Tb«* als ge wicbtiger Leh« 
.rer auf« Wenn er gleich in der Vorrade au der eratep Abt^oi. 
lung tagt, dafa aeine Schrift ntchta Neuea enthalten, aondern 
nur Mifsgriffe abweisen und die lang bewahrten GrundaAtaa 
in Erinnerung bringen solle, so fahrt er doch schon dadurch 
dem Ziele nSherfwund das Buch enthält auch in dem Zusammen* - 
fassen und giSatigln Bearbeiten des Bewahrten wirklich viel 
Neues. 

Die Einleitung würdigt die Klagen der neuesten Zeit Aber 
das religiöse und sittliche Verderben der Ju^fnd , inwiefern 
es mit Hecht oder Unrecht den Ijebrern zuzuschreiben aey« — • 
Hierauf redet die erste Abtbeilung über die Bestimmung 
der Gelehrten-Schulen; und nachdem das Schwankende 
in dem Namen einer allgemeinen Bildung bemerkt worden ^ 
aetzt sie der Verf. in die Menschlichkeit; welches Wort 
er für Humanität wählt, «obwohl jenes einen andern Begriff^ 
dieses dagegen als unüber6etz)>ar das deutsche Bürgerrecht auch 
durch inisern Herder «erhalten bat« Gegen das Unterrichten 
Ad Hoc bat der Verf. Veranlassung ^ausführlich und — s^|ki 
reich SU sprechen. Vielleicht diente indessen zur Verstände 

f ungy dais manche Gegner mehr die Unmethode im Auge ha« 
eni wo der Wissende mit scheinbarer Gründlichkeit aein« 



» 



I 



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• 

Begrifft d^m SchOUr nur so binwirft, und sich Oberhaupt 
ntclil»iM»iui in d«i O^mfith deitelben einläfst. Das BeUpiel 
rom FfiniMtehlirrntii kftnnte noch den Mifs verstand vermeh« 
tWf d«lin gradtJbierin «iebt man häufig eine falsche GrBnd- 
It^keit, Wtfleh« Jahn lang den Schaler vom lebendigen £r« 
lernan und Spreche^ dieser Sprache surQckhah. Doch ea {Wlr« 
allao kteinlieLy bei aolehen Nebunpdneten zu verweilen. Oa« 
für wollen wir Hebar auf dia IlbarilS durchtcbeiaandea und mit 
Baiapialan balagtan £intichtatt {n dia waHre Bildung verwei- 
aen, wenn wir z. B. leaen: ^der grofsa Heyne war» elka ar' 
•nf den Labratabl nach Gottingen berufen ' wurde , mebrera 
Jab'ra lang Verwalter alnea kleinen Gutes , uhd pflegte noch 
im apStan Alter v6n der' Zafiriedenbait jener Tage au erslblen* 
Naebdam Pitt awanaic Jahra lang In dan tcbwierigaten Zai- 
%A dia GetAicke von England gelenkt hatte , trat ar wieder 
nua lUiB'Qaacbthen und aar Verwaltung der Schatakammar, 
UD4^ fttfirta dia Aufsicht Qbar aecba Hafan dea KOnigreicha. 
Hamann, der' tiefsCa Dahkar aeinar Zeit und ainar ihrer 
grAlfen»Scbri{(tateller| war aein Laban lang Packhofrarwaltar 
in KAnigsbergy und dia Stelle genügte seinen Wfinaaben.« 
Wia liier ao übarall aind dia trefflieb gewählten Anekdoten 
iBr dan BUdnar belehrend angebracht« 'Auch werden (S. 23 S.) 
dia Badefklich kalten vollkommen widerlegt , als ob di^yer- 
braitate wiM«nschaftHche Bildung dia Auhct des Staates stdra« 
Dann* «s wird hier an dia wahre Bildung gedacht» welche 9icht 
blos in.wipsen'schaftlicher Belehrung beatebt^ sondern harmo« 
niscb ^Sittlichkeit und Frdmmigkait mit darlalban.yarainigt» 
und<jiller Einseitigkeit und Varoildung wahrt. 

, Dia s weite Abthailung redet vom Lallratand. Vor« 
arst gesebichtlich: Schulen der Griechen und Hömer 9 und un« 
ter d£n 'Christen, wo sie an dia Geistlichen und Sldncha Ober« 
pingen, bil SU der Zeit, wo in Baiern ^lo Jesuiten tia in 
Besits nah4bn; Veränderungen des Sehalwesens in Baiern; 
dia RaaUen erhalten das Uebargawicbt; dia alt^n Sprachan' 
ainkert aitfC'flichts herab; Umgestaltung sum Bassareo; dia 
Meinung 9 nur Geinlichan dia Studiananstalt an ttbergaban, 
will sieb geltend machen; auf beiden Seiten abgewogen stellt 
aich'das Atichtaher; die Gdttinger Akademie der Wissenschaf« 
ten ; MOncbbausens Verdienste ; Rivalität der Länder in Wür« 
digu^ dar Gelehrt^; Verbesserung der Lehrstellen an den 
Gynlpieii ; die Gründe, nicht grade den Geistlichen die Scbul- 
stelmn zu geben sondern einen besondern Lehrstand au J>il« 
den, wobei der gute Einflufs der Religion nicht verkannt . 
wird (S* 73'&')t .au^fi nicht übarsebän, dafs wOrdige Geist« ' 



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366 

liebe h«i)faiiie Litbrtr , nur nicli| immer sn GymnatiaUebrtm 
tüchtig teyn könii«»; doob kbnnen anch in Vdlkfsciiiajen Hll^lt« 
lifihe Lehrer aqge^tellt werden; die freie Bewerbung umGycn* 
nasiallebrftt eilen mufs notbwendig o^tn bleiliipp , . >y<^na tolcbe 
Schulen gedeibeii tollen , wie das Beispiel von Italien« einem 
J^ande, WO der geistlicbe Stand im ausschliefsHchen Besitze 
deraelb^n ist« %yarnend zeigt. — Dieses alles lehrt der Verf, 
ip J^urier Uebersicht Und doch einleuchtend. £r seigt auf 
unter« Zeit bin, wo das geistige Verniögen nicbt.ipibr an 
^inen Stand eeknt^pf't ist, und wir auch solche Zeiten , wo es 
•O W>r» nicht inehr zurück wünschen können; daT« aber ein' 
eigner I«ehrstand fttr C^l^brten« Schulen nAtbig« da(s die 
pbilokigifchen Seminarien hierzu wichtig geworden; wo« 
bei nur die Verbindung der Pftdajgogik ufid Methodik mit der 
F|)ilolqgie eben so dringend^macbt seyn sollte, aJ^dieWicb^ 
tigkeit (und Seltenheit) eines guten Schulrectors gezeigt nstf . 
— mit gerechter Küge g^gen das Unheil unserer Zeit, welche 
die Rectoren in IVectorate, d. i. die SchulmÜnner'in blolse 
Geschllftsbfbdrden zu verwandeln droht. Doch würde Ree* 
nicht grade eine so ungehemmte IVJacht dem Rectbr zutheilen, 
dafs er (S. 100.) ganz unabhängig von dem Beirath oder der 
^uitimniung derjenigen, welche ihm die Lehrer dazu wäh«. 
len, Avirk«*n solle, schon wegen der £reudige|rn Mitwirkung 
^e^ner Mitlehrer. 

Zweite Ab tbeilung, I. Ueber den.religidsen 
Unterricht. Bis zum vollendeten achten Jahre müssen die 
Eltern mit der Schule hierin zusammenwirken, wenn die 
Frömmigkeit erweckt und unterhalten werden soll. Es mufs. 
hierin manches hesser werden ; auch sollten wir nach dem Bei- 
spiele Englandf dep Sonntag hesser feiern, und Familienan- 
dachten halten. Der Keligionsunterricht von da bis zum volt- 
endeten zwölften Jahre tüllt deq Vorhercitungsclassen zu y 
doch so, dafs er nach den Confessionen ertheilt werden soll, 
damit die Unahhängi^keit der Kirche yom Staat auch hierin 
gelte. Von dieser Zeit an, d. i. mit dem Eintritt in das Gym- 
nasium ertheilt ihn dann auch nothwendig der Geistliche Mit 

Ijiebe verweilt hierbei der wiirdine Verf und mit frommem 

o 

Gemttthe , indem er seinem christlichen Jjehrer auf der Schul- 
pforte ein Ehrendenkmal damit setzt^ Und den gesegneten Ein« 
flufs der Andachtsstunden auf dieser Schule aus Erfahrung 
rühmt. Auch in den Gyre^iiasialjahren nach dem ^^S^^Sjj^" 
Glanhenshekenntnifs niufs dieser Unterricht fortclauem , ni^ht 
als Wiederholung, die nur Gleichgültigkeit und Ueherdrufs 
(»ey^iil^eil w^edt^t ^onde{;^ \Y*iiter 9usgel:übft in Verbindung 



Ffiaagogik. 067 

mit wifsentcbaftlichen Zweige«, Hr. Tb, fdiläat hierzu 
Leettire a^is den Kircbenvätefn , und für die, welcb« Tiebräiscb 
lernen, einige neutestamentiscbe Scbrift«^n in der GrunrUpiaclid 
vor; aucli tiine Ueberticbt der KIrcbengetcbichte. Die Sitten« 
lehre werde als ergSniender Tbeil der Glaub*n»lehre lielian- 
delt. Derselbe Lehrer, welcher in dfci\ drei unteren Ciassen 
den Keligionsunterricht ertheilt, hat ihn s( liicklichtr Weise 
aacb in den drei oberno» im Gaasea wdcbenüicb eiouudiwun* 
sig Stunden. 

II. lieber den classitcben Unterricht. M^n 
eile nur nicb( ao überhin. „Trauriges Schicksal so vieler Kna* 
hen , einet ganzen Blumengartens der Jugend, das ihnen (]ie 
Scheinkunst einer wahngenäbrten ErziehungsUbi e Ijereitet. «« 
Die Rögen über den gepriesenen Untei rieht in der deuischca 
Sprache (S. 128.) sind nicht ungegründet, so wie einst Eine* 
Ati's Woit: „die Frau Muttersprache« kein ungegründeter 
Spott war; doch könnten sie, wie dieses, zur Einseitigkeit* 
führen. Der V'oizug, welchen das Studium der alten Spra- 
chen gegen die Erlernung der fr^'ilich nützlichen neuen hat^ 
ist überzeugend abgewogen , wenn wir gleich dem Begriffe de* 
Verf. y wornacb er eine Sprache als eine ausgestorbene oder 
eine lebendige bezeichnet, nicht ganz beisliniraen können. 
Mit Recht wird (S. 137 S.) daran erinnert, dal* die Anstren- 
gung, womit die. alten Sprachen erlernt werden sollen, eint» 
wahre Gymnastik des Geistes sey ; versteht sich, bei richtiger 
Methode. Auch bat der Verf. , wie sich vorzugsweise von 
ihifi erwarten lülst, den Zusammenhang klar g<^zeigt, worin 
das Studium der griechischen Sprache mit dem der lateinischen 
stehe, ohne dafs man ihm bierin eine Vorliebe für die gritrchi- 
sche vorwerfen kann. t)enn er zeigt, dafs uns die lateinische 
Sprache näher liege, und die Erlernung derselben früher be- 
ginnen müsse, auch eine grofsere Stundenzabi (fordere; so 
wenig es übrigens die Vielheit der Lehrstunden im Sprach« 
Studium aMSmache. Den £rfahrungen indessen, dafs die hd^ 
here oder niedere Stufe im Griechischen mit einer gleichen im 
Lateinischen verbunden sey^ lassen sich andre entgegen setzen. 
Wie die Bildung vor allen des Theologen, aber auch des Ju« 
rlsten und MedicinerSy nicht minder des Philosophen t das 
Studium der beiden classischen Sprachen verlange, wird kur^ 
und Hchtval] trvries#n. In diesor Betiebung theilt der Verf» 
•US m^T. Instruction fttr die iLehrer der Prihsen vort Baiern , 
T^m^hr 1584» einig4>s mit, yirornwQh die «Iteii clatsischen 
Schriftsteller als ^die heidniscben Schwfttser upd Fabdbansfeo 
von einer Fürstenscluile fiusgetriclien werden^ i um mit dem 



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858 Piaagogik. 

Gegensatz zu bewahren, wie man die Lpctüre der Classiker 
festhalten solle. Auch hielten die Jteuiten dai)ei ; tiiie hier 
.öD^elührte Stelle von einem Gelehrten ans diesem Orden em- 
pfiehlt sie nachdrücklich. Unser Verf. übersieht dabei nicht 
' aieMittel, wodurch der mögliche Nachtheil im Sittlichen und 
Politischen sicher vergütet, und ihr Einflufs, in Verbindung 
roit dem Chriatenthum , recht beilsam gemacht wird. Belege 
hierzu giebt ein ürtheil von Erasmus und manches neuere 
Beispiel. Das Revolutionäre des Usurpators Cromwell war 
nipht in Solon und Demosthenes zu suchen, und die franzö- 
sischen Demagogen waren vom classischen Alterthum entfernt,- 
welches dagegen in England Männer wie Pitt, Fox.^ Canaing 
u, 8. w. gebildet hat. 

Dritte Abtheilung. Ueber Anwendung und 
Methode des classischen Unterrichts. Diese Ab- 
theilung eröffnet dem Schulmann ganz besonders eine wicbtige 
Berathung. Der Verf. theilt die Gelt:hrten - Schule in die der 
Vorbereitung (Progymnasium^ mit zwei Classen , und in das 
eigentliche Gymnasium mit sechs, ~ also beide zusammen 
mit acht Classen , auf jede Classe Ein Jahr gerechnet. Der 
Knabe soll achtjährig in das Progymnasium eintreten, in-wel« 
chem er es bis zur Fertigkeit in der lateinischen Grammatik 
zu bringen hat , indem er wöchentlich zwölf Stunden iiierauf 
verwendet. Das Gymnasium wird in das i^ntere und ob«rtt> 
getheilt, jenes mit swei, dieses mit vier Ciasäen. Der zwölf- 
jährige Knalni tritt- «in y und mufs es nach zvyei Jahr»» sur- 
Fertigkeit im Verttefaen und Schreiben des JLiatetnischeh ^ 
hrächt h«|ieny fo daCi er für den .Virgiltus und Liviu« reif- 
ist; und^a «r nunmelir auch daa Griechische erlernt, ^so ^ird 
er aich darin- den Xialeiniicben so wen annähern , dafa er «n 
den Homer lind - Xenopluin geheü kann. In der lateinisclrtn 
Grammatik mala «r nui^ebr mit Si.cherheit and Genauigkeit 
feat ateben, Daa obere Gymaaatum iat beatimmtj^ tn daa daa^ 
aiacbe Altertbum^einanffibren» durcb vier Cbs^e« ^}|tndurcb , 
welcbe der Verf. aa.<nabe nacb der bekannten alteren Art' ab« 
tbeilt luid benennt: Poeaie, Historie, - Abetorik, und ala die 
oberate, Pbilösopbie» Die Vo^kebrungen gegen die Hacipt«' 
übel 9 welcbe dermalen ae b2t«i6g die Gymnaaialscbuleh drOk« ' 
ken^ alnd dabei mit Sacbkunde von dem Verf. angegeben, 
wenn gleicb nicbt völlige- AbbOlfo sü -finden • aeyn * ni Achte. ' 
Gegen daa UeberbineUen bilft durcbgretfend ein grüodlfeber 
Unterriebt in der Grammatik, und ein atufen weise» ange. 
at/engtes Fortfcbreiten. Der UaberfÜUung der Glasaj^n^ da 
jede nie mebr «la viecKig ScMfer entbalten aoilte , iatscbwer«r' 



PSaagogik. $59 

SU steuern 9 da dir Prüfungen und Abweisungen fo viel Mifs« 
liebes haben; aber Nebenclassen könnten liLlteii. Die Verbin- 
dung der Folytechnik mit den Gymnasien kann durchaus nicht 
l>estehen, sondern es müssen Koalscbulen nelieii jenen einge« 
richtet, und die GymnasialscbUler müssen frühzeitig ^«»«i'l^ ati^ 
den Bürgerschulen ausgeschieden werden. 

Ree. hat im Wesentlichen, nicht nur durch sorgtülti^^?§ 
Durchdenken- der Methodik, sondern auch durch vicliuche Er- 
fahrung dieselbe üeber/.eugung; er würde indessen bei der 
Einrichtang der Gelehrten- Schule eine etwas verscliit^dene 
Oasseneintheilung für hesser halten. Er denkt sich ebenlails 
die zwei Hauptschulen neben einander, die Bürger- (poly- 
technische) und die Gelehrten -Schule; die letztere auch ebeu*' 
falls in swfi Schulen getheilt, und zwar so ziemlich, wie hier 9' 
in Ziel und Führung. Die Eintheilung dieser Schulen selbst 
würde aber Ree, etwas verschieden einrichten, nämlich für' 
das Ffldagogiuin (Progymnasium) eine vorber«*itende und eina 
anwendende Qasse • jene hat es mit der £tymologie| dieia 
sugleicb mit der Syntaxis zu thun ; jede läfst ticb weiter in 
Bwei Ordnungen abtheilen, Eben so würde sich das Gymna« 
aium in sv«i Hauptclassen , jede mit zwei Ordnungen , zer« 
tbeilen, von Schülern nach jener Vorbereitung mit zwölf bia 
acbtaabn oder swanzig Jabran, dodi io« dafa bOcbttena nur 
swanaig ScbDlar in ainar Ordnung auaamnien wSren. Dar 
Scbfiler soll in dan baidan Ordnungan dar unteren Claata dia 
griecbtachen und Jateinlscben GlataiSar ▼artteben lernen 9 und 
' an dan beiden der oberen a^gl^icb sur Bildung dea Styla und 
Bur Anw^endung für das wisientcbaftlicbe Leben das dassiscba 
Studium ffbefn. So geht ea aua dar Betracbtiing das Ganges, 
in welchem aicb der Geiat dea Knaban und Jfin^Jin^s vermiu 
ttflitfdar altan Sprachen entwickelt , dam Ree. oeatimmt und 
Idar harvor^ ao dafa er dar Erraichung dea Ziele vAlHg» so 
watt as in ma^acblichan Dinean mdgfieh ist , gewiis wXra» 
£a itt hiar indeaaan nicht dar örtf diaaea waitar aua ainandar 
8u aatsan. Jane Abtbailung der Glaaaan nach Poeaia^ Hiatoria . 
II* a. w. möchte au viel daa trennen und in Zaitpariodan nach 
ainandar legen, waa In dar Entwicklung zuaammen liegt, und 
alao suäanimen wirken mufa. Wie aich Rae. flbrigena dia' • 
Einrichtung aolchar Schulen denkt, ao wOrda er, wie in den 
neiatän Functen 9 ao auch darin mik Hrn. Th. fibereinatimman, 
dafa die Studirfreiheit auch in dieaen Anstalten nicht ba- 
achrflnkty aber auch dia Vorbereitung zum Gymnasium. nicht • 
an ein Frogymnaalum gebannt, aondarn frei gestallt wflrda. 



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860 



Vierte Abtheilung. I. Vom dewtsclicii Uiiter-. 
riebt.' Gegen das Uehertriebene und Verkehrte, womit in 
nVuerer Zeit die deutsche Spi .ich die eogeiianiite Styldbung^ 
und die Literatur 9uf' Schulen betrieben worden ^ spricht im« 
•er Verf. mit seinem festen BlicJ( und begründetfin Urtheil. 
Nicht gans^ können wir aber seiner Methode hierin beifallen , 
besonders vermissen wir die Rücksicht. auf die inner« Kennt-- 
Ulfs unserer gnteii Sprache, wobu allerdings auch das Etymo* 
logische y überhaupt das Grammatische geübt werden mufs. 
£8 ist eine schöne Erfahrung^ dafs der Kenner der Alten auch 
einen guten deutschen Styl gewinnt, und man darf das vorlie- 
gende Buch ebenfalls unter diese Beweise setzen: aber eben 
Huch unsere Zeit erheischt gegen ihre Moden 9 z. B. gegen un- 
richtige und sinnentstellende Zusammensetzungen von Worten 
11. dergl., ein Studium der deutschen Grammatik. Da» Wort- 
spiel J. 1*. llichtets, „die Muttersprache eine Sprachmotter 
bat seine gute, anwendbare Bedeutung , wie es auch die Le- 
vana weiter angiebt. Wir wünschten solchen Unterricht mit 
dem, welchen unser Verf. vorschlägt, zu verbinden , und da« 
scheint uns sehr gut anzugehen, und so würde hier keine 
Lücke bleiben. Djfs auch das Altdeutsche studirt werde, 
was von ihm mit Recht verlangt, und in einem Anbange von Hrn. 
Seh melier weiter gezeigt wird, hängt damit genau zusam- 
men. Die Verflechtung der Lehrstu »iden für die deutsche 
Sprache mit den classischen Studium, die gewifs der erfahrene 
Schulmann billigen wird , dai t ül)rig<?ns dabei nicht leiden^ und 
es würden nur wenige besondere erforderlich seyn. 

II. Ueber den mathematischen Unterricht. 
Hier hätte Ree, obwohl in den Grunds:'] tzen einstimmig, 
lüber die Ausführung einiges z,u erinnern, hauptsächlich d.m , 
dafs grade dieser Lehrgegenstand in dem Elementarunterricht 
mufs vorbereitet seyn , wenn er mit besserem Erfolg auf Gym- 
nasien gelehrt werden soll , als die fast durchgängige Erfah- 
rung zeigt. Dann erst wirdEuklides der höher bildende Ij'.h- 
rer weiden, und dann erst werden z. B. die constructiven Be- 
weise bei den Kegels(:hnitten recht begriffen, und weiden, 
ohne dafs der Gebrauch der algebraischen Formeln störend oder 
unfruchtbar wäre, die Denkkraft mittelst der Evidenz gleich- 
sam gymnastisch verstärken. 

III. Sc hluisbe merkungen über den Unterricht 
'in den Ha u p tf ac h er n. Der Gymnasialunterricht befaUt, 

nach dem Verf, , eigentlich die beiden alten classischen Spra- 
chen, die Religion, die deutsche Sprache, und die Mathema- 
tik i wir würden noch ausdrücklich die Geschichte 9 wenig« 




061 



ttens die alte, alt atn Hauptfttch hinsafflgeiiy weicht io« 
dessen in dem vorliegenden rlan mit Anderem verwebt ist« 
£a sind im Gänsen aecba und awanaig Stunden wöchentlich 
dem Gymnaaiaften befcbiedeo^ nimfich achtsehn fllr den eist* 
siechen Unterricht mit Inbegriff des dentschen und sflcbliched , 
vier fQr den religiösen und vier fbr den mathematischen. Hier« 
durch ergiebt sieb auch ein schickliches- VerhSUntfs in den 
Stunden dir Lehrer f da jede Qasse einen Hauptlehrer hatf 
welcher jene nchtsehn Stunden übernimmt f und ein eigner 
liehrer in allen sechs Claasen die Aeligioni «bdn so ein eigner 
die Mathematik besorgt« 

IV. Unterricht in Nehenffichern. Ja wohl dr&n^t 
" sich da ein ganses Getfimmel von Lehrwesen berein. Die 
Nttturgescbichte mit ihren Sammlungen^ die Naturlehre mit 
ihren Apparaten, die Schreihkunsty der Zeichen* und Sing« 
unterricbty die Musik mit Klavier und Geigen und Pfeifen f 
auch der Tansmeister will herein, auch der Fechtmeister und 
Bereiter f und der Turnlehrer darf noch weniger vergessen 
werden; und nun denn noch die Sprachmeister — — Wie 
will man da Rath und Zeit und Unterkunft schaffen? Nun^ 
^ die zwei freien Nachmittage in der Woche können scbon viel 
aushelfen y und der Verf. giebt noch einiges Weitere an. Ree« 
würde hierin noch strenger seyn, z. B. hinsichtlich des Fran- 
zösischen; denn wie selten wird das doch in Gymn>«sia1stunden 
erlernt, wovon allerdings, nach dem Verf. , der Grund meist 
in der schlechten Methode der französischen Meister liegt; 
aber doch auch in der schulmäfsigen Stellung. 

V. Geschichte der Baierischen Gelehrten«. 
Schulen von 1804 bis l626*- Zum Ganzen gehörig ein 
-wichtiger Anhang. Auch dieses weiTs der Verf. iustructiv fdr 
die Lehrer vorautragen, 

VI. Vom kirchlichen Unterschiede in den Ge« 
lebrten*Scbulen. Der Wunsch, »dafs eine Trennung die« 
aer Schulen nach den beiden Confesslonen statt Enden md^ey 
scheint dem Verf. für Baiern nicht ausführbar suseyn; seine 
Gründe sind einleuchtend. Er weiset bei der dortigen Ein« 
tracht der beiden Kirchen auf das herrliche Muster in der Kö« 
niglichen Familie hin, und darauf, wie viel die Kräftigung 
des Reiches durch die schon befestigte Einigung der Gemüther 
gewonnen habe, Umsonst bemüht sich (heifst es S. 423«) 
eine zu besondern Zwecken verbundene Schaar, diesen Um- 
sch^vung der öiFentliclien Meinung zu lähmen , und die wohl« 
lliärige VVänn*» und Kraft zu hemmen, welche sie dOTCh den 

iieubt;lebteA Körpci; .d«s Staates au£StrdmU<« 



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Ö62 . . , * PSdagocik. 

I ' ' 'VII. üeber die Zucht der G e 1 e h r t e n - S ch u 1 e n. 
Die klüsteiliche Zucht mit Schwächung der KraFr sab der Vf. 
zu Horn und Mode na ; die Sf.ren^e der altenglischen Schulen 
mit hli^hender Kraft der El onshoys sah er zuEton; undergiebt 
; ans von den Gelthrten - Schulen dieser beiden entgegengtsetz, 
* ten Länder interessante Nachrichten. Die französische Er- 
zieht^rin, Marlame Genlis, iVogte einst den grofsen Buike in 
Liondon nach dem i'rincip der englischen Erziehung; er zeigte 
ihr im Ilydepark aui; das dort flppig wachsende BirkengehüscU 
mit den Worten: ^ hitr wächst das princip unserer Erzie- 
bung« (S.44l.)- Aber diese Strenge wirkt durch die übrige 

Behandlung der freien Bildung nicht nachtheilig. » Das 

alles nahu) nun bei der Schönheit des männlichen Geschlechts 
in England, und bei dt-r frischen ßlüthe dieser von Gesundheit 
und Kraft erfüllten Jugend sich sehr erfreulich aus, und mit 
der Raschbeit ihrer Spiele, der Lust und dem Bestrehen ihres 
Wetteifers hililete es gfgen die Siechheit und Mattheit der 
'italienischen Seminaristen und der Sciiallein von iVlodena mit 
* den ihrer Jugend ungeziemenden Talaren un(lKult»-n, einen 
' '.Gegensatz, der mich für die an Talenten ühersch wUnglicb 
reiche itaiiünische Jugend noch jetzo mit Wehmuth erfüllt« 
(S, 448 ). So wird man auch die weiteren Nachrichten über 
Eton lesen, und z. B. , wie einst dort Fox die Birkenreiser 
unter dem unerbittlichen Heathmaster (Hauptlehrer) Dr. Davis 
fühlen mufste, wie aber auch dort seinTortrait mit dem eines 
Pitt, Canning, Wellesley unter den ausgezeichnetesten Scbü« 
lern hängt« Mit diesen Erfahrungen giebt unser Vf. Winke 
über das Fehlerhafte in unserer Erziehung und Über die rechte 
2ucht fQr unsere Gelehrten - Schulen; wobei wir doch das 
Gute, das die Deutschen bierin besitzen | nicht übersehen 
wollen. 

Vni. Ueber das Verhältnifs der Gymnasien 
zu den höheren Lehranstalten. Kurz und gut, und 
besonders auf Baiern bezogen. — Hieran schliefst sieb 
IX. Ueber Errichtung einer Universität in MOn* 
chen; der Wunsch des Verf. ist mittlerweile in Erfüllung 
gegangen* — Erste Beilage» Ueber Benutzung alt« . 
d«ut4^cber gestbichtlicber Quellen zum Studium • 
d«r Geschichte auf Gelehrten-Schulen y von Fr. 
- Kotb. Zar Grundlage werden die. Chroniken des Aventinut 
itnd det Tscbudi empfohlen ; and andere zur Ergänzung. 
Zweite Beil.age. Ueber das Studium der deut- 
schen Snrache auf Schulen, von J« Andr, Scbmel« 
1er, Soknrz dieae Andeutungen auch sind, so enthalten sie 



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Ran LelirlNieh po1ilifel|«n Oekooomie* 863 

docii viel znr Erhehung diese« Studiums, wie es in VerLin- 
dung mit dem classischen auf dem Gymnasium statt finden 
möge. — Jeder Lehrer wird durch dieses Buch tiefere Ein- 
sichten in dat W'eien der Methode gewinnen. Sie ist die 
grofse Kunst, welche dM Product des Gegenstandes mit der 
sich entwickelnden Kraft richtig zu Lewirken versteht. 

Schwarz, 



.Lßhrhuüh d§r politis0h0U O^kcnomie von Dr. X. //. Rauf 
Hofrtuh und Profsstör» ErsUr Band, Die VolkswirthschaßsleUre, 
^Jaeh n4t d§m Nħiaütilt Ontndtättm d^r Volkswirthschaftt» 
lehre.') 'Mit Chüfih» Bad» Frhilegüaih Meidalbarg 9 PVinter, 
i886. JOFandm 6« 3 fl. 36 kr. 

Der Vf, bezweckte sowobl 9 seinen Zubdrern einen Leit* 
&den in die fiftnde su £^ben , als auch anderen Lesern , be- 
sonders in Staats- oder I3ewerbs^eschlfren , einen gt^drängten 
Abrifs der polftiscben ^Oekonoroie, auf ihrer beutigen Bs]- 
dungf fl^nfe , darsubleten 9 mit -fienutsung dessen , was in 
Deutschland Frankreicb und Grofsbritannien in diesem Fache 
eeleiAtet wurden ist. Die Schrift sollt» daher auch ohne den 
Vortrag des^i^brers rerstSndlich seyn. Um sie unbeschadet 
der.^flrs« reicbUch -mit Beispielen nnd Erläuterungen anssu« 
statten^ wnrden- jfi^en Paragraphen Zustttae beigegeben, in 
4enen es ÜiögUch warf. einseJna Gegenstlnde naher au be» 
lencbtefi*, Pas ganze Work wird ans 'drei Binden besteben ^ 
yon j^es der ati0%ite. die Woblatandssorge (wSrtbscbaftlicbe 
FoÜ9oi)f 6€t dritte dt^ FioanviFtssenscbaft enthalten Wird» 
In dem gegen^lrtig erschienenen ersten ist der Verf. bemüht 



attfren« -Dio Ähoi^dnung ist tolgendts: 

- Einleitung in die politische Oekonomie. 
Staatswirr.hachaftslebr«. 

1. Buch. W esen des Yolksvermdgens. 

2. Entsteht ing der Vermögenatheile« 

3. Vertheilumg des Vermögens. 

4. Veraehru 3Jg des Vermdgens. 



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d64 lUni Lelifbfieh 4er 'pölidsdien OekononxMi 

5* Ditf pi'odMtiven'Gawvfbc/« Hiffr WM»n die 9^u^ 
sweigtt , in w«leb«-'die pro^üctiv« Tbfttigkeit sieb tp«!- 

/ t9tf Back ibrer gansan VVeswibett Zuaainn^ 
•tbetraebteti Ms den U^hergang nur WohlÄmdstot^ ^ 

• vrleiebUrt. Mif nebe ÜntersUcbungen , lie Jonat'in dem 
tbtforetiscben Tb^l« (der VolkamrtbscbiAilebr«) keine 
'passende StelU würden finddk» J^^niien^, a« B. die Yer« 
gletchiing der grolsen und kleinen G(IC<;r, der Hocb« < 
und Nv?d«rvraldwtrtbscbaft a« dgl. , reiben aicb in di«» 
aem Sanften ßucbe wie von selbst ein. 

» 

Unter tliejeiiigtn Stellen, in denen der Verf. am meisten von 
seinen Vorgängern abzuweichen, oder wenigstens etwas hin- 
zuÄUSetzen veranlafst war, gehören nachstehende: die Ent- 
wicklung des Wesens der Volks wirthschaft (S. 3 ff.), — die 
Theorie des Weiihes (S. 40.) und Preises (S. 109 ), — die 
Eintheilung der Arbeit in ihre verschiedenen Zweige (S. 66. )> 

— die.Lehre von dem Gewerbsgewinne (S. 179.) , — vo»i dem 
Verhältnifs zwischen Consurntioa und l'roduction (S. 257.), 

— von der Handelsbilanz (S. 341), — von dem Papierhandel 
(S. 363.). — Um die allgemeinen Sätze über die Banken zu 
erläutern, ist S. 217. 21Ö. eine kurze Beschreibung der be- 
rühmten fünf europäischen Girobanken, S. 241 — 49. eint» 
gedrängte Geschichte und Beschreibung der europäischen Zet- 
telbanken angehängt worden. Bei jedem Gegenstande , am 
meisten in der Einleitung, sind die nötbigen Schriften ange- 
fahrt; aber der Verf. baiist die Art (oder Unar^ , mancSer^ 
Schriftsteller., welcbe bei j^edlr 6elecenbeit3{|[chert2tel heU 
schreiben, sie mögen passeh odeir niät, Mos um mit leich«! 
tester Mfibe den Scbein einer grQiCien Gelehrsamkeit zu ver- 
breiten. ^ Was tÜarigensdan' Verf. bftstimrate, seinen gnä- 
digsten Lmdesberrri um ^in Privilegiun^ bitten, und ver« 
mutbli'cb viele andere Scbriftstelter su^demselben «Schritte 
bewegen Wird, das ist derart. 577. Zm* dh des BadiecheiT 
Ijandrecbts,' wcüdier so Jaatet: »Diüti^iirifeeigerrtbum ge. 
druckter Sehriftea erldscbt mit dem Todw^^ilei Eig^ntbümer«, . 
der sie in Verlag gab ; jeder B^sitser der Süebdift kann alsdann 
einen Na^t^irn^ vemstalten» ao wak nicht £^sondare Goa« 
deobriefe, die der Verleger bat» im W^e stehen.« 

« 

IT. JSr, A nr n. 



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i^. 55, ^ 1826. 

Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



Memoire k o^miu^ft^ imr mm SyiÜmt rstigims 0t polUiqu9f 
tendant k rmwmrßw U MUUffitm U U Trdjif • Pmt Mr^ U Comt0 
, d9 Montio*i§r* Paritg i82<* MMmk, Dmpoat ßt Rom und 
Mimtmrßmr #f Cornj^^ 819 S. ik 8. 

^MT ^nthullnn s einst 
•f.öiitii^hßn mnd r^UgiÖtem Sysißmtf das den Zw&ek 
hat f. d§r Mßligionf dtr Ctttlhchaft und d»m Throne den Unt9r0 
S^f^S hringn» Stuttgart f hei Frankh, 1826. Mit eintet 
Vorwort von Dr^ H. £, G. Paulus f Crojsherz, Bad. Geh. 
• Jürchnarmih» 3 ü* 

' Der französische Titel und die erklärte Ähsicht des Vfs. 
sagt mehr, als der Titel der Uebersetzung ausdrückt. Die 
Rechtsanwälte in Frankreich hilden sehr geachtete, geschlos- 
sene Gesellschaften. Diese zu einer offenkundii'en Beruih- 

o 

schlagung Über das Rechtliche in den öifentlichen Erscheinun- 
gen , welch« er schildert ^ zu veranlassen, war des Schriftstel- 
lers Zweck. Der Sinn des Titels ist demnach, dafs die Schritt 
«eyn solle „ Denkschrift fil r eine Kechtsan frage 
über ein (äufserlich) verderbliches System u. s. w. Nach 
öffentlichen Nachrichten ist diese Aufforderung zu einer sol- 
chen Consultation der anerkanntesten Kechtskenner auch nicht 
ohne Erfolg geblichen. Schon im April gaben ölTentliche 
Blätter davon folgende Nachrichten ^ welche um so mehr auch 
in ganz Teutschland die allgemeine Aufmerksamkeit auf Mont- 
loaier und seine Betveisgründe hinlenken mulsten ; 

»iDie vorzriglicbsten Advokaten von Paris hahen sich 
mehrere Male versaiYinelt (die Eloile giebt die Zahl <ler An- 
wesenden auf achtzig an"^ , um über das Memoire a con- 
«ulter des Um. v. Montlosier sich zu beratlien. Hr. 
De va u X las den Entwurf einer „Konsultation« vor, von 
welcher (nach der Ersählung. des Couriers) folgende Jle- 
Solutionen angenommen Wnrden: „t)af8 die §§. 207 und 2ÜÖ 
des Strafkodek» mit Zucbtstraf^n und selbst Verbannung jene 
' J^uitdiir'iier beleg^nd^ Wcicbt mit «ineni auawärti«> 

XTX. .lalii)^ • 9.'Hr(i. $5 



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866 



Graf ?• .MoBtloiier. G^g/ga ina fiir Rdigiop % 



gen' Oberhaupt« korreippndi r^n, auf die Jeeui,- 
ten anwendbat «(»yeii; — dala . amtü die Farlamentabe» 
•cblOMe gegen die Jetuiten noch heut su Tage als gesetslithe 
Wahrheiten '«iirufen Jidniie, uoi die Soiiatiti]itt.Qii der.Jealii^en 
ea quaHfieiren und um darsuthnn , diCi die Liehre der Xee4i» 
ten f ala auf unuma chrSnicte Macht und Gewitiieneswang aus» 
gebend, ikiit dem BeaUnde freier Kegierangen unverträglichry 
und ala eine peroieoente Verschwörung gegen let&tere anau«. 
Hfhen i4^y f alle 'Kiiltdiener , die ala Frieater oder Leb« 

rer in SeibiniArien iich s(i Griiudeatsen bekeniieli^ welche den 
in den' vier Arrik%1ii voh 1682 enthaltenen suwiderlan&n» 
dieser eineigen Thatsache wegen verfolgt werden kennen; — 
dafs endlich Hr« v.MontloaieT nicht nur dar Recht,* fon» 
(iern auch die Pflicht gehabt, den Gerichten alle su aeiner 
Kenntnifs gekoinm'enen oder noch komnianden Thatseöben aa«' 
zuzeigeiiy welche auf die WiedereinfObrnng in Frankreich 
einer durch die Gesetze von 1764» 1792, Jahr XIL und Mai 
iQ^5, verbotenen Gesellschaft Bezug haben. — Die Konsulta« 
tion soll nun die letzte Fassung e^^laiten und sodann dem Hrn. 
V, Montlosier zugeschickt werden.* 

Wohl dem Staate, wo die unabhängige Rechts- 
kunde solches Ansehen und also'Männer genug bat, die sich 
von einer aiifinerksainen , verständioen Nation eine feste Ach* 
tung dieser Art zu erwerhen und zu erhalten wissen. 

Des Verfs. Anschliefsen an die öffentliche Rechtlichkeit 
mufste um so mehr Eindruck machen, weil er als Royalist, 
ja gewi8sermaf<ien als Ultraroyal bekannt ist, aber das Persön»' 
liehe und Individuelle der Regierenden von dem, was er für 
die Aufgabe des Regentenamts hült , ohne Bedenken unterscheid 
det und absondert. Er ist überhaupt, nach öffentlichen Beur- 
iheilern, die ihn näher kennen, „ein geistreicher Sonderling, 
der All«*"'» was er schreiht, einen Stempel von Kühnheit und 
Originaliiät aufdrückt. In der konstituirenden Versammlung 
safs er auf der rechten Seite, wo er die reine Feudalität vet- 
theidigte. Seitdem scbiieb er ein weitlSufes Werk, um zu 
beweisen , dafs seit dem dreizehnten Jahrhundert der Adel 
immer mehr und mehr ausgeartet sey, und sein Loos von 1789 
^▼eracbuldet habe. Er ist ein Mann i)ei Jahren, aber noch voll 
Jügendfeuer ; er liebt als Feudal -Baron die Geistlichen nicht. 
Schon hat er den Monarchisten Strafpredigten gehalten, und 
acheut sich eben so wenig, den Kleruf euasii»anken» Fftr 
sich lebt er zurOckgesogen in der Auvergne, wo er aeiae un* 
bebauten L*ändereien urbar ipacht; eine Ijebensweiie^ die er 
fOr einen Mann •▼on seiner Abataannung und Denkart^ M,M^ 



V 



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• 

wlirdigtt» tchtaf • £• Ist unni^iglldit fluit »dv Nachdruckt 
Koknkcit und -tdlMt Uitklugheit tu Werke «u gehwi , alt «r 
in aeinam Mi^molfa kconauUer gegen die Congregation 
getliUni aia^ ihoi aüfolge^ 48^000 Afibliirtt in Frankreich 
siUea aolL«- . 

&ec denkt ihn nud dieae allfiemein intefeaaante Schrift 
aaa richtigstan durdr ausgevribitt Haup.tat^Uea aich 
a^lbat achildern sa laaaen« 

M^a hat aich eilte W^it um aich graiiande Varachwdning 
eegan dia Raligion« den Kdate und dia Oaaalltchaft gebildet» 
Ich habe aoldie in ihrar EntatAung bemarkti bin ihr in ihren 
Fortachrilten gefolgt » und iehe, dalt lie auf dem Funkte 
atebt'i una unter Kuinan au begraben. Da mir diese unsere 
Lage bekannt ist^ so moCs ich sie gewilsenshalbar bekämpfani 
und nach unsern Gesetzen mufs ich solche anzeigen . . , 

^Obgleich die Verschwörung, die ich tu entdecken habe , 
durch ihre reissenden Fortschritte schrecklich ist , so ist sie 
doch hinsichtlich ihres Charakters ganz neu. Man wird im 
Zweifel seyn, wie man ein Unternehmen benennen soll, wenn 
man auf der Liste meiner Verschwornen die erste Person der " 
Christenheit finden wird« welche die ganze Welt Seine Hei» 
ligkeit betitelt 9 und die auch wirklich die personificirte Hei« 
liokeit ist; wenn von einem Orden die Kede seyn wird, der, 
wird man sagen, wohl ehemals einige Fehler begehen konnte, 
aber jetzt von stlbst nach Frankreich in der Absicht zurück« 
gekommen ist, um solche gut zu machen; Wenn ich von einer 
frommen Verbrüderung sprechen werde ^ die sich in unserer 
schlimmen Zeit zu Erhaltung des Altars und Thrones gebildet 
bat ^ und die sich jet2t nur deswegen halten will^ um beide 
aufrecht zu erhalten; und wenn ich eine grofse Anzahl Prie- 
ster und Prälaten^ würdige Bekenner des Glaubens während 
den Zelten der Revolution, aufführen Werde 5 die noch heute 
bereit sind^ ihr Blut für denselben zu vergiefsen. Man wird 
mich fragen^ ob die VerschwÖrnng gegen die Religion, den 
König und «die Staatsgesellschaft I die ich angeben wiJl| nicht 
eher eine Verschwörung tu ihten Gunsten ist« 

,sHier ergiebt sich von seihst die wichtige Frage: kann 
es iti einem geregelten gesellschaftlichen Zustand einer Anzahl 
Bflrj^er erlaubt «eyn, abgesonderte Corps zu bilden, sich in 
Regimenter einautbetlen / und ohne Erlaubnifs des Staates 
untitfr aich Regeln und ErketioUngaaeichen für irgend einen 
{rommen 2!weck festauaauail. Wenn diese Frage de|i Herren 
Rechtaaeleh r ten töt gelegt f und von ihnen in Hin« 
aichttiif aan GrundaaU aotachiedeit aeyn wird^ ao watdan aie 



Ly Google 



d6d . Gtfd T« Moallosier. Gegen eU für Religion ^ 

noch ttberdies nach den bestehenden Staatsgesetzen zu unter* 
suchen haben , welche Bescbränkuingen^oder ^icbtbffchr^O« 
kungen hier statt iinden müssen. ^ 

„Wenn Frankreichs Rechtsgelehrte, denen ich diese 
Schrift zueigne, in meine Besorgnil's eingehen, eo steht mein 
Vorhaben, die Folgen mögen auch. seyn, welche. sie wollen, 
fest. Ich ha|>e während vierzig Jahren meines Lebens ola 
aufgehört, die mit dem Blute Ludwine deji Secliesehnten nnd 
Karle des Ersten befleckten Yolksmetnutigen su hekän^en; 
und werde daher eben so wenig Schonung gegen eänn vrige 
religiöse Meinung beweisen, welche schuld ist an dem vergos« 
aenen Blute eines Heinrichs des Vierten und Heinriehe depOfit« 
ten. Treue jAnhiDger des Königthuma 1 Diejenigen, denen 
wir die Colkgregationen , die Jesuiten, das päbstliche und 
Friesterregiment verdanken, sind darauf verbillen, für alle 
diese schönen Erfindungen dieselbe Achtung f wie für die Ke* 
ligion zu verlangen. Die Folge davon war, dafs in einem 
groüsen Theil dea religiösen, Frankreichs die Keligion und die 
Congregationenf die i:l^ligion und die Jeauiten , die Religion 
und der Ültraniontafiiamus | die Jleligion und die Vecwesgfi^ 
.rang des BegrAbnisaea als gleichbedeutend angenommen wur« 
den« Von da an hat allei , waa noch rofrGottlosIgkeit i« Fr«nki» 
reich flbrig gebliehi^ny neue Hoffnung gescbdpft« 

mWo» meine Herren Reclitsgelehrtenf yifo fi«de^ wir 
lAitten unter «naerh Gefahren die Mittel su unaero Heil? 
^yelcheii ist die Macht, die flbev unaern Geaet^en acbwebt und 
aie sQoi Schweigen bringt, und Ober unaern Magistraten 9 um 
aie 8U liUimen? Giebt ea wirklich, wie man ugt« in dieaer, 
Lage keine andere Reltungsmittel^ als die Preufreifceit und 
daa.F^titionsrecht? Wae fiQr ein änderet Mittel aufsei: dem 
Rechtswec bleibt una nochfibrig? — . . 

»Nachdem die Revolution sueretdat Haupt und dauo-^h« 

§anze Innere unserer Organisation aeratdrt hatte, so entstand 
adurch eine Art grofaer Leere ^ die aicb dem Ersten, der aicb 
deraelben bemSchtigen wollte » darbot. Erat war diea daa 
Volk in Masse, unter der Beiiennung Sans-eulottea ; auf dteae 
folgten die Kriegsleute,' und dann der Mittelstand. Da lata* 
terer Stand die Hoffnungen der Geistlichkeit wieder erweckt 
hatte« ao tat aie in Masse mit ihren Jesuiten , ihren Ultra* 
montanem und Congregatiönen angerückt ; und so sind wir , 
nachdem wir vielen andern Ohernerrlichkeiten unterworfen 
waren, jetzt unter die Souverainiiat der Priester gerathen, 
Dil ich stets der wahren und gesel^Jicheii Souverainität treu 
hliel), so werde ich auch jetzt die Oberlierrschait der Geist* 



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Siaal und Thron {«falirUoUei $j$um* 



569 



liehen belcämpfeni wU kk «lle roriDgegtngeM umpirte G«. 
wak hekämpit habe. 

M Als ich während meiner AufwaDderunc gegen die Herrah 
Entraicne und Ferrand schrieb 9 so zweileite ich nicht im 
ihrem Eifer 9 ihrem Talent und ihren Absichten; ich faod blot, 
dais sie der Sacha achadcteii^ der aie dienen wollten« Die 
Leute, die heut zu Tage unter irgend einer Form die geist- 
liche Maoht in die Regierung der borgerlichen Angelegenhei- 
ten einführen wollen, sind mit ihnen in demselben Fall. leb 
bekämpfe ibra Absichten , Wibrend iab ihnen meine Achtung 
coHe; woeegen diejenigen , welche aus revclutionftren ^oder 
gottlosen GrandsStzen /nein« Liobradner 8e)n darften, micb 
damit betrüben würden.^ 

So der tiefaingreifend«' Grata l Auf Veranlassung d»r 
Tarlagsbandlung , ein Vorwort ToransctstaUen , bestätigt dar 
Untai saicbnata iaina Uabaraafigoiig t dafs aina Kastaura- 
^ t o 11 mcht Wiadarharstallting das Altan fibarbaupt ^ sondern 
• ilaaaan ^laiit seyti solka , was im Altan stabil oder das balt» 
bata und tn sich «um Staban geeignata war. £r giabt Hin- 
waisungen^ wakba KircbanvorurthaHa das Stabila salbst iin-' 
atlndig machten und also' niebt; als naua Ursachen der Insta» 
biUtfl^ wiadar BiMulassah sind« Ein sprechender Belag hiean 
aind atliaba Haupteapital aus das röcniscban Maestro dl santo 
Palaszo, Mr. Anfossi«. au Bologna varbaaitatar ftuisarst auf« 
Mlandar Scbrift : Dia Wiadararstattu^ng dar Kir* 
changflta«9 als' noth wandig &tim SaaJanhait für 
«llaj Walch« aolab# obna dia Auctorität das baih 
Stubla ai'ob ^ugaeignat bkben« Card« Consalvi b'atta . 
den Abdruck nicbt erlaubt^ aber Se. Heiligkeit , der jetaiga 
Fabst, unmittelbar. Dia wikfelicban Ausaüga 5. XIII ^ 
XXXU. sprechen. Ist der dffantUche undv Frivatsnstand in 
Europa stabil', wenn, wie hier , Ton Rom ber verkündigt wird , 
worauf alle Beichtväter hinzuwirken hätten ? 

Um Mifsverständnisse abzuwenden, bemerkt Ref. einige 
«innverderbende Drucktebler. Seite V. Lin. iß. unhaltbar 
machen würden. S. VI. L, 24. repristiniren statt : re- 
prüsenliren. S. X. L. 16. woran st. wovon, S. XI. Fea, 
niebrmals; nicht Fr a. S. XIV. L, 35. Hang, niclit: Gang. 
S. XV. L. 12. Aeufsere Macht reicUt nicht zu. S. XVl. 
1'. J8. Mysterien, nicht: Min-isterien. S. XIX. L. 32. Re- 
gierungen St. Verzierungen. S. XXiV. L. 21. sollten die 
Worte: Ehen&o . . bis zu; transigiren, in der Note stehen, 
•nicht im Texte. S. XXVT. Ii. 33. Einwendung. Der Kanon 
sagt? ... > S. XX YH. L. 3Ö. des Vaters der iiirche ^ . . 



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S. XXXII. Lin. l3. irrefortnabel, nicht: conforipabe). 
S. XXXIV. L. 4. immer, statt: kennt. S. XLVI. L. l3. 14. 
nicLt nur getheilt, sondern auch die Beute d^r vereint Llei« 
Lenden ältern Masse zu werden. 

An der Uebersetzung de3 Werks hat Ref. keinen Antheil. 
In dem Vorwort aber hat er auch noch S. XXXII. über die ^ 
neue Declaration mehrerer französischen Bischöfe vom 3* April 
l826. seine Bemerkungen , und dann Hauptstellen wegen der ^ ' 
Jesuiten aus v. Rott eck und Föliz vorgelegt, 

VVir fügen noch in der Kürze den jetzigen Erfolg der 
Montlosierischen fdrmlichen Denunciation vor den Gerichten 
an, wie ihn die teutsche Pariser Zeitung, ein em- 
pFtfhlungswertbes , von ausgewählten Nachrichten gewöhnlich 
gedrängt volles »T^igehlatt für Politik, Literatur 9 Künste, 
Handel und Bekanntmachungen sogleich in No, 18I, angab, 
„Der Königl Gerichtshof hat heute, Paris J6. August ^ seine 
Generalversammlung bei geschlossenen Thören wegen 
der Denunciation des Graien von Montlosier ge* 
halten. Alle in Paris anwesende Magistrate, sechs und vier- 
zig an der ^ahl , kamen im Audienzsaale der ersten Kammer 
unter der Präsidentschaft des Hrn. Seguier zu« 
sammen. Hr, Jacquinot-de-Pampelane , ala General - Procu- 
rator, wohnte dieser VcrMmiiüuof^ | M« 4attorU VOO «ilf 
Ükr bi$ atwa vier IJhr. 

»M^Qtagt, diese lange Sitzung sey lebhaft gewesen; Der 
Ausspruch geschah durch eine M^hc^hl von etwa drei£itg ge» . 

fen änfzehn oder sechs zehn Stimmen« Privatnacbricfaten. ge* 
en das Reliultat in folgender. Form und Inhalt* »U^r G«e* 
richtshof, nach vorlMußger Anhörung der Bemerkungen 
mehrerer Mitglieder über die in einer von dem Grafen von 
Montlosier unterzeicBneten , und an jedes einselQe>jVIitgUe4' 
des Gerichtshofs eingeschickten Denunciation ,n» W. ; 
und nach weiterer Anhörung des Urn, Gener^iprocuratora des 
Königs und seines R^quisitoriuQu;^- . . 

^In Rücksicht der B^^schlnsse des Parlamente «ron Pari« 
von 1762 ; der gl6iclvitimmi^«*n Beschlösse der Übrigen Parla- 
mente des Königreichs; des ^diots JLiudvirigs XVI« vom Moose 
Mai 1777; des Gesetsea vom August 1792; dea Oecreta vom 
Alessidor des Jahves 12 ^ 

9 In Betracbtf . da(s aus "besagten BeschlAisen und Edicten 
arfaellt, dala die bestehende Getetzgehung der Wiederberste)« 
lung der sogenannten Geaelltcbaftt Jesu , unter welcbem Na- 
men sie sieb auch daratellen ifiÖfie^ fdrmlich entgegen ist; defo 
diese Edicte und BncblOf so atit die anerkannto Unvereinbof« 



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J 



Malobaty Slitfadk und Staaienkiiiidr. 



671 



keit der Grundsätze der betagten Compagnie mit der Unab- 
hängigkeit jeder Regierung gegründet, und dais diese Grund- 
sätze aufserdem mit der constitutionelJen Charte ali Dunineb- 
rigdin Staatsrecht der Franzosen unvereinbar sind; 

wAber auch in Betracht, dal's aus eben dieser Gesetz, 
gebung sieb ergiebt , dafs es nur der holten Polizei des Kö« 
nigreichs zusteht, die Congregationen , die Associationen und 
andere Anstalten dieser Art, welche g<^gen liesagte Schlüsse, 
£dicte, Gesetze und Decrete errichtet sind oder noch «rricht«t 
werden solUen, abzuschaffen und zu verbieten; ~ — 

„Was dabei die andern in besagter Schri£t d«& Grafen VOB 
Montlosier angeführten Thatsachen betrifft; 

, „In Betracht, dafs, was auch ihre Wichtigkeit seyn 
möge, die dabei vorkomoienden Umstände, für jetzt, kein ' 
Verbreeben, noch Vergeben, noch eine GesetzesXlbertretung 
•usmacben, worüber der Gerichtshof zu urtbeilen hätte; 
^Eirklärt sich der Gerichtshof für i nco.mpeten t.** 
>t»Man schlug anfänglich dieErotnnilng einer Commission 
öder eiiiee Berichterstatters vor; dieses ging aber nicht durcb« 
Und nun kam et zur Becathschlagung über die Competenz. 

»Man setzt hinzu ^ einige Mk^ieder des Gerichtshofs ha* • 
heu eicb fdr Mit^Uedec der Congregatlon erkläj-t ; man habe 
.dagegen einige £tnwendung gemacht, aie lollten deshalb an 
der &r«thtcfalegung keiaen An theil nehmen ; allein eie haben 
€9 dennoch gethan. « — — 

t . «— Auf jeden Fall ist gecichtlich ausgesprochen , dals die 
Sslstena der Jesuiten^ ala Gefellschaft, in Frankreich geseta« 
widrig ist. Ihre Zulassung würde demnach ein fdruiliclies, ^ 
dnrch die Kammern geganglsnea Gesels bedürfen , wenn ^ie 
Duldung' nicbt grofse Verantwortung mit eich hringen sollte« 

i. Septemh« iMS. - '/^ ' \ 

Dr*. * P e a I e. #• 

— — ' ^ — — 

Sitttlitik und S taafnkund^* £1» Beitrag zur Sttuaenkandt 
« wm JEuroptt^ ; Van C J. Freik, Mmichmt^ K»tt. f^^ürt. 
. FnmnB'Prä$id€ttt*kf Cimuiaiidm des, Kik^ fVBrU Cit^'-Psp' 
dUiut*Ord0iu^ StutigäHrnnd Tuhii^en^ M Cotta, «826. VI 
' rnnd 588 ^. 8« ^ j 

Seit Seh Idter ist unter, den Deutschen viel vön einer 
.Theorie der Statistik die Rede. Man bat di«l g«haUreiche 
^ehrift je^es geistvollen Mannet vielfach verarbeitet und he^ 



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673 . J||al0lMUt/StalMCi|iaiidStMlmi^tti|j^^ 

DiiUt « oIm^ r^tt ))tdeiik«ii ^ <lA& tiaF ätuh «ur die 'GrunAiBiiMi - 
(£ceilich, mit feittfr Hand gezeichneU) einer neuen WiMen» 
sqhftfi^ .ei^tl^ält , und daJpi ai«h wciit iuebr in S cbl 0 s e r e. Sinn» 
bandelt, wenn man, itatt saioe AnMprÜcbe au wiederliolen , 
den von ibni xuer^t betratenen Weg vreiUr yerfoigt. Diea 
scUeInt «tunf nachdem N iem an n acbon einige Scnritte ge- 
tban, in der neuesleni^eit unternommen au werden, und wir 
verdanl^en e&'aberi|iAU der Staatswisaentcbaft , daf»^ sie auf die ^ 
Statistik ein heileres Licht wirft, wie aie schon früher Ari- 
stoteles, Conring, Achenwall und Sehl özer in ihren 
statistischen Forschungen geleitet hatte. £s wird in< unse« . 
ren Tagen allgemein anerkannt, dals der statistischen Darstel« 
Juiif^ der einzelnen Staaten mancherlei Lehren vorausgehen 
mübsen, ohne deren Hülfe weder der Statistiker mit Krfolg 
arbeiteil, noch der Leser aus den Leistungen des ersteren vol- 
len Nutzen ziehen kann. Doch ist nipn darüber nicht einige 
wie diese Vorbereitungslehren sich zur eigentlichen Statistik 
verhalten. Nie mann und der Verfasser des vorliegenden 
W^erkes schicken sie voraus, und theilen ihnen die Benennung 
Statistik ausschliefslich zu, indem sie für das, was man 
sonst so zu nennen pflegt, nämlich die Beschreibung der Staa- 
ten, den Ausdruck S taate n k u n d e anwenden. Mo ne stellt 
beide Gegenstände als theoretische und praktische Sta-^ 
tistik einander gegenüber. Die meisten Schriftsteller erklä- 
ren sich über das Verhältnifs gar nicht näher, und machen ea 
mit der Theorie der Statistik so, wie die meisten Menschen 
mit manchen Tugenden, die desto eifriger geprieaen Warden^ 
ja weniger man sie selbst besitzt, " * 

Wenn wir unter der Statistik die Darstellung des Zu* 
Standes der Staaten , in einem einzelnen Zeitpunkte, ausTbat- 
sachen , verstehen, so ist hiermit schoo angedeutet, dais die- 
selbe gUicb der peschichte auf das in Zeit und Raum Gegebene 
sich bezieht y und daher eine, historischa Wissenschaft ist; 
Keflextonan und-5pecMlatiön«m gehören, wie nützlich sie seyn 
mögen, so wenig au dem Weaen der Statistik, als Hegeln fOr 
^iü Staatsverwaltung , und was Ach en w all niit der Ueher^ 
Schrift: Politisches Interesse in die Statistik einführte 
<!as kann blos als eineJSugaba^ ala eine Auawahl sraalswissen-/ 
i>c]iaftlich(H' Betrachtungen ^angesehen werden« £s gieht sehr 
viele Zweige der Geschichte, denn jifda'Art menachlicher Ver<»* 
höltnisse nnd Beschäftigungen hat ihre eigene, der Krieg wie 
die schönen Künste, die Maschinen wie die Wissenschaften^ 
die bürgerlichen Stände wie die Religionen. Ueber dieaen 
eina^ln«n Zweigen atebt aU • üeb^aiobt der VerSnderttngeQ , 



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» Maieboi» StaiMi «ad SuuHrakudt. • 973 

die sich in den Schicksalen der Menschheit im Gangen suge* 
tragen haben, das 9 wai wir Weltgeschichte nennen; 
die Staatenge schichte hebt dagegen aus <ler uuendiichen 
IVIasse historischer Thatsachen nur diejenigen heraus, welche 
die Veränderungen in den einzelnen gtölseren Geselischatten, 
in den Staaten, itetreifen. Ganz anaiog ist die Statistik nicht 
die Darstelliin'» aller niensclilichen V'erljäitnisse in einein he-« 
etimmten Zeitpunkte (g'iwöljnlich dfr Gegenwart) , sondern 
nur derjenigen, die das Staatslehen umialst; doch sind die« 
selben zahh eich und manchialtig genug. Die Staatengeschichte 
nimmt nicht diK£e Fülle von Gegenstanden aul, theils weil et 
ihr an Nachrichten gehricht, um dieselben durch den Laiil der 
Zelt zu verfolgen, theils weil sie, wenn sie dies bezweckte, 
SU einem unübersehbaren Umfange anschwellen würde. Wer 
Jahrhunderte vor seinem Geiste vorüberschweben läist, der • 
kann nur das Hervorragende, das Kinfliilsreichste beachten; 
wer aber die Staaten in einem einzelnen Moment^ , gleichsam 
in ihrer Bewegung aufgehalten und erstarrt, vor sich liegen 
sieht, dem ist es möglich , sie mit Mafse in allen Einzelheiten 
cu beschauen. Aus dieser groCeen FttlU von Tbatsachen, um 
4ie sich der Statistiker bemühen soll, entspringen eigenti 
Schwieiigkeiteoi ist nich t leicht, in der Manchialtig keit 
Ordnung, Zusammenhang und üehersicht zubehalten, es isl 
<aben so wenig leicht , grQndiich alles £iii2eln« si¥ untersupben, 
«be es in die Schilderung des Ganzen verwebt wird. So er« 
giebt sich das Bedürfnils ainer Propädeutik, welche lle(» am 
liebitaa als eine Einleitung in die Statistik bezeiclMi«» 
"würde , und die nichts anders ist, als dt0 SOganaiint4s Theoria 
der Statistik. Sie ist einer Tollkommen wissenscbaltlicbeit 
fintwicklung fähig, da sie von dem Wesen des Staates aus« 
gehend die einflieinen Seiten und Erscheinungen im Leben des« 
aelben an einander su iraiben bat* Das Material schöpft sie 
BUS varschiedeneit «ndartn» Wissonschafiten , weil man nur das 
gut beschreiben kann, was man gut begriffen bat. So wenig 
man die ZablenverhaltiMssa des mensihlicben Lebens^ ohne 
Holfeder politischen -Ar itbni«tik diircbscbauen kann 9- so we- 
nig ISfst sieb die Natiihrbeschaffanbeit eines Landes ohne etnt« 
g«n Beistand d«kr Geognosie , das Klima ohne Hal£e pfaysika« 
Rseber Lebren « und der Lahdbaa ohne einige Kenntnisse der 
Ijandwirthschaf^slebre scbildern. Da indefi die meisten be- 
stiamsnten, in Zahlen ausgedrflckten l^batsachefei ttbar VermA* 
gens- od«r wirthschafcliche Angelegenheiten su erlangen sindf 
so mufs auob die Tdeorie der Statistik gan« voraOglich sauft^ 
«den Tboileii'dtfr* WiitUcbaftslthtr sohdpfen, und vor Allem 



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ist et das Studianr d«r politischen Otkönomia, welches dem 
Statistiker Noth thut. £s würde leicht seyn^ eine Menge 
von Mirsgriffen anzuführen, welche. sich in manchen neueren 
statistischen Schriften finden« und welche vermieden worden 
wären, wenn sich die Verfasser über die Natur des National« 
Eißkommens, des Geldes ^ des VolksvermOgens u, dgl. besser 
Hnterrichtet hätten. • 

Denkt man über den Inhalt nach, welchen die Einlei* 
tung in die Statistik haben mufs, so ist es leicht, zu 
erkennen 9 dals.ihre Aufgabe eine dreifache ist. Sie muls 
nämlich 

1) die sämmtlicben Objecte, mit denen sich die Statistik 
Beschäftiget 9 in methodischer Ordnung entwickeln, oder 9 
das System aufstellen, nach welchen die Thatsacben, die auf 
jeden einsekien Staat Bezug haben, an einander gereihet wer^ 
den können. Bei jedem Gegenstande bat sie zu zeigen, warun^ 
und wie weit er in die Statistik gehöre. Hier ist die Stelle^ 
an welcher die Staatswissenschaft ihren Beistand leistet , und 

' die Vorstellung y die man vom Staate hegt, ihren Einflufs äus« 
Bert. Wer den Staat nur als eine Assecuranzanstalt gegen Un* 
recht und gegen SicherbeitsstÖrungen von Seite der Natur an« 
sieht, für dttn wird auch der Uolfftog der Statiitik «ehr gering 
aeyn müssen. 

2) Sie inu£i für jedan statistischen Gegenstand die Quel- 
len angeben^ aus denen die Nachrichten geschöpft werden 
können, die Bescbaifenheit dieser Quellen , ihre Glaubwür« 
digkeit oder die Ursachen ihrer Unzuverläsaigkeit erforschen , 
und die beste Art ihrer; Beautsung lehren. ^Sdll s« B« die 
Yo^iitaDga^inea Staate ausgemittelt werden, ao ittau luiter« 
aucban^ • an wia fern man ^ aiah. auf Volksaablungen verlassen 
und wie man mittelbar aus andern Notisen auf jen^ Zahl 
achliefsen könne. Bei der klimatischen Wärme ist darauthun^i 
inrasdia Angabe der mittleren Wlrnia aeigen und nicht seigen 
könne, wie man die Verbreitung mancher Gewächse und.dia . 
Zeitpunktet in welchen andere grünen und blöben, benutaen 
kdnne •. w. Dieser Theil des Inhalter iat von.Scbld.aer - ' 
nur gana im Allgemeinen bebandelt worden^ er* bat von den 
j^aelien' der Statistik Uberbaupt geaprocben, aber nicht, bei 
den ainselnan Materien die Betrachtung durchgeftlbrt. 

3) Sie mula gleichartige Tbataacben aus verschiedenaa -v 
Staaten, aucb ungletcbartiga vonjeioaai und idamaalben.SMate^ 
welche in Varbindung mit ainandea ateban « auaammanatellan « 
Ibra Abweichung un4.Ua)ierainf^iainiuig beobachten « »sind auf 
diaaa Waiaa aua dam Beaandaraa. dar eimalnaii Staat«» die 



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mittleren allgemeinen VtrhSitntsse deraelben ableiten. Diet« 

sogenannte v erg leich on «1 e Statistik ist nicht i)los ein 
treiFlicbes Hülfsinittel der Kritik , welches die inneren Gründe 
der Glaubwürdigkeit beleuchtet, wenn die äul'seren nicht zu* 
reichend bekannt sind, sondern sie tübrt auch, ungel^bc* wie 
die vergleichende Anatomie, aui einen Standpunkt, von dem 
man die GrundzClge eine« .cbriitlicb- CAviiifticten ötaaM^i in ab* 
•tracto erkennen kann. . * * 

Diese drei Bestandtbeile , Methodik, Kritik und 
Vergleicbung, 'm Osten' nicllt notbwendig getrennt tfyri^ 
es iat Fieiinehr nCUzIicber, sie in •inander su ver^^eben, nach« 
dem man nur die Uaupt^tb«il« dei gansen atatijicUdienr Syat«m 
vorauigeactiickt bat; 

Nach dieser .Aüseinandersetsuog , die hier nicht wo(rl su 
umgehen wiir, wenden wir .uns. su dsin genaiiateii Buche ^ 
von dem Ref« i|.ach den G«fS^taeii unseres Instituts nur eine 
Anzeige su geben bat. Das EigentbOmliche des Buches 
läfst sieb nun so beschreiben : es ist eine Einleitung in die 
Statistik, worin anter den vorhin berührten drei Bestand» 
tbeilen die Vergleicbung am ausführlichsten behandelt und 
durch eingestreute staatswissenscliattliche Keflexionen belebt 
worden ist ; die wirthschaFtlichen Gf*genstände nehmen den 
^röfsten Theil des Werkes ein, was alle diejenigen billigen 
werden, denen es nicht entgangen ist, wie viel bei der bis- 
herigen statistischen Bearbeitung dieser Materien noch zu 
wünschen übrig blieb. Auch die Kritik ist überall durchge- 
führt, und der Verf. ahmt die Historiker in der Gewissenhaf- 
tigkeit nach, mit der sie bei jeder Tbatsache den Gewährs- 
mann namhaft machen. Wäre dies schon früher geschehen 9 
so würden jene vielen veralteten oder nufsverstandenen Noti- 
zen, die in manchen Büchern stehen, längst verschwunden 
seyh, weil man «ich hätte scheuen müssen, zu gestehen, dals 
man nicht bei guten Gewährsmännern geforscht, sondern un« 
besehen zusannnengerafFt habe. Die literarischen Hülfsmittel, 
die unser Verf. benutzt hat, sind bei jedem I^ande nnd Gegen» 
Stande die besten^ die nur zu erhalten waren, und höchst 
zahlreich, so da('s der groise Apparat ein überaus günstiges 
Vorurtheil für das Werk erwecken würde, wenn SS nicht scbüo 
.der Ausgeseicbnet« Name seines Verf. tbäte,- 

Die Eioleitune «atbiit die vorbereitenden ErklBrnn« 
•gen ber(Lfarl die QueUeut dieTbeihi dec .Statistik , und endet 
aiit einer ausgewSWten Iiiteretnr»'. Die. "Anordnung der Ge- 
genslftnde iet nachfolgende s* 



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Quellen der Gnindk(aft0| ' . ' ' 

das Areal 9 

' *" 1) dasLfandy • • . ' ' ^ 

' 2) Froduction^ ' ' 

b. Einwobner; — die Fopulationsveihältnisfle, 
II, Elemente vom StaatsreichtbuiUy 

a. Manufacturen und Fabriken f ' 

b. Verkehr 9 innerer und äultererf - * • . 

c. Geldcirculation« 

III« Staatsreicbtbum und Staataeifkonuntn« 

IV, Staatsverfassung. * ^ 

V« Staatsregierung und Verwaltung, 

Von den in dieser Reibenfolge vorgetragenen Sätsen toll 
nur Einige» cur Cbarakterisirung de« Inbalt« ausgeboben 
werden. 

Weder das Land, noch die Bevölkerung für sieb aU 
lein oder das Einkommen des Staates dienen zum ausscbliefs« 
lieben Kennzeicben für die Macbt desselben, man mufs meb- 
rere Umstände zusammenhalten | namentlich sowohl das, was 
der Verf. Elemente der Grundkräfte nennt (Land und 
Menschen 9 deren Zahl und Bildung)^ ali die Elemente 
des Staatsreicbthums (Erzeugnisse der Urproductiön 
und der industriellen Froduction^ Vertrieb derselben und (je* 
werbthätigkeit der Einwohner)* Berechnet man das gesammte 
Einkommen aller europäischen Staaten , so zeigt sich , dafe 
die Einkünfte des bi^itischen Staates fast ein Drittheil desselben 
einnehmen, die von Kufsland nur ein,Zehiitheil. — Bei dem 
Lande werden zunächst die Gebirge und* Gewässer in ihrt;m 
Einflüsse auf den Zustand des Staates, zumal auf die Betriel»- 
samkeit, betrachtet ^ auch die Hauptgebirge von Europa» so* 
dann die Flüsse und Canlle der nln£ grofsen Staaten aofge*. 
zählt. In GroXsbritannien werden 27 gröfsereCanftle genannt, 
in Frankreijch 11 , nebst 20 kleineren« in Oestreich I7f wo- 
von 9 in Oberitallen, bei dem Freussischen Staate il. — 
Anbau das Landes.» j^OO i5l« ist' eine sehr ansfohrliche, 
mit vielen Bemerkt|ngen erläuterte Tabelle der verschiedenen 
Bodenbenntsnngen Sa wie des ErzeugnissAa an Getreide und 
Wein SU finden f wobei fflr solche Staaten» deren Froduction 
iiicht iHlher bekannt ist« > aus der.Gonsumtion (4^/2» nod in 
Bierlflndern 5 1/2 preussisdhe Scheffel auf den Kopf) die Erseu« 
gung berechnet worden Ist« Ehen so ist dann die Zahl der 
hutaharen Haustfaiere und die ProdHCtion-Ton Mineralien an- * 
gegeben. Die Resultate sindi Enropti' ohne die Türkei hat 
von «einer gaosen OberflScfae (146599 Q> M.) gegen 5/11 land* 



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wirtbkcliaftHch benutzten Boden y darunter 37/95 al» Acker und 
14/55 als Wald. An Getreide werden heinahe 2000 MilK Scbef* 
fei, an Wein an 95 Mill. Eimer gewoanao* 2>aff Viebat^od 
ist in unaerm Erdcheile folgender« ^ • 

Schaafe 170 r/2 Mill. 

Rindvieh 70 — ^ • « 

Schweina an 43 
. Pferda 3^ ~ . ' 

Ziegen Sift — • 

In Deutschland kommen auf jeden Kopf der Einwohner SMor* 
gen der ganzen cultivirten Flflche^ 3 Morgen Acker und 
tOi/2 Scbetfei Getraideproduct« An Minaraüan gewinnt 
JVuropa: ' _ . 

Gold 239051/2 Mark (od.halbaovielPfundaJ 

Silber ' ' 321 y83 — ' * 

Quecketliiar 7670 Cantn^c 

Zinn 68276 — « 

Ziafc 66487 — 

Kupfer 294701 ~ - • 

Biai . 606792- — • . • . 

Eisen 17618701 — • • ' 

Sui nkohleil 265 Mill« Centnar« 

Kochsala ' 36719781 Gantner. ' *' . 
Population. Nach einigen nationalökonomlschen ErOrta^ 
rungen Qbar daa Verhaltnii'a^ in Welchem die Znnabma dar 
Volksmenge J5ur Production steht ^ -folgen Unters uchutigan 
ilber die Dichtigkeit der BaT6liu»rung, die Vertheilung dar 
£iiiwohnar swiacban dan Stfidten und dem Lande , die Zahlea 
der Geburten^ dar Eben | dar StarbefUla » und die Varbiltniaa« 
diaaer Zahlen unter ainandar u. dgl. . ' 

Fabrikwaaan« Dar Umfing deaaalban in den r erschia* 
denen LSndern ^ird h^i einigen Zweigen speciell durehge- 
fObrt» dann hei Grofabritannten , Fräbkreicb 9 Oaafeerraich und 
Hofaland im Ganaan betrachtar. . 

Handel* Hier tHffb man nnter andern eine Auarnftteo 
lung d«*r Geldmenge in Europa« die nocb Nieibiand ao aorgfil!« 
tig angi'stellt hatf alä unaar yerf« Der Mflnavorrath'ron £u« 
top« betrHot 2040 MilL tb1if.<(3672MtU. Fl.) - 

Daa rinansweaen dar auropaiacken Staaten iat nach 
den neueaten Quellen auafilbrlich dargaatellt* Dia Summen 
ftti gi>nz Europa find: 

StaataeinkOnfte 1863 Mill. FL 

darunter Steuern und Ahgabai» 1604 » 

.Staataachaldea « 16541 -r^* * 



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• 



87t ÜdbiK MMag^käU AWitipiUipi. 

Nur OliteBiMirg, LMbtMMlMo^ 5m B&rtno und dU SdiiiNis 
ate Gvtfu», «ftUrSiiiid«tmat, tiiid- wiHildanfr«!. 
. > uiMr.dflr Uahifichrife. fitaata^rfaaaung findet dar 
Ijaaar «ina voltatiadiaia Cbaraktariatik. dar Vatfatattnaan von 
aidian.auiopSiacban Slaataa, ndiat Batraditoiigan über dia 
Staattfermaii in Danticliland 9- andliah' in dar Abtbailiuig 
Sla'aiara|aarnng aina Scbildaning dar^Yer wahungiforman 
und MiHtttfvarbftljtniaaa» w^n aiSi: ain Avktmg^^ dia BU« 
diingsiinatallmiiattaltMt.anaeUtAt^ ' 

X« tt^ Jl^ tf aL 



■ < > • ✓ ■ * « — 

ini Mlgenfinpnf odmr litam JUvKhgrfähwUt BmHÜ 4» gßMUhm 
O0i9hUd9ah§U und OmMäi^i^im^ dM Qrmtdprik^ wrMprttng^ 

wmd\d»r &rit H§rmm sa mwmrundt*. ^g^Bndmng 4^9 Iimtnr§thu' 

7$S^im$. ' iO Gr. . 

Kafatant^ dar ainar van danan iiif dta dafilr hiltauf 
alle ralnmanacididiaiiliravliiltl^aef und folglich «tich daa 
AacbUFfrhl|tnü#f iron dar Marabiltt abbinden und ibran ^ 
MaafitUb in ibr Cndan, nabaiditaaJüaiiiaScbnftt in welcbar 
ar ainaa andarnübarwiaian watdan tolhe« bagietic sUr Handi 
und aia inabr ala aMÜMal i^afiBMaani durab« Waa ac darin 
faiMl., jnril|\«r daa» Itaaarf dan dia Si^sba intaraiairtf. kfiralicb 
und^ Wia aicb varatabt, iinpartbaufcb baricblan^ 

I>ar volktanilig abgaacbrial^lia .Tital kündigt aiiL 9 daft 
dar jiobakannu \t» t) aina aftnaljcbp {man tibaradba aa nicbtf 
aina, gll||ia|icba) Gaacbiadftnbait und UnahbSngigkeit daa • 
Orunaprincipi ursprün^licher'odiPf aalflrlicbai; Racbta von dam 
Princip Sittliatfkait bebaupt«t; und 2) daüt ar diaaaa b^ 
ff aiaan und durcbfnbran vUl» 

. Waa nnn snTdrdarat dan arajfcan Punkt anbalangt, so fragt 
aa iicb , waa ift dar Sinn janar Babauptung ? waa maint dar 
Verfaaaar? maint ar» da« Naturracbt«. ala Wi^ttttAcbaft^ 
•ey von dar Moralpbilofopbia ^ ^la ainar Wiaaenacba^ft, 
ydllig unabblngig, ab dalf baida Wiatanacbaltan« ainandar * 
acblacbtardinga niebta angeben « und jeda IHr aidi abaolut iat? 
odar inaint arf das Raobt» d. b« di4 Aai^ta seyen atwaa.yon 
dar Moralitit gatranntaat büSan aina Spbära fftr iicb» in 



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wakbtf miad «Sm W«tM EirnfnA^ sn timy 'te Moni» 
litit nicht gMtfiM f Obgktcb 4i«tf r U«t«r«dua4 i ai G r u ■ • 
de auf einvt liiiiaotlS«ift t to ntifii ar dacb h a acbt at wardani 
um <lbn Verf. recirt aa TevttehjtOf uad tbai bei dir BeartheU 
luog seinar 4Mwbt nicbt Uafedit au tbun« Daa entere. nutt 
kamt er tiicbt meinen » denn er^tägt aelbft 34« o*«* 0«i 
«Jede Scbitdanig def Werlbt amaliiaber «ad racbtlicbac 
Handlungen eetat die innere Frefbeitvoraue«« and: i»Hier 
<in der innem Freibeit) iai der feata Boden , anf walicbem daa 
praktiMbe PbtloMpbie, ali Ethik» ihr Lebrgeblade der Sit- 
tenlabre towobl ala dar 'Aaebtalabra errichten kann und 
mufc« Allee JPrakti«che gebt aus abiöluter'Selbttbettiaimttng 
hervor, ohne dieie gttit et weder Fiiebt noch Aebbt«* 

Dat Naturrecbt alr WiMentcbafii iif folglich nacli dejr 
aigrnan Aeufteruog dee YerlL ein Thet^'der ^afctiacheii Phi* 
lotopbte, iet dieaer unlergeofdnety gobArt wie die Pflichten* 
lebre an Einem Ganaen, au Einem^Syttama , ist foleliab nicht 
gfinslicb tmabhingiß , aoadern bu aüt der Moral^ilotopbie 
atn «und daMelbe l^iacip gemein» ^ die innere Freiheit^ die 
-SelUtbeatimaMHig , mit wekber (8. 3a.) erat Sittenftbigkeit 
iMid acebtafübigkeit enttlebt. Und eömit füllt bereits ^in 
Tbeil der Behauptung des Verf. ausamman, diese nimlieb^ 
defa daa Grundprincip der pbiloaopbtachen Hecbtalehre «nab^ 
hängig $ey wou dem P#incin der Sittenlehre» wenn abdefa 
Frincip ao Yitl beifatt ala der letata und liiiserste Grund» 
Aber den t ein . schlechthin Gegebenee , nicht hinaus* 

gegangen werden. lunn; denn aangestandener Mtlaen iatdte*' 
eer letata und lufaerste Gmnd stowobi der Reabta - ala der 
Pflic^taniehre- eben jene innere Freiheit, jene Selbatheatim* 
aunng, die dar Vßdu von S. d9 34* acbarftianig erörtert. 

. ' Beachten wir nun den andern Sinn 9 • den die Beliauptune 
dea auf dem Titel' Ausgeiprocbenen möglicbar Weira haben 
kann» iMmUcht dia Rechte .aelbat aind von dem MoralSichen- 
ui|d Sittlicben getrennt — .daa Recht überbaopt iat gar nichts, 
moraliacbea» — • so'seigtaicb bald, dafe dfeaea^ea iat» was 
der Verf. meint; Denn er aagt S. 35 s »Ea iat nun au nnter- ' 
auchen> ob ftlr Pfficht nad Recht, oder ftar daa SIttlieha 
ofid Rechtliche in einem Vernunf^weaen eine und dLa.« 
aelbe Norm gelte» oder ob jedes fOr sich unter einer 'b e« 
a o n d eril Regä stehe». vnd wenn.diesel wire»«wie lieb dic^ 
kesondern Regeln au einander .verhalten. m Und nun findet er 
(S» 44.) in der Vernunft ein Princip a]a*Geaeta» wodurch aidi 
die Yemunt^ die,Herr#^afk Aber sidi aell^tt gegen den An« 
drang dfr Sinnlachkeit Jfthert das Mor«lptiiiciy oder das 



88l^ UaU» ünatirfn^ak dtt Beehttpiiiittlpt 

' ' * < * . 

5iltf«gtt0tsV plt Grundlage detsen^ WaffFfliddtgenaimtwird^ 
Qiä swettent mn Frindp als begkntbigte Anweisung auf 
die Herirt^iik <A«r die Sufme Natur «-* das Kecbtsprincip^ 
ida Sntatehunga • und firlcenntnifsgrund des Recbts ^ber* 
lianpt. «9 Hier scheiden sich die monüiaoht und rechtliche 0e» 
aetsgebung der yernnnlt von einander** , Dieses oberate 
Sacntsprincip lautet nun^ nach dem Verf.f also (S. 52,) 3 

^Die praktische Veirnunft «rtheilt dem Menachen die un* 
^bedingte Baf^gnifa f in meinem VerhSltnisse zur AuTsen* 
. «ywdt 9niM ursprüngliche Unabhängigkeit Ton dieser be^ 
«Uebig wßi dttccAi alle ikm an Gibot atehendan Mitte| «li 
/ , ^bahanptan*«« - 

Und' daa dtircb diaaat Prind^ begrflndata Urredit Jieatabt 
(al»endi«.)s 

: ggiä dar dein Menschen durdi «ben diese Befugnifs von 
. i,dar praktiaclian W^rnuiift auackannten Herrensäaft aber 
■ ^ 19 die Siylaere Natur, ala nodiwandlge Bedingung au Ba# 
t ' • Mbauptuug jener Unablijängigkeit*«^. , • ^ 
2ur. ftulaeren Natur geh(|ft aber auch Jeder unserer Neben« 
menschen» folglich daa ganae Mtaacbengesablecht, mit allen 
aeinep IndiiriduenV weii > sie inagesammt idr. den . einaelnen 
Menschen nur als ftulaera- Dinge gelten^ da ata ihm ursprüng- 
lich nur ala aolche eraciieinen (5^66.)* Hieraua endlich — ao 
jßlfarft der Verf^fort ergibt a^h die, «war immer gefiElblte^ 
idier hUhet nicbt deutlich erkannte W.jahrheit (S^ 66«): • 
»dafa der individuelle Menach ursprünglich ehan so we» 
a^ni^ von seinem Nebenmenachen Ma Von an^nvfuXsam 
«»Dingen rechtlich abhfingig scy, tind dafa er dieeea^ au* 
^ folge ursprünglich. eben *o Wenig irgend« eine VerpflidH 
. sktung Mna Verantwortlichkeit gegen jenoi da. gegen 
ipdieee babek** 

Dieaer lätatere Sata iat gldcbaam daa Reaultat der ganaen Ua<- 
tersuchung. ^ Er heifst mit andern Worten : Icn habe daa 
Hecht, meine Freiheit und.SelbatstAndigkeit «— nicht nur pe^ 
geh fremde- .WilllQhr an iiehanpten^' und mich gegen* sie an 
vertheidi^enf aondern ich habe audi daa Recht ^ meine Frei* 
beit uqd ^elbaUtSndigkeit sqr w^itjiusandebnen, dafs ich jeden 
andern Menachen bloa ala dn^Mittel für meine Zwecke^ ab 
eine inüiere Sacfaef Aber welche mir die Hvrrenediaft au» 
ateht» Jiahandle« ' . 



(Dar tsfcAtufs fotgt,} 



s 

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3N. 56. ' 1826, 

Heidelberger 

• • • • • • 

Jahrbücher der Literatur. 



Ueber Unabhängigkeit des Rechtsprincips von dem 

J^riu^ip der Sittlichkeit^, 

» ■<• 

Un<l gegen diesen Satz, den die praktische Vernunft 
dictirt haben soll, soW die näm^icha praktische Vernunft, die 
nach S. 67« und 49. Achtung für Menschenwürde gebietet, 
und ungeinessene Herrschbegierde in Schranken hült^ nichts 
einzuwenden haben ? Kann die Vernunft sich so widüi'.* 
sprechen? Gegen dieses /(^eri^eintliche Urrecht 9 das sich gar 
keine Beschränkung gefallen lassen will § nicht einmal die, die 
ftQS der moralischen und rechtlicbon Gleichheit der Men« 
sehen unrerm eidlich herv'orgehty toll jede Einsprache des mo« 
^ raiischen Gefühls als unaiemlich zurückgewiesA) wer.dtn? Ist 
ein soloher Zwiespalt der Veriiinift yernünftig ? Oieies Ur« 
recht foll die GruncAage aller übrigen Rechte leyn, und vosi 
Hiin ftoU die Aechtswisaenscbaft erst ihre Be^^rOndung . er« 
warten ? ? - 

Der Verf. sieht die Furchtbarkeit dieses seines Rechts« 

princips, und den Widerspruch desselben mit der Moralität 
scbr wohl ein, und bemerkt, um jene Furchtbarkeit und die» 
sen Widerspruch ibrti su benehmen, folgendest' 

1) Diese Herrschaft des Menschen fiber seines Gleichen 
sey kein Unrecht, sie erstrecke sich ja eigentlich nur Über dai 
Physische derselben ^ indem das Geistige au unterjochen eine 
Unmöglichkeit sey. ^^Diesem nach ist die Herrschaft eines 
Menschen über seines Gleichen auf ihr Aeüfseres beschränkti«* 
— (Diesem naeh» wenn Jemand in das ZimMer einer Frau 
eindringt und ihr ihre langen schönen Haare mit Gewalt ab- 
schneidet, weil er siö zu irgend einem Zwecke ndthig hat« 
thut er kein Unrecht 4 denn die innere geistige SelbstStflndig« 
keit dieser Person wird durch Gewalt an der äufsern Natur , 
' wohin das Haar gehört, nicht verletzt.^ ^ 

XIX. Jarbg« 9, Heft. 66 



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2) Dadurch,! dafs j edani J^ensphen die Hemehait über 
«eines Gleichen Verlieben suy ^ veruraAdle sich. dieMAurspr fing* 
liebe Recht in das Hech^ d«« Widerstandes gegen fremde VVili» 
kfibr und Gevralt , Md |p W«rde dem, Gehrauche jenes Herr« 
•chercecb.ts eine Grenze gesetzt. — ( j«nes Herrscberresht g«bt 
•6 weit« als die Kraft und die Macht reicht) und der entwe- 
der an sieb , oder für den Augenblick Schwächere leidet also^ 
nach der Theorie des Verf., kein Unrecht, wenn er von dem 
Starkem unterjocht und als Mittel für seine belieh igen Zwecke . 
gebraucht wird, denn dieser, übt nur sein ursprüngliches^. ihn 

/von der Vernunft verliehenes ^,ech t aus.) 

3) »In wel<Aien Verhftltnisseh auch der Mensch sich be- 
finden möge^ so sey er doch fflr jede freie und hewufste Wil- 
lensbestimmang » mithin auch für jede Airsübung eines Rechts 
eich selbst und dem ^ittensesets verantwortlich. Aichtung fiür 
die Würde der Menschheit: stehe im Sittengesets obenan ge- 
schrieben, nnd hiernach bestimme sich, in seinem ^Gewissen ^ 
die Art Qjid Weise , wie er seilte. Rechte, ohne sie aufzu^e« 
Ken , gebrauchen k^nne«* (S. 6^l»)* {Demnach ist das Sitt- 
liche hüher eis das 9«cbtlicbe» demecli gibt das Moralische * 
den Mafsstäby nach weJkhem' auch die Ansübung eines Rechts * 
beurtheilt werden mu£s, £D]g1icli ist das Rechtliche den* 
ooch vom Sittlichen, als dem Höheren, abhängig« Giebt es 
aber Hechte , die von dem Sittensesets unbedingt verdammt 

' werden, und doch Rechte sinds Nein; denn ein Recht, 
.das die Vemmaft verwerfen muls, ist keinRjedit| sondern 
eüne Anmafsung rober Willkühr, uod^physischer Gewalt«) 

^4) l^ie gleich begründeten Ansprüche Aller aof die Herr« 
Schaft über ihres Gleichen führe unvermeidlicb einw &ieg 
Aller gegen AUe' herbei , der keine bestehende Ordnung der 
Dinge aufkommen lasse; gleichwohl' sey dieser Ziii^land ^er 
Dinge weder unnatflrlich, noch unrechtmäfsig, . vielmehr sey 
er noth wendig, als Bedingung su Errichtung eines Üufsexn 
Rechtszustandes, su welchem die Nothwendigkeit die Men« 
sob^n treibe, wenn sie nicht, ganz gegen ibre Bestim** 
mung, abgesondert von einander leben wollen , welches aber 
nicht einmal mdglicb seyn dürfte, (Sonderbarl der Verf. 
leitet aus der Bestimmung des Menschen sein Rechts^rincip, 
sein Ürreicht ab ; diesea Urrecht führt -die nnvermetdlichea 
Folgen des Kriegs- Aller gegen Alle, und mitbin die Anfhe* 
bung alles geselligen Beisammenlebens dec Menschen mit sich; 
gleichwohl ist eine solche Aufhebung gans gegen die Bestim« 
mung des Menseben, und nicht möglich« Ist hier nicht ein 
höchst auffoUender Widerspruc)! » . aud wekhein berrorgeht» 



TM doB MMip d«r SltdiildMil. 



683 



entweder t dab ei nicbt Beatiitimung des Mentchen Ist , gesel- 
lig und in Staatan lu lebend oder : dafs jenes Urrecht — > Her- 
renscbaflt Über Sainesaleicban — nicbt in der Bestimmung des 
Menscbian Hegt y aondarn unricbtig aus ihr gefolgert wurde? 
Und dteaaa l^etatara iat dann auch das Wahre.) 

5) Allerdings kdnna die äulsera Kechtsgesetzgebung die 
Moralität nicbt gana entbehren | die moralischen Gesetze wer- 
den aber erat durcb Aufnahme in die Rerhtsgesetzgehung zu 
Rechtsgeaatsenf was sie an sich nicht seyen und nicbt seyn 
kannten. — (Heifst das nicbt das Moraiitätsprincip oder das 
JV^oralgesetz zur VordertbQr binansjageni um es durch die 
HinterthClr wieder hereinzulassen? und wie kommt die äus- 
sere , positive^ conventioneile Recbtsgesetagehung dazu, et* 
was dem Recht gänzlich Heterogenes ^ wie die Moralitat nach 
der Ansicht de« Verf. ist , in sich aufzunehmen? unstreitig 
wohl dadurch, dafs sie erkennt^ das Moralische stehe über 
dem Rechtlichen , sich aber weislich begnügt , blos die üufaere 
Conformität ein'^r Handlung mit dem Moralgesetz zu verlangeDi 
da sie über das Innere^ die Gesinnung, nicht richten kann.) 

Dieses Wenige mag hinreichen; denn eine weitere Aus- 
eiiiandersetz-ung des streitigen Punkts würde leicht zu einer 
Abhandlung führen 4 diegrdiserwfire als die angezeigte Schrift. 
Nnr die Frage sey noch %u berühren erlaubt, wie der Verf. 
aü einem so irrig^n^ und^ alle Rechte absuleiten ^ durchaus 
unzulänglichen l'rincip gelangen konnte? £r gelangte dazu 
durch einen andern Irrtbum | diesen ttSmlicb^ dafs er dasGei* ' 
st ige im Menschen ^ daa «r mdriget Weisys imner die Psyche 
nennt, und so ächt Garteatanisä su ejner Substans für sich 
stempelt, gänslich gescbiedeti aeyn lUfst von dam Leiblichen^ 
von der ) der Fsycbe fremd aeyn aolleAdeii Sinnlichkeit, und 
dafs er noch überdies dSeler.also isoUrten Psyche absolute 
Freiheit beilegt. Eine ist « näch des Ref. UeberzeUgung ^ so 
unstatthaft, als das andere; der Mensch (st 'ungetrennt und 
ungetheilt nur Eines iiti strengsten Sinn, und was man in Ge- 
danken u nt e rscbeidefi kann f ist darum nicht auch in re 
ipsa geschieden ; und absolute Freiheit kommt nur der Gutt* 
heit zu« nicht aber irgend einetn erschaffenen Wesen. 

Die kleine Schrift ist übrigens gilt geschrieben I und^eugt 
von einem seinen Gegenstand flbit Beharrlichkeit und Klarheit 
verfolgenden Geiste^ 

Er h a r dii 

L .i lHn i .tn I - m I I 

56* . 



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884 Chaptalj Agrkiiltuv«.Giiiiiiif« 

Die jdgricuhur - Chemie des Grafen Chaptal% mit Zusätzen und jin* , 
merkungen übersetzt von Dr. IL F. Eisenbachj Privatdocenten 
in Tübingen^ und mit einem Anhange versehen voJt Dr, G» 
S eil übler j Professor in Tübingen* Stuttgart , bei J. B. D^etzler, 
1814. /. Bd. XUF u. 207 iL Bd. ir u, 57d S. 4 fl: 

Der Name eines so berühmten Chemikers und Techni- ■ 
kers, wie Graf" Chaptnl ist, überhebt Kef. der Mühe, sich 
in eine kleinliche Kritik einzelner Angaben einzulassen, die 
auch in den berühmtesten Werken dieser Art manchmal eiper 
Berichtigung bedürfen, weil es im Fache der Naturkunde so 
schwer ist, alle* seihst zu sehen und zu erfahren. Ref. will 
sich daher auf den Inhalt des Werkes im Allgemeinen und auf 
die Behandlung des Ganzen beschränken. 

• ■ In einer langen wortreichen Einleitung — im Geiste der 
meisten französischen Autoren — spricht der Verf. über die 
Einwirkung der Chemie auf die Landwirthschaft , über den 
Werth und die Förderung des Landbaues überhaupt , und 
kommt dabei auf manche sehr treffende finanzielle Bemerkun- 
gen, z.B. auf jene, dais die Salzsteuer eine wahre Plage für 
den Ackerbau und die Viehzucht sey, und dafs manche Ab- 
gaben, welche der llegierung zehn Millionen eintragen, die 
Nation um fünfzig Millionen ärmer machen u. s. w. Der erste 
Band enthält acht Kapitel, und verbreitet sich über folgende 
Gegenstände: 1) Allgenipine Betrachtungen über die Atmo- 
sphäre, vorzüglich über ihre Beziehung zum Wachsthum und 
Leben der Pflanzen. 2) Von der Natur des Bodens und sei- 
nem Einflüsse auf die Pflanzen — also von der Agronomie. 
Hier kommt auch die Analyse des Bodens vor, die sehr ein- 
fach und mit wenigen Reagentien durchgeführt wird. Für 
diejenigen Leser, welche mit^der Chemie mehr bekannt sind, 
bat der üchersetzer eine genauere Bestimmung des Gypses • 
und Humus beigefügt. Zj Von der Natur -und Wirkung des 
Düngers. Der Verf. unterscheidet reitzenden und nährenden 
Dünger, und versteht unter ersterem vorzüglich die minera- 
lischen , unter letzterem aher die ani.oialischen und vegetabili- 
schen DüngstolFe, 4) Vom Keimen. 5) Von der Nahrung 
der Gewächse. Hier kömmt vieles vor, was mehr in das Ge- 
biet der Pflanzenphysioiogie gehört. Der Verf. meint, dafs 
die Erden , besonders wenn sie durch andere chemische Mittel . 
aufgelöst sind , von den Pflanzen aufgenommen werden, und 
dals einige Salze wesentlicli in die Zusammensetzung gewisser 
Pflanzen eingehen 6) Von den Aufbesserungen Oes Bodens 
(^Amendements}, Dax Verf. versteht darunter alles , was dem 



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m 



Boden eine den Pflanzen sUträglichere Bescbaflfenbeit ertheiltf 
und nimint dabei Attduicbt aul: die Einwirkung der £rde, der 
Luft, dea Wateere» dee Dangera und der Temperatur auf die 
Pflanzen. Hier werden alW mechaniaclien Arbeiten und alle 
cbemiscben Veränderungen des Bodens ^ welcbe denselben 
firuchtb^r macben sallen, berttbrk* Dieses Kapitel entbalc also 
eine kurze Andeutung dessen , wM man in den deutschen Sy- 
•teaien derLiandwirthschaftsIehre tnectianiscbe und cbemische 
Agricukur^ nennt. 7} Von der VVecbselwii tbscbaft« &ur« 
cer lieber blick der landwirihacbaftlicben firieugnisse in 
Frankreich« * ' 

Der zweite Band umfarst das neunte bis achtaehnte KapU 
tel« 9) Von der B«sclia£Eenbeit und d«n Anwendungen der 
vegetabilischen Erzeugnisse, als Gummi , StÜi kmehl , Zucker f 
Wachs, Oely Harz, Faser , Klebet Gerbestoff, Slaren und 
Alealien. Der Leser findet hier swar nichts Neues, daa Alto 
und Bekannte ist kura und gut dargestellt, aber vieles enge« 
fahrt, was in eine landwirthschaftlicbe Technologie gehört. 
10) Ueber die Aufbewahrung der -thier lachen und IMlanaeii» 
-Stoffe. Die drei Metborlen, daa Austrocknen, die Abhaltung 
von Liuft^ Wasser und Wärme, und die Anwendung von Sal« 
zen und geistigen Flüssigkeiten sind hier sehr gut vorgetragen» 
Der Verl, erwähnt dabei der neuesdinga in Vorschlag gebrach« 
ten und besondera von Ternaux auf seinen Gütern bei Paris 
auagefübrten Korngruben oder Silo's , so wie auch- der A|>pert'- 
achen Methode y Fleisch, Gemüse, Früclitc u. a« ir«.aufaiibe« 
.wahren. .11) Von der Milch und ihren Zubereitungen , But« 
tejr, Käse u. a. 12) Von der Gübrung. Eines der besten 
Kapitel, wfe manea auch von dem Verf., der selbst gtofser 
Weinbergsbeaitser in dem ersten Weinjande der Welt ist, 
nicht anders «rwarten konnte. Sehr bebersigenawerth sind 
die einfachen Mittel , die deraelbe angiebt, um in sdilecbten 
Weinjahren den Most zu verbessern. 13) Von der Destilla- 
tiom Der Verf.^ entwickelt historisch die Entstehung und alU 
mäblige Vcrvollkommnnhg der Destillirkunst, biSsAuf den 
hoben Standpunkt, den sie durch dre neuesten Appavato er« 
reicht bat, die in einer einaigen Destillation Spiritus geben» 
14} Von der Bereitung gesunder ^Getränke für den Land mann, 
z. B. Nachwein,. Obstwein u« a, w. 15) Von den ländlichen 
Wohnungen fbr die Menschen und das Vieh, und den Mit- 
teln, sie gesund .su erhalten. , iQ Von der sparsamen Wä« 
sehe, dabei auch vom Fleckenauamachen. i?) Vom Anl^au 
des Waides und der Indigbereitung aus demselben« £ine sehr 

gcündlicbe Abbandiung» Sie mwto aber auch ao' ausfallen ^ 
- • 



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ÖÖ6 CkapUli Aj^riouUm-Cl^eiale, 

dti in Fl'$nkreicl| sur.4«»it der Conti neQtahperra die gröfsten 
Versuphe über diesen Gegenstand gewacht wurden ^ die Re- 
gierung solche Unternehmungen sehr Iinterstttt2te|- und aelbst 
schulen und Musterfabriken für diesen Inrlu^triesveeig anle. 
gen liefs. 18} Vom Anbau der Runkelrüben und von der 
Zuckerhereitung aoi denselben. Dieses letftte Kapitel ist das 
vqrsüglicbste des ganzen Buches, obschon es eigentlich in eine 
Agriculturchemle nicht direct, gehört , sondern theils rein land« 
wirtlischaftlichen , tbetls technischen Inhaltes ist. Der Vert 
war seit vielen Jahren einer der gröfsten Beförderer der Zucker, 
fabrication in Frankreich | hajt' mehrere Fabriken dieser Art 
^Qgelegty und betreibt sie noph. Er hat a)le Hindernisse be- 
siegt, und kann jetst mit dem indischen Kohrsiicker recht gut 
Coucürrenz halten* Seine frö^^eduren sind aus vierjähriger 
eigener Erfahrung hervorgegangen, und verdienen deshalb ge- 
wifs Nachalin^Qng. Er beschreibt eine, sehr zweckinüfsige 
IVeibma^chine ^um Zerkleinern der Kübdn, eit^pfiehlt die An* 
Wendung der thierischen Kohle heim Abdampfen des mit Kalk« 
niilcb geläuterten Saftes 9 und gi^bt genaue Regeln fUr das 
eigentliche Versiedeh, Kafluiir^n und Weifsftacben. Das 
ijan^i^ schliefst mit Berechnungen iSher Unkosten und Ertrag, 
^iner Runkelrübensuckerfabrik — alles in Geld ausgedrückt — - 
und mit der Bebaviptung, dafs Landwirthschaft, Technik und 
'der ganste («jfatiQoalvfahfstand durch diese Fabrication gewin« 
neB mflaaen,' womit auch Ref.-in Besug auf Deutschland gans 
einverstanden ist, besonders wenn der Getreideüberflufs und 
die geringen Qetreidepreise uQcb langer endiniern f oUten^)» 

Aus dem Ueberblicke dieses Inhalte« ergiebt es sich, dafs 
die Materialien nicht systematisch geordnet sind. Docb ist 
die Darstellung im Ganzen popaliir , und das Buch pnthälc 
viele nützliche Lein en, die zur Verbreitung chemischer Kennt« 
nisse bei den gebildeten Landvvirthen führen inögen. In wis« 
senschaftliclier Beziehung steht es aber der beiüljmten Agri- 
cultur- Chemie von Davy weit nach, und ist auch in der Art 
einseitig gehji^heni dß(^ der Yerf, keine a'idern Qhemil^er| 

■» I. I ' m \ 

In Frankreich ist zufolge des Einfuhrzolls der Zucker merklich 
theuercr als in peutscliland. Chaptal rechnet das Pf und raf« 
finirten Zucker so 34 Kr* 9 wahrend mau bei uns wohl nicht ubes 
24 Kr. dafür lösen kann. Dies arsabweit die 3sche einiger* 
malsea für den denisohen Faiiricanten. 

A« des Spee.,Red» 



% 

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NiMiwe Wnkia van 4« Mutiohtppjr M7 

all Fratiiosen utid Engländer kennt , w&hrend wirklich meh« 
rm Deutscbe diäten Ueßenatand glAcklicb bearbeitet beben. 

Die Uebersetsung lat im Ganten gelungen. Der Ueber« 
•eta^r kat in Klammern in den Text selbst mebrere £rlflute» 
rungea Terwebt, auch mancba berichtigende Noten unten bei* 
ge£5gt. Am Schlüsse dea aweiten Bandes findet man gröfsere 
Anmerkungen und Zualtae vom Professor Schübler in TU« 
hingen. Die wichtigsten derselben beaiehen sich auf den Bo« 
den, auf die Milch und ihre Verarbeitung. Dais dieae grQn^* 
lieh und in jeder fiinaicbt belehrend und berichtigend seyre 
Wflrden, konnte man von dem Verf. der berühmten Abband« 
lungen tiber die physischen Eigenschaften dea Bodent und Über 

die Milch (im 6* Hefte der Hofwyler BUtUr) erwarten« 



Üifmoe Werken van de Maatsehappy der NedtrUmdsoh^ Letterhands 
U Leydsm l Deel II, stuk^ u Dordrtchif by Blutig e.n vm$ 

Als Ref. in vorigem Jahre Gelegenheit nahm p da» erata 
Heft dieser Abbandlungen anauseigen, bewog ihn dazu vor« 
Sllalich .das Interease, welches ein einzelner Aufsatz in dem- 
iielDen Aber den Eihflnfs des dritten Standea in den Stände» 
Toraammlnngen der Niederländischen Provinzen zu' verdienen 
achien. Gegenwftrtigea aweites Heft enthalt wieder mehrere , 
interessante Aufsätse^ Ober welche in Deutacbland» wo meto 
aicb leider Wenig ,um die Literatur dea atammrer wandten 
Nachbarlandes kümmert , Bericht au geben, Ree. für seine 
l>flicbt halt. £a kann in der That nicht fehlen, dafa die Ab« 
handlungen eines Niederländischen gelehrten Vereines, der 
der G;eachichte seines Vaterlandes heaondere Aufmerksamkeit ' 
widmet^ ein groieea Interesse haben müssen; denn die Ge* 
achichte welches europäischen Landes kann sich, was Abrun« ^ 
dung der Verhältnisse, Lob Würdigkeit der Resultate^ Geatal« 
tung des politischen Lebens betriffti^ der Niederländischen an- 
die Seite stellen? Sie beginnt aelbatat&ndig in einer Zeity 
wo der Streit des Trotestantismua' gegen die Römische Hier* 
archie, der Streit der damaligen Staaten vom zweiten ^aage 
gegen daaHababurgisclie Frincipat im £uropäi8chen .Staat<$n« 
ayatem^ wo das Streben der übrigen Seemächte unabhängig 
von Spanien Tfaeil an dem Welthandel in deasen neuer Aua- • 
dehnung zu nehmen alle Geister bewegte — aie beginnt alao 
mit den Jnter'eaaenp deren Verfolgung uns überhaupt erat die > 



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geistige und gesellschaftliche Ausbildung geschenkt hat, die 
der Stolz der neueren Zeit ist. Und in dieser Verfolgung 
haben sich die Niederländer auf dem Meere wie zu Laqdf* als 
tüchtige Kämpfer gezeigt, und im Cabinet als die ausgezeich- 
netsten Diplomaten. Naturkunde und Geschichte, l'hilo* 
logie, Philosophie und Staatswissenschaften haben durch Nie- 
derländer die gröfsten Fortschritte gemacht, in den bildenden 
und — obgleich es von Deutschen wegen der zu grofsen Ver» 
wandtschaft der gegenseitigen Sprachen nicht leicht empfunden 
werden kann — in' den redenden Künsten haben die Nieder* 
lande ausgezeichnete Meist/ir aufzuweisen. Endlich, habeiv 
die Niederländer an den Vortheilen und an den wahrhaften In- 
teressen der Französischen Revolution Theil genommen , ohne 
^«icli dabei so mit Koth zu besudeln, tohne sich zu solchem 
Aberwitz fortzutieiben , wie ihre Nachbarn, und haben zum 
Lohn dafür von der Vorsehung, nachdem der Sturm vorüber 
war, ein erhabenes Fürstenhaus zurück erhalten, dessen Ge. 
fchtthte mit der Geschichte der Niederliindischen Bildung und 
Freiheit untrennbar verwebt ist, und nebst einer weisen Ver- 
fassung die beste Garantie giebt , dafs es dem modernen Mit- 
telalter nie gelingen wird , über diese Landschalt geistiger 
. vind politischer Freiheit von neuem seine eckelhaften Netze 
9u spinnen. Wie sollte in einer solchen Geschichte nicht sehr 
oft auch die Untersuchung specieller, anscheinend blas local- 
wichtiger Gegenstände ynil Begebenheiten ein allgemeineA In« 
teresse gewähren? 

Das zweite Heft eröffnet die Beantwortung einer Preis* 
frage : welken dienst en ondienst heeft de Dichtkunde van de 
oudste tyden af tot op onzen tyd , aan de Geschiedkunde ge- 
daan ; bepoaldelyk med opzigt tot de Grieksche, Komeinscbe 
en Nederlandsche Geschiedenis ? Diese Frage über den förder- 
lichen und «cbüdlichen Einflufs der Dichtkunst auf die Ge- 
schichte ist beantwortet von Mr.S. de Wind (Su bstitut-ofßcicr 
by de regtbame y^an eersten aanleg te Middelburg). 

Es dreht sich die Beantwortung nicht um eine Unter- 
suchung ilbcr die innere, geistige Verwandtschaf t dichterischer 
und historischer Production , w^ie sie Ilumlioldts in jeder 
Weise höchst ausgezeichnete Abhandlung über die Aufgabe- 
*cles Geschicbtschreibers giebt, sondern um die Feststellung 
jenes mehr äufserlichen Einwirkens poetischer Darstellung auf 
die Ueberlieferung von Begebenheiten. Die Einleitung be^ 
innt mit der Bemerkung, alle Geschichte der ältesten Zeiten 
eruhe auf Tradition, und diese habe allezeit einen dichte- 
rischen Charakur. Hieivoor zya tw ee evengewigtige redenen : 



a« NadflteaMlw LtttMfciinde. 889 

d« kinderlyke'.mroadigheiil derniw« vollrany tn d« armoids 
hiinnar takn« £• wird bitfrauf gaaaigt« wia dia kindlicbara 
AotchMiuDg rober Volker oothweodig mythologiscba Voratel« 
langen eraeuee^ wie dieea niytbologitebe Vorttellungeweiio 
^nn aucb auF Batracbtun^ gesebtditUcber Beeebenbeiten auc« 
gedehnt Werde y und groiaen MSnnem den Cbarahter von Htm 
coen ▼erleiba. So werde dia Tradition notbwandig ihrem In^ 
halte nadi aar Dicbttifig; aber auch detr Forte .nach mOaaa aia 
aa w«rden9 und daran aey ToraOgliab die Armuth der Sprache 
Schuld. Die Armuth awingt nSouicb, um abatractere Begriffe 
aoaudeuten-f an Bildern — aine £rach*inungy die aich aber« 
all 9 ja roher eine Sprache iat^ in je grdfaerem, Maafae beob* 
achten ISlaty aobald nSmlich daa Volk 9 waldiaa diaae roha 
Spracha*apricht« durph Umatlnde gezwungen wird, aieh auf 
Verhfiltniaae gebildateren Lebena ainaulaaaen* Alle Bildnng 
filngt alao iliit einer gewiaaen dichteriacben Aoadruckaweiae 
an, und die Tradition wird nicht bloa ihrem Inhalt « aondern 
auch ihrer Form nacli au einem Werke der Foeaia, — Dteaen 
Verlauf der Sa(äie wei«t Herr de Wind hierauf an mehreren 
aJten Völkern: laraelitenf Indieruy Aegyptern u. a, w« nach, 
und fügt dann binauy dafa sogar , waa die Stellung der Worte 
anbetrifty eine poetiache Form eintreten mulate, da man aa* 
awui^en war, aua Mangel an Buchatabenaahrifl oder Schretb- 
material dam Gedfichtnifa auf andere Weiacy durch Abythmua 
oder Beim u* a« w« aa Hq1£i aü kommen* 

Die Dichtkunat iat alao *noth wendig die ftlteate Geachicht- 
achretberin. Ueberdiea giebt» auch in apflterer Zeit, dia 
Dichtkunat nothwtfndig immer einen grofaen Theil.der QueU 
leh fflr Geach^hte her., — Sitten* and Bildungsge schichte 
iat aum grofaen Thei) nur atii Werken der Dichtkunat au 
«cfadpfon« . , 

. Die Abhandlung aerßUlt dann weiter In drei Abtheilnn* 

Sen, Unterauchangen nSmlicb Ober den beaoiideren Einflufii, 
an die Dichtkunat auf die Geacb^chtachreibung der Griechen , 
Körner und Niederlftnder gehabt bat. Jede dieser Abtbeilun* 
gen acrfHUt wieder in awei verschiedene Unterauchungen — 
1^ Ober den Einflufa ^er Dichtkunat auf geacbichtlicbe Wahr« 
beit — alao auf deii Inhalt der Hiatorie, und 2« fiber <|^n 
£in6o£i der Dichtkunat aaf die Form der Geacbicht- 
acbreibung. • ' 

Wir fil^ergehen die, banden ersten Abtheilungen f ind^m 
wir nur erwSbnen , dafa bei der Unteraucbung über die Orie^ 
<&ache historische Litaratar .Creaaera Arbeit au Grunde ge^ 
legt, b^i der Ober dia IiömiaGhaNiebtthraBömiadieGeacfaic&^ 



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oMhtfiMb bbrttok&ichtigt* Ut. Selbststäociige Resultat Von Ba« 
dtntung liefern diese beiden Ablbeilungen nicht. 

Die dritte Abtbeilung, welcbe die Historiograpbie der 
Niederlande betrifft , 'verdient eine nSbcre Betrachtung. FriW 
her bis auf dip Uoabbftngigkeit treten die Niederlande nicht 
besondere hervor« es vrerSen also die alten Heldenlieder der 
Gallier und Germanen erwähnt^ eodänn dieJliieder, die Karl 
der Grofse tamoittln Ueie, und es wird die nach ifn Deatscb« 
landacbön mehrfach ausgesprochene Meinung geäufaefft, daXa 
das swölfte und dreizehnte Jahrhundert diese älteren Sagen 
nur umgearbeitet babe. Das Nibelungenlied, das Heldenbuch • 
werden erwähnt ^ dik Französischen und Deutseben Ritter« 
romane berficksichtigty und überhaupt die dichterische Stim«- 
mung hervorgehoben, welche das ganse zwölfte und dreizehnte 
Jahrhundert charakteviairt. ' £a führt diea zu dem Ausruf 
(p. 10»)^ Kon het dua we) andere 9 of deze geheel dichterlyke 
•temming. moeat invloed hebben op deGeacbiedenia? Es wird 
dann geaeigt 9 wie Chronikenschreiber und. Stftdtegeachichten 
aus dem Mittelalter voller Fabeln find, wie namentlich an di^ 
Spitze fast aller Niederländischen Städtegeacbicbten fabelhafte 
Stifter oder andere sagenhafte Gestalten gekommen sind ; allein 
in die eigentliche Geschichte haben dieae Sagen nicht mehr 
wie in Griechenland und Horn Eingang gewinnen können, da 
die urkundlioben Nachrichten, daneben, su grell dagegen ab* 
etanden. 

Indem Herr de Wind an dem aweiten Hanptatfick feiner 
dritten Abtheilung übergebt, macht er die Bemerkung , niafa 
die Niederländische Geacbichtachreibung ei^it sehr spät be* 

Sinne. Unter dem Burgundischen Hauae war die Niederlän« 
iache Sprache verdorben^ mit vielen autländiachen Worten 
versetzt worden, tiberbaupt noch ungebildet — unter Karl V* 
und Philipp war Interesse Und auIetaC der jVIuth nicht vor* 
banden. Mit dem Unabhängigkeitskrieg begann der erste gei« 
atige Aufflug. Mamix, Goornbert und Spieghel eröifneten 
eine Reihe aushezeichneter Dichter, und die Niederländer er» 
hielten durch dieae in der ersteh Hälfte dea aiebenzehnten 
Jabrhupderta eine gebildete Sprache. In dieser Zeit ward 
denn auch auerst die Chroniktorm in der Geacbichtschreibung 
verlassen, und Bor, van Metereir urid.Aeyd wurden die Väter 
der Niederlandischen Historiographie — doch war ihre Sprache 
noch nicht fein gebildet, und auch die Versuche» i» lat^inU 
achelr Sprache historische Kunstwerke zu liefern 9 glü^e die» , 
aer Zeit nicht ganz. I^ieter Gorneliaaon äooft war der erata» 
welcher, augleich einer der ersten Oichtär seiner Zeit » in dec 



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GaMhicbtaehmlmng eine mu« F«rtod# tfftffiui», . Sttfk Ibnrtk 
«U Groottf , der 1620 itrffGhicB, MidboMe «idi f^btthbiiMitcbt« 
lieh der ^cbreibttrt und diNr AuaüBhruils «u« ; dt« Snm^ «bcc 
•einer bistoritchen Werk« wat amtf NederUndecbeiHiitoriet 
die im Jabre 1645 {gedruckt ward. Hooft erwarb ^#iob durch 
dieaira-Wcrk den Hi»hm, fflr «inen Ni^derlindiacba« Tacitua 
SU gelten — überall aber iat ea aicbtlMirf wie ibm-bai allen* 
. aeinea Froduelionen jene i^raft ; die ibn au« IKcbtar macbte, 
beaeeha — - ohne jediodi der GrOndlicbkeit « welcha dia Be« 
handlung einea biftoriicben Gegenttandea verlangt ^ £intrag 
au thun. 

In. dan afldlicben Provinaen «dea jetsigaa KOnigratcbaa det 
NiedttHande blflbte in jener .Zeit die Dichtkunat niebt»' und 
die Folge waf f dafa man* hier auch keinen tOchtigan Geadiicht- 
acbreiber findet. , 

Gerard Brande, der inlloofta Fufatapfen trat, war atbtn 
so grofa alt DtcbteSr denn ala Geadiiebtacbreiber. J66S kam 
aeinii Geacbiedania der Reformatie berauaf und nach aeinem 
Tode t het Leven van de ^uitar. Auageaetchnet ala Geachicht* 
acbreiber trat dann auch aain Sohn Caspar Brandt auf in aei«. 
nem; Leven van Hugo>da Groot (Hugo Grotiua)» Au£ Hoofi; 
und die beiden Brandia hatte dia Dichtkunit den gröfaten und 
unlflugbaraten EAnävSßf indem ihrer Wirkung beaondeta dia- 
Xjebendigkeit undderG^tat der biatolriacfaanDaratellungen die-« 
aar Mfiuner «uauachreiben .iat« • 

' In dar araten Hälfte dea pchtsahntan Jahrhonderti ward 
.dia.Gaaehicht^ mahi^ tar gelehrten Forschung — viele Nieder- 
' iftndar betcbüftigten aich damit, und viele Historiker vpn Ver— , 
. dienet gebdren in dieaen Zeitraum , aber kein einsiger bedau* 
tender Hfatoriograpb« Auch die Ni«derlindiache Diehtkun<t< 
schien auagestorben., und daa Studium der alten Claaiiker 
hatte «lle.iia aehr an aich geriaa^n allea achrieb latainiach^ 
uqd auchta vorzüglich di« Verdienata daa Gelehrten, 

' Pte Yaderlandsche Historie von Waaenaar, dia in Am* 
aterdaui 1749 i769'erachienf war wieder daa erste bedeu» 
tAnde Niederländische Geachicbtswerfc — Deutlichkeit, und 
Treue find ausgezeichnete Tugenden dieses Werkes, aber die 
Ltebendigkeit und Schönheit ditr Oaratellung, wie 4ie in den 
froheren NiederUndischen Historikern au finden iat,'veroBifat 
man. Seitdem hob aich die historischa Kunst in den Nieidar« 
landen wieder ausebendi. Simon Styl .in seinem Werke.: Op • 
koinst an bloei der vereenigden Nederlanden (Amsterdam an 
> Harlingen |774 1778) stellt aich acbon wieder in die Mitta 
awischan WAgcnm und Hooft aüglaich war er einer der 

* 



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099 . < Sieowt WMimm da MiatMlnfpj 

Ji^mlDiishtet Mner S^dtj' diato Eigenschaft scheint jedoch 
anpf aeiBe bfitomdimi'ProdaodoiMii wenig Einflufs gehabt su 
bbon« l^lcliticuiia^ updi faisloriache Kunst sind so während 
des gaii9«fn. achlselinteit JahrbundarUr m den Madarlanden in 
kaibe inner» Berflhrung getreten 9 und erst in naueater Zeit 
iuiben Stuart» Boaacha» &cbeltenia und van Kämpen wieder 
atchtbar grofsa Sorgfislt auf die DarateUung^biatortacher Gegen« 
atlinde gewendet f ohne doch einen unmittelbaren Kinfiufa 
dichteriacher Anschauung oder sonst irgend einen' diehteriachen 
Anflug SU verratben; . * ' . 

Hefr de Wind achltefst dann mit folgenden Worten, die 
Wir nliseren I^esem ins Deutsche Öbersetst mittheilen : 
Anfange der gläosendsteh' Periode unserer Literaiur begegnet 
litis die Dicfatkunat: sie war «a, die den- Niederländischen 
Awadruck fOr die Prosa bildete, reinigte, bereicherte, und ao, 
der achten GescbIchtScbrethUng 'die Bahn brach. Sie war aa» 
die über Hoofta unaterbliibhet Oeacbichtsbcicher jenen edlen, 
ienrigen Geist ausgofs^ 'der »acKfaer Brandt und* Anderen Mu* 
' ster herrlichen Nachatrebena wurde , und in mancher Himicht 
auch dem. Gescfaiehtschreiber unserer Tage aeyn kann.» 
«•"Zum Beschlufs nur nodi diese Bemerkung : die Dichtkauat 
hat im Allgemeinen auf dieganse prosaische Darstellung einen 
widitigeU und £5rderlichen Einflufa aehabt. Viele Schrifu 
ateller freiliph haben davon Milsbtaucb gemacht, und eine so« 
genannte poetische Prosa geschäffsn, die gewiXs ein jammer- 
voller Jttiiagesibmack genannt werdeu känni — .. doch scheinen 
die besten Gescbichtschreiber an aller Zeit au sehe von Ach- 
tung vor der Geschichte durchdrnnge<i gewesen zu seyn,. als 
dala. diese Schreibart auf geacbichuiche Darateliuag Eiuflula 
bStte gewinneaf können.« . . 

Wenn uns die beiden ersten Abtheilungen von Herrn do 
• Windes Abhandlungen wenig neue Ansichten eröffneten, ao 
mllssen wir dagegen die Znaammena^allung einer Entwiche* 
lungsgeschichte der Dichtkunst in' den Niederlanden und der 
Geschichtschreibung als aehr interessant bezeichnen , und Ref« 
bedauert nur eipen so kuraen Ausaug des Inhaltes liefern "au 
können. . • - 

Es folgt hierauf ein«a1tho]ljln4iadiea Gedicht ans dem Endo 
dea fUn&ehnten iahrhunderta mit .dem Titel : De Nederlaag 
van Frans van Belderode of de laatste onderneming der Hoek« 
sehen door eenen Hcdlandsöben Dichter* 

Um die Mitte des vierzehnten jahrhunderts hatten awei 
Partheiungeii,' in weicherer Adel i^id die Städte von Holland' 
getheih waren , wAhiend der Sireitigkettea der Kfldserin Miar» 



der McdflandttlMi Iiaif rknnd«. 

garetba mit ibram Sohne Wi^haloi d«a Ntoi^ d«r yahaljuim 
und dar Hoaken (Angelhakan) ai^;aQoaMien «— > und der 6e» 
gansatz hatte sich fort erhalten , bta gegen finde dea fOn^ebi^ 
ten« Jahrhunderts die Hoeken gaqji un|erlegfi^ utid vertfiebeti ' 
waren. Während Maximilian in den Jahren. i488 , und 1489 
mit den Flamländern au kUmpfen hatte, versiichten die Hoeken 
^ einen letsten Streich« Frana- von fired^rode» ein jAngling 
von zwei und awanaig Jahren, det eben erat die Hochacbule 
SU Loewen verl'aisen BatUf /Irat an ihre S{»itse — ^ und lie* 
Ibficbtigte sich Rotterdams. Die Fartbei hatte am Ende Stt 
gering« HolEimittel» und nachdem alle anderen Vortheile ver» 
loren weren , wurde F/ana eelbat In einem Gefecht an der Maas 
im Jahr i490 verwuiidet und'ge&ngen« £r atarb kura darauf ' 
an aeiner Wunde. 0ald nach eeidem Tode bdrte dle.Fartfaeiung 
^ g&a:lilich auf. ' » . . , • 

lieber den didkteritoben WMb - der drei GesSnge Aber 
Franaena Unternehmungen welche Herr Xoping, 19 deaatfi 
Händen aich das Mapuacript befindet,, mitlbeilt., frl^ubt aicD 
Jlef« kein UrtbeiU Die Upgelftuiigkeit der ijlteren nieder» 
deutschen Spreche mag Schuld seyn.! deXe er manchea nicht ge« 
niefsen kann, waa einem Niederl^dcr gefallt« £i|iseIneStel« 
len haben ihm iii^bt gana nrifs6illen — • im Ganaen iat ea ihin 
. vorgekomAieA'y al« liabe er weniger mit einem Gedicht , denn • 
»mut einer etwaa.tinbebolfeneiif nnd in Nebendingen aiisfbbr« 
Jioheh Chronik su tbun. Der erste Gesang geht bis auf den 
Verluat Rotterdams; Seotisnaen .finden aich viftlfacb iii die Dar« 
atelluitg eingefiochteiy^ heaondera jft das aweite Gedicht da- 
;mit auageatattet*. Dan dri.tten Gesang aeichnet der Her r Hec« 
•usgeber aus | ala den Beginn f inea besseren G^^chmacka in 
der Nt^erllndisjBben Dichtkunst beurkundend, . 

Dan drittelt Plats nimmt eipe Abbandldng.ein, welche 
die Aufichrifk filhrtt Bydrafien- tot de Historie van bat ver» • 
* ^ boud en de ameekscbriften der J^ed^landsche Edelen van de 

- Jaren 1565 l567 dopr M. Baron d'Yvoy. (Ltd van de 

- Maatschapp^ der Nederlandacbe Letterkunde te Leydeo)«.. £in 
Arufsats von durchaus populärem- Interesse für den GeacHicht* 
forscher f der auf ganz spe^eüa&enntnifs der Begebenheiten 
eingebt; er ist von mehreren wichtigen Urkunden be« 
gleitet. 's 

Den Beacblnrt macht ein Fra^mient ^on Jacob von Maer» ' 
lanta Spiegel Historiael; mltge^heilt aue einer Breslauer Hand» 
achrift dnrch ^naerdn gelehrten .Landsmann^ 9rrrn Dr. ÜoS* 
mann (voll FaHeraleben) snBreelau^ dereich dnreb Auffindnag ; 
und geni^tte Bearbeitung auch Anderer Br^dittlUÄe Alter«;^ 



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DtütaciMr Didittr itm üntaf« 'Sprach« iiiifl Litmtare^ichiülite 
verdtonli gemacht , tend neh duteh teine yollstaiiiiige &entitntfa 
der Niedarlindiich^ii Literatur und Sprach« hei dan Nieder- 
iSadiaeheli Geiehrtenf aNgeaieiae Achtung und Anerkennuag 
erworhato^hiit^ * S. L e Pi 



Butropii Breviarium Historiae Romanae. Recognovit ^ 
insigniorem lectionis varietatem annotavit y indicesquB rerutn ac 
verborum copiosissimos adjecit Dr, Georg, Frid, ff^ilhelm* 
Crosse^ Stendaliensis Gymnasii Conrector et verhi divini ad 
Cathedralem D* Nicolai aedem minister* Editio secunda , mi« 
nori pretio venalis, l^ptia9% ö likraria Uahnia» MDCCCXXf^^ 
XXiy und 296 ^. 8. • 6 Gr* 

Auch ttntair den Titels ^ 

0l Dr, JpuüK DUi0r.' Oüdofr. Sß^hode, BUdasUndt 
f OynnuuU DhßeiorUf Dmeal^ SoeUtatt Lai» Jkik ^odol» H<mor« 
Tomas JOU* ^utröpiam ^nüntat* 

Bleie Ati«gal)e, .l^elche eigentlich aeh'on lat Jahre lSi6. 
erfchieneii lat| eignet aich eben qarua» an keiner auftfttbrltchtit 
Anzeige 9 und wir wflrdeii sie gana Qhergangea habenf wenn 
wiiinicl^ htoi Gelegenheit dfeter wohlfeilem Auagabe una au 
aagen irerpfltcbtet ftlblten ^ daft aie sehr empfohUn «u werden 
Verdient 5 und unatreitig den beaten Test eiaea Schriftatellera 
enthält, deraonat aehrbfiufi^ auf Schulen gelesen wutde^ he- 
ften wSrtig aber tbeila durch die vielen Chreatomathteen^^ tbeila 
durch die lauter gewordenen Klagep Über seinen freilich nicht 




als in ^llnalicher deacbmacldosifi'keit « und der Inhalt eignet 
aich gana au einer cursoristben Kepetitlon « so wie aur eraten 
Bebanntschaft mit der RdoMSchen Geschichte. - t)ie Gefiihr« 

, dafa ein junger Leier die ionUi der spStem Zeit eua ihm lerne 
und aich aneigne« läfstüicb durch einen aufmerksamen und gtf» 
achickten Iiehrer, oder eine Ausgabe , wie*die des Hrn. Gr« « 

»gana entfernefei. Was nun die vorliegende Ausgabe betritft ^ 
ao hSIt sie eine besonnene Mitte awisehen dem Zuviel und 
Zuwenig! berflcksichttgt troraflglich die' Lesart ^' dann die 
Sptaebe tuid Ihre Eigenheiten f und vergleicht bAufig die Grie« 



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diitdM Pirnbiai« dtt Vlmfaii» • Die geographI«difa iumI KU ' 
•lorttdiiMi Nu»«» wirdtJi im mUn Indtx bmlanglieli «rlfti»» 
ttrt» im. swfliten d«r Sprachgebraucb , mk Viergleicbwig 
g1eicha«itigerf frflhmr Qua fpSlerer SelMrifttfedltri Mbr l«!»^ 
Mich ttnd grUndlicb : man mm nur di« Acttlotl. «m^RW^- mmi» 

Di« «ufffMomaMiMii LeffurfeMif. so wia dlt GrUadt ftr 
derca Au&abm« mAsMO' wir grdfiUiithtili. billig«»« Nur 
einig« w«Aig« Sc«H«ii d«« «m«D und awnttn BHch«t b«b«a 
wir %u$, wo iiitt' «iiiw«d«r dl« Lesart od«r d«»Onud jbr«r 
Aufnahm« nicht b«fri«digt hat« Inder Vorred« e -^mm-k^frl^ 
€ifHm vi tu •gr$guM eaMtirmitf. Hier ctdlat fiMMioh «ir« «twaa 
an 9 weil man egregm im «rft«n Atig«nblick aU Abhitir bo* 
.trachten kdnnt«« Wann ab«r Hr. Gr. tagt^* der Stnguhir aey 
dadurch entachuldigt, da(a «tr« b«i Nepoe Praef. &*d« fkMm$ 
oeemrrU Und Wenn er hinsuaetat,.daiiif .wm einige Ander« 

Sehen 9 wHff die Obren weniger beleidig« ; ao .i^ac au ha* 
«nk«n , daff in der SteU« dea £utropiua Mt^ fidach wir«« 
weil.er nicht sagen will in den Lebenahea ohreihungenf 
aondern in dem lieben (sc. jedes £inaelnan)f ond'daTaaa 
b«i Gortt«'Nepos «• a» O» (ip. hociexponemus iihro de vii» es« 
cellentiuiu iik^peratorum) allenfiilla woU «iie« (die Biogr»* 
phien) , ab«r nidit de «iti# Mfsan dürft«.' Qafa bei Cic de N« 
. !)• I. 20w ateht ; deua — * ^i . homtnum «ommoda -eicef^e 
tueatuTf ist nicht gegen uns* I. 1. itf t jpdplmnmum adnlnuan* 
4«e9 tradmit i die NoU daau: „ Vellern • Codd. pro&rri: wi (!• 
m, Bant) qui plurimum nänimmmifiis trtidtifU 9 ^a«r«rbat auctories« 
^aMionem definita« annorum supputationis paratura« in pi»> 
renthesi posueHm». Eodem fer« modo inira 10^ 48« IndicatiTum 
(^rodsfie maint er) in acriptor« hnjus aevi facile tnlerim» Ut> 
nunc legitur , post tninimtan (er will sagen tfihdmmmque) subaudi 
trmdmtt^i diese Note begreift man nicht f da ja gerade aOf wie 
er gelesen haben will , in den Handschriften und. Au sgaben stehiL 
I. it« cum uaeorwt ipte H populut su»9 non hahärstp .beweisen di« 
aua dem Eotropius citirten Stellen nichts üDr dieses tmu, son« 
dern nutf dals er oft tuns aagt; wo es wegbleibaa konnte, aber 



SoUheilsent von elaerHelif sahl-rerkammt. paiNetenletfin 
des Hrn. O» ^ obgleich niehts weniger als lehleditf laborirt doeh 
■ an ^niigen Mängeln. So itelif ^ B* auf d«ri^lben erstci| Seite dar '. 
von den mustergültigen Alten ▼ermiedane Genitiv fdtronmqttä f 
und & t6* wifd deflusrß in demselben Siane fSr abgeleistet 
werden gebnaaht» wie soiisi 9 gleiahfiiUs niaht gnt,' darfeeri» 



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^4 Balfoptt Brtfvvniavi. 



:CoTh. Nep. Milt; I. Wenn er abor aut JMep. At%. V. «nfObirty 
' ««t'geben £inige dort fälschlich ejtts anudt für j|rf#> «oirrt er^^ . 
B«i jenem «nwic steht wedkt tjus noch jiiuf wohl ab«r hei p9m . 
"ftAiltf findet sieh in einigen smtf in mehreren 4^af,«sn einem 
jkeins von beiden» '5. Bardili'e Auegabe 940- rergl* 5* 678* 
T. II. 1. 19. ut Fidvamd ißxtOf .Vejentes XFIU naiUarie abiint* 
Weil voran geht iMtfnee, eo' wolfte Vinetus Keji lesen; Hr. 
Gr« will lieber FUenae in FwUiuats verwandelt wissen , damit 
es aiitF«ie»t«ir' harmoiitref und citirt L,4. Vejentes et Ficlenafc . 
tea^^ quorum alU sexto milliario absimt ab urbe Aoma« alii 
OCtavo decimo. £a ist aber die «letstere Aenderung nicht nd« 
thigerf als die erste. Warum soll denn der SAriftstUler 
keine Yatiätioin dea Ausdrucke -anbringen dflr^n ? — II. ,2Bi 
Umd noR «ff»» aagt Regulua» lo« n^lim eapihfonm profttr uumm 
#e-f ät t9Mm% poMtcosf ^ai s» BommUsjtapti fummnt^ nddgreiftmr» 
Hier emendirt Hr. Gr^ propitr e«^#e ititsnif und sagt: „Itadedi 
«X conjectura ob^luddtoreai. oppositionem^ in«faa ne -pro« 
aiofliina quidenif aaepe alias a librBriia 'obtrttaa, recte abesae^ 
poasunt. Oppo^uiitur ^ntni miUibua captiyorum Carthagi« 
«iensium et jkegulus^unua isqae senes (nunc eooimate post 
«mifli posito hunc sensum adjavi)» et^auci, qui ex-Aomania ■ 
capti tuerant. Q^od valgo ponunt se post wimty locum habet 
prorsus ine^tum, .oratiDneni veddfit languidam et redundat. 
£t Godd. aliquot iOmittunt. Gruiterna quoque diaerte iaipro* • 
, hti» • Et ante m aegre desiderarioi.« Man siehty Hr. Gr. gieb^ 
eich viele MOhe« seine Conjectur zu empfehlen. Aber er bat 
Ikberseben^ dalseiegar-nichteinmallateinisch ist} aonatattilGite v 
«nan auch aagen kdnnen: ego adettt patrem et amioiun aecedo» 
Auch ist «« nach unum weder lahm noch Qberflflsaijj. — ^ Docb 
dergleichen 'Mifsgriffe aiad nicht viele ^ und ^le Bea^erbung 
dieser wenigen Stilen , au denen sich swar noch andere hin* 
susetzen liefsen. Lebt unser Urcbeil Qber die Brauohbarkeia 
und Voriüglichkeit dieaer Aüagäbe im geringsten nicht auf ^« 



*) In derHahnsehen Buehliandlung in Hannover ist tu gleicher Zeit die 
sweite Ausgabe der für Schüler sehr brauchbaren S e ebode'teken 
Ausgal^e des £u tx opins mit einem Wörterbuehe eriebienan* 

— ^ ■ - < 



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Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



C# Cornelii Taciti Synonyma et per figtiram tv5ijt ho'v 
dicta, Collagit j digessit , aliorum scriptorum locos aliquot 
comparavit Carolas Lud ovic us R o t h ^ Gymnasii regit No» 
ribergensis Rector. NoribergaPf apud Fridericum Campe. 1826. 
ir und 60 «y. 8. 36 kr. 

J 

Einer Notiz in öfFentlicben Blattern zu Folge iat diese 
Scbrif( auch als Programm ausgegeben worden ^ da nach einer 
neueren Verordnung in Baiern die Gymnasialprogramme wie- 
der einen wissenschaftlichen Inhalt (und, womöglich, auch 
Gehalt) haben sollen. liat eine splcbe Verordnung in andern 
Ländern^ wo sie längst besteht, schon viele ausgezeichnete 
kleine Schriften und Monographiccn zu Tage gefördert, die 
ohne dieselbe vielleicht niemals erschienen wilren , und wäre 
vielleicht auch diese sonst nicht erschienen , so mögen wir je- 
ner Anordnung danken, die die Abiassung dieser gehaltreichen 
Schrift veranlafst hat. 

Der Verf. bemerkte, dafs man manche Stellen des Tacitus 
richtiger auffasse, wenn man die Figur Sv 5/a Svc7v berücksich- 
tige, und beschlofs deswegen, alle stellen desselben zu sam« 
mein, wo sie sich fände. £r entdeckte deren nicht nur sehr 
viele, sondern auch eine unerwartete Mannigfaltigkeit dersel- 
ben, sah sich bei den Grammatikern nach einer umfassenden 
Belehrung darüber um^ und fand sie nirgends erschöpfend, 
namentlich die verschiedenen Arten und Unterarten nirgend» 
aus einander gesetzt. Daher sein Entscblufs, dieses Geschäft 
leihst zu tibernehmen ; daher aber auch die Nothwendigkeit, 
auch die Synonyme des Tacitus zu berücksichtigen und zu 
sammeln, und die Veranlassung, diesen einige Beispiele aus 
andern Schriftstellern beizugeben, damit erhelle, dals Tacitus 
in dem Gebrauche dieser Figur Vorgänger und zwar nicht we- . 
nige hatte. Oft nämlich kann man zweifelhaft seyn 9 ob ein 
gewisser Ausdruck Synonyma oder ein 5,'y 5/a ivo7'j enthalte, r 
veranlassung zu beiden war nicht die Neigung, die Rede zu 
'Schmücken oder abwechselnd zix machen | sondern das ßedüri« - 

XIX. Jahrg. 9. Heftj. 67 , . 



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6^0 C. Cornelii Taoiü Syooojnia ed. Aotiu 

nil» oder der Mangel, den der Sprechende oder Schreibende 
in der Sprache fand , woraus dann späterhin eine Schönheit 
und eine, besonders in der Poesie oft gebrauchte , Zierde ge- 
macht wurde. Die J(ürz«flte und pöösr«ndste> EkWärung der 
Figur Hendiadys fand der Verf. bei Kuddiuiannus r tum; qnad- 
i re unum est, sie efFertur, quasi duo essent. Da sich nun, 
wie gesagt, zeigte, dafs sich die Synonyma nicht immer von ^ 
der Figur Hendiadys ganz bestimmt unterscheiden lassen, dafs 
ferner mit beiden die Apposition sehr verwandt^sey und grofae 
Aebulicbkeit habe, so sab sich der Verf. genöthigt, die Syno- 
nyma vorauszuscbidcem Ueberdies fand sich dazu noch eine 
andere Veranlassung in einer Eigenheit des Tacitus, der tiäm* 
lieh viel lieber zwei Substantiv» verbindet , als dem Substan« 
tivum^exn Adjectivam beisetzt. Die Aufzählung der Syitoiiy- 
me beginnt der Verf. mit denen des dem Tacitus so ähnlichen 
Sallustius; dann folgen von S. 7 bis 10. die durch und ver» , 
hundenen Synonyme des Tacitus, darauf S. 11 bis 13. die 
durch Disjunctivpartikeln an einander gehängten, S. l3 bi» 
16. die synonymisch gebrauchten Adjective, S. l&. Adv^r« 
.blen, S. 17. Verba: von den beiden letzten Art«^ fandet! ilcll 
^ wenige; Hier ßndet aicbdenn» dals.die einen dazu dieneoi 
den Numerus su stützen ^ die andern verstärkend, andere er» 
läuternd, wieder andere erweiternd , andere limitirend sind* 
Sm 19. beginnt er nun über die sogenannte Hendiadyf eu 
' 4i>rechen, die sieb ^auch bei S u b s ta n t i v e n , Adjective n 
und Verhis, aber nicht bei Adverbien Endet. Die Ab« 
stufung der Anzahl ist wie bei den vorkommenden Synony* 
Alien. Von der ersten Art (mit Substantiven) nimniti 
. ^ der Verf. vier Gattungen an: a) wenn zwei Substantiva 
statt eines Substantivs und Adjectivs stehen ; b) wenn die 
Beisetzung des zweiten statt des Genitivs gilt; c) wenn die 
Hendiadys statt einer Apposition steht ; d) wenn die Hendia« > 
dys steht, wo ein 2Su^sats darch eine Präposition oder eine 
Umschreibüng folgen sollte. Die erste Gattung zerfällt 
wieder in drei Unterabtheilungen; a).wenn das Adjectivuni, 
das beim Substantiv stehen sollte, von gleichem Gewicht, 
wie das Substantiv selbst ist; ß) wenn ein S tbstantiv genom- 
, men wird, weil es. kein gebräuchliches Adjectivam für den 
auszudi^ickenden Sinn giebt; y) wenn man sur Erweiremng 
und Erläuterung eine Hendiadys aniVendet. Die zweite 
. Gattung tritt ein: a) Wenn das eigentlich als Genitiv bei« 
zusetzende Substantivum VOn gleichem Gewicht und gleicher 
Bedeutsamkeit ist, wie das, welches im Nominativ steht; 
ßy wenn man die Concarrens der Genitive vermeiden will ; 



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C. ConieUi Tooiii Sjoübjm cmI. Roüi. 699 

y) wenn das regjerende^Subttantiv seiner Natur und Bedeu- 
tung nach den hel^.u setsenden Genitiv nicht annimmt. Bei* 
spiele für alle diese Formen folgen his S. 41. Dann kommt 
^ die dritte Gatt un die statt der A pp o s i ti o n dienend« 
Hendiadyt bis S. 48: worauf- ficb die vierte Gattung, 
die unter mancherlei Formen vorkommt, anachlieiat, Das 
-Sv &i 8vi7v d urch Adj.ecti ve»- oder die zweite Art, wird 
von S, 64» an betrachtet, wo entweder a) ein Begriff aus einem 
Substantiv und Adjectiv besteht, wozu noch ein zu beiden 
(zu dem Geaammtbegriff beider) gehöriges Adjectivum kommt ; y 
b), wo, wenn das eine statt de« Substantivs atebende Ad* 
jectivum ein anderes Adjectivum su aicb nebman und dataui 
ein Begriff werden sollte, beide ao ausgedrückt werden, als 
ob sie ait aicb zweierlei w^ären , und blus durcb die Copula 
^ verbunden würden ; oder c) wo zwei Adjectiva atatt einea 
einem Adjectiv beizusetzenden Adverbiuma ataben, S. 58. 
bis zu Ende komoit endlich die dritte Art« oder daa Zv iti 
9w7v durcb Verba. — Wir haben diese tiockene Skizze gege» 
hen , um theils auf d^e lleicbhaltigkeit der Schrift, theiia auf 
den Scharfsinn dea Verf. in Unterscheidung der Arten und 
Unterarten aufmerksam 'xu machen; haben uns aber «ntbaU 
ten, auch Beispiele auszuziehen, weil wir wflttscheny dafa 
unsere Leser die Schrift selbst studiren möchten* Sie wac« 
den darin noch als Zugabe schöne kritische Erörterungen von 
versthiedeneo znm Tbeil längst streitigen Stellen des Tacitua 
und einiger andern Schriftsteller finden, und das alles in einen 
gut lateinischen Vortrage, in welchem wir nur ein paarmal 
(^S. IV. und 23.) durch den unrichtigen Gebrauch von forte für 
vielleicht (dessen sich «ogar Kubnken nicht enthalten bat) 
und eben so oft durch ocemrer^ für vorkommen f S. i4t und 
26» lifj"«^ fürapparet , ein wenig gestört v^orden sind. Um 
aber dem Verf. zu beweisen, dafs wir seine Schrift mit Auf« 
'nierksamk^it gelesen haben« wollen wir ihm zu einigen SteU 
Jen seiner Abhandlung unsere Bemerkungen mittbeilen* S« t2« 
gebdrt die Stelle aua l>iv. V. 64« ad^o nihil tenet aolum pa- 
triae, MM liaec terra , quam matrem appellamus — eigentlich 
nicht unter die, wo die Synonyma durch eine Negativ partikel 
. verbunden sind, sondern nee steht, um gleichsa^i nihil tenet 
(um der 'Liebhaftigkeit des Auadruckt \riUen) au wiederholen« 
und h^e , terra f allerdinga . synonymisch 9 an^nkuApfcn» « 
S. 26. worden wir bei ßde attfue chsequio lieber sagen, es seyen 
Synonyma als eine Hendiadys; dagegen bei superhiam dominev 
nonemque lieher dieses als jenes» • &, 2^2* möchte doch noch zu 
bezweifeln' aeyn « ob das periculo atque negotüs bei Stil, Cat. 2* 

07* 



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900 C, Cornllü Taciii Sjuonjrma ed. Roth. 

„otbwendig durch p.rf«foH.-.«olS«*" «kfoen i.t, wie Körte 
und RuddiSMinn wollten; .b.« .o & 87. <Tac. Hut. II. 56.), 
ob «rirklich vi 0t HUT'" nothwend.g durch «»pr« vwUn. 

l, poJW «rkUtt W*rdea muf.. Die vis kann auch noch an- 
derer Art.eyn, und 4m Verbum pollueh durch eine Art von 
Zeügma da .t.h«.. S. Ij. .ind 4i. Worte .. no» etc. 

und S, 36. <,uoi pervigilia etc nicht «u wrttehen. In den Be- 
spielen . S; 67-, der «weiten Gattung iw^Ur Art, konnte 
b^erki werden, d.fc »ich da. u vor dap. » weiten Adjecti- 
vum eutlateimachdurehii^, eaqu., «wjo» erkUren »a»»e. — 
Zum Schluaae wollen wir noch einig. Beispiele au. Tac.tu« 
nacbtraftcn, di. der V.rf. übersehen haben «Aemt. oder 
die wir -wenigat^a nicht an d.n Stdlw finden , wo wir ..e 
„ach «einer Qaaaification «rwarteten. Zu den Synonymia 
S 7 £F : TacHikt. L 54. in aqualorem maestitiamque com- 
po.iti.* An». XIV. 35. fleta et lacrymia. Hi.t. II. 9. clamore 
et vocibua. . Za .den durch Diajunction yerbondenen Synony- 
Leu: Biat. n. «7. iurgia aut rixa.. An«. XIII 6- au.p.c... 
et conatlii» potiua, quam t»Ua aut manibua. Zu den adjectir.- 
'chen Synonymen: 5.14. Abi,. HI. «3. aa.W .t dete.tanda.- 
Zum Sv fci Lv S. 85. Ann., VI. 51. »celera ac dedecora. 
S 27. Ann. XV. 1. »iro»uaiarmorumqu.«Ma«ndum fertaraen. 
Ann. XII. 34. »Ol» t.Ha, «on vulnaribos ces.urum. ^"J>- 36' 
IT itM .t Mmpua ■0'" tempus itineris. Hist. 11. ö». 
tZ\e^^^^^^^ E"<iHch JS.56. Ann VI. Sö., «nuUa 

et atrocia composuit fttr ipulla atrocia oder, nach unserer obi- 
gen Andeutung, multa eaque atrocia *) -. Wir wünschen. 
Bald noch mehrere Früchte der philologischen Forichuncen 
des verdienten Verfaisera dieaer yorBÜgÜchfn Monographie 
lesen. 



In der neuesten Ausgabe des Agrieola Tdn IT. J. H» Beeker, 
Hamburg l826. S. 102. stehen die Synonyma nnd die dmeb 
die Figur tv hta SuoTv ausgedrückten Stelleii dieser Sdhiift des Ta» 
citus unter der mit einem Fragzeiclien beniekmetea Rubrik Hen- 
d i a d y 8 beisammen , dabei auch die Subttandve mit Qeilitivenf 
wo der Nominativ siatt des Adjeclivs und der GenitiT statt det 
lYominaüvs steht : i. B. prosperitas renim lur frosp$rm§9 



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&aaitü Op«» «4. G«rUsb. 9ul 

tusf # CoiltfÜHi ButiUgmibiit f B^nu m ih u f XnriMOftftitfy Pm* 
nwutf MrUmgmi^f Tsg$rm0§nti$9UrüqMf qmos fpMsluMf Ha« 
99rMUHfimif Cortius rnlii^u^ Edüorwi etnUmUruntt cotU§tatf com» 
mtnuuiot 0iqu9 iadic9S locuphtittimos a^wU Francisemt Do» 
rothfus G^rlmeh , PhUoMfphki» Dociotf ZJUtnrum Lmünärum 
Vfofeiior^ VoL II EßsUsM, im Hbraria SchwttigluuustrUum» 
Tyjns «I smmpttbas Jmg. VPUUmJiif Typ* JctuL MDCCCXXP". 
59 Spiun In 4, . 1 fl. 

Wählend wir mit Begierde die Vollendung der trefflichen 
Gerlechtchen Aufgabe dea Salustiua erwarten, und auf den 
Commentar barren, der una Rechenschaft Aber die au(gfoom* 
menen Lesarten und sugleicb Sprach - und Sacberläuteriingen 

feben aoU, erhalten wir an' Anraog dieses Jahres vorliegendes 
[eft, unterzeichnet Basileae IX Kai. Martü MOCCCXXV. 
• und hinter dem Schmulatitel (Commeutariornoi in C. Crispum 
Saluatium Fasciculusl.) folgende £rklftrung : Variantea lectio- 
»ea es optimis Codd. Italicia collectas» et quae mihi da forma 
atque consilio commaotariorum monanda vtdebänturf biblio- 
pola 'Separatim typia excudenda curavit« ut eorum commodis 
consuleretur 9 qnious prtmum tantum volumen emäre libet. 
Ceteri banc dissertationem non voluratnis primi epilogam, sed 
aecundi^ qu^d paucis mensibus ditrulgabitur , praeTatiooem 
esaa esiatimet« Wir zögerten 4eawegen eine Zeit lang mit 
' der Anseige dieser Vorrede sum «weiten Tk^ll; Da sich in« 
dessto die Vollendung dea Ganzen noch etwas zu versieben 
acbeinty so wollen wir unsern Lesern kursen Beriebt erstat« 
ten^ was aie in dieaem Fascikel so erwarten haben. Es fin- 
det sich nämlich hier ein vollständiges Verzsiichnirs aller Hand« 
acbriften des Salustiua ^ die Hr. G* auf einer fanfmonatlicben 
Reise durch Italien geaehen und verglioben bat, nebst den 
wichtigsten X«esarten aua allen denjenigen'^ die er nach ange- 
atellter Untersuchung einer genaueren Veraleicbung würdig 
£ind» lieber jeden Codex wird 9 nach Angabe dea Materials, \ 
des ungeflihren Alters (keiner geht über das zebnte Jahrhun- - 
dert hinauf) und der äufsern Gestult, ein Urtheil gefiÜlt. In 
Malland 9 in der Ambrosianischen Bibliothek, fand er zwölf | 
in Venedig vier; in Rom a) in der Vaticaniscben Bibliothek 
aecbszehn , b) in der Berber iniseben fünf, c) in der öffentlichen 
vier; in Bologna einen ; in Florenz, zwei und dreifsig; in Nea- 
pel zehn; in Cortona einen. - In Padua sagte man ihm, es »ey 
Keiner vorhanden ; als er fortwar, erfuhr er, dafs sieb den- 
noch swei Codd. dort befinden» Aus Turin erhielt er Nacb- 



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902 . Salustü Opera , ed. Gerladi 

rieht und Lesarten von drei Handschriften, aus Stuttgart v6n 
einer, aus Berlin von sechs. — . Ein nicht su verachtender 
Vorrath, von dessen besonnener Benutzung durch Hrn. G, 
wir Beweise genug haben, so dafs nach Vollendung seiner 
Ausgabe zwar nicht die Kritik dieses Schriftstellers , wohl 
aber die Sammlung von lliUFstnitteln dazu, wird als geschlos- 
sen betrachtet werden können, wenigstens von noch zu ver- 
gleichenden Handschriften keine Ausbeute von Bedeutung er- 
wartet werden dürfte *). Der Verf. äufsert sich auch über 
die Bibliothekseinrichtungen in Italien, die häufig äufserst 
beschränkend sind, so dals z. B. die Vatikanische n^bliothek 
mehr als die Hälfte des Jahres über gar nicht benutzt werden 
kann; dann auch über die Bibliothekare, unter denen die Her* 
ren Bentivoglio in Mailand , Bettio in Venedig und Peyron 
in Turin gerühmt werden; Andere erhalten eine nota censpria^ 
z. B, Hr. A, Majus: Sunt enlni nou pauci, ({ui existimentf 
virum illum doctjssimum, cum Codd. ineditis inveniendis at- 
cjue evulgandis magnam gloriarn sil>i pepererit, tiinere, ne 
alii ad idem laudis fastigium perveniant. Hoc ne accidat, di- 
ligenter cavet, et optimum quemtjue codicem , si quideoa fieri 
potest, clausuni tenet, vel potiiis non invenit. Der Bibliothe- 
kar der Barberinischen Bibliothek heifst satis nio^osus atque 

difHcilis. Bei Bologna heilst es: Bononienses qui olim 

docti dicebantur, jam alio potius nomine appellandi sunt; und 
vom Bibliothekar des dortigen Benedictinerklosters : nihil eo 
stolidius, q^ui vicihus Bibliothecarii fungebatnr ; quippe cujus 
tantus fuit ingenii Stupor, ut ne nomen quidem Salustii cogni- 
tuin haberet. Das Resultat seiner Untersuchungen theilt Hr. 
G. in folgenden Sätzen mit: Im Ganzen seyen im Salustius 
keine Veränderungen von grofser Bedeutung zu machen; die 
besten Handschriften seyen auch schon früher verglichen ge<- 
wesen. Iirdesseq sey jetzt so viel gewonnen , dais man mit 
Sicherheit sagen kdnne, es sey für Herstellung eines richtigen 
Textes das M/igliche gethan, Ueherdies sey die V^ergleichung 
von diesen Hundschriften auf jeden Fall fruchtbar gewesen , 
und habe Lesarten geliefert, die den lusberigen vorzuziehen 
seyen; auch sey sie {überhaupt mannigfach belehrend in Bezie- 
hung auf den Ursprung der (Jorcuptelen u. dergl« Auch bab« 



So eben erfahren wir, dafs Hr, Prof. Eichhoff in Weitbarg 
eine Ergänzung der Gerlachschen Collarionen herausgegeben hat 
unter dem Titel: Salustianarum leotionmn e duobus Codd. M55» 
Duper repertis exoerptarum «ymbola. Wiesbadae 1825. 16 S, 



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er BUiDcbe seiner Correcturen und Cooj«€turen , so wie meli* 
. rer«9 die Corte gemacht, und die gans willkübrlicb geschie* 
.nen, heitätigt gefunden. Von hesanderer Wicbtxgkeit aber 
. te7 ibm gewesen, dals ihm nun klar geworden, in wie^weit 
man dem Ansehen der Handscbriiten , wie 'weit dem eigenen 
Uctbeil trauen dürfe; und dafs er die Ueberzeugung gewon* 
nen, dafs die GrainmatikKr und Abschreiber sich bei dem Sa« 
luatius mehr eigenmächtige Aenderungen erlaubt haben ^ als 
man gewöhnlisb glaube. Von S. 49. an spricht er dann yon 
den Feichten eines Erklürers und Kritikers bei Herausgabe 
Griechischer und Liateinischer Klassiker, und von seinem 
Zwecke bei dieser Atisgabe« Das GescbliFt eines Herausgebers 
ist ihm Kritik, grammatische, historische und r he* 
toriftcbe (in Heyne's Schule ästhetische) Erklärung, 
Dann spricht er von der ndtbigen Behutsamkeit und Beschei- 
denheit in Anwendung der sogenannten liölifin Kritik;. von 
der Vernacblässigung der Beobachtung des Sprachgebrauchs 
•bei den Lateinischen Iiistorikern, weil man fast immer nur 
auf den Cicero achtete ; von der weisen Sparsamkeit in den 
Anmerkungen und Entfernung alles nicht aur Sache Gehören- 
den« — Doch wir enthalten uns weiterer Auszüge, da der 
Verf., wie er selbst gesteht, im Grunde nichts Neues oder 
Unerhörtes vorbringt, sondern nur die Grundsätse angiebt^ 
die ihm zu befolgen nöthig schien, und nach denen er beur- 
theilt seyn will. Die Grundsätze selbst wird man im Ganzen 
billigen müssen, sollte man auch einiges Einzelne zu allge- 
mein ausgesprochen finden. Der Vortrag des Verf. ist, wie 
man schon aus dem ersten Theile weifs , gut, klar und schon. 
Kaum stufst man ein paarmal an, wie z. ß, S. 17. quamvis cov 
rectal sU für quamquam — • correcttu est; S. 29* si — fuerint für . 
/utsunt s S, 34* und 66» aueiorit für seriptoris; S. 58. Licet — ; nc 
cesse est ^ wo quaniquam — neeesse^est besser Stünde, und ein 
Paar ähnliche Kleinigkeiten. Wir wünschen nur, dafs keine 
-dem Verf, unangenehme Ursache die spätere Erscheinung des 
gewifs von Vielen begierig erwarteten Couimentars verur- 
aacht haben möge. Der Druck ist sehr schön und fast fehler- 
frei. Nur steht S. 4^. «fi» iür eumf S. 4^^* Grammattici; S. l6. 



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904 . Henriobsen de Phoeuioii FabuU. 

D§ Phoenieis Fahula apud GraecoSf Romanos etpoptdoi Orient 

' tales Commentätionis Par tic ul a J, quam pro stip$ndio eoUegii 
ßledicei conscriptam die XXX. Decembr. di-fendere conahitur /{. 
J. F. Henrichsen^ philol. Candidatus. Ha/n. MDCCCXXf\ 
Typis directoris Jani Hastrup Sehulzüf tuda» et uiuversittuis ty» 
pQgraphL ZO S* in 

Eine Schrift von dreifsig Seiten öber einen Gegenstand , 
über den man ganze (Juartanten hat (Ret, hat so eben einen 
vor sich liegen: P. Texelii Phoenix visus et auditus, sive 
fictae illius avis descriptio synibolica, verum ejus ac proprium 
eontinens tVi/jtJSicv. Amstelod. 1706. 4. 430 Seiten ; ein Buch, 
das 9 so unkritisch es ist, zu jener Zeit als das iion plus ultra 
mythologischer Forschung betrachtet wurde), eine so kleine 
Schrift kann, und wenn sie auch durch die noch zu erwarten- 
de Parti cula II. verdoppelt wird, nicht viel* Neues enthal- 
ten. Und so ist es aubh mit der vorliegenden. Aber ein 
Verdienst kann sie haben, und das bat auch diese wirklich: 
sie kann j mit Uebergehung alles Unwesentlichen, die Sage 
oder den Mythus genetisch verfolgen, und durch chronologi- 
sche Aufführung der Zeugnisse des Alterthums den Verwirrun- 
gen vorbeugen^ die die Frühem durch Vermengung derselben 
in eine an sich nicht abstruse Sache gebracht haben ; sie kann 
endlich durch eben dieses Verfahren nachweisen, wie die Sage 
durch Dichter und fabelnde Prosaiker nach und nach ^usge« 
schmückt worden, und wie Einer dem Andern bald prüfend, 
bald blindlings folgend , bald ihn noch überbietend, nacher- 
zählt hat. Durch alles dieses kann sie dann eine richtigere 
Deutung des Mythus entweder selbst entwickeln, oder we- 
nigstensveranlassen. Der Verf. führt diejenigen S. 2. in einer 
Note auf, die ex professo über den Phönix geschrieben ha- 
ben , ebendaselbst und S. 1. und 3. diejenigen, die gelegent- 
lich über ihn sprechen. Manche andere Nach Weisungen giebt 
noch Hoffmannus im Lexicon univ-ersale s. v. Phoe- 
nix. Vergl. auch Phil Caesii a Zesen Coelum Astronomico- 
poeticum (Amst. 1662 8) S. 3ll — 3l3. In diesem ersten 
Theile nun führt Hr. H. die Zeugnisse der Griechen und Rö- 
mer, so viel möglich , chronologisch auf, von Hesiodug und 
Herodotus herab bis auf das Gedicht de Phoenice, das ge- 
wöhnlich in den Ausgaben des La c ta n ti u s steht, auf die 
römischen Kaisermünzen und auf die Kirchenväter, Einige 
Stellen werden in Extenso gegeben, andere nur citirt. Jenes 
hätte durchaus geschehen sollen. Wenn Hr. H. S. 6. den He- 
rodotu« gegen die Behauptung des J^orphyriui (Herodo t habe 



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I 

detiHekiitftaa TonMiltt autgttebri«lMii) gegen' di4iBtfdiiiI* 
digang eilMt TlwttU T^theidigen «tt aiflfiten glaubt, ao trlftt 
M* unser« Bepri£ von UterarUcli#m Eigentbum auf atna Zeit 
fibar» in w«lchar aie gar nicht exUtiren konnten » wtaTbo» 
osaalut da Flagio Literario p. 204« Aua dmn Cmm^n d§ Pho$» 
nU9 fobrt Hr. H, den nnacandirbaren Penlaafetar an :' 

w$tutrrtikUShmi nocte dieque aonia» 
Dieser beifstab^er in der Ausgabe des Micb.3*boa[iasius (Antiv. 
Plant in. 1570.)» Bflnemannschanf . der Zwetbr, Auig. des 
Lactantiua« und in Gatp.Barfcbs Ausgabe d«s Claadiaaua: 

Von ßrrMtli^ut norte d i eque . aonia ; 
in dem Heumamiseben Lactantiua aber, und frflber in der 
Cellarius*scben Ausgabe InnarrMliUsM Codd, Voss« » wo aber 
Heumann aua den Ausgaben von 1478. 1478* 1497. IdlS. und 
idl5. iten emi^i^worsiebt, und hinausetat: Significat poe. 
ta , phoenicem singulatum noctis. pariter ac diei borarum initia 
indicare tarn accitrate, nt nunquam •rr^t. Aui'ser den von dem 
Veif. angeführten MOnaen mit dem Phönix, tbtilt Texeliua 
in dem oben angeftlhrten Werke 5. 127. noch eine mit« wo 
ein PbOniit mit dem Strahlenbaupt auf einem Scheiterhaufen 
steht , mit der Umschrift T9mponim Rsparath^ unten BS IS 
(so), welche N. £, Zobel in seiner Schrift: Gacoaelia Gen* 
tlum* in tradendia doctrinis de generis humani mentisqne hu« 
manae origina et rasurrectipne mortuorum (Altor^ i7570f 
auf dem Titelblatt 'bat abbilden laasep. S. dU. S. io9 -^111. 
— 'Der lateinische Ausdruck ist im Ganaen, einige kleine 
Flecken a1>ger^net; ohne schön tu aeyn , doch •rein und gut. 
Zur Probe theilen wir den Schlafe mit^ der augleich einen 
Theil der Ansicht des V^rf.' enthfllt : Docibus itaque scripto« 
ribas antiquis com Muiuero contendere audenius, Phoenicia 
iabulam esse astronomicam , Pboenlcemque mortuiim esse tem« 
pus praiBteritum annis volventibus transactum» Quot vero 
annt boccydo comprehendantur t ob diverse veternm testimo. 
nia Incertum est, maxime tarnen probatum quingeotorum an» 
norum spatium, ablierodoto atque antiqnissimo qnoque tra» 
ditum, Myrrhe mortuos condiebant Aegyprii , neque bnma» 
bantur defoncti,' sed in locia saeris servabantur. Fabula itaque 
eine dubio etiam hoc indieat, memorifim praeterlapsi temporis 
a aacerdotrbua tempH Heliopolitani servatum faiise« Cetera|for* 
tassepaullatim in ipsa Graecta accessere commenta , sed Herodo», 
tum sequimur. Atque haechactenu%;plaräenim de significattone 
liojus fabulae in altera nostraecommentationis particulaerunt di« 
cenda. Wir muntern den Vf; üuf , es\nicht aa unlarlaaien. 



^06 » Tluii^'Oiiejdiitolw Onnm • 

• G ri »1 9h0 Gramm mt ik • vorzBgltüh d«$.. Hamtrkehm biMhss 
w>nJPri4drieh T^hitrrJph, Dritte f v»rmühr$e und verheuerie 
Avßag9. Leipzig, bei Gerhard BeUeher. XXXU und 

760 S., in ^r. 8, 8 Thlr, 

- • , £• kann hier nicht dia .Absicht, %eyn , unsere Leser «lit 
eiper Schrift bekannt su machen aind ihnen eine Schrift su 
.em^BiUtQ» welche. schon in* wiederholten Auflagen, die wohl 
'.Vardi^^stt. Älierkennung ihrei^. Tfichtigkeit, nn.d Brauchbarkeit 

fefttnd«D; es kann, hier blos von den. Vermehrungen und Ver- 
lesserungen die Rede seyo^ welche dieses Buch in dieser 
.dritta:n Aiiflage erhalten und welche ea immer braMchbarer 
und nQtalicher macheu ; es nind dieselben ein neuer . erfreu« 
lieber Beweis für den fortdauiernderi Fleifs und die Aufmerk« 
aamkeit » welche . der verdiente V^srfiEisser diesem fdr den Grie- 
chischen Sprachunterricht s(> wichtigen Buch unermüdlich ge« 
widmet bat. h DaTs vbedautende Vermehrungen hinsugekom« 
man 9 lehrt achon die Angabe der Seitenaabl, welche von 5^8 
Seiten (so viel enthält die «.weite Aasgabe) au 714 Seiten an* 
gewachsen« Die Zahl der Fara|;raphen ist i(was i^ir billigen 
mflsseo) in beiden Ausgaben gleich ; einige Paragraphen haben 
freilich 9 wie wir im Verfolg sehen werden » eine ganz andere 
6estalt erhalten«, tndefs wird durch die Beibehaltung der glei« 
rCb^en Paragraphenaahl der Gebrauch sehr erleichtert* ' Doch 
wird man wenig Faragra^en finden^' die nicht in irgend einer 
Weise berichtigt , es sey im Inhalt oder in d^t Form und dem 
Ausdruck y oder vermehrt worden« £in Jeider wird sich da« 
'yon llberzeugen y wenn er, wia Ref,» die Mühe der Verglei« 
chung nicht scheut;' und bedauert, nur Ref., durch den engen 
Raum verhindert zu seyn, alle diese Verbesserungen und alle 
di^te^'Zusätze im £in.se]n'en hier namhaft machen «u. können» 
Diese Zusäte^ erstrecken sich nicht blos Ober den syntakti« 
scheh Tbeil dieaer Grammatik, and die Vervo]lst8ndigun|^der 
darin enthaltenen Regeln oder der sie begründenden Beispiele; 
sie lassen sich insbesondere iti dem etymologischen Tbeil« 
ifiachweisen, in dem einleitenden | allgemeinen Theile üheif die 
Sprache selber , deren Zweige u« s«'^«; Inrie denn Oberhaupt 
dieser Theil der Grammatik so ausgearbeitet ist» wie wir. in 
keiner der andern. Grammatiken , so viele deren jetat existi- 
-ren, etwaa ähnHches finden, das dem in dieser Grammatik 
enthaltenen an die Selte-gestellt werden konnte. 

In den zehn ersten raragraphen der Einleitung ist Man* 
cKes eeStid^rt,- Manches hinzugefügt worden« Hiebet drang 
sich lief« eine Frage auf ^ ob es nämlich, da diese £ioieitung 



Tliiersoh Grieclnflciie Graiuuatik , dritte Auüago, 907 

mit für den Lehrer bestimmt ist, niclit rntlilicli seyn flHffte, 
hinter jedem einzehicn rnrngra jjhen oder auch in Noten unter 
dem Texte einige vvei tci t; N.icli \veisung«'n 7,ii nelimen , damit 
BO der, welcher n.'ilier in rlt-n hier im l'txle augevieutetcn Satx 
ejndrin;'en will, zu^^leich die n«ithl:'en llülUmittel weiterer 
Forschung dazu kennen lerne, aut diese W^eise aher in den 
Stand gesetzt Weide , sich Jiir sicli seiher weiter ausziiliildei'. 
So sind z. h. hei der Lehre vom Digainiiia ^ iGZ. die ddt{U)er 
erscl)ieiienen Sclirihen ang- führt, wa* wir sehr hilligen; J\el. 
wCirde hei einer folgenden Aiillagedas Gleiche auch an andtrn 
Stellen gf»rn sehen, wie z. 15. 17, üher dir hetili^e Aus- 
sprache d«-s Grieciiischen , o'lfr 6. wo von den U«])err''3t< n 
des episch'-n oder joniscl>en Dialekts l)ei den Attischen Tragi- 
kern die Hede ist u. der^il. m<-hr. — Das erste Buch im er- 
fiten Ahschnitte, die Lehre von dem Alpha])tt , den Vükjhn, 
Corisoilanten , Syll)fcn, W örtern u. s. vy. , hat sich zahlreiclier 
Zusätze zu erfreuen; inshesondere sin»! es die Tn*chriften , 
deren ernetietes Studium hier seinen nützlichen Kinflufs ^e- 
äiifsert, lind die erwarteten Früchte getragen; wie vi<^l« 
merkwürdige I3ata lassen sicli hieraus für die Kenntnlfs cleii 
Griechischen Alphahets, der Entwicklung untLVervollsl Hn- 
digung dessen)en gewinnen I Um so erfreulicher ist es hier, 
üherall solche heiehrende Zusätze aus den Inschrilten zu ge- 
winnen, wie z. 15. (). 12. nr. 7.' üher die Zeit der Kinfithrung 
der lieiden Buchstahen ^ und X u« dergh Vergl. ferner bei- 
spielshalher §, 27. am Schlufs; §. 38- (von der Krasis), §. 
und 4l » VTelche in der zweiten Ausgabe von der Aphäresis 
und Synkope handelten , sind inder Art weggefallen, als beide 
Gegenstände schicklicher unter die Lehre von den Dialekten 
und dem Gebrauch der Dichter verwiesen werden. An ihrer 
Stelle folgen als Probe und zugleich als Beleg manches Einzel- 
nen , in dt-r vorausgegangenen Lehre erörterten, einigf der 
ältesten Handschril ien copirt, so wie in gewöhnlicher Schrih , 
nebst üehersetzung iiml den nöthigen Erl'iuteru ngen. So 
Jcoiuinen §. 40. die Inschriften von Meies unfl Elis vor, erstere 
nach einer vom Verfasser seliger zu VVnedig l822 nach dejn 
Original gemachten Abschrift, letztere nach Gell, Tayne- 
Knight, Böckh. Der Zweifel, der in der zweiten Ausgabe 
über die Aechtiieit der erstercn Inschrift geänlsert worden, 
wird hier zurückgenommen ; sicherlich hat Autopsie des V'ei L 
mit zu dieser Bciichtigung })eigetragen. 'fl, enthält dann 

die Inschriften von Sigeum und auf die in der Schlacht bei Po- 
tidüa g^-frilienen Athenienser. Aber auch aufser den Inschrif- 
ten «iud sonstige JjedeuteuJe ZuSctCse hiniugekominenf so s.B. 



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908 



Tiiiiiidi GiMiMm GnunaaiUcf dritte Aaflsge» 



in der Iiehre ▼on den Vokalen und Diphthongen §. 15 ; §• 38« 
von der Krasie ; auch §• i*/, (Ober die jetat ttblichen Acten » 
die öriechiachen Selbstlaute auasusprechen, wo in einer neu 
hinsugefCIgten Scblulsbemerkung der Verf.jgern bekennt» dafa 
er 9 wenn zwischen beiden Aussprachen», der erasmischcrii und 
der reucblinischen oder neugriechischen za wflhlen bleibe» der 
letsteren im Gänsen bei weitem den Vorzug gebe, theils aua . 
4en ürQber entwickelten Grfinden, theila aucb» weil sie' in der 
jetzt gewöhnlichen Griecbiflchen Mundart^ besonders in dem 
Munde der Gebildeten , d^r Sprache «ine schd^ne und lautere 
Harmonie verleihe. Ueberdfea müsse selbst iir den besten 
Zeiten in Griechenland die Aussprache eben so stark zum Jota« 
cismus ßich hingeneigt haben» weil dieser eben so früh einen 
allfiemeinen Sieg davon getragen u. s. w. Bedeutende Ver- 
anebrungen enthält ferner §. 47» welcher jetzt unter dem Titel 
erscheint: „Gesch ichtlicheai rhythmische £igen« 
Schaft und Vergleichung der Griechischen und 
Deutschen .Accente«; dasselbe gilt von $.49» der in der 
sweiten Auflage unendlich kflrser unddarum minder genügend 
«rschienen war. Die Lehre von den D^clinationen §. 50. 51 ff* 
ist ebenfiUs nicht blos bedeutend vermehrt und vervollstän- 
digt worden y sondern auch aum Erlernen bequemer und fals» 
lieber eing^erichtet; man vergl. s. B. das» was aber die Quan» 
tität der einseinen Substantive nach ihrer Endung neu hinsu* 
gekommen» tßtn^f die Zusätze über die Zasammenziebungen 
tind Veränderungen der Wörter in den einzelnen Gaaus nach 
den verschiedenen Dialektformen , über die Aooente u, dergl* 
mehr« wie namentlich auch §. 53.' bei der zusammengezogenen 
und attischen zweiten Declination« Auch bei der dritten 
Dedination finden sich ähnliche Erweiterungen » wie beson> 
ders z.B. §. 56. und 57* (letsterer nun unter dem Titel: »Ei- 

fenheitenderCasusbilduog*)» §.59* $• 60* (jetst Ober schrie* 
en: MGeschlechtbestimmung und Betonung der dritten Decli* 
nation««). Die Paradigmen 1) ei den einseJoen Declinatlonen 
. aind theils vermehrt, theils durch bessere Auswahl fflr das Er- 
lernen leichter gemacht worden. In der Lehre von den Ad* 
Jectiven machen wir inshesonde/e, aufmerksam auf §.63. 64» 
(»ansammengesogeneAdjective««); in der Lehre von den Pro* 
nominen unter andern auf. 83« u« a, w* Beim Verbum ist 
zwar die Tabelle der zweiten Ausgabe zu S. 106. weggefallen» 
aber besser fflr das Erlernen der Formen durch zahlreichere 
und gewähltere Paradigmen ^>i05 S. (wie oben, bei der Lehre 
yon den Oeclinationen) gesorgt ; die Zusätze sind. Obrigena 
auch, hier so bedeutend» wie bei den früher durcbgängenen 



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fhierMb Grieohiiehe Grammatik 9 ddtte Auflage. 909 



Theilen. Man vergleiche e. B. auch nur §, l4o. und i4j. 
(„Bedeutung und Paragoge der zusammengesetzten Wörter"). 
Auch die Lehre von dem Verse und Dialekte des Homer ward 
nicht minder berücksichtigt, namentlich die Lehre von dem 
äolischen Digamma, wo das Neueste benutzt und nachgetra« 
gen worden. Daher zum Theil auch die Zusätze §. 153 ff» 
§. 158. u- w. §. 204- 205. Von dem Anhang von dem neu- 
jonischen Dialekte des Herodotus und dem dorischen Dia- 
lekte haben wir ein Gleiches zu rühmen; ist doch §. 243. vom 
attischen Dialekte, der in der zweiten Auflage nur eine Seite 
kaum iülitey hier zu vierzehn Seiten angewachsen, so dafs 
hier genauer von dem Gebrauch der Buchstaben 9 Sylbenmes« 
sung, Position und Aufhebung derselben , Hiatus, S/nizese« 
Krasis, Elision, Apbüresis, Synkope, Tmesis, Epischen und 
Dorischen Formen, den Declinationen und Conjugationen^ 
regelmüfsigen wio unre^almaltigeiiy den Contractionen u. f . w« 
gehandelt wird.' 

Ref. geht zum zweiten syntaktischen Theile über ; auch 
er hat in der neuen Ausgabe nicht minder gewonnen , und ähn- 
lieber verbessernden Zusütze sich zu erheuen^ die wir hier 
freilich nicht alle aufführen können. In ganz anderer Gestalt 
erscheint jetzt z. B. die Lehre von dem Genitiv §. 252 ff. Ea 
bandelt nümlich 252. »vom Genitiv der innern Beschaffen« 
heiten", und dann 1) von den Genitiven , welche Fülle, Ge- 
nufs, Mangtfl , Entbehrung, Stoffe, Kunde, Erfahrenheit be- 
zeichnen, oder zu Verben des Anfangs und Endes, des Hin. 
derns und Förderlichseyns gebraucht werden; 2) vom Genitiv 
nach den Adjectiven mit dem a privativum und den auf tvitg 
ausgehenden; 3) vom Genitiv zur Angabe der Theile bei dem 
Artikel, bei Adjectiven und Zahlwörtern, bei Verben. Dar- 
auf folgt nun 253. «von den Genitiven der äufseren Bezie« 
hung«, §. 254. 3j Genitive des Orts« und so fort, wo zwar 
die (Jeberschriften dieselben geblieben, aber der Inhalt umge- 
arbeitet, besser und systematischer geordnet , und die einzel« 
nen Sätze vervollständigt worden sind. Dieses Bestreben 
besserer Ordnung und Sichtung des Stoffs, einer systemati- 
scheren , innerlich begründeten Verbindung der einzelnen Sätze 
und Regeln findet sich auch in der Lehre von den übrigen 
Casus. — §. 278. ist jetzt unter der Ueberschrift aufgeführt: 
„Eigenheiten im Gebrauch und in der Stellung der Casus, dea 
Genus und Nirmerus", Bei der Lehre von den Modi wollen 
wir nur aufmerksam machen auf die Lehre von dem InEnitiv 
§. 296, welcher hier so bedeutend vermehrt und verändert er- 
scheint I eben so die Lehre von 4en Partikeln | §. 299» öhec 



dtb. Gebrauch TQn^yundxev, wp in 6tn«r Scfünffbemerkimg 
^•r Verf« die neuesten Ansiebten von Hermann^ Foppo un4 
Rfticig über den Grundbegriff und die Grundbedeuti|ng die#er 
ao verschieden •uijgefiifaten Partikel durchgeht, aber (und un- 
••rm fjrmessen nach mit vollem Rechte) sich gegen die Ansicbt 
ecklSrt y. die durch diese Partikel bald einen höheren, bald 
einen'. niederen Grad der Ungewifsbeit bezeichnet wissen will, 
^La ef überhaupt es f^r mii'slich hSlt ^ von einer Unterscheid 
dimg von Graden der Ungewifsheit zu reden« Auch die Lehre 
von den verneinenden Partikeln ist verbessert und vermehrt 
worden t, wie z. 6. ^ 301. 3. 542. die Note über oufA>/ « dessen 
pebrauch und G)iistruction , ferner 302- über den Gebrauch 
von dXXlf yol$ u. s. V7., §• 3o3. über «yi und so fort. Aus dem 

^BWeiten Abschnitt führen wir nur an $.312« der jetzt den 
Tit^l führt: ^Ueber die Verbindung der einzelnen Theile des 
Satseji und der einseinen SStye einfacher A^e (Partikeln der 
Anreihung, der Gegenstellung , der Uftufung oder Steigerung, 
^er Auatcbliefsung .Aind Verneinung» Asy.nartela)«« , §. 3l3. 
$.314* flbei: £])ipse und Pleonasmus , $.330. über den Gjebrauch 
des Optativs und so fort, §. 334 ff. $. 34v ff. 

Doch Recensent schliefst, weil ^ glaubt, schon genug 
.aus dem reichen Inbal^ dargelegt und wenigstens die. baupt* 
sächlicheren Zusfltze gröfseren Theils angeführt .zu haben. 
£s kann das Gesagte hinreacbttn, um unser oben ausgesprochep 
nes Unheil su bestätigen, und wird sich Jeder^ der diese 
dritte Auflage genauer durchgeht, überzeugen, wie sehr auch 
iiD Einzelnen die bessernde Hand des Verfassers überall be« 

' merkbar ist^ und die Forscbnngen der neueren Graii|matiker, 
50 wie die zum Theil jetzt erst bekannt gewordenen Werke 
altgriecbiscber Grammatiker aufs erfreulichste überall aur 3^' 
rieht igung |ind Vervollständigung des Ganzen benutzt w.or« 
den sind« 

Angefügt ist S. 716. ein Verzeicbnifs der kritisch b^hanr 
.delten Stellen Griechischer Autoren, dann S. 727 ff. ein Var- 
seichnifs der wichtigsten Griechischen Formen un.d Redeni. 
arten; statt eines deutschen Registers ist eine genaue Oeber* 
aicb^ des Inhalts nach den einzelnen Abschnitten und Para« 
^ftraphen , mit jedesmaliger genauer Angahe des Inhalts dersel- 
ben» den Buche selber vorausgeschickt, S. XVIII— XXXil. 



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Aotiqpitli RMriiMi pv.Ate« tMiut im tJkäißa». 

tunit des. üommim #»• €tc^ pm jiimmmmdrt Ad^km^ iMtm% 
du grand volUge d9 im mUh^d^Sdmbmmt^i tinikdf dk UmngUdm 
MUT la sepiÜm9 iäUimm f mo— •d09 nmmt dm twmdm^mf ßfmmfmU H 
^Mlqmea^mn&it dm' tradmetemw mlimmmmd, Seeomdm ddkimm^ rtmMt 
edrfigde et magment^ de Im vi» dt tmmtmmtf mkmi'^ae de.ptmmmrä 
nott* maumeihs dm trmdmetemt frmmftui, Pmru^ iM» dU» JK«r» 
dUre t ^^mmkdei Jugmttlms Nü* tS. Tarnte premded» L..«» 4W «f« 
Tomie eeefmd» $U • 

•» 

Dafi dl9»m fransdaitche Uebartetcäng dea Adam'achan 
Werkea (wekbea do€b> wm Jhdm» waifs , (lui;cb aaina trok* 
kena, abj^ariaaade , keines waga lebbaft anregende Daratellung 
^ »iader fdr^eiji franaAaiiobee FuhHkuQVgesignet cu seyu acblen) 
acbön eine sweita Auflage g»funden bat, iat eine aebr erfreu* 
liebe Ecacbeinung, wovon iWtlicb viel dem Verdienata dea 
warkern Ueberaelzera ausuacbreiben iat« der*flbrigena obera]! 
atreng an daa Original sich gebaltan und durcbaua keine Trai* 
beitttn aicti erlaubi bak» die vielleicbt die Daratellong erheben, 
aber mit der gewiasctnbaften Treue eiliea. Ueberaetaera nicbt 
vereinbar aind« £r wollt« die Form nicbt auf Kosten dea In- 
balts versobdnern , oder dem Werk« selber seinen gelebrten 
Cbaralter entaieben/ Dabei bat er mancbea Irrig« in dem Ori* 
ginaly aucb mancbe falscben Citate bericbtlgt; er bat ferner 
«inselne Bemerkungen dam Originaltext in ^oten beigefflgt, 
von denen wir nur wfinacben mdcbten« dafa aie noch aabirei* 
.cberjge worden wSren. FOr die franaftaiscben Laaer iat Aber* 
diea dadurch gut gesorgt, daia c. fi, alle Angaben vou Maafa^ 
Gewicbt n. dgl. aui: tranaöaiacbe Maafsa redvcirt in den Noten 
angegebeli aindk £ben ao ist mancbea Andare ili den Noten 
angedeutet und berichtigt, B. Tom, I. p. 339. Ober die Lex > 
Regia (worüber Ref. aucb nocb auf Heinecc Syntagin. Antiqq* 
I. 2. §. 62. und Hugo Recbtsgesch, p. 520—- 623. der achten 
Ausg. verweist) ; I. p. 397» Über di«t judicia publica dar Rd« 
jncr; ToaAlfil. p. 7. 75. 76* 105. (wo der Gebrauch dea anie im 
Komischen Kalender bei Beseichnung der etnaelnen Tage aoa 
dem UmStande erklärt wird , data man das entgegen geaat'ate 
•post^ als ein Wort von Ohler Vorbedeutung , baoe vermeiden 
wollen); ferner Tom. II. p. 168. 2t6. 483 sq. 507. u. a« w. 
Aucb sind mehrere Noten dea deutseben Uebersetaers mit auf- 
genommen , s. B, Tom. I. p. '299 sg. II. p. 512. 514* wie 
am Schlufs S. 5l5ff. eine Reibe von erklärenden Noteiir au» 
d«r deutschen Uebersetsung mitgetheilt; was nicht anders als 
vollkommen gebilligt werden mui's» So aind aucb die ausfÜhr* 



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919 



Dm Pilg« aaeh Zmuthm tob Zephartfituh. 



liehen RegUter am Scbluüi d«A BweAten Bandes zunächst nach 
denen der deutschen Uebartetzung auagwrbettet. Endlich ist 
auch in dieter Ausgabe neu hinzugekommen und dem ersten 
^ande voran gedruckt ein Abrils des Lebens des Verfas^ers^ 
iles Engländers Adalnf- weil es in der That manches Interes* 
sante und Bemerkenswertbe enthalt. Diesem Abrifs ist dann 
auch die Vorrede Adam's in französischer Uebersetaung. bei* 

Segeben. Deilck, und Papier ist, wie bei den meisten Wer« 
en der Aft^ welche in Frankceich erscheioeny voraOgUch au 



Die Pilger nach Jerusalem* £m historisches Gemälde zU 
Ende des XI, Jährhunderts» Von Jakob Edlen von Zc- 

' pharowieh» ff^ien^ 1825« bei Schrämbl, 116 Seiten in 
Octav. * / 9 Gr, 

Diese Erzählung vom Anfang und Lauf der Kreuzfahrten 
nach dem heiligen Land Hnter Peter dem Einsiedler, Lis Je* 
rusalem an einem Freitag, den 15. Juli 1099, erobert wurde, 
ist anziehend genug, auch den Quellen getreu. Schade, dafs 
nicht unter dem Texte auf die gebrauchten Bürgschaften kurz 
hingewiesen wird. Das Bewähren sollte kein Teutscher 
umgehen. Nach dem Vorwort des Verlegers ist diese Probe 
Vorarbeit zu einem gröi'sern Werk über jjRom und Gräcien«, 
Die geschichtliehende Lesewelt wird den Verf« ^la Vorerzäh« 
1er gerne boren können« 

Dr» P a a /,a >!• 



/ 



\ . 



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I 



N. 58. • . -1826. 

• U .e. 1 d e 1 b 0 r g .6 r 

Jabrbiicher der literatur; 



... . ■ ^ ) 

Etnwsihung' d^r R#9ea Syjttmgpg^ ia j^£##« 
<&«ii#nf Jifi 24« F^riiar iS^6« £ehakmt von Ahrmhm Mosoi 
Tondla»^ CandUafen d§r Th^logU» Neist tUmm yprtoori 
dfs Oh0r*Sthui* und Kirchsnrmtksf Dr. ScheUßn* 
5erj^ tf^^aden§ hei SelulfoiAwg» 182i« 40 ^* in 8» 

• * • ♦ 

Dieid und fihnKcbe ZelterscIi«inuDg.en betraclittt Ree, 
erfr^Iicbe BeitrBfifi cur mentcbliclien und religiösen Biiduqgt* 
gescfaicbte. In Jer tiefruliigeii .2eilperiodj» vor der RevoTu« 
tion, wo die Gegenyifltsf ohne gebeimen Gro)] und Hobn ein« 
ander nSber getreten wnren, Wo maiy Menicben ecbon durch 
die Gebart entweder fClr verworfen oder für gnadenbegabt an* 
BUieben aufhören wollte , gieng die iait cur Mode aicli gestal* 
tende MenicbenlteBe (der F^ilantbrbpismut') aucb der einbei* 
anifcben JiTdenlcbaf^ so suvorkommend entgepen, da^is mail 
•iOf iirie lie nun eben iffar^ in Masse V tur GJeicbatellung Iii 
der übrigen Staaisbargerscbaft aufsu nehmen eilte, t)ie £r;* 
fiihrung lehrte dagegen «.iUifs nian den Menschen f "welche nicbi 
SU seyn pflegen, wie sie wohl seyn liollten,- nicht die Frei« 
beit aufnöthigen und erst sodann erwarten darf ^ wie gerade sie 
sich .derselben bintennacb fähig und würdig au mauien stre* 
lieh werden. Die Erfahrung lehrte^ dfifs richtiger und wirk^ 
•amer die bürgerjiciie Rechtsgleichsteliung den EmpfängHcheil 
nie der Preis vprsuhalten sey , welchen afley. aber nur einseln^ 
gewjfs ansu sprechen bStten^ je nachdem ; sie f als Tersonenf 
als Fanlilien, die erwünschte Proben gilben # 'a}ch von den vie« 
lerlei (pharitäiscl^*rabbitiischeti) Hinaernissen ailgemeiti 

ndtlilgen bürgerlichen Recbtlicbkeit loa ^/ und 4v>^^i"* 
christlichen Moratität und der Geschlmacksbildung angemease* 
nere Eirsiebung gleichartiger gemacht au b^Ken« Der Mensch 
muls In Sitt» und Denkart sich selbst emanci^iren. ,l>er It* 
lAoder .sum Beifpiel muls erst sicb> selbst von einer freindarrU 
gen Legislatur tind JurisfÜction emancipiren^ ebener in deC: 
That 4n der constitutionellen Gesetzgebung und Staats verwal* 
tung Britanniens denen ^ welche nur die etnbeiiniscbe Regii^. 

XIX. Jar]ig. 9 Hoft. 68 



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' ' r • ' ' ■ ' 

ruiig anerkennen , rechtsgleich gestellt 8eyn kann. Der im 
Kabbinismus (welchen Jesus Christus als den Pharisäismus 
mit Leb«nsgefahr bekämpfte) noch befangene Jude ist dem nach 
der Bergpredigt Jesu erzogenen Christen allsii ungleich, wenn 
Auch das philanthropische GeAet2 ihn rechtlich* gleich su ma- ^ 
eben voreilt. . " 

Weil nun die Erfahrung diesen Unterschied factisch bald 
allau sehr nachwies, und dieser nur ^ wenn die bürgerliche . 
Gleichstellung jedem Einzelnen als der Preis des selb.steigenen 
rechtlichen Gleichwerdens zum Ziel vorgesteckt ist , ^gehoben 
werden kann, so konnte, unter Mitwirkung anderer zurück- 
drängender Zeitumstände, das andere Extrem leicht wieder- - 
kehren, welches dem von vielen Ceremonien und zum Theil 
von moralisch bedenklichem Aberglauben nicht freien , aber • 
dagegen doch von speculativen Dogmen wenig gebundenen 
Juden das alte Dilemma vorhält, entweder ein kirchlich dog«« 
niatischer Christ zu werdvn , oder (bis zum üeberdrurs) in all 
jenem pharisäisch - talmudiscb • rabbinischen Willkührdienst 
befangen und gedruckt bleiben zu müssen. Scheinen nicht 
überhaupt manclie Zeitbestrebungen durch u n v e rb> s s e r t es 
Kepristiniren versuchen zu wollen, wie weit denn die Er- 
kenntnifs dessen ^ was seyn soll, sich bereits verbreitet ha- 
be und ob sie also eine staatskluge Berücksichtigung verdienen ^ 
möge ? 

Entgegengesetzte Extreme weisen um sö eher auf den 
M^i 1 1 e 1 w e g. Die ungleich gebliebenen in Masse dennoch den 
Sur Bürgerlichkeit gebildetem gleichstellen wollen, war ein 
in der Theorie leicht erkennbarer, durch die Praxis sichtbar • 
gewordener Fehler. Aber jeder Versuch, die meist verstand- 
widrige Gesetzlichkeit der Kabbinen den vielen verständiger 
gewordenen unter den Jüdischgebornen wieder zum Nothge- 
setz SU machen, wird eben so wenig das Ziel des Auctorität« 
glaubens erreichen I vielmehr wahrscheinlich Beförderung des 
Gegentheils seyn; wie, nach dem Sprüchwort, der zu strafiF 
gespannte Bogen bricht, und was einmal als belachenswertb 
erkannt worden ist, nicht mehr ehrwürdig gemacht werben ' 
kann« Um so erfreulicher sind authentische Nachrichten , wie 
dem Besserwerden zwar nicht vorgeeilt , aber wie es vielmehr 
durch ernstliche, kräftige Vorbereitungen möglicb gemacht und 
beschleunigt werde, - ' 

Authentische Notizen dieses Inhalts giebt das die Synago- 
gen - Ein weihöngs- Rede einführende, ächt menschenfreund- 
ficho und umsichtige Vorwort eines Sachkundigen, 
welcher seit vielen Jahren um das gesammt^ £raiebungswesen> 

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Sjnagogen^BiimihoDg und jiidiadl« VMbildoiig ia WUtbad«ti4 619 



wie es in das reditwollende and ricbtigdenlcendd Lieben thätig 
und anwendbar einleiten loll^ sich der bekannten und stillen 
Verdienste viele erworben hat. Die manchfäche Verbesse- 
riingsanatalteni für Welche die Nastauische Regierung den • 
Naturreichtbum des Landes mitzuverwenden sich beeifert ^ 
welchen sicherern Grund und Boden können sie babün ^ als 
eine in allen Beziehungen und Volksclassen zur Verständigkeit 
und Rechtscbaffenheit leitende und gewöhnende Erziehung! 
Wahr und würdig sind hier die Grundsätze, welche diesen 
Boden befruchten, ausgesprochen, aber auch die guttoFtfichtf 
davon durch Thatsachen und Frohen bewährt. 

„Jeder Menschenfreund — sagt der Hr. Öberscliulrattl 
Sch. 5. — - blickt mit theilnehmender Freude auf die bür* ' 
gerliche und geistige Veredlung mehrerer Millionen seiner 
Mitmenschen hin , aus der schönen MorgenrÖthe einen heitern 
Tag ahnend. Aber geistige Veredlung kann nur langsam 
erfolgen; vOn ihr wird die äufsere bedingt. Verjährte 
Yorurtbeile werden nicht auf einmal verdrängt, und in keinem 
FaH darf äufsere „Gewa Itcc einschreiten. Auch hier läfst sich 
T»ur von der bessern Erziehung und Belehrung der Jugend eine 
bessere Zukunft erwarten; aumal da dieselbe bisher, beson« 
ders bei dem weiblichen Geschlecht, dessen Einflufs auf die 
häusliche Erziehung von entschiedener Wichtigkeit ist, sehr 
vernachlässigt wurde« Die bessere Bildung der Jugend aber 
set2t befähigte Lehrer voraus, woran es bisher nur zit 
sehr mangelte. Was konnte man auch von Menschen ervVar* 
ten , denen es an eigener Bildung und den nöthigen Kenntnis^ 
sen fehlte, die man gegen einen geringen Lohn , gleich Dienst- 
boten , auf Monate dingte, die wöchentlich von einer Familie 
Äur andern (unter Nahrungssorgen , ijn der Abhängigkeit von 
allen^Vorurtheilen der Ernährer) umher wanderten , und dabei 
niedrige Nebenbeschäftigungen verrichten mufsten. Diese 
Menschen besafsen , wie ich aus mehreren Prüfungen weifs^ 
nur eine oberflächliche Kenntnifs der hebräischen Sprache $ ^ . 
vom Geiste der mosaischen Religion ahneten sie nichts ; ihr 

fanser Unterricht bestand darin , Gebetsfdrmeln und die zu 
eobachtenden Ceremonien dem Gedächtnifs der Jugend ein^ 
tuprägen« Bereiten wir erst befähigtere jüdische Lehrer^ 
ertheilen solche den Religionsunterricht nach einem bessern 
Leitfaden, wie der des würdigen Jo^lson in Frankfurt am 
Main ; werden die Gebete »nicht mehr in einer unbekannten 
Sprache hergesagt} werden die öffentlichen ReligtOnsvorträgö 
in den Synagogen in deutscher Sprache und im Geiste 
neine« VMöb^tefi t'^rfttadea^. Hrn. Dt. Sal o m o n id Hamburg 

• • • 

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9}6]^S/QBgogea-Eiaweihuug und j'idisohe Fortbiliiuog in Wiesbadea* 

gehalten; dann wird der jtiJischen Niition wahres Ifcil wider- 
fahren, und sie unter iliren Mithür^eni eine ehrenvolle Stelle 
einnehmen. Nicht von Anisen allein, sondern hauptsäch- 
lich von Innen kommt das wahre Heil. Möchten 
doch alle Regierungen diese^ lieherzigen, und von diesre^n 
GrundsÜtzen i)ei Eriiehung und Beglückung ilirer jüdischen 
Unterthanen ausgehen ; wovon in den neuesten Zeiten mehr 
gesprochen und geschrieben , aber woiür noch iinmec nur WO«- 
nig geleistet worden ist, ' . » . 

„Erfreulich ist es mir hier dfFontlich sagen zu können^ 
was in meinem Vaterland für das AVohl der jüdischen Einwoh* 
ner eingeleitet, indefs die künftige l)i\rgerliciie Verfassung 
zwar iHngst entworfen, aber noch nicht in Vollzug gesetzt 
ist. Achthundert und vierzig Kinder israeliti- 
scher Eltern, vierhundert und dreizehn uiünnlichen uiicL 
vierhundert siehen und zwanzig weibliclien Geschlechts, yoiu 
sechsten bis ziun zijrückgelegten vierzehnten Ijebensjahre y 
haben im verflossenen Srh iljahre die Elementarschulen ihres 
Wohnorts besucht. Schul Versäumnisse , welche healratt wer- 
den, gehören zu den Selteniieiten. Diese Kinder zeich«» 
n e t e n sich in der Kegel durch F 1 e i 1 s u Ji d Kennt« 
nisse aus; die Knaben nehmen nicht nur Theil' 
an dem Unterricht in der Baum- u n d O b s t c u 1 1 u r , 
sundern auch häufi» an den Arbeiten der Indu»- 
strieschulen. Die Tädagogien und das Gymna« 
8 i u m werden von jüdischen Jünglingen besucht, 
vNur dem ältesten Sohne einer l'amllie wird der Handel ver- 
stattet, die flbrigen sollen durch Ackerhau, Handwerke und 
Künste ihr Brod erwerben, werden aber alsdann auch den 
(ihrigen Staatsbürgern in den Abgaben gleich gehalten. Zum 
Erlernen eines Handwerks oder einer Kunst erhalten sie nach 
Bedarf Unterstützung, wozu Herr von Rothschild in 
Frankfurt am Main grofsmüthig einen Beitrag spendet. Wir 
bähen jüdische Advocaten und Aerztö. Nur Inländer werden 
als lleligionslehrer zugelassen, und es gereicht den meisten 
zum IVulini, dais sie an den Schulconferejizen und den Ijese« 
zirkeln ihrer Inspection Theil nehmen, auch die aufgegebenen 
Ausarbeitungen, wie die cbristlicbeu Lehrer 9 an die Scbi^U- 
in^pectoren einreichen. 

„Die j i'id i s ch e G e m e i n d e zu Wiesbaden ist nicht 
zahlreich, besitzt auch nicht viele reiclie Mitglieder, doch 
scheute sie kein Opfer, um, mit menschenfreundlichen Unter- 
stützungen , eine neue Synagoge zu erbauen , da die alte un- 
brauchbar geworden war» Si« M einiach auf|gaiuhrt> doch 



I 



Sjnagogen-BiiiwfUiung uod jOdlMlie VoHkiMaDg in Wklbadttf? 91 T 

getcbmackvoll 9 und wurde den 24. Fehruar 1. J. bei einer 
sahireicben Versaiiiinlung feierlichst eingeweiht. Bei dieser 
Feierlicbkeit hielten zwei junge Männer ^ Sühne de« Vater- 
landes, Einweihungsreden in deutüchcr Sprache. Der zweite 
Aedner war SaJomon lierxheimer van Dot/.heiin , einem 
in der Nahe dieser Stadt gelegenen Durie. £r i^t der Sühn 
armer Eltern ^ und erhielt, von seinen Cilauhenngenu^sen in 
hiesiger Stadt unterstützt, den ersten Unterricht dahiec von . 
jüdischen Ijehrern , woraut er einige Zeit in Mainz verweilte. 
Sechs jubre lehte er uU Hauslehrer in der Stadt Ilerhorn, und 

' weihet« als solcher die neue Synagogti zu Westerburg mit 
einer ./leMtscbeii llede ein » weiche JJerr Kirrhenrath Jley« 
denreicli in llerborn im Druck herausgegeiien hat. Zwei 
Jahre besuchte er die Universität Mar!>urg , und befindet sich 
eeit Ostern zur Vollendung seiner Studien auf der L-ändes- 
Üili versi t ä t (t) Göttingen. Die von ihm hei Einweihung der 
hiesigen Synagoge gehaltene Rede ist im Druck erschienen^ 
' 3,Dtfr erste Kfdner, dessen Vortrag ich durch dieses Vor- 
wort bei dem l'ublikum eint (ihre, Abraham Moses Tend- 

, lau, itt der würdige Sohn hiesiger rechtschaffener Eltern. 
Nachdem er die Elementarschulen und das Pädagogium bietiger 
Stadt mit den rühmlichsten Zeugnissen besucht, hat er uieb« 
rere Jahre in Mainz und Frankfurt dem Studium der mosaU - 
«eben lielij^ion, der Spraciien und Wissenschaften gewidmet ^ 
u^d steht im Begriff, zu seiner weitern Fortbildung die Uni« 
versitSt Gdtttngen £U besuchen.«* 

. Dm Rede des Jüd,i sehen Candtdaten der Theo- 
logie zeigt nicht nur gründliche, sondern auch zeitgemäfa 
angewendete, allgemeingültige Religionskennthisse. Viel 
ist's, einen von so viel hindernden Umstünden umgebenen 
Jüngling so weit gebildet zu st-hen. Möge seine weitere 
fleiisige, der Unterstützung würdige Bildung auf der Univer« / 
sität ihn in gleicher B.e^tcheidenheic erhalten und die berich*. 
tigende Vermehrung seiner Kenntnisse mit der Uebung des lo» 
gikalischen Urtheilens und Auswablens verbinden. Sehr Idb« 
lieb ]>enutzt sciue Rede nicht nur viele Bibelstellen (welche 
.aus christlichen Predigten entweder viel zu Sehr verschwill* 
den , oder oft gegen ihren reinen Ursinn und Zusammenbang 
angewendet weiden). Auch aus dem TaUnudisphen und eini- 
gen angesehenen Uahhinen benutzt er mit Recht das nutzbare« 
Bei den gewählten Textworten 2 Mos. 2/5, 1 — 9. 29, 46. 
6 Mos 10» 12, welche demEwigen (Jehovah) zu ^^dienen«» 
auliordern , bemerkt S. i 3 : „In diesen und andern ^teilen be- 
zieht der Talmud das Gebot; ihm dienen^ auf die Ver* 



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-/ 



9ill ^niaS^pB»](ui^pr«aim|.|i|i4 }8di^ VottliildiiiV in WMtte« 

•hrimg GotfcM' dur cli dai G^b f Dieier GottietdiMiae» der 
bei UM jeUt den eimigen auinAcfatp buc — « wie die Iteb« 
biileneeeen -r^ einen nocb bdbern Wetth^ eis snr Zfit 
de« ÜTempeu das Qnfern, H o e e a • fpricbt : » Statt de? Fou 
ren wollen wir G e b et dir op£trn« * £r beitebt in irier Tbei* 
|en$ in n^^tl l^ob der Oottbeit, tXl1t\ l^^nk ftr deren Wobl« 
f baten , ^^"^ Bekennen der Sflnfen'f mit der Bitte um Ver* 
. «eibiirg, niDpl ß**** '»"■ Woblergehen ' 

Der Redner fordert auf für eine wahre und ächte Ver- 
ehrung Gottes. Nicht durch Tradition blos^ sondern 
auch in dem Innern selbst entstanden« Er macht dabei in der 
Note die feinere (Jaterscbeidung; Deuter. 31» iO — 12. im 
. Te^te -^JtK^I'I • ♦ • • *U?'^1D"' ych Von den noch unwis- 

aenden Kindern abef heifst'a daae}bat; j— tj(tS "IT^W Wöä* 
»Sie tollen hören undlernen • . • Ehrfurcht babea . • .« ' 
Also durch Tradition sind sie hloa einzuweihen« Damit 
verbindet er die tre|E}icbe Stelle vom Erl^ennen Gottes durcb 
Naebdeoken Jerem. 9» 22 — 23. nach JVIaioionidet ErkUeung 
«u diesen Versen im More Nebucbim 3« Tb« 54* Abschn. , ao 

wie Aben Tbibpna Vorrede ai» SobtnonaPerakiBi dea AfaiiBö» 
mdea. 

8* 93f »Nicht den bedrängten Atmßi» nntf ancb dto mit 
Glttck OberbSufiEen Reteben hm die Ueberieugune der Allge^ 
gen wart Gottes, da» Andenken an die gerechte voriebanc'f 
anfirecht. Der Gedanke an Gott gleicht jener Wol<» 
ke.n« und F^uerf Hille, welche Israel-becleitet ba« 
ben. In den lieiden der dflatern Nftchte lat er 
uns eine leuchtende Feueraftule« und wenn dea 
Tagea GlQck una tep^btetf eine «iira^btweiaeitd« 
Walkaatftule.« 

Beton'dera, antgeaeichnet' an werden verdient » wie gut 
tmtertcbeideiid -f- nach S. 26. und 87, ^ der junge Vf« Ober . 
dat Beten au. danken gekernt bat. S« 25. »Niobt dat Fle« 
ben und Verlangen um Etwaa macht die'Haupt« 
aaebe dea gotteadienatlichen Oabata Ma; wirdflc« 
^ fen durcbauf' nicht Gebet mit Bitte verwecbaelii, . Oer, ei« 

Sentliche.Zweck dea Gebet« iat» wie wir geaebeii V da« Sitht» 
an au Gott« oder die Auerkennuug der göttlichen Allmadit 
und Allgegenwart. Lob und thnk » mit £m Bekanntnif« un- 
^ser^ lAenachlichen Schwachheiten t und mit dem fe«t<n Vor» 
«ata 9 immer mehr der göttlichen Absicht au entsprechen, una 
immer mehr unserer VervoHkommnung nSher au" bringen , daa 
/ist das wahre Gebet| der wahre Gottesdienst 



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ycriui|dluiigaa lor ^pfördcmi ^e^ Oewttb8«IISMf« 919 



\ir9bl Ut um erlaubt» unsrein Gebet« Mich .unter Bitten 
um gdttlicbea Scbut« und Hülfe beizuordnen ; wir baBen 99» 
- gjnjt Versicheruni^» defa ei« inbrünstigeaFUben Erbörung ßndet ; 
aber nicbtdieaee « aondern allein daa geiftige Annäbern 
SU Gott iit der wahre Zwtcfc 4ee Gehetf 9 der wahlre Gpttee* 
dienet 1« 

nßo nur ist der Gotteedientt fleht und wehr tu 
' nenoenf und aaf dieie Weise yfw^ er aach Fon ^er groi« 
aen Synode^engeordnet. Unserer Bitte , unserer Buft^t mule 
die UeherseuguDgder (beiligtn) Allmacbt und Allgegeawart Got« 
tes, daa Anerkennen seiner Liebe und Gnade gegen uns, daa 
Behenntnifa unserer Ehrfurcht, unaerea Vertrauens auf ibn 
vorangeben. Im T a I m u d heifat ea (Tract Berachotb S. 36.) S 
^Man wird etwa der Meinung aeyn; suerat bitte der Meaach 
Wi seine Bedürfnisse , aladann verrichte er aejji Gebet. Aber 
«a heifst aobon bei Salomon : »„Ver nimm meinen Gesangi 
mein Flehen««* Gesang das iat daa Gebet, Flehen daa 
ist die Bitte. si Wir sind daher auch verpflichtet t wun* 
de«haren, aus egyptiacher Sclaverei gaacbehenen Erldaun^g« 
die alier dinca Gottea gerechte Walten auf Erden beaeugt, in 
nnserem G«petf nu erwähnen. Nach dieaer Weise ist auch dat 
Gebet, daa sogenannte Scbemona eaara, angeordnet, 

S. 27* »Wir aeben auch leicht ein, dafs ein gedaniten* 
und geffihU^eea Haraagen von Gehetsformeln nicht Gebet ge« 
mmiit au werden verdient.« ' Ei" Gebet phne innige Acut» 
^aanikfit, aagt ein rahbiniachee Sprüchworif - gleicht aioeoi 
KOiper 4iJ)9<( $eele; 

.•^ Auch der Gymnatialnnterricht | in weldiem Hr. T. bis dk- 
bin gebildet worden iat« hat' offenb# von einem Zögling, der 
nun mit lolcben Vorkenntnissen und Vorübungen aur l^|yer« 
eitlir geben kann , Ehre, 

a« SefU 1826« \ ' Dr. PaHlH49 



ycrkanälungen <foj V$rein$ %ur Beförderung (Us Oewürhsfleiftes in 
' Preussen, Redi^irt vom Prof» Pr, S chuhatth. Erster his 
vierter Jahrgang, Berlin % M DtmhtrlmdUmMotf iW — $Q2$» 
4» MU vifiUn Kupfern, 

, Der Jahrgang in 6 Xiieferungen au S. Atblr« 

Ae£( bat die Anaeige dieaer Z«|tacbrift abHcbtlicb versp|# 
tatf. um. «Nt euiige Jahrgänge ahauwlurtfn | iu|d.il]iren Gang 

. ^ ^ • * 

V» . * 



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ün4 öehajlt deutltcWsu erfc»nneii. ' 'N^icMeoi ifun vier' Jähr« 
gäoge vorliegen, Wirdes leictiter «eyn, ein Urtheil su Mkn; 

'Diese V^rbändlungdi» sind kutiächst deur preussiscben Ge* 
werbsVereifi vmd Pri^asseit überbeupt gewidmet f und etithal* 
ken eine Entwickef ung* sHer Ahgelegenheiten' jenes 'Vereine» 
So giebt die erste Lieferung im Jabre J 82^ das Statut -des 
'Ver eins' selbst, di'e Abrigen Lieferuneen''alrei' die Namen der 
Mitglieder fib'erliaupt , sp wi6 jener der eincelnen Depntatio« 
nen, 'die Freisaufgaben ii'nii 'Vertbetlutigen diiv* FrsPise^, .Aua«» 
sügö aua' den Protokollen de^ mpnAtlicben Tersaniililiuigea u. 
e. w/ Der Clhrt^elnbalt'bestebt' * 

' I/'aua Orjgina]abbandluii|en. .lief, will sfcb tiicbt darauf 
"einlassen, sie alle au neiinem' JVfit Uel)ergehung der weniger 
Viricbtigen^ will er nur ^ie interesantesten anfttbren* * . 

In cbemischer Beztebung sind bemerkenswertb Uelwr 
tfie Benutaung der Tbierkoble cur Haffinirung des Zucieera» 
Die AbcbeiJung des Vereins f(lr Gbemle und Pb^ik nimoie 
darin an^ däfa nlan nbtlr nicbc bestimnit witsei wie die Kobt* 
als Entfihrbimgsmittel wirket lieber« die Anwendbarkeit 
äea' kfinstlicben Wailratbe«. Der. Bericbterstatteir Hr. Hermb* 
itSdt meinty durch BiBbandltin^ tbieriscber Substancen unter 
Waaaer erhalte man immer nqr eine übelriechende Masse 9 dla 
sich nicht au Lichteite /eigne. SpSter hat' aber doiph t* Hart* 
kol 4aa Gegentheil durch- direkte Versuche bewiesen« 
'lieber die Anwendbarkeii von B^aumier*« Methode, 'dieScbaaf* 
wolle au entachWeifsen. Nadi G>querili's Versuchen ist dieao 
Methode, welche den Urin verwirft, und blos- heifsee Wa*. 
tat anwendet, wei*igst»ns filr-die feinen deutschen Wollaorten 
nicht hinreichend. — Ueber Hossauer*s (in Berlin) platinirte 
Kupfergeschirre; Nach den von Hermhslidt angestellten •VeT'* 
•uchen ersetaen aie vollAmmen die aua bloCsem Platin verfer* 
tigten GerSthe. f^- lieber den Metallmcdir^ von Dr. Wagen* 
mann. .Eine sehr grflndlicbe, ächt wis^enschaftlicbe Be|euch* 
tung dieses Gegenstandes« — Ueber eine einfache Metbode ^ 
Rssig auf den Gebalt an Slure au prAfeny von- Prof. Völker in 
Arfurt. £r wendet Kalk Wasser an, und berechnet die Volum« 
t heile, die zur Sättigung des Essigs nothv^endig sind. Der 
Berichterstatter f Hr. Hermbst^dt, ist picht gana mit dieser 
Methode eihv«ts tanken , lief, glaubt alier, dals aie dieaelben 
Vortheile und noch mehr gewlbre, als die in Preusaen geseta* 
Uch eingefabrte mit kohlensaurem Kell« «-n . Vdlker*a Beachres« 
imng einer Vorrichtung, um bei der ' Bra'nnt weindestiilfttion 
das ^t weichen geistiger D9mp(e und ,die Bildung dea Grfia* 
t^aua aii hindern/ Aach dagegen erÜSrt sich Hr. HermhttSdt » 



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VnlMWNiiBgeii ncMMffInc im GürttMittw. . Mi 

jedodi iDtt WMkat Qrfindenf indem der von Volker vorgmUt« 
gen« Apptnt wMlicb nur für schlecht conttruIrCe Brennap« 
p.»rate obira Vorfrlrmer nütslich eeya kann » jeUt.abar icbofi 
Fiel volfkooMioare Apparate vortianden liiMl. HaraUiatlilt 

und WagennufnA Aber Gewinnung und Heiniguiij' dea Hoi<4 
«asigt, — Sehubarth Ober daa cbineaiecbe Weifakupfar, und 
die vom Vereine- angestellten Veriucbe su seiner Oaratellung, 
weleh'e siemlieb gehtfteen aFnd«« — Lewald Geschicbte dea 
Galmeybauea fn bcbieiittn. Dieser Bju liatte in der letatatt 
Keit'dnrcfa 4en groi'sen Abiafi des Zinks nach Ostindien* aehr 
eugenommen. Ueher das Niello und Nrelliren. Es beitebV 
aua Vettitfungen in Gold« und Silberarhetren, dlejoll affiMl 
schwarzficbenfittiail ausgefüllt sind. — Witting tkbar dieRai« 
nigung dea Branntweins von empyreumatischen Tballen« — 
Utfber den Gebrauch des Joliannisbeersafte'a statt deaCitronan* 
aaftaa. Der untere kann den'letxteren nicht wohl ersetzen, 
weil 0r mehr Aepl'elüäure und ein Ferment entdält, welcbea 
•eine- Auf bewabrnng bindert. Besser di^nt er aar W^nba* 
reitun|;I — - Weber über die Verhraseruim der StubenOien und 
Ober die neaeaten Sparöfen von Feiner in SerYin. DieaeOeleii 
' aind wiHtlicb bolasparend, und haben so viel Beifall gefunden« 
dafs Rr.Feiner bloa im Jahre l822 vier und fünfzig Stdck ab» 
aatate. WagenmAnn über die sweckmlfsige Conatructioii 
der Feuerungen mit Luftaug. Waber Ober daa Decatireo 
der TUcber mit WasserdSmpfen. 

* In mechanischer Hinsicht sind folgende Abhandlungati in» 
teressant : CJeber die englischen Ilolsraspelmaschinen. m Ue« 
ber das Filzen der Hüte. Die mechanische Operation d^* F*l* 
Bens wird nach Guichardi(!re sehr erleichtert, wenn dem Bade« 
in welcbea man die Hüte beim Filzen eintaucht , ein Dekokt 
von Eichenrinde augesetzt wirJ. Diese Versuche wurden in 
Berlin wiederholt und IiestStigt. — Beschreibung zweier Ma« 
schinen, die gleichseitig zum Schneiden uud Ijochen von Mie* 
tall dienen. Ueber Maschinen zum Abacheeren der Haard' 
an Bieber- und* Hasenfellen. — • Ueber , die Anwendung der zu- 
sammengesetzten Hebel bei Bocbdrackerpresaen und rr3ge« 
werken. Tistor fiber die Herstellung grfifserer optischer 
Inatrumente. ^ Dem Verf. ist es , nach dem eigenen Besuche 
der englischen Werkstätten., diirch vieltf und k%)stspielige Ver» 
suche gelungen 9 Arbeiten au Hefern ^ -die man den englischen 
an die' Seite sffllen kann, und die doch tvOhlfeiler sind, als 
die berflhniten von Fraunhofer in Mänchen. lieber die 

baate Einrichtung einer Schlemmerei f(tr ZiegeJfabricacion. 
Beutb über Aokerketten, , eiserne Kriegs- und Kauffeihttet* 



r ♦ • • 

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«cUfti ua« ftisM^ J^MMT» ' Okl.Ai*ffkÄlWi. wurden zn^rU 

eni- liwben Mwjnj» iclioQ Mbr t«rbfei»6t« iinA ««J hak 4en 
KetteagU«4brD jeuteiiia VMl]w«iMi4ertt Fovin g*g«b^ ^i^ 

m4 hdthurw auf «inem Slippepgrundet, und ersetzen durcU 
ibr Gewicht im Scbl^tleo oft einen verlarenen Anker. AiMiO . 
kennen tifpb.dle ScbtffiBt we1cbe «Aldl* Kette« besitsen , eher 
an klippenrolle KOeten waj^ Selbst w preußisches Scbtff^ 
welcbee aui* Eeebnung iler Sdn. Seibandlung eine Reise naäk 
Oftindien imicbte» verdankte eeinet Erbaltung «rXbrend. einea 
Sturmes im Hafen von.Valparaiao ein^r Ankerkette. — Be^ 
acbreabung und. Abbi|4iui6 einer lüreiatlge; kura ui^ deut- 
lieb, und verdient am eo mebr Beb^a«gung, als es gewife 
wanecbenewertb iit» dale unme.alten acbwertHUigen VerticaU 
sägen > welche so vielHetla in die Späne schneiden, von den 
Circiilarsägen verdrängt wepdm — Beuth über Meblauafijbc 
uiid Verb«aaeru|ig des Mablweeent» init Abbildungen. . Eine , 
der gehaltvollsten Abbandlun^n dieser Zeitschrift ! Deutsch- 
land bat einen sehr lohnenden Getreidebau « und doch steht 
4ie Construction dsr MaUioflblen and das ganse Mahlweaem 
noch auf einer sehr niedrigen Stufe « sollte et aber um so wo* 
niger seyn , ds man bei Ünt jetsigen geringen Getreidepreisem 
an eine bessere Verarbeitung des Getreides und an eine Aua- 
lobr 7Qn haltbarem Mehl.su denken gevi^Ua alle Ursache hätte. 
Die Engländer und selbst die Amerikaiief sind hier .wiadec 
untere Vorgänger und Muster*. Das Ne^en der Körner, weU 
cbas der Dauerhaftigkeit desMeUes sosehr schadet', .föllt lie^, 
^:i|euen Metbode weg. Eine eigene Reinigungsmascbine 
trenn» die Kdrner von idljatli fremdeA Beimenguiigen, reinigt 
sie. an der Oberaich«, und «ondert sogar die obere {ÜOee al^ 
(ReifoeUdn und SOrsten in einem Widaensiebe legten dieM 
Wirkung Die EngUlnder wlblea firansOsische Sf^ine vo^ 
FerM iöus Jouarre sorgfältig aus» vereinigen mehrere 

Seidiartige StBcke sum Ijaufer und Bpdenstein, und gebcfn 
nen keine bogenfilrmijBe, sondern mehr theilweise parallele 
Hausdlltee« ^wisoben diesen Stetnoa wird das MeU l>es9ar 
von der schale getrennt, die ^eie weniger zerkleinert , wo« 
durch geringe Mebkattungcn vermieden werden. T>iß «e^« 
mdaeneMam wird 4ttrdiMaadlinerie, die Meblleitung und 
den MeUelevator in ein oberes Stockwerk gd»racht , .dort 
durch Röhren, mit .«ipem: Maschinenrechen abgekahlt, und 
daiin' erst in einem B#Mtdwerke von M^tallgewebe in Mehl . 
uml JUeie getrennt. Die R^nigungs - und Beutelmaschino 
lats^. aicb an wimeii:Mabl«|i l«ifibK fM^^ringW« M^«» 



1 



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TrHtirfdiltii» Eb wM «nrkMUt lUbakM nitt »td ti^r'ug 
Sdirilt«« in der Mim^u der Gf «undlieit der Arbeiter eb«r sp^ 
triglicb al* necbtbeilig eeyea. Aber i« rec^itlicber Setiebun^ 
werdeo einise Bedenken gegen sie erregt. 

In Beaiäung auf den tecbniadieamnabalt» auf die bit^« 
riscbe und atatiatiscbe Seite bebt Kef« fblgeiide Abbandlungeii 
beraua : Kuntb Aber .Scbafttncbt und Wollgeirerbe in Frenaaen« 
f reuaaen batte ioi Jabre i820 in aeineo aieben und svaaaig 
Begiei1iJig8b«eiflm Aber neun Millionen SAAf und auf der 
Qnadrakmeile im Durcbtcbnitte i803 StAofcef datnnter Ipft 
«ine Million gans reredelter und Aber, drei Mifiionen balbrer# 
edelter Sdiale« Ueber die Ertbeilung der Patente im KA« 
nigreicb Prenaaei^ Man ateht bierana » dafa im Oegenaatao 
der franaOaiacfaen und englischen Geaetzgebung in rrenaaen'. 
eine etrenge PrAfung der Nenbett oder fiigentbAndicbk^if der 
£rfindun£«nTor£rcbeilung des Pauntes stattfindet« — ILontb 
Aber Kaftre« Zucker und Tabaek. Der Verfiisser theilt aehf « 
£ute historiacbe und atatiatiscbe Nachrichten über die £nMie* 
Seng» Verbreitung und Grölse der Coosumtion dieser Artikel 
infiuroM mil^ und spricht dabei, einige intereaaante Wahr« 
heilen der Nationalökonomie aüa , nAmlich dafa eine luxunAaf 
Consumtion für deit Nationalwohlstand nicht immer rerderb« 
Itch iatf'daia aie eine Menge produktiTer Arbeiten vemnlalatf 
und^dafs die Nation doch etwas beaitne'n esufs , wenn aio> 
Luxuaausgaben Jbestreit^n will, daff also Nationen« bei denea 
der Xiuxua schon lange aebr hoch afeabt» dieaea Aequivalent. 
nachhaltig eryrorben bnben müssen. — Ueber die JKinfikbrung 
mehrerer 'WoUetrsgenden Thiere in Frfuaaen« inabeaander»- 
der Shawf<t Ziegen. Die BemAhungen der Engländer und 
Fransoaen aind hier susammengest elu « und Aber die Fabrica» 
tion der Sbawls ist Mehreres gesagt. Per Gi^genatand bat of« 
ffnibarea Interesse bei dem hoben Preise derCacnemire-SbawlSt 
der greisen Liebhaberei für ihren Gebranch f und der Mög* 
lichkeity unsere einbeimischen Ziegenhaar^ all ▼eredlenw — « 
Knnt)i aur Geschiebte des 3«i<laiibaaM undSeidenbandela, be». 
sonders des Alteren. — Niederstet ter Abir den Handel vQtt 
Europa mit China. — Kuntb Aber Nufeaen* oder Schaden' ron 
Maschinen, besonders in Fabriken/ Eine sehr grAndlidie Ab« 
handlang über die ,un bestreitbaren Voraffge der Maschinen« 
an Wendung vor der hlolsen Handarbeit, fia wird biaratat}«- 
stisch nachgewiesen, da(s die Maacbinen jettt viel mehr Hinde' 
heschAftigen, selbst in Englancl» als früher die Handarbeitt 
dafs- die Tab rica tion an Masse und GAte gewonnen hat« die 
,ProduJ(te viel wohlfeiler geworden t umd.die menschlichen Ge« 



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t«r dlMf dai iSito'd#l w&n Earote bic^ iMii*tpfliiii<btti CbIoni«n 
|p AmerlLa. 'Glasgow voMMutb, Oer VvrfMfer^ welcher 
England selb.st bereiste, IfefiiK hier eine treifflicbe Sebilderung 
der 'berObmlesten F«brikmdr von* Scbi^ttbMfd » verbr^l t6t sich 
flbdr die. wichtigsten' Zweige der T4^hik , die dort betrieben 
werden 9 und b^egt i|He ^ivgftben' mit Zisblsrn. ~ Beitrage sur « 
Kenntiiifs- dec Con€urrlin« Egyptens in der £«^im*nlsbriketion , 
in dem Flfl^hs"« imd Hunllbitiu und der'^Cultur der bauofwolln. 
Welchetr'MoHv^Üaf Deuucblandy den Fleebsi* «ind Hanfbau» 
die Spinnerei , WeiMrei 4 Bleicherei %n v^rfrollkomnineii ! — 
Hagen ttbs<r den EinfluGi 'der 'Maicbinenf auf das «llgemeihe 
Wobi, Miohl ao inieretaenti als 'der ol^ge Aufaata von 
Kutotb. • ' c . . , 

' , IL Mittheilnng framder Entdeckungen und 'Aiissilge aus 
ilitareasanten Schriften, Uebe^ die Botitliontafeln von Pronat« 
Stevenson Beschreibung der HängebrOfcken. Ueber Tri^C- 
anflblen'in Gefangenhluatm» — Fsyen und Bussy Aber Entßlr^ 
bung vogetablHacber Sitbatansen durch Koble. — Ueber Fheba* 
bereitung ohne Rdste, und beaondarr flber die Kuthe'scheMa« 
atobine; ' l)er Verein aocbrdie angebÜdien Vortheile der neuen • 
Bereitung i n Schatten M atellen , und im telgen , dals die Rdsta 
iinentbehrlicb sey« ' lUf. glaubt 'aber'V. 'dafs dieses Uftbeil eU 
was stt voreilig seyn dQrtte; Eine physische Unmöglichkeit 
liiit sich bei der neuen Bereitung nicnf nachweisen , und wer 
die Geschichte r der inei^eren Technik kennt 9 weifs, dafs' noch 
manches Andere 'entbehrlich gemacht worden ist» was man 
filr unentbehrlich hielt, — ^ Ueber Bereitung und Veredlung 
dea Weines, Eide von der K» tachnischen Deputation llftr 
Gewerbe verfiifste und von dem Mtnisternittgetheilte Abband- 
long. Nichts Neues« Alle» hier Gesagte weifs man in Wein- 
lindern schon iHngst, Die prenssischen Aheinprovimen » 
Wtelche Wein bauen , < werden durch diese Abhandlung nicht 
sehr belehrrw«]^rden Aeyn. <^' Ueber Ferkini Dampfmaschine^ 
irnd Spilsburg neue Gfirbemethode« Ueber den Ben dea 
ifeuseekndJschen Flachses (Fbormivm tenax), Link b&lt seine 
Acclifflatisircing in Preiasaen far a'ehr unwahrscheinlich, ' 

' HL Notissen, Si^ betreffen dia in Preussen ertbellten 
Patiente, die Geschichte der Rheinisch* Westindtschan Com» 
p9^nie , die Wollmftrkffa ih Berlin , Breslair ti, s. w. 

* Diese Aneelge wird hinreichend aeyn , ded ' Werth der 
Verhandlungen %a beifrklfttikn. Nur daa muft Ref. bei- 
setaen, dals es wOnscheiAsweTth gewesen- Ware 9 der. Verein 
hfttteden Preiafar Fraitfde«vom Jahre iö26 an nicht vardop« 



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JUB&gihmU AmMj* fd. Krüger. 9%$ 

peltp ond lMM «i« in den bisherigen Lieferungen, und nicht 
in ganzen Jahrgängen rertheilen. Die Verbreitung nütslichef 
Kenn tnieie künaUt dadurch nur gew innen . 



nm» .Rmogmwit HUluttrmvj^ C. Q. K rüg fr» ^alhStuaommp 
ki hSUwjit9^amm»d99tSihmtf9^ MßCGCXXKi. XXiT 

..••{» 

.Der llerenageberf welcher «eine Bearbeitung der Anaba« 

eSa nht folgender Dedication : rei« t«5v /ai^/wv pp;Ta7s ro7( x^«( 

eei A07UJ Ka) eVy^i dyutvtaj^xsvoii ra ita« c(ycvvf^ofAfr*y0(( y^cuQitp na* .wxyivf 
vnd eioem Uriechiaebeff Vorworte: '4>^/4)7i K^uY*^<f » beginnt , 
hatte aichon früher die Absiebt« eine griXsere» ausfahr|iche 
. Ausgabe dieses. Xennphonteischen Werbes , au Uefern. Au^ 
die fett« -des Vnrlegere (die. in 4fp nngepiOgenden Ausgaben^ 
.welche meistens In Hjinden der liernenden .wie der Lehrenden 
eich befinden , freilich nur au aehfi begründet war) Änderte* 
Ur. Krtiger jedoch seinen Fkn dahin 9 eine für den Schulge« 
brauch bestia^nMie Ausgabe a|i lieiiprn, in weldie augleich da» 
Geeignete aas den fDr jene grdfsere Ausgabe bestimmten Com« 
inentaren aufaunehmen sey« Das dringende BedQrfnifs einer 
'eolcben Ausgabe forderte fiberdiea baFdige AbbQlfs «lid mufste 
daa. Eracheinen derselben beschleu n i ge n. Fflr den Stan dp u nkt' ' 
.nnaerer Beurtheiluog' -wirft sich daher sogleich die Frage auf, 
ob dieae Anegabe.dem bemerkten. Zweck entspreche und somit 
jenem fahlbaren Bedflrfnifs abhelfe. Diese Fra^e kann Aeo« 
siicht anders als bejahend beantworten ^ und mit VergnQgen 
ergreift er.diese Gelegenheit«, durch eine nSbere Analyse die« 
eer Ausgabe dem Publikum ihre eigenthttmlichen VoraOge vor 
den ithrigen Ausgaben der Anabaais^ besonders iron dem eben 
liemeskten-. Standpunkt des Gebcayu^barauf Schulen aus« be« 
snerküch au mechen« und ihr «o« vfo mjBigUch« den allgemein 
aieren Eingang auf Schulen au^ veifichaftejp ^ der ihr nothwen« 
dig und mit vollem Rechte gebObrt;« , m?» nieg aowohl die Ijer* 
iienden als den Ijebrer selheiv berttcksicbttg ^ m 

Was auvSrderat den Tei^t uii4 ^?f#enr«^icherste]lung oder 
Berichtigung betrifft, so |St dies ^in J,'aakt« wc^röber wir ins« 
bcaondere dem Hecausgeber . verpflichtet .sinr], und kenn sieb 
seine Auegabe attesdineft deasen rdbmen, den berichtigtsten 
' und augleich baodschrifttich am meisten begründeten T^ex^ der 



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^«6 Xi tp l io a^ i AüäbiJi •ä. XU««; 

IkViiAasii stf liirfSviiJ Oai» GmM'biMbt dta'mahnlg^d» du#eh 
Schnaidar sphoti gabaasertaRacensioa^dva Haoriqua otaphanua; 
aie ist auch da wiadaruni gebaaäatt« wo aiicwadi»t ,4ia-AuGto* 
ritSt der baaaäran^ Hattdadiriften oder titnera Grflnde ea er« 
beiscbten, . Dieaa Verfttiiderangen ailid gewitsenbaft in den 
Not.eii baoierkty und swar in mdglichtter Kürse die GrOnda 
ängadeuter» welctie den Herausgeber siir Aufnabmä dieser Und 
Yerwarfung der andern Lesart bewogen ; da , wo die Gründe 
leicht einausehen, ist dies biltigarvreiaa nricht geschehen ; da- 
her natürlich nicht a]le und jede Varianten^ngeffelhit sind ; einen 
Theijh hat .der Heraus^^aber in den der Vorrede beigefügten 
Addsiiidis et En^endandia nadfgatragen ^ da er die CoUation der 
Manu Scripte^ arit erbidlti als der gr öftere Tharl seiner Ausgab« 
jlcbon vollendet vtttr^ ISei dar Mäfsigang« die den Herausge* 
bar stets leitet » berdeni feinen kritischen Takt und der gründ« 
tichan und genauen kemvtnifs der Xeoophontaiscben Sprache,, 
die sich überall kund giebt, wird mäiT' daher auch unbedingt 
in den meisten Fällen dem Verfahren dea Herausgebers bei* 
toflicbten müssen. Dies gilt auch insbesondere von seinem ^ 
iei eigenen Co njecturen wie bei denen anderer Gelehrten und' 
bei deren Auftiahme beobachteten Verfahren* . 

Auf die Erklärung, sowohl grammatische upd sprachliche, 
als sachliche, bat der Herausgeber inabesondara den rühmlich« 
aten l?*leifs yerwendet^ und seiner Ausgabe von dieser Seit« 
einen Werth verliehen, welchen keine dar andern Ausgaben 
' aicb au verschaffen gewufst. ^ Was dunftel^nd einer Erklärung 
bedürftig erscheinen konnte» ist erörtert Wordisn , nichts Über« 

fangen, ohne dafs jedoch der. Umfang desr Buchs and aunächst 
er AnmetkuD^en über die MaJaen vergrö/sert worden ; waa 
freilich nur Hei der Kürse und Bestimmtheit des Adsdrucks , 
welche beide Eigenschaften Wit-fli dem Herausgeber vereinigt 
finden, äü erreiche» möglich war« Oen'Ziireeke der Ausgab« 

femäft muft^en allerdines Verweisungen auf seltene, selbsMlesa 
lehrer meist nicbt au Gebot atel^enae Bücher, et mulste aUee 
rein Gekehrte wegfallen, ee-^durjEie nur das gegeben werden f. 
was als nutaenbringend fUt *dett bemerkteii Zweck- umgesehen 
werden koiinte. mkanntlkh bietet; in Absieht aöf die Sache ^ 
auf geographische, üaililiniche Gegenatinde «. detgl. die Er«» ' 
drterung der Anabasti 'keine geringen Sdiwferlgkei tan dar, nwA 
wenn auch inaticher Beitt^j^ Sisu geliefert worden , so ist doch 
von den bisherigen Iplrktäreni der Ariabasis Weit wenige r tndie^ 
ser Hinsicht geleistet , .als üian billig an fordern berechtigt war. 
In vprHegen£rr Ai^sgabe ist niehta der ^rt übergangen; es iaC 
von den verschiedenen Beiträgen ein verständiger Gebraach 



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4t? 



fg& mt i ktf ifod W J»r Kttrs* di« iiatbig« ErdctMrttag MrM^ 

Süd pegelMn. 01« '^fif ^^^^ latMn tich, natnentKch was 
■ . <»«ographttcl» h^m^$ j«dtr Seit« attf&iiden^ iiad 
flbcHlabtii aliMi ianm d#B lUf. jadar AnfOiirutie im fiinafl« 
»Ml.- Worauf ab«r Rt&' W«iur groftait Warth legt, iat dai 

SvaHüMtiaciM £rldBnUig. Dar^fferaufegebar bat diwaa BaaMVk 
ungen ao <aiaiuri«littn MwaOitt dalb nicht bJot dar Scbttlat 
(wia llbarhatipt Jedor^ dar dia Oriachiich« Sprach« gründlich 
wa ihram innkrataik Waaaii'tind dan fain4tan graininatiichaa 
Untaricbiadan k'aiinaii laiman will ) fater unandkch viel lernen 
hmnUf und sum Salbatforachan au» lebbaftaata angeregt wird» 
f ndau ar aich euM <dftaran aus sichern und auige wählten Bisi* 
•pielan dla Kegel aalbar b«rauasu kÜdan hat, aander n auch der 
Ijahrar Veranlaaaanrg ßndat, Manchea anauregen, Mancbaa 
SU barttbifan) was gHlivdllcha Keantnifa dar Spacbe befördert 
und raroiahrt» -^Dia Belegstellen titid, wo möglich, au« Xe^^ 
nophon'^ Schriftan eritleont, oder aus andern augänglicban 
Schriftatallarn ; die Bemerkungen aelber , welche bald rein 
gi;ammatiach siiid » bald mehr dra Sprache und Auadrucks« 
Waiaa betreffen , enthalten einen Schate feiner Erörterungen f 
dia aian vergeblich anderawo 9 in den gewöhhlichen Gramma« 
tytan (obgleich auch diese , da wo es angieng, beliutat und 
ior^sam 'nachgewiesen sind} oder sonst wo suchen "würde. 
Wie genau z, B, geht der Harada^eber aum öfteren in dan 'in 
tinaarn Grammatiken meist nur ungenügend behandelten Ge- 
brauch der Tempora , ihrer Folge auf einander oder Verwach« 
aelang untar einander^ ein (vergl. z. B. I9 1. 2« 3. 6. 7. 10. 
11. a* w.}, mit welcher Sorgfalt behandelt er den Gabraucb 
' dite Participien 9 Attractionen, insbesondere des Artikela und 
di« feinen Unterschiede in Stellung udd Weglassung dessel« 
ban. Oasselbe gilt von der sorgfältigen Beach'tung der Vat^ 
ttk^n^f deren Kenntnifs für den Anßnger der Griechischaa 
Sprache so wichtig ist, eben so der Präpositionen u. s« w« 
So z.B. gleich 1. §.4. — ßovXsvarat oirui; jxtjicoTa tri t'orai M 
rf di*X(^M zog Schneider v-ro, welches der Codex Etonensia 
liefert y dem ut] vor; Ref. konnte sich nie davon überzeugen; 
Hr. Krüger verwirft es mit vollem Recht, 4ind knüpft 'daran 
zugleich eine treffende Bemerkung (wie solches in vielen fibn« 
liehen Stellen der Fall ist) übet' den Unterschied zwischen 




hi«r in ähnlicher Weise angewendet zu seyn scheine | wia 
•Oflst bei Staaten I ^<^uartun Javor auxUium alieui surpttU^*^ 



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918 



Bef. sweifdt «ü der Ridbtigkeit 4i«*er £tU8rttog dittiduii« 
nicht«. BiiiiB«! wenn er die FmlleletelU Ivei PluUurcb Artaxerx* 

pXMym Mvov {worthioMiB nach ^T^^p^^t «in Coaoui. su fl«tMi 
und XU v«^£x^ [ftivflMifc] e^n roi Kv^ bibcitsudenken l$t ) dooiif 




juurf qro^8ucvte»Oberli«fot des Hmufegebers ErklSrung von 
i^icc«<do«cb.wiX^V'«S^tttf dw Annahme oder fiUipM dee Verbun 
3«;» 9. mit welcher man eonetcehrfreieebig ist» sumal da viele 
Ihnltdve. Stellen wlrl^ch eim ht¥ enthalten; viele jodoch dei 
Stellen f. viro «• ele £»hlend angenommen wkd» mdehtein aicb 
leadifeer auf die von Hi^n. Krüger vorgeicblagene Wette -erf 
klSren laMcn, So lieieen ticlMiockiinsXhlige Flllaauffllhren^ 
um utiier phen ausgesprochenes jUrtbeil im Einaeloeo aa he« 
atätigen y wenn eifert daiu hier der Oft,wflrc^ Nane» mit 
anTaerordimtUcher Sorgfalt ausgearbeitete ^ .voUatSndige IlegU 
eter^> wobei au 4'e'a einäjdaen Wörtern die nddiijsen ErlSäm 
pingen. beigefügt Worden» «tbdben den Werth dueeer Auf« 
gehe, .ondaicbern dem HerausgeOer» der. dieie mfihsame Ar« 
Seit nicht s^eute , den bleibenden J>ank djta Publikums* £a 
folgen nftmlich sindex Terborum S. 454,>-t» 540« il. Ist« 
dex Nomin um et Kerum S.54lft > Ut* Index Crem« 
snatteua $. $49 C • Penn eine hdcbtt brauchbare Tabttia 
1 1 i ne r a r 1 et |va die gan«^. iiardilte jreraeichpet , und* dia 
EntlamuBgen der einaelnenOrte voneinander nachFeteeangen 
iind Tagmärscben (eo. weit aolchee auaaumitteln geweeen), 
genau «angegeben find; - endlich S« . 659« Temp o r um' D«* 
acriptio. \ , ' 



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N. 5a ' 1826, 

0 

Heide.iberg.er * 

Jahrbücher der Literatur. 



J^ie Theolo gie det Mugiers , Manes, aus den Quellen bearbeite 
von K. A, Frhrih von M^ichiin ».Meide g gf Dr. der Theologh 
und Prof» am ^mntuium %u Freiburg im ßr^itgau,, JPhuJ^» o* JML 
ba Utrmmm» i8a5« 6o ^ m» 8.v 

Zweierlei Methoden^ ein Lehrsystem aus der Vorzeit euf- 
sustellen, sind inö^^Iich. Entweder sammelt man alles, wa$ 
der oder die Urheber ausdrückKch behaupteten, nach den 
Hauptstellen, und ordnet dieses, aber nur dieses, wörtlich tra- 
ditionelle; oder man fafst von dem, was behajptet wurde , 
das zerstreute zusammen , such^ abdfum die Grundsätze ^ ohne 
deren Voraussetzung jene Folgerungen nicht wohl hätten ent* 
stehen können, und ordpet alles, so Tiel mo|;lich t sum einen 
logikalischen Ganzen. ' 

• Nach der erstem Methode hat besonders der so üeiTsige , 
ktontnirsreiche und gegen Mutmafsungen sehr behutsame Yerß 
der vollständigen Historie. der Ketzereien, Chr. W« Frea9 
Walch (I. Th. 176a.) gearbeitet. Wir wundern uns seine 
dort (S. G85 — 814*) so sehr auf die Qaellstelieo hinweisende 
Geschichte des Manes and der JÜanichäer von Hra, T. B. nicht, 
wie Bracher , Mosheim o. s, w. an|;efilhrt zu sehen. Die Ab* 
sieht unsers y£i.. war , eine kurze Darstellung des Manichä^ 
Schern Systems nach der zweiten Methode sa entwerfen, über« 
all aber die historischen Data zum Grund zu legen 9* und als» 
4ann das Verhältnifs der Manichäischen H^^tlehren zu den 
eltmagischen und za den Zoroastrischen aubosuchen. Seine 
Aufgabe, die Hanptpanctc der Manichäischen und der Zgroa« 
strischenT Lehre wahr und klar darzustellen , hat er recht gut 
gelöst^ and sich dadurch als einen philosophischen Bearbeiter 
rar interessante Theile der Reli^ionsgeschiehte - bekannt f{o*^ 
aiacht 

.Mani sah im Menschen ßoses und Gutei^ a«ch in dei* gan- 
«ea Natur Wohl und Üebel gemischt. Er machte daher (S. i3.) 
ohne Zweifel den S^bhlofs : Da itir aUes, wa« wirklich (und be« 
wirht)ist, etwas sdya maCi wo^^rch el Wirklich (undbe^ 

XIX. Jahrg. 10. Heft« ^ 




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.(^3o Dr» vou Keicblin • Meidegg 

Hi^irlit) ist , das Böse aber und^ das (^itc nicht von Einerlei 
Grundursache bewirkt seyn kfcnn , sö- müssen von einander un- 
abhängig zweierlei Grundwesen dafür eitistiren , die auch nicht 
einerlei Grundwesen über sich haben können , weil nicht Böses 
Und üebel aus dem Wesen des Guten kommen kann oder um- 
gekehrt. Dadurch gieng Mani von Zoroasters (verbesseil-) 
magischem System, welches den Ursprung des Bösen nicht 
•als einer Substanz , sondern durch Wollen (besser) sich zu 
erklaren gewufst hat, zu der ganz sinnlichen und gemeinen 
^Vorstellung über ? oder /,ürück ? wie wenn das Böse nicht erst 
.durch die wollende Selbstbestimmung, Ausnahmen von der an- 
erkannten Regel des Guten zu machen, entstünde, sondern schon 
ao sich etwas, und also eine durchaus verkehrte Substanz wäre. 

HflUpUficlilich ist daher noch weiter auch diese Cii*i*ige) 
«Voraaiietzung deS' Mani bemerkbar zu machen , dafs er das 
BlSur^iind^Ueoel so woblf als' das physische und moralische 
Güte tirie •eeliitftbew'afsio Wesen (aus Kölker und Seele 
bettehevide f von Grund ans verkehrte Substanssen) » ansali. 
'^^lEeü ei^ daa Werden des eigcntlidieii Guten und Bosen « 
wie^-.es' dtnr'ck Wollen für oder wider daa aner« 
liaiii|.t6 Rechte heryorgebraciit nicht fest !m Ange 

feika^-^aclueA ihm dann das BSse, deälbar ^ äla Eme aus Hur« 
per nnd Seele bestehende absolute Substans., welche er vX^ 

flawAte' (Castell. Lex. pers. p. 566.); ein Wort, 
"v^odnröh e^ nicht blos die L-orp er liehe Materie^ sondern 
überhaupt den Stoff oder den Anfang, worätts etwas weite- 
res wird^ bezeichnete , so daft er aUen solchen Stoff ala be- 
lebt nnd' beseelt dachte. ' 

' ' Die an sich hose und übelwirkende Substanz Hofs dann 
aber Mani nicht überall unmittelbar wnrken. Kv licfs aus ihr 
gleichartige Aeonen, und durch diese in der Folge auch sinn- 
lichböse, aus einer seelischen (psjxhisch sich bewulsten) Ma- 
terie bestehende, Menschen entstanden seyn. Das Gute schien 
ihm eben so eine Substanz, rein wie Licht. Auch diese aber 
lasse aus sich Aeonen, die dann für sich bestünden, und gute 
Lichtseelen ohne Materie hervorgehen , die nur in der bösen 
Substanz des Menschen so lange befangen seyen , bis \sie »ich 
diirch Entkorjierungen frei machten. Als ein reiner Lichtäon 
sey'daher Christus aus dem guten Gott hervorgegangen, um 
^die cingekorperten Lichtseelen durch Lehre und Beispiel frei 
zu mawien, habe aber eben deswegen nicht einen wahren 
Korper um sich haben, sondern ndr durch. die Dokesis eines 
tturpers sichtbar werden können« • 



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t 

I • 

über di« Tlie<dogie de» Mane». ^4 

nicbtig lat es dtninacli , dafs Mani alle böse Nitliteii [de ' 
Theile des Einen boseo W^eas lieh vorstl^llte, auch alles 

- >'Gute in Menschen, Thiereir n. s. w. für Theile der Wesenheit 

- 'seines Gottes, ovma toi/ -fftov^ bettachtete, wie S. i^l. i3. 

durch Stellen des Kpiphälltnff Jbefleugt Ifrird. Weil er abei> 
doch die Hyle mit der anima mala iaüs dem h9Mn Grundwesen 
eich in einzelne s elbst handeln d 6 Aeonen und in Men« 
'adien abadndem lieft, «ebeti so imish die gute M^nschetiieeto . 
*CS. 2^. nach fiphrSm) als particula dipinae decerpta naturae 
eich zu denken versuchte , und den Aeoü Christus ^gkichfalU 
als fBr ttioh bestehend aüs dem späten Goti atugefloseea daehui 
* (8. 99.) , so sdieint tiüs dieies Sjstem c^ier Emanati^tnus ge<» 
nanut werden txk müssen V als (mit dem ^ert. S. 19.) l^an« 
theiemu«. ' bedebteiider Unterieliied Ist ei iifimliöb 

dodi« ob ein Lehrsyütem annimmt, &ine, absolute, bdeO 
. joder gttte Grimdwesen C^'3e.) ^i^lle pnd hähdle tinmitiedHa* 
in dem Tielen Eiaiselneii ^ als eo tielen yon der fein^ Snbstaml 
aicVt gesonderten II odifieatiöneii, oder ob das Lehrsystem 
^oranssetA^t, aW der Eben Soibstans iey vieles EinHelne aiis« 
gegangen, dai ihi^ £war gleichartig, w^sOntlieh gleich^ bleibe^ 

' dödi als für sieb bestehend so lange wirke, bis es wieder in ' 
•ein* absoltttes Grondweien. Sfioruekgehe imd stein besonderei ' 
BeMlstsejrn ond Wirlien Tcrliere« Beswegen nmr honiiteil 
der von der selbstbeWnfsten bösen Hyle nmsäiliingdiien gut^n 
Fsjcbe VÖA Mani allerlei Anstrengungen , om stob tau befi^eien ^ 
sugemtitet Werden, so. dafs ^ %enn sie sich mfSht^eng genug 
sur^di^oge, sie imnu^r irieder und wiedee in einem Körper« 
HerW itt} iiQHTf] S. 27.) metehsomiltisirt (S. 35.) erieheineii 

• müfste, Ins aidjieh emt dles B8se ond Gtite triedei» itt-dü 
swei^lei tJrSübranzen (in ihr aggfffvjtop 9» ib.") ganz gesehie« 

Alles dies beruht äul^ dem Grutidirrtham , das B^se und 
Gute allzu handgreiflich sich Torzustellen , iind nicht als gel« 
stige VViMenswirküngeri, Entschlüsse und erworbene Fertig* 
licäten fisu beobachten^ das tJnyollhomniene in der Natur aber 
(das Uebel) sich nicht als et^ai bei der Coexistenz so tieler 
Kriift« ttniretlneidlrchesj atldi iBtrr Aufgabe für die Thätigkeit 
der sonst allzti trägen Gcistei: nothigeä asti erlilären. Mani s 
Lehrsystem ist in den Polgertifigen Consec|aent^ äbcr in der 
Torai|S8Ötästing , wie ^nri ^as Böse ein an sich bestehendei 
"Wesen seyn konfite, «eugt es von Mangel Än jpsychologischei* 
Selbst!) eöbachtüng über das Werden des Morahsuib&eii dnrdb' 
ge Wollte Aiisni^en total AnerhanntenBediterii . ^ 



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939 0r,'vcm ReitfbUn-Mdidegg 

Dafs Mant nur ein Gutes Grandwesen Gott nannte , hat 
. Walch S. 746. richtig nachgewiesen, und die Logomachie, 
dafsMani nicht zwei Götter, aber allerdings zwei absolute 
entgegengesetzte Grundwesen zudenken versucht habe, 
. gut aufgelöst. In den alten Worten und Bcgrillbn Elohim, 
Theos, Deus war das Gutseyn nicht schon, wie in unscrm 
, Gott, so deutlich miteingeschlossen, weil man mehr an die 
. Macht dei Grundursächer dachte , und die Willhührmacht 
. (allzu menschlich) auch noch für einen Vorzug | für ein '&tto» 
, %i hielt. 

Mani statuirte (aus Annäherung an die christliche Lehr- 
regel seiner Zeit) wohl auch eine Tri ni tat, in so fern er 
dem Vater als dem eigentlichen guten Gott das „ summam et pria- 
cipalem lucem incolerc'^ zuschrieb, den Sohn in hac secunda 
et Tisibiii luce (in dem Ilimmelslicht), den heil. Geist als ma- 
jestas tertia dachte (s. Faustus nach Augustin. contra Fan st um 
L. ao. cap. 2.). Nur war Mani's höchste Dreiheit freilich mehr 
eine Dreifaltig k eit oder eine Dreieinigkeit der drei höchsten 
Kraftwesen duVch Gleichartigkeit, wo nicht Einheit (identi- 
sche Unität des Wesens) , sondern nur Einerleiheit , Homoge- 
nität der of;(Ffcr ^ vorausgesetzt wurde. Haben doch auch alle 
orientalisch d^kende Kirchenväter vor dem Nicäischen Sym^ 
IidI die Drei nicht aU Ein Wesen, sondern als Einef 
.Wesens gedacht, und so, daCi.ate die Inferiorität der zwei, 
dem Vater homogensten Aeonen sorgfältig bemerkten? )>Wir • 
sind nicht Atheisten Mgt Justins gröfsere Apologie ift, 
S. i36, W^ürzb. ^^Wir verehren den »Hervorbringer dieses« 
Ganeen durch Gelübd und Dank ; dafs wir aber als solche , die 
gelernt haben , dais Jesus der Sohn des eigeoNiichen Gottee 
ist, und die ihn in der zweiten Stellung habeOf aaek 
den Prophetischen Geist in* der dritten Ordnung ^nit 
Vernunft ehren sollen, /'Werden wir erweisen". Tov . , . Itj* 
imvpXQiüwaif viop avtov tov ivtwq ^uw (0 fta&optt^ «m h dwtiQif^ 
X^iQff ^<OPng, . nvtvfia n iv ry rgirij roSci, 6n futa Xoyw rquo- 
fiev mio^iiS^fuPs VergL $. 76 — 7S. - ^ 

Nachdem S. $7. Hanfs Lehren ^anz richtig zusammenge- 
faTst sind (nur daJa Reo. für iPantheismus — . Emanation und 
Remanationdenht, und so lang die Individualität dauert, ihr 
auch ein Handeln aus bösem oder gutem Willen , eine Art von 
abgesonderter Selbstthfitigheit zugeschrieben findet), ver- 
gleicht Hr. t. B. recht treffend das Lehrganze des Mani mit 
dem des Zoroäster , das er im sechsten Jahrhundert vor Chri- 
stus C^. 40O heginnen läfst Das Unterscheidende von diesem 



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• • ' • 

ifitf daffl er zwar auch ein bSses Gmndwesen, als Ursache der 
K5rper und ihrer bösen Lüste, annimmt, doch aber das Ent- 
stehen desKüsen in icnem Ahriman yom Mi fs brauch 
des freien Wollens (S. 42.) ableitet. Deswegen konnte 
er (las Daseyn auch des Ahrimans dennoch aus einem guten . 
ürwesen, ZervaneAkerene genannt (Zendavesta 2. Bd. 8.376.)» 
ableiten. Denn nunmehr konnte der Einwurf: Aus dem Gu- 
ten kann nicht das Bose werden ! in so fern wegfallen , als das 

% Böse in Ahriman für Product des Wollenkönnens, nicht für 
Austlufsaus dem ürwesen, zu erkennen war. Sogar ein end- 
liches Zurückkommen des Ahrimans selbst in das gute ürwesen 
nahm Zoroaster deswegen an (S. 48.) , und konnte, weil er 
das Wollenkönnen des Guten sogar in Ahriman nicht für ver- 
loren achtete, eine endliche Auflösung des Dualismus in die 
Einheit des einzig guten ürwesens ohne Inconsequcnz hutlen 
und voraussagen. Die Dilferenz zwischen Zoroaster und Maar 

^ ist sehr klar und richtig gezeigt. S. 46 — 43. 

Ob nun aber, was die dritte Haaptansicht des Yfs. CS.49.) 
ist, die altmagische vorzor Gastrische Lehre schon auf 
der sinnlichen VortteUan($ bestanden hahe, als ob Böses und 
Gutes Subatiinaen wäi cn und also aus einer absolaten Zweiheit 
^ entsegengesetzter Grundwesen entstünden, dies vermag R6c* 
weder sn bejahen noch ganz zu verneinen , weil die Data .TOn 
dem, was hdlier hinauf uralte Metaphysik der Mager gewesen' 
seyn mag, allzu unsicher aoheinen. Der Vf. sagt S. 5o: ,,über 
ihre Lehre ist freilich ans Mangel der Quellen nicht 
yiel zuverlässiges, mehr zn sagen Diesem Satz mi^fs Bec.' 
mehr beistimmen, als dem, was folgt: „So viel ist ge- 
wifs (?) , dafs die Lehre der al ten Mager (der yorzoroastri* 
sehen) nicht auf Qotl eis £inh<(^t^ •ondem als Zweiheit sa« 
ruidigieng.^ 

' yifSve dies, daft einst sdion ein b^ses Grandwesen neben . 
e&aem guten als Substanz alles Bosen ^;edfeicht wufdo, ' so w$re\ 
.dann nUni etwa Erneuerer des alten, >ülgSren Magismns im 
- Gegensatz gegen die (mehr dekihbarej Zoroastradie einen Wü- . 
lenaabfhU ^hennende Lehre. * Aber wer bann eich überzeu^ 
gen , von TorzoroastHseben Magern m^hr zn wissen,. ' als da(3i 
ihr Fetisch Lieht und Feuer war, ein Symbol des Rdnen, 
Guten , iMachtigen n. s» w* Ob sie auch einen FetsHsh des Ue- - 
bels und Bosen hatten'., dies wire erst nacbznweiiett. Der ai^ * 
legirte Brucher (T. I. p. 173. 174.) »ah Mcbt w<>U, dafr, ob 
die alten Mager aufser dem 'Licht, dem Mithra oder Sonne, 
auch zugleich ein böses Princip da'^hlen und verehrten, ans 



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934 Xh. von iUi£lilia*M«l4^ 

dfiii Griechenr von Alexanders ^eit (denen der 2«oroa8triftcli0 
tpi0i|l|iUv9 DmdUmus, als das seit Darius gültiga,' das nädeve 
war) und ans noch späteren nicht , noch völliger aus den na» 
hiatpFUcheD «nd 9pfto^n Arabern m lerneii $ef* ßiaandere« 

it| der ihn^n zugesc^riebpii^ reinere SabünmoB » "rv-*-"*--^ 
Ton iiK^ d. i. Verdräng gewisser Gestirne, Sonne«. Planeten, 
n.s.w.f als Repraaeptapten des Gottlipb^n, ein anderes der 
^^epialiv^ Gerank» an ^in Grnndw^^an aooh des Bo* 
seQt wofpii sich ein 9olpbea Symbol t y^ie Sonne, Licht, Feaer. 
u. 8. w. dem Naturmenschen nicht apfdringf» ißrucher waitit. 
8. 174* recht gut: (iaec i|uidem (yon einem nralten Dualiamns 
zweier priacipia a se« deni Jesdan «ond Ahri^nan) Arabet, et 
qni p inßc^ptioriboa Arabes 6eq[tti|i||niu Qui tanutfi gta^ mn^a 
M ißfenfö ^itpflhaßi f •* dubios nos de vera Magorum senteniii^ 
ante Zaroastrem. ^inunt*^ P^irfen yyiv Zeiträi|ii|e von Jahrh^a« 
derten und Tana^nden, besondei'a im Orient, der obnehin so 
wenig Geschichte l^at., überapring^n , und jeden ^ der seine 
Hntmafsung wie Tradition ausspricht, einen Zeugen 
nennen? ^nr iinsrp |ttjati|ipr bffnnen sieb dergleichen 'er* 
lanbene . 

Scharfsichtig fragt Bracher : warum denn die Araber, 
nichts Yom Sonnen^icnst, vom Mithra , den die alten Mager 
hauptsächlich ehrten, angäben? Der Naturdienst, das Ver- 
ehren der guten Ursache, unter dem Sonnensymbol hat den 
Chöracter des einfachen jiöhern Alterthiims. Per Eine gute 
Ürgott war da, im reinen Feuer, in freier Luft, angebetet 
von den uralten Gebern. Auch bei Darius Iluonerhebung 
wird der allpersisrjic Respect gegen den Lichtgott , den Mithra 
als Sol, unverkennbar. Erst spepulatives Sinnen mochte einen 
Gegensatz, ein Grundwesen auch des Bösen, und ihm parallel 
ein secundäres Grund\yesen des Guten sich schaffen, beide 
durch Wollen seyend , was sie unter dem Einen , dem Rein- 
guten , dessen Symbpl 4er ]){ithra 1i[ar ^ du^rph ipigen^ Wollen 
werden honnten* 

Selbst Plutarch (dft |sid*) läfst erst den Zoreaster den Ora* 
maz und Ahrin>an beneiipeii, und dentütbra in die Mitte (über 
sie) stelleiiY „Zoroastrem melioria nomcn Oromazam, pejoris 
Arimaniun> perblbliM^^i illumque-'enunciasse maxime siinil^un 
esse loci t bpne len^bria et ignorationi, medium horoin esso 
MStbfam« .<|naö cansa ait quod Mithram Peraae mediatorem aeu 
iniermedium nononiiarit* jPltiuMl. ^ Yerindiif Jtylandri» • S. 
JBii^er 8. 173, ' . 



% 



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,1 

Aneh der Name Orviiisd in petil^, ojclit einmal pe|« 
yisdii t. Kl^pker« 2S0ro«8ter UL SL j68* (Im Pehln hei(st er 
Aiüioaiiiii*) An» dem Zendischep wird bei lüeiiber III. 149. 
als seiii Name (uigefilhri Jfllioro fuendaoi wo danqr or ppd ' 

m«xif die Hauptsylben sind. Pieier Oromo^d "^/-^j^* ii| 
der schone b^Ke Jupiterstern (CMtelL Lcxic. pcrs. 

foL öa^Y 9'^® Symbol de« Qu^o, lüber weniger nU der Mi* 

> 

thra. M ü z d ^j^ ist ein froher Verltündiger, und daher 

hat Jupit ian^ta«U.(4cbts|^ii.pderj4ic)ith^ fene Ve« 

nennung. foL 5o8. yergl. 555. j^' avar (= verus) ist wahr 
und Klart P^er d^r b^Uq Jupitei^terii; pocb Avarspbir. 

j^z^ Castpll, fpl, 6i, AU li<;btbßl|er Planet war dmelb^ für 

'dieses h iiirf^Q<f X^Q^ spende , specfdatiy abgeleit^W glite 
Grondwesen recht passend eio fint^rgeordoetes Symbol 
des Ga|^ und lAciin^ii unter den» groAl^ii iibm^^ Piesm^ 

mclitweibli4^e Mam^f gespbriebm Mi^tar^ j-^i^^ (w9T9iider 

allgemein bekannte Name Mi thra gewifs viel eher, ßh voi| 

Melier abzuleiten ist), bedeutet magnus, major, daher 

princeps, caput , und nur deswegen (als Beiname) Sol, CastelL 
ioL 5 1^. J)afs ]4 1 1 b r A wi« AUdiatgr »e^n K^nat^^ i^t b^i VX^ff 

tarch erst ^in Einfall aus lateinischer Etymologie, *— mah, 
maha, i^t grofs , ^ ipa^t d^^ ^teigerpog, den Com* 
paratiT« 

In weldiem Srnn ^ber, ipilssen wir weiter (Vagen ^ be« 
nannte nun Zoroaster daii oberste Gute, dessen l^epraseptant 
der Sol =;= Mitbra war, auch %eryfkx^^ Aberei^e? Aui 
jjeden FaU 9seigt sieb diese Beneniiifng nicbt aU noqien *pi^ / 
privm, nnr als Peiname, ron getrissen Qualitj(t0i|. berg^oni«r 
men. vdn beifst jeder, w^teber etW4i« w^br^t oder . 

hat. So bedeutet 1^)^^^ zarivdn, oder :serudn ein^n rei^, > 
chen, in 80 ferii j) Gold und dann Geld überhaupt hedeu«? 
tet. iljde d^-r«Ug, ?«rsar. t, ^^land Pius, mis^ Ui 964^ 

Ob nun in dem Wort das «er eey j-*^ dieNo|hwen* 

jäi g be i 1 9 90 dafs zer van custos necessitatisy gleichsam pr nnd 

der obt^rsten'Notbwendigbetty wH^f oder ob «^r an^li 



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936 .Dir« rop -ReickKo -HeUegg 

hier^, anrum be^^qntc, also der Sol oder Mihtr als der 
aureus bezeichnet wurde, bleibt mir für jetzt unbestimmbar. 
Jenes klingt weit speculativer. Dieses tritt näher, weil Zoroa- 

sters Name yon jj abstammt. Doch wird auch Zoroaster Ze- 
ret Osbtro genannt; s. Kleulier Zendavesta II. Tb. S. 365* 
Oalitro ist das auch in den Sabiischen Sobriften oft yorliom.- 

numde \j^'^i\^^ß^KTti£x;^T9itt'w^%exk. Ancb hier mSchte also 

Zeret wohl die Nothwendigkeit , Absolutbeit, 

(Aseität) bedeuten. Gewöhnlich aber wird jenes Zervan nicht 

mit z, sondern mitj ds geschrieben; auch was die Griechen 

als Zoroaster ausgesprochen horten, erscheint mit ds j ge- 

sdirieben ^^y^^j^ oder ^a^^^ Dsarddascht oder Dserdaskt, 

wo Dser ;j Gold, eine fassende Hand, und da- 

her Macht bedeuten kann, so dafs die Benennung auch auf 
die Sonne, als die güldene, sich bezichen konnte. Der 
neue Lehrer, Zoroaster, hiefs dann als Dserdasht eine Gold- 
macbt, nämlich eine Macht des Sonnengottes, dessen Symbol 
auch das Gold war. Vergl. auch Ho eck Veteris Mediae et 
Persiae Monnmenta (Goettingae idi8* 4«) P* >49< Auch Dsard 
"ist üavus. • 

Gewöhnlich wird Zervan oder Dservan ijyj) erklärt als 
Zeit, wie «j^y. So steht in dem Ton Kleuher mitgetheilten 

hleinen Zend- Wörterbuch (Zendavesta III. S. 148. unten) 
Zrpue, Zeiten, und Zrouanemtche , die Zeiten. Dieses 
fctsstere Wort müfstc offenbar getheilt seyn , so dafs, wenn 
Zrouan Zeit bedeutet, emtche ein eigenes Deiwort ist. Wäre 
dieses emtche elvra (nach S. 142.) "^.cinesche, unsterblich? 
Kleuker übersetzt die gränzenlose Ze.it. Aus speculati- 
ver MutmaCsung ? oder nach einem vorzeigbaren Sprachbeweis, 
den er nicht angiebt ? Der fiir den Parsismus begeisterte Prof. 
Othmar Frank in seinem „Licht vom Orient^' (Nürnberg 
1808.) sagt S. 110. „ Zört'flrt . . heifst: sich selbstbe- 
leuchtend**; Wie aber erweist sich auch diese speculative 
Bedeutung? ' Wir selbst können freilich (wenn dann nur in 
der unendlichen , anfanglosen Dauer irgendwo auch ein An- 
fangstermin des endlichen Seyns, ein eigentliches Werden, • 
den libar wäre !) die gränzenlose, oder die unsterb- 
liche Zeit jenseits alles endlichen Seyns oder Werdens oben- 
an setzen, oder ein Licht a sc, das weder auswärts beleuchte 
noch b<}]eucbtet werde« bewundernd uns. vorbilden. Aber ob 



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I 

über die TkeoiQgic dea Manes. 987 • 

die Parsen vor Darius dies ÜuteH'i müfttea wir^ertt hittorisch 
und philologiack erfahren. 

Hr. Dr. Tkoluclii welchem Bec freilich aoch darin 
nicht beiitiromen hann, dafs er aus postmoharamedischea 
IprScisttrenden Ardbern den alten Parsismus entdeclien zu kon« 
nen yoraassetxt, giebt in seiner Monographie „über die spe- 
CohitLre Trimiatslchre des späteren Orients^* (Berlin 1826.) 
S. 63. eine Stelle aus Schahristani im arabischen : dafs Dser- 

Tan der Grofse jt:^^ gesummt (oder: gemurmelt) 

habe 9999 Jahre, damit ihm ein Sohn würde. Es .\ard ihm 
heinerj alsdann erneuerte er sich selbst. In diesem 
Zusammenhang kann denn doch Dservän , da es mit ^ Alce- 
bir'^ verbunden ist, nicht als Zeit gedacht werden. Was i 
. sollte „Zeit, diegrofse^^ bedeuten ? Hier erscheint vieU 

mehr als nomen propriiim , «o dafs ein grofser Pser- 
Tan Ton einem kleineren nntenefaieden iat. Der grofse 
Dservan mag der Mithra auripotent, der k leiner e der LichU ' 
planet Japiter oderOrmozd seyn, ebenfalls als auripotensj die 
BserTaniten aber sind denn doch Zoroastruch| nicht 
altmagisch 



Hr. Tbohick Ühcnetxt : ,,Der grofre Servan erhob sieh nod 
brüllte 99p9 Jahre lang, um ^iaen Sohn zu gebaren^ aber 
es enutaud ihm keiner; dämm wurde er salbst end- 

' lieh. Das liVort ist nicht brdllen^ sondern das 
Su m s e n oder Murmeln des. meditirenden Afagers , das tüxa^ 
sitüTB, wird auch aufden obersten Gott des MagerS , da er einen 
Sohn herforbringen will, fibergetragen. Auch vom Donner gi^ 
sagt , bedeutet nicht dasBrfilleu, sondero das gleichsam. 
murmelndeR oll e n. Eine noch unrichtigere Meinung aber 
veraolafst Hr.Tholuck durch die letzte Zeilen wenn dann 
Ds'ervän der Grofse selbst als endlieh geworden. . 
von den Dservaniten geglaubt würde. Der Text sagt: 

„damit ilim wurde ein Sohn, und nicht ward er; alsdann 
„erneuerte er (Zervan der Grofsc) sieb selbst" (Sinn: der 
alte Mitlira dauert selbst wieder als neu fort in dem nächstfol- 
genden Jahrzelinlausend). Daran, dafs das Unendliche sich 
selbst endlich niaclie, denkt etwa eine m^slisclie Specu- 
^lation ». für welche das Kommen des Jb^ndlicheu aus 4cm Uii- 



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938 ' Dff*. von E^ichilo-Mda^ 

Auch der i^it S&errnne Verlmiitee Name Akerene iit 

nur unsicher ertlait, wenn wir an {y^yf^' extremus (Castell. 
Lex. pers. pag. 12.) und an die Möglichkeit denken, dafs der 
höcliste iGrptt 0 TT^coTo^ xa< 6 laxccTog, oder vielleicht der äus- 
i erste qI^^J^ Goldlieht- o^er^onneo|;laiisbenl4Ber ^eoanot 

lieoi wenn dies Wort anch im Pertisclien aufgenommen'itt; 

Der Hauptpnnct «Wischen diesen FoviMhttngeii and Vnge- 
irißheiten ist : . ob wir einen festen, Grund haben , au behaup* 

ten, Tor 2oroaster hatten die Feueranbeter I die eigentlichen 

."'j ,*•> »1 

alten Mager Mog, Mogan, nach Castell. S. dii.) 
schon den Qualismus. Geübten sie schon neben oder unter, 
dem LtchtgQtt, Mithra, sowohl eine niedrigere I^an kei- 
me cht^ als eine niedrigere, durch den helfsten der f^laneten 
beseichnete, Lichtmacht? 

Die F'insternifs aber ist dem Menschen gar nicht J0|' gegen* " 
WÜHtg und gleichsam sich aufnSthigend , dafs er, wenn er ^ 
anbetend, des Lichts sich erfreut, das Nachtdunkel ihm so 
bald gegenüberstellte. Die im Orient sternhellen Nachte yer- 
anlassen auch nicht leicht dasu« Der Hochrerehrte als Erden- 
weltordner (Genes. I.) ru.ft nur; £s sej Licht! ntdbt auch 
?|tin ^ Wo nicht «Licht ist, da ist das Unfrenndlichwi- 

drige = -Jt&n Zuvor wohl mufsten manche erst bis zum 

Speculiren yerfeinert sef n , ehe Zoroaster seihe beiden Gegen- 
8&^, einen dem Mithra nächsten, aber, so wie der Jopiters- 
stisrn , doch der Sonne w^eit nacbstehenden Lichtaen und einen 
^durch Ehrsucht erst dunkel gewordenen Ahriman, mutmafsen 

konnte. Des letstern Name o^/' Castell 8. 64. PelVisch. 
fiareman, mag wohl an die GeondbueMtiiben Ton ffermes 



ciidlicUen ein schweres Problem ist. Aber nichts ist bedenk- 
licher , als solche Meinungen in Stellen hinein zu übcr- 
setzeoy die von Wenigen gepiiiU \yerdeu^köu- 
•1» 

» uen. i£äX>- ist dem hebr. ^'"rj)-! gleich. Neu ist nicht = 

endlich. Der Sinn des Pliilosopbirepden ist: Immer bleibt 
die Zeit die nämliche, Mithra, wenn er zehntausend Jahr« 
hervorgebracht hat I bringt docli alsdaup nichts anderes, als ^ 
wieder zehntausend solche Jahi'c hervor. Aber so was schlich- 
tes klingt freilich aicht geheinraiisreicb genug! ; 



■ 

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über die Theologie des Manes. 9)9 

eriniMniit Iii dadurch aber nicht erklärt.. Persisch, heifüt er 
Äachnog C». Kleuher III, 180.). Waren nichi die Pevaer 
vor Cyrua etafaphe,. rohe Nomaden? Nur wenn jsicbts spe- 
calatiyes , nur wenn die Natur ihres Landea aie sam Glauben 
en ein ^(hes und ein ^ntes Grundursachwesen getrieben bal^ 
würe etwa solcher (ganz unphiloMphjacher) Doalisiiiiia ia ilirer 
ReügionahilduDg J>egreülicb. ' 

Darüber bleibt demnaeh Ree. aehr zweifelhaft, ob mit 
Hm. T, R. luBtoriach anaunctoen sej : Moni sej in der Hanpt»- 
sacbe sn elttem Torsoroaatrtadien , idtaiagiscben'DBaliamna, 
ohne die rinn Zoroaater etogefiBhrte. Veveinigung Reider im 
Zerrane AherenOi and ohne die Bntatehung dea B5aen in Ab- 
riman iron aeinenrWollei) absaleitenf «ur fichgeganseD^ und 
liabe daher daa B<iM, wie daa Gate, ala etwaa för aick beat^ 
bendea (sabatänsielles) angenommen-^ aber ao, daft er jenea- 
doppelte Princip von Lidit und Gut, von B6ae^ Uebel und Fin*. 
aternifa mit bibftiachen niid chriatlteheii SStaen (vom Erlöeer, 
Cbriatoa u^ s. w .) an Tereinigen gesucht -ba^e. . ' Dieaer dritte 
Punet aber iat för dea Yfa. Abbandlang aacb daa am Irenigatea 
"weaentliche. , • 

Am meisten Aufmcrksamlieit verdient es allerdings, was 
auch Hr. V. R. S. 5i. gut benutzt, dafs bei Jesaiab, oder in 
dem Anhang zu dessen Orakeln , in jenen gegen die chaldäisch- 
babylonisch bildernde Vielgötterei so ernst und zugleich iro- 
oisch eifernden Kapiteln 44. 45, wo an Coresh nament- 
lich 44? 28. 45, I. als an den Maschiach (Gottgesalbten), 
welchen Jehovah zum Retter geschickt habe, erinnert wird, 
nicht nur die Alleinheit Gottes so stark behauptet werde; 
44» 7« 11 Ich bin Erster und ich bin Nachfolgender, 
■ * „und ausser dem, was mich bctrifTt, ist kein Gott** 
dafs vielmehr auch (was dort das merkwürdigste ist) gerade 
da , wo gesagt ist , was Jehovah dem Yolkerhirtcn (Coresh 
(einst gleichsam) zugerufen habe, Gott ao be4^u^sam be* 
aeichnet ist als 

45,7. Bildend Licht (Or) und schaffend Finsternifa,. 
machend Wohlsein und schaffen^ Vehel C^a}« 
Selbst der neueste, so schätzbare Commentar fiber,le»i 
saiah C^^. Tb. S.^9i,> will freilich in dieaer Stelle nur an . die 
allgemeinen Gegensätze denken lassen, dafs Allea, Tag 
and Nacht, Wohls^nd und Uebel, ton dem Einen Gott 
komme. Nicht aber sey mit Vitringa , Lowtb^ Jahn (anch 
Paulus, ClavK iiber Jeaaiah) ^ine Biicksipbt imavaehmen auf » 
den DaaUNHoa , we)cbm Cyrua erf^dien gev^seiir Auch bei 



94^ > von Reichlin «Mcldegg .: * 

Jevem. 9i ^ 35. tpreclie Jehovali als der , 'v^elclier die Sonn« 

f;emacnt zur Erleuchtung des Tags und die S^tsaagen 
Bestimmtheiten] des Monds und dei* Sterne zu Er- 
leuchtung der r^iacht [Wo abtr in der That nicht auch vom. 
Schaffen der Nacht, sondern TOm Schaffen der Lichter für 
. Tag und Nacht die Rede ist!] -r- So sey dann der Ausdruck : 
. liicht und Finsterniis, Wohl und Uebel su allgemein •und für - . 
sich klar ; nnd könne „ungezwungen*^ keine Beziehung an^ 
frommen werden , darauf, dafs der Prophet in diesen Wor- 
ten J eh OYsk als den Schöpfer des Reichs des iHoht» 
und der Finsternifs, des Ormuzds und Ahriman dai^ 
stelle. — In dieser Weise würde es sich Ree. anch nicht den- 
ken. ^eil es aber doch bei den Althebräem ungewöhnlich 
isti zu bemerken, dafii Gott auch .die Finster nifs mache, 
SO wird es dem Ree« schwer, nicht an einen besondemAnlafs sa 
dieser Beschreibung, also an den dorch die Religionsgeschichte 
jener Zeit gegebenen Gege'niatn Ton Licht und Fi'nsternifii,. 
der historischen Interpretation gemafs , zu . denken ; nur nut 
dem Unterschied, dafs der Prophet nicht sagpn wollte: Je^ . 
hoTah schuf den Ormudsd und Ahriman. Vielmehr wäre dies 
angedeutet:. Es giebt keinen Licht- nnd Nachtäon, 
keinen Aeon fiir Wohl und Uebel, weil der £in6 JdiOTah 
alj^ selbst schaflft; macht und bildet. 

Setzen wir aber gleich voraus , dafs der sonst ungewöhn- 
liche Satz : Jehovah macht auch die Finsternifs, auch 
, das Uebel, eben so wie Licht und Heil, von einer histori- 
schen Veranlassung abgehangen habe, so zweifelt Ree. doch, 
ob jene Kapitel unterCoresh zu setzen seyen , also etwas vor- 
zoroastrisches bezeugen können. Allerdings gab im ersten Jahr 
der Eroberung Babels Cyrus den Juden Erlaubnifs zur Rilcltliehr 
und zum Tempelbau (Esr. I, i — 6.). Aber unter ihm erfolgte 
doch gar wenig. Die Nachbarn aus Samarien , weil die allzu 
orthodoxen priesterlichen Judaer sie nicht mitbauen lassen woll- 
ten (^^sr. 9, 1 — 4.)i hinderten s ch o n vom zweiten Jahre 
desCoresh an (3,8.) bis unter die Regierung des Darius 
(Darjavsh) alle Fortschritte (4, 5.). Cyrus war dann anderswo 
^eschäiligt. Unter Cambyses (Esr. 4» 6.) wurde Sitnah (Sa- 
tanität, Widerstreit} den Judä'ern angekündigt von den Sama- 
ritern. Unter dem antipersischen Mager, dem Smerdes (4 9 7«) 
galten die Samariter mehr. ErstDarins, welcher das Magische 
(und Modische) Zwischenreich des Smerdes gestürzt hatte und 
gerne als ein zweiter Cyrus gelten wollte, gab wieder lebhaftere 

fielehle für die von den Babjrlonischen.Chaldäern einst «r4}berte. 

* * 

• \ 



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t 



über di# Tkoologie des Bfaaei. 

mid TerpflnKte Feiade der Yielgotterei.(dee Bei «ad detMebi^, 
Jea. 46 , 1.), Er gab diese gerade deswegea, weil des srofsea 
. Cyros Yerg&totigang i&r die jüdisdie. Monodieieten and Feiada 
^ dee chaldgischen Igabels in einemliediselien Archiv, gefunden 
trorden irar« Esr. 6, e. 3* 

Im zweiten Jahre des Darias trieben erst einige Propheten 
(4» 24. 5i 1.) wieder zu grofsen Hoffnungen und neuer 'l'hiu 
tigheit. Diesen Zweck neuer Aufregung scheinen die sehr leb- 
haft begeisterte Kapitel 42 — 45- zu beabsichtigen (und sind ' 
vielleicht eben von diesen Propheten ?). An Cyrus erinnern sie 
44 9 38. 45, J — 5, nicht weil er jetct für sie thätig war (was ' 
- er, nachdem der erste Befehl gegeben war, in der Folge of- 
fenbar nicht gewesen ist), sondern weil Darius dessen INachah- 
mer seyn wollte, weil es also förderlich ward, daran zurück 
* «u erinnern, dafs die Loslassung der Weggeschleppten von ^• 
Cyrus ausgegangen war, der als Besieger dM chaidäiscben Ne« 
hucadnezar-Keichs natürlich die, welche von den Chaldäem 
Babels unterdrückt worden waren ^ sich gerne zu Freunden 
machte. Vermöge dieser Geschichtumstände wird in Jes. 44 9 
aB — 4^9 ^* iiur auf das, was Gott durch Cyrus gethan habet 
zurückgewiesen, weil dies zu Darius Z^it zum Muster dar» 
gestellt werden durfle Solche begeisterte HoÜhungen aber^ 
wie diese Kapitel ausdrücken (45, i4- 4Bi 6.)) hätten wohl 
. unter Cyrus 9 wo alles so bald stockte und schon anch so hfir^ 
lieh begann (Esr. 3. 12. iS.)« schwerlich ausgesprochen wer- 
den können«. Auch^ die vollige Erniedrigung Babels, wie de 
J^«47t 1 i4- besdireibt, erfolgte erst unter Darius, da 
sie aufs neue sich von den Persern frei zu machen gesucht 
hatte. Hcrodot III, 169. Cyrus hatte Babel noch so sehr ge- 
schont, dafs auch -jene Sarkasmen der Propheten in seine Zeit 
niljit fidlen könnten. Fallen also die Kapitel Jes. 44*4^« 
ahter Darius, so ist ihr Inhalt nicht ■ Toraoroa» 
etrisch^ and 44» a5. mochte auf ältere. Mager aa deoten 
eeyn. . ^ 

Ölmehin darf in dieser gansen üntersnchorng über 
den Toraoroastrischen Mjagisnius .nid^t .(wie häufig 
gescshieht) rergessen werden , daft die Bfager vor Daicins, diese 
Maser, welche durch' den falschen 8meraes steigen wollten, 
nlcSt.PerserV sondern Meder warfen. ' Die Erhebung des Dik 
rius war gerade darauf gerichtet, 

Perx/^iIapersret^^ Dies seigt der ganae Zusammenhaug bei' 
^erodot m , 66 ^ 79. X!m so hegreiuicher wurd 0s, wie nach 
der MagophoHie euch eine neue, jetzt eigentlich Persnche, . 

i » - 



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9491 . • Dr foo KdcliÜn- Meldegg 

Um wcndang des Religionssjstems durchZoroaster unter Da- 
riiis geltend wei den konnte. Es "war zugleich politisdie Angeld 
genheit, den Medischen Magern einen Parsismus entgegenzustel- 
len, der den weitumfassenderen BlicU ein. s grofsen Staats , 
nicht mehr die üeschranliiheit des von Medien abhängigen Per« 
si^is, zu bezeugen scheint. 

Wodurch dann aber Mani bewogen wurde, das Zoroastri- 
sche höchste Einheitsprincip, den grofsen Mithra , zu verla«- 
sen, das Hose in Ahriman nicht durch Wollen entstanden, also 
auch nicht durcK Wollen am Ende verbesserlich ^ söndern als 
Substanz und als Ursache vieler substantiell böser Emanationen 
zu denken, überhaupt zwei gleiche Principien, ohne Auf- 
losung in eine höhere göttliche Einheit anzunehmen; bleibt 
nach allem bisher entwickelten dem Ree. noch unentschieden. 
Ehe wir mit dem Verf. S. 52. 53. eine Uückkehr zum alten 
Magismus oder Parsismus darin erkennen, müfsten wir eist, 
dafs jener ein solcher Dualismus, und dafft er Parsisch war, 
anderswoher gewisser wissen können. 

H tmm^r aber war die »klare Darstellong und di^ philoso* 
phisch- historische Forsdiiing des Vis. dem Ree: so anziehend 
und erschien ihm in den zwei ersten Haaptpuncten so befrie* 
digend erwiesen , dafs er eben desw^en Ton seinen weiteren 
Bemerkungen einiges hineuzaiiigeni der Achtung ^egen den 
yer£ gemifs erachtete. 

Mani fidlt in die zweite HSlfte des ^ritten JahrhunderU 
(Walch S. 735j. Christliche Begriffe jener Zeit, wo auch 
, die Pischufe i|nd Priester das B6se schon oft allzu sobstanzartig 
Jn (derga^D dem. Fl eis che suchten, das G^te wie einen 
^Tpn der priesl^lichen .Sacramentsertheilung abhängigen , ge- 
heiiEDen OnadenausfInCli aus dem guten Gott beschrieben , schei- 
nen auf ihn (gewirkt ^ fkn zum Versuch einer Vereinigung det 
Zetoastrisciben mit dem Christlichen seiner Zeit 'Teränlafst zu 
halben, penn als apostolbche Tradition von Skythianüs^ The- 
rebinthns, Buddas (Walch 8. 705.) wollte er s.eine Lehre 
gerne den Christen glaublich machen. Seine Lehre sollte ein 
Evangelium des Lebens sevn (Walch S. 721.). Sein 
Name selbst, Mfini (richtig auch vergleichbar mit Menu, 

nagh dem sehr verbreiteten Wiirzelwort J^jji iS"^) oder 

vollständiger Mani c h a i ^jr** Austheiler des Le- 

bendigen, klingt Johanneisch. Er hiefs eigentlich C ubri« 
cus (VTalch S. 596.1. Sein Hauptgedanke scheint dann ge- 
wesen zu sejn, Gutes und Boücs für Substanzen zu erkennen. 



Digitizedt)y Gopgl 



die Theologie des Mancf. . , 948 

Bios emmid TOranageietst, v^r iliiii der Clirlstmigott, der Mo* 
not Agfitlios , der Aneingüle (Mb$A» 19, 17.), ihm aber gegen» 
ßher der Optt des Alteo Tettunentt, der Gmndb^Siek- Einen 
obersten Gott bedurfte er Ann stöbt; aucb muftte Mant ja 
.-wohl den*. Gnllui dei Feaera oder des Mithra , ab Sei , mit dem 
'4^rist]icheii fia vereinbar finden. So wurde ihm Zer?äne Acht- 
rene und Oromasd nur Ein Weien. Abriman aber (der 8ata- 
nas der Juden and IChriat^D} stieg so , dafs er wie eine selbst- 
ständige Gegenmacht fortdauernd bestehen sollte. Als büse 
Substanz blieb er mit den bösen Aeone.i (Elngeln) ihm. ewig buse 
und unglücklich, aber so, dafs er dem Reiche des Guten dann 
.nicht mehr schaden konnte. , . . 

Auch nach der Geschichte gelang Mani s wahrscheinlicher 
Zweck : Zoroastrismus und Christeiithum (bischöfliches des 
zweiten Jahrhunderts) mit einander zu verschmelzen, so 
. sehr, .dafs der Maiiichäismus eine Z^it lang sehr viele Christen 
einnahm. Sein schädlichstes war , d^^^s er das Böse als eine 
Substanz betrachten lehrte, die durch den Willen nicht gebes- 
sert, höchstens wie eine dem Lichtgeist fremde Materie, ab- 
gestofsen werden könnte. Selbst Augustinus, der wegen sei- 
ner allzu lleischlichen Neigungen unter den strengeren Ma- 
' nichäern nicht hatte steigen , nicht unter die electos kommen 
können (vergl. Walch S. 775.) 1 blieb daher doch im Zweifel^ 
ob er das Böse, das er ohnehin schon mehr im Begehren, 
concupiscentia , als im göistigen W o 1 1 e n suchte, als etwas 
per tradücem (also substanzartig) oder durch Imputation über- 
gehendes anzüsehen habe. W^o das Böse ausser dem eigenen 
l Willen ist, wird die innerste Kraft zur 3esserttng nicht wahr«, 
baft und wirksam anzuerkennen. 

- ' Wir bitten den Verf., diese Mutmafsungen zu prüfen, 
wie Ree. die seinige — aber nur in ihrer letzten Anwen- 
dung — zu bezweifeln, fiir wissenschaftliche Aufgabe hielt. 
Gemeinschaftliches freies Streben rückt Forschende der Wahr- 
heit näher , auch wexui ein fast ahrimanisches Dunkel darüber 

' Verbreitet ist. ^ , ^ 

' r ' ' . Dr. P a u l u ^4 



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«^(^4 Bniohsideke api Ktrl* Bmliöldt Tagebudi« 

''Bruehiiüdi» ^ mu K»9*i Strthold* Ta gebucht • BtramgegehM . 
vn Oswald» Merlin^ b0i'J)udker und äUmUot, iM» 40^^. 
. 81. * I Thlr. ab Gr, 

. » • . • * ' * • 

^Int Vttf. dieses, jubrigent nnlerlidheiicleii «nd sidA 
'l^isUeereii, Romant jMsheiBt sich die Anfall» n^lnaisbt sa iMi- 
ben^ seine Perso>oen.f der polemisckeii Seitmod^ ^emifs, in 
.Supernfttiiralisten und Bationalisten einsatheilen , jenen dana 
bedachtsame und f die» diesen leichtsinnige and Tenrerflicto 
CSbarahtere nnd Handlungen beinulegen. Ntohls ist leichtel»« 
(Die GeschiBpfi» dj^irj^hantasie mfissen sidi gefallen lassen, .mic 
welchen Kräften oder- Schwächen ihr Erfinder sie anssnatatten 
Lost nhd Kraft hat. Die pAychologische Aufgabe aber C^ena , 
nicht das Metiriren , pnd Gmndandenten) ds etii etwas 'be> 
achwerliehes , . astl^etisGhes Batienalisiren , auch fiir die Romano 
achretber meist anaser dar Mode wire!) wüi^de nehnehr •diese ^ 
gewesen seyn , daraautelien« wie das Gute nnd Sohledite jener 
Htfidlongsweiaen aaa d,er y^eraehiedenhett jenet* Glan- 
benssxa.teme. nnd Girnndsätse, nni nicht ans dem 
jden- Penonen wilUifihrliish beigelegten Gmnüthscharakter,. 
fliefsen honnie oder mnfiite. .Wessen Religionsaberseugu ngen 
davon ausgehen, dafa er jden Wollenden .mit üesns zusurufen 
}iabe: Seyd yolllioinmett, wie auch nnaer Yater im Himmel 
Tollkommen ist (Matth. 5, 4B*)« und dafs nur das Entschlos- 
senseyn für RechtschafTenheit, eine Entschlossenheit ohne Vor- 
behalt für beliebige AlMnahmen,. die Yerehrung Gottes im 
Geiste und in der Wahrheit sey, der wird Wenigstens schwer» 
Üch in eine romanhafte Person umgedichtet werden können, 
welche durch ihr Religionssystem leichtsinnig, an- 
mafslich, wortbrüchig geworden sey. Oergleichen irrationale 
Bationaiist^ zn erdichten , wem l^onnte dies der Mühe werth 
seyn? Am Ende wäre es denn doch nur das Bemühen, dar- 
zustellen, wie Einer — im Gegensatz gegen sein Sy- 
stem — inconsequent im Handeln werden könne. Und eben 
dies, würde es sieb nicht in ein Lob des Systems yer« 
wandeln? / - 

I I UM' f ' 



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N. 60. 182a 

/ Heideiiierger 

0 

Jalu'bücher der Literatm\ 



Voyjl^9 autour du Monde, entrepris par Ordre du ^oif iOtti 
le ß^linistere et conjormement aux Instructions de S. Exc, Air, Id 
• Vicomte de Bouchage, Secret'aire^ d* Etat au Departemtit de 
la Marine^ execute Sur les Corvettef de S. IVI, VOranie et la 
Phy sicienne f pendavt les annc'es 1817 j 1818 » 1819 et 1820 ; 
public' sous les auspices de S. £, JVlr, le Comle C orhiere^ $e* 
cre'taire d"* Etat de l' Interieur f pour la partie historiqud et 
les Sciences naturelles: et de S. E* IVIr, le Comte Cha- 
hrol de C r o uz o l $ Secretaire d^ Etat de la D^arine et des Co* 
lonies f pour la partie nau tiq u e ; par J\^r, Louis de Frey» 
einet, Capitaine de vaisseau^ Chevalier de St, Louis et OJßcier 
de la Legion d* honneur ^ JVIemhre de V Academie Royule des 
Sciences 9 de l^ Institut de France etc. y Commandant de V expfidi* 
tion. Obsertfatiotu du Pen^uh, Paris 1826. 290 gr, 4* 

Das hier anzuzeigende Werk maclit , wie der Titel an« 
c'ieht ^ nur einen Theil des grofsen lleiseJ)erichtes aus , welch«« 
X'reycinet von seiner langen und interessanten Entdeckungs- 
reise Schon seit geraumer Zeit versprochen hat^ und theilt 
dem wiisbegierigen Publicum nur aus einem einzigen Zweig« 
seiner zabheicbeil wissenschaftlichen Forschungen die erhal- 
tenen wichtigen Resultate mit. Ueber diesen nämlichen Ge-' 
genstand der mathematisohen Geographie hat unterdefs der 
Iwiibne englische Seefahrer j Capt. Sabine, die gelehrte Welt 
mit einem wahrhaft unschätzbaren Werk« Jjeschenkt» und 
lief, hat bei der Anzeige desselben in No. 40. dieser Zeit» 
Schrift sowohl den Gesichtspunkt im Allgemeine^ festgestellt^ 
aus welchem die vorliegenrle Aufgabe betrachtet werden mufs, 
9ls auch sein VerlangeCi au8g«'drückt^ bald znr Kenntnifs der- 
■jenigen Resultate zu gelangen, Welche man als Ai'.si'cute der 
inerkwirrdigen l'ranzösischen Fteisc unlängst erwartet hat. In- 
zwischen schliefst fleh di* vorliegende umfassende Arbeit un- 
luiltelbar an jene des englischen Geometers an, und Ref, mufs 
• ich clriher auf dns dort in Beziehung i'iher die Aufgabe im All- 
gemeinen GfrSrtgte hi^T hexieben, S.aljine bat «eine iVIcssungeri 



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i^46 FrejoiAet Obser?ationt du P«ndule. 

, mit Kater '6 nn verSn der 11 ehern FendeJ, dam. von Scba« 
niacher schicklich benannten Heveriiiohtpendel, ange* 
• a4ellt, dessen Theorie ganz Jcürzlich durch v, fio^^nenber. 
, ger in den Naturwitienscbaftlicher) Abhandlungen einer Ge- 
aellscbaft in Würtemberg^ i&ä6. Bd«.I. 1 S. grandlicfa eat- 
wickelt ist. Seine eigenen Messungen in Verhindung mit 
Süteren englischen 'Und tranaösischen gehen bei auffallend 
ringen Ahw<*ichungen der einzelnen Beobachtungen die Abplat* 
tung der Erde =: i/289» ein höchst auffallendes » mit der bis« 
her bekannten Theorie sehr genaa übereinstimmendes AeauU 
tat, welcbes'man aus vielen, in der erwähnten Anaeige sum 
Theil näber angegebenen, Gründen für sebr richtig, ja man 
darf sagen für absolut richtig anzuseilen berechtigt ist, so,dara 
nunmehr die. lange Zeit hindurch streitige Fjrage alt genflgeod 
beantwortet betrachtet werden kann. ' 

Frey einet nnd die ihn begleitenden französischen Geo« 
meter hedienten aicb aleichfalla .der unveränderlichen Pendel, 
Welche indeXs keine fteyersionspendel waren, sondern aus 
einer messingenen Linse an einer nge von gleichem Metalle 
Jt»estauden« Drei derselben waren von Fortin gearbeitet , 
und swei hiervon hatten runde, das dritte aber «ine platte 
Stange. Hierzu kam noch ein viertes von Breguet mit 
einer hölzernen Stange, allein dieses zeigte gröfüere Unregel. 
mäfsigkeiten , als aus dem £influsse der Feuchtigkeit und der 
Temperatur erkiSrlicÜ schienen. Wie man indei's vom Erste« 
ren versichert seyn konnte, ^st nicht wohl begreiflicfa'f, wenn 
nair i)erttcksichtigt, dafs die Stange nach p. 4. aus zwei: durch 
messingene Stiftis verbundenen Stäben, und das Ganse nach 
p. i'?. aiis ,|VfR astez grandmmikf dß pieces*^ bestand , wonach 
illto die durch Gapillarität angesogene Feuchtigkeit wohl noth^ 
vi^endig einen Eiikflufs haben mul'ste. Hierzu gehörten ferner 
.vier Chronometer von Berthoud und ein fünfter von Bre* 
guet, desgleichen eii| astronomischer SecundenzShler« wel* 
eher StOii4»i>t Minuten und Secunden angab, mit einer auf 
der Stange, beweglichen Linse, durch deren Verschieben die 
Sfihwin^ungen seines Pendels i|iit denen der beobachteten 
Pendel isocbroniscb gemacht werden konnten« Dafs aufser* 
dem genaue Thermometer und Baroinetery letztere vbii For* 
tin, mit festem Niveau» angewandt wurden » bedarf kaum 
besonders erwähnt zu werden« Zum Aufhängen der Pendel 
diente ein Gerüst aus drei Barren von Gofseisen, welche io 
der Gektalt einer abgekürzten Pyramide susammen^efügt wur« 
den; unten diente eiln angebrachter Bogentheil dazu, die£l6n- 
gatioaen su met aeii | und das Ganse wurde mit einem Glaa. 



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I 



l^r€jroiiiet Obsenratidai ^en^uie« 049 

]BMt«n verschlossen y deiteiirdin«S«it^ geÖlFnet Mrerdeii könnt«« 
iim'dat Pendel in Bewegung zu setzen u. w« Befand sich 
an den Beobacbttlngtorten kein fettel: Boden ^ id wnrdo ein. 
FunriaMent von Mauerwerk bis zur Tiefe Von fünf Fufe ayß* 
eefttbrt und mit gehauenen Steinen bedeckt^ welche att dieiem' 
Zwecke auf dem Schiffe vorhanden Waren $ in besonderen FäU 
]en wurde sogar erst pilottirt. Damit abeir d^t Boden darcb 
die Tritte delr Beobachter nicht arachattert WÜt'dai umgab man 
den Apparat mit einer bloa an den Endpunkten aüfliegelideil 
TäfeKing, deren Kadius aechs Jiis sieben Fufs bettug^ 

Beim Beobachten wurde die Linse des Selhindehafthlertf 
ao adjüsiirt, dafa derselbe mit dem beobachteten Pendel iao« 
chroniach ach Wang«. War der laocbronismus nicht. Völlig ge- 
nau 9 60 konnte man den ersteren mit der Hand ^utückbaltem 
oder beschleunigen. Weil aber daa Pendel bei abnebmendeii 
Scbwingungshogen ieina Scbwingungszeiten veränderte • ad 
sogen dieBeobachter vor, die Linae des Secunde^zÜhlera hier« 
jiaeb vermittelst der Stellschrduba tu reguliran f Welohea bei 
jedem Veraucbe in der Hegel nu^ einmal geachab, Dabai* 
wurde gesorgt , dafa di^ Schwingungen dea Zählern die dea 
Pendele nicht afficirtan^ Weawe'gen ersteter in hinlänglicbet 
Entfernung entweder an einer Wand hefeatigti öder Veroiit^ 
telst elniea fthnlichen Dreifufaet^ ala der war^ Welcher dai 
Fende] trug, auf die Täfelung geatellt Wutde. Man ersieht 
bald^ dafa ea hier auf den ähaolut richtigen Gang dea 2äbleri 
nicht ankam ^ aondetn nur auf den Synchronismus seiner 
Schwingungen mit denen dea Pendele i weil er blos da2u he« 
atimmt war^ die letzteren zu zählen^ utid durch ditfsea Uülfa- 
noittel mit den Zeiten der Chronometer zii vergleichen. 
wurden daher jederzeit zwei Beobachter erfordert^ deren einer' 
das Pendel und den Zähler , der andere das CbrotiOioeter he« 
ohachtete. Nach Vorhergehender Verabredung^ und Wenn 
.alnige Secunden vor der Beobachtung die Aufinerkaamkeit an« 
geregt war, rief derjenige;^ Welcher das Gbrooömetet beobf 
acbtetej heim Anfange der Vörher bestimmten JVlinutef^ dem 
nndern das Wort top zu ^ worauf jenejr die beobachtete Schwin« 
gung und ihre Zehntel nebst Minute und Stünde dea Zählern 
«iifnotirttf; l/m hierbei äbef keine Fehler tU begehen ^ vtrurdtf 
dieae Ver^teichung der Zeiten des Zählers iind dea Chrono« 
metertf bei jedem Veraucbe fiiehrmal^t, meiatena eilfin;il und 
darflbet iVi^derhoIt^ und auA allen Bestimniongen daa Mittel 
genommen^ Man -zdg dieae Methode dei* ^nrgegengeaetiteti 
vor) nimlicb die Vergleicbung mit der I'endclschwingüng an« 
•ufang^eni weil di0 Zahntheiie der PendelacbwihgUfigen ^tfh 



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948 Fre^oiuet' ObserT^tioai du Pendule« 

leicht aus den Theilen ^es Bogens bestimmen liefsen^ worauf 
/ • die Spitze des Pendels zeigte, die Theile <;ler Secunde des 
Chronometers aber minder leicht gescliätzt werden konnten. 
- . Dann wurde die Gröfse des Sch wingungshogens des Pendels 
gemessen, und die Beobachtungen der Thermometer, Baro- 
meter und[der Uhren alle halbe Stunden wiederholt, um au» 
allen ein genaues mittleres Resultat zu erhalten, indem die 
Versuche so lang»* dauerten, als die Schwingungshogen der i 
Pendel noch eine meisbare Gröfse hatten , oder die Dauer des ' 
Tages es g<l8tattete, Dafs zugleich der Gang der Chronometer 
astronomisch iJiglich bestimmt wurde, und zwar meistens 
Morgens und Abends durch B<;ohachtung der Stundenwinkel 
' Vermittelst eines Borda'schen Repetitionskreises , wird aus- 
drücklich bemerkt; Selten bediente man sich eines Reflexions- ' ' 
kreises; vor der Abreise wurden aber sämmtliche Chronometer * i 
Vermittelst dfr astronomischen Uhr der Pariser Sternwarte ge- ' ' 
prüft. Alle Beobachtungen der Pendel endlich wurdtin auf di« 
mittlere Temperatur von 20° reducirt, um den Einflufs der 
Wärme durch diese CorrectionQn ludglicbst zum Verschwia* 
den zu bringen. 

Nach dieser Darstellung ist man genöthigt zu gesteben, 
dafs bei der Güte der gebrauchten Instrumente und der Ge- 
wandtheit der Beobachter diese Versuche den höchsten Grad , 

• der Genauigkeit erwarten lassen. Dasjenige, was etwa einige 
Bedenklichkeit erregen könnte, ist die Stabilität des für die ■ ' 
Pendel bestimmten Gerüstes. Es wird zwar versichert, daCs 
ein vorläufiger Versuch zu Paris, wobei das eine Pendel zu« 

* erst auf eine unbewegliche Vorrichtung in der Mauer und dann 
auf das Gerüst gehängt wurde, in beiden Fällen keine mefs. 
bare Abweichung in der Zahl der täglichen Schwingungen 
\eigtej allein dort stand das Gerüst sicher auf einer absolut 
festen Unterlage, und ob eine frische Mauer, selbst wenn sie 
mit gehauenen Steinen belegt ist, eine solche für so feine 
Messungen geben konnte, bleibt wegen der Wichtigkeit der 
"Folgerungen, zu welcheYi die gemachten Beobachtun- 
gen führen, noch immer etwas zweifelhaft. Ein anderer 
Grund eines Constanten Fehlers könnte in dem mündlichen 
Avertiren der Beobachter gesucht werden; allein es ist kaum 
glaublich, dafs sein Einflufs einige Bedeutung gehabt haben 
sollte. Ferner ist der Gang der Chronometer schwerlich gana 
so genau, als der astronomischen Pendeluhren , insbesondere * 

• wenn sie von den Schiffen ans Land gebracht, oder, wie der 
Bericht anzudeuten scheint, voA dem Beobachter in der Hand 

'^ehalten werden (l'autr$ t$Moit le chronomkir» jedoch 



1 



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Icattn i^Bind^Iich bimut «in Irrtbuin erwacbMii ieyiif w«nn. 
die*Beob«cli|ungen mebrere Stunden bindurcb fort^eMUt wur« 
den f in w«lcber Zeit möglich J^leii>e Sprünge dieser Ubren 
ticb wieder au«g|eicben nufetefl, Gewife ist dbrigent» da£i 
der Beobachter dea Pendels und des Zl^blers eine ungemein 
grofse Aufmerksamkeit anwenden mufitey wann' er ron dem 
isocbronifmus deriScbwingungen beider aucb.belmVerscbwin^ 
de^ kleiner OsciUatipnsbdgen der fendej |iofib völlig veraicbert 
aeyn wollte* U^berbaupt ist es ge^^ifs» dafs diebisber anae^ 
y^andte Metbode» die Coiiicidenaen der $cbwingungen beider 
Pendel des si^r Ä{euung dieneiaden und desjenigen, w^lcbes 
fler regulirteo aitronomiscben Ubr angehört, %a beobachten, 
»war susammengesetster ist , und dais man daber den ffaifsö« 
aiseben Reisenden da< beaebriebeif e , weit einfachere» Verfab« 
ren vprgeschriiabeo babe ; ob abar nicht jene unmittelbar sftb* 
lende Metbode \m Qan^nn den Voraug v:erdiene| bleibt immer 
Bocb sweifelhoft* Ist nSmlicb der IsocbronUmus zweier 
acbwingender Fende} nabe völlig genau , so da£i| wir wollen 
annebmeo alle balbe Stünden. eine Scbwingung des einen mebr 
erfolgt als des andern^ so geben beide solange Zeit scheinbar 
isocbroniscb , d^fs derBeobaisbter durcb die Länge derZ^it er« 
mfidet. Eine Z«it von funfsel^n oder gar dfeifsig Minuten ist 
swar dem Aoscbein n^cb ««br kurs» soll sie' aber auf die Zftb* 
lung von Secanden verwend^ft werden, ao wScbst sie durcb 
die vielen kleinen bea(:hteten Tbejicban su einer unglaublichen 
Jjfinge, und werden d^nn die Bewtt'gungen des einen beobachr 
taten Pendels sebr klein, so ermOdut das Auge, die Aufmerk* 
aamkeit schwindet, . die Bestioimung der IVicbtung der Hewe« 
gnng.wird unsicher, und so scheint es mindestens Ae& nicht 
unmöglich » dafs hierbei .Fehler begangen seyn könnten» Ue« 
barhaupt ist es scbqn'der Natur i)«r Sache nach so (eicht nicht, 
0ine^ völligen Isochronismus sweier Pendel bersustellen, und 
das angc^g^bene Corrigiren der L^nge des Pendels am Zähler 
vermittelst der Schraube, so wie das Befördern oder ZurOck« 
balten seines Ganges während des Versuches, scheint ohnsbii^^ 
^ne schwierige und n>if<*liche Operation. Ke£ hat av^^ar nie 
genau solche . Versuche ana«stellt, dj& hier vorliegenden 
^ind, schliefst aber aus ähnlichen , und glaubt bei aljer hober 
Achtung gegen die Oehung und Fertigkeit, insbesondere ger 
gen die iinzubezweifejnde Gewissenhaftigkeit der barühmteo 
|ranzdsiscb<^n Gelehrten dennoctylieseBedenklicbkeiten ^lufsern. 
SO dürfen/ weil man nach 4omr i^^^ ^her diesen Gegen« 
stand bekannt geworden ist, unmöglich eine. unregela»ttiilige 
Krftmmupg d«f £rde #nnebm«n k«nn, ]ye|el|a ^ber n^tbw^ndi'g 



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I . ' 

, prejroioet Obsery^tiooi du PiepdQlef 

au9 diesen Fendelmessungen folgen würde, wenn sie absolut 
genau wärnn, Sabine bat hei meinen V^ersucben zugleich 
auch d.enEinfluf$ der geogn ostischen Beschatten- 
beit der Beobacbtungsorte bei ücksiclitigt ; dieses ist 
durch Freycinet zwar nicht geschehen, allein es würde 
auch nicht hinreichend seyn , uui die grolsen AI) weichung»ii^ 
in den erhaltenen Resultaten unter einander zu erklären. 

Es verstand sich \yohl von seihst, dal's die mitgenomme- 
nen Pendel vor der Ahreise und nach der Beendigung derselhen 
erst auf der Königl. Sternwarte prohirt wurden. Hierbei et* 
' gab sich zwar im Allgemeinen, daTs sie alle drei durch den 
Gebrauch keine merkliche Veränderung erlitten hatten; allein 
wenn man die Prüfung bis ins Kleinste treibt, so muls es aU 
lerdings auffallen, daTs die corriglrte absolute Länge aller drei 
Pendel nach der Heise geringer gefunden wurde, als vorher, 
da man vielmehr das Gegentheil erwarten sollte, indem doch 
eine geringe, wenn auch noch so unbedeutende Uesirung der 
Messerschneiden, vermittelst deren sie auf den Achatplatten 
• ruheten, unvermeidlich war. Die erlittene Verkürzung der 
Pendel betrug übrigens nur eine unbedeutende Kleinigkeit, 
^i.'inilich 0,01.', 0,023 und 0,026 Millimeter bei den drei mes- 
singenen. Vieileiclit lit'gt diese constante Differenz an der 
Correctirjn wegen der Temperatur. Als Factor für die Aus- 
dehnung des IMessings wird (Ur durch Lavoisier und I^a 
P 1 a c e gefundene, nämlich 1/533 oder O,0ol876l für die Dif- 
■ fcrenz zwischen den beiden festen Punkten des Thermometers 
angenommen. Sabine fand diesen ind^-fs aus seinen, mit 
den gebrauchten Pendeln selbst angestellten , Versnclitn nur 
p 0,001667710, welches von jene.r Gröfse abgezog^-n einen 
Unterschied ^ 0 00C20J 1 ] giebt. Die oben ang^o t^l-t-nen Un- 
terschiede der vor und nach der Reise gemessenen Pendellän- 
^en geben aber im Mittel 0,02067 Millimeter, und da die 
' mittlere Länge derselben 9l8,6fj8 Mil|im, betrug, so macht 
jene Differenz den 0,000002906 Theil der ganzen Länge aus, 
und die Berechnung ergieht, dafs weniger als 2 C. 'l'empe- 
|:^turunterscbied hinreichend waren, u«n jene Differenz her- 
vorzubringen, wenn man annimmt, dafs der durch Sabine 
gefundene Factor der Ausdehnung auch bei diesen französischen 
lVnde]n^ absolut richtig sey. Uebrigens versichert F r e y ci - 
net p. 12, dafs auch mit den von ihm gebrauchten Pendeln 
Versuche bei hoher und niedri'^er Temperatur auf dem Köni'gl, 
Ohservatorio sowohl vor als auch nach der Rei^e angestellt 
Seyen, Jum sich von der Zu verlässigkeit- der Wärmecorrectioa 
zu überzeugen ^ «ie sind aber nicht 40 iiii Detail beschriehen ^ 



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1 • 

Fr«jelo«i Obiimiioiit Pandnl«» 961 

als*' die durch Sabine angestellten, um mit diesen rficJc* 
«ichtlicb ibrej:, Zuverlässigkeit. verglicboQ uq4 ^«iictbtih zu 
werden. " 

Alte angestellten Beobachtungen sind auf das genaueste 
Lis auf die geringsten Kleinigkeiten beschrieben, die erforder- 
lichen Correctionen hinzugefügt. Über die dabei gebrauchten 
Foimeln ist Rechenschaft abgelegt und die Het;hnung selbst ' 
«inzeln mitgetheilt, so dafs der Sachverständige in den Stand 
gesetzt ist, das Ganze zu beurtbeilen. Man muf» deui Ver- 
fasser und überhaupt den französischen Gelehrten den scbiildi« 
gen Dank für eine solche vollständige Mittheilung abstatten, 
und die gebührende Achtung wegen der beharrlichen Geduld 
bei SU ermüdenden Versuchen und Berechnungen ihnen auf« 
richtig bekennen. Wenn man berücksichtigt, wie viele Ver. 
suche dieser Art früherhin wegen der entgegenstehenden un- - 
überwindlichen Schwierigkeiten gescheitert sind, sd wächst 
durch eine solche Vergleichung das GefiVhl der Freude über die 
Fortschritte, welche die Kunstfertigkeit der Mechaniker , die 
Geschicklichkeit im Experimentiren und die Uebun^ in der 
Benutzung gemachter Beobachtungen in den neuesten Zeiten 
gemacht haben. Heil den grofsen Staaten, welche die iVÜttel 
hesitzen, den wissenschaftlichen Forschungen solche Opfer zu 
bringen, und den hierzu erforderlichen Aufwand nicht zu 
scheuen Ursache haben, um solche schwierige Fragen, als die 
vorliegende ist, genügend zu beantworten. Fley einet hat 
()as ganze Gewicht derselben gefühlt , wie man aus' seinen 
Worten p. 3. ersieht, wo es heifst : ^^Sans -pretendre avöir epuise • 
un aussi vaste Sujet , si les travuux quil a ctt en man pouvoir d'execu^ 
ter au milieu d*obstacles , que ja it'ai pas toujours pu vaincre , paroii'' 
sent dignes de leur importance , je nie cnnrai amplement dedotr.mage 
^ de mes /ßti^ues et des vonstans cjforts que yai Jaits four approcher 
du but,^ ' ' * " V ^ K 

Der Orte, an welchen Beobachtungen der Pendellüngen 
angestellt wurden, sind überhaupt neun, von denen nur drei 
auf der nördlichen, sechs dagegen auf der südlichen Erdhälfte 
liege,n. Die ersteren sind Paris unter 46'' 50' j4'S Mowi 
unter 20^ ö2' 7" und Guam unter l3° 27' 5l"N. B ; die 
letzteren sind dieMalwinen unter 51° 35' l8", das Cap 
der guten Hoffnung unter SS'' 55' 15", Portjaksoa 
Tjnter 33° 51' 34", Rio de Janeiro unter 22° 65 l3 
Iljß de France unter 20** 9' 56" und Rawak unter 0* 
1' 34" S, B. Die Originalbeobachtungen, Correctionen und 
Berechnungen sind ausführlich mitgetheilt, letztere an einigen 
0^.<en, wio £. B. p. 246. und p. 271' dafs «ie un^btscbadet 

- I . 



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962 ^rejcinet Observatious du Pendule. 

Deutlichkeit kürzer s**yn jjönnten. R(^ck«!cbtlicb des End- 
resukates , nSaaUcb der Be^timnung der Gestalt des elliptischen 

Erdsphärmds, iftdie belunote Formel , nllmlich 2 k — " ^ t 

(vergl. No. 40» dieser Zeitscbr.) zum Grunde gelegt, und um 
die VVerthe y und x zu finden, ist die Metbode der kleinsten 
Quadrate, wre durch-5 a I) i n e u. a. angewandt, auch sind zu- 
erst die Beobachtuntien mit den drei Fortin'scben Pendeln al- 
lein 9 nachher aber diese mit dem Bregtiet'tchen zusammen in 
Kechnung genommen. FUr beides sind zuerst zwei, dana 
drei, dann mehrere und auch olle Beobachtungen der neun 
verschiedenen Orte mit einander verglichen, so dals iür £ 
im Ganeen zwanzig Werthe gefunden worden. Beschrän- 
ken wir uns blos auf die Resultate, welche die Pendel mit 
messingenen Stangen gegeben haben, so erhalten wir fol* 
gende Abplattungen: Rawak und die JVIalwinen gebei^ 
1 /282r3; Rawak und Paris s j /26Ö; Guam und die Mal - 
w i n en l/ 253»8; Paris und G u a m ä 1 /256>5; Rawak 
und das Gap — 1/291,3; Rawak und Port Jakson — 
j/309,8; Paris und 1 1 e de F r a n ce 1/250,4; Paris 
und iVI ü w i ^ 1/258 ; Paris und RiodeJaneiro^ 1/297 ; 
"Ratva k und Rio dejaneirü:= 1/265.9, oder wenn die 
Pendelschwingungen zu Rawak um 2 vermindert werden, 
n 1/288,5; Paris und Port Jaks o n 3/265,4 ; Paris und 
das Cap 1/284,2; das Cap,- Rawai^, Port Jakson und 
die M a I w i n e n 1/282,4; alle Beobachtungen auf der süd- 
lic'ien H;i]bkiigel 1 /275i2 ; alle Beobaciitungen auf der nörd- 
lichen Ildlbkugvl (mit EiiiSchluls von Rnwak, welches sei- 
ner geringen Breite wegen hier den nördlichen gleichfalls bei- 
gezütilt wird) 1/"27C,5; die nÜnilichen mit AusschluTs von 
G u a m j/279,6; alle zusammengenommen s j/267,6; die 
vorigen aufser Guadi?:^ 1/272, l ; alle aufser G ua in , JVIo wi 

unci le de France 53 1/286,2. 

Ueberblicken wir diese Resultate, so dringt sich zuvör- 
derst die Bemerkung auf, dafs sie alle die Abplattung der Erde 
ungleich gröfser gehen, als man bisher anzunehmen gt^n«igt 
war, und sowohl aus den zahlreichen Gradmessungen, als 
auch aus den Mondsgleichungen gefolgert wurde, Preyci- 
Tiet vergleicht sie mit der durch die letzteren gefundenen Ab- 
-piiittungs 1/305, wobei aber die Differenzen sämqitlicb po- 
sii v werden, und gröler sind, als aus Beobachtungsfeblern 
erk..." flieh styn Wörde, woraus dann folgt, dafs sie hiermit 
nun t inmal nicht vereinbar sind. Vergleicht man ferner die 
Resultate unter sich, so ist das iVIaximum j/26094> das Mi- 



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I 

' niiBttai SS 1 /ZC9iZ%' deren Unteirscbted nah« 1/1306 betrtg«^ 
und' Wenn man aut beiden das äritbmf tische Mittel s 1/290,2 
siiinnity so betragt jener Unterschied hiervon mehr als ein 
Viertel ^ welches sonach entweder auf eine Unregelina riigbeit 
in dör Krümmung der Erde^ odet auf Beobacntun^tfdhUr^ 
• bterbeigefübrt durch die grofse Schwierigkeit und Unsicherheit 
solcher Operationen , fahren , mnfs. - Cegen das Erstere strei« « 
tet, genau genommen , dfe Theorie und auch die stehöne, 

• durch Sabine gelieferte Reihe von Beobachtungen, und Hef» 
mufste daher aeigen , in wie ferji auch bei der gröfsten Sorg« 
ialt und seltenen Gesetzlichkeit der fräoaösisctien Geometerx 
aich Fehler einscbleicHen konnten , welche solche Unterschiode 
berbetfflhrten y und deren Ursachen hauptsScUich in der Auf« 
atellang der Apparate und der Methode des 'Beobachtens,, min- * 
der nicht und wohl vorzugsweise in der geognostischen Be« 
achaffenheit des Bodens ' an den Beobachtun^sorten ^«grflndet 
aeyn kOooen. Nimmt man dagegen diejenigen Resultate su« 
atomenf welche mcb Wahrschetnlichkeitsgrilndeh unter die 
genauesten su gehören a'cbeinenf namentlich die vpm Aeijua* 
to'raus nach beid^ Erdhilfren hingehenden, also Rawak 
und Parias; l/2Bdf desgleichen R«awak ahd das Capffer 
gaten'Qoffnung s t/99l,3; so giebt das arithmetische 
. Mittel aus beiden s t/899f66 eine mit der dofch Sabine 
gefunde/ien Grdfs^ der Abplättung ;bia aur Bewundejung ge« 
neue Uebereinstimmung., and die Richtigkeit dieser Bestim« 
- mung findet noch obendreiii in der Vergleicbung des aus dev 
Verbindung der Messungen au Paris und auf dem Cap hervor» 
gehenden Werthea ;9 i/S8f,8 eine wichtige Bestätigung« 
Man darf daher lyiit Recht sagen, dafs auch diese Mea« 
sangen aur endlichen ^ntsohei^Cmg der so lang« 
Tent'ilirten, sehr interessanten, Fra^e vllber di • 

Gestalt der Erde e|nen hOcbf t •schati^bfroii B«i« 
trag liefern *). 

. Diejenigen Folgerungen» welche Freycinet selbst «lia 
aojnen mfihevolleh Messungen erhält, weichen hiervon etwaa 
i^by uvid geben feiiieF spbwierigen Acbeit nicht einmal oinea 



Es nlag hier gelegentlloh bemerkt'werdsB t dsfi alle vier Pendel;^ ; 
SüMBrne^ etue mittlere Abplaliung s; 1/289 nseh S. 53« gegeben . 
bakeil, eise ^9iKg mit Sabine Endreaultate fibeveinttinnnen» 
Ref. hat indels die Mefsnngen mit ^emPendel von Breguet nieht 
mit beraekdebt!gt| weil die |nns8iifehea6ä|ab»teii selbst sie nieht 
f&rgeaaa haltea« * 



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^54 F/e/eioet Obiervadons du Pendule* 

«o hoben Werth f als welcher ihnen nach dem Urtheile des 
lief, und gewifs auch vitaler anderer Gelehrten gebührt. Sie 
.fiiicl nach S. 45. folgende : 

■t) Die Abplattung der südlichen Halbkugel weicht nicht " 
merklich von der der nördlichen ab. 

2) Beide sind gröfs er, als l/30d % welche durch die Monds* 
gleicbungen gegeben wird. 

3) Man kann sie nach der Berechnung der angestellten 
Versuche jede iür sict im Mittel.;:}; IJZÜO und 1/2Ö2 an- ' 
nehmen. 

4) Die Parallele der Erde haben keine reguläie Gestalt, 
und man kann diesemnach die Erde nicht als ein regelmäisig 
gekiümmtes elliptisches 5phäroid ansehen, wie dieses gleicb- 
lalls aus früheren Beobachtun^^ea sowohl in der alten als auch 
ii^ der neuen Wi-lt folgt. 

5) Die Versuche zu Ile de France, Guam und Mo» 
^wi, verglichen mit denen zu Paris^ geben grofsere Unter- 
schiede, als mit der Theorie vereinbar ist, und mOssen daher 
diese letzteren i|us örtlichen unregelmäls igen Krümmungen er- 
|(lärt werden. 

6) Werden diese letzteren, örtlichen Einflüssen zu seht 
Mnterliegenden , Versuche ausgeschieden , so geben die ül « i- 
gen die Abplattung der Erde — l/2Ö6,2, bei welchem End- 
resultate der mi^getheilcen Bec^bachtungen wir stehen l^lei- 
hen müssen. 

. , Endlich hofft Freycinet, dafs künftige Versuche die 
Frage weiter entscheiden, und uns genaue Auskunft iiher die 
eigentliche Gestalt unsers Erdballs gehen mögen, deren Un- 
regebnäf&igkeit in beiden Erdhälften ihm gegenwärtig als aus- 
gemacht erscheint. Glücklicherweise dürfen wir vielmehr 
diese Sache, welche durch jede Versuchsreise noch mehr ver- 
wickelt werden kann, wenn die Messungen nicht mit einer 
für menschliche Kräfte fast unerreichbaren Genauigkeit ange- 
stellt werden , gegenwärtig durch die vereinten Beuuihmigen 
der Franzosen und Engländer als erledigt betrachten, 
und eine regelmäfsige Gestalt des Planeten, den wir ])evvoh- 
nen, aus theoretischen Gründen und der Erfahrung g-mSls 
kaum mehr bezweifeln. Indem aber dasjenige, was zu dieser 
Ansicht berechtigt, in der Anzeige des grolsen Weikes von 
Sabine in No. 40. dieser Zeitschrift bereits mitgetbeiit ist, 
so würde es ÜberÜü^sig seyn, dasselbe hier noch einmal zu 
wiederholen. 

Das! Werk' von Fr ey ci n e t ist splendide gedruckt, und 
Übertrifft an Grölse der Liettern und Weite der Zeilen das 



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Sa^mmi^ß Bimdbud^ in Trigonomctti^« 9&5 

Sbniiche von Sabine, steht ihm aber an Scliärfa der Typen 
und Schwärze der Buchstaben nach; auch behauptet das <;ng* 
liscbe Papier zwar nicht an Weifie, wohl aber an Glätte und 
I'^estigkeit den Vorzug. Bei beiden ist besonders die genaue 
Correctur zu loben^ eine bei den vielen Zahlen sehr nothwen« 
dig«^9 zugleich aber schwer zu erreichende Sache. Inzwischen 
«ifid in dem französischen Werke weit mehr Druckfeblef an« 
gezeigt, als in dem englischen, und doch sind noch einige 
wenige unbemerkt geblieben , statt dafs Kef. im englischen 
nur einen einzigen gefunde.n hat. Beide kann man indefs in 
so fern für völlig correct Ualten, als nirgends der Sinn entstellt 
ist, oder^falsche Z;*4ilen auf unrichtige Schlüsse führen könh» 
ten ; denn alles, was Hef. gefunden hat, läfst sich aus dem 
Zusammenhange ohne Schwierigkeit herstellen, z. B. S. 37. 
Z. 6. V. u. wo N statt N ^ und S. 2 ;6> unten , wo 0 statt 
0 Steht. 

M u n 0 k 9. 



'Banihuüh der ^hentin -und iphätisthtn Trigonümetr l# 
von J, S atomdn f öffeti'tL ordentl^ Ptofettor dtr Eiüm^ntar* 
Mathenuuik am KaUärl, Köahl. polyteehttitekM Institut,' fPUn 
1824. XlVund 555 S. ^ ^ i Tblr. 8 Gr. 

So Vittie Lebrbücber der Trigonometrie wir auch be* 
•itzeii, so wird ihre Anzahl doch mit jedem Tage gröfser. 
Selten aber findet man e|nt, welche<i mit möglichster VoIIstfin* 
digkeit ^zugl«;ich KQrae und Klarheit der Darstellung verbände, 
durch eine conse^uente Sonderung der Theile einen leichten 
Ueberblick gestartete y und to dali Studium dem Anffln^erer« 
leichterte* Gewifs' wtirde una vodregiendea Handbuch in vie« 
len Stocken befriedigen, bfttte dar Verf. aich nicht su.aehc 
durch B.flckfiehten*>auf aeinen Unterricht leitenr laaaen. So 
aber hat er aua allau groiäem Attatreben, aeinen Lesern i^ea 
rächt deutlich zu macben, auch Ober' die einfachaten Sachen 
aeiqa Hetracbtangeq ausgedehnt, und fast feda Aufgabe auf 
mehrere Arten , . wenn auch nicht auf dcrm Jcflrsesten Wege, 
aufgelöst. Statt eben gewonnene Entwickelungen für folgendo 
Au^aben zu benutzen , zieht'ea der Verf/oft vor, |ie wtedet 
von neuem vorzunehmen , \renn auch auf eine-von der frOha- 
ren wenig verschiedene Art. Wenn dieaea daa Besonder au ist, 
welches der Verf. in' aeina Unteraachungen 'etngeflochtab' m 
haben glaubt, ' ao müaaen wir gestehen, ^ist dctaea/oioa lang« 

•s 



« 

. » Digitized by Google 



I 



weiHge Eigen^aoiliefakeit. Dvr Mrieate W«g» 4er, welcUer 
am tcbitelUten sam Ziel« filbirl,.Ut gfwifs » sowotil im Allger 
metneo.aU auch im Besondaren flU^ d«n arlilan ,U|it«rrriclit| dar 
pauandata. . - ' . 

Dia arsta Abtheilung entItiKlc in' drai Abschnittan die trU 
gonometriscban Funktionen. Zuferat Warden dia Gaaatse dar- 
gelegt , welchen diafa Fuhktionan in dan vancbiadanen Qua- 
dratHen untarworfan find; jedoch geschieht diasea äicht bei 
allen Funktionen In derselben Auadehhung», was hier wohl 
hStte geschehen IcOnnen^ denn dat , was später daröher gesagt 
wird> loUta hdcbstanf als eine Bestätigung das Fraheran da- 

3» 

atehen. Wann $. 12; tang — - sS — - ca , $• 15* aber a + oo 

2 

Steht, 80 ist dieses wohl nur ein Druckfehler. Dann setzt der 
Verf. aber auch tang. 0 + 0 und tang. i ir S — 0; cotang, 
O + 00 und cotang 2 — oo , eben so cosec. 0 ;^ +«0 
und cosec. 2 ^ — oo ; Cagnoli dagegen hat tang. 0 :S tang. 
2 ^ r= — 0; colang. 0 — cotang, 2 ▼ — oo ; cosec. 0 — co- 
scc. 2 irim — CO. Es ist ührigens, auch ohne Hülfe des O, 
leicht zu zeigen, dais Si;ius und Cosinus nur dann ihre Zei- 
chen ändern können, wenn sie vorher Null geworden sind, 
ilal's hei Secante undCosecante diese Aenderung nur hei oo statt 
findet, und dafs Tangentis und Cotangente l)eides vereinigen, 
also sowohl bei 0 als auch hei co ihre Zeichen ändern; oder 
dais diese sechs Funktionen nicht ihre Zeichen ändern kön- 
nen, sie Seyen denn vorher 0 oder ::2 co geworden. Noch 
wollen wir gelegentlich bemerken, dafs der Verf. nicht so, 
wie Cagnoli 9 den Bogen von der Recbteiy zujp Ij^nkany 
aonderf) gerade umgekehrt \yacbsen läfst. 

Im zweiten Abschnitte hätte die Berechnung von der Ver- 
gleichung der Funktionen wohl getrennt werden, und bei 
letaCerer selbst eine bessere Ordnung beobachtet werden kdn» 
sen. Zuerst die Funktionen eines Bogent» dann die von 
sweien,. und hier die Entwicjclungen von Sin. (a jh ^) und 
Cos« (a Hh b) an dia Spitze tu stellen und die fibrigen daraua 
berauleiteriy wSVe wohl das einfachste gewesen. Die trigo* 
nometrische Analysis macht den dritten Abschnitt au^ Schon 
£uler hat die Kreisfanktionen in die Analysis aufgenoinmen , 
wo tia mit verwandten Gegenständen in ihrer eigen thilmlichen 
Gattalt und Ausdehnung weit besser abgehandelt werden kdn« 
iien f ala in einem Handbucba der Trigonometrie, be| dessen 
Lesen man keine grofse Kenntnifs der Analysis v6rauMataen 
darfr Hätt« dar -yaif..diaias b^rrttckiichtigt^ ao .wflrda er sein 



. » 



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MtmtinU BanübuOk d«r TrigonoiiffrU. ff? 



Handbocb» vt>li8«ite4Sbitl26, ^ 

betSscigC haben. Daf« aiicb dir. AuflOaung d«r dltfiibungen 
hier nocfh eineiig Placa gefunden bat 9 lUüt ^ioh mir aua tinar 
grofaen Vorlidbi« dea fttr GagnoH erklären, 

Dia ebene Trigonometrie fflUt die «weite ^btbtUung, 
V^ir linden hier hur die gdwdhnlicbaten FslJe aufgelOat ; dem«' 
ohngeacbtet nehmen' die drei Au£eaben Aber daa acbiefwin« 
klige Dreieoic beinahe aeebtaebn &4ten ein. Beim Vieleck 
kommen einige hobicbe Aufidaungen über den Flächeninhalt 
vor« Daa Oea«ts der allgemeinen Fotmieln wOrde noch dmiU 
lieber aeyn, wenn der V«rE eine andere Beaeichnung hätte 
einführen wollen; die Seiten dea nEcka e. B mit ii^» a^» a ^ 
^ . . a Q , die Winkel mit A j ^ A A ^ ...Aj^. In der 

letzten Gleichung S. 209. njülste allen Glierlern das Zeichen 
vorhergehen'; ferner sollte in der dritten Linie von unten vy 
siatt wy, und in der letzten jLinie xy statt wy stehen, Dafs 
der Verf. fast jeder Auff^ahe ein Beispiel in Zahlen heigegehea 
bat, finden wir zu viel; es wäre hinreichend gewesen, die 
schwierigsten Fälle zu erliiutern, und die Berechnung durch 
Logarithmen zu zeigen. Ueherhaiipt würde in einem An- 
bange, oder einem besondern Ahschnitte, eine Anleitung 
zum Gebrauche der niitgelheilten Formeln besser Platz ge- 
funden haben, als die Beispiele nach den Entwickelungen , 
welche nur die Aufmerkiamkeic des Lesera von der liaupc« 
aacbe abzielten. 

Die sphärische Trigonometrie, welche den Inhalt der 
letzten Abtheilung ausmacht, bietet uns wenig Besonderes 
dar. Die analytische Ilerleitung der Formeln finctet man fast 
eben so, nur etwas gedrängter, in JVIeyer Hirsch*« g*?o- 
metrischen Aufgaben. Hätte nur der Verf. dieses Buch noch 
besser benutzen wollen, und statt seiner trigonometrischea 
Ar^alysis einige Aufgaben über das Dreieck aufgenommen ^ 
welche sich in diesem Werke befinden , so würde er seinen 
Schülern einen weit gröXsereu Dienst erwiesen haben. 



4 



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958 LatleMd ittrer tbts a^hini. 

ApmUMdMck'^ftUhologUeho Üittwsaehmipnt Oher dat Gehirn und seirUl 
. 4Utgmhörig€n Theiie, von F. Lall e^mand ^ Professor der chi» 
rurgitchtn. Klimk bei der med»initeh0n Fsfm^iät %ti MontpßUUr 
II. 1. fO» M. 4* 19« Jias dem Französischen Ubertttzt von KarL 
fP'oesej Doctor der JMedicin und ChirurgU.f ausüben40m Arzte 
zu Thorii,- Mit dam Motto g An^medim tttta in ohsßWtAionibug 
(^Fr, Boffmanny . Nequß ' nwnerandaß ' sunt ^ ted "pefpemd^ndM» 
" (^Morgagni Ep» $€i ■ ort, 47,), Erster 'Th$ii, Erster und zufßit&r 
Brief, Leipzig , 1B25« Mßgazin für Indmttrie und . Literatur» 
XXX und 298 S gr,8. Desselffem PVwkM twker Thei\, DrU" 
ter sutd vUrier Brief. lUd. Eod* X825. 96S S. 2.Tillr. lölOr^ 

An die gehaltvollen Schriften, welche uns in neueren 
2eitett über die yertchiedenen krankhaften Zustünde des See« 
lenprganS| so weit solches in seiner körperlichen Sphäre' er« 
krankeist) von französischen Aerzten g«üeffrt wotden sin<1, 
und wohin Ref, sunächst die hekannien Werke , über den 
Schlagflufs, die Entzündung der Spinn webenbaut, ditr Kr«, 
weichung des Gehirns und die Verrücktheit von Kiobe', Ho« 
cbouiy rarent-Ducbatelet und Marttnet und Georget zablt^ 
reihen sich die hier vor u^s Hegenden zwei BSnde anaromisch - 
pathblogiacbe^ Unters (ichiingen des Gehirns von Lallemand 
jehr ehrenvoll an.' Vorzugsweise ist es ein erfreuliches ^ ob« 
wobl in jedem Betrachte höchst schwieriges Bemühen unserer 
Tage, auch in die dunkU Lehre des gesunden, und kranken 
Qebirn« und Nervenlehens weiter als bisher einzudringen^ 
und uns noch mehr Aufklärung Über. die organische Einrieb« 
tung und einselne Beziehung derjenigen Tbeile eines Systems 
sa verschaffen 9 welches uns, unabhängig von seinem fiher* 
wiegenden Einflüsse auf alle körperliche Thätigkeitea , bei 
dem barinonischen Zutaminenwirken seines Ganzen, in eine 
so vielseitige BeAiebuns vtu uns selbst und zu der Welt aufser 
uns versetzt, welches de^n Menschen erst zu dem erbebt, was 
er ist, und seinen geistigen Vermögen nach werden und seyn 
kann , und das ihm vor Allem die veredelte Fähigkeit verleiht, 
die heitere Aussicht rjuf eine weitere Vervollkommnung, auf 
ein besseres, lückenloseres Jenseits tu geniefsen. Kef* ist 
aber nicht der Meinung derer, welche in den tieferen Unter* 
auchungen Über devi Uirnbau , in den gründlichen Forsch ungea 
Uber die Beziebivng der einzelnen Formationen der Gehirn« 
Substanz im gesidnden und kranken Zustande su den verschie« 
denen Sfelenä iifserungen , in den Vergleich ungen der stuEen« 
Weisen Entw icklung des Gehirns und der Nerven in der Thi«*r« 
reibe mit dem Gänsen uii4 Einieloen dieser Systeme im Meii'« 



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LaUcmand Uber du 6«lifro. 959 

sehen und der darch ihr Medium wirkenden geistigen Kräfte, 
eine Beförderung des Materialismus zu sehen wSbnen; er hegt 
Vielmebr die Meinung, dafs, je tiefer wir in*f Inner« der 
Natur überhaupt einzudringen vermöchten, wir nur um so 
mehr die Ueberzeagnng gewinnen würden y dafs dasjenige 
immer das ThStigst« und Mächtigste bleibt, was uns «>• we« 
/ligsten materiell ericbeint, dafs das Wichtigste von demjeni* 
gen, was wir Sit erforachen atrebrn, eigentlich doch da erst 
beginnt, WO Sinnen und Intelligenz die Grftnzen gesterkt 
sind, und dafs dai Geistige in uns einer VerSnderung oder 
Verwandlung fähig ist, die, trotz der materiellen Vermittlung 
durch die Organisation, weit Ober die Schranken des £nd« 
liehen und Kdrperlicfaen binausreicht. i— Wie aber auch di« 
Ansichten bierOber §9fn mögen, immei* wünscht Aef. sua 
Heile der Wahrheit und der Wissenschaft« dafs unser« For» 
ach un gen im Gebiet« der- sinnlichen Erkenntnifs sowohl d«t 
gesunden a1a*kranken Zustandes su vorurtheilsfrei, so nititicb«» 
tig und beacbeiden ala möglich angestellt werden, und dafs «a 
insbeaonder« d«n französischen Gelehrten unseres Fachas docb 
)a gefallen möge^ ibmm vielseitig angeregten, höchst lobeM« 
werthen Triebe^ di« Natur« und' Heilkunde su vervollkoiiim- 
nen, auf ein« 8cbt wiaaanichaftlich« Weia« nachzukommen 9 
dabei -auch die y«rdteriat« Anderer um' di« verschiedenen 
Zweige 'det naturvriesenschaftlichen Witaena im gesunden and 
kranken Zustande anzuerkennen,' sich bei ibren Forachungeu 
in diesem werten Gebiete möglichst vol* Einseitigkeit su'ver* 
wahren, und dem redlichen Streben, der Wissenschaft su die« 
nen, jede ander« Rücksicht nacbzusetzeif. 

In dieaen beiden Bänden «natomisch-pittbologi sehet CTn» 
teirauebtingen , deren jeder zwei Briefe enthält (die übriften« 
von Briefen nichts als den Namen, und die berühmten Jnor-» 
gagni'scben Epistolae zu Vorgängern haben), und ljr«icb«9 
wie aua einigen Stellen zu erhellen scheint , fortgeai/tat und 
aich^ Obeir aUi Krankheiten d^s Gehinls und aeiner Hlute ver« 
lireiCen werden, bandelt der V^rf. die sogenaiinte Erweichung 
dea Gehirna ab, wö'runter er jedoch keinen allgemeinen, aon« 
dem tiuT einen partiellen- Zustand diifser Art versteht, waa 
der Verf. um de^ richtigeren Bezeichnung der 6ac|^e willen 
bAtte bemerken sollen/ Indem derselbe die Erweichung ^dea 
Gehirns durchgängig für das Erzeu£ni(a einer Ehtaflndctng erW ; 
klärt, die sieb nur unter verschiedenen For äsen oder Graden 
offenbare, bedOnkt ea den Ref., daft der y«rf. logisch rxqÜ* 
tiger und naturgeiuäfser verfahren w8re.f wenn' er die akute 
Localentaüudung der Hirnsubstana sum eraten Eintbvilan^s« 




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9^0 tiaHemtna öbtr 6mm Gellten^ 

• 

grand« deii 'Weskef gemisicht, die darauf erfolgende partiell«* 
Srweicbung dea Gebirna nur ala ejnenf A'uagang jener Entafln- 
diing betrlicbtel;^ utod da ibftf iiufi einmal die DaTstellung aei^ 
ner ^nteraucbungen in Brie£forq[i i(u belieben achien, aqdaj^ia, 
erat» . wie aucb geacbebeni in den etnaelnen Briei^n die ver« 
acbied|nen Stufen jener EntsQndung beacbrieben hätte, wobei 
aicb oocb ateta die, nacb der DelMrraeugung^ dea Verfaaaera in\ 
allen diesen FSlIen vorbandene, Gebirnerweicbung noch emi* 
sient genug berauagestellt» die Scbrift aber an Ordnung und . 
Klarheit gewonnen haben wQrde, — Jeder der vier Briete lie*. . 
* ^rt in jeiner Reibe von Belap«elen dieB«acbreibung einer jener 
Formen partieller Gebjrnaubatana^Entafirrdung und Erwei« 
cbung sowohl nach des EigentbQmlichkeit dt^r Symptoii^e^ ala 
nach den anatomischen Cbaracteien des LieicbenerfundtfS| und 
namentlich enthält der erste Brief (Bd. I.} di« ».Erjweicbung 
dea Gebirna mit Ge£liraauatprfltaung , Infiltration oder Ergiee- 
aung von Blut, oder aucb. mit eigenthOmlicher Färbung dea 
ergriffenen Gewebes«, ein Zustand, J>ei weichem der Tod' 
früher eintrat , ala'der Eiter Zeit -hatte» sich, au bilden , und 
.«TO daaBlat mit der gefläfsreicbien und erif eichten grauen Hirn« 
aubatana. vermengt f nun bald eine. dunklere^ bräunliche , veil* 
cbenbUue» amaranthfarbige, mit der nur wenige und zarta . 
ipefBCae beaitaenderi, weiTaen Subttanz dagegen .eine blasse p 
citrpaengelbe y grfinliche Färbung su crkfiiifvn gibt. ^ Der* 
aweite Brief bandelt S« 97,—^ 298. von der » Erweichung dea- 
öehiroa mit Infiltration von Eiter oder t^nfansender Eiterung«*« 
wobei die graue Substanz durch ibre Verbtnaung mit dein ein«»- - 
geaickerten £iter in Farbe und Gonaiatenz gleichTalla verändert, 
wird» und aicb wie das Blut io mehr oder weniger beträcht« <. 
liehen Maaaen in deutlich erkennbaren Heerden daratellt* — « 
Die dritte Form der partiellen Hirnerwekhung wird im dritteia 
Briefe (dem ersten des zweiten Bandes), S. 1 — t69 unter 
der Aufschrift 9»friache Abaceaae « abgehandelt , und atellt aich 
hier der Eiter zu kleinen« abgeaonderten Heerden vereinigt ^ / 
und noch mit den-TrQmmern der .entarteten Hirnsubstanz ver«» 
mischt dar. In der vierten Form, (aweitec Brief dea a weiten 
Bandes) «rarden von S« 170 365. die »Balgabscesse« dea 
Gehirns beschrieben» deren anatpmischer Charakter Vatipt* 
aSchlicb ' darin beatebt, dafa aicb rund um 'xlen Eiter eine ^ 
weiche^ dOonc f mit Gefäfsen veraebane Jülembran ati bilden ■ 
aufäoflt.. 

• V (l>ar SßsehtuJ'i /otgt.y: . 

\ " \ . . . > . 



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N. 61» 



1626* 



H 6 i d e ib « f g f 



Jahrbücher der Literatur. 



Lallemand, anatomisch-pathologische Untersuchungeh 

über das Gehirn« 

« • • • 

ilebetall in dieieH Vieir FormM fin^Mi iidi» nucli d«ai 
T«rf.«-die charakuriititchfit Symptome der Erweichung wie^ 
der| dl« Symptome fo]gefi in der«eili«n Ordfiung aufeinander« • 
haben deneelbeh Verlauf« dieselben CompUcftdonen und ditf« 
telbeh siifklHgen Eraebeiilungen« und dieee Uebereinttimnuiog 
der Symptome beweise augleicb« dafs abden dieselbe Ürsache^ 
ndmlkbElitafi^dung« Grunde liege« ^ Die meisten Krank* 
Bettsfftlle und Leiobendflihfuti^n d^ ersten Bandes^ as^ei und 
fünfzig an $ler Zahl« sind vom Verf. Selbst und swar im.HdV 
tel- .Oieü au Paris beobachcet» dievfibn&en aber und dire deä 
Bweiteii^ Bandes « mit .vier und «ecbaigtarankheits * uild Ob« 
ductionsg^chicbten « sind tbeils top Morgagni ünd anderii^ 
illteren Aerstert ^: t^oter deti Neuereh eher vorzügl/cb von Oanr. • 
de le Vanteriey^ Rooboux^. Bricbeteait, ■ Itar4# - Ab4(rcrpmbi4 
H« A,]eiitlefint». und als Belege fflr die liebttf. dei .Verf* he« . 

Die trwelchuilgört des Gehirns Äind wffler eine neuö< 
:hocll mehr Verbreitete Krankheit, als ehemif.ls, sondern siö 
sind nur mit gröfserer Sorgfalt als ehedem studirt worden | 
Und je mehr man sich damit beScbüftigt^ desto häufiger er- 
scheinet! sie. Bei den älteren Schriftstellern sind wenige Be- 
übachtungenj Tiber diö Erweichung des O^ihirhs vorhanden; 
die Symptome sind in der Mehrzahl der Beobachtungen kanitl 
öngegebeh, die Beschreibüng der Krankheit tmdeutiich, diö - 
LeichenÖffnuitg unvollständige uftd von der Behiindlung gai* 
nicht die Rfede. Morgagni ist der Einzige j welcher auf diese 
lirankbaften Veräft lerung^-n einiges Gewicht legte« weil fer 
sab, was ahdVl*n , mindef nufinerksam en ß»fOhachtern ^ritgan» 
gen war. Oft konnte dia;* aljcr goschel*trii ^ d.i di4^ el vri4^<>^^ 

X|X>Jakg. 10. Hefl< ' . 



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962 Lallcmaiid aber das- Qetilni« 

GebirnSMb4tafis saweilen nicht die geringste heiond«-fe Fär* 
hung darbietet^- »ich nicht selten nur in dem Umfange einer 
'IJaselnnfs darstellt, und die krankbafce t\inrierunu iii fol« 
chen Fällen tier -in .der verminderten' Dichtigkeit de« 7^rt«o 
^irngewehea .besteht. Unter den Neueren beschrieben Reca- 
mi*& ^ Büyle and Cayol diesen Zustand suerst mit Sor^aJt, 
Ket^ wundert sicbf die Schrift von Aostan hiebei nicht er« 
^wShnt tu finden, da, so wenig audf unser Verf. an eine all* 
gemeine Erweichung des Gehirns zu glauben scheint, doch 
unlSugbarf und Vertraiten verdienende ßHobachtimgeo hietOr 
sprechen« un^ wir eben so gewifs auch-lj'älle von Erweichung 
^grofser Strecken des'Rücktfmnarks aus (rineren Ursachen be* 
^itsen, neben Welcher im üehrlgen sonst keine Entzündungs- 
merkmale entdeckt Werden konnten^ und beide Zastfinde sich 
aoini^ , Wenigstens der äufser^n Erscheinung nach ^ nahe ver* 
Waddt sind, wenn sie auch verschiedene Ursachen haben soll« 
ten. «^pBei der Wichtigkeit und sum Theil auch dst^ Neuheit 
. des Gegenstandes f Welcher vine Anregung' Kur ferneren Be- 
-achtung und Pröfüog auch durch unsere vaterlündlscbe Aerste 
in hohem Grad« verdient , da das Gemülde der Krankheit aber 
nur in :terstreuten Zügen im Buch« umber ll^^tf hält es Heii 
-nicht für nnpasii^nd^ dieadben za aammeln, tmd dba.We- 
^ sentHcbe davon« so Wek «s di« Gritosen einet Aecenaion et* 
Rauben 9 mitsatbeilen« 

Die Erweichung des Gehirna (oder vielmehr diejenige 
iocale Kntnflndung der.GttbirnsubstanSf welche als einen ihrer 
^AuRgiiige j^^«rweidbung sur Folge hat« und durch diese tddtet^ 
Aef.) etitste.Bt meistens sehr schnell« ist von befeigen Sympto- 
tn«*n b«*grleit^t« und hat gewöhnlich einen raschen Verlauf. 
£in und ^t^iei r. ig Kranke dieser Art atarben in (Jen^^ersten a^t, 
zwölf innerhalb vieraebn Tageb« und sieben in der dritten 
Woche. Ihr Sitz ist vor iMiga weis« die von vielen- und star- 
Jten Biutgtifäfseii durchsogene« und eben daher filutcongestio- 
nen 0, Enis.Cindutigen und Blutllüssen besonders blosgeatellte 
gr.i^ »e Substanz dtM" Hern isphären und in den aus deraelben reich- 
lie/i bt'stehienden gesireihen Körpern und Sehenerveohügelnf 
iirid sie läfst sich von derf bftufig mit ihr verwechselten Apo- 
plvxie (deren Natur in neueren Zeiten unter .allen Gehirn- 
/^rankbeiten noch die meiste Aufklärung erhalten, und welche 
/ ibren Sita auch« wie die Hirnerweichung , am häufigsten in 
'•.der*.gfauen Substanz hat« und, nach dem Verf.« nichts an« 
•d^« als ein frei wilHger Gohirnblutflül's ist, der den Ueber« 
-gang tfu der im eraten Briefe beschriebeneii^Otm von Gehirn- 
'«^•ichttiigiiildel^ «bell io W^hlf al« von der Entattadung 



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t«llMMii4 fib« da# OflUrd. 063 

,iler Spinnfrebenhaut dorcb bestimmte untl U^e8ei|tliGb« Sym« 
pCom« uj(^ter«cbeiden. — Die Httuii^keit d<r £rweicbung der 
grauen Substanz in Vergleich qiit der wt'itien lehrt eine voii 
dem Vert^^. mitgetbeiltfe Tabelle ^ zii Fdigo welcher iie in iethl 
und vierzig Fällen drei und dreifsig Mai in der graüen^ und 
nur .acht Mal in der vt^eiTsen Substanz allein vorkam« und 
Wöbet sie in denjenigen Gebirtitbieilen Wieder Um io bAdfigtr 
'eraebeint^ .virelcha die meiste graue Stlbstanz besitzen ^ wes- 
V'egen sie sich in jenen drei und dröiftig FSlle^i Secbszehii Mal 
in dejr Oberilätbe der Hirnwindungen« dreizehn Mal iit dauA 
Corppa Striatum und Sehitert^enbttg^l« uhd in der, eine ge- 
ringere Menge grauer Subltans enthaiteudaii^ Voni Varolii 
But vieir Mai vorfand — Die S^mptöme der Gehirfiatwvi^ - 
cbang anlangend , so sind Sie die der Gehii'nerttzflndurte (id 
Folge der Theorie des Veil'. eigentlicb: der Idealen Encaftn^ 
dung der Hitliiubttans , '^"^ weigert dieielberi die zwei 

sieb entgegengeietstan.Stadien dar B,ei%ang und der Entkräf« 
,Xunf oder JLübmuiig, fm erSteren : Auiresung der Seelen« 
krAita, Kopfschmerz^ Empfindlicbkait der Natsbayit ^ Veren« 
gerung der f upille^ Gliederschmerz; besonders bervorstethend^ 
iieatändig und cbarakteriltiscb äber eine ba]d anhaltende j bald 
liacblassende Zusammenziehung der Muskeln^ die zum Untar^ 
.acbied von der Apopleiciö ulid SpinnewalMiibaut- £a(sandun|^ 
.meistens nut aine einzige^ und. antrat Wfgeo Kreuzung dar 
' , Gebt rnfasatn dia der £i weichurig entgegengesetzte und zu« 
gleich noch von IfVabrer Lä Innung begleitete^ Seite dei Kör^ 
pera batrifft; im zweiten: Abnahme des Bewuistseyns, Be« 
tSabung^ Schlafsucht^ Scbvi^erhörigkeit^ Verlust des Gesichttf 
und der Sprache^ Lähmung der Muskelri und Unempfindlich« 
keit der Haut.* Bei der Anlcbnitis iind .nur die 5ymptoo(id 
der Hiriireizung ohnii Tai^turvatän<darung6rt dfes Gehirns und , 
daher auch keine LahiMung z^ugegen ^ Und bei der Af^oplexia 
.findet gleicb Von torn herein krankhafte Verände^Qn^ <iiesetf 
Gebildaa, von plötzlitber^Läbmufig l»<»gleiteC , statt« Beider 
. Gebirilerv^aicbung dagegen seig^^ aicb «ine Aufeinanderfolge 
von Raitung^ einei langsame f stnfertweise fortschreitend«^ 
.Lährfiüng und, ungleichere intermfuirertder Gang. * Dia" 
Kranken sind bald besser) bald schlimmer Zuweilen bessert - 
iia sich dergestalt, dafs man Sie beinahe äuisef Gefahr glaiibC; 

Die Vorboten der Gebirnervt^eicbung sind dunkel und ün- 
aicher. (Jft gehen sie der Krankheit lange v'oran , und könnert 
nllardingf ifuch als yor^ufer d^r Arachhiti^ und Apoplexie 
^iri>rk0mni9hi Sie deuten auf liauHge und starke Gehirrrcon* 
g/tiikHäiih X und lire^teben in- Bt;täui}ung .i Vr-rdunkeluiV^ daäl 



• I 



4 V 



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964 'Lällemand fibtr du Geklm. { 

■ . ■ . r ' ' . ' ■ I 

I 

Gesichts 9 optifcben TSuscbungen, ObrenkJingen , Schwere 
des Kopi:'e8 mit Behinderung der Sprache, Schwäche und'Er- 
starruiig einer Kdrperbälfte , Ameiseiikriech'en in den Gliedern, 
Bei Einigen geht eine merkliche Veränderung in den Verrieb* 
tungen des Verstandes voraus ; sie si'nd linrubig 9 /nittrrtscb| 
zum Zorne geneigt, scbwermiUhig oder exaltiri. J^lner der ■ 
heständigsttbn Vorboten ist aber ein plÖtsHch eintretender, 
von dem «oft Jahre lang anhaltenden Schmerz bei der chroni- 
schen Ärachnitis oder Her Eiterung der dura Mater wesentlich 
verschiedener, Kopfschmerz 9 der llem Ausbruch der Kranit« 
heit gewöhnlich nur kurz vorangeht, und sich mit dem Ein*' 
tritt der zweiten Periode wreder verliert. Die Prognose ist 
in der Regel ungünstig , und bis eu. einem gewisten Grade ge- 
langt, ist die Krankheit fast immer tddtlich. ' Von zwei und 
füntzig im ersten Banrde beschriebenen l^ranken dieser Art hat 
Kef. nur vier Genesene gezählt. Die Ursachen , der G^eh irrt« 
erweicbung sind tiach-deta Verf. genau dieselben 9 wie die der 
Apoplexie oder der Enta^ündung überbaapt. Im Allgemeinen 
Seyen clie vorbereitenden und veranbissenden Ursachen schwer 
richtig zu würdigen (?). Aeufsere Ve^etzungen des Sdhä- 
dels y chronische Entzündung der Arachnoidea, Herzfebleri 
deutlich bezeichnete apoplektische Constitution 9 unterdrückte . 
Hämorrhoiden und Ratamenien, Gemüthskffecte , Mifsbraudi 
geistiger Getränke bringen sie hervor. ■ Wd sich die Kraiiik- 
beit von freien Stücken entwickelte , waren die Individuen. im 
Allgemeinen bejahrt, und unter aaun und dreifsig (in elnisff 
Tabelle mitgetheilten) Veratorbenen waren ^eben »wischen 
fünfzig und sechzig, iieben s|0irisch«n Zwanzig und dreilsi-^f 
sechs zwischen sechzig und siebenajg, uild fünf zwischen sie* 
benzig und achtzig Jahr» alt. Über aehtaig Jahre waren swei. 
Fieber ist nach dem Vf. nur sel^n bei der Gehirnerweichung 
vorbanden (?), tind Delirinm nur dann, wenn derselben eine 
Entzündung der Spinnewebfenhäut rorangieng, denn die Con- 
gestionen Seyen bei der EnttiOndung «dar urrnsübltans ati hef- 
tig , und das Gewebe derselben werde dadurch zti' raacb vat* 
ändert^ als dafs das Gehirn seiiia Verrichtungen fortsetaete 
könnte; ist aber Fieber augegen, so sey es von dem Gehirn- 
leiden unabhängig (?) , ^i^a rühre dannutron d^m gleicheeitl- 
gen '{Leiden eines Eingeweides einer andern Höhle her; In 
Rücksicht der Behandlung hflit'der Verf; reichliche, alfgemeiite 
und örtliche Blutentleerunge n^ nach diesen kräftfge Ablet- 
tungsmittel und 'Eisauflegen Über den Kopf für das Heila'am- 
ste, und er theilt unter' den gl0cklich)en Aasgangsfkllen auch 
einen mit ^ bei Welchem aich noch das gle^baeitigeAufgr«ra«n 




uiyiii^Cü Ly Google 



Laltcmiiid Ibtr äu Gditni. 965^ 

von beiCsein Wasjer aut Wacjon und Li^nden lebr hfklfreicb «r« 

wies. 

Nicht ohne Grund erwartet unser Verf. rücksichtlich fei- 
ner Behauptung; dals die Gehirner weicliung jederzeit ifas Er* 
gebnil* «iner Entattnduo^ sey, Widerspruch, und namentlich 
ist es »ein erfahrener Landsmann Recamier, welcher dieser 
Ansicht ervtgegentrit^ , indem derselbe jenen Zustund für einen 
Morbus sui ^eneris nach der Analogie der IVlilzerweichung , 
und Uu" die Wirkung eines nervösen, bösartigen oder soge- 
nannten adynamischen Fiebers , nicht aber einer vorhergegan- 
genen £nC2vlndung erklärt. Diese Ansicht theilt aber Reh zu 
Folge seiner bisherigen Untersuchungen nicht, denn er hat 
auch nicht an einem einzigen Gehirne einer Typhus- Leiche 
eine Erwei<;hung im Sinne der neueren französischen Aerzte 
gftunden, und in Wahrheit, es ist ihm aufser den Pringle*« 
sehen und den noch scllneren v. Hildenhrand'schen Beispielen 
(deren Lalleniand' igens nirgends gedeckt) von akuten Ge- 
birneiterungen in bösartigen Fiebern, auoh sonst nicht ein 
Fall dieser Art bis jetzt weiter bekannt geworden. Wohl 
fand er nach solchen Fiebern etliche Male eine oberflächliche 
Elrweichung der Corp. Striat., der SehnervenhOgel , des 1 or- 
. iiix und der durchsiclitigen bcheidcw and , aber dies war nur 
da der Fall, wo sich VVasser in den seitlichen Gehirnhölilen 
ang^b^uit gehabt hatte, welches offenbar die Oberfläche jener 
Gebilde erweichte und pjitiell auflöste, so, dafs Theilchea 
der Hirnsubstanz in jeneui Serum frei herum s/:hwammen, 
aber Qhne ein sonstiges Eutzündungsmerkmal daneben, ohne 
jiog«-nannte Gelälsaussj)! itzung , ohne eine andere als die na« 
tüi liehe F^be, ohne sogenannte Arachnitis, Eiterung oder 
Übeln Geruch, lediglich von mechanischer (sil venia verbo!) 
Auflösung jener Oberflächen xlurch das Wasser, wahrschein- 
lich erst nach dem Tode herheigeftihrt. Während er dagegen 
in andern, nicht nervös - fieberhaften Krankheiten jene Er- 
weicbungsmerkniale des Gehirns allerdings auch, und zwar 
mit grofsein Interesse, beobachtete, und sich längst still- 
achwefigend überzeugte, dafs es ein akut verlaufendes , mit 
e^ner localen En,tzündun^ aui meisten übereinkommendes, und 
ganz vorzüglich durch eine theilweise Erweichung ausgezeich- 
nete^ Leidendes Gehirns gebe, welches, ohne Apoplexie zu 
a^yn , doch mit derselben viele Aehnlichkeit zeige, und auch 
)un£e |*ersonen, ohne äufsere Quetschungen des Kopfes, zu- 
weilen schnell tödtUch befalle. Andererseits hält er aber da- 
i(\r , dais, so sehr sich auch Lallemand IVIühegiebt, die spon- 
tane iiirnerweichung ohne AutnAhoi« fMr d^s. Vroduqt einei^ 



• r » 



. fi4M^and ^hn du Gehirn, 

Entzündung su erklären, sie ihren Zufallen nach, und zu 
Folge de« Sectionsergeboisses , mit der nach Gebirnc|uetschun- 
gen entstandenen Eptzündung und Erweicliung in gleiche LiL» 
nie setzen, und die sich etwa ergebenden Verschiedenhei- 
ten in Vergleich mit der Entzündung anderer Gebilde aus der 
natürlichen Weichheit des Gehirns und seinem Mangel an 
Zellgewebe herzuleiten i doch gar wohl auch eine solche Er« 
Vireichung ohne vorhergehende Entzündung statt finden könne, 
indem, um nur eines anzuführen, das, was bei andern feste- 
ren, der Erweichung an sich doch schon mehr widerstreben« 
den Organen geschieht, unter gegebenen Umständen noch viel 
leichter in dem weicheren Gehirne geschehen kann, die Fälle 
von Erweichung des Herzens, des Magens, der Gedärme,' 
des Uterus, ja selbst der Knochen aber, und zwar ohne alle 
Spur von Entzündung, keineswegs zu den seltensten gehören, 
was dem Ref. insbesondere eine mehrfache Beobachtung der 
gallertgrtioen Erweichung des Magens der Kinder, und Ver- 
fuche, welche er diesfalls mit Thjeren anstellte , zur Genüge 

tezeigt haben, Ueberdies könnte der, von dem Verf. bei der 
litzündung und, Erweichung der Gehirnsubstanz ^l ädicirte,. 
Mangel an Fieber und Delirium, ferner die Äehnlichkeit der 
Krankheitserscheinungen mit denen des Schlagflusses, die Be- 
schaffenheit des Pulses, die Gleichheit der Ursachen und Vor- 
boten Jjeider Krankheiten, der Umstand, dafs sie in eimer und ' 
derselben Allei speriode am häufigsten auftreten, in der Be- 
handlung viele Äehnlichkeit mit einander zeigen, vipd nach 
der eigenen Behauptung des Verf. ein stufen weiser , nicht 
scharf äbgegi änzter , Ut'bergang des anatomisch.patl)ologischen 
(jebirnzu'sta'ndei von der Apopltxie Jsu der nach E » '.ündung 
entstandenen Gehirnerweichu^ig statt findet, Itfichc zu dem 
Glauben Veranlassung gebe^^ , S\s wäre letztere nicht das je- 
desmalige Erzeugnifs eines allein durch Entzündung gesetzten 
Zustandes, denu auch im SchlagOufs seihst traf I\ef. das Ge- 
hirn partiell erweicht, und sein« Marksubstanz g«lb gefürbt 
ön. Ja es kann eine solche krankhaft«. Yeränderung auf eine 
der Entzündung sogar entgegengesetzte VV^ei^e bewerkstelligt 
werden, nüinlich durch eine Art Absterben, oder theilweisea 
Zerfliefsen und Auflösen ^e^ Gehirns in Folge habitueller Blut» 
Stockung und gestqrter Ernährung an irgend einer Stelle, 
und was noch p«ehr sagen will, zuweilen spgar ohne die min- 
deste sensorielle Störung während der l^ran((heit, was R-ef, 
bei einem an der Lungenschwindsucht verstorbenen Jünglingq 
fand , dessen graue Substanz er an der Oberfläche der rechten 
Hiirnbälft0 ^oll lang in einen cbocolatfarbi^en grei yerwa^dolc 



'V 



» 

antraf. Ohne atiia «ig^ntlicbe actSye Entzündung dei Oebirnt • 
bervorzabringeni W.o«u schön die ^lutmischung seihst bei 

«aolcb«n l^rahken nicbt wobl ni«br gMignct seyn di'ntte, er- 
regt namentlich das, bei den unwr^sacn gewordenen Iiungen 

-d«r Scbwiodsüchtigfrh (in welchen aicb, zu Gunsten des lilut- 
auswlkgs , das li^oramen oyaje sogar wieder öffnete, wie Hef. 
scbon oi( in solchen Lfeicben fand), oder bei organischen Herz* 
i'eblern 9 im Gehirne surClckgehaltene filut leicht an liegend 
einer Stelle desselben eine Uebliri'üllung und Sluckuiig, und* 
dem JVeh sind inehr«'t bemerkentwerth» Fälle yon transitori« 
scher Apopbrxie, oder nach unserem Verf. von transitorischer 
Gebirnentzdndung bei so)cb«|i Personen vorgekoniinen , die 
zwar nicht todtlicb i|bUefen| an deren Folgen aber die Leute 
bia jetJ^t noch immer; neban ibreli Longenleiden, niehr oder 
weniger kränkeln. Ehen so ist gerade aucb dasjenige Alter, 
lirelcl|ef nach dem Verf, iim häufigsten an freiwilliger £ntzUn- \ 
dung und Erweichung des Gahirnji leidet» da^jenii^e, welcbes 
der bqhituellen Congeation und Biutitockung im Qebirn» pbne 
eigentliche ^ntsiiudung'dea letzteren , ^vom kleioen und gros« 
aen J^reislaufe aus in -Folge artbritischer Ablagerungen auf 
Her^ und Gefäfse und vernundert«^r S3ftepi:opulsiuil am mei« 
aten auagesetzt ist, un4 dieselbeii Ursachen f welche im vor^ 
'gerOpktcn Alter Gicht, veränderte und verminderte Urin a 
hh^v^iA Aussüudttrung, partielle Verl(nöcherung«n des Her- 
zens und der Pulsadeniy scbwerea Gebdr, Schwindel und 
Schlagflufs-Anfälle bervorhringeh^ aiqd auch leicht im Stande | ' 
in Folge thtril weiser Gt;fii(isl|ihmung Und GeüSiaetibiterbens , 
ofaiie eigentliche Entzündung , Gehirnerweichung an ernef oder 
' der' aad«rn Stelle und deren Symptome l^ervorzubringen. — 
Noch kann Hef, nicht umhin , det in diesem Weike lie^ Verf. 
au loft vbrl^Odimeh<j|en Entzandun^ der Spinnewebenbäut au 
gedenken, welcher vt)n den meisten. nauefeti französischen , 
Atrzten in den Krankbetten^es Gehirni.eirre wichtigere Kolle 
übertragen wird, als sieb mit der Natur «lodWaUrbeit lu vetn^ 
tragen scheint, während der pia Mater» welche die meis.ten 
Gel^ffttf besitist , mit dem Gehirn , dai litt gedeckt , in unmic* 
telliarer und allseitiger BeiüUrung ist, in dessen Wiadungen^ 
Spalten und Höhlen (itierall eindringt und solche Oberkleidet, 
und die zur Gehirnsubatam^ aelbat in AQcksicht auf ErnSbrüng 
und Blutaubereitung allein unter den Geh^cpMüten. ii^ der 

. nächsten, und wichtigsten Beziehung steht, entweder gar 
nicht, oder niir i^ebenher gedacht wird. Qefters schon is^ 
daher Ref. in den Füll nekommen, zu glauben t als bitten jene 
Autoren atatt der ArachoQidea die pia Mater gemeint'i und ec 



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I 

iionnte eine nicht geringe Anzahl hieher gehöriger Stellen na- 
ipentlich aus beiden Bänden der vorliegenden Schritt namhaft 
machen. Auch hat Morgagni nicht, wie Hr. Lallemand zu 
glauben scheint, unter iVIeninx tenuis die Aiachnoidea, son- 
dern die piaMuifir verstanden, was deutlich aus der Epist.VI. 
N. 12. S. 330. und Epist. LXII. N. 5. S. 44^ , noch mehr 
aber aus der Epist. LI. N. 2. S. 342. (edit. Chaussier et Ade- 
Ion) erhellt, wo unser Verf. die von JVIorgqgni benannte »pia 
JVIater" ohne weitere« durch „Spinnewehenhaut« übersetzt, 
der BeschafFenhelt der zwisi ht-n ihr und der GehirnoberllUche 
liegenden Geiäishaut aber mit keiner Sylhe {Erwähnung thut, 
als wenn sie gar nicht vorhanden wäre. Die „Getäfsaus- 
spritzungen der Arachnoidea « , die „Ausdehnung der gröfse- 
ren und Jtleint:ren Gefäfse« dieser Haut mit Blut, die „Rö- 
tbungf« derselben , hat H^^f. bei der genauesten Untersuchung 
bis jetzt noch nie zu stlien vermögt, und auch andere serös» 
Häute zeigen bei ihivn Entzüntlungen in der Kegel kein rotheS 
Ansehen oder ausgespritzte und ausgedehnte ßluCgefäfse, son- 
dern sie offenbaren ihren krankbatten Zustand durch reich« 
liehe Ex^udation , Tiübung, Verdickung, Verwachsung, Gra- 
TTjIntion, und er fand selbst bei töddich gewordenen akuten 
Ejitzündungen des Bauch «» und Brustfells und des Herzbeutels 
dje Arachnoidea ohne ein anderes krankhaftes Merkmal, all 
flafs sie dicker als gewöhnlich und weifslichblau , milchrabrn- 
iibnlicl\ gefärbt erschien. — - Nicht minder lesen wir auch im 
Vprliegenden und in a«dern neueren Werken französischer 
. Aerzte häufig von einem „ Müusegeruche « , als einem ominö- 
r sen Sypintojue in Gehirnkrankheiten, bei dessen Anwesenheit, 
der Verf. den Tqd meistens erfolgen sah. Zu Folge seiner 
Bftobachtungen hält ibn Hef, aber für nichts andereär, als für 
einen Gerucli nach Urin (zu welcher Meinung sich auch der 
Verf. neigt), und ey hat denselben schon oft nicht nur bei 
Nt.rvenfiebt;rkranken mit u n vv illkül^rlichem Urinabflusse , son- 
dern auch h^e\ alten Personen mit Lähmung der Harnblase 
wahrgenommen, wo deren Inhalt un willkührlich ahtröpfelte^ 
upc^ öftere zu UnreinlTclikeiten Anlafs gab. -Bei mehrtägiger 
Hemmung der Urin-Ah- und Aussonderung, und wahrschein« 
lieh dadurch bewirkter stellvertretender Tliätigkeit der Haut« 
ausdünstung, fand lief, diesen JVIäusegeruch auch bei Hunden ^ 
und er beobachtete ihn unter anderen bei einem, übrigens 
ganz reinlich gehaltenen Hunde, welcher in Folge der An wen« 
dung des essigsauern Morphiiiin'j» sechs Tage lang keinen Urin 
von sich gegeben hatte. — lief, bedauert, aus Mangel an 
IVdutp YP'^ Schrift de^ l^rn, ^^ileiQ^ud nicht Me^fere« m&U 



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t 



^ Lallemafid ilber dat Geliini« 96^ 

theilen zu können. Sie ist reich an acbarfdinnSgen und frurhu 
l>aren Ideen, und sowohl derjenige, welcher sich mit dem 
Studium der kranken Gewebe insbesondere beschäftigt, als 
noch mehr der Arzt, welchem die pathologische Anatouiie Be-^, 
hilf« ihrer Anwendung auf die Praxis am Herzen liegt, wird, 
.besonders im ersten Bande, viele lehrreiche theoretische und 
praktische Bemerkungen in derselben linden, und es ist dem' 
Verf. ganz und gar nicht entgangen , dafs der Hauptzweck 
spicher Untersuchungen nicht blos todte anatomisch - patholo- 
gische Beschreihuno eu , sondern eine Darlegung des krank-, 
haften Baues in seinen causalen Verhältnissen zur Krankheit 
seyn müsse, indem nur hieraus Nutzen für da* Leben und 
eine Bereicherung der Symptomatologie, Diagnostik und The- 
rapie erwachsen kann. Ohne den unvergilnglichen Verdien- 
sten Morgagni'» um die angewandte pathologische Anatomio 
(wenn Ref. so sagen darf) im mindesten zu nahe zu treten, 
.wird eine vorurtUeilslreie Vergleichung der Epistolae jenes 
grofsen Arztes mit den anatomisch - pathologischen Unter- 
suchungen unser« Verf. gewifs zum Vortheil der letzteren aus« 
fallen, da die Besphrejhung der KrankFieiten, die Eigenthüm- 
lichkeit ihrer Symptouie, die Aufeinanderfolge und Bedeutung 
dtir3elhen , 50 wie ihie Behandlung viel genauer und austühr- 
lieber, und der JLeichenerfund viel vollständiger und bestimm- 
ter mitgetheilt ist, als in den Morgagni'schen Epistolis. Es 
berechtigen aber auch die Fortschritte unserer Zeit zu grölse- 
ren Ansprüchen an Forschungen dieser Art, und was man 
auch sonst van den Mängeln und Verirrungen unseres Zeit-^ 
alters Wahres und Halbwahre« »agen mag, immer bleibt es 
gewifs, dafs Physiologie, Pathologi« und Therapie nicht blos 
in der IVfethode, sondern auch dem Wesen nach, seit Mor- 
gagni lebte 9. mi^nnigfach erweitert und yervolij^oaupoet .woc^ 
den sind. 

Bei Anerl^ennung der entschiedenen Verdienste des Lalle- 
mand'schen Werkes ist es aber auch fflicht tiner unpartheii- 
sehen Kritik, die Mängel desselben nicht verschweigen » 
und diese bestehen darin, dafs sich der Verf. zu oft wieder- 
holt, und hie und da zu viel Declamation in» Vortrage zeigt, 
dafs die Epicrisen der Krankheits- und Ohduction«fälle nic^t 
jedesmal strenge mit dem Factischen derselben i^ühereinstira- 
men , dafs manches bis jetzt noch Hypothetische und Erzwun^ 
gene schon als ausgemachte Wahrheit angenommen wird!, däfs 
in den einzelnen Geschichten der Krankheiten nicht selten zu 
wenig Rücksicht auf da« ätiologische VerhüItjiif«|genommen 
isc^ WQfiin iÜnngffM» Vf rf« _ , 9^ deir . Umstand 



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970 . PfiktUit^ TbeQlogk* 

% 

• * • m ' ' * 

Schuld itty .daft suweile'n Kranke iq fli« Anftalt aufgenominea 
wurden» dber deren Anamnese keine £rkundigung eiasusiehen 
war^' dafa ferner die £ntsQndang eine su unbedingte Aqlle 
lA»i dem Verf. apielt I und andere krankhafte VeKwandlangs- 
vorgänge , ' die eine vorurtheilafreje fieohachtung ansunebmen 
aiötbigt, entweder gans ignorir^f öder wenigstens nidit ge* 
bohrend gawOrdiget werden, und dals endlich dte Therapie • 
bis jetat. noch Mebrerei wünsdben übrig läfft, indem sie 
theils au viel, theils 's|i weniP, theils ntoitchea am unrechten 
Platsethuti was nicht ^FaH ist, "wenn der Arat, mit dem 
Wesen eines Uebels Vertraut , mit besonnener ThStigkeit seine 
Kunst mit dei Gewalt der Krankheit und der Kraft der N^tur 
in ein riclitiges Verhältflifs au ^ringen versteht. "* 

Die UeLersetaung liest sich im Ganzen g^^» »ur hat der 
Uebersetaer an etlichen Stellen die franaösische Construction. 
im Deutschen- zu strenge beibehalten « was dann etwas achwer- 
fBllig klinfit. Wie viel Blut/ontSr einem Aderlafs von awei 
und drei Becken verstanden wird , mag wbhl mancher nicht 
wissen« utid der Uebersft'aer'h9tte hier aushelfen aoUen, Die 
Worte: Blutigel 'atatt Blutegel Alilafs der iii|binung atatt 
■Nachlafji d.Li.y orechschwterigkeity erbSrmlicher'Puls, Mährte 
von Eiter >und Hiriisuhstenn und etliche andere , kommen bei 
der sonst gelungenen Uebersetaung nicht in Anschlag. 



^i^jio. ' J^ih Bdirag kwf ' dpologetik däs ChriiUnthams, nät vorzBg^ 
lUhtr B^rXdtMiipMg'd^r ekrUtt(igk0if Ftstf, 4ä4 Jtttdaöhtfbmeh" 
fUr h$tmr 0mt dfn /Ul(sr#i» «jfd gehÜdete» .SUüuUn von uUm Con* 
JtitioMn- ' Von-'GßOtg Qonr'(i^d^o.rUt DrV der TikMlogU^ ' ' 
' Crofih9r%ogh Hm* gentli GthwmsnrßA... Brstßr mnd^zwBtUr 
. Tfteii* Dritte f gUmiMh mmg^arhekete , um mthr alt 40 Bpggm 
HßrmehrtB Auflag», Miß! Kupfern, Mainz ^ gedruckt arid tief* 
le^ Iii KmpfnUrg, %m. h Bd, J(|7 and 648 S. IL. Bd. 
fywdW - V 7 ft. 12 kr« 

Die. -vorige Aolisaba dleaea gehaltreichen ^uchea haben 
wir seiner Zeil in ^ diesen BiSttern angezeigt. Die so stark 
vernaehrte Bogenaahlj^so'dafs ausdem Kinen mSrsigen Bande 
nunmehr zwei ansehnliche ^flnde entstandefi sind., ist eine 
eben so stairke Vermehrung des Qebaltea en innerem Werth ^ 
und hoffentlich auch an se'gensreicber Wirksamkeit. Ein 
frommes Gemfltb ergiefst sieb in gedankenreicher Fülle; aüa 
einem Schafse v6n Gelefaniamk^it welfs der Verf. dik JLeeer 



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/ 



V 



von Bllduitg cu Iwkbreii 4in4 ma IfAiiInn ; Att*t vthi Neuei ' / • 
«t«hl ihm Au Geboty unil er tbeilc e| freigebig mit; htgcUMt' 
durch' du HerrHcUkett des CbriiUittbuws^ ergreife- er Gettt • 
lind Herffy und da* oboe die Anitre^gung einer' IbrtgeieUtefi ki 
Speculation und. ohne Ermfldung einerjn aidi gj»kebrfeirrGoti«- 1 
teuiplafion^ durch eine lebendige OarainUunfiy dareb-Winkn- ^ 
fOr dm Naehdeiücen und durch «thie grobe Slaiinig€rftigkeit.'V' 
Die grob« BeUvenlieit des VerF. giebt Md Swllen Vpn iadU^ \ 
•eben; Pertttcbenr, Grcechiacbeii "u, lyeiaeOf b«|d wW 

heiligen Sliigern und Sehern* d#a Altefi Teetameol^t wi« ' 
auch aiit dem EvangfHum, baM aua-den genialen navereii' ^ 
Schrifleii. von .lAithvrbla Fenelon, Herder» r. M«y«r u.a. 
w.f nicht minder, auch ana Ulteren jheodlftiidlachen und mor« 
genModitchen, s« B. Atabiichen Thiloiopfaen und Foelen.^ , 
Sfadi der dritten Vorrede wollte Hr. Dr. II in dieaer neueatent, • 
Aufiace die apologetlache Seit^ beatimmter henrorbeben , ohne 
den Zireek einea'£rl>amjng9buchea «bauflndern|. und aeiao 
Bemfibung» ,>dai Ghriatenthum in aeinen Lehren und InaCito-- 
. tionen im Gegeoaata mit der alten Welt, alt Ein grofaea« nach 
den natflrHchen tveaetaen dea menacblicbvn Geiatea erseugtlsa 
utid begründatea Wunder der geiitigen Welt, an aich aulau« 
faaaen uAd au veränachaulichen**, wird ihm beaondera bei den 
hoffentlich nicht wenigen liefern gelingen , die man vorsuga* 
.weite die GemÜth vollen nennt , pod weiche geistige UnterhaU 
tupg lieben. Wir wollen nur eine |Jeberat^t daii Inhalta' 
geben. * / 

Im e^ten Bande findet der tjeaer,ii]i ungefähr (flnfstg 
kleineren Abatl^nitten folgende Betrachtungen : -Siona, ein 
propbetiachea GemSMe höherer Religiosität und Erd^glQck« 
aeligkeiti der Söhntag; da^ Gebet; Gott; der Wifltutfeprurig; 
das golden^ Zeitalter; 'die Scbhnge^ oder ^atinat im ?ara« 
diese; die S(l»dflu|l| und djir Regenbogen ; eefsbhiedeite r«H«* 
^lüse Nätiiransicbtani der erateTWin^nreif 4fiid die Kolmblu« 
jiien; das Al^er der Erd« Cnul dea Menschengeschlechts; der* 
letate Mensch; di^ Bibel; der Mensch; der Glaube • die Hoff- , 
nong;' die I^^eli«« Pen Betrachtungen über die Bibel ist eini* 
ges aus WiHti^m Jones angefügt^ wd1(;her grofse Spachge* 
(«rhrtfi «lupli ein eroiler Bibdvetehter #9r. Seine A^ufaerang 
^aus ^ner s6 Ualciitta gehaltenen Rede) ^telie, auch hieF:- 
^— |c)i kaiinrfiichl 'umh^n beiläufig ^u aagen, d^fs' di^ ^bobib* 
lung von Aii£lll^ehf die wir wegen thre^ Vor trefft ichk«i^ die 
$ohrift nennen*« ohn^ Rücksicnt auf ihrien göttlichen Ur** 
Sprung, fiiehr w^hte Erhabl^nheit^' .voraflglichere SchOnhei« 
teit| reinere Sit^^nleb^e^ wichll^era ^lld auVetlSssigert Gc* 



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I 



1 



972 FjraktUdlie-Tliiioiliig^ 

schichte, und vortrefflichere BeLispIele der Dichtkunst und Be- ' 
reclsamkeit enthalten, als aus allen andern Büchern auf dt»in 
Krdhoden» die jemals in irgend einer Sprache geschrieben 
\yprden sind, in gleichem K^ume gesammelt werden könnten' 
I)it beiden Theile , aifs welchen die Bibel besteht, hängen 
. durch eine Kette von Schriften zusammen, die weder in Form 
* noch Ausdruck irgend einer andern aus den VorrSthen Grie- 
cbiScher, Indischer, Fersischer , Arabischer und überhaupt 
jtiorgenländischer Gelehrsamkeit ähnlich sind. ^ Also 9 dafs man^ 
fi^ mit innerlicher Ueber^eugung für.diß «insig wf^hre Offeu- 
Lftcung ssu halten berechtigt ist. 

Im zweiten Bande werden die Betrachtungen auf dieselbe 
Art geführt: Die christlichen Feste ^ Christus; die christliche 
l^vndervirelt ; die christliche Mütterlichkeit; der christliche 
Krieger u^d Held ; der christliche Vaterlandsfreund ; der christ- 
liche Freund; der christliche Jüngling; die christliche Jung* 
frau; Karl der Grofse; Eginhard und £mma; religiöse Ideali- 
tät; die Plumen ; über Geistererscheinungdn ; Swedenborg 
. und Heinrich von Bülow ; von natürlicher Diyinations- und 
tibc^rnatürÜQber Offenbarungskraft; die Glocke und die Orgel; 
dfi; Mensch ein Fremdling aiit der Erde; die Reise nach der 
' Heiniath; die Sehnsucht nach dem£wi|;en; der Himmel; bi« • 
bjischer Glaubens« inn. Diese Hauptrubriken .zeigen , dafs die 
fromme Betrachtung durch das ganze JLeben hindurchgrfübrt. 
Mrii'd, bei allen Gegenständen , die nur irgend dazu auffor- 
dern, weilt , und in der vielseitigsten Unterhaltung sich be- 
wegt. Von dem sichtbaren Ht^nmel und der Slona an, im 
ersten Tbeil 9 bis »um unsichtbaren und Glaubenssiege, am. 
Knde des zweiten, wehet der fromme Geist, und von dem 
Ü^habenen, welches die astronomischen Belehrungen über das 
6^ernenmeer eröffnen , bis zik dem schönen Blumengarten, 
wird die Seele zum Einklang in das Hallelujah hingezogen. 
Bestimmte Begriffe und Schluisfolgen sind es nicht, was hier 
die Erbauung unterhält, aber hoher Schwung der Gedank^in, 
Poesieen, Heden, auch der alten christlichen Zeit u, dergU 
Ohnehin kann ein Erbauun^sbuch nicht. Allen gerecht seyn, *' 
und man sollte jedem, der sich erbai^en will, sein Recht un* 
verkümmert lassen ; so wjcf} 4^ VOrliegepct«. 4eiaem 

Se^jen ^owfthf eilt . * • 



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' • ' GiiWfiMiirLatlittt ef Cald. ^^fi 

JSf. r. Cietroni^ l*09liusf «Im 4* Amlekia duthgut g rMtutdi 
t 9t scholüs Jaoobl fMfhUui änUqut rnnwUutvMlonibmM instrusAi 
Aug Ootthi'G^rnhardf PhiL A JJ. XL^ ilf. Magnidmt. 
: Stua, FiMariensi CoiuUtorkf m tonsHiU^ ÜL gymmtsti GuÜiatm»^ 
Srntstim DirwtOTf tothHuU lAUiimd Jengiuif sodaliä* Liptiatg' 
apud G, FUUchMrtm, MDCCC3CXK LFi und t90 S. 

TüRH Cietroniä htteltui nv9 dk jimhii(a dialogai ad T* 
Pompotdum Attieum* Zum O^braiuh für ScHmUh iu« hehrgt 
und mU D9uU§h0n fPort • und, Smcherkiitrungin tfgmhtii von H, 
Ludwig Julius Biliar beekf IhMor dsr Pläiäiojßhl*, fitnuib* 
*" v#ry in d»r JMnsihM Übft'uM, xH6. xt8 S. 8« 6 OU 

Jlf« 7. CicBTonls Cuio major Mtu dt Stuoctut^- Zürn Pahrmdh 
für Sehuhn um dur^kgeteh^n und mit' d§n nothwenJigttM PttoH^ 
9ud Suchtrkiärunggn. mutgtitutttt von Dr, lAdmolg Mhis Sil^ 
Isrheek» ttmimootf 1826, Im Vä^lagß d§r Ruhnsehgn Hafm 
hwhh. BO S. 8. . eGi*. . 

Wir führen, ungeacbtet d«r grofaen VertchMenbeit der 

Zwecke und der Bearbeitung | diese Ausgaben zusammen auF, 
weil die Gernbard'scben Auagliben gleichsam die Baaia für die 
Billerbeck'scben sind, besonders aber der Catb mtjoV des Hrn. 
B. an hundert Stellen gleicbsam das Echo des votf uns aacb in. 
diesen Blättern (iQ\9) angezeigten Cato major Ton Hrn. G« 
.ist. Die Art und Weise Hrn. Gernhard'Sy so wie Mne grflnil» 
jicbe Kenntnifs des Ciceroniscben Spracbgebrauchs , seine ge<* 
aunde Kritik, seine Müfsigung im Ürtbeil über Andere^ seine 
inbaltreicjie Kürze und Vermeidung alles UeberflUssigen, sind 
aus seinen allgemein geschätzten Ausgaben der Oiificien (1811)» - 
des CatO" major und der 'Paradoxa (iÖ19) bekannt , trnd wir 
Jbraucben nur &u bemerken, -dafs sieb jene £igenscbaften auch 
an dieser Ausgabe , und zwar, wie es eiiiem itait a«iner Wie« 
senscbafc -fortscbreitenden Gelehrten geziemt ^ in erbdbtem * 
JVIaadie vorfinden. Hat man in der Form der frühern Ausga- 
hen einig'' Ausstellungen gemacht, «• B. rlafs man die Varian* . ' 
te'n zum Theil unter dem Texte, zum Tbeil hinten sucben 
mufS) dafs die Addenda und Corrigenda zu zah^ireich sind; SO 
findet sich beides auch wieder hier: besonders der letztere 
UeheUtand ungeföhr in gleicher Ausdehnung , wie beim Cato 
rnajoc: nicht weniger als sieben Seiten Verbesserungen, Zu«. 
Sätze und Drtickfehlervprzeichnifs! lieider ist aber damit nur 
der kleinere Theil der Druckfehler nngegebtfn (obwohl d«r be- 
deutendere) ; und wir baben in Gitäun . und bescmdera im 



* 



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974 ' « CiMioiiif LaeliUi et Cato. 

Druck der griechischen Stell»»!! , (Iberhaupt in rlenNoten, noch 
eine grofse Anzahl nicht ang^aeigtej Fehler gefunden. Ja 
selbst in den Carrigendis «ind wieder Fehler : so haben wir 
z.B. die Stelle, wohin der ^usaiz tw S. 117. gehören soll, 
lange nicht finden können , Jiis wir endlich entdeckten, dal's 
er zu S. 112. gehört. Auch, weil wir einmal am Tadeln sind, 
müssen wir hier noch die Inconsequenz rügen^ mit der Hr. 
G. die Namen der neuem Gelehrten bald declinirt^ bald nicht; 
wie er denn z.B. S. 58. oben Schellefus und unten Scbel« 
1er, äufserst oft Wetzel, Sclidtz, Ernesti| unti dann 
wieder Schütaius^ Ernestius schreibt* Poch wir gehen 
zur genauem Betrachtung der Aiisgabe selbst über« Die gut 
geschriebene Vorrede giebt hinlängliche Nachricht über die 
von Hrn. G. gebrauchten Ausgaben und Handschriften, zum 

. Theil mit deh Worte« derjenigen, welche die CoUationen ge- 
macht haben, wobei denn auch schlechtes Latein mit unter- 

.läuft, das nicht auf Hrn. Gs. Kechnung kommt, z. B. S. VI. 
Interim hic Codex est antiqüus. S. IV. schreibt er aber: 

rQuamquam non deerunt^ qui largiorem aliq[uando undecunqi\e 
colUctarum sententiarum de amicitia copiaui excutianti woUta 
er etwa effundanti oder etwas Aebnlicbcs, sagen? Die Prole- 

• ^omena , welche in zwei Abschnitten (I. Dialogi de Amicitia 
descriptio ) II. de Ciceronis arte et elegantia in Laelü aermOfie 
expromta) eine schöne Einleitung enthalten, haben un$f un* 
geachtet sie natürlich nichts Neues geben, besonders wohl ge- 
fallen. Wir enthalten uns aber eines Auszuges daraus, da 
wohl kein Freund des Cicero diese Aiisgabe wird entbehren 

• wollen. Lieber theilen wir diesen und dem Herausgeber übelr 
einige Stellen unsere Bemerkungen mit. S, 5« sind mehrere 
Fehler im Griechischen , auch wird eine Stelle aus cfen Tuscu- 
lanen (l6,46. ohne Angabe des ßuch»^s) citirt, die in allen 
fünf Büchern nicht zu finden ist. — I. 3. wird sehr gut über 
den Unterschied von tum und tunc^ und-^CiCero'« Gebrauch die- 
«er beiden Wörter gesprochen. Vergl. Jahn zu Virg. Eclog. 
tu. 10. und unsere Anmerkung zu Cic. de Rep. II, 9. p. 227. 
— I, extr. wird mit Kecht tu te tpsum cognosces dem schlech- 
ten ipso vorgezogen, — II. 6. p. 14« wird gant richtig übtr 
die gegenwärNg häufige Einmischung einzeltier altertbümitcht r 
Schreiliformen (/}. B. existumare) unter die sonst neuere und 
«plUere Orthographie , da die alte doch noch nichi conserjuent 
l;iergestellt werden kann, auch noch nicht durchaus au.sgemit- 
telt ist, gesprochen. Auch Ref. htt sich neulich in ähnlichein 
Sinne in der Vorrede zum Cic. de Rc p^. S, TX f. daiüher er- 
l^lätr. .6. p. 14* wird «n^fü^rt^ Wet^l.gebt ahad 



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CloeroDif l4ielius et Calo. ' .975 

• • • 

weitere Bemerkung \ Cato qui (für f[uia) multarnm refiim uaum 
hahebar. Die« ist wahr; aber es tciieint ein Druckfehler , und 
^ider Wetzeis Willen im Text zu stehen. Ebend. S. I5t 
wird Schütz'« Interpunction gtrladelt, und «war mit Recht; 
allein dieser Tadel iälit| wie hundert ähnliche Miingel, eigenl« 
lieh auf £rnesti, dessen A usgabe der SchOlz*«rhen zum Grunde 
liegt y und dessen Interpunction von Sch. zwar oft berichtigt, 
aber doch noch an allzu vielen Stellen stehen gela«sen wurde. 

— II. 7. p. 18. quod proximis Nonis giebt Hr. G. aus meh« 
reren Handschriften und Ausgaben , die meisten haben je« 
doch: ([uod his proximis Nonla. Dieses his erklärt Ifr. G. ne- 
igen proximis für niüssig. £9 lüfit «ich indessen doch durch 
Stellen, wie Epp. ad Tamm. I. 9. p. 26. ed. Em. min. p. 44» 
ed. IVfart. Lag. vertheidigen , wo es heiftt: quem proximis 
superioribus diebiis acerrime oppugnasset; wo man auch sagen 
Icönnte, superioribus stehe nach proximis mfissig , besonders da 
ja aucH das V**rl»um schon die Vergangenheit« andeute. — II. 
8. p. 19. behält er invaleludinem in» Texte, ungeachtet er $.20. 
mit Recht sagt: retinendum est medium valetudinis vocabulum« 
*— II. 10» ist mit Recht die Interpunction nach anteponat 
getadelt, die Schütz abermals von Ernesti beibehalten hat. — 
II. 10. P' 20. bei hujus enim facta, iUius dicta laudantur ist zu 

.hemerken, dafs hio und ilU hier nicht ganz, wie de Sen. 19, 
ihre Rollen vertauschen. Hic geht wirklich auf den zuletzt 
genannten, den Cato; iZ/caufden zwar zuletzt durth istuni 
angedeuteten , aber weit früher genannten, den Sokiates. 

— III, It- p. 27. wird der Unterschied von etiam nunc ^ etianx" 
nz^m und Ä/iam func gut erklart. — III. 12. p, 30. behält Hr, 
G. ad superos videatur deos potius, quam ad inferos perve- 
nisse, viele MSS. und Ausgaben deos weglassen, und ver- 
theidigt es durch zwei Stellen des Horatius, <l^e lür Hie Prosa 
lind fi'jr Cicero'« Sprachgebrauch nichts beweisen ; durch eint» 
des Livius XXXI. Zl* (die abgedruckte Stelle ist aber im 30. 
Capitel, wogegen im 5l. steht: in deos superos inferosque) 
und durch eine des Cicero Top« 23, 90, wo es aber heilst: 
dicitur — una ad superos deos ^ altera ad manes« tertia ad ho* 
mines pertinere. Hier hat Cicero, nachdem er ad superos deos 

- g#»schrieben batte^ wahrscheinlich absichtlich manes und nicht 
inffTos gesetzt^ damit man nicht nothvvendig deos supplir*en 
mtlsse , an welche deOs inferos auch an unserer Stelle nicht zil 
denken ist, aber gedacht wird, vvenn man J^f behält, — — 
S. 3l. ist Plin. III. 5. citirt; es muls aber H. N. dabei stehen. 

' S. 30. ist falsch ritirt Tusc. Qu. I. l3; es muTs I. 12. 27* 
beiiscij. — IV. l3« qui non tuoi büC| tum illud| ut plttrique^ 



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I ■ - • 

p76( Citi^ronif LmUus et Gaid« • 

' «ed 4iC0bat «emper. So schreibt Hr. G. fdr ut in -pUrittluiS^ 

allerdings aus mehreren Handschriften, damit dem weisen So^ 
'.krates keine Incpnätantia augeschriebt^n werde. Wir glauben 
aber 9 das tum hoe p' tum iÜud gebt auf di« bekannte Disputirarc ; 
dea Sokiratea, vermdjge welcher er behauptete dala wir nich^k 
ao gewifs Wülsten ^ dafa aich nicht auch GegengrQhde dafCi^ 
aufiinden Uefseoi da besonders ja nur die Gottheit das Wirk- 
lich Wahre erkenne, der Mensch ea aber in der Erkenntnif^ 
nur bis zui^ Wahrscheinlichen l)ringe. Selbst in derUhsterb» 
licbkeitalehre, wofür ihm die Wahrscheinlichkeil) überwiegend 
acbien « spricht er bekanntlich nicht dogmatisch und positiv* 
Auch hat aich Wyttenb^ch in aeiner Preisscbrift Vett. Philos. 
Sent. de atatu anim, post mbrtcm pag. XL an der hetkdinm* 
liehen Leaart nicht geatofaen, sondern sie mit den Obrigen 
Aeuaaerungen des SokrateSy wie der Zusammenhang s^igt# 
ganz harmonisch gefunden. Dafa aber, daa Veirbum dieebat in 
einigen Handschrihen fehlt in andern einen unsichern Plata 
und Sita bat, kann es verdflchti^ machen« — V. 18* P- 44^ 
ateht seltsam in einer Note: quo — virtus ä — vlrtute -praesteU 
Vi',^jl, p.55. steht im 1 tttt Vßlitudo g befser ist' wobl va- 
letttdo : Grotefend Xjat. Ortbogr. (Gramm. II.) $* '127« 
Zu Vit. 24n p* 59« sagt er, er finde dissaparg nicht.ainter suparo 
(^aoU beiXaen supare)^ welches C. Lidng cittre, in <]t;t Ausg. deä 
Festus von 1593. Kef hat dieae Ausgabe Vor f ich ^ lind SndeV 
«a. allerdings S. CCLXXXI. wo es bei ist : supat (in marg. si:» 
pat) jacit, unde disi»ipatf disjicit i et obsjpat , objiclt, et in- 
aipäty hoc est injicit. — VII. 25. p. 63. Facile id «jtiideift , 
Hvkitp justitiam justissimoeviro defendere. Hier durfte vtaW 
•inmal das Comma nach fuit, das fast all« Ausgabe^ haben, 
Weggestrichen werden, wie Hr. Billerbeck wirklich getbah 
bat. Consequenter (ob wir sie gleich nicht billigen) ist Syl* 
burgs Interpiinctioti: Facile id (^tiidem fuit« justitiam^ juatitf« 
aimo viro, defendere. — VJII. 26* Vimhocquidem est afferfe; 
quid enim refert , qua me roaratiofie COgatia? Wenn Hi'.G. Faö» 
clolati's Grund aur Empfehlung von rogtUioM verwirft, so tbüt 
er Recht. Wenn er es aber aus einem andern Grunde dennodk 
liebäity aotbut e# Ufirecbt. * üatiW ist, wie di^ gewöhnlichste, 
ao die natürlichste Lesart. Der Sinn istS ihr swingt mich « mir 
geschiebt Gewalt. Denn Gewalt ist es,, wenn ich nicht andera 
Jcannj als folgen, .wertle mir Gewalt angt-tban^ aufweiche Weis« 
(raäpnt) es sey (und sollten. eS Huch Bitten seyn). £>ieae 
Glosse, die wir hier beisetzten, ist die lateinische rögatwn^.f 
Welche in vielen M5^. <)as rechte Wort verdrängt bat« 

(D0f BisshU/s Joigi.) 



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N. 62. ; 182a 



• • • • 



Heidelberger 

Jahrbücher der Literatur. 



Ciceronis Laelius et Cato* ; ' ^ 

■ 

S. 65. fehlt in der Stelle ans der Rede pro Ligario dat 
Verbum facies^ ohne das sie keinen Sinn hat. — IX. ^9. p.7l. 
gute Verbesserung: per q[tienn assequatur, quod (juisque de» 
sideret, fflr das gewöhnliche: per quem quisque assequatur^ 
quod desideret, aus Handschriften und alten Ausgaben, — 
Eben so IX. 32. p. 73. At ii (fttr Ab iis), qui pecudum ritu 
ad voluptatem omnia referunt, longe dissentiunt» Ueberseben 
bat Hr. G.' die Hefs'sche Emendation dieser Stelle in dessen 
Obss. critt. in Plutaichi Vitam Timoleontis (8. Frcf. Brönner. 
l8l8.} p. 98. Dieser streicht sumus nach liberalitatem als Glosse 
weg, macht ein Comma nach putamusy behalt a& iis und nimmt 
aus Codd. Palatt. dissontientes für dissentiunt auf. — IX. 32- 
p. 74« propensioresque ad bene meiendum. Hier ist mit KechC 
-promerendum verworfen ; vielleicht ist es aus der angefangenen 
Wiederholung des eben vorhergegangenen propensiores entstan- 
den. Gleich darauf werden Wetzel und Schütz getadelt, weil 
sie mit atque eine neue Periode anfangen. Sie haben aber diese 
Interpunction nicht eingeführt, sondern blos , nach Gruter, 
£rnestiy Verbürg und Andern, stehen lassen. — X. 33. p 77. 
zu nihil difficilius esse — quam amicitiam permanere, wo 
Crnesti perducere haben wollte, hätten wir gesagt: hoc ipsum 
permanere est i. q. perdaci: amicitia enim, quae ad extremum 
vitae perducitur ^ permanet ad t?xtremum vitae. So de Invent^ 
II, 56. 169. difßcile fieri von Siichcn ^ quas cum difficultate ali» 
t^ixis fach* — • X. 34« p. 78. sollte Facciolati'a Erklärung des 
V^ortes nxoriatf durch cupiditate uxorit nicht ungerilgt geblieben 
Sayn. In derselben Anmerkung sind Tuniebi Adversaria falsch 
citirt Xm. 5. Die Stelle ist XIII. 7. Tom. II. p. 8. sq. ed. 
Paris, — Xfl. 42. ut ab amicis in re publica peccantibus non 
discedant. So schreibt Hr. G, , gewöhnlich heifst es : magna 
aJifjua re in rem publicam peccantibut} die ZweibrÜckeCp 

AXX, Jahrg. iO. Heft. - ' 



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I 



y7&/ V. Ckteronlt Litliiir n' 

W^d und Hr. Billf rbeck ; GruM, Verbürg, OUyet t in 
tnagnam aliquftp^fwi ||ec^ai^{ibu«hj Krrt«Hi: in magna ah^ua 
rap«ccantibua, so ai/ch Pacciolati; ScttOU: magna aliqua tn 
re in r?m public peccantibua [durch eihfcn DfMfjkftbly 

<li«te und nocb viel mebrera L«f artin giebt ea Belege in den 
Handschriften, dia hier besonders reich an Virianteo aiad. 
"Wir glauben , wenn e'^as Vier Äne'GToaae bder'£iIsc1iiitv'liO 
ist es publica. Schrieb Cicero magna aliqua in ra p.e^Cäntibua , 
ao konnte sieb an leicht i^om folgenijen Wl>tW)das p .anbänj 
gen ; da hatte man rtp. Und nffn war auch dem Glosairen naid 
Corrigiren Thüre und T^or gedf|iilt^ WÄra Hrm GemliaKto 
Lesart von Cicero, so wäre magnß Mtqam wohl nia» eingescho» 
ben worden. — S. 95* Ut ein falsche^ Gilat Bt'rneg^. ad J«- 
ttin. XIL 8. 12, es mufs XIl. 8. If /Wlfsen, pafst abeM»« 
die Stelle des Cicero gar nicht, weil het dteseiii ^«ifm da* ^ro- 
nomen, bei jenem Partikel ist. — XIII. 44. Treffliche Eipan. 
dation aus einer Handschrift: consilium vetO dara ^e^ wa» 
(f, paudeamu s) libere. — XIV. 50. p. 110. Non eat.enMii in. 
humana virtus, neque immunis neque superba. Nur die veoar« 
eiiistimmung fast aller Handschriften, nicht aber die ttnbawie» 
aenen und unstatthaften Vertheidigungen der Herausgeber, 
bindert uns, immunis mit immanis zu vertauschen, welches recht 

§ut eine Steigerung des vorhergehenden inhumana seyn kOnnttt^ 
as dann von superba in dem Sinne von Iß^KTn^; noch ü|>erli5>t«rt 
würde. Ist immunis von Cicero, so müssen wir freilich.Ätt der 
dem Ciceronischen Sprachgebrauche zuwiderlaufenden ^'™*r* 
rung Schellers (trtq/^cfoja) unsere Zuflucht nehmen, • XY • 
62. nulla stabilis benevolentia potest esse fiduc^a; omnia a«B» 
per suspecta atqne soHicita. Der Gruter'schen Vermutbung, 
als ob potest esse eine Glosse sey, hätten wir nipht so viel Ge- 
hör gegeben, wenn ihr schon Schüta beizustimmen^ Scheint, 
Jene Worte verstärken den Nachdruck, wie Hr. G. mit Recht 
bemerkt; aus ihnen läfst sich auch leicht im Folgenden nach 
tmtpeeta ein sunt herausaieben , ohne dafs man es, obgleich ea 
Handschriften bieten, aufzunehmen braucht. — XV. 63. 
p. 115. wird tum exsulantem se intellexisse gegen Ernestl und 
bchütz gut verlbeidigt, welche tum gegen alle Handschritten 
wegstreichen. Er konnte kurz und deutlich sagen, exsulaTiiem 
nach «III» sey per «'r^'y»}»«' S«"6*; *^»® andern Lesarten seye» 
entweder Glossen (wie: cum exsul esset), oder kommen von 
Mifsverstand und Corrigir^ucbt her. — XVI. 59. streicht Hr. 
G, mit Recht B wischen mmhünm und angi die Worte necwicr art/, 
dia acboAQban Slahan, aiaaf ttaadachrift fol&end« aU blosse 



•V. 



0 



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Hir^g. Etbm tq thtkt n gans richtig und dem iQjiceronlsditl^ 
^pracfa^f Brauck« §ilQii£i iX VII« 60. die X^aaai;! i» tmic'uiis com» 
ptiavfha der andern in eakic«! coniperaodit vocv XVII. 6A» 
qiiM.(potebtiarn) 'efciesffitl vf|^ie<tU fifDicilia cojiMc^ti »Ußt^ 
ün»Mf§ium iri arbitraiHuff quia non sine i|iii;gni cau^a sit nef 
glecta amicitia, Dieae a<divirierigere Laaart nabm Hr. G; fQ^ 
die leichtere, aber weiuger beglaubigte eoecutatum iri auf, wel« 
.'cIm offenbar eine Glosse iroii lener.iat* £r beweist aie aucl^ 
mit aiidern Stellen dea Cicerp» «uod ta^t mitAet$b^, eftieamiMp 
Irl >geh« nicht auf ^booii aonclern auf den ganzen dur<;h ^am^ 
angefangenen Aelativaata; Hart bleibe aber der Anadrocfc 
tuNl dit Conetruction» welebe blarer iirOrdep wenn min 
4er liefert einer Handacbrift «. 0bmnrUaH$ die 2e beramnebn^n^ 
asi'id verwandeln und vor oh^an bioeelaen dürfte. — > .XVII^ 
-«ibtr. p. 1Z9» eut ei inbonia rebua conteonuiity ant.iA:melif 
daaeirut.. Da ^orcbaoa niabu voraoegahtj . wrorf ua na den 
iMideli ,Verbia ein JIceuaatir dea Objeeta ergSnat ynrdw 
Mimtet ao wQrdeil wir faat ratbenf au^ Veriiieidiing dietar 
Hirta nach eoneemiMia aua drei Qandtcbriften nnil^ auiautiab« 
«an« arelabea« nrenn-ee abbrevirt'w^ Cativa.ZB a« '«.Nico* 
lal deSialia Vaterum 65.) t ▼oir ^ leicht ausfallen bonnta» 
XnC 68l .(^ttu* ipie T- aeiiltf est,, qv4 nqn eo» quo 
^tonBmtyitf, libentius utatvn Sp Hast Hr. Q, aos swei Habd» 
aabriftis*. Man begreift ba^oiv wie die bisherigen Herana» 
cehea daa scbleebte* ^^^ai .ia^fq «ovo ertragen konnten. «-^ 
SklX. 70. p. 149. quot patrea multoa aanos essa dozernnfe* 
Da ctinaHandschr. hat permultoif eine essp pe t aimo«t^ aobOnntf 
man Yoraiiblegen multcs per annotf dsniit die vier Accusativa 
nach einander! die von eweierlei Conttructionen herkommen^ 
nicht an^ofsen. So beifst es pro lege Man. 2. provinciam — « 
liJberam per hos annos, wo auch »ölche swei Accusative w2* 
reu» wenn jman per wegstriche; noch anstöfsiger als hier. — 
5. 167. stöfst uns in der Note das im Lateinischen unerhört« 
Mephaestum für P^ulcAnum auf. — XXV. 93. p. l66. Negatqnis? 
»ego ; ait? ajo: postremo imperavi egomet mihi Omnia as* 
aentari. Diese Stelle des Terentius soii stehen Eunuch. If* 
2. 2l; sie steht aber im zweiten Act, — XXV. 93. p« l87. 
quod [amici] genus adbibere, omnino levitatis ist. Hr. G, 
halt amici mit Heclit für unächt; aber er ergänzt; qtiod assen« 
tatorum genus vel Gnathonum ^enus, da doch zu suppliren 
iat4 quod bominum genus ^qualis ille Gnatbo esse fingitur. 
XXVI. 97- p. 192. Quod si in scena, id est in concione, in 
qua rebus fictis et adnnihratis loci plurimum est; hier emen- 
daxen Facciolati^ Schüta^ Lan^e,. Gruler: jiHe mid Uqr<;<;bt, 

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960 ttMroaii LmUoi «i Ctt9* 

Hr. G« erklart den. Aliidmck £llr BrevÜof^ens , statt; ^uod si 
in Seen«, id est in concionifitcenay Ond beweist et durch swisi 
Stellen «is Qictro selbst gans g«nttg€rnd; . Wir wAMckten 
übrigens, es fSnde sich irgendwo : U\ ista scena. S. 193. wird 
■citirt Cic. de Legg« I. i6. 49. Diec^tvUe ist aber im A9* Cn« 
»itel; ^ S. 264i 9t€ht im 8Weit«n Excnra: Particula ei minuf 
fireqtt«nt eat, ut non aptissimum jungendat res dissimiles, et %d 
tiMornndum oppoaitiopit' yim jUi den Add, et Gorr. beifal ea ^ . 
wir tolien verbeaaern 't^^riman und inJ^eandam* £a aoll aber . 
doeb wobl mpthilmß ad beif$en f • — Docb wir brechen ab , und 
übergeben namentlich eine grofse Menge- glücklicher V«rtb.aif» 
digungen der baiidacbrtfrlf<men Leaarten.» grammatlachec und 
erklSrender Ben»erlc;ur>geii, aiich die beiden Excurae, L 
^ formula a§qkmsfu9mt H buio almilibuat ^I* De foraula' nmch 
tm wA bmtd seh über welche beiden -GAgefiaHnde ai€h Hiw 
auch acbon in awei Programmen '(Gsmaentatt. Gratnai. IIL 
und IIb) und. ober die letztere Formel In Seebiide'a Arafaiv« fi 
Pbilol. und Pftdag« .1. !• x. ausgesprochen bat. Zu. empfefalea 
brauchen wir daa Buch nicht; nur den Wunacb wollen wir 
auaaprechen , deal Hrn* G. noch recht öft auf 4ieatin Gebi«t» 
SU begegnen» . .. * 

Kflraer mflaaan un^'kdnnen wir uns bei den beiden 
Urbeckachen Ausgaben faaaen, welche ihr Publicum, nicht 
den Philologen un4 'den tie£m Kennern und 'Foracbern d^w 
. r5iai€chen jLiteratur aucben f aortdern in Schulen und uotei^ 
den Studirenden. ' Die erate-Hälfte des vorigen Jahrhunderts 
Uberachwemmte unsere Schulen mit deutschbenoteten (man 
▼eraeihe uns diesen Ausdruck) Klassikern, und die Koryphäen 
dieses Unwesens waren die nun selig entschlafenen Herren 
£manu«lSincerua .undderSospitator desHoratius, Gotrscbting, • 
Die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wand mit 
MQbe jene Producte den Schülern aus den Händen, und Nie* 
mand wollte mehr von deutschen Noten hören und wissen. 
Oa brachte das neunzehnte Jahrhundert die deutschen Anmer- 
kungen wieder zu Ehren , nachdem schon noch im achtzehnten 
Wieland und Wolf gezeigt hatten, dafs nicht deutsche Anrner«» 
kungen, sondern schlechte deutsche Anmerkungen unbe- 
dingte Verachtung und Verwerfung verdienen. Seitdem ha- 
ben wir achtungswerthe und geachtete Ausgaben jener Art 
von Bremi , Heindorf, Held, Schmieder, Möbius, Herzog 
tind einigen Andern, und an diese will sich nun Hr. B. an«* 
reihen. Er halte gute und schlechte Muster vor sich, und 
strebte sich den guten anzuschliefsen ; und allerdings gehört 
t»r SU den bessern 9 ohne iadessen H^iadorfs und Heids V<m:« 

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Gltimli Quo •! IiMliDt« 9tt 

** • • • 

<Qge und fruchtbare Kür^e zu erreichen. Ein Hauptmansel 
«einer beiden Ausgaben ist der Ueberflufs. Er giebt au riejet 
und zuviel. Zu vieles , denn er erklärt Dinge, die ein 
angehender Leser des Cicero entweder schon weiis , oder in 
jedem Wörterbuch auf der Stelle findet. Belege davon giebt 
jede Seite. So schlagen wir z.B. de Amicitia XIII. 47. p. 59, 
zufällig auf. Hier werden erklärt die Ausdrücke : species, 
blanduSy inultis locis, consentaneum est, deponere, bonitas, 
malitia , temperantia , libido, res injustae, imbecillis. Zu 
yiel giebt er; das beifst, seine Sacherklärungen und die al« 
lerdings nötbigen historischen Erörterungen sind zu weitläuf« 
tig , und geben so viel, dals der Lehrer, will er nicht unge- 
hörige Abschweifungen machen , wenig oder nichts n^ehr hin- 
tuzusetzen hat. Stünde nicht auf dem Titelblatte zum Ge« 
brauch für Schulen, so würde Ref. glauben, Hr, B. habe 
diese beiden Ausgaben zum Trivatstudium für Schüler be« 
ttinnmt, wozu sie sich allerdings sehr eignen; nur möchta 
auch so Mancher hei Erklärung von gar zu leichten Dingen 
denken, Hr. B. müsse ihn für sthr unwissend halten, dafs er 
ihm z. B. sage, mulitia heifse Bosheit, malics* Diesea Zu« 
viel abgerechnet, welches sich bei einer zweiten abgekürzten 
und dadurch verbesserten Ausgabe ohne grolse Mühe weg« 
achneiden läfst, finden wir beide Ausgaben gut, die Erklli« 
rungen meistens richtig; auf Reinheit des Textes und des 
Druckes überhaupt, auf aicht-ige, nicht überladene, Inter« 
punction ist viel Sorgfair verwendet. Fatal ist nur, dafs die 
£ür unäcbt erklärten Wörteir fast darcbaut mit Parenthesen« 
Seichen statt mit Klammern eingeschloaaen sind. ZudenGern^ 
bardschen Ausgaben des Cato major 'und Lälius stehen Hro« 
£iJierbecks Ausgaben in folgendem Verbältnifs-^ Im CatO IBM 
jor folgt Hr. B. in Kritik und Erklflrang faat durchaus, und 
fast mehr f ala aicb mit blofser Benutzung und .^«ilbautäadig,«* 
keit vertragen wilif dem. Gernhardscben Commentar, den elf 
offcaofahrt, oft aber auch, wp er ihn benutzt and'bloa Ober« 
aetzt oder die Citate vonHhm borgt, nicht nennt« ImLäHua. 
bleibt er aelbatatttndigert giebt mehr Eigenere , weicht viel öf« 
f«r (manchmal auch, wo man Gernhards Ansicht TOrsieheit 
mtiiay vom Gernbardac.hen Texte und dessen Erklärung ah« 
Er citirt.aucb im Läliu« Gernhard nicht aelten , oft aber nimmt 
er deaaen NQten wörtlich auf (fiberaetzt oder lateinlecb>, obna 
die Quelle bil nennen« Eigen lind fbm mebrcra «atymologi« 
ache Andeutungen und Vergleichungen griecbiacber AaidrQcka 
zur^förderung gründlidieren Verttftndniaaai der lateinit^iit ' 
H4nwaisuogen piuf Grotefenda ^ Gtfämmiitik t "Nachw^ifttüf 



von Real» und Verbalparaltelatellün , obgleich er die meiaten' 
•einen VorgSngern zu danken bat 9 die Sehr ausfQhriichen hi- 
atorischen Anmerkungen 9 endlich die Vtrtheilung derausfübr* 
lil(;hen Inhaluarrzeige der Wetzelschen Ausgabe über die ein> 
zelnon Abschnitte. An diese einzelnen Bemerkungen knflpfen 
wir noch. eine Reibe einzelner, die zum Theil bei einer künf« 
tij^en Auflage zu beriVcksichtig-^n seyn möchten, 

Lael. 1. 2. 'Vt^ird die Bemerkung zurückzunehmen seyti, 
dafs bei Quum saeps muUa das multa sich auf memini bezieben 
könne. Das Bessere steht ja schon daneben. I. 3. wäre die 
Bemerkung nothwendig, dafs at/miraao für das von Cicero nur 
einmal (de Divin. II. 22.) gebrauchte miratio stehe. — I. 4» 
müfs die Bemeikung über praeter ceteros bestimmter gefafst 
werden. — I. 5. recht gute Bemerkung über cujus tota eic. — 
II. 6. Bei der Stelle Te autem alio quodam modo elc. möcht« 
es wohl gerathen seyn, statt der Conjecturen sich an Gern« 
bards Ansicht und Schreihung zu halten; auch weiter oben 
dbs fast von aller Autorität entblöfi^te multaque mit Multa zu 
vertauschen — II, 7, S. 12. wird Cic. de Divin. I. citirt: 
setze hinzu 90. — - H« 9* Iv* i>t sehr neumodisch in« 
Idrpungirt: Quomodo — mortem Elii tulitl? Dergleichea 
Dinge sollte niaii rtj^ht in die lUassiker sich eindrSngen lasaeo. 
In der Note eu diesen Worten setzt Hr. B. ein Fragezeichen^ 
dä docb «in Ausrufun^szeichen stehen mufs. Eheud. S, 15» 
passen zu sie haheioi* di« Stellen, wo habes und hahetis steht, 
nicht recht. Diese gehen auf das Voiuergehende, jent gebt 
auf das KQiiftige. — III. 10. werden die Worte moveor or» 
hitis durch zwei lateinische Redensarten erklärt, dl« wsder 
gut, noch rieutlich sind. — IV. 15 S. 24- steht l^ei *«ra *ur 
£rkifirung «^ai «tatt «ST^. Dat. S« 25* beifst et, Arittoteles 
•acet (tiXia t9Tt uia Um} «v duoi» asiiäa^nh Da würde Aristoteles 




d^n substantivischen Gebrauch von Joctus und die dabei zu bc* 
obscbtenda Voriisbt für den ScbOler bmaeckt seyn. V. 19* 
p.'S9* s<She'iDt.uiis'dsr Gfund, daCs aequiew Bchon in der Ubmra" 
lltaf begriffsn scyy und dafs deir Numerus bierf wie im fol« 
gcmdsriCdmmsi nur drei Nomina zulasset nicbt biasureicbra^ 
jeAes Wort« das alls^ Handscbriftsu bab'en (oder mtqmttUmM^^ 
fOf KnScbt«u »rkllreR« Man sebe nur Gernbard. ^ VI^ SO* 
bahd stiio an w nädi q^uid(£uam melius bomini sit dalam« 
60 scbreibt ffr. ;B. , de» gewdbnÜcbcn Regelfi «u Fo^ge, smt 
gegen dl^ HttndKbrKten-nid Alten Ausgaben t die .tntirvdnr 



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' Clccronli Laellni et Q^to, 985^ 

quiäquam («o die moislen) oder nihil aWein babfn. Hier #ffnicb- 
ten wir, dai's sieb Hr. B. durch GernbaH« IrefFlicheti £xctM^^ 
und dessen Note hätte Überzeugen lassen, dafs nihil nicht nd« 
thig sey. Eben so müssen wir wünschen , daft »ich Hr. B» 
Vli 23> p- 34> durch G. hätte überzeugen lassen« dafs idnarn 
spem pra»luc0t (die I^esart der meistf^n und besten Handscfafif* 
ten) nicht ^g«*gfn die Latinität und den richtigen Verstand 
«ondern ohne Zweifel das Rechte sey; obgleich auch Zümpt 
in der neuesten (fünften) Ausgabe seiner Grammatik sich noch 
auf die Ernestische Seite neigt, und für nihil noch die AuctQ*. 
lität einer Berliner Handschrift beibringt , jedocb g^stehtf 
dafs zwei andere ebendaselbst für {juidquam sprechen. — • VII, 
25* p* 37, finden wir es st-Itsam, dafs von einem f^bticht» 
lieh begangenen Ged ü c h t n i fsfebler die Hede ist. — VHF. 
26. p. 30. ut dandis recipiendisque meritis. Hier ist |(eino 
IVückiicbt auf Gernbards trfffliche V^rtbetdiguh^ d«r Lesart 
mt indanäU genommen. — VlUI. 3l. p. 43. eben to war bei 
jmI aitfura propenit nicbt nöthig, g^g^" {^^le Handschriften qula 
«inzuscbiebrn I» wenn Hr. B, Gernbards Anmerkung berflckv 
«icbtigte^ Auf dersvlben Seit« ftebt fa|tcb Euikuräer. 
XH. 4t. p» 62. qao^a# modo potuimu*^ ist wob! bloa Pruck- 
Ifebler für quoauo m. p. — XH. 42. p. 56. tiebt inan nicbt 
atf Warum Ur« B. allen H.andacbrifteil «um Trotz in $xilim 
fniif Iii aufnimmt, da itk ^Mvm 9iitful^ ^ pb es gleich feiten vor» 
kommt , gar nicbt ta Verwerfen ist. ~ Xi|l* 45- quod lUr 
tibn persequantiir argutiU» So steht im Te^t» A"* Note 
•«ben^* wir, dafa Hr. ß« «r^iiiisf geben wollte; welcbe« wir^in« 
dessen dtfr voll G. aufgenommenen Leaart ^rg^tHt nicbt vor« 
sieben kdnnen« XIII. 4^. p. ^9* ftaf ue Videat jrebna] |n« 
juatiijuatos maxime dolere, imbecillibus forM^ ^agitJoaU mO« 
«leatos. So giebt Hr. B.; Gertibard nliiimt Ini^tßmi nua einf« 
'gen liandscbi.iften auf , wat una better gefällt | und, 
tn den Add. tagt, Von Beier äd Cic. de Uff. II. 8* 2^. f. 61* 
gebilligt wird, ^§h\tM aber lar auf jeden Patl ^tOrendt und 
wir finden ea mit Hm. II. TerdlcbtSg / ufi4 rfhuim^WUms p(icb 
£itaUr , ilt r#M imWmSii/. ^ ^ilL 46. p. 9$. h^t O. daf 
Wort ftWi ricbtUer, alt Wviael, arUlIri; Mhd io^h hMlt 
Tlr. B. die Wetaeracbe CikUrung. ~ %VI^ 95. v. $7. ^«f 
iiht iYi amidtia finea et cpatl terminf ^d0lßgBfu^^ ' Vitf ^|r4 
aber malt dt^ Weit heitere Ijetart ^Ui^Mdi rU ^änändi^^ äl^ 
fipcb dasM^fatt alle I^SS, fär aich hat , rtrtcbmUbt. Dal (laUtt 
df^Selbattfeftndigkeit SU weit treiben} 'Citate; wie jfy . 
e'elhen Seite 'Goer e'iis 'aii 'A'cad. 9 belfen m^btt. ' TTOC* 
^9- p. 8i« <a^pe tmm e^c^llentlae quaedam iunf. ' Bier wtt«^ 



/ 

f 



^ Ciwi^ ZmUm «t Ctt», 

t • ' ' 

ißiimn ticbf #pw«U«iiiift.4tt'€VH«crHclil:«iteii,vExc«N 
l^^iiien flbarteCit sii4«li0ii. XX. 73, 'P*,B5« Non'e^a tu 
potfis, quamvit escellai. Hier bat Hr. B.^ wi« jnajn aoa dar 
f^t« üelit» wideir Willan U^t auagelaf «^i;.« denn aa lieiXat s 
quam -via Uoh eKCeHas , wUtaachG« gtebt.- Hr. B. drackl^ %mA 
ahar nicht richtig aus» wann er sa^t, dar Gonjunrtir bingo 
vpo lim ab, Dar Gonjunctiv itt dar Mpdua concaaslvua, und 
mula alahan , ipan maE itc««» daain aajchan^ FitUan gleichaaai 
pprantbatiach iileb(, aaau aaU«n , «dar nicht. — XXL 77« 
p. 9l, aind dia Wprta in mjmiMm ascbt gut erklirt durch dm 
r^puhUcAy nonprivata: aa mttfa <i« ra pMica^ non (re) privata 
beifsen. ~ XXV. 95- p. i07. wird der Schüler angewiesen, 
popularis durch Windbaate]| Windfang, Volkajäger 
aa übersetzen. Sollte es denn keine edlere und passendera 
Autdrücke geben ? 

Auch zum Qato major des Hrn. Billerbeck lassen wir 
hf er einige y meist berichtigende, Bemerkungen folgen]^ von 
welchem wir im Allgemeinen schon gesagt haben , dafs er sich 
fast ganz an die Gernbardsche Ausgabe halte. Wenn Hr. B. 
hier in der kleinen Vorrede sagt, er habe, wo es Noth 
thue, kurze deutsche Anmerkungen gemacht, so mufs man 
dies nicht so genau nehmen ; denn er hat oft auch hier Noten 
gegeben, wo es nicht Noth thut. Oder mufs man einem ao« 
gebenden Leser des Cicero noch erklären, was ConsuUterum 
u. dgl. heifst ? Doch, dünkt uns, steht hier bei weitem we» 
niger Ueberflüsgiges , als im Laelius. Zu III. 8. p. 7. be- 
merken wir, dafs die Erklärung der VVorf:e si ego Seriphius essem 
gut, die Uebersetzung aber bombastisch ist. — IV^. 10. p. 9. 
jion enim rumores ponehat ante sahuem schreibt Hr. B. mit 
G. Aber das ist kein Hexameter. Besser Beier ad Cicer. da 
Otf, I. 24' und der neueste Herausgeber des Ennius: Non hie 
ponehat rumorifs ante salutem. — VI. 16. p. 16. giebt er mit 
Lambin : antehac, dementes sese flexere via'i« wo Gernbard 
mit Ernesti das letzte Wort gar ausläfsL,^ Besser der neuest« 
Herausgeber des Ennius: viaa. — VI. 20. konnte för Prove« 
bebantur ad res novi, stulti adolescentuli , wie auch G. hat^ 
das handschriftliche und metrisch richtige: proventabant oratores 
novi (dieses Wort einsylhig zu lesen), stulti adolescentuli ge- 
nommen werden. — Vit. 24. p- 22. serit arbores , ^uaa altcci 
aaeculo protint: das aind Creticif und so au leaan ; 

— — — — eerit 

arbores^ quaealteri sae'culo prdsient. 
Vill« 25« p. 23* Aedepol, jfsenectus si nihil quidquaoi aliud 
«itO. Diaaar Vera i$t «u. achraibaa; ,Ae4epol9 aaoectiit fi ail 



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t ■ 

quidquam ällud viti. — - IX. 27. p« 52« steht su nam wo di« 
Erklärung: non tara lacerti tui, quatn tu ipse ibortuus es. 
Das ist wörtlich aus Gernbard. Diese Paraphrase aher geht 
das Wort isti vorzüglich an. Bei tim h^tte lieber die be* 
theuemde Kraft beiuerkt virerden sollen« — X. 3l. p« 27* ^t- 
detisrtß. Hier soll Gdrenz'mlt Ernesti vid^tu wollen* Dat 
beUst etwas ÜOchttg die Gernhardsche Note excerpirt. 6. er« 
ftftblt blos , Görenz emendire Acad. II. l8. 67. vid»t für v'idesn§. 
~ XI. 56* p* 32« diligentia compensanda sunt» Hier beifat 
Lange lese compescenda vtl corrigenda» Aber SO liest weder 
Lange, noch irgend jemand. £r lieat eomp§t99ndap die £d« 
Aac« 1520 aber hat corrigenda, S. 40. SU $. 45* atebt Sto^wroi 
fttr 5<a<7aJrar. — XIV. 46. p 42. sollen poott/a r0r0itf i« acha u- 
^laend^ Becher heifsen« Die nachher aufgenommene Erklä« 
rung Facciolati'a iat beiser. — XVI. 56. p. 62. baudacio, an 
mUU haatior eaae possit. Hier bat G. nach Erneati und Schüts 
nulla ^9 f^^htn , obgleich die MSS. fast durchaus al/a bahen^ 
und «ine aebr gelehrte Anmerkung bei^eFCigt. Dieser folet 
»an Hr. B»9 und hat nicht bamerkt^ daia Gernhard aum Lael* 
260* dieae Emendation aurflck^ehomaen und aeine in jener 
Note ausgesprocbane' Ansicht berichtigt bat» wonach a//« ste- 
hen bleiben mufa« — XVIII, 66. p. 63. Poteat enim ijaid* 
quam esse abaurdiua, quam, quo minus *viaa fttat^ eo pliua 
viatici quaerere? XIX. Quarta [rafratl cauaaaf quae maxi me 
.nngera — noaträm aetatem yidetnr. So schreibt Hr. B. und 
arflärt also daa>swatte r§ttai fQr «ine Gloase. lUstat soll wee- 
^•atricb«n werden« weil ea eben vorhergegangen sey (aber da 
war ea in anderer Verbindung) » weil ea in den beidan Godd, 
Maaut. fthfe (dkohiu , aast Gernhard.. Manutiai hatte viel« . 
Co4d ; gleich daneben atebt § drei Codd. Mannt, haben r$ststf 
und kurs vorher apricht 0. von' neun Coddf, Manut. Allein 
bitten ea auth alle Codd. dea M^nutiua nicht, ea dflrfta.docli 
nicht fehlen) , weil Cicero daa Verbum anbatantivam gern weg» 
laaae (ist denn re^raedaaVerbumiubstantivum? Ja wann aalbat 
#«s hier atflnde, dflrfta aa nicht fahlen « weil ea auf daa nutf su 
«agende^ nicht auf etwaa achbn geaagtea geht), oder man aoil 
#e9iilrHf oder tmp§r0tt fOr rettai aetaen (Binde aicb eint'oder daa 
andere in Handachriften , so wSren es ofiFenbare Glossen von 
r0stat)t oder endlich , man soll rettat nach via# wegstretchan 
(das wäre noch das Allerschlimmste , was man tbun kOnntajL 
Dies ist ein auffallendes B&ispiel ron durchaus verunglClcktar 
Kritik f dergleichen sich aber nicht mehrere in diesen Ausgap 
ben finden möchten. — XIX. 67. p. 64. Quod illud est crimen 




986 Cioeronis Ladlns tt Calö* 

intinui. ^'Sp Hr. B. mit imd ei ist nicht «u iBugnen , dttfi. 
das ftw.eimalige ülad anitöfiig iat, und «ntweda r autgcstrii^heQ 
odar verbetfart warben muft. Aber ea bot' aicb. aine leicht« 
'Varbaaaerung an.' Acht Handacbriftan haben Uf eine idmmit' 
Nimmt man tMt» «ind auch jene acht Handacbriften nicht 
dagegen«, de iet die Abbreviatur von utem tat. — XXL 7^. de 
morte-';^ quod ab >o propiua abtum. So ateht bei 6« durch 
. efneir wuckfebler» wie man aua.der Anmerkung sieht*' Hr. B, 
• nimait^ea'aufy weil ea nach dem Sinne conatriiirt aey« und Ci* 
' cerb. den in m^ria verateckteo aterEaedi .aicb' gedacht habe',* 
auch die meiaten Codd. 00 leaeA (aeltaamer Auädruck : die 
Codd* leaen; ao afgen aber auch die 6«iiern Lateiner oft; 
codex mena legW)' Aber G« sagt nur 9 vi.eibaebn haben 909 
und Ififat dieae viersehn mit Recht nichta gelten ; aach mufa' 
aaif nicht ohne Noth eine Sfneaia annehmen » beaondera eine 
aolche. <— .XX. 73« Solbnjs quidem aapientia e/o^ium eat, £|e* 
gium sagt Hr« B. mit G. i. e. dUtum» Den Beweis , dala elo^tm' 
aoviel ääAuaapruch a«y, bleiben beide achuldig, G. aagt' 
•war in den Addendis S. 3 16: Ehgium est quaelibdt brevior' 
commendatio, h. 1. tanquam mortui ad superstites amicos , ut 
apudSueton« in vita Horatii elogium appellatur (llud Maecena«' 
tti ad Augustum : Horatii Flacci^ ut meif esto metnor» Allein 
erstlich beweist dieser Gebrauch für den Ciöero nichts; swei* 
tens iat bei diesem elogium so viel als titulus ^ inscriptio fwaa 
sonst noch, s. bei Ernrsti Clav. Cic.) ; drittens ist die Stelle' 
aus den elegischen Gedichten des Solon , und weder Grab«' 
Schrift, noch Aufschrift irgendwo, noch eine brevior commen* 
tatio, tanq^uam mortui ad superstites amicos. £s spricht ei 
der Lebende zu den JL«benden : 

iiroifJLi 5avuj'v akysa xa« oTova-^xt;* 
oder nach Cicero's üebeiset*ung Tuscc. I. 49. 117. 

Mors mea ne careat lacrumis: linq^uamus atnicis 
Maerorem; ut celebrent funera cum gemitu. 
Dort nennt es Cicero Solonis oratio i das steht für dictum. End. 
lieh hat Theodor Gasa: XoAcmvo? 3« roj <to^oZ iXtytlüy itfriv Die- 
sen Istxten Grund würden wir indessen ohne die andern nicht 
au stark negiren, weil erstlich dieser griechische Uebersetzer 
überhaupt an vielen Stellen falsch gelesen oder das jLateini* 
sehe falsch verstanden hat, er auch nameiitlich im siebzehnten 
Capitel , wo ganz richtig vom Atilius Colatinus steht : in quem 
illud elogium unicum: Plurimae etc,, elogium auch durch «ArycTov 
gegeben und einen elegischen Vers daraus gemacht hat. Al- 

Allea zuaammangeiiommcn glaubeA vrir ^ijt F. JL. Bech«r 



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> 



ZniBjpf ItlebiNlw'ÖftBiiBMne«* 997 

ia Miaan Obiit« crttt. pag. 49» wi« tebota Ai^iak«' Virmiltliet«, 

irtKl «in J«limr'Aee«nienr 1^20. 151. will, daift 

Ivten mQu«, «-» XXI. 79. p. 76. Haec Plato noatar. So Haat' 

Uf. B. mit G. '.nach ]l*ambin, Gräviui , Ernetti und 8cbütt« 
Und w«r mufa diaae Worte dam Cicaro nicht angemefsen fio* ' 
dm, der den Flato so liebte, und so gerne PUto noster aa^ta? 
Aber dies iat nur Lesart zweier oder dreier Handscliriiten, 
und fast alle haben Haac Piatonis f er e. Mufs aber dii^«r nicht 
dem Cicero recht passend scheinen , der an dieser St«lia« wia 
an mehrern andern (man vergleiche nur Tusc. I. 4l* beson- 
ders de rep. I. 43.) den Plato nichts weniger als wörtlich 9 
aondern sehr fiei übersetzt hat? — Zum Schlüsse bemerken 
wir noch 9 dals Hr. B. oft sagt, man soll so oder so nicht le- 
aen , ohne anzugehen , ob denn irgend jemand so liest , oder 
ob er blos warnen will. Dies sollte genauer angegeben seyn: 
und Raum genug wäre dafür zu gewinnen, wenn, was wir 
oben zu vieles und zu viel genannt haben , wegfiele. Dir 
Druck ist gut und grofstentheils correct^ und diese Ausgaben 
verdienen, unserer Ausstellungen ungeachtet, auch wegen 
ihres geringen Preises, Studirenden empfohlen zu werden, 
£ine zweite Auflage wird sie, davon aind wir ttbarsaugt , ,ia • 
aebr vervollkommneter Gestalt liefern. 

Zum Schlüsse dieser Anzeige bemerken wir noch , dals Hr. 
Dir. Gernhard seine trefflichen Comment»tiones gram- 
inaticas fortgesetzt hat; dafs die vierte (lS24) de vi et usu 
conjunctivi apud Latinos, die fünfte (1825) de supino et ge- 
rundio verborum apud Latinos (4. Vimar, 20 und 17 Seiten) 
bandelt. Wir würden ihnen gerne eine ausführlichere Anzeige 
und Beurtheilung widmen , wenn der der Einrichtung dieser « 
Jahrbücher ^emäfs noth wendig beschränkte Raum, welcher 
der Philologe offen bleibt^ uns ,nicht BescbrAnkung geböte. 
£a aey genug« auf diese interessanten und acbÖnanAlibaAdliui* 
f/tn %v£a9tk$9m gamacbt au baban. 



Nachtrag zu der Recension der fünften Auflage von Zumpts latei^ 
nischer Grammatik im ^gutthejt der . ÜMidslbirgw Mß^ 
hUehtr 

V 

I 

Zufälliger Weise sind Ton der Anzeige dea gananntati 
Werkes folgende Bemerkungen aurückgeblieben , die vielleicbt 
dem Verf., sa irta denen, frakbe seine Grammatik gabvau« 
cbaU f nicbt giDft ttMPilUuMilawii akid« ^ miaebaa'ao ivantgf 



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03ft> Zanpi UitfyUäi» QtnamMtiku 

wie die frfihern, auf Neuheit Anspruch, haben aber dem Afi£' 
bei dem Gebraudie dea VY^rke/i ala ZuäAUa Süi 4«Q Lirot n- 
dan AöUig gtac^ienao. . 

§. 681. Zu dan angefilhrtentSfcellati ^ wo dai Subataiitl* 
vum verbale den Caaua dea Varbi hat, ron dem ea herstamme, 

kann'man auch nehmen' ILiiv« 83^ 46» 5. Spolia hostinm Mar«' 
cell US , Vnlcano votum^ cr«mavit. — Ibid. Oer Dativ bei Uga*' 
tusy praefectus Steht allerdings statt des Genitivs, weil diesd- 
Substantive ursprünglich Farticipien sind, und deshalb beide 
Constructionen annehmen. Aber dies ist auch übergetragen 
worden auf tribunuSf und so iindet sich bei Cic. de Republ. VI. ' 
9. (Somn. Scip. i.) M' Manilio Cotuuli ad (£uartam legionem 
iribunus, 

§. 684* Hier kann bei bellum regium oder sociale bemerkt 
werden , dafs bei bellum besonders der Name der Nation, ge» 
gen Welche der Krieg geführt wird , im Adj. gentil, beigesetet 
au werden pfl ge : bellum Cimbricum, Funicum, GalXicum-^« 
oder wer tonst Feind ist, £. bellum aervila, 

§. 692. Warnung, ^eastfeady.jegeeejieier« mÜh und mittles 
d^if man nicht zur unbeatimmten. Angabe einer grofaen Zahl 
gebrancban a) bei erhabenen GegenstAnden, «• fi^ fdivinae noi 
provid4N»tiaa sesDceni» baneficia debamus; b) wo die Aniah'« 
ao g r oft aia auch aey, doch nicht ao hoch ateigen kann, ab 
jao^ Zahlen im eigentlichen Sinn bedeuten, a. B. Graeci at. 
Homani mll/e (sexreittos) colebant deos; c) wo jena Zahlen ▼ial 
Btt wenig sagen würden 9 a* B. caelo aereno Mjsceitf«# fulgent 
•t^llae' ; sesseeiit« (milU) arenae arana aunt in Uttoro maris ; müh 
pl^viae guttae per totan caciderünt noctem; sgxeenH^s «olenC 
hqminea tpiritum duccre« . ^ 

§. 694» Hier ist zu bemerken ^ dafs* oft ein mit dem Sin- 
gular angefangener SatB in den Plural übergeht und umgekehrt. 
6. Cic. ad Fam. II. Ii. Totum negotium non est dignum vi« 
xrbut nostritf ^ui majora onera in re publica sustinere et pot* 
sim^ldehtmnu Ad Att. IV. 1. Fridie Non. Sext. Dyrrhachio 
tum prrfitfihUf ipso illo die, quo le^ est lata de nobis. — Hier 
aollte auch citirt^'seyn £utrop. VIII. 15. statt 7; wiewohl die 
letatera Zahl nach den grofaen Capitein in der Gruneracben 
Auagabe riditig ist. 

$.519. Zu dieaem $. wird kflnftig Gernbarda bcura su 
Cic* de Amictt» p* 238 s^^I- berfidkatchtigen seyn. 

716. In dem Beispiel baeccine — puttu? "pr onus existh • 
am« ist zwar das ](ichtig. dals ea der Form der Frage i^ach 



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^Zampt UtdolMlM GfamBMtik, 9%9 

hierber paftty^ das im Firig«iats enthaltene Verbum ia 

der Antwort gewistormarsen wiederholt wird. Abar d«ff 
•Sinn d«a •fit^ortanden mttimo ist nicht gans der des fragen« 
den. |NK«f f wie man ausHrn. 2 umpts Worten schHefiaii jLd»n(t« 
£• aajgt mehr aU dieses. ^ Ebend. filoTse Bejabung mit v^rof 
a. bei Cic. de Legg. I. 24. extr. Tusc« II« iU .da Aap« JU 
37« I« 43« Terent. Adelpb. III« 4« t3. 

$• 721« Haud acio an hat Lmua nicht nur an ainar 
Stella. £« ataht Ifit 60. und IS« 15« — Gegen daa £nda daa' 
f, neigt aieb Hr. 2. aof dia firnaatiseha Seita bei Gio. da Am. 
6f 20 1 wo er fttr haud acto an quidquam gerna oa hikU haba* 
wit!» und aa auch «na a in^ani ^Hioer Godax aitfOhrt« wobai . 
ar jadocb gesteht , dafa iwai andern 'Qodd. quidqu^ haban« - 
Hier genllgt uns -doch' bishar dar Garnhardacha £xcura .sü diia» 
aar Stalla am maiitan^ w^(Ob#r annioiint ^ daft iwar, wenil 
rem^int Warden- aoU^ auf •Anad seib an meistana nuHuSf aama; 
ttthU, imntfuam tthhn » * abar auch ^ie in negativen Sitsen atahan^ 

danv/Zoiy quislittßm^ quicquam^ unquäm; aller natdrlich'nioht dio' 
af&rmativetl Wörter iUiquU^ quispiam, quidpiam^ aliquando, £inf 

neue Erörterung bieröber s. im päd. philo!. Lit.Blatt ^nr 
Schnkeitung i826. H. 37. i'Oriscben A. Mattbia und G. 
Bxr«9 welcher vier Programme Von Dr. Mich. 'Weber» 
Frof. der Theo], in Halle, anführt , xinter dem Titel: Symhola 
II. ad Grammaticam Latinam. De formularnm Nescioah , Haud 
acio an, Duhito an| vero usu. 4* Halis, typis Scbimmelpfen« ^ 
Jliagianis. l626. 

§. 726. Ueber dies soll nach ÖfFentlichen Blättern im ■ 
Herbst 1825. ein Gymnasialprogramm des Directors am Gym- 
nasium zuLyck, Dr. J. S, Rosen hayn, erschienen seyn, 
unter dem Titel : De particula non modo pro non modo non posita , 
47 S. in Folio, wovon die grammatische Abhandlung 17 Sei- 
ten ausmacht, und der Gebrauch dieser Formal untai: drei • 
Glaaaen gebracht wird. 

§. 733. Ferner ist su warnen, dafs der Anfftnger nicbt^ 
wie im Deutschen so häufig fi^acbiehtf swei, Präpositionen 
auf einander folgen lasse; s.B. aus der von dir auBg.a* 
aprjo ebenen Ansicht erkenne ich: ex a te protata ken« 
tantia inteUigo« Natü^ich die aeltsaifa'en Formeln iu mit» dUm 
und ßx ant0 dwn ausgenommen. S; 850. 

§ 737. konnte bemerkt werden , dd[s siquis y siquaf siquid 
in einem Satze, wo der Sprechende von sich selbst spricht 
(si quid in me est ingenii) , Ausdruck der Bescheidenheit ist; 
wogegen es beleidigend is(| diesen Ausdruck gegen einen ' 



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999 jftmi» \i)irntiilit 1 QmBmMü 

.«weiten o44t dritten su gebraucbtin. (si quid« in (in ü«) » 

§ t38. Zirtn Schlusare 'deif &. wClrden wi^ aafftbttfn : C. 
Ij. Roth C. C, Taciti SynÖnydni et per figurM 2v dia aw4» 
•4icta. 8. ^oriaU 1626. *" ' 

§• 744* Auch |n«rf«r 'fiodiei; tidi. tut $Q ifltcInooU Ti* 
tnit. H«attt, 1. 1. 7« sq*. ' 4' ' ' 

§. 757. Hiirr roüfste erinnert werden, dafs der schein* 
}>are Pleonasmus des et nach muUi, wenn noch ein Adjectivuni 
folge y eiq Gräcisinus sey, wie vokkd Kai dyctBd. S. Matthiä 
griecb. Grammatik 444* 4*9 oder| #t flehe für das b«i den 
Neuern so beliebte et quidam^ d,\..uqu9. Z.B. Cic« d« JLe^, 
agi:» 2)2. (welches Beispiel Ht. Z» «nf'&brt) nutltae #t gravfi 
cogitationes steht für roultaf #a efg* graves c. Fectttr in der 
uiiAiilit^n de Haruap, rcf{tfMi«. 28* .62> •umr;-^ iquUU 

i9«ti|<niditque r«bua i»«» aqm.miiltif Mibiis.ütqve metucndis* 

758« koimte kurA bemerkt werden/ dafa min das Qaoi 
9gQ ** I keine ElUpae^ aondern eiioe^Aposiopese nenne. * 

§. V64. In der Stelle Cic. de N. D. I. 22. 60. deUheranÜ 
slbi unum diem postulavit haben nocbRuhnken ad Terent. 
Adelpb, II, 4. 6. pag. l89. ed. Schopen. und Garaton ad 
Cic. in Verr. I. 6. pag. 161. ed. Havn. suppli en zu müssen 
geglaubt cnusa, da das Gerundium doch von «^Mm^abbängt^ wie 
achon Heindorf su jener Stelle gezeigt hat« 

: 769^ . Zwitcbea ^Id fao4 Ut nicht jadcpmal awiachen« 
ein an denken di$am.diieat aondern auch öftera.ad #f r^fpaiuU» 
oder etwaa Sehnliches« So a. B. Cid de N. D« L-38. f06. 

§. 775. Auch bei Cicero fehlt das Z'^ngma nicht. De 
Kep. I. 23 exspectationem , quod onuf est gravissimum , imponh^ 
II, l4* ardere consuetudine et cupiJitate bellandi. De N. D. II. 
64* neque vero tupra terram^ sed etiam in uuinuM ejus um^ri» — 
^ei utUitaa* ' ' " . 

f 777. Ohne Ironie steht %ohl bei Cic da Rep, 
I. 6.' Brat: 93 f 320. 

§ 785. Tiber iu s und Caj as Gebrüdar Gracchuo 
kommt uns seltsam deutsch vpr« . 

$•.794. Ueberhanpt (.WM^am Schlusae- dsa ( «u bemer* 
kan) stehen die Pronomina gem h^iaamaMn , nicht .nur dt« 
|»Osäesatra und personalia;^ B* hmc ej» hoiaittem 
laagiEio .ppara admiror ; »jm x» Fesligia lei£uer«u ' . 



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Thoaio Mooographio 4m Pfropfeoi« 991 

§. 796« extr. Der Grund, warum in der Regel mihi 
crede, nicht crede mfAi gesetzt wird, ist wobl der, weil d«r 
Gedanke ist; mifi nicht d«inec odec Andwt Mtinung^ 
glaube. 

^ 798» tatr, nacli tu^iw nuft «in Kolon tub«!!» . 

§. 308. Der Satz: $o kann Livius u. s. w. muft 
wobl so umgestellt werden: «,80 kann Livius^ ohne (Jaia da* 
durch die Deutlichkeit geiShrdet wird , in einer Teriode ver« 
einigen , was wir im Deutschen durch drei und mehr SSts« 
•aadrücken müssen.«« 

$. 772. Faiiche« Citat: Cip. dm N. D, J. 14; «oll II. 
14* he^iten« * 



Monographie des Pfropfens ^ oder technologische Beschreibung 
der verschiedenen Pfropfarten u. s. w. Nach dem Französischen 
des Prof, Thouin von C. F. fV.Berg, Mit dreizehn litho^ 
graphirt§a Tafeln. Leipzigs bei BaumgärtMr, 1324. 120 5. 
^ in 4* 4 fl- 30 kr. 

Nach einigen kurzen Bemerkungen über das Geschieht« 
Jiche giebt der Verf. die Physik und Theorie des Pfropfen», 
welch« sehr mager ausgefallen ist, und wenig von dein ent« 
bSlt, was man über diese Operation auf dem jetzigen Stand« 
puncte der Pflanzenphysiologie hätte sagen können. Dann 
beschreibt er die Veränderungen , weiche durch das Pfropfen 
hervorgebracht werden in der Gröfse , dem Wüchse, der 
Dauerhaftigkeit und Fructification der Bäume, in der Gräfte 
und dem Geschmacke der Früchte u. s. w. , und stellt sein« 
Classification auf. Er bringt alle Pfropfarten in vier Abthci- 
langen, und unterichetdet l) das Propfen durch Absäugen, 
2) durch An^weigen (greife par scions), 3) mit dem Auge, 
4) das Pfropfen der krautartigen Theile der Vegetabilien nach 
der Erfindung des Baront Tscboudy. Diese letzte Abtheilung 
begreift jene Phropfartei) in aich, welche mit krautartigen 
Stengeln der Bäume, der perennir enden und selbst der jährigen 
Pflanzen vollführt werden. Es ist nämlich nach der Meinung 
des Verfassers im älteren, dichteren Holze und seinen veren« 

Sorten Saftröhren dto Cirfiulation des Saftes erschwert, und 
er Saft circuHrl nur in den grünen Theilen der Vegetabilien 
reicblic